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von Skywise
#5
Helmut schrieb:
Wer wird noch von guter Musik leben können, wenn sie im Internet kostenlos verbreitet werden kann? Wer wird da noch Software entwickeln? Werden die Piraten auf ihr ureigenes Programm angesprochen, bekommt man Gestammel zu hören, aber keine klare Antwort.
Weil es auch keine klare Antwort gibt, immerhin ist auch die Welt der Musik nicht "klar". Den Piraten wäre es nach einer mir bekannten Aussage am liebsten, wenn die Schutzfrist im Bereich des Urheberrechts auf zehn Jahre eingedampft würde. Schön, nur - in den Bereichen der populären Musik kann man vielleicht noch davon ausgehen, daß zehn Jahre ausreichen müßten, um das Produkt am Markt zu etablieren, doch wie schaut das im Bereich der "E-Musik" aus? Die heute so populäre "Sinfonie der Klagelieder", also die dritte Sinfonie von Henryk Mikolaj Górecki, entstand 1976, wurde aber erst in den frühen Neunzigern durch Verwendung in Filmen und kommerzielle Einspielungen zunehmend bekannt. Wie schaut es mit einem neuen Bühnenwerk aus, das vielleicht erst zögernd aufgenommen wird - die Theater sind über weite Strecken leer, wenn man sich von den etablierten Stücken entfernt. Zehn Jahre sind im Bereich der E-Musik ein viel zu kurzer Zeitraum; ob es wirklich 70 Jahre nach dem Tod des Autors sein müssen, sei mal dahingestellt, aber offen gestanden finde ich es erstaunlich, daß die Piraten sich hinstellen und behaupten, daß das Urheberrecht der Kultur im Weg stehen würde ... ich war zwar nicht duchgängig dabei, würde allerdings behaupten, daß trotz der ach! so schwerwiegenden Bürden des Urheberrechts das vollends in dieser Hinsicht überschattete 20. Jahrhundert eines der kulturell blühendsten der Geschichte war - und das bestimmt nicht nur, weil wir in Mitteleuropa permanent Nachschub aus anderen Ländern holen mußten, weil wir selbst nicht mehr kreativ sein durften oder es sich nicht mehr gelohnt hätte. Die Piraten sprechen auf ihrer Internetseite zwar davon, daß bei einer kommerziellen Nutzung eines Stücks nach wie vor eine Zahlung an den Urheber erfolgen soll, aber wenn ein Stück ungestraft kostenlos im Internet die Runde machen darf, wüßte ich erst mal nicht, wie groß die Chancen auf eine kommerzielle Nutzung danach noch sind ...
In Sachen Patentrecht habe ich wahnsinnige Angst vor einer deutlichen Lockerung, wie sie von den Piraten angestrebt wird. Deutschland war und ist das "Land der Dichter und Denker", und das bedeutet vorrangig, daß in Deutschland Know-How ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Wir haben keine Bodenschätze, mit denen wir protzen können, das wichtigste Erzeugnis in Deutschland ist das Fachwissen, das durch Veredlungen und Dienstleistungen indirekt oder durch Beratungen oder Patente direkt weitergegeben wird. Wenn sich heutzutage jemand auf die Schultern eines Riesen stellen möchte, indem er dessen Erzeugnisse umgestaltet, weiterentwickelt oder ähnliches, muß diesen Riesen gegebenenfalls um Erlaubnis fragen, an diesen Riesen einen Teil seines Gewinns abtreten etc., und das ist in meinen Augen absolut in Ordnung. Warum sollen Erfinder in einer derartigen Form abgewatscht werden?
Und die anderen Themen? Übernommen von Parteien, zu denen sie eine Alternative sein wollen, oder völlig weltfremd, weil nicht finanzierbar.
Ja-hein. Das eine oder andere wäre vielleicht schon finanzierbar, aber definitiv nicht sofort, und auch nicht auf absehbare Zeit. Die Kassen der Öffentlichen Hand sind leerer als leer. Hier müßte dringend etwas geschehen in Sachen Haushaltskonsolidierung. Wären die Haushalte konsolidiert, könnte man auch bequem über die eine oder andere Sache reden, die die Piraten auf ihrem Giftzettel haben. Is' aber nich', und mit den Piraten würde das ziemlich sicher auch nich'.
Kurzum eine Spaßpartei für Leute, die sich weigern, erwachsen zu werden. Nachdem sich die Kriminellen gern zusammen rotten, haben auch Nazis zu den Seeräubern gefunden.
Leider wahr.
Gruß
Skywise
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Herman van Veen - "Die Clowns"