Noch habe ich die Eindrücke des gestrigen Stoppok-Solo-Live-Konzerts im Kölner Gloria-Theater gar nicht richtig verdaut, trotzdem hier mein zugesagter Bericht, der ja von einigen schon erwartet wird.
Vorab soviel: Ich habe einiges an erstklassiges Konzerten unterschiedlichster Richtungen gesehen, doch ich war selten und schon lange nicht mehr so beeindruckt.
Apropos Eindruck … Der erste, den ich von Herrn Stoppk live und in Farbe gewinnen durfte, war - um es nett auszudrücken - eher "schräg" und durchaus dazu geeignet, sich um den Mann echt Soaagn zu machen. Während ich vor dem Gloria auf meine Begleiter Petra, Klausi und Jess wartete, kam Stoppok um die Ecke an mir vorbei zum Haupteingang gegangen (nee, gelatscht). Arg derangiert sah er aus, der Gute, Klamotten wie vom Trödler, unrasiert und mit einer Miene, als hätte er fünf Tage Dauerparty hinter sich. Alles lässig … 8-)
Das Kölner Publikum präsentierte sich trotz Bestuhlung bestens gelaunt und gut eingestimmt und empfing Stoppok herzlich, dem die Bühnenbeleuchtung nunmehr schmeichelte. Jedenfalls war von meinem ersten Eindruck (bis auf diese extraordinäre Exklusivfrisur) nicht mehr viel übrig, wobei ich mich fragte, ob da nicht doch die Firma Bayer geheimnisumwittert ihre Hände im Spiel hatte … Allein über das schrille Outfit konnte auch die Beleuchtung nicht hinwegtäuschen: gelb-grün karierte Beinkleider, andersfarbiges Blümchenhemd, gelbe Schuhe (wenigstens die paßten zur Hose) - pupillenkatarrhverdächtig.
Zum Einstieg stellte Stoppok ganz brav seine Sponsoren vor. Schiesser ist offenbar nicht mehr, dafür gibt's jetzt Alete und Sanifair (Autobahnraststätten-Toilettenbetreiber). Zu letzterem waren seine Kommentare natürlich besonders launig und brachten das Publikum noch besser drauf. Die Erläuterung zum Clapton-Santana-Stimmgerät setzte noch eins drauf, und dann legte er los:
Sansibar
Der nackte Mann
Nachdem er schon bei Sansibar den Einstieg leicht vergeigt hatte, beim zweiten Stück seine Lieblingsstrophe ankündigte, an die er sich aber zunächst nicht erinnern konnte (weil ja Text und Musik zusammen schwer zu praktizieren sind, aber ablesen könne ja jeder - ohne Gitarrenbegleitung hätte er den Text selbstverständlich sofort parat gehabt …), hatte er dann beim folgenden Stück
High o Pie
einen echten Aussetzer, konnte dann aber ohne Gitarrenbegleitung und unter tatkräftiger Rhythmusunterstützung durch das Publikum den Text fehlerfrei runter"rappen".
Sei nicht sauer
Jede Stunde (Danke, Carsten!

)
Irgendwo an dieser Stelle - genau weiß ich es nicht mehr - gab's dann mehrere Kommentare von ihm, weil es auf der Bühne ständig zog (im Saal übrigens auch), und immer wieder ließ er humorige Bemerkungen zum "Hausmeister" los, den er sich als Sündenbock dafür auserkoren hatte.
Dein Glück
Wetterprophet
Auf die Glocke
Nun kam er an einen Punkt, an dem ihm die Entscheidung schwerfiel, was er spielen sollte; sein Spickzettel, auf dem er sich, wie er sagte, immer zwei Alternativen pro Programmpunkt aufgeschrieben hatte, unter denen er jeweils (angeblich?) spontan entschied, ließ ihn wohl etwas im Stich: Es gab "Ärger" - nur welchen? Teil 1, Teil 2? Also Abstimmung durch das Auditorium, die ihn aber auch irgendwie nicht weiterbrachte, denn - wie hätte es anders sein sollen? - wir wollten beides! So gab's also als letztes Stück vor der Pause:
Ärger Teil 1
Nach der Pause nutzten ihm alle seine Überredungskünste nichts, die geneigte Zuhörerschaft von "Ärger Teil 2" abzubringen, also ging's damit weiter (auch wenn Claptons Erich mittlerweile das Handtuch hatte werfen müssen). Zwischenzeitlich hatte Stoppok wohl für das Abdrehen der Zu(g)luft gesorgt, und im Theater wurde es bis zum Ende des Konzerts fast unerträglich heiß.
Ärger Teil 2
Scheiße am Schuh
Es folgte
In 25 Jahren
bei dem es für das Gitarrensolo begeisterten Szenenapplaus gab. Dabei hat er sich aber auch wirklich fast selbst überholt, einfach grandios!
Tanz
Leise
Viel zu schön
Die Einleitung zu
Nach New York geflogen
war eine Mischung aus Plädoyer für die armen, "normal veranlagten" Männer zwischen 18 und 25, für die er - aus eigener Erfahrung geboren - meinte, eine Initiative ins Leben gerufen haben zu müssen, und wenig charmanten Worten gegenüber der holden Weiblichkeit ("Frauen gehen ja eigentlich gar nicht" und "Frauen sind scheiße"). Der Stimmung im Saal tat's keinen Abbruch, im Gegenteil.
Zwischen Twentours & Seniorenpaß
Es schloß sich
Willie und Gerd
an, allerdings nicht ohne den vorherigen Hinweis, daß Willie im Juli auf Bewährung freikäme und man besser daran täte, sich von seiner Frau fernzuhalten …
Learning by Burning
setzte dann den Schlußpunkt und wurde natürlich heftig beklatscht. Ohne Zugaben ging's natürlich nicht:
Tage wie dieser
Der Kühlschrank
Aus dem Beton
Mit stehend dargebrachte Ovationen wurde Stoppok dann entlassen.
Was bleibt mir noch zu sagen? Bombenstimmung, ich war wie im Rausch, konnte gar nicht genug kriegen, mir fiel nur immer die Vokabel "gigantisch" ein - und das bei einem Ein-Mann-Konzert. Ich bin noch hin und weg … und nur ganz knapp davor, meinen Wiedereinstieg ins Gitarrespielen wieder dranzugeben *seufz*. Super Gitarristen gibt's sicher so einige, doch seine individuelle Mischung aus "Show", Texten, Gesang und Virtuosität auf dem Instrument ist schon recht einmalig. Was der da auf dem Griffbrett veranstaltete, erzeugte zuweilen Schwindelgefühle.
Nachdem ich gestern nacht im hiesigen Chat schon eine Sammlung veranstalten wollte zwecks Kaufs von Kondolenzkarten für alle, die nicht dabei sein konnten, bleibt mir wohl nur noch, mich Doros Meinung anzuschließen, die sie am 13.05. im Forum kundtat: FAN VON …!
Tina
P. S.: Liebe Petra, lieber Klaus, da meine Erinnerung in Anbetracht meines momentan eher als komatös zu bezeichnenden Zustands mich bei der Abfassung dieses Berichts durchaus im Stich gelassen haben könnte, seid so lieb, eventuelle Korrekturen/Ergänzungen etc. sofort vorzunehmen …