We are Motörhead, we play Rock'n-Roll: Vorbei, Lemmy ist tot

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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We are Motörhead, we play Rock'n-Roll: Vorbei, Lemmy ist tot

Beitrag von fille »

Liebe Forumler,
ich weiß schon, diese Musik hat nicht viel mit Liedermacherei zu tun. Aber es gibt schon ein paar Leute hier, die auch diese Musik mögen. Und auch im Radio Liederlicht wird ab und an Motörhead gespielt.
Lemmy ist tot. Er starb gestern Nacht, nachdem er erst vor einigen Tagen erfahren hatte, dass er Krebs hatte. Und obwohl ich auch nicht zu den großen Sex-Drugs-and-Rock'n-Roll-Fans gehöre, bin ich traurig darüber. Er war ein geradliniger Typ und hat sich nicht verbiegen lassen. Am Heilig-Abend wurde er 70 Jahre alt.
Don't forget us! We are Motörhead. We play Rock'n Roll
Lemmy Kilmister (1945 - 2015)
Liebe Grüße, Marianne
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Skywise
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Beitrag von Skywise »


fille schrieb:
ich weiß schon, diese Musik hat nicht viel mit Liedermacherei zu tun. Aber es gibt schon ein paar Leute hier, die auch diese Musik mögen. Und auch im Radio Liederlicht wird ab und an Motörhead gespielt.
Jo, wenn auch die eher untypischen Balladen. Lemmy war ein großartiger Lyriker mit einem Gespür für wirkungsvolle Worte und jemand, der auch mal für Hardrock/Metal ungewöhnliche Themen verarbeitete oder einen ungewöhnlichen Blickwinkel wählte wie etwa die Schlacht an der Somme aus der Sicht eines 16jährigen Soldaten ("1916")
"Ich hörte meinen Freund schreien und er sank auf seine Knie,
Blut hustend, als er nach seiner Mutter rief.
Und ich fiel an seiner Seite, und so starben wir,
wie Kinder aneinander geklammert.
Und ich lag im Schlamm und den Eingeweiden und dem Blut
und ich weinte, als sein Körper kalt wurde."

oder Kindesmißbrauch ("Don't Let Daddy Kiss Me")
"Und Vati liegt an der Seite seiner Tochter
und er schläft tief und fest,
keine Albträume suchen ihn heute nacht heim,
obwohl seine Tochter in der Hölle lebt.
Seine Saat ist dort gesät, wo sie nicht sein sollte
und die Bestie in seinem Geist kümmert es nicht.
Und die einzigen Klänge sind die Tränen, die fallen.
Das kleine Mädchen dreht sein Gesicht zur Wand,
es weiß, daß niemand ihr Rufen hört.
Aber es scheint sowieso, daß Gott überhaupt nichts hört."

Es gibt auch noch einige andere Lieder von Motörhead, die zumindest lesenswerte Texte haben, wenn man schon Angst haben muß, daß einem beim Hören die Ohren abfallen ;-)
Lemmy war jemand, der mit Würde altern konnte und der trotz ordentlichem Drogen- und Alkoholkonsum mit bemerkenswert klarem Blick auf die Welt sah. Und der über einen unvergleichlichen Humor verfügte. Erinnert sich jemand daran, daß nach seinem 60. Geburtstag eine Satirezeitung einen Bericht über ihn veröffentlichte, wonach er gerade eine dreitägige Sex-Orgie hinter sich hatte, bei der eine Frau mit Handschellen an die Couch gefesselt wurde? Lemmy schaltete seine Anwälte ein und ließ das Blatt in der folgenden Ausgabe eine Gegendarstellung abdrucken, nach der es sieben Tage gewesen wären und das Mädchen dabei von der Decke hing ...
Ich bin auch kein Motörhead-Fan, aber Lemmy hatte schon meinen Respekt.
Vielleicht hat der vor ein paar Wochen verstorbene Phil Taylor (langjähriger Schlagzeuger von Motörhead) im Jenseits einfach Langeweile gehabt und bei ihm angeklingelt, ob Lemmy mal vorbeischauen möchte ... wie dem auch sei, es dürfte dort gerade etwas lauter geworden sein.
Gruß
Skywise
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olliwutzi
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Beitrag von olliwutzi »

Na, ich bin Motörheadfan seit ich denken kann, und es tut auch gar nicht weh..
Am 09 Dezember sah ich ihn bei seinem vorletzten Konzert in Hamburg, da war er doch schon etwas klapprig. Aber er stand seinen Mann. Überhaupt war es im ein Greuel Konzerte abzusagen oder abzubrechen.
Das hatte es nur zuletzt gegeben, als er gesundheitliche Probleme bekam. Wobei es bei den letzten Absagen ja auch gar nicht um ihn ging, sondern um Gitarrist Phil Campbell.
Aber ansonsten konnte man sich auf Lemmy in all den Jahrzehnten verlassen. Im Gegensatz zu den Herren und Damen Houston, Cocker oder Doherty. Echt schlimm, wie die teilweise ihrem zahlenden Publikum schon gegenübergetreten sind. So was hat es bei Lemmy nie gegeben, sein Publikum war ihm heilig. Auch ein Grund ihn zu mögen, auch wenn man seine Musik nicht mag.
Ich bin nur froh, dass es nun doch verdammt schnell zuende ging. Hätte er jetzt wochen-oder monatelang nicht auftreten können wäre es die Hölle für ihn geworden. So aber konnte er Mitten aus seinem Leben gehen. In meinem Herzen lebt er weiter. Ruhe in Frieden, Lemmy. Und danke für die schöne Zeit!!!
Gruß von der Olliwutz
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Beitrag von fille »

Sky schrieb
Lemmy war ein großartiger Lyriker mit einem Gespür für wirkungsvolle Worte und jemand, der auch mal für Hardrock/Metal ungewöhnliche Themen verarbeitete oder einen ungewöhnlichen Blickwinkel wählte wie etwa die Schlacht an der Somme aus der Sicht eines 16jährigen Soldaten ("1916")

Ja, ich kann mich noch gut an einen 13-jährigen erinnern, der gerade genug Englisch konnte um dieses Lied zu verstehen und dem die Tränen geflossen sind. Eines der aussagekräftigsten Antikriegslieder, die ich kenne.
Olliwutzi
Am 09 Dezember sah ich ihn bei seinem vorletzten Konzert in Hamburg, da war er doch schon etwas klapprig. Aber er stand seinen Mann. Überhaupt war es im ein Greuel Konzerte abzusagen oder abzubrechen

Nach den Anschlägen von Paris wurde Motörhead gebeten, ihr Konzert vom 15.11. abzusagen. Sie taten es mit schwerem Herzen, aber die Sicherheit ging natürlich vor.
"Diese Menschen sind so dumm“, findet Lemmy. „Warum tun sie so etwas? Denkt ihr, es ist etwas heroisches daran, unschuldige Menschen zu töten? A***löcher! Feiglinge!“(Metal Hammer)
Ich selbst war auf zwei Motörheadkonzerten. Und ehrlich gesagt, dieses schnelle schnörkellose Musik hat schon was für sich.
Lemmy war kein religiöser Mensch. Er hatte nichts übrig für ideologische Denkmuster, aber er hatte eindeutig ethische Standards. Er mochte keine Schleimer, keine Rassisten, keine Kriegstreiber und vor allen Dingen keine Idioten.
Heute gab es einen guten Nachruf von einer halben Seite in der Zeitung. Ich gebe nur den letzten Absatz wieder:
Nun ist Lemmy, dieser vielleicht letzte Philosoph des Rock, gestorben. Man müsse die Welt aushalten, hat er gesagt. Und nett zu Frauen sein. Dann wäre alles gut. Natürlich dürfe man nie vergessen, den Idioten aus den Weg zu gehen. Wir werden uns daran halten. Und Lemmy vermissen. (MM)
Liebe Grüße, Marianne


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