Hallo Piet,
ach iwo, wieso sollte ich Dir denn grollen? Wir sind lediglich in dem ein oder anderen Punkt unterschiedlicher Auffassung, ist ja auch gut so, sonst wäre ja solch ein Forum hinfällig. Und daß der Ton hie und da mal ein bißchen ernsthafter ausfallen kann, wenn jemand seinen Unmut kundtut, auch das ist völlig in Ordnung. Insofern dürftest Du's schwer haben, Dir meinen Groll zu verdienen, aber versuchen kannst Du's natürlich gern.
Deine Interpretation des Begriffs "Episode" erkenne ich an; ich habe durchaus verstanden, wieso Dir aufgrund Deiner Assoziationen anläßlich meiner Wortwahl die Haare zu Berge gestanden haben, auch wenn wir darüber unterschiedlicher Meinung sind. Belassen wir's dabei; ich denke, Du hast mittlerweile sehen können, was ich mit meinen Worten (nicht) ausdrücken wollte, und damit sollte es gut sein.
Ich gebe Dir völlig recht, daß die Bedeutung eines Ereignisses nicht geschmälert werden muß/darf, um andere Werte hervorzuheben. Das war auch nicht meine Intention. Und ganz gewiß sollten wir uns nicht über andere stellen, niemand sollte das. Ich habe auch nicht den Eindruck, daß wir das heutzutage tun - ganz im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, daß wir Deutsche uns kleiner machen als nötig.
Irgendwo steckt es wohl in uns (oder den meisten, zumindest aber vielen) drin, daß wir meinen, kein Nationalbewußtsein entwickeln dürfen, von einem gesunden Patriotismus u. ä. mal ganz zu schweigen (womit ich nicht gesagt haben will, daß ich eine glühende Verfechterin dessen bin). Die Ereignisse und Folgen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 spielen offensichtlich dabei noch eine ganz große Rolle (keine ausschließliche, aber doch eine dominante). Schaut man sich allein mal an, in welchem Umfang dieses Thema uns fast täglich über die Medien erreicht, ist dies wohl auch kein Wunder. Sicher, es ist ein wichtiges Thema, eines, das nicht vergessen werden darf, aber ich für meinen Teil will nicht ständig mit der Nase drauf gestoßen werden; wie soll sich denn da ein ausgewogenes Verhältnis, wie Du es nennst, einstellen?
Ich finde schon, daß Deutschland in einer Identitätskrise steckt. Das manifestiert sich natürlich nicht allein im Gebrauch von Anglizismen oder (d)englischer Sprachpanscherei, aber auch. Im Ausland weiß man uns, unsere Leistungen und Produkte mehr zu schätzen, als wir es selber tun. Auch dafür könnte ich Dir Beispiele nennen oder zukommen lassen, es würde hier den Rahmen etwas sprengen.
Aber zurück zu Thema: Sicherlich spielt die Globalisierung eine Rolle beim vermehrten Gebrauch von Anglizismen, bei uns wie auch in anderen Ländern. Einige andere Länder, allen voran Frankreich, das Du beispielhaft anführst, grenzen sich jedoch gegen solcherart massives Eindringen ab. In Frankreich beispielsweise existieren bereits seit Jahrhunderten Maßnahmen zum Schutz/Erhalt der Sprache. Der erste Spracherlaß stammt meines Wissens aus dem 15. Jahrhundert, und im 17. Jahrhundert wurde die Académie française gegründet, die seitdem über den Erhalt und die Entwicklung der französischen Sprache wacht und den richtigen Gebrauch bestimmt. In den 90er Jahren erhielt Frankreich dann das aktuelle Sprachgesetz. Frankreich ist, wie gesagt, nicht das einzige Land, das Maßnahmen ergriffen hat, um die eigene Sprache zu fördern und zu lenken. Man mag trefflich darüber streiten, ob Gesetze der richtige Weg sind - wir befürworten sie für Deutschland nicht -, doch eines ist gewiß: In diesen Ländern stellt sich die Problematik (so man sie denn als eine solche bezeichnen möchte), wie wir sie haben nicht - oder nicht in diesem Umfang -, und man kann nicht behaupten, daß es ihnen, auch im Zeitalter der Globalisierung, zum Nachteil gereicht.
Vielen Dank auch für die neuen Verweise. Die Geschichte mit dem Werbe-Englisch ist mir gut bekannt, Douglas wird immer wieder als prominentes Beispiel zitiert. Bereits vor längerem hat die Firma Endmark zu diesem Thema eine Studie durchgeführt und herausgefunden, daß die meisten englischen Werbesprüche von Verbrauchern nicht oder nicht im Sinne des Unternehmens verstanden werden. Was geschah daraufhin? Ein guter Teil der Unternehmen ist zurückgerudert und wirbt nunmehr auf Deutsch. Da stellt sich doch die Frage, warum dies nur in der Werbung geschieht? So gut scheint ja das Englisch der breiten Masse der Deutschen nicht zu sein, als daß es verstanden wird, warum also sollen wir uns auch in anderen Bereichen der Wirtschaft oder in der Politik, der Kultur und der Religion mit einem Übermaß davon "rumschlagen"?
Was das Verhältnis der Wortschöpfungen Deutsch/Englisch angeht, ist es prima, daß die Mehrzahl aus dem Deutschen heraus gebildet wird. Aber 60 : 40 finde ich ziemlich happig! Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird, bis wir bei 50 : 50 oder einem umgekehrten Verhältnis angelangt sind? Ich finde den Gedanken daran nicht besonders ermutigend.
Wie auch immer, nochmals herzlichen Dank für Deine Recherche. Ich werde mich gern mit den Mit-Initiatoren abstimmen darüber, ob und welche wir für uns verwenden. Persönlich finde ich Ausgewogenheit (und dazu gehören nun einmal Pro und Contra) gut, insofern will ich mich gern dafür einsetzen, auch einmal kritische Töne in unseren Internet-Auftritt einzubinden. Ob es mir gelingen wird - meine "Mitmacher" und ich gehen da demokratisch vor -, bleibt abzuwarten …
Auf eine weiterhin spannende Diskussion!
Liebe Grüße
Tina