Konstantin Wecker ist ein deutscher Musiker, Liedermacher, Komponist, Schauspieler und Autor. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Liedermacher. Wecker engagierte sich in all den Jahren seiner künstlerischen Karriere auch politisch. Seine bekannte Ballade Willy behandelt die Konfrontation der 68er-Bewegung mit rechtem Gedankengut. Trotz seines seit den 1970er anhaltenden politischen Engagements war Wecker nie Mitglied in einer Partei und möchte sich nicht parteipolitisch festlegen lassen, weil er das als eine Einschränkung empfinden würde. Er setzt sich in seinen Konzerten und in vielen seiner Lieder für eine gewaltfreie und sozialere Gesellschaft ein, auch Bewegungen wie Fridays for Future werden von ihm unterstützt, er grenzt sich politisch klar und deutlich gegen rechtes Gedankengut ab.
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Hallo zusammen,
folgende Informationen habe ich der Homepage von Konstantin Wecker entnommen:
Trackliste:
01. Was immer mir der Wind erzählt
02. Flaschenpost
03. Praeposthum
04. Statistisch erwiesen
05. Wiegenlied
06. Lass mich einfach nicht mehr los
07. Wieder im Leben
08. All die unerhörten Klänge
09. Dem Mond entgegen
10. Däumlingsgesetze
11. Vom Sinn
12. Schlendern
13. Das ganze schrecklich schöne Leben
Facts:
Sich treu bleiben auch in der Veränderung - das macht die Einzigartigkeit von Konstantin Wecker seit drei Jahrzehnten aus. Nach der politisch prallen LP "Vaterland" (2001) kommt das neue Album "Am Flußufer" eher auf leisen Samtpfötchen daher und doch in allen subtilen Facetten unüberhörbar Weckerisch. Mit Liedern wie "Was immer mir der Wind erzählt" oder "Lass mich einfach nicht mehr los" spürt der besinnliche Romantiker dem Zauber des Lebens und der Liebe nach. Als Gegenpart dazu erzählt der übermütige und fröhlich-anarchische Satiriker in "Dem Mond entgegen", "Statistisch erwiesen" oder "Praeposthum" moderne Fabeln über bürokratischen Unsinn - und fragt ganz hinterlistig - ja wo ist da "Der Sinn"? Eine Brücke zwischen den Sonnen- und Schattenseiten der Erwachsenenwelt bilden aufgrund eigener Erfahrungen "Flaschenpost" und "Wiegenlied" über zerstörte Kindheit in aktuellen Kriegs- und Armutsgebieten. Sie zeigen einen neuen Wecker, der Sozialkritisches und Politisches auch poetisch anrührend formuliert. Das Album wurde mit allen Beteiligten live im Studio eingespielt!
5 FRAGEN AN KONSTANTIN WECKER:
Stand von vornherein fest, das Album live im Studio einzuspielen?
„Das war eine bewusste Entscheidung, weil ich gemerkt habe, dass ich besser singe, wenn ich mit den Musikern singe. Ich bin so sehr Bühnenmensch, dass auch meine Live-CDs bessere Interpretationen meiner Lieder haben als die Studioalben. Wenn ich eine zweite Gesangsspur mache, fange ich beim Singen zu denken an, und die Interpretation stimmt nicht mehr. Im Moment nennen mich meine Musiker „Mr. First Take“, weil wir uns fast durchgehend für die ersten Takes entschieden haben.“
Wieso haben Sie nicht schon früher diese Methode im Studio ausprobiert?
„Ich bin schon draufgekommen, habe aber nie die Konsequenz daraus gezogen. Ich fand dann doch wieder Gefallen daran, einen ganzen Tag meine Playbacks einzusingen. Da kann man auch sehr schön daran basteln und jeden unangenehmen Ton wieder ausmerzen. Wenn ich mich auf „Am Flußufer“ versungen hatte, mussten die Jungs alles nochmals spielen. Wenn die sich verspielt hatten, musste ich wieder singen. Das ist schon auch sehr riskant. Aber ich habe noch nie eine Plattenproduktion erlebt, die mit solchem Respekt und einer solchen Höflichkeit unter den Mitwirkenden vonstatten ging, und das zwei Wochen lang. Heute ist es nicht mehr allzu üblich, dass im Studio gemeinsam musiziert wird, also fast so wie in den Zeiten, als ein Mikrofon in die Mitte des Raumes gestellt wurde.“
Sie haben bei der Musik bewusst auf eher leise, verhaltene Töne gesetzt?
„Mit allen, bis auf den Perkussionisten, spiele ich teilweise seit über zehn Jahren zusammen. Mein Verhältnis mit Keyboarder Jo Barnikel ist sowieso wie das eineiiger Zwillinge, wir haben aber bewusst auf Keyboard-Klang verzichtet und wollten ganz natürliche Sounds haben: die Hammond als eigenständiges Instrument, den Flügel, Akustik- und E-Gitarren von Gerd Baumann, Klarinetten, Flöten, Saxophon - alles gespielt von Norbert Nagel. Dazu Sven Faller am Kontrabass, selten gestrichen, meist gezupft, und Maria Reiter am Akkordeon. Und dann dieses geniale Schlagzeug von Wolfgang Haffner, das man nicht hört. Haffner ist inzwischen ein Weltstar und mit den größten Jazz-Leuten unterwegs wie Michael Brecker. Mit ihm habe ich vor 15 Jahren „Uferlos“ eingespielt. Alles, was er damals als 18-Jähriger noch ‚geknüppelt‘ hat, hat er verinnerlicht, vieles nur mit dem Besen gemacht, die Bass-Drum angekickt, und hat dann gesagt: ne, bei diesem Refrain spiele ich gar nicht, das stört nur den Text. Also, diese Sensibilität zu spüren, ganz für den Text da sein zu wollen, war die ganz große Überraschung bei dieser Produktion. Ich will damit sagen, wie wichtig Haffner als Person war, obwohl man ihn eigentlich nur bei der Jazz-Nummer „Vom Sinn“ richtig trommeln hört.“
Sie sprachen auch von einer Spiritualität bei den Aufnahmen...
„Hakim Ludin ist ein wichtiger spiritueller Faktor in der Band, ein Afghane, der mit den Perkussions fast nur Sounds gemacht hat. Durch ihn habe ich viel über das Musizieren in Afghanistan gelernt. Dass Musik dort auch immer eine spirituelle, religiöse Komponente und immer mit dem Leben zu tun hat, mit dem eigenen Bewusstsein.“
Seit dem letzten Album „Vaterland“ sind drei Jahre vergangen, wieso?
„Bei Liedtexten und Lyrik muss ich warten, bis mich der Text kriegt. Da hilft auch kein Jammern und Klagen. Die Abstände werden im Alter wahrscheinlich immer länger. Auch, weil ich schon sehr viele Themen in Liedern abgehakt habe. Irgendwann bin ich nachts um vier aufgewacht, da sind die ersten Texte geströmt. Und dann wusste ich, jetzt kommt ein Album zusammen. Das hat sich also bereits in mir geschrieben. Schlüssel war „Dem Mond entgegen“ als reines Gedicht, dann kam der Refrain von „All die unerhörten Klänge“. Die Texte sind alle innerhalb von zwei bis drei Monaten entstanden. Die Musik ist eine nonverbale Sprache, da ist es einfach, sich auszudrücken unter Ausschaltung des Gehirns. Die Sprache ist immer etwas Rationales. Doch bei Lyrik kommt die Inspiration aus einer nonverbalen Sprache, die du mit einer rationalen Sprache ausdrücken musst. Der vollendeste Meister in der deutschen Sprache ist da für mich natürlich Rilke. Vielleicht sind in einem schon die Worte, und man lässt sie nicht zu. Wann öffnet man den Kanal? Die Griechen haben ein schönes Wort dafür, den Kairos. Der Kairos ist der richtige Zeitpunkt, den du dann aber auch packen musst.“
Konstantin Wecker zu den Liedern:
‚Was immer mir der Wind erzählt’
„Das ist ein sehr weckerisches Lied, ein Liebeslied, auch ans Leben. Die LP stand eigentlich schon, und dann habe ich noch drei Titel in der Toskana geschrieben, auch „Lass mich einfach nicht mehr los“. Liebeslieder sind die wichtigsten Lieder der Welt. Ich glaube, T.S. Eliot hat mal gesagt, alle ehrlichen, inbrünstigen Gedichte, alle Lieder sind Liebeslieder. Wobei ich immer schon propagiere, von dem Gedanken wegzugehen, ein Liebeslied müsse eine Beziehung aufarbeiten.“
‚Flaschenpost’
„Das einzige Lied, das nicht von mir ist. Florian Ills hat bei einer Band namens Ballhaus gesungen, und mir den Text gemailt. Er hat mich unglaublich angesprochen, ich habe mich sofort ans Klavier gesetzt. Ich finde ihn so anrührend und so gelungen, das politische Thema der Armut poetisch und in einer schönen Weise umgesetzt. Ich habe gleich an ein arabisches Land gedacht und die Musik auch ein bisschen so angelegt. Natürlich hat das auch mit meiner Irak-Reise zu tun, auch mit dem „Wiegenlied“, und mit etwas, was die ganze CD prägt - Kinderwelt und Erwachsenenwelt. Da ist der wunderschöne Traum des Kindes, das sich in seiner Phantasie einfach nicht einschränken lässt, und die zynische Realität des Vaters, der resigniert hat.“
‚Präposthum’
„Auch einer, dem es reicht, der sich verweigert. Die Tragödie unserer Gesellschaft ist ja wirklich: wenn du am Marienplatz Euros verteilen würdest, wirst du garantiert verhaftet. Der alte Mann will sein Geld auf nette Weise loswerden, doch seine Verwandtschaft könnte ihn entmündigen. Dein eigenes, sauberverdientes Geld darfst du nicht verschenken, das wäre ja verantwortungslos. Natürlich wird es nicht passieren, dass die Polizisten die Mammonisten plötzlich beschimpfen. Aber diese schöne Utopie habe ich mir mal kurzfristig erlaubt: Ach, war das ein Herzen und ein Geben.“
‚Statistisch erwiesen’ und ‚Vom Sinn’
„Ersteres ist ein älteres Gedicht, das genau in diese Zeit passt. Wir haben, wie auch „Vom Sinn“, folgendes überlegt: Wir befinden uns in einem Jazz-Club, jammen vor uns hin, das Ganze passiert in so einer Art Slam-Poetry, als Jazz & Lyrik-Experiment. Die Klarinette spielt auf diesem Album eine große Rolle, die Musik ist lautmalerisch und textbegleitend. Doch das Thema ist auch der Tod. Je mehr ich das Leben wieder entdecke, umso mehr entdecke ich auch den Tod. Und auch hier geht es um Identität.“
‚Wiegenlied’
„Das Lied ist durch meine Irak-Reise entstanden. Ich wollte bewusst kein lautes, politisches Lied schreiben. In allen Kriegsstatistiken werden die kriegstraumatisierten Kinder immer ausgeklammert. Wie soll so ein Kind jemals zu einem gewaltfreien, friedfertigen Gedanken fähig sein, wenn wir ihm nicht die Hand reichen? Ich finde es auch eindringlich, nur zu sagen: ‚dieses Feld ist von Blut so rot.‘ Und finde auch wichtig, dass man politische Themen in einem Lied nicht zu sehr auf ein aktuelles, politisches Geschehen formuliert. Weil es immer um etwas Grundmenschliches geht, was uns umtreibt, was sich wiederholt und in uns allen wohnt. Ich wollte der Poesie den Vorrang geben und nicht dem politischen Pamphlet.“
‚Lass mich einfach nicht mehr los’
„Ein Liebeslied, wieder mit dieser Sehnsucht nach dem Leben. Man muss verstehen, dass Liebe Arbeit ist. Ludwig Feuerbach, der als großes Atheist gilt, sagte: nur die Liebe kann einen Menschen richtig verstehen. Das ist ein so wichtiger Satz. Wenn ich schon von Haus aus gegen jemanden etwas habe, werde ich ihn nie auch nur annähernd in seiner Gesamtheit erfassen können. Es ist so notwendig, alles nur mit den Augen der Liebe zu betrachten, dann bekommt man Zugang zu den Menschen, der Welt, den Dingen. Das geht weit über Beziehungen hinaus und ist auch ein Plädoyer zum Durchhalten.“
‚Wieder im Leben’
„Ich habe mich anfangs sehr schwer getan mit der Vertonung, bis ich durch das Bass-Solo auf diesen Blues-ähnlichen New-Orleans-Stil kam. Ich fand es sehr wichtig, dass es nur mit dem Bass und mir anfängt, dann langsam das Klavier einsteigt. Und Gerd hat dann diese geile „Purple-Rain“-Gitarre darauf gespielt.“
‚All die unerhörten Klänge’
„Wir waren in der Dominikanischen Republik. Mir ging es auf dieser Reise wirklich nicht sehr gut, ich war ein bisserl sauer über das Weltgeschehen. Und hab mich dann sofort von diesen drei gar nicht grandiosen, aber sehr authentischen Musikern begeistern lassen. Bei der Aufnahme haben wir uns vorgestellt, wir spielen irgendwo in einem ganz billigen Club in Kuba. Wir haben uns, wie schon bei „Vaterland“, keine Gedanken darüber gemacht, ob das im Funk gespielt werden kann. Wir haben unsere Freude daran, uns keinem kommerziellen Druck beugen zu müssen.“
'Dem Mond entgegen’
„Das war der erste, der Aufbruchtext und sehr schwer zu vertonen. Damit wird wohl die Frage beantwortet, die mir immer wieder gestellt wird: Was denn zuerst da ist? Bei mir ist es immer ausnahmslos der Text. Der Text ist nicht autobiografisch, aber es ist eine große Sehnsucht von mir drin - jetzt bin ich für die Welt nicht mehr da, nur für mich. Wenn du die Identität ablegst, findest du ja deine eigene. Das ist auch ein Kraftakt, dieses andere Leben anzupacken. Aber - er springt dem Mond entgegen!“
‚Däumlingsgesetze’
„Der Text kam mir nachts im Englischen Garten, und meine Frau hielt mich für verrückt. Offenbar war ich der Einzige, der mit dem Text etwas anfangen konnte, wusste aber gar nicht so recht, was es soll. Gerd Baumann durfte sich bei der Vertonung bis zum Hörspiel austoben und setzte zwei Althörner ein, die sich gegenseitig überblasen. Das ist ein typisches Bespiel dafür, dass manche Texte rein über die Namen laufen. Als erstes hatte ich die Namen - Herr von der Sonderhagen und Herr Lichtenhäuser, und damit habe ich den Text weitergesponnen. Und im Nachhinein sage ich, ich halte das für ein politischen Text - denn Däumlingsgesetze sind ’ne harte Nummer.“
‚Schlendern’
„Schlendern“ ist auch ein bisschen das Tempo der Platte - und wieder diese Sehnsucht nach der Identität, einfach im Augenblick zu sein. Jeder kennt das, wenn er es zulässt, es gibt Momente, die sind nicht abrufbar. Da weißt du plötzlich, jetzt bist du da. Und dann suchst du wieder Wochen und Monate und kannst es nicht finden. Du willst es wiederholen, und es geht nicht. In solchen Momenten denke ich nicht über den Sonnen-untergang nach, will auch kein Gedicht schreiben, sondern bin einfach da. Das ist der Versuch dieses Schlenderns, dieser Verweigerung gegen Lärm und Hektik.“
„Das ganze schrecklich schöne Leben“
Es gibt so viele Dimensionen der Liebeslieder. Auch „Das ganze schrecklich schöne Leben“ ist ein Liebeslied ans Leben, nicht an die Kindheit. Das Hauptthema von Proust ist, sich über die Kindheit wiederzufinden, weil man da authentisch war. Es ist die Suche nach dem verloren Selbst. Durch meine Kinder habe ich natürlich meine Kindheit wieder heraufbeschworen, so viele Dinge wiedergefunden, die ich verdrängt und vergessen hatte.“
Lieber Marc
Vielen Dank für die Information! Ich habe die CD schon vorbestellt, bevor Du diesen Beitrag eingestellt hast, allein aufgrund des Albentitels. Wecker ist m.E. nämlich dann am besten, wenn er das Politisieren lässt - und der Titel liess darauf schliessen, dass bei dieser neuen CD anderes im Zentrum steht.
Ich bin gespannt!
Liebe Grüsse
von Reto
PS: wird sich sonst noch jemand die CD zulegen?
Hallo Marc
Ich bin mir nicht sicher ob ich mir die CD kaufen werde.
Kannst du nach erstmaligen Ahören deine Meinung über die CD schreiben? Vielleicht kann ich mich dann besser entscheiden ob ich sie kaufe oder nicht.
speedy
Reto schrieb:
Wecker ist m.E. nämlich dann am besten, wenn er das Politisieren lässt
Dann wird Dir "Am Flussufer" sicher mehr zusagen als "Vaterland". Ich bin dennoch der Ansicht, dass Wecker im Vergleich zu anderen Liedermachern am Stärksten im Politisieren ist (z.B. in "Amerika"). Sollte es den "politischen Liedermacher" geben, würde mir zu diesem Begriff als erstes Wecker einfallen. Wader hat schon lange seine Bissigkeit verloren und Meys Zynismus wirkt auf mich eher gestelzt (z.B. in "Alles O.K. in Guantánamo Bay"). Allerdings gehören Lieder wie "Amerika" eher zu denen, die ich mir nur einmal anhöre, um sie dann irgendwann und irgendwo noch mal zu zitieren. Überhaupt sind es bei Wecker in erster Linie die Texte, die mich besonders ansprechen. Weckers Stimme und Intonation sagt mir leider überhaupt nicht zu. Trotzdem brenne ich auf den 21. Februar, dann nämlich werde ich Wecker live in Hannover erleben.
Speedy schrieb:
Ich bin mir nicht sicher ob ich mir die CD kaufen werde.
Kannst du nach erstmaligen Ahören deine Meinung über die CD schreiben?
Ob Du Dir die CD kaufen solltest, kommt ganz darauf an, ob Du und welchen Konstantin Wecker Du magst. Im neuen Album "Am Flussufer" wirst Du wohl eher den poetischen und feinfühligen Liebeslied-Schreiber Wecker finden. Textlich, so bin ich mir sicher, wird er wieder etwas erstklassiges bieten.
Abgesehen vom Inhalt der Lieder bin ich darauf gespannt, wie ein live im Studio eingespieltes Album klingt. Ich glaube, das schafft ein intensiveres Musik-Erlebnis.
Wer Wecker mag, sollte sich unbedingt die Termine der Flussufer-Tournee (ab Februar) ansehen!
Gruß, Marc
Lieber Marc
Darf ich für einen kurzen Moment böse sein? Also:
Ich bin dennoch der Ansicht, dass Wecker im Vergleich zu anderen Liedermachern am Stärksten im Politisieren ist (z.B. in "Amerika"). Sollte es den "politischen Liedermacher" geben, würde mir zu diesem Begriff als erstes Wecker einfallen.
Auf der Wecker/Wader-CD "Was für eine Nacht" sagt Wecker in einem kurzen Zwischentext in etwa Folgendes (kein wörtliches Zitat): "Als ich kürzlich auf einer linken Veranstaltung in Frankfurt aufgetreten bin - ich musste lange suchen, bis ich eine gefunden habe...".
Ich finde, das sagt vieles. Bei Wecker habe ich meistens den Eindruck, er politisiert des Politisierens willen. Das wirkt auf mich ziemlich ein-, höchstens aber zweidimensional. Das muss in Tat und Wahrheit nicht so sein, ich glaube sogar, dass Wecker selbst völlig überzeugt ist von seinen Aussagen und seinem Handeln, aber mir passt das einfach nicht so recht. Der Liebeslied-Schreiber Wecker, der zeitlose, feinfühlige Texte verfasst, ist mir da um einiges lieber.
Liebe Grüsse
von Reto
Hallo Marc,
auch von mir ein Dank für den Vorbericht. Werde sicher auch ziemlich bald ein Hörer werden und kann dann meine Meinung beitragen
Und auch wenn ich eh was gegen Schubladen habe, unpolitisch mag ich ihn auch lieber, mein Lieblingsalbum ist Uferlos!
Viele Grüße
Lieber Marc
Ich erwarte sehnsüchtigst Deine fundierte Kritik. Amazon hat meine CD erst heute verschickt.
Marc schrieb:
Abgesehen vom Inhalt der Lieder bin ich darauf gespannt, wie ein live im Studio eingespieltes Album klingt. Ich glaube, das schafft ein intensiveres Musik-Erlebnis.
Also... Du hast aber schon irgendwann einmal ein live im Studio aufgenommenes Album gehört, nicht? Ansonsten wärst Du ja direkt zu bemitleiden.
Liebe Grüsse
von Reto
Hallo zusammen
Die Texte der neuen Lieder sind bereits auf wecker.de zu finden. Ich erlaube mir die Frechheit, sie hier einzustellen. In voller Länge.
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01. WAS IMMER MIR DER WIND ERZÄHLT
02. FLASCHENPOST - nicht online
03. PRAEPOSTHUM
04. STATISTISCH ERWIESEN
05. WIEGENLIED
06. LASS MICH EINFACH NICHT MEHR LOS
07. WIEDER IM LEBEN
08. ALL DIE UNERHÖRTEN KLÄNGE
09. DEM MOND ENTGEGEN
10. DÄUMLINGSGESETZE
11. VOM SINN
12. SCHLENDERN
13. DAS GANZE SCHRECKLICH SCHÖNE LEBEN
Hallo Reto, damals haben sich viele darüber gefreut, dass Du die Texte hier veröffentlicht hast - auch Migoe und ich. Heute habe ich den Eintrag zufällig wieder entdeckt. Und heute - siebeneinhalb Jahre später - sind wir ein gutes Stück klüger. Heute wissen wir, dass es nicht nur das ist, als was Du es selbst bezeichnet hast, eine Frechheit, sondern vor allen Dingen eine eklatante Verletzung des Urheberrechtes. Es ist ganz alleine Sache des Künstlers, wann und wo er seine Werke veröffentlicht sehen will. Aus diesem Grund habe ich nun alle Texte entfernt. Wir müssen uns damit begnügen, die Seite zu verlinken, wo Herr Wecker selbst seine Texte zum Lesen anbietet. Es sind sehr viele mehr als nur die des hier erwähnten Albums und es sind überall auch Hörproben dabei. Ich finde dieses Angebot äußerst großzügig, und wir müssen uns dringend an den Hinweis halten, mit dem diese Seite überschrieben ist:
Nachdruck und jedwede weitere Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Rechteinhaber!
Ansonsten habt alle viel Vergnügen beim Besuch folgender Seite: http://www.wecker.de/lieder.html
Viele Grüße von Petra
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Liebe Grüsse
von Reto
PS: meine Meinung behalte ich noch für mich. Erstmal die musikalische Umsetzung abwarten.
Mensch Reto,
vielen Dank für die Texte, wenn ich mir die so durchlese kann ich mir schon vorstellen, wie sie von Wecker präsentiert werden könnten und bekomme richtig Lust auf diese CD....grummel....denk....kalkulier....überzeugendeargumentefind...
Dieser Beitrag enthält 39 Wörter
Liebe Grüße aus Rothenburg
migoe | www.liedermacher-forum.de | 2003-2024
... Alles ist vorstellbar! Leider oder zum Glück? ... Es kommt darauf an was DU daraus machst!
Hallo zusammen,
eben hat mir der Briefträger die CD in den Briefkasten gesteckt und momentan läuft sie natürlich.
Der erste Eindruck ist sehr gut. Besonders die Melodien gefallen mir direkt. Für die Texte brauche ich noch mehr Zeit.
Ich habe mir auch gleich noch die Hundertwasser-Musical-CD (Wecker hat die Musik komponiert) mitbestellt. Jetzt habe ich einiges zu hören.
Viele Grüße
Marion
Hallo Marion,
Besonders die Melodien gefallen mir direkt.
das klingt ja vielversprechend. Dank Retos Eintrag kennnen wir ja die Texte, und die meisten gefielen mir schon beim ersten Lesen. Das letzte Lied vom 'Ganzen schrecklich schönen Leben' kenne ich sogar schon, denn er hat es letztes Jahr in St. Ingbert bereits als Zugabe gesungen.
@Migoe: Jetzt leiste ich Dir ein bisschen Gesellschaft beim Denken, Kalkulieren und überzeugende Argumente finden.
Viele Grüße von Petra
P. S.
"Als er Siebzig war und war gebrechlich,
drängte es den Lehrer doch nach Ruh,
denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich,
und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete den Schuh."
Erste Strophe des Gedichtes Legende von der Entstehung des Buches 'Taoteking' auf dem Weg des Laotse in die Emigration von Bertolt Brecht
Dieser Beitrag enthält 141 Wörter
Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)
ISMA70 schrieb:
Der erste Eindruck ist sehr gut. Besonders die Melodien gefallen mir direkt.
Das klingt ja sehr gut! Ich muss nämlich gestehen, dass mir die CD "Vaterland" u.a. wegen der Melodien nicht so gefällt. Auch dort hat's Perlen, aber meiner Meinung nach eben nicht so viele.
Liebe Grüsse
von Reto
Hallo zusammen
Auf Amazon.de steht Folgendes:
Nach vier Jahren voller Projekte legt Konstantin Wecker mit Am Flussufer endlich wieder ein Album mit komplett neuen Liedern vor. War die letzte Song-LP Vaterland eher politisch laut und prall, schlägt er dieses Mal die feinen Zwischentöne an und frönt zudem dem skurillen Humor.
Einerseits bestimmen eher nachdenkliche und subtil kritische Lieder über die Kindheit und die Kinder dieser Welt die Themen, wie etwa "Flaschenpost" und "Wiegenlied" über zerstörte Kindheit in aktuellen Kriegs- und Armutsgebieten. Aber auch die eigene mit dem nostalgischen "Das ganze schrecklich schöne Leben", das er selbst "ein Liebeslied ans Leben" nennt. Andererseits kommt der Satiriker zum Vorschein, dieses Mal schwarzhumorig und verschmitzt. Mit "Namen abgelehnt", "Statistisch erwiesen" oder "Praeposthum" erzählt Wecker moderne Fabeln über bürokratischen Unsinn - und fragt ganz hinterlistig - ja wo ist da "Der Sinn"? Auch auf "Däumlingsgesetze" bewegen sich seine Possen zwischen Ringelnatz und Dada. Doch was wäre ein Wecker-Album ohne wehmütig-romantischen Liebeslieder - "Was immer mir der Wind erzählt", "Lass mich einfach nicht mehr los" oder "Dem Mond entgegen" schildern den Drahtseilakt zwischen Lebenslust und Liebesleid.
Ein Novum für den Münchner war es, mit allen Musikern das Album gänzlich live im Studio einzuspielen, was dem präsenten Gesang zugute kam. Und den Arrangements, die oft wie hingehaucht klingen, stilistisch zwischen französischem Chanson, New-Orleans-Blues, Klezmer-Jazz und schrägen Jazz & Poetry-Improvisationen, leichtfüßig dahin geschlendert. -- Ingeborg Schober
Liebe Grüsse
von Reto
PS: "Namen abgelehnt"? Was ist denn das für ein Lied?
Hallo Reto,
was Melodien betrifft sind Geschmäcker ja bekanntermaßen unterschiedlich. Deshalb weiss ich natürlich nicht, ob sie dir auch gefallen. Was die Vaterland-CD betrifft, sehe ich das aber genauso.
Inzwischen habe ich mich auch mit den Texten näher befasst und mein positiver Gesamteindruck hat sich nicht geändert, im Gegenteil. Ich finde, es ist eine rundum gelungene CD.
Allerdings kann ich mit dem Text des Liedes "Däumlingsgesetze" nicht wirklich was anfangen. Vielleicht bekomme ich diesbezüglich noch eine Erleuchtung.
Viele Grüße
Marion
Lieber Reto!
Auch von mir vielen Dank für den Hinweis auf die Hörbeispiele.
Mir gefallen sie auch recht gut, obwohl ich bisher gar kein so grosser Wecker-Fan bin... aber das wird ja vielleicht noch.
Liebe Grüsse, Diana
Hallo zusammen
'Dem Mond entgegen’
„Das war der erste, der Aufbruchtext und sehr schwer zu vertonen. Damit wird wohl die Frage beantwortet, die mir immer wieder gestellt wird: Was denn zuerst da ist? Bei mir ist es immer ausnahmslos der Text.
Das merkt man anhand der Liedausschnitte, nicht?
Liebe Grüsse
von Reto
PS: habe die CD immer noch nicht. Vielleicht morgen?
Lieber Reto
Du hattest recht: Man merkt es den Liedern an, dass die Musik erst nachträglich geschrieben wurde. Denn in mehr als einem Fall wirkt die Melodie sehr bemüht, wie der uninspirierte Singsang von jemandem, der glaubt, dass jedes Gedicht vertont gehört. Leider habe ich das bereits bei der letzten CD, "Vaterland", so empfunden; auf dem Heimweg nach dem Kauf habe ich die Texte gelesen und eine tolle CD erwartet - und dann hörte ich Melodien, die aus altbekannten Weckerschen Elementen bestehen, und kakophonische Arrangements. Nicht immer, bei weitem nicht, aber doch bei einigen Liedern. So war's auch jetzt.
Sorry, aber Lieder wie "Präposthum" (trotz einer witzigen und passenden Anleihe bei "Sexual correctness", 1.00-1.07), "Statistisch erwiesen", "Wieder im Leben" (Intro!) und "Vom Sinn" kann ich beim besten Willen nicht geniessen. Und ich bin weiss Gott keiner, der nur mit eingängigen Melodien etwas anfangen kann, eher im Gegenteil.
Wunderschön sind dafür "Was immer mir der Wind erzählt" und "Das ganze schrecklich schöne Leben", schön auch "All die unterhörten Klänge" und - vielleicht in ein paar Tagen - das eine oder andere Lied mehr.
Liebe Grüsse
von Reto
Hallo Reto,
die drei Lieblingslieder, die du genannt hast, sind genau die, die auch mir am besten gefallen. Am schönsten finde ich "all die unerhöhrten Klänge".
Deinem Gesamturteil kann ich nicht so ganz zustimmen. Klar, vieles erinnert einen an andere Wecker-Lieder, aber gerade das gefällt mir.
Viele Grüße
Marion