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von Nordlicht
#1
Hallo, Ihr Alle !
Ich möchte hier einmal eine Diskussion wiederbeleben, die wir schon das eine oder andere Mal geführt haben und in der wir nie zu einem Ergebnis gekommen sind, weil es vermutlich auch gar kein "richtiges" Ergebnis gibt. Aber vielleicht mal der Reihe nach:
Als vermeintlich "Erwachsenem" fiel mir am 23. Juni die Aufgabe in den Schoß, einen 11- (fast schon 12- !!!) Jährigen zu seinem ersten Live- Konzert begleiten zu dürfen. An diesem Abend waren drei Gruppen in der Linzer "Intersport- Arena", und zwar die österreichisch- deutsche Frauenrockgruppe "Aschenputtel", die Chart- Formation "Silbermond" und als Top- Act "Nena & Band". Als "alter" NDW- Fan war ich natürlich schon neugierig darauf, was Nena heute noch zu einem Zugpferd macht, aber auch "Silbermond", von denen ich zugegebenermaßen nur "Es ist besser, wenn Du gehst" kannte, machten mich neugierig. Und da ich als relativ aufgeschlossen gelte, wollte ich dann auch der "Vor- Vor-Gruppe" Aschenputtel eine Chance geben. Gesagt, getan, also mit Neugier hinein in eine zu 3/4 gefüllte Halle, die aber in den Tagen vorher permanent als "ausverkauft" und daher nur mehr mit "Restkarten" zu betreten galt. War das ein psychologischer Trick ? Oder waren es Brandschutzvorkehrungen ? Egal.
Um 19:30 Uhr begann der Abend mit den Musikern der Formation "Aschenputtel", die mit 2 Frontfrauen auf die Bühne stürmten. Da als offizieller Beginn des Abends 20:00 Uhr galt, war zu diesem Zeitpunkt naturgemäß das Einlaß- Gewühl noch groß. Die Band tat mir vorher schon Leid, denn als relativ unbekannter Support zu eröffnen, hat bestimmt seine Tücken. Und so war es auch: Die Kapelle war etwas überfordert, die Launigkeit der Ansagen wirkte aufgesetzt, und auch die Bemühungen, stimmlich und musikalisch eine gute Leistung abzugeben, verpufften nahezu wirkungslos. Dazu litt die Formation - wie leider so oft bei derartigen Live- Events - an den Phantasien des überforderten Tonmeisters, der "Lautstärke" mit "Klangqualität" gleichzusetzen schien. Die Texte schienen gar nicht einmal sooo schlecht, waren aber in dem irre lauten Klangbrei für den Nicht- Text- Kundigen nur in Fragmenten zu verstehen. 45 Minuten gab die Truppe (vermutlich) ihr Bestes, leider war das genau eine Dreiviertelstunde zu lang...
Zu lang dann auch die anschließende Umbau- Pause, denn warum für das Entfernen einiger Mikrofon- und Instrumentenständer mehr als 20 Minuten benötigt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber über diese Frage sollte ich später noch einmal grübeln können.
"Silbermond" bewiesen dann von Anfang an, daß sie schon "Profis" sind, die Mugge ging reibungslos über die Bühne, die Sängerin hatte das Linzer Publikum gut im Griff und entfachte so etwas wie Begeisterung bei den - zumeist sehr jungen - Fans. Aber auch hier: viiiiiiel zu laut, und das ließ für den Haupt- Act das Schlimmste befürchten. Da ich nur 2 oder 3 langsame Titel der 3 "Silbermonde" kannte, war ich überrascht, wie rockig sie auch spielen. Im Großen und Ganzen war der Auftritt - abgesehen vom Volume- Pegel - aber durchaus OK. Die 60 Minuten, die der Auftritt dauerte, waren angemessen.
Und dann wieder: mehr als 20 Minuten dabei zuschauen, wie sichtlich überforderte Roadies die Bühne für den "Star" des Abends umbauten. Mittlerweile war dann auch das Publikum vollzählig. Es war jetzt bunt gemischt, und man sah viele, die "Nur geträumt" oder "99 Luftballons" noch als Teenager gekannt haben dürften. Mit reichlich Bühnen- Nebel und moderaten "Chill- Out"- Klängen ging es los. Dann ein elektronischer Donnerklang und Nena sprang auf die Bühne. Auch als "gereiftere" Frau und mehrfache Mutter bewies sie ein grandioses Gespür für Timing und Stimmung und hatte die Halle vom ersten Augenblick an fest im Griff. Der Tonmeister hatte die Regler - wie befürchtet - über die "Maximal"- Markierung aufgerissen, aber da die meisten Texte dem Gros der Zuschauer ohnehin bekannt waren, fiel das nicht weiter ins Gewicht. Und guter Klang ist etwas, was wohl - mangels Training - nicht jeder zu schätzen weiß. Runde 80 Minuten spielten Nena & Band neue Titel, die ich persönlich zwar schön, aber nicht als umwerfend ansehe, und natürlich Dinge wie die schon erwähnten "99 Luftballons", "Nur geträumt", "Leuchtturm" und "Irgendwie, irgendwo, irgendwann". Daß viele Sachen auch neu arrangiert waren, tat dem Vergnügen keinen Abbruch.
Es war - um damit einmal den ersten Teil zu beenden - ein wirklich schöner Abend mit teilweise richtig guter Musik.
Nun gab es - damit zum zweiten Teil - tatsächlich ausschließlich deutsche Texte, und da begann ich zu überlegen: Was sind "Aschenputtel", "Silbermond" und "Nena" eigentlich ? Schlagersänger ? Neeeeee, das nun doch nicht. Rockmusiker ? OK, schon eher... Aber sind diese Truppen nicht auch ein Stück weit "Liedermacher" ? Wo eigentlich kann man abgrenzen ? Denn auch etablierte Künstler wie Grönemeyer oder Westernhagen haben doch die festen Genre- Grenzen zu einem gerüttelt Maß aufgeweicht. Und hier im Forum trifft man Hardcore- Fans, die einen Bodo Wartke, der für mich ein durchaus annehmbarer Comedian (fast in der Art von "Insterburg & Co" oder "Schobert & Black") ist, aber eben kein
"Liedermacher". Ähnlich verhält es sich mit Stoppok: der macht tolle Rockmusik mit teilweise richtig guten Texten, ist noch dazu eine echte "Type", aber "Liedermacher" ? Genauso wie ein als Interpret fast vergessener Albert Hammond, ein Stephan Sulke (...der sich ja selber nicht als Liedermacher bezeichnet sehen möchte...) und was es der Beispiele noch mehr geben mag.
Ist die Trennung in solche "Schubladen" eigentlich noch zeitgemäß ? Oder sehe ich das alles nur falsch ? Mich würde mal interessieren, was ihr dazu meint.
So, jetzt grüßt mit qualmenden Fingern aus einer schwül- heißen Linzer Sommernacht mit verschwitzter Uniform
ANDREAS.
(...der nebenbei festgestellt hat, daß er sich im "leiseren" Liedermacher- Ambiente wohler fühlt und deswegen befürchtet, langsam "alt" zu werden...)
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Ja, ich hab' einen Traum von einer Welt
und ich träume ihn nicht mehr still:
Es ist eine grenzenlose Welt,
in der ich leben will!
(''Ich hab' einen Traum''/ Konstantin Wecker)