Hannes Waders Autobiographie „Trotz alledem - Mein Leben“ erscheint am 30.09.2019

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Hannes Waders Autobiographie „Trotz alledem - Mein Leben“ erscheint am 30.09.2019

Beitrag von Westwind

#21

Michael hat geschrieben: Di 4. Feb 2020, 16:13 ich hole den Thread mal aus der Versenkung, denn ich bin etwas verwundert, dass ihr zwar auf "Sekundärliteratur" hinweist, aber nichts über eure eigene Lektüre schreibt. Wie fandet ihr das Buch denn?
Westwind hat geschrieben: Di 4. Feb 2020, 22:20 Ich fand es erst neulich unter dem Weihnachtsbaum und es steht als nächstes auf meiner Leseliste :-).
Aus aktuellem Anlaß buddele ich das Thema auch noch mal aus :-)

Nun hat es doch etwas länger gedauert, bis ich anfing zu lesen. Ich habe mich auf den ersten 50-100 Seiten doch etwas schwerer getan und habe das Buch nicht "verschlungen", was aber nicht am Inhalt lag. An den Schreibstil mußte ich mich irgendwie erst gewöhnen. Jetzt bin ich in der Mitte des Buches und liebe es immer mehr.

Sehr interessant finde ich, daß in der Region, wo Hannes aufwuchs, ein so intensives Plattdeutsch gesprochen wurde. Für mich als Niederrheiner wirkt das wie eine Mischung aus dem Niederrheinischen Platt und dem Norddeutschen, wobei ich mich allenfalls etwas mit dem am Niederrhein gesprochenen Regiolekt auskenne, nicht aber wirklich mit dem Dialekt. Und da stellt sich mir die Frage (weil ich mich auch abseits des Buches für Dialekte und Sprachlinien interessiere), wie es sein kann, daß es angeblich in Hannover keinen Dialekt oder Regiolekt mehr gibt und nur noch hochdeutsche Sprache gesprochen wird. Bielefeld ist zwar noch weit weg von Hannover, aber wesentlich näher dran als der Niederrhein. Und die in relativ starkem Dialekt zitierten Passagen verwundern mich tatsächlich etwas. Aber das soll nur eine Momentaufnahme meiner Wahnehmung und meiner Gedanken beim Durchlesen sein.

Daß das Buch chronologisch aufgebaut ist, finde ich gut. Inzwischen, so scheint mir, hat es sich so ein bißchen eingebürgert, daß viele Lebensläufe oft sprunghaft geschildert werden. Als Paradebeispiel bzw. dort, wo es mir zum ersten Mal so entgegenschlug, war "Der Mann mit dem Fagott" über Udo Jürgens. War damals beim Lesen auch erfrischend, aber die Zeitsprünge zerreißen letztendlich den Handlungsfaden, wenn man bei einer Biographie überhaupt von Handlung sprechen kann. Hier bei "Trotz alledem" gefällt mir die Chronologie und die Vielzahl von Bildern, die an den passenden Stellen eingebaut wurden (und nicht nur zusammenhanglos in der Mitte des Buches irgendwo).

Ich muß nochmal schauen, auch hier im Forum, aber ich kann mich gerade an keinen Hinweis erinnern, daß die erwähnten Namen geändert wurden. Habe ich da etwas überlesen ? Es kommen ja nicht alle erwähnten Protagonisten positiv davon im Buch.

Die Liedtexte, also Hannes' eigene, müßten meines Erachtens nicht unbedingt abgedruckt sein, aber es wird sicherlich viele Leser geben, die die angesprochenen Lieder nicht kennen, und um sie (die Leser) mit ins Boot zu holen, ist es schon in Ordnung. Sehr interessant finde ich die Hintergründe in der Kindheit und Jugend, die Hannes später in seinen Liedern verarbeitet hat. Manche Lieder ließen für mich oft viel Interpretationsspielraum, oder besser gesagt, machten mich neugierig, was die Hintergründe für den ein oder anderen Text waren. Da schließt das Buch für mich tatsächlich einige Lücken.

Erstaunlich finde ich, wie sich Hannes' Leben so entwickelt hat, bzw. wie er selbst seinen Weg gesucht und gefunden hat. Dafür, daß er sich früher nicht vorstellen konnte, wie es an einer Stelle im Buch heißt, irgendwie mal dichterisch bzw. poetisch wirksam zu werden, und das ursprünglich auch gar nicht so sein Bedürfnis war, haben seine Texte wirklich erstaunliche Kraft, Ausdruck und auch Poesie, Letzteres in seinen früheren Liedern vielleicht nicht ganz so sehr ausgeprägt.

Ein Zitat möchte ich auf jeden Fall hier anbringen, weil ich das beschriebene Gefühl im Rahmen meiner Erfahrungen mit der Straßenmusik nur zu gut kenne:
"Die Gitarre zwischen dem Publikum und mir gibt mir ein wenig das Gefühl, mich hinter ihr verstecken zu können".


Ich freue mich auf die zweite Halbzeit des Buches :-)

Georg
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Beitrag von Doro1100

#22

Westwind hat geschrieben: Mi 9. Dez 2020, 00:30 Und da stellt sich mir die Frage (weil ich mich auch abseits des Buches für Dialekte und Sprachlinien interessiere), wie es sein kann, daß es angeblich in Hannover keinen Dialekt oder Regiolekt mehr gibt und nur noch hochdeutsche Sprache gesprochen wird. Bielefeld ist zwar noch weit weg von Hannover, aber wesentlich näher dran als der Niederrhein. Und die in relativ starkem Dialekt zitierten Passagen verwundern mich tatsächlich etwas.
Ich bin in Ostwestfalen aufgewachsen (Nähe von Bielefeld) und zu meiner Kinderzeit habe ich gut in Erinnerung, dass in unserer Nachbarschaft auf'm Dorf unter der älteren Generation nur platt gesprochen wurde. Da mein Opa im Ruhrpott augewachsen war, sprach er höchstens mal auf diversen Feierlichkeiten, wenn schon ordentlich gebechert wurde ...selbst platt. Verstehen konnte er alles, aber zuhause bei uns wurde das nicht zelebriert. Darum verstehe ich nur Teile, sprechen kann ich gar nicht. Es gibt verschiedene Platt-Varianten. Guckst Du hier

"Platt" zu sprechen ging immer weiter verloren, die alte Generation lebt nicht mehr, die Jungen haben es wohl nicht mehr so cool gefunden. Es zogen im Laufe der Zeit immer mehr Leute aus anderen Gegenden zu, später dann auch viele Ostdeutsche und so verlor sich die Sprache immer mehr. Ansonsten spricht mal tatsächlich "hochdeutsch" wobei ich einen Ostwestfalen hier im südwesten sofort aufgrund seines "typischen" Slangs identifizieren kann.

Einige Wörter haben es allerdings auch dort in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft. Ich stosse ab und zu mal darauf, wenn ich hier in der Pfalz so einen Begriff verwende und dann das Gegenüber ein großes Fragezeichen über dem Kopf hat. :grübel:

Gruß Doro
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Beitrag von Westwind

#23

Hallo Doro,

danke für die Aufklärung, sehr interessant für mich.

Meine Großeltern (also Omas, denn Opas hatte ich keine mehr) haben schon kein Platt mehr gesprochen, und auch sonst in der Schule kannte ich keinen, in dessen Elternhaus noch Platt gesprochen wurde. Reines Platt würde ich gesprochen auch kaum mehr verstehen, gelesen könnte ich es eventuell interpretieren.

Daß Hannes dann plattdeutsche Lieder, allerdings kein ostwestfälisches, sondern mit Platt aus dem hohen Norden der Republik, sang, finde ich beachtlich. Eine Fremdsprache zu lernen ist schon schwer genug, aber einen fremden Dialekt, das könnte ich nicht. Ich glaube auch nicht, daß man das in einem Leben komplett hinbekommt, da hat man doch irgendwie nicht die richtige Zunge für, denke ich immer. Klar übernimmt man mehr und mehr Worte, Ausdrücke, Sprachmelodie und Betonungen mit der Zeit, wenn man in einer fremden Umgebung wohnt, aber ans Original kommt doch ein Fremder nie ganz ran.

Hannes hat ja auch einige Jahre, bevor es ihn in den hohen Norden zog, in Berlin gewohnt. Wenn er normal spricht und mal nicht singt, In Zwischentexten oder Interviews, höre ich nichts raus, was er aus irgendeiner Region mal übernommen hat. Oder ist jemandem da mal was aufgefallen ?

Gruß
Georg
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