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Straßenmusik

Verfasst: Do 29. Mär 2012, 14:41
von Westwind
Hallo zusammen,
vorneweg: ich weiß, zu dem Thema gibt es dedizierte Foren, aber ich möchte mich noch nicht überall anmelden, sondern mich hier erstmal mit Euch austauschen.
Ich hab vor, im Sommer erstmalig Straßenmusik zu machen mit Liedern aus den Genres zwischen Liedermacher, irischen Songs und Pop-Balladen, die ich überwiegend im Fingerpicking-Style auf der Gitarre begleiten möchte.
Über die städtespezifischen Begebenheiten und Auflagen (Stellungswechsel / Verstärkerverbote) habe ich mich zum Teil bereits informiert.
Ich hab keine Ambitionen, damit Geld zu verdienen, sondern ich möchte die Erfahrung machen, wie "meine Musik" ankommt.
Da es oftmals Verstärkerverbote gibt, andererseits eine "gezupfte" Konzertgitarre aber kaum zu hören ist, würden mich Eure Erfahrungen interessieren.
Ich hätte noch eine Westerngitarre, die sicherlich schon etwas lauter wäre, und womit ich auch mal das ein oder andere Lied mit Schlagrhythmus begleiten könnte, aber zum Zupfen ist es eben bei manchen Liedern nicht so passend.
Nun die Frageliste:
1) Wer hat schon mal komplett ohne Verstärker gespielt (Gitarre/Gesang) und wie ist es angekommen ? Bringt es ohne Verstärker überhaupt was ?
2) Es gibt nicht überall strenge Verstärkerverbote, oftmals geht es ja nur darum, übertriebene Lautstärkepegel zu vermeiden. Somit könnte man ggf einen kleinen batterie-/akkubetriebenen Verstärker (Beispiel Roland Cube) einsetzen.
Wer hat damit positive / negative Erfahrungen gemacht bzw ist jemand mit so einem kleinen Verstärker schon mal verjagt worden ?
3) Da ich meine eigenen Erfahrungen machen möchte, frage ich Euch jetzt nicht nach allen Tips und Tricks aus. Aber mich würde Eure Meinung interessieren, welche ganz groben Fehler man partout vermeiden sollte, spontan würde mir da nämlich nicht viel einfallen, was man überhaupt falsch machen kann (Wie gesagt, es geht mir nicht ums Geldverdienen).
Grüße
Der Forenhansi
:gitarre:

Straßenmusik

Verfasst: Sa 31. Mär 2012, 01:12
von Carsten K
Hallo Forenhansi,
erstmal herzlich Willkommen als neuer Kollege auf der Straße! :-) Als Kollege, das ist wichtig, denn auf der Straße, in den Fußgängerzonen, gibt es viele Menschen, für die das ihr Lebensraum ist, sei es als Künstler, aber auch zB als Obdachlose oder Bettler, denen es durchaus auch ums Geld geht. Und nicht wenige durchsuchen sogar die Mülltonnen, um etwas zum Essen zu finden. Wenn du Straßenmusiker wirst, sei dir bewusst, dass du da nicht allein bist, sondern begreife die anderen Menschen dort als Kollegen - und nicht als Konkurrenten...
Ich mache seit fast 30 Jahren Straßenmusik, immer ohne elektrische Verstärkung. Lautstärke ist natürlich wichtig, um als Einzelkünstler Aufmerksamkeit zu bekommen (was schwer genug ist!), aber entscheidender ist nach meiner Erfahrung, beim Singen/Spielen zu versuchen, direkt Kontakt zum Publikum zu knüpfen, zB Leuten in die Augen zu schauen, auch wenn sie eigentlich nur als Passanten vorbeilaufen... Das wär so ein Tipp...
Liebe Grüße
Carschti

Straßenmusik

Verfasst: Mo 2. Apr 2012, 10:56
von Westwind
Hallo Carschti,
danke für Deine Ausführungen.
So Sachen wie Augenkontakt und überzeugende Vortragsweise und dezente Freundlichkeit und Mindestabstand zu und Respekt vor den "Kollegen" sollten selbstverständlich sein.
(Nebenbei: im "forum-strassenmusik" hab ich auch schon entsprechende Hinweise gefunden, und auch andere einschlägige Tips).
Daß manche Straßenmusiker ihren Lebensunterhalt mit dieser Tätigkeit verdienen (müssen), und ich denen als Neuling ohne finanzielle Interessen keine Konkurrenz sein will, ist klar, für mich jedenfalls. Wie gesagt, mir geht's darum, vor neutralem Publikum erste Erfahrungen zu sammeln, wie meine Musik ankommt.
Entnehme ich Deinem Bild richtig, daß Du mit Westerngitarre ausgestattet bist ? Da Du ohne Verstärker spielst (wie in den meisten Städten ja auch gefordert), stellt sich mir die Frage, ob Du nun manche Lieder auch per Fingerpicking begleitest und diese Töne von der Lautstärke ausreichend sind ?
Von den Stellplätzen her wird man ja nicht immer einen Torbogen oder eine Einkaufspassage finden, wo der Schall gut reflektiert wird.
Ich möchte irgendwie vermeiden, 2 Gitarren mitzuschleppen (Western und Konzert), um das zu testen. Wenn Picking ohne Verstärker prinzipiell zu leise ist, wäre die Konzertgitarre dann vermutlich die schlechtere Wahl.
Für anderslautige Meinungen wäre ich natürlich dankbar :-)
Viele Grüße
Der Forenhansi

Straßenmusik

Verfasst: Di 3. Apr 2012, 00:16
von Carsten K
Ja, ich spiele eine Westerngitarre, und ich verwende ein Plektrum - also kein Fingerpicking, sondern höchstens ein "Plektrum-Picking"... ;-)
Aber wichtiger ist mir bei meinen Liedern der Gesang, der Text, und der oder das muss rüberkommen, egal, was für eine Gitarre ich mit welcher Technik spiele.
Wenn für Dich Fingerpicking-Begleitung wichtig ist, solltest du vielleicht einen kleinen Verstärker benutzen, falls es ansonsten zu leise ist... Und für den Gesang gilt dasselbe...
Aber falls du es ohne all das schaffst, wäre es besser und käme wahrscheinlich auch besser beim Fußgängerzonen-Publikum an, denke ich...

Straßenmusik

Verfasst: Sa 21. Jul 2012, 17:08
von Westwind
Meine Erkenntnisse und Erfahrungen:
So, ich habs hinter mich gebracht und hab mich erstmalig, bewaffnet mit meiner Gitarre, in ein paar Fußgängerzonen begeben in Städten, die ich noch nicht kannte. Hier mein Fazit zu einer Woche Straßenmusik:
Zunächst möchte ich aber denjenigen, die mit Straßenmusik finanzielle Ambitionen verbinden (bzw verbinden müssen), meinen allergrößten Respekt aussprechen. Da gehört aus meiner Sicht eine Menge dazu, wenn man Qualität und musikalische Vielfalt bieten und auch mit regelmäßig aktualisiertem Programm möglichst viele Zielgruppen (und somit Einnahmen) erreichen will.
Meine Ausgangssituation:
- Ich war nicht erpicht darauf, hohe Einnahmen zu haben, sondern wollte wissen, wie das, was ich mache, ankommt.
Daher hab ich mich für Konzert- statt Westerngitarre entschieden, und mich bei der Songauswahl auf Liedermacher, Folk (englisch/amerikanisch), 2-3 Popsongs und irischen Songs konzentriert, so daß ein Verhältnis von 50:50 bezüglich englisch/deutsch und ein gutes Verhältnis bezüglich schnell / ruhig dabei rauskam. Mit Westerngitarre und mit Liedern, die die Leute hören möchten, kann man vermutlich finanziell ganz andere Ergebnisse erzielen.
- Ich hatte ca. 30 Lieder im Gepäck. Ca. die Hälfte davon konnte ich vorher schon, die anderen habe ich vorher intensiv geübt, somit habe ich alles auswendig gespielt (ist ja ohnehin zwingende voraussetzung, um Blickkontakt zu Passanten aufnehmen zu können). Manchmal hab ich noch ein paar andere Songs, die ich kannte und konnte, eingebaut, aber Hauptprogramm waren eben die 30 ausgesuchten.
- Verstärker waren überall nicht gestattet, insofern hatte ich natürlich schon Bedenken, ob eine "gepickte" Konzertgitarre überhaupt irgendwie zu hören ist. Dadurch schieden große Plätze (ohne Schallreflektionen) oder befahrene Straßen schon mal komplett aus.
- Ich hab mich vorher bei den Ordnungsämtern der Städte nach den Regularien erkundigt und habe mich letztendlich für Städte entschieden, wo ich keine Genehmigung brauchte (oder wo man nicht erst auf dem Amt vorsingen muß), sondern höchstens nach einer gewissen Zeit den Standort wechseln mußte oder nur darauf geachtet werden mußte, bestimmte vorgeschriebene Spielorte auszuwählen.

gesammelte Erfahrungen:
- Straßenmusik allein mit Gitarre / Gesang ist für mich definitiv schwerer, als in Geburtstagsrunden, auf Sessions, oder als Bandmitglied zu spielen.
- Ich war gut vorbereitet und war ich nicht unbedingt nervös, aber doch ziemlich angespannt, bis ich am ersten Tag einen Standort gefunden und das erste Lied gespielt hatte. Insofern hab ich ansatzweise die Art von Lampenfieber erlebt, die den meisten Künstlern zu schaffen macht. Eine gewisse Anspannung und Konzentration ist zwar immer notwendig, aber ich kann mir gut vorstellen, wie es manche Leuten fast umbringt. Vor allem, wenn die Erwartungen des Publikums hoch sind. Ich hab mal gehört, daß auch viele Orchester-Solisten entsprechend oft diverse Mittelchen einnehmen, um das aushalten zu können.
Nun, so schlimm war es bei mir ja bei weitem nicht, ich hatte im Prinzip ja keinen großen Druck, wollte es aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter nehmen und hatte da meinen Anspruch an mich selbst schon ziemlich hoch geschraubt.
- Aber mit dem Wissen der guten Vorbereitung und mit einem Song, den ich wirklich im Schlaf beherrsche, loszuträllern und die ersten neugierigen Blicke aufzuschnappen, hat schon was, aber etwas aufgeregt war ich natürich trotzdem am ersten Tag.
- Ich hab viermal von fünf "Auftritten" nicht den gewünschten Standort bekommen. Teilweise hatte ich mir die möglichen Standorte vorher besichtigt (es waren alles für mich fremde Städte). 4x waren die begehrtesten Standorte besetzt, 2x von anderen Musikanten, 2x von Bettlern. Um diesen Leuten ihr Geschäft nicht zu versauen, hab ich dann eben in ausreichendem Abstand woanders Plätze gefunden. Wie gesagt, wir kam es ja nicht auf die Einnahmen an, aber ein paar Leute sollten natürlich schon auch an mir vorbeikommen, damit meine Töne nicht ganz ungehört verhallen.
- Die meisten Leute gingen vorbei, einige sind stehengeblieben (mal kürzer / mal länger) , um eine Weile zuzuhören, es gab auch schon mal dezenten Applaus von 2-3 Leuten oder den ein oder anderen nach oben ausgestreckten Daumen, und natürlich bin ich auf das ein oder andere Lied auch mal angesprochen und entsprechend gelobt worden. Diese Momente blieben zwar natürlich schon die Ausnahme, aber die persönlichen Kontakte waren dann allerdings natürlich auch die Highlights. Mißbilligede Blicke gabs natürlich auch schon mal (wenn, dann aber nur von jungen Erwachsenen), das schiebe ich aber nicht auf meine Darbietung, sondern eher auf die Songauswahl, womit manche Leute eben partout nichts anfangen konnten.
- Selbst bei Liedern, die ich seit Jahren in- und auswendig kann, bin ich auch schon mal steckengeblieben oder hab mich mit den Akkorden verhauen. Es gibt soviele Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen, wo dann die Gedanken abschweifen (auch während des Singens und Spielens !) oder die Konzentration nachläßt, weil ich Leute beobachtet habe oder mir für Zuhörer auch mal besonders viel Mühe geben wollte, und mich dann auch prompt verspielt hab.
- Ich habe viel zu verkrampft gespielt, linke Hand machte öfter Probleme als sonst.
- Mit dem Ergebnis, wie Gitarrespiel, Gesang und Liedauswahl ankam, war ich für mich sehr zufrieden (unter den oben genannten Voraussetzungen natürlich).
- Bei einsetzendem (Niesel-) Regen hab ich zwar die Refrains von "Zeig mir den Platz an der Sonne" oder Bodo Wartkes "Regen" angestimmt, das wurde aber nur einmal positiv zur Kenntnis genommen. Da hatten die Leute wohl mehr mit sich selbst zu tun, Schirme aufzuspannen usw.
- Richtig negative oder üble Erfahrungen (mit Eiern/Tomaten beschmissen, vom Standort verjagt, Fenster demonstrativ zugeknallt, Einnahmen ausgeraubt oder dergleichen, blöde Sprüche oder Beleidigungen) hatte ich keine, auch nicht, als ich irgendwo noch in der Mittagsruhe spielte (gilt die eigentlich in gut belebten Fußgängerzonen ?), und auch nicht, als ich gegenüber einer Kirchenwand (für besseren Klang bewußt gewählt) und dem benachbarten Rathaus gespielt habe. Die meisten Leute waren entweder wohlwollend oder ignorierten mich einfach.
Ist schon mal ne gute Erfahrung, den Leuten nicht auf den Nerv zu gehen mit dem, was ich mache.
- Von den Ladenbesitzern bzw Mitarbeitern kam auch keine Beschwerde, einmal sogar kam eine Angestellte extra raus, um
meinen Gitarrenkoffer etwas mehr zu füllen.
- Ich habe allerdings bei dieser ersten "Tour" auch das Unheil nicht heraufbeschwören wollen und hab mich nicht direkt neben oder gegenüber von einem Restaurant oder (Eis- oder normales) Café gestellt (Unabhängig davon, daß ich bei der dortigen Geräuschkulisse auch kaum hörbar gewesen wäre).

Witziges:
- Kleine Kinder waren immer neugierig, was ich da mache. Ein kleines Mädchen, das gerade etwas sicherer laufen konnte, kam seinem natürlichen Drang nach, sich zur Musik (scheinbar egal welcher Art und Qualität) bewegen zu wollen, und drehte so ein paar Pirouetten, ich glaub , das war sogar bei einem ruhigen irischen Song, noch nicht mal was rhythmisch peppiges. Dann haben Eltern auch schon mal den Kinderwagen in meine Richtung aufgestellt und sind für 2-3 Songs
stehengeblieben. Manchmal, wo die Eltern weitergehen wollten, blieben die Kinder stehen und schauten mich gebannt an.
- Ich hatte gerade ein Liebeslied eines deutschen Liedermachers angestimmt, da blieb eine junge Frau stehen und hat zugehört. Nach Ende der 1. Strophe marschierte dann eine lärmende Schulklasse zwischen uns durch. Was tun ? Weiterspielen oder das Zwischenspiel nochmal ? Ich hab mich dazu entschieden, nach 4 Fülltakten und Abwarten einer Lärmminderung den Anfang der 2. Strophe "Deutlicher hör ich jetzt schon vor dem Hause Stimmen, Straßengeräusche...." entsprechend laut zu singen.
- Als ich gerade "Wie könnt' ich von Dir gehen" anstimmen wollte, lief gerade die falsche Zielgruppe vorbei in Form von 2 muskelbepackten Kerlen in entsprechenden Shirts. Ich hab dann doch noch 20 Sekunden gewartet :-)
- Photographiert worden bin ich öfter mal, auch von Japanern, mal direkt mit dem Objektiv auf mich gerichtet, mal als Bestandteil der Kulisse schräg von der Seite. Natürlich mußte ich dabei an das einschlägige Lied von den Blitzlichtern denken :-)
- Einmal wollte ein Vater sein Kind überzeugen, daß es sich vor mich stellt, damit er uns zusammen filmen kann. Das Kind wollte aber partout nicht.
Fazit:
- Ich sag's mit Udo Jürgens Worten: "Ich würd' es wieder tun"
- Eine klasse Erfahrung, das mal ausprobiert zu haben.
- Es gab keine richtig negativen Erlebnisse, dafür einige positive Erlebnisse und Bestätigungen.
- Die irischen / englischen Sachen kamen besser an als die deutschen (leider, da hätte ich mir gerne ein zumindest ausgeglichenes Verhältnis gewünscht)
- Ich bin froh, nicht von der Straßenmusik leben zu müssen, dazu müßte ich wesentlich mehr üben, mein Programm immer wieder überarbeiten und mich mit Leidensgenossen um die besten Plätze streiten (ich kann mir vorstellen, da gibt es mehr Konkurrenzkampf als Verbundenheit). Ich könnte dann nicht die Musik machen, die ich machen will (Ich fürchte, das ist auch ein Kompromiss vieler Profis, die ins Showgeschäft gelangt sind, wie auch immer, und dann nur über ein bestimmtes Image Erfolg haben, aber nicht mit dem, was sie wirklich machen wollen).
- Vielleicht hätte ich Westerngitarre nehmen sollen, da hätte ich aber wesentlich mehr üben müssen, weil ich Westerngitarre eher mit Plektrum und für Schlagrhythmen nehme statt fürs Picking. Und: wenn ich mit Capo spiele, habe ich links mehr Probleme, die Akkorde sauber zu greifen, das Griffbrett ist einfach zu schmal bzw die Fingerchen zu breit. Vielleicht probier ich es einfach mal irgendwann aus.

Und zum Schluß:
Wer sich für meine Song- und Städteliste interessiert oder irgendwelche anderen Fragen hat, der möge mir eine persönliche Nachricht schicken.
Grüße

Straßenmusik

Verfasst: Sa 21. Jul 2012, 18:17
von Nicky
Lieber Forenhansi,
vielen lieben Dank, für deinen Bericht. Ich habe ihn ganz gespannt gelesen. Mal einfach irgendwo auf der Straße spielen zu können ist auch eines meiner Ziele. Zur Zeit bin ich noch Lichtjahre entfernt davon. Aber wie singt doch gleich Klaus Hoffmann „Irgendwann einmal“………;-)
Alles Liebe
Nicole

Straßenmusik

Verfasst: Mo 23. Jul 2012, 12:55
von Scorpi
Hallo Zusammen ..
Sehr interessant das Thema! Ich bewundere jeden der sich so ausprobiert und ich sags ganz ehrlich ich trau mich nicht :-? . Es gibt viele sehr gute Musiker die das Strassenleben bunter machen und ich freue mich immer riesig wenn ich irgendwo ein Instrument höre wenn ich unterwegs bin aber es gibt eben auch genug ich nenne sie auch Musiker die eben nur irgendwas nicht definierbares spielen oder eben klimpern. Ich habe auch das Problem das ich keine kräftige Stimme habe und unverstärkt nicht gegen meine Klampfen ankomme oder es wird so leise das selbst im Wohnzimmer bei den Leuten auf der Couch kaum hörbares ankommt.
Strassenmusik reizt mich schon ungemein aber aber aber vllt finde ich mal jemanden zum zusammen spielen und vllt gibts ja dann mal den Weg vors Publikum. Youtube ist eben keine Strasse aber da störts mich gar nicht aber es gibt eben auch kaum feedback.
LG Scorpi ( Karsten )

Straßenmusik

Verfasst: Mo 23. Jul 2012, 21:55
von Carsten K
Hallo Forenhansi,
Danke auch von mir für den ausführlichen und interessanten Bericht!
:daumen:
Und Kompliment, dass Du trotz einsetzenden (Niesel-)Regens weiter gespielt und auch noch den passenden Bodo Wartke-Song gebracht hast. Das zeigt, dass Du über eine humorvolle Gelassenheit verfügst, die Dir gerade als Straßenmusiker zugute kommt, denn auf der Straße kann es natürlich durchaus eher mal passieren, negative Erfahrungen zu machen, z. B. beleidigt zu werden, als bei einem Liedermacher-Konzert, wo das Publikum hinkommt, um gerade solche Musik zu hören, die Du machst. Außerdem bist Du auf der Straße ja tatsächlich auch vom Wetter anhängig, und das lässt sich nun mal nicht planen, egal wie sorgfältig Du Dich vorbereitest, wann und wo Du spielen willst. Manchmal kommen eben auch Wolkenbrüche, die vorher nicht im Wetterbericht vorhergesagt wurden...
Straßenmusik machen heißt jedenfalls auch, mit unvorhergesehenen Situationen umgehen zu müssen. Und das kannst Du, und darauf kannst Du stolz sein!
Und ich empfinde die Fußgängerzone auch als gute "Probebühne". Ich spiele zwar auch in erster Linie die Lieder, deren Texte und Akkordfolgen ich möglichst auswendig kann, aber auf der Straße entwickeln sich Songs dann noch mal weiter, indem ich Erfahrungen sammle, wie ich welchen Song vielleicht besser dem Publikum rüberbringen kann. Bestimmte Wörter oder Textzeilen, stärker oder weniger stark zu betonen z. B., oder bestimmte Passagen so oder so auf der Gitarre zu spielen. Und sowas trägt ja in der Tat auch wesentlich dazu bei, das herüberzubringen, was ich mit meinen Liedern rüberbringen möchte. Die Fußgängerzone ist jedenfalls auch eine sehr gute Schule für "Bühnenpräsenz", finde ich.
Liebe Grüße
cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Mo 23. Jul 2012, 22:27
von Benutzer 63 gelöscht
Mal ein richtiger guter Thread. :-D Danke, Leute.
Ich habe wirklich höchsten Respekt vor jedem, der sich da auf die Straße stellt (schmerz- und merkbefreite mal ausgenommen). Zu zweit stelle ich es mir schon deutlich einfacher vor, ich glaub so wars auch bei der Kleingeldprinzessin am Anfang?!
Weitermachen. Wenn ich vorbeikomme, schmeiß ich was rein.
Jürgen

Straßenmusik

Verfasst: Mi 25. Jul 2012, 00:12
von Benutzer 141 gelöscht
Diese Thema weckt so viele Erinnerungen in mir. 1999 war es das erste Mal, dass ich alleine in Bad Hersfeld meinen ganzen Mut aufbrachte und mich wagemutig in die Fußgängerzone gestellt habe, um ein paar Lieder zu singen. Nach ca. 5 Minuten lief ein Pärchen an mir vorüber; sie schaute mich herablassend von der Seite an und bemerkte nur "Gott, singt der schlecht" :-D Tja , ich erzähl nun manchmal bei Konzerten, dass das damit verbundene Trauma und dessen Bewältigung wahrscheinlich der Grund für mich war Musiker zu werden. So kompensiere ich noch heute :-D :-D
Nach der Trennung von meiner damaligen Frau hab ich dann Nägel mit Köpfen gemacht und mich (ich glaube es war 2001) 4 Sommerwochen auf die Tour quer durch ganz Deutschland gemacht. Dabei hatte ich wirklich tolle Erlebnisse und interessante Menschen kennengelernt. In Erfurt gab es mal einen Schwall Wasser von oben, der mich Gott sei Dank verfehlt hat und in Quedlinburg wurde ich auch von oben beworfen. Mein aufkeimender Ärger hielt sich aber in Grenzen als ich bemerkte, dass es ein ganzer Batzen Geld war, der in Zeitungspapier gewickelt neben mir auf's Pflaster flog. Das schönste Erlebnis war das Bardentreffen in Nürnberg, auf das ich zufällig geschneit kam, bis dato kannte ich das Treffen nicht, aber auf meiner Tour hatte mir jemand davon erzählt. Zuerst wollte ich in der Stadt singen, fand da aber alle Plätze schon von der "Konkurrenz" besetzt und weiß seitdem auch warum die peruanischen Kollegen in Straßenmusikerkreisen oft als "Inka-Terror" bezeichnet werden. Du spielst und plötzlich kommt eine fünf-köpfige Gruppe mit 4 Sackkarren an. Die platzieren sich unverblümt 3 Meter neben dich hin und bringen eine vollständige Anlage mit: 2 riesengroße Boxen auf einer Sackkarre, 4 Mikros, 1 Mischpult mit Verstärker und jetzt kommt der Clou - ein Benzinstromgenerator, der ca. 10 m entfernt aufgestellt wird. Und dann geht die Show los. Ich fand keinen Platz mehr zwischen Peruanern, Waldhornbläsergruppen aus St.Petersburg, die deutsche Volkslieder bliesen, Alphornbläsern und diversen anderen Kollegen. So sagte ich mir: Micha, guck dir wenigstens die Burg an,wenn du schon mal in Nürnberg bist. Gesagt, getan - ich erklomm dort den Berg (übrigens mit Kostüm und Lautenkoffer) und genoss die Aussicht. Mein Frust klang etwas ab und dann - ja, dann folgte das geilste, ungeplante Konzert meines Lebens. Eine Reisegruppe sprach mich an, ob ich nicht etwas zum Besten geben will. Dies tat ich und hatte irgendwann ca. 120 Leute um mich herumstehen und spielte ca. 2 Stunden lang. Ich trete jetzt seit über 10 Jahren öffentlich auf und möchte behaupten, dass ich selten ein dankbareres Publikum als an diesem Abend hatte. Mich kribbelt es heute noch, wenn ich daran zurückdenke.
Zuletzt fuhr ich dann Richtung Berlin. Bis dahin hatte ich ca. 1000 Mark zusammengesungen. Kurz vor Berlin lief dann der Motor heiß und ich rettete mich gerade noch in die Werkstatt. Das Ende vom Lied war eine Reparatur von 1400 Mark und ein trotzdem weiterhin defektes Auto. Zuhause hatte meine damalige Frau dann noch die Scheidung eingereicht, unter anderem auch weil sie stinkig darüber war, dass ich nach der Trennung nun wirklich das machte, was ich schon immer machen wollte - z.B viel Musik machen und Herumreisen. Aber dieses Detail zählt für mich auch eher zu den positiven Nebenaspekten meiner Straßenmusikerzeit :-D :-D :-D :-D
Es war toll und ich kann es jedem nur empfehlen, sich mal die Zeit für ein solches Erlebnis zu nehmen. Schnappt Eure Instrumente und ab auf Tour.
Liebe Grüße
Barde (Michael X)

Straßenmusik

Verfasst: Mi 25. Jul 2012, 01:36
von Carsten K
Hallo Michael,
1999 habe ich auch in Bad Hersfeld gespielt, mein erster und einziger Auftritt in der dortigen Fußgängerzone. War vielleicht nicht unser Jahr, oder Bad Hersfeld ist vielleicht nicht unsere Stadt... Obwohl ich mir gerade da bis heute nicht wirklich erklären kann, warum es so scheiße gelaufen war und mir im Nachhinein völlig nutzlos vorkam, gerade dort Straßenmusik zu machen... Ist doch eigentlich ne schöne Stadt oder? Tut aber gut zu lesen, dass es Dir damals ähnlich ging wie mir. Es lag also nicht an Dir oder mir, sondern an der Stadt... ;-)
Wer da trotzdem Straßenmusik machen will, 1999 ist 13 Jahre her, und heute kann alles ganz anders sein...
lg cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Mi 25. Jul 2012, 11:58
von Westwind
Hallo Michael,
ich bin beeindruckt, dann hast Du das Musizieren auf der Straße ja wirklich von Grund auf gelernt und Dich nicht entmutigen lassen :-)
Insofern kann Dich heute vermutlich nichts mehr schocken oder umwerfen.
Als ich mit Gitarre anfing, war es natürlich damals immer schon mal ein - wenn auch nicht so intensiver - Traum, auch vor fremden Leuten auf der Straße zu singen.
Jetzt wollte ich diesen Traum endlich mal verwirklichen.
Und genau jetzt frage ich mich, warum ich das nicht einfach vor zig Jahren schon ausprobiert habe.
Klar, damals hätte ich mich nicht getraut, aber eigentlich wäre es besser und sicherlich förderlich gewesen.
Aber man müßte eben auch bereit sein, negative Erfahrungen (entsprechende Kommentare, Wasserschwall von oben usw) wegzustecken, um auch daraus neue Motivation zu schöpfen.
Kann durchaus sein, daß mich solche Erlebnisse, wie Du sie hattest, dermaßen gefrustet hätten, daß ich da über Jahre traumatisiert gewesen wäre.
Insofern hast Du meine Bewunderung für Deine damalige "Jetzt-erst-recht-mit-allen-Konsequenzen" - Entscheidung.

Empfehlen kann ich es jedem, mal auf der Straße zu musizieren, aber ich konnte das leider erst, nachdem ich von dem, was ich da mache, selbst überzeugt war.
Grüße
Der Forenhansi

Straßenmusik

Verfasst: Mi 25. Jul 2012, 20:38
von NeuZeitHippi
Jetzt muss ich auch mal wieder was schreiben
Sehr Intressant zu Lesen, eure erfahrungen.
Das gefühl, einfach mal die Gitarre zu packen, und durch Bayern zu ziehen, schwebt schon sehr sehr lange in mir.
Nur ist das "Problem", ich spiele nur meine eigenen Dialektlieder.
Ich spiele kaum bis fast gar nicht "bekannte" Songs.
Und meien Songs, sind nicht wirklich Straßentauglich.
Ich dachte eher, van Wirtshaustour. Von Wirtshaus zu Wirtshaus. Da kämen 2-3 lieder von mir sicher gut an.
Der mut, und der Wille schlafen immer irgendwie.
Obwohl es am Mut weniger scheitern soll. Drauf Gschissn´ne ...
Straßenmusik würde mich auch sehr sehr reizen!
Aber jetzt erstmal meinen Führerschein fertig machen - und dan gehts los mit Konzerte suchen, und auftritte machen.
Ich vermisse das Spielen auf Bühne, und Puplikum so sehr, mir glaubts niemand.!!
Ich bin ab und an soweit, da sich einfach meiner Mutter was vorträllere, es muss halt sein! lach
lg.
NeuZeitHippi/Manuel Zurek, Z. wie Zorro.

Straßenmusik

Verfasst: Mi 25. Jul 2012, 22:43
von Carsten K
Hallo Manuel,
solltest Du einfach mal machen, ausprobieren. Immerhin ist gerade Sommer und entsprechendes Wetter für Straßenmusik... :-)
Deine eigenen Dialektlieder sollten Dich daran nicht hindern, im Gegenteil. Es sind Deine eigenen Lieder in Deinem eigenen Dialekt, und gerade sowas wissen viele Menschen besonders zu schätzen. "Blowing in the Wind" oder "Über den Wolken" kann (und kennt) jeder, aber was eigenes, das bringt Dir bei vielen Menschen noch mal extra Wertschätzung ein. Nicht bei allen, zugegeben, aber wenn Du Dich traust, wirst Du es hinterher bestimmt nicht bereuen...
lg cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Sa 28. Jul 2012, 15:31
von Holgi
Ich könnte Eure Erfahrungen stundenlang lesen. Tolles Thema!
Und: Ich bleibe auch stets kurz stehen und werfe etwas hinein.

Straßenmusik

Verfasst: So 29. Jul 2012, 22:42
von NeuZeitHippi
cARSCHti glaubst du wirklich?
Weißt du, ich denke du hast schon recht.
Nur ist es mit meinen Dialektliedern so, man muss eifnach den Text folgen. Jetzt wenn jemand auf der Straße im halben Song vorbeigeht, versteht er den zusammenhang ja kaum!! Weißt du was ich mene?
Reizen würde mich es mehr wie mehr thehe
finde auch, ein sehr Intressantes Thema!
lg, NeuzeitHippi/ Manuel Zurek. Z wie Zorro

Straßenmusik

Verfasst: Mo 30. Jul 2012, 11:23
von Westwind

NeuZeitHippi schrieb:
cARSCHti glaubst du wirklich?
Weißt du, ich denke du hast schon recht.
Nur ist es mit meinen Dialektliedern so, man muss eifnach den Text folgen. Jetzt wenn jemand auf der Straße im halben Song vorbeigeht, versteht er den zusammenhang ja kaum!! Weißt du was ich mene?
Reizen würde mich es mehr wie mehr thehe
finde auch, ein sehr Intressantes Thema!
lg, NeuzeitHippi/ Manuel Zurek. Z wie Zorro
Hallo Manuel,
ich schließe mich cARSCHtis Meinung an:
probiere es einfach aus, und mache das, was Dir gefällt und was Du für richtig hältst und wozu Du stehst.
Ich hab auf meiner Tour ja jeweils zur Hälfte deutsche / englische Lieder gesungen. Hatte aber auch ein französisches Lied dabei, und habe auch 2 Lieder auf Kölsch (Bläck Fööss und BAP) und ein Lied von Ludwig Hirsch gespielt, wo ich als Nicht-Süddeutscher und Nicht-Österreicher versucht habe, zumindest ansatzweise in dem entsprechenden Tonfall zu singen.
Auf Hochdeutsch hätte ein Ludwig-Hirsch-Lied vermutlich überhaupt nicht gewirkt, aber ich wollte es auch bewußt nicht zu 100% imitieren, geht glaube ich sowieso nicht, sondern nur soweit, wie ich es halbwegs kann, und hatte auch meine Zweifel, ob ich, wenn ich schon nicht mit dem Dialekt aufgewachsen bin, mir anmaßen darf, in diesem Dialekt zu singen.
Ich hab mir dann aber auch gedacht, daß Englisch ja auch nicht meine Muttersprache ist und ich trotzdem Englisch singe (bzw bei irischen Sachen auch schon mal mit irischem Dialekt, wie es die Dubliners teilweise machen).
Fazit: also, was soll's ? Probier es einfach aus. Entweder Leute hören zu oder eben nicht. Auf die Kölsch-Lieder bin ich (positiv) angesprochen worden in einem Ort in Süddeutschland. Wer sich für das, was Du machst, interessiert, bleibt stehen und hört zu. Aber falsch ist es garantiert nicht, wenn Du in Deinem Dialekt singst, im Gegenteil, so ein Dialekt kann die Neugierde bei den Leuten wecken und erhöht definitiv die Authentizität.
Grüße,
Der Forenhansi


Straßenmusik

Verfasst: Mi 1. Aug 2012, 12:51
von NeuZeitHippi
Florenhansi, danke dir für deine bekräftigung. Ich denke, ich werde meine Gitarre einfach mal Schnappen, und mich wo hinsetzten und singen! Was soll schon groß passieren, bis auf das man lernt. :lied:

Straßenmusik

Verfasst: Do 2. Aug 2012, 12:08
von Gesch
Hallo zusammen,
nachdem die letzten Tage etwas aufregender waren - bin erstmals Opa geworden ;-) - hab ich Lust, mal aus dieser Perspektive auf das Straßenmusik-Thema einzugehen... hab ich nämlich in jungen Jahren (ja damals, kurz nach dem Krieg... als die Haare noch dunkler waren...) auch mal gemacht, so zwischen 74 und 79...
Ich bin mit der Gitarre in die Innenstadt und habe meinen Notenständer aufgestellt. Texte konnte ich und kann ich immer noch nicht auswendig. Dafür schrieb ich und schreib ich zu rasch neue, und das Risiko, plötzlich nicht mehr weiter zu wissen, war mir zu groß.
Bei der Straßenmusik hingesetzt hab ich mich am Anfang auch, weil ich keinen Notenständer aufbauen wollte und hab mir dann ein selbst angelegtes Textbuch um den Oberschenkel gebunden - Not macht erfinderisch... Später hab ich dann doch einen Notenstsänder für die Texte aufgestellt - man wird dann von vielen Leuten gar nicht mehr gesehen, wenn andere davor stehen. Und zu hören ist man "aus der Tiefe" auch schlechter.
Die leiseren Lieder - so meine Erinnerung - sollte man auf der Straße weglassen, weil sie einfach zu schwer zu verstehen sind, wenn die Leute weiter weg stehen. Lieber schmissige Songs, die man auch lauter singen kann. (Eigentlich leise Lieder laut zu singen, macht die Lieder eher kaputt)
Meine damalige Erfahrung (ich weiß nicht, ob sie heute noch gilt, sollte ich vielleicht ab nächsten Herbst, wenn ich pensioniert bin, mal wieder ausprobieren ;-) ) war die, dass je deutschsprachiger das Repertoire, desto weniger Kohle im Kasten, aber nicht etwa, weil die Leute das nicht hören wollten, sondern weil sie bei deutschen Liedern, die sie verstehen wollten, schlicht einen engeren Kreis um einen gebildet haben und damit die vorbeilaufenden potentiellen Spender nicht mehr drankamen...
Wenn ich englische Folksongs oder Hits gespielt habe, die die Leute kannten, waren die Leute spendabler, sind aber auch nicht so lange stehengeblieben oder auch gleich weitergelaufen - und man kam besser mit den Münzen dran...

Ich habe auch häufig mit meiner damaligen Band "Saitenwind" in Bonn auf dem Marktplatz gespielt - unser Chaoten-Repertoire mit Liedern von Brecht (aus Theaterstücken oder der Hauspostille), Flugblatt-Lieder von Walter Mossmann oder frühe Lieder von Wolf Biermann, politische Volkslieder (Anklagen gegen das Soldatendasein), eigene Lieder, französische Lieder. Das war auf jeden Fall unterhaltsamer, als wenn ich allein gespielt habe.
Allein hab ich gelegentlich in Fußgängerzonen von Bonn, Köln und Stuttgart gespielt, aber auch ab und zu auf der Hauptstraße in Heidelberg, wo damals noch alle Nase lang die Straßenbahn vorbeifuhr. An deutschsprachigen Liedern hatte ich dann neben meinen eigenen (damals noch relativ wenige) auch einige Lieder, die ich übersetzt hatte, Volkslieder (Trotz alledem, Bürgerlied, Gedanken sind frei, und so weiter) Lieder aus der Vor-März-Zeit (1848, von Georg Herwegh beispielsweise) und natürlich Lieder von Hannes Wader, Walter Mossmann oder Biermann...
Am günstigsten fand ich die Zeit nach Ladenschluß, also damals ab 18.30. Ich hab versucht, dann einen guten, etwas nach hinten versetzten Ladeneingang zu finden, der quasi eine Art Bühnenplatz bot, und in dem die Raumakustik für mehr Verständlichkeit sorgte. Da war dann auch kein Risiko, dass Passanten genau vor dem Notenständer vorbeiliefen...
das mal so aus dem verstaubten Nähkästchen, aus einer Zeit, als es noch kein Youtube, kein mp3, keine Batterie-Verstärker und keine Vorschriften gab, sich Straßenmusik auf dem Ordnungsamt genehmigen zu lassen oder dass man alle 30 Minuten den Platz wechseln muss. Man konnte einfach hingehen und anfangen...
wie gesagt - kurz nach dem Krieg...
herzlich
Gerd



Straßenmusik

Verfasst: Di 11. Sep 2012, 19:01
von nDeee21
Hallo meine lieben Kollegen!
Ich bin gerade auf diese Seite gestoßen und bin überwältigt von Euren Geschichten! Ihr habt meinen allergrößten Respekt!
Ich habe es noch nicht geschafft auf der Straße zu spielen! Ehrlich gesagt, hindert mich auch etwas gesundheitliches daran..aber der Mut ansich lässt hautpsächlich noch auf sich warten! Ich spiele oft vor Publikum und bin sogar sowas wie eine kleine Rampensau..hm..wer weiß..vielleicht liegt es auch daran, dass ich meine Stadt hier nicht sehr mag!
Trotzdem werde ich es tun..wann auch immer..ich werde es tun!
Meint ihr meine Lieder wären geeignet?
(hier eine kleine Auswahl..insgesamt habe ich derzeit ca 40 auswendig gelernte eigene Songs)
https://www.facebook.com/AndyRGiordano/app_178091127385
Ich mag keine Coverbands und würde niemals..auch wenn es mich ein paar Euro kosten würde..mein Set von nicht von mir geschriebenen Liedern bestimmen lassen! Meint ihr, das wäre ein wirklich großes Problem? Der Grund wieso ich einst anfing Musik zu machen, war den Menschen eine Message zu geben..daher kommt das wohl!
Eine weitere Frage..wo habt ihr auf Euren (Touren) genächtigt?
Hätte der ein oder andere vielleicht eine Liste o.ä. wo die Voraussetzungen der verschiedenen Städte aufgeführt sind?
Allerbeste Grüße aus dem Süden
Andy


Straßenmusik

Verfasst: Di 28. Mai 2013, 09:51
von Westwind
Heute stand in der Zeitung, daß ab dem 27.5.2013 , also annähernd gestern, in Dresden eine Genehmigung erforderlich ist, wenn man auf der Straße musizieren will.
Und die kostet 25 EUR , ist zwar 1 Woche gültig, aber für Leute, die nur gelegentlich mal spielen wollen, ein heftiger Tritt ans Schienbein !
Ich habe gerade beim Ordnungsamt angerufen, es gibt auch keine Staffelung, wenn man nur 1 Tag spielen will :-(
Ich habe ja bereits Informationen zu den Genehmigungsverfahren und sonstigen Bedingungen für Straßenmusik von Ordnungsämtern in verschiedenen Großstädten gesammelt. In München muß man ja auf dem Amt vorsingen.
Aber 25 EUR ist als "Antigage" in meiner Statistik der absolute Rekord :-(
Der Link wird zwar irgendwann vermutlich nicht mehr funktionieren, aber diese Skandalmeldung kann ich nicht für mich behalten:
Straßenmusik Dresden
Mein Frust ist gerade ziemlich grenzenlos, weil ich im Gegensatz zu anderen Städten hier noch nie mit der Gitarre auf der Straße war.
Damit bekommt Reinhard Meys Lied "Ich würde gern einmal in Dresden singen" wieder eine ganz neue Bedeutung für mich.
:-(

Straßenmusik

Verfasst: Di 28. Mai 2013, 10:22
von Skywise
Sieh's positiv.
In Frankfurt war's vor einigen Jahren auch schon mal so heftig, daß die Stadt durchgegriffen hat (ob mit einem ähnlichen Beschluß weiß ich nicht, aber denkbar wär's). War aber auch nicht mehr schön, sondern einfach nur laut und irgendwann war man dermaßen abgestumpft, daß man keinen Funken Aufmerksamkeit mehr für die Musiker am Straßenrand (oder das, was sich so genannt hat) übrig hatte oder sich nicht auf sie konzentrieren konnte, weil sich die Straßenmusiker gegenseitig in Sachen Lautstärke Konkurrenz machen mußten. Das ist kein wirklich fruchtbarer Boden für Straßenmusik. Warte ein bißchen, bis sich die Geschichte ausgesiebt hat, dann wird's bestimmt auch was mit Dresden.
Gruß
Skywise

Straßenmusik

Verfasst: Mi 29. Mai 2013, 14:08
von Carsten K
Solche Verordnungen wie in Dresden sind natürlich ärgerlich, nicht nur für uns Straßenmusiker selbst, sondern auch für die Leute, die Fußgängerzonen nicht nur als Einkaufszentrum sondern auch als lebendigen öffentlichen Raum nutzen wollen. Die 25 € für die Genehmigung werden viele wahrscheinlich davon abhalten in Dresden aufzutreten, gerade solche, die herumreisen und nicht jeden Tag in derselben Stadt spielen.
Solche Verordnungen können sich zum Glück aber auch schnell wieder ändern, besonders wenn sich aus der Bevölkerung Protest dagegen regt. Deshalb ist es vor allem wichtig, das ganze öffentlich zu machen. Meistens werden solche Beschlüsse nämlich gar nicht weiter bekannt (wenn man nicht gezielt danach sucht), und dann haben die KommunalpolitikerInnen, die sowas zu verantworten haben, natürlich leichtes Spiel.
Unabhängig von Dresden - ob wann wo zu welchen Kondiditionen Straßenmusik gemacht werden darf, ist immer Sache der jeweiligen Kommune, und ich kenne die jeweiligen Bestimmungen in der Regel nicht, weil diese ja auch überall unterschiedlich sein können. Ich lasse mich davon aber nicht abhalten, zu spielen, und wenn es verboten sein sollte, wird man es mir dann ggf. schon sagen, und dann muss ich eben wieder aufhören. Aber wirklich Ärger (Bußgeld o. ä.) hab ich deswegen noch nirgendwo bekommen.

Straßenmusik

Verfasst: Di 25. Jun 2013, 22:52
von Westwind
Der Vollständigkeit halber teile ich doch noch kurz mit, daß die Stadt Dresden die erlassene Verordnung bzgl. der 25 EUR teuren Genehmigung für Straßenmusik zurückgezogen hat.
Angeblich waren sich da im Stadtrat alle Fraktionen einig, womit sich mir die Frage stellt, wie so eine Verordnung dann überhaupt auf den Weg gebracht werden konnte, aber ich sage mal: typisch Dresden. :-D
Es soll irgendwann irgendeine Regelung kommen, aber da bin ich jetzt erstmal zuversichtlich, daß das nicht allzuschnell passieren wird, siehe Waldschlößchenbrücke und Kulturpalast ;-)
(wobei die Sache mit dem Kulturpalast eigentlich alles andere als zum Schmunzeln ist)
Grüße an alle musizierenden Freiluftakrobaten :gitarre:

Straßenmusik

Verfasst: Di 25. Jun 2013, 22:59
von Carsten K
Dass die Stadt Dresden diese Verordnung zurückgezogen hat, ist doch eine gute Nachricht! :-)
Es lohnt sich also, nicht alles wiederspruchslos hinzunehmen!
Auf dass Dresden weiterhin mit toller Straßenmusik beglückt werde! :-D

Straßenmusik

Verfasst: Mi 26. Jun 2013, 09:37
von Clemens
Auf dass Dresden weiterhin mit toller Straßenmusik beglückt werde!

Na dann, "Meister der Hühnersuppentopfnudel" - nix wie herkommen. Ich kenne mindestens 3 Leute, die gern zuhören und gewiss auch etwas in Hut oder Gitarrenkoffer werfen :-).

Straßenmusik

Verfasst: Mo 9. Sep 2013, 14:27
von Westwind
Hallo zusammen,
nachdem sich der meteorologische Sommer nun komplett verabschiedet hat, bin ich froh, die letzten beiden Wochen noch einmal bei gutem Wetter für etwas Straßenmusik genutzt zu haben, so daß ich meinen letztjährigen Erfahrungen (siehe: Erfahrungen_Straßenmusik) noch das ein oder andere Kapitel hinzufügen kann.
An meinem „Programm“ habe ich nicht viel geändert, lediglich 4-5 Lieder ersetzt. Gespielt habe ich in 4 Städten, wo ich letztes Jahr nicht war. Eine Stadt hatte ich kurzfristig angefahren, ohne mich vorher beim Ordnungsamt über die Bedingungen zu informieren. Zwei Polizisten, die in der Fußgängerzone an mir vorbeiliefen, haben sich jedenfalls nicht an mir gestört, vielleicht haben sie mich auch gar nicht wahrgenommen ;-)

Weitermachen. Wenn ich vorbeikomme, schmeiß ich was rein.
Jürgen


@Jürgen: da hatte ich dieses Jahr wohl noch nicht die richtige Stadt erwischt, aber prinzipiell würde ich dazu noch vorschlagen, daß Du es Dir erst anhörst, bevor Du etwas „reinschmeißt“ ;-)

Straßenmusik im Rahmen einer kleinen Städtetour:
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Allgemein: es ist schon sehr unterschiedlich, wie Leute die Darbietung honorieren, wenn sie mich nicht gerade komplett ignorieren. Manche werfen im Vorübergehen die ein oder andere Münze in den Koffer, manche ohne Blickkontakt, andere mit. Andere Leute bleiben kurz stehen und hören zu, andere setzen sich auf eine Bank und hören länger zu. Es gab auch mal vereinzelt dezenten Beifall oder mal das ein oder andere kurze Gespräch. Manche Leute schicken ihre Kinder vor, mir die ein oder andere Münze in den Koffer zu legen, vielleicht als Erziehungsmaßnahme, vielleicht aber auch, weil es ihnen selbst etwas peinlich ist. Es gibt eben eine Menge Reaktionen, und es ist schon spannend, das zu beobachten.
Das größte Lob ist natürlich, wenn sich in der Nähe eine Bank befindet, wo Leute dann Platz nehmen, um eine Weile freiwillig zuzuhören, und / oder es auch mal zu einem freundlichen Gespräch kommt.
Einen Herrn, vermutlich so um die 60, habe ich glaube ich mit einem Lied etwas irritiert. Er hat erst etwas in meinen Koffer geworfen und hat sich seitlich von mir hingestellt, um dem nächsten Lied zuzuhören. Nach einem Blick auf meine Liederliste ging mir kurz durch den Sinn, daß das nächste Lied inhaltlich vielleicht bei diesem Herrn nicht ganz so gut ankommen könnte, aber manche Dinge erfährt man eben nicht, wenn man sie nicht ausprobiert ;-) , und so spielte ich eben ein Lied über „Volksmusik“ und sah, wie sich seine Miene von einem anfänglichen Lächeln zu einem etwas strengeren Blick veränderte. Er hat trotzdem bis zum Ende durchgehalten :-D. Das ist eben der Unterschied, wenn man spielt, was man spielen möchte und nicht unbedingt das, wovon man glaubt, daß es den Leuten gefällt. Wie auch immer, nach dem Lied meinte ich zu dem Herrn, das sei natürlich etwas provokant gewesen, worauf er sinngemäß sagte: „Ja, sowas sollte man nicht unbedingt spielen“. Diese Erfahrung wird mich jedenfalls auch in Zukunft darin bestärken, auch Lieder zu spielen, die so manchen Zuhörern aller Voraussicht nach nicht gefallen. :-D

Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich dieses Mal 3x mehr oder weniger „verjagt“ worden.
- In einer Stadt in der Fußgängerzone kam nach ca. einer Stunde eine Dame mit einer Tüte in der Hand aus dem Geschäft, vor dessen Schaufenster ich mich gestellt hatte. In dieser Stunde hat sich öfter mal eine Angestellte aus einem Geschäft schräg gegenüber immer mal in die Tür gestellt, um mir etwas zuzuhören, daher war ich ziemlich zuversichtlich, daß es jetzt mit der gerade rausgekommenen Dame keinen großen Ärger geben würde aufgrund meiner Darbietung. Ich habe das angefangene Lied noch in aller Ruhe bis zum Ende gespielt, und hatte die Dame dann gefragt, ob es ihr zuviel geworden sei. Sie meinte, sie hätte drinnen auch Musik laufen und die Doppelbeschallung wäre eben auf Dauer doch störend. Auf meinen freundlichen und etwas ironischen Vorschlag, dann drinnen die Musik abzuschalten, wollte sie dann doch nicht eingehen und sie bat mich, ein paar Meter weiterzuziehen, und als Entschädigung überreichte sie mir die mitgebrachte Tüte, wo eine kleine Flasche Sekt drin war (ich habe sie bis heute noch nicht geöffnet und weiß noch nicht, ob sie mich nicht doch vergiften wollte :-). Ich vermute mal, daß dieser Sekt sonst eher als Kundengeschenk gedacht ist). Da ich die Geschäfteinhaber und -Angestellten ja prinzipiell nicht belästigen will, war es für mich kein Problem, weiterzuziehen. Und auf so freundliche und nette Weise „verjagt“ zu werden, ist absolut in Ordnung. Anders als in einer anderen Stadt:
- In einer anderen Stadt hatte ich vom Ordnungsamt die Information, daß man nach 20 Minuten den Standort wechseln sollte. Ich habe am Vorabend die Stadt nach möglichen Spielorten abgesucht, da allerdings die Innenstadt eine einzige Großbaustelle zu sein schien, ich aber trotzdem irgendwo spielen wollte, habe ich mir den zum Rathaus gehörenden Bogengang (Säulengang / Arkade, oder wie man das nennt) ausgesucht. Nach 15 Minuten kam jemand in Hemd und Krawatte aus dem Rathaus heraus und erzählte in einem unvollständigen Satz irgendetwas von 15 Minuten. Ich entgegnete ihm, daß ich vom Ordnungsamt die Information hätte, 20 Minuten spielen zu dürfen und sagte, noch ein Lied zu spielen. Das war für ihn in Ordnung. Da aber dieser Durchgang ohnehin an eine Baustelle grenzte, und kaum Platz war, daß Leute hätten stehenbleiben können, und ich nicht den Eindruck hatte, irgendjemanden beglücken zu können, habe ich mir einen anderen Platz gesucht:
- der neue Platz war eine Treppe an der größten Kirche der Stadt. Dort kam auch nach ca. 15 Minuten eine Dame und meinte im freundlichen Ton, es sei nicht gewünscht, wenn ich an diesem Ort Geld sammeln würde, und die Musik würde „nicht ins Gesamtbild“ passen. Man weiß ja nie, ob manche Leute wirklich etwas zu sagen haben im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit oder ob sich so manche Leute nur wichtig machen wollen, wenn man sie nicht direkt fragt. Das nächste Mal würde ich vermutlich anders reagieren, aber dieses Mal habe ich mich eben verdrückt, und zwar direkt in eine andere Stadt.
Das „Verjagen“ war somit kein richtiges Verjagen, sondern eher jeweils die freundliche Bitte, einen anderen Ort aufzusuchen. Da haben andere Leute vermutlich schon wesentlich schlechtere Erfahrungen gesammelt. Das habe ich somit für mich nicht unbedingt auf die Qualität meiner Darbietung bezogen und somit auch nicht persönlich genommen. Klar, wer richtig gut ist, der schafft es vielleicht auch, sein komplettes Programm an diesen 3 Orten „durchzubringen“. Aber für mich kam es ja „nur“ darauf an, Erfahrungen zu sammeln, wie „meine“ Musik ankommt.

Straßenmusikfestival (StraMu) Würzburg:
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Ich hatte mich für die diesjährige Teilnahme am Straßenmusikfestival in Würzburg beworben und eine Absage erhalten (womit ich auch gerechnet hatte und dies somit keine Enttäuschung war). So konnte ich zwar nicht am offiziellen Programm teilnehmen, aber seit letztem Jahr gibt es bei dieser Veranstaltung das sogenannte „Freiufer“ an der Mainuferpromenade, wo man sich auch kurzfristig noch anmelden kann (am gleichen Tag ab 10 Uhr, um dann bis zu 3x für jeweils maximal 1 Stunde noch etwas darbieten zu können).
Dabei muß es nicht zwangsläufig Musik sein, sondern es sind auch künstlerische Darbietungen jeglicher Art willkommen, die das Festival bunter und abwechslungsreicher machen. Es dürfen auch eigene CDs verkauft werden.
Bei Interesse können weitere Details dazu unter StraMu_Würzburg nachgelesen werden. Nachdem ich noch lange unentschlossen war, ob ich am „Freiufer“ spielen möchte, habe ich letztendlich die für mich weite Anreise nicht gescheut und wollte dieses Festival mal aktiv und passiv kennenlernen.
Ich finde die Idee mit diesem Freiufer prinzipiell eine feine Sache, vor allem aus meiner Sicht für Straßenmusikneulinge, die sich mal öffentlich ausprobieren wollen, aber vielleicht noch nicht soviel Mut aufbringen, dies in einer Fußgängerzone zu tun.
Auf große Einnahmen sollte man vielleicht aber eher nicht spekulieren, dazu gibt es einfach ein viel zu großes künstlerisches Angebot an diesen Tagen. Dazu kommt noch, daß sich das Hauptprogramm eben überwiegend auf die verschiedenen Spielorte in der Stadt verteilt, so daß sich viele interessierte Besucher eher dort einen jeweiligen Programmpunkt aussuchen, und sich für das Mainufer nicht allzuviel Zeit nehmen.
Etwas schade ist es, daß die Spielorte am Mainufer relativ nah beieinander liegen, und wenn dann am Nachbarspielort eine Formation mit mehreren Gitarren und mehreren lauteren Stimmen agiert, ist es eben sehr schwer, sich mit leiseren Tönen Gehör zu verschaffen. Erschwerend kommt dann manchmal noch hinzu, wenn von der Brücke verstärkte Musik herüberschallt. Dies sind natürlich alles meine Wahrnehmungen und Eindrücke, das mögen andere Teilnehmer anders erlebt haben.
Bei mir blieben vereinzelt Leute mal stehen, aber das war wirklich die Ausnahme. Von den Passanten gab es zwar viele wohlwollende Blicke, aber es blieben eben nur selten mal Leute stehen. Da hatte ich in den Fußgängerzonen, wo ich vorher gespielt hatte, mehr Aufmerksamkeit.

Mein Fazit: Ich kenne ja meine Grenzen, was Gitarrespiel und Gesang betrifft, daher hatte ich da keine Erwartungen, sondern einfach nur Neugierde, und die Bewerbung für das offizielle Programm war einfach mal ein Versuch, und die Teilnahme am „Freiufer“ dann einfach Neugierde.
Vielleicht bewerbe ich mich irgendwann nochmal, aber wenn ich keine Zusage bekomme für das offizielle Programm, werde ich wohl nicht mehr am „Freiufer“ spielen, es sei denn, ich wäre bereits soweit, daß ich eigene CDs anbieten könnte. Da wäre auch das „Freiufer“ eine Möglichkeit, etwas Werbung in eigener Sache zu machen.

Gesamt-Fazit für dieses Jahr:
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Alles in allem war es wieder schön, aber ich werde wohl in den nächsten ein bis zwei Jahren keine längere Tour mehr machen (und dafür Urlaub nehmen). Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe. Ich habe viele positive Erfahrungen sammeln können, aber da ist meine Neugierde jetzt erstmal gestillt. Wenn ich mich irgendwann musikalisch vielleicht noch mal weiterentwickelt haben sollte, oder irgendwann einmal eigene Lieder haben sollte, dann wird so eine Tour vielleicht mal wieder ein Thema.
Ich bitte um Verständnis darum, daß ich hier öffentlich keine Städte nenne, in denen ich Straßenmusik gemacht habe (oder eben nicht) und auch nicht so viele Informationen über die gespielten Lieder liefere. Da sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen, und jeder hat ja seine eigenen Vorlieben. Wer aber mehr über meine Erlebnisse erfahren oder konkrete Informationen haben möchte, darf sich natürlich gerne bei mir per persönlicher Nachricht melden.
Musikalische Grüße :gitarre:

Straßenmusik

Verfasst: Mo 9. Sep 2013, 19:10
von Nicky
Lieber Georg,
da ich ja schon von dir wusste, dass du wieder auf Strassenmusik-Tour gehst, habe ich schon ganz gespannt auf deinen Bericht gewartet. :-)
Danke, dass du uns an deiner Tour und deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
Mein Neid auf deine Strassenmusikerlebnisse ist dir sicher. (trotz "verjagt werdens") ;-)
Alles Liebe
Nicole

Straßenmusik

Verfasst: Mo 9. Sep 2013, 20:14
von Benutzer 76 gelöscht
Lieber Georg,

Westwind schrieb:
Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe.

Sollte Dich Deine Reise mal durch meine kleine Straße, an meiner Haustür vorbeiführen, dann halte an und spiel ein paar Lieder, zwanzig Minuten oder länger - offene Ohren und eine kleine Flasche Sekt sind Dir sicher! ;-)
Danke für Deinen Bericht!
Lieben Gruß,
Marc

Straßenmusik

Verfasst: Di 10. Sep 2013, 20:42
von Carsten K
Danke, lieber Georg für Deinen ausführlichen und informativen Bericht. Ich finde es toll, dass Du das machst und uns hier an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt! :applaus: :knuddel:

Straßenmusik

Verfasst: Do 19. Sep 2013, 22:22
von Rex2005
Rotationsstraßenmusikkonzerte - hier wird erklärt wie´s funktioniert :-)

Straßenmusik

Verfasst: Fr 1. Nov 2013, 12:56
von migoe
Hallo an alle,
diese Meldung ist für den einen oder anderen vielleicht interessant - heute über Google gefunden:
Konstantin Wecker ist Pate des diesjährigen daheim + unterwegs-Wettbewerbs
Am Montag, den 4. November 2013 ist Konstantin Wecker (66) als Gast in der daheim + unterwegs-Auftaktsendung zur dritten Staffel der Suche nach den interessantesten Straßenmusikern dabei.
Seit vier Jahrzehnten ist der Liedermacher und Komponist eine feste Größe der deutschen Musikszene und unterstützt mit seinem eigenem Label „Sturm & Klang“ junge Talente. Mit der Straßenmusikerin Cynthia Nickschas hat er kürzlich die erste Nachwuchskünstlerin veröffentlicht. Sie nahm vor zwei am daheim + unterwegs Wettbewerb teil.
Konstantin Wecker musste auch nicht lange überlegen, ob er die Patenschaft annehmen will: „Ich freue mich, dass es heute junge Talente gibt, die sich, wie wir in den siebziger Jahren, den Traum von einer gerechteren Welt bewahrt haben, sich engagieren, streitbar sind, poetisch, verträumt und klug.“ Der Gewinner oder die Gewinnerin wird mit einem Auftritts bei einem Konzert Weckers in NRW belohnt.
Am Tag nach der Auftaktsendung, am Dienstag, 5. November, beginnt dann in der WDR-Fernsehsendung die Präsentation der am Wettbewerb 2013 teilnehmenden Straßenmusiker. Bis zum 18. November präsentieren sich zehn ganz unterschiedliche Künstler. Insgesamt drei Wochen haben die Zuschauer Zeit, um im Internet auf der Homepage der Sendung www.daheimundunterwegs.de über die aus ihrer Sicht beliebtesten Straßenmusiker abzustimmen. Das große Finale mit den ersten drei Platzierungen und der Gewinner-Kür geht dann am Mittwoch, 27. November auf Sendung (16.15 bis 18.00 Uhr)....

- Mehr über diese Aktion und die Sendung auf: http://www.monstersandcritics.de/artike ... cWjjj.dpuf
migoe

Straßenmusik

Verfasst: Mi 16. Jul 2014, 00:05
von Carsten K
Hier ein Linktipp, dessen 1. Teil letzten Sonntag auf ARTE lief:
http://www.arte.tv/guide/de/048186-006/ ... klange-1-4
Die 3 weiteren Teile kommen wahrscheinlich an den nächsten 3 Sonntagen...

Straßenmusik

Verfasst: Mi 16. Jul 2014, 08:53
von Westwind

cARSCHti schrieb:
Hier ein Linktipp, dessen 1. Teil letzten Sonntag auf ARTE lief:
http://www.arte.tv/guide/de/048186-006/ ... klange-1-4
Die 3 weiteren Teile kommen wahrscheinlich an den nächsten 3 Sonntagen...

Hallo Carschti,
vielen Dank für den Link. Ich habe mal kurz reingeschaut und werde vielleicht hinterher dazu noch meine Meinung abgeben, habe aber mal geschaut, wann die nächsten Folgen der Kurzreihe kommen und wessen Wege dort beleuchtet werden. Die Sendung kommt, wie Du vermutet hattest, wöchentlich.
Hier der Link mit Detailinfos zu dieser Sendung Pflasterklänge
Viele Grüße :gitarre2:
Georg

Straßenmusik

Verfasst: Mi 16. Jul 2014, 11:38
von Westwind
@Rike:
ist schon erstaunlich: denselben "Felix-Meyer"-arte-Doku-Link von Dir hatte ich zwar mitbekommen, aber nicht angeklickt, weil mich eine Doku über ihn nicht soooo sehr interessierte. :schäm:
Scheinbar muß aber auch ich mir eingestehen, daß ich mir Beiträge wohl schlagwortabhängig genauer anschaue oder nicht. Schande über mich ;-)
Beim Thema "Straßenmusik" war mein Interesse jedenfalls geweckt. Sollten mich die Machenschaften des Boulevardjournalismus tatsächlich schon so sehr geprägt haben ? ;-)
Liebe Grüße
Georg


Straßenmusik

Verfasst: Di 12. Mai 2015, 18:43
von Westwind
Hallo zusammen,
beim Stöbern im Internet zum Thema Straßenmusik bin ich über einen Artikel aus der NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) vom 26.7.2011 gestoßen, wo beschrieben wird, wie ein Straßenkünstler von Jugendlichen mit Münzen beworfen wurde.
Hier ist der Link zum Artikel:
Münzenwurf_in_Osnabrück
Für den Fall, daß der Link irgendwann nicht mehr gültig sein wird, füge ich jeweils ein paar Zeilen aus dem Artikel hier ein und kommentiere sie mal aus meiner Sicht.

Münzen kamen geflogen, jedoch nicht wie erhofft in den Gitarrenkoffer, sondern an den Kopf des Musikers, der sich mit vollem Künstlernamen „Pit the man from the street“ (Pit, der Mann von der Straße) nennt. „Die Werfer waren etwa 16 Jahre alt“, erzählt er in aufgeregtem Tonfall. Passanten hätten ihm geraten hinterherzulaufen, „aber ich habe hier doch wertvolle Instrumente stehen“.

...

Denn der über 50-jährige Straßenmusiker achtet darauf, immer eine Wand im Rücken zu haben. „Wer weiß, was sich sonst hinter mir abspielt?“ So ganz sicher fühle er sich nämlich auch bei Tageslicht nicht.

Ich selbst habe in Osnabrück noch nicht gespielt, und so heftig hat es mich zum Glück noch nicht erwischt, auch von Pöbeleien oder Drohungen blieb ich bisher verschont, aber so ein paar Gefühle und Ansichten kann ich durchaus nachvollziehen. Ich suche mir auch meistens einen Platz an einer Fassade oder einem Schaufenster, denn ich mag es auch nicht, wenn Leute hinter mir herumlaufen. Das mag ich noch nicht mal auf Arbeit, wenn hinter mir irgendeine Art von Unruhe herrscht.
Es ist mir allerdings auch schon mal passiert, daß jemand öfter mal in meiner Nähe rumlungerte und meinen Gitarrenkoffer beäugte. Das ist wirklich nicht angenehm und ich hatte mich auch schon mal gefragt, wie ich mich verhalten würde, wenn sich derjenige am Koffer vergreifen würde. Vielleicht kennt der ein oder andere von Euch den Film "Once", wo es genau solch eine Szene gibt. Nun, wenn das Geld weg wäre, wäre es (für mich) noch das geringste Übel. Wenn der ganze Koffer weg wäre, wäre es schon wesentlich ärgerlicher. Ich stelle mir dann schon mal die Frage, wo die Schmerzgrenze überschritten wäre und ich alles (also auch Gitarre und Rucksack) stehen und liegen lassen würde, um dem Täter zu folgen. Portemonnaie und Schlüssel lege ich grundsätzlich nicht ab.
Einmal hatte sich jemand den Inhalt meines Koffers angeschaut und mich dann aber gefragt, ob er sich einen Euro herausnehmen dürfte. Das ist im Prinzip die ehrlichste Art und natürlich ist es dann nicht ganz so einfach abzulehnen. Aber in diesem Fall habe ich trotzdem mit einem entschiedenen "Nein" geantwortet. Da gebe ich lieber etwas, wenn ich selbst unterwegs bin und keine Gitarre um den Hals habe.

„Pöbeleien von Jugendlichen oder Kindern sind in der Osnabrücker Fußgängerzone schon fast an der Tagesordnung“, hat er beobachtet. So werde er mal als „Penner“, mal als „Obdachloser“ beschimpft – oder gleich zum „Abhauen“ aufgefordert.


Das ist schon traurig, so etwas zu lesen, schließlich arbeitet man als Straßenkünstler ja schließlich für sein Geld. Wenn Jugendliche in Gruppen auftauchen, bleibe ich aber auch nicht ganz ruhig, obwohl ich schon versuche, einen freundlichen gelassenen Blick aufzusetzen. Ob dann ein nach oben gereckter Daumen ironisch oder gar zynisch gemeint ist oder doch ehrlich, weiß ich nicht, denke ich auch nicht groß drüber nach. Das ist alles hypothetisch, inwieweit ein Gruppenverhalten da mit reinspielt.
Daß mir aus einer Dreiergruppe mal einer einen Vogel gezeigt hat, habe ich mit einem Lächeln weggesteckt. Er lief in der Mitte der Dreiergruppe und wollte vielleicht seinen Kumpels irgendwas beweisen, andererseits muß ich zugeben, daß er in dem Moment gar nicht mal so daneben lag, denn wer spielt schon unter einem großen bis über den Fußgängerweg herausragenden Dach eines Warenhauses, wenn es in Strömen regnet ? ;-)

Besonders brenzlig für Straßenmusiker seien Stadtfeste wie die Maiwoche, wenn viele Passanten alkoholisiert seien. „Beim letzten Mal flogen Flaschen auf mich und einen Freund. Dabei haben wir nur gesungen.“ Bei der Erinnerung daran klingt Pit wieder ganz fassungslos.

Nun, für manche Straßenkünstler sind Stadtfeste sicherlich lukrativ. Ich persönlich würde solche Situationen vermeiden, es sei denn, daß ich zum offiziellen Programm des Festes - Bsp. Straßenmusikfestival Würzburg - dazugehöre. Stadtfeste sind für unverstärkte Musik aus meiner Sicht zu laut und zu unruhig.

Auch vom Ordnungsamt ist er enttäuscht. „Wenn die nur alle zwei Stunden in der Großen Straße entlanggehen, sehen die gar nicht, was so alles passiert.“ Denn neben pöbelnden Jugendlichen würden auch aggressive Bettler für ein angespanntes Klima sorgen. „Die sprechen teilweise alkoholisiert die Passanten an und fragen nach Geld. Und wenn dann mal einer sagt ,Geh doch arbeiten‘, werden sie aggressiv. Das geht doch nicht“, findet Pit.


Spätestens an dieser Stelle wird mir der gesamte Artikel irgendwie zu einseitig und zu pauschalisierend. Ich persönlich bin erstmal froh, wenn mir kein Ordnungshüter über den Weg läuft ;-) Ich informiere mich zwar im Vorfeld meistens bei den Ordnungsämtern über die Straßenmusik-Bedingungen, aber wenn ich mal einen guten Platz gefunden habe, kann es auch schon mal passieren, daß ich die vorgeschriebene Zeitspanne, nach der ein Standortwechsel zu erfolgen hat, schon mal überschreite. Anstatt aber nach mehr Ordnungspersonal zu rufen, rufe ich lieber dazu auf, daß in brenzligen Situationen eher die Passanten oder Geschäftemitarbeiter helfen sollten.
Als Straßenkünstler lenkt man ja nun einmal die Aufmerksamkeit auf sich, und dadurch kann es auch passieren, daß man zur Zielscheibe verbaler oder sogar nonverbaler Attacken wird, und da kann ich es nachvollziehen, daß man sich in brenzligen Situationen wirklich allein und hilflos fühlen kann, auch wenn ich - wie gesagt - solche Situationen noch nicht erlebt habe.
In der Hoffnung, daß alle Straßenkünstler von brenzligen Situationen verschont bleiben und zur Not auf Hilfe von Passanten und Geschäftemitarbeitern vertrauen können, sage ich mal: Auf in die neue Straßenmusiksaison ! :gitarre2:

Viele Grüße
Georg :georg:

Straßenmusik

Verfasst: Di 12. Mai 2015, 19:33
von Saitensprung
@Westwind,
unglaublich wie sich Menschen verhalten können! Mir selbst ist eine zunehmende Agressivität in U-Bahnhöfen und S-Bahnhöfen aufgefallen, oft von halbstarken Jugendlichen im alter von 13- 16 Jahren, bereits für die abendliche Party vorgelüht.
Straßenmusikern gegenüber hab ich es nch nicht direkt beobachtet, doch kann ich es mir sehr wohl vorstellen. Ich wünsche mir, dass solche Auswüchse die Ausnahmen bleiben.
Saitensprung

Straßenmusik

Verfasst: Di 12. Mai 2015, 23:56
von Carsten K
Ich habe als Straßenmusiker noch nicht solche Erfahrungen gemacht, eher im Gegenteil, die Jugendlichen und Erwachsenen, die auf der Straße lebten, waren mir als Straßenmusiker eher solidarisch gestimmt, haben mich als einen von ihren wahrgenommen... Okay, zugegeben, 1986 in Rouen hat mir mal ein Obdachloser meine gesamten Einnahmen (ca. 3 Franc ) aus dem Koffer geklaut, bitter... ;-)
Mit Osnabrück verbinde ich eher des jährliche Festival "Goldene Säge", woran ich schon öfters teilgenommen hab. Aber ich hab auch sonst schon mal in Osnabrück Straßenmusik gemacht und erinnere mich, dass die Fussgängerzone ziemlich restriktiv zwischen denen aufgeteilt ist, die da tagtäglich mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt verdienen müssen... :-(

Straßenmusik

Verfasst: Fr 19. Jun 2015, 10:37
von Westwind
Wie bei so vielen anderen Themen typisch für Dresden, wird auch beim Thema "Straßenmusik" hin- und herdiskutiert und regemäßig neu entschieden.
Nachdem die scheidende Oberbürgermeisterin letztes Jahr noch eine Übergangsregelung durchgesetzt hat, wonach Straßenkünstler eine Genehmigung brauchten, gibt es jetzt erstaunlicherweise eine Lockerung, so daß man zumindest eine halbe Stunde an einem Standort ohne Genehmigung spielen darf:
Straßenmusik in Dresden - aktuell.
Mal sehen, wie lange diese Regelung nun gültig ist. Was mich nun besonders stört, ist, daß man sich im Prinzip jedes Jahr aufs Neue bei den Ordnungsämtern der Städte informieren muß, ob sich die Bedingungen geändert haben. Gerade wenn man unterwegs ist und mal die Gitarre auspacken will, wo man schon mal ohne Genehmigung spielen durfte, kann man nie sicher sein, ob sich nun etwas geändert hat.
Manche Städte bieten die Informationen direkt im Internet an, bei anderen Städten muß man wirklich anrufen oder per Email Kontakt zu den Ämtern aufnehmen, und besonders witzig ist es, wenn es dann heißt, daß man sich die Genehmigung im Rathaus abholen müßte, man aber samstags irgendwo spielen will und an dem Tag ggf erst anreist.
Das verleitet leider echt dazu, nicht mehr zu fragen, sondern einfach zu machen.....
Immerhin: "Ich würde gern einmal in Dresden singen" ist für mich nun wieder aktuell geworden ;-)

Straßenmusik

Verfasst: Di 7. Jul 2015, 11:41
von Rex2005
ein Artikel zu Straßenmusik Berliner Kurier
Vielleicht kennt Carschti die Dame ? ;-)

Straßenmusik

Verfasst: Di 7. Jul 2015, 19:08
von Carsten K
Nein Rex, ich kenne Elen Wendt nicht. Ich lese weder "Berliner Kurier", noch schaue ich Casting-Shows, und am Prenzlberg bin ich auch nicht so oft, dass sie mir irgendwie aufgefallen wäre...
Aber Straßenmusik verbieten, ist natürlich scheiße, und ich bin dagegen!

Straßenmusik

Verfasst: Mi 26. Aug 2015, 19:51
von Carsten K
Nur mal so...
Hab heute ein bei FB ein Video von Nuria Edwards, einer Berliner Liedermacherin und Straßenmusikerin, die ich vor 2 Jahren auf dem Alex kenngelernt hab, entdeckt:
https://video-fra3-1.xx.fbcdn.net/hvide ... e=55DE22E3
Straßenmusik in Bocholt (liegt übrigend im Kreis Borken, wo Georg und Michael vor kurzem gespielt haben)! Ich hab zwar noch in Bocholt Straßenmusik gemacht, aber ich musste schmunzeln, weil ich 1985 da 4 Wochen auf Zivi-Lehrgang war. Und ich wünschte, es hätte damals schon Straßenmusikerinnen wie Nuria dort gegeben, dann hätte ich das Städtchen nicht ganz so öde in Erinnerung... ;-)


Straßenmusik

Verfasst: Mi 2. Sep 2015, 01:15
von Carsten K
Hab grad bei FB dieses Video vom Stramu Borken entdeckt:
https://www.youtube.com/watch?v=yY0v0gN ... c9JNIh3MW_
Viel Spaß! :-)

Straßenmusik

Verfasst: Mi 2. Sep 2015, 12:03
von Westwind

cARSCHti schrieb:
Nur mal so...
Hab heute ein bei FB ein Video von Nuria Edwards, einer Berliner Liedermacherin und Straßenmusikerin, die ich vor 2 Jahren auf dem Alex kenngelernt hab, entdeckt:
https://video-fra3-1.xx.fbcdn.net/hvide ... e=55DE22E3
Straßenmusik in Bocholt (liegt übrigend im Kreis Borken, wo Georg und Michael vor kurzem gespielt haben)! Ich hab zwar noch in Bocholt Straßenmusik gemacht, aber ich musste schmunzeln, weil ich 1985 da 4 Wochen auf Zivi-Lehrgang war. Und ich wünschte, es hätte damals schon Straßenmusikerinnen wie Nuria dort gegeben, dann hätte ich das Städtchen nicht ganz so öde in Erinnerung... ;-)


Lieber Carschti,
danke fürs Reinstellen der beiden Verknüpfungen :-)
Die Straßenmusiksaison geht ja nun leider bald zu Ende, aber gerade Borken war für mich dieses Jahr ein Highlight (für den Barden, wie ich gehört habe, auch ;-) )
Es ist schon klasse, wieviel gute Musik (gut, meine jetzt nicht unbedingt inbegriffen ;-) ) auf der Straße so zu hören ist, wenn man denn auch mal stehenbleibt und zuhört und nicht nur vorübergeht.
Liebe Grüße
Georg :georg:

Straßenmusik

Verfasst: Mi 2. Sep 2015, 21:39
von Benutzer 141 gelöscht
Jetzt hat mich Georg so lange bearbeitet, dass ich doch was über Borken reinstelle. Zufällig habe ich beim Mail-Sortieren nämlich noch diesen Zeitungsartikel entdeckt.
Liebe Grüße
Michael

Straßenmusik

Verfasst: Mi 2. Sep 2015, 22:12
von Petra
Hallo Michael,
Deinen Bericht über Deine Erlebnisse in Borken hatte ich mir allerdings etwas anders vorgestellt. :-? Aber immerhin - jetzt sind wir Dir auf die Schliche gekommen. Mich hast Du jedenfalls jahrelang in dem Glauben gelassen, dass Du aus dem Schwabenländle stammst. Und nun lese ich hier, dass Du ein gebürtiger Friese bist. Wem ich glaube, kannst Du Dir ja denken, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. ;-)
Liebe Grüße von Petra

Straßenmusik

Verfasst: Do 3. Sep 2015, 00:17
von Doro1100
Hallo Petra,
in des Liebingsbardens Lebenslauf (auf seiner HP veröffentlicht) ist zwar einiges nicht ganz ernst zu nehmen, den ersten Satz habe ich allerdings immer für wahr gehalten: :-D
Im November 1963 wurde an der friesischen Küste in einer Sturmnacht (was wohl eine gewisse Symbolik haben muss) einem wunderschönen Kindlein das Leben geschenkt - mir.

Gruß Doro
P. S.
O. K. die Passage mit "wunderschönem Kindlein" läßt mich doch gerade ein wenig zweifeln...;-)

Straßenmusik

Verfasst: Do 3. Sep 2015, 00:29
von Benutzer 141 gelöscht
Deinen Bericht über Deine Erlebnisse in Borken hatte ich mir allerdings etwas anders vorgestellt.

Ich dachte, ich komme bequem aus der Nummer heraus, wenn ich nur diesen Artikel einstelle. Aber eigentlich hätte ich es mir denken können, dass euch dies nicht reicht ;-) Vielleicht kommt ein anderes Mal mehr dazu. Georg hat mich ebenfalls schon wieder bedrängt und meint, dies würde nicht reichen :-(
Mich hast Du jedenfalls jahrelang in dem Glauben gelassen, dass Du aus dem Schwabenländle stammst. Und nun lese ich hier, dass Du ein gebürtiger Friese bist. Wem ich glaube, kannst Du Dir ja denken, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Ja, was soll ich dazu sagen? Es stimmt wohl beides, da ich zwar in Friesland geboren, aber im Schwarzwald aufgewachsen bin. Ein schwäbelnder Friese sozusagen. Der Schreiber hat wohl Infos von meiner Webseite an sich gerissen und dieses "Geheimnis" mit verarbeitet.
in des Liebingsbardens Lebenslauf (auf seiner HP veröffentlicht) ist zwar einiges nicht ganz ernst zu nehmen ...

Hast du mich schon jemals ernst genommen, Lieblings-Doro? ;-)

Liebe Grüße vom friesisch-schwäbischen Barden, der auch eine Zeitlang in der Schweiz gelebt hat und nun im hessischen Exil sein Dasein fristet, bis er seiner Bardessa den Wunsch erfüllt und mit ihr nach Leipzig ziehen wird. :barde:

Straßenmusik

Verfasst: Do 3. Sep 2015, 08:46
von Petra
So ein Barde kommt ja ganz schön rum. :-o

Straßenmusik

Verfasst: Sa 5. Sep 2015, 16:12
von Benutzer 141 gelöscht
So ein Barde kommt ja ganz schön rum.

Man spricht ja oft - nicht ohne Grund - vom "fahrenden Spielmann" ;-
Liebe Grüße
Barde :barde:

Straßenmusik

Verfasst: Mi 9. Sep 2015, 22:25
von Carsten K
Habe heute bei YouTube eine Arte-Doku aus dem Jahr 2000 entdeckt, die ich mir angeschaut habe und Euch ans Herz legen möchte:
Klaus der Geiger, Straßenmusiker-Legende aus Köln, den ich schon als Teenager auf's äußerste bewundert habe und viele Jahre später dann auch persönlich kennenlernen durfte. Einen, der immer meine Vorstellung geprägt hat, wie Straßenmusik sein sollte...
Hier das Video:
KLAUS DER GEIGER - Dokumentation
Nehmt Euch die knappe Stunde Zeit, es lohnt sich! :-)

Straßenmusik

Verfasst: Mo 12. Okt 2015, 21:54
von Carsten K
Hab grad dieses schöne Video gesehen:

Straßenmusik

Verfasst: Mo 5. Sep 2016, 14:55
von Westwind
Hallo zusammen,
meine diesjährige Straßenmusik-Saison hat sich letztendlich auf 2 Tage à 3 Stunden bei der Stadtmusik in Borken reduziert und eine anschließende einstündige Darbietung in einem Seniorenheim.
Ich konnte mich in diesem Jahr doch nicht aufraffen, mal in Dresden zu spielen. Die Bedingungen, immer nur eine halbe Stunde spielen zu dürfen von der halben bis zur vollen Stunde, oder wie man hier sagt " von halb bis 'um' " (Manche sagen auch: "Bis um um", aber ein Kollege meint, das sei falsch, wahrscheinlich in der Annahme, daß das andere richtig(er) sei),und dann eine halbe Stunde Pause einlegen und dann noch einen Stellungswechsel durchführen zu müssen, sind einfach zu nervig.
Mein Repertoire habe ich geändert: ich spiele kaum noch englischsprachige Sachen, habe dafür Lieder von Christian Grote, Stephan Graumann und von Carsten Langner ins Programm mit aufgenommen. Für "In China fällt ein Sack Reis um" gab‘s sogar mal Applaus von Passanten. Hängt natürlich immer davon ab, wer gerade bei welchem Lied vorbeikommt, aber an dieser Stelle war es mir eben aufgefallen.
Obwohl ich mit "Sommer" nur noch ein Lied von RM im Repertoire hatte und somit meine musikalischen Wurzeln eigentlich nicht mehr ganz so leicht zu erkennen waren, gab es dann doch eine Situation, die mir nicht so ganz angenehm war. Ein Herr legte mir einen 5-EUR-Schein in den Koffer und wünschte sich dann "Über den Wolken". Auf der einen Seite ist es natürlich ein schönes Gefühl, wenn die Darbietung in diesem Maße geschätzt und sogar honoriert wird. Daß ich selbst mal einen Musik-Wunsch erfüllen soll, passiert mir wirklich selten. Wie auch immer: mir wäre ein selteneres RM-Lied dennoch lieber gewesen, auswendig kann ich ja genug, aber ich habe den Wunsch dann doch erfüllt. Dabei hatte ich zum ersten Mal bei der Straßenmusik das Gefühl, mich irgendwie verkauft bzw. verhurt zu haben. Eigentlich wäre es ja Grund genug gewesen, sich zu freuen, wenn sich jemand mal ein Lied wünscht, das man aus dem Stegreif auch noch spielen kann, aber mußte es "Über den Wolken" sein? So langsam kann ich es nachvollziehen, daß RM das Lied zig Jahre nicht live gespielt hat. Manche Lieder, so gut und schön sie sein mögen, hat man einfach mal "über". Nun ist ja "Über den Wolken" nichts, wofür man sich schämen müßte, da gibt es ganz andere Lieder aus anderen Genres, die auch oft auf der Straße zu hören sind. Ist eben immer die Frage, wozu man noch steht und was man ablehnt. Aber es ist schon erstaunlich, wie lange einen so kleine Begebenheiten gedanklich beschäftigen können.
Dieses Jahr habe ich auch festgestellt, wie wichtig eine gute Vorbereitung bzw. das Auswendiglernen und Einüben von Liedern ist, und auch noch mal die Lieder vorher zu spielen, die man seit Ewigkeiten spielt und glaubt zu kennen. Mir fehlten in diesem Jahr einfach die Gelegenheiten, live zu üben, um zu testen, in welchen Liedern es klemmt. Zu Hause ist alles kein Problem, auch nicht unter erschwerten Bedingungen mit laufendem Fernseher, aber öffentlich ist es eben anders. Es gibt tausende Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen und rauszukommen.
Dazu auch noch eine kleine Anekdote am Rande: ich habe "Viertel vor sieben" schon mehr als 100 Mal, wahrscheinlich sogar schon mehr als 200 Mal gespielt. Im Seniorenheim hatte ich den einleitenden Text fertig gesprochen, wollte ansetzen, und die erste Zeile war weg. Ab der zweiten Zeile "Über'm Stahlwerk" wußte ich den Text. Meistens, wenn mir der Text nicht einfällt, bin ich zuversichtlich, daß er mir noch kurzfristig, auch noch während des Vor-/Zwischenspiels einfällt. Und wenn ich einmal im Lied drin bin, läuft es bei längst bekannten Liedern meistens auch durch. Aber diesmal mußte ich wirklich ein anderes Lied vorziehen. Nach diesem anderen Lied bekam ich dann den Zuruf "Dunkle Regenwolken" einer aufmerksamen Zuhörerin (allerdings keine Heimbewohnerin), und so konnte ich "Viertel vor sieben" doch noch komplett spielen.
Als Konzertbesucher hätte ich bisher vermutlich immer gezögert, bei Textaussetzern durch den halben Saal rufend auszuhelfen, zum Glück kam ich bisher selbst noch nie in diese Situation, vermutlich, weil ich selbst den Text nicht kannte oder der Künstler noch schnell die Kurve bekommen hat, aber mit der eigenen Erfahrung weiß ich nun, wie erleichternd es ist, auf diese Weise Unterstützung zu bekommen. Aussetzer sind ja immer mit Stress verbunden - für mich jedenfalls, und ich glaube, trotz noch so guter Vorbereitung kann es einen immer irgendwann irgendwo erwischen. Dabei halte ich es für einen Riesenvorteil, nur solo unterwegs zu sein. Der Druck ist in einer Band sicherlich noch wesentlich größer. Wahrscheinlich hilft wirklich nur, so lange zu üben, bis auch das Gewissen grünes Licht gibt. Das war bei mir in diesem Jahr nicht der Fall, weil mir die Vorbereitungszeit fehlte, ich aber dennoch glaubte, ohne Aussetzer irgendwie durchzukommen. Tja, wieder etwas dazugelernt ;-).
Jetzt bin ich selbst überrascht, wie lang dieser Text schon wieder geworden ist, und das bei nur 2 Tagen unterwegs mit der Gitarre auf dem Rücksitz.
Viele Grüße
:georg:

Straßenmusik

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 15:43
von Westwind
StraMu Dresden, nächste Runde:
Neues Jahr, neue Diskussionen um Straßenmusik in Dresden.
Bisher hatte ich aufgrund der Verordnungen der Stadt noch keine Lust, in Dresden Straßenmusik zu machen. Ich habe es mir immer schon mal vorgenommen, aber auch die neuen Ideen wecken nicht unbedingt meine Motivation, hier zu spielen.
Die Diskussionen um Straßenmusik in Dresden gehen weiter, hauptsächlich deshalb, weil eine Formation im Rahmen der bisherigen Bestimmungen so penetrant agiert und musiziert hat, daß das - auch aus meiner Sicht als Straßenmusiker - nicht lange toleriert werden konnte.
Es ist immer wieder das alte Lied: zu lasche Regeln werden von manchen Straßenmusikformationen schamlos ausgenutzt zum Ärger von Anwohnern und Geschäftebetreibern, zu strenge Regeln halten Gelegenheitsstraßenmusiker wie mich davon ab, sich mit der Bürokratie auseinanderzusetzen.
Jede Kommune stellt eigene Regeln auf - mitunter äußerst abstruse. In München muß man auf dem Amt vorsingen, und dann entscheidet genau eine Person, ob man eine Zulassung erhält oder nicht. Also reine Willkür.
In Mainz heißt es laut Verordnung vom 1.12.2008 folgendermaßen (man achte hauptsächlich auf die ersten beiden Punkte):
"1.Die Darbietung von Straßenmusik wird in folgenden innerstädtischen Fußgängerzonen unter Beachtung der in dieser Allgemeinverfügung geregelten Anforderungen allgemein zugelassen:
Spielzone 1: Schusterstraße, Am Brand, Rebstockplatz, Höfchen, Markt, Liebfrauenplatz, Fischtorstraße, Leichhof, Augustinerstraße vom Leichhof bis zur Kartäuserstraße
Spielzone 2: Ludwigstraße, Gutenbergplatz, Schillerplatz, Ballplatz, Bischofsplatz, Stadthausstraße, Pfandhausstraße, Steingasse, Lotharstraße, Neubrunnenplatz, Seppel-Glückert-Passage, Betzelsstraße, Franziskanerstraße
Auf der Rückseite dieses Merkblattes finden Sie einen Plan, aus dem Sie ersehen können, wo sich die Zonen 1 und 2 befinden.
2. Straßenmusik ist nur werktags erlaubt.
In den Jahren mit gerader Endziffer (2004, 2006 etc.) ist Straßenmusik werktags erlaubt in der Spielzone 1 nur vormittags (11:00 Uhr bis 13:00 Uhr), in der Spielzone 2 nur nachmittags (16:00 Uhr bis 18:00 Uhr) bzw. samstags nachmittags (14:00 Uhr bis 16:00 Uhr)
In den Jahren mit ungerader Endziffer (2005, 2007 etc.) ist Straßenmusik werktags erlaubt in der Spielzone 1 nur nachmittags (16:00 Uhr bis 18:00 Uhr) bzw. samstags nachmittags (14:00 Uhr bis 16:00 Uhr) in der Spielzone 2 nur vormittags (11:00 Uhr bis 13:00 Uhr)
3. Im Bereich und bis zu einem Abstand von 100 m von Sonderveranstaltungen (Messen, Märkte, z.B. Wochen- und Weihnachtsmarkt, Volksfeste usw.), die in den genannten Spielzonen stattfinden, ist Straßenmusik nicht zugelassen.
4. Die Straßenmusik darf längstens 30 Minuten von demselben Standplatz aus dargeboten werden. Der Standort muss danach um mindestens 100 m verlagert und darf innerhalb eines Tages nicht wiederholt genutzt werden.
5. Der Einsatz von Blechblasinstrumenten oder ähnlich lauten Instrumenten ist bis zu einer Gruppenstärke von max. 4 Personen erlaubt.
6. Der Einsatz von Verstärkern und von elektronisch verstärkten Instrumenten ist unzulässig, es sei denn er dient zur Untermalung unverstärkter Instrumente und übersteigt deren Lautstärke nicht. "

[Quelle: Stadt Mainz]
„Mainz, wie es singt und lacht“ – fällt mir dazu nur ein…
Die Punkte 3. – 6. sind aus meiner Sicht ja in Ordnung, aber 1. und 2. erinnern mich an den Film "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" mit dem Dialog über das Parken in den roten und weißen Parkflächen. Wer es (noch) nicht (mehr) kennt: Unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug.
Ich hatte in Mainz keine Böcke zu musizieren, oder, um es mal etwas arrogant auszudrücken: die Stadt verdient mich nicht ;-). Vielleicht dienen solche Regelungen aber nur dazu, Nicht-Profis wie mich davor abzuschrecken, in der Stadt zu spielen. Wer weiß das schon so genau?
In Dresden sind nach wie vor Verstärker gestattet, und die Anzahl der Musiker einer Formation ist auch nicht begrenzt. Daß an diesen Schrauben in der Vergangenheit nicht gedreht wurde, habe ich nie verstanden. Laut Artikel vom 13.2.2017 (bemerkenswerterweise am Jahrestag der Zerstörung der Altstadt Dresdens durch Bombenangriffe im 2. Weltkrieg) in der Sächsischen Zeitung soll es zukünftig eine App (!) geben, um sich für Straßenmusik anzumelden. Das Ziel: „Ziel der Vorlage sei, die Auftrittsorte so zu sortieren, dass Anlieger und Händler sich nicht gestört fühlen, die Musiker aber trotzdem spielen können.“ ist zwar gut gemeint, aber ich frage mich, was Leute machen, für die Dresden nur eine Zwischenstation auf ihrer Tour ist oder die eventuell kein Smartphone haben. Wer will sich als Gast denn solche Umstände machen ? Muß das wirklich so kompliziert sein, wenn man spontan mal auf der Straße spielen will ?
Ich habe, wenn ich eine StraMu-Tour mache, immer versucht, mir im Vorfeld Auskünfte von Ordnungsämtern in den jeweiligen Spielorten zu besorgen. Manchmal brauchte ich Genehmigungen, die ich mir auf dem Amt morgens hätte abholen können. Aber wenn ich erst nachmittags oder samstags im Ort ankomme: was soll ich dann machen? Ich habe solche Orte prinzipiell ausgelassen. Das war es mir nicht wert, mich mit sowas rumzuschlagen.
Und wenn es anderen Straßenmusikern auf Tour ähnlich ergeht, und sie entsprechend konsequent handeln, aber auch die Verordnungen der jeweiligen Städte respektieren wollen, geht den Städten nämlich genau die so oft beschworene Vielfalt der Straßenkunst zur Belebung der Innenstädte verloren, weil nämlich immer nur dieselben Formationen in denselben Städten spielen und es Gastmusikern zu kompliziert gemacht wird und ihnen bei den jeweiligen Bedingungen schnell die Lust am Spielen abhanden kommt.
Warum gibt es so viele Instanzen, die das Leben unnötig kompliziert machen ?
Es geht einfacher, zum Beispiel mit folgenden Vorgaben:
- Straßenmusik werktags 10-13 und 15-19 Uhr jeweils für 40 Minuten ab der vollen Stunde.
- Wechsel des Standortes nach jeder 40-minütigen Darbietung, mindestens 150m Abstand zum vorherigen Standort.
- Maximal 3 Personen pro Formation
- elektrische Verstärker sind nicht zulässig
Ob die Standorte nun beliebig wählbar sind oder von der Stadt vorgegeben werden sollten, sollte schon der Entscheidungsgewalt der Kommune unterliegen. Manche Städte, wie zum Beispiel Heidelberg, geben ein paar feste Spielorte vor. Da kann es natürlich passieren, daß sich mehrere Formationen um begehrte Standorte streiten. Bei festen Standorten besteht dann immer wieder die Gefahr, daß die Spontaneität verloren geht, weil es einer vorherigen Organisation bedarf.
Einmal mehr komme ich nicht umhin, das Konzept der Stadt Borken lobend zu erwähnen. Dort haben sich ein paar engagierte Menschen zusammengefunden, mit Anwohnern und Händlern gesprochen, Sponsoren gesucht und gefunden, und seit einigen Jahren die „Stadtmusik Borken“ auf die Beine gestellt. Sie organisieren an vielen Wochenenden in der Straßenmusiksaison freitags und samstags Straßenmusik, wo inzwischen Formationen aus ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus anreisen.
Es gibt immer wieder gute Ideen und Umsetzungen, wie mit Straßenmusik umgegangen werden kann, aber oftmals habe ich den Eindruck, daß Kommunen mit den damit einhergehenden Fragen überfordert sind.
Klar, als Straßenmusikant will man auch mal spontan und während der Woche spielen, und in Großstädten lässt sich so ein Format wie in Borken sicher nicht so leicht auf die Beine stellen, aber aus meiner Sicht gibt es genug Beispiele, wo mit einfachen Verordnungen die Straßenmusik geregelt ist, so daß es für alle Beteiligten ein guter Kompromiss ist. Ganz ohne Regeln scheint es nicht zu klappen, sonst herrscht Anarchie wie bisher zum Beispiel in Galway in Irland, wo gefühlt alle 50m irgendein Straßenmusiker mit Verstärker mehr oder weniger Musik machte. Seit letztem Jahr wird auch in Galway diskutiert, Regeln einzuführen. Etwas schade ist das schon, wenn Toleranz und Rücksichtnahme aller Beteiligten nicht ausreichen, um miteinander auszukommen. Aber aus meiner Sicht gibt es auch gute Kompromisse, die keine jahrelangen vorausgehenden Diskussionen brauchen und dann in abstruse Beschlüsse münden.
Gruß Georg :georg:

Straßenmusik

Verfasst: Mo 13. Feb 2017, 21:21
von Carsten K
Hallo Georg,
freut mich, dass Du das Thema hier mal wieder ein wenig auffrischst! :-)
Das Beispiel Mainz finde ich schon sehr krass, einfach, wieviel Mühe sich da jemand gemacht haben muss, um die Thematik möglichst bürokratisch zu klären. Fragt sich allerdings, ob die Stadt Mainz auch den angemessenen Aufwand betreibt, um die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren, sonst wäre das ganze ja für die Katz... ;-)
Für mich selbst sind die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Städten nicht wirklich erheblich. Manchmal habe ich was von Städten wie jetzt Mainz oder früher Dresden, München oder Heidelberg gehört oder gelesen, dann meide ich diese Städte oder spiele trotzdem so lange da, bis jemand vom Ordnungsamt kommt und sagt, ich solle aufhören (mehr passiert ja auch dann nicht). Und diese Regelungen und Verordnungen sind ja auch nur die eine (theoretische) Seite, die praktische Umsetzung jedoch eine ganz andere...
Moralische Bedenken, gegen irgendwelche kommunalen Verordnungen zu verstoßen, indem ich Straßenmusik mache, habe ich jedenfalls nicht, auch wenn ich damit vielleicht etwas "Illegales" tue. Die moralische Frage ist eher, ob ich damit anderen schade, z. B. ob sich sie (Passanten, Anwohner, Menschen, die in den umliegenden Läden arbeiten müssen) mit meiner Musik (die ja auch nicht jedem gefällt) dauerhaft und massiv belästige (was ich sicherlich nicht möchte)...
Und ein wesentlicher moralische Aspekt ist sicherlich auch die Frage, ob ich den Menschen, die in so einer Fußgängerzone ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen (und das sind sind ja nicht nur Musiker) den Platz streitig mache, denn in jeder noch so großen Fußgängerzone in jeder noch so großen Stadt ist dieser Platz begrenzt und wird durch die unzähligen privaten Einkaufszentren (wo Straßenmusik generell verboten ist) immer begrenzter...
Meiner Erfahrung nach lassen sich mögliche Konflikte um gute Plätze, Spielzeiten usw. aber besser klären, wenn sich die Beteiligten persönlich verständigen. Klar, das klappt nicht immer, aber die Grundstimmung derer, die sich künstlerisch oder sonstwie in einer Fußgängerzone betätigen, war bis jetzt immer eher solidarisch, gerade auch seitens derer, die viel mehr auf das Geld, das es auf der Straße zu verdienen gab, angewiesen waren als ich...
Es geht bei dabei meiner Ansicht nach auch darum, diesen öffentlichen (Lebens-)Raum "Fußgängerzone" (der immer knapper wird) zu erhalten und zu verteidigen, und Straßenmusik zu machen kann ein Beitrag dazu sein... Und Straßenmusik zu machen bekommtdadurch auch einen poltischen (moralisch wertvollen) Aspekt, finde ich...
Das Beispiel Borken (Kleinstadt hin oder her) zeigt übrigens, dass die wirtschaftlichen Interessen der örtlichen Geschäftsleute und Straßenmusik/-kunst keineswegs so gegensätzlich sind, denn die Läden in der Borkener Fußgängerzone profitieren vermutlich davon, wenn vielleicht Menschen (die die abgehalfterten Schlager-Stars im nahen privaten Einkaufszentrum oder Möbelmarkt nicht mehr hören können/möchten) lieber in die Fußgängerzone gehen, um dort beim Einkaufen nebenbei authentische Musik zu hören, oder?
In der niederrheinischen Kleinstadt Geldern gibt es seit über drei Jahrzehnten das "Internationale Straßenmaler-Festival", bei dem Straßenmusik und -theater aber ebenso willkommen sind. Dieses Festival wurde ursprünglich von ein paar engagieren Kulturschaffenden und Geldenern Geschäftsleuten ins Leben gerufen, um die Innenstadt (wenigstens an diesem Wochenende) zu beleben. Die Veranstaltung hat sich zu einem (wenn ich nicht dem) Volksfest in dieser Kleinstadt entwickelt, und die örtlichen Läden, die an diesem Wochenende geöffnet haben, machen mehr Umsatz als sonst das ganze Jahr, vermute ich. Und jedes Jahr beteiligen sich neben den unzähligen "internationalen" Künstern (wie mir ;-) ) auch Menschen aus Geldern und Umgebung künstlerisch dieser Veranstaltung, Kinder, die ihre Bilder mit Kreide auf die Straße malen, oder Teilnehmer eines Volkshochschul-Kurses, mit denen Dozent "Klaus der Geiger" ein Straßenmusik-Programm erarbeitet hat... Es geht viel, das Festival wird auch seit Jahren (Jahrzehnten?) von der Stadt Geldern und der benachbarten Diebels-Brauerei unterstützt, und die Künstler kommen bei ihrer Teilnahme auch nicht zu kurz... Hier ein Link zu der Veranstaltung: https://www.geldern.de/de/freizeit-tour ... ettbewerb/
So, bevor ich jetzt hier wieder einen Roman schreibe, schließe ich hier mal... ;-)
Liebe Grüße
Carschti

Straßenmusik

Verfasst: So 2. Apr 2017, 14:05
von Westwind
Straßenmusik in Galway
HURRA ! :gutelaune:
Ich habe mir einen Wunsch erfüllt und etwas Straßenmusik in Galway gemacht. Es waren zwar nur sechs Lieder, aber somit konnte ich einige Lieder meines Repertoires nun auch endlich mal in Irland singen.
Die Haupt-Fußgängerzone in Galway erstreckt sich vom Spanish Arch kurz vor der Brücke über den Corrib bis kurz vor dem Eyre Square über eine Länge von gut 400 Meter. Sogar jetzt Ende März tummelten sich da von mittags bis spät abends regelmäßig Straßenmusiker, manchmal nur im Abstand von ca. 50 bis 100 Meter zueinander. Da sie teilweise mit Verstärker spielen, kommt es vor, daß sie sich sogar gegenseitig stören. Was mich aber wirklich erstaunt hat, ist, daß selbst Regen kaum einen Musiker abschreckt, weiterzuspielen.
An der Westküste Irlands muß man ja immer mal mit kurzen Schauern rechnen, aber selbst bei durchgängig regnerischem Wetter spielen ein paar Straßenmusiker tatsächlich unverdrossen weiter. Klar, wenn möglich, wird - vor allem abends nach Ladenschlußzeiten - der überdachte Eingangsbereich eines Ladens bevorzugt, aber es gibt auch solche, die weder sich noch ihre Instrumente schonen und im Regen weiterspielen, so daß neben den Gitarren auch die Gitarrentaschen mit den erspielten Münzen weit über vereinzelte Tropfen hinaus richtig nass werden. Ich habe in Deutschland die Erfahrung gemacht, daß die Aufmerksamkeit der Passanten für meine Darbietungen bei Regen gegen Null geht, die Einnahmen somit natürlich auch.
Letzten Donnerstag wollte ich nach dem Essen im "The Quays" gegen 20:30 Uhr Ortszeit noch in einen bestimmten anderen Pub am Eyre Square. Da es den ganzen Abend über mindestens tröpfelte und teilweise regnete, bin ich in Regenjacke relativ zügig die Shop Street entlang gegangen, als ich tatsächlich jemanden mit einer Konzertgitarre sah. Meistens werden für Straßenmusik und für Livemusik in Pubs Westerngitarren verwendet, diese werden meistens mit Schlagtechnik gespielt, auch bei eher leiseren Liedern. Ich bevorzuge als Begleitung ja eher Fingerpicking; Schlagtechnik und Westerngitarre nehme ich eher, wenn ich Krach machen will ;-). Wie auch immer, unverstärkte klassische Gitarren sind normalerweise für die Straßenmusik zu leise, daher suche ich meistens eher enge Bereiche von Fußgängerzonen.
Nun, der Gitarrist spielte ein paar einzelne Töne vor sich hin, ohne Gesang, wurde aber kaum beachtet, weil er saß und zudem zu leise war. Nicht ganz ohne Hintergedanken habe ich ihm einen Euro auf seine Tasche gelegt und das Gespräch gesucht. Er kam aus Spanien und hieß Gabriel. Bei dem Instrument handelte es sich um eine Flamenco-Gitarre. Ich hatte ihn gefragt, ob er für ein paar Euro bereit wäre, mir seine Gitarre zu leihen, aber er wollte kein Geld. Er lieh mir tatsächlich für ein paar Lieder seine Gitarre. Nach dem zweiten Lied gab er mir den einen Euro sogar zurück und hat mir so sehr vertraut, daß er meinte, daß ich ruhig weiterspielen könne, und er die Pause jetzt mal nutzt, um aufs Klo gehen zu können.
Ich spielte folgende Lieder:
- "Fields of Athenry" (von Pete St.John, am bekanntesten ist die Version von Paddy Reilly)
- "Isle of Hope" (von Brendan Graham)
- "Green among the gold" (von Steve Barnes, bekannt geworden durch Sean Keane)
- "Caledonia" (von Dougie MacLean)
- "Green Fields of France" (auch "No Man's Land" - von Eric Bogle)
- "The Boxer" (von Simon / Garfunkel)
Allzuviel Aufmerksamkeit hatte ich bis auf den ein oder anderen nach oben gereckten Daumen zwar auch nicht, obwohl ich gegenüber einem Pub spielte, wo ein paar Leute draußen unter der Markise saßen, um zu rauchen. Das Wetter war eben schlecht und die Gitarre vermutlich zu leise. Aber es gab auch keine ablehnenden Worte, Blicke oder Gesten, und Spaß gemacht hat es allemal :-).
Nachdem ich 2012 in einem Pub in Doolin schon mal ein Lied singen durfte, war dies für mich - dank Gabriel - eine weitere musikalische Wunscherfüllung in Irland.
Georg :gitarre2:

Straßenmusik

Verfasst: Di 4. Apr 2017, 00:01
von Carsten K
Danke, Georg!
Du hast Dir einen Wunsch erfüllt, den ich mir auch eines Tages noch erfüllen möchte! :-)
Ich habs im vergangenen Jahr wenigstens nach Dublin geschafft, allerdings nur als Zuschauer... - bei einer tollen Open Stage im Mother Reilly's im Außenstadtteil Rathmines, aber vor allem auch bei den unzähligen tollen Straßenmusikern an der (am?) Temple Bar (und Umgebung)...
Jedenfalls hab ich mir letztes Jahr vorgenommen, beim nächsten Mal sollen es auch weitere Ziele in diesem tollen Land sein, z. B. auch Galway oder Limerick...
LG cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Di 25. Apr 2017, 18:01
von Carsten K
Ihr Lieben,
ich hab mich gerade für das Straßenmusikfest Goldene Säge in Osnabrück am Sa 05.08.2017 angemeldet. Vielleicht gibt es hier ja Menschen, für die das auch was wäre... ;-)
Ich habe daran bereits 2007, 2009, 2010 und 2011 teilgenommen und kann es nur empfehlen. Man bekommt einen Fahrtkostenzuschuss, ein kostenloses Abendessen (Gegrilltes), einige Freigetränke und kann (wenn einem Schlafsack & Isomatte genügen) kostenlos übernachten. Es gibt auch Geldpreise, aber auf die sollte man als Liedermacher lieber nicht spekulieren, wenn man nicht enttäuscht werden will...
Was mich jedoch jedes Mal beeindruckt hat, ist die freundliche und solidarische Atmosphäre, die dort vorherrscht, und die Offene Bühne vor der Preisverleihung am Abend ist eine schöne Gelegenheit, seinem aufgeschlossenen Publikum neben Gegrilltem dann auch noch mal einen leckeren Hühnernudeltopf servieren zu dürfen... ;-)
Liebe Grüße
cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Do 9. Nov 2017, 01:38
von Carsten K
„77 Jahre Klaus der Geiger“ Ausstellung über Kölns bekanntesten Straßenmusiker
Hier ein Artikel aus der "Kölnischen Rundschau": https://www.rundschau-online.de/region/ ... mcid=sm_fb

Straßenmusik

Verfasst: Mo 23. Apr 2018, 22:55
von Westwind
Neue StraMu-Saison und Erkenntnisse, die ich längst kennen sollte ;-)
Hallo zusammen,
bei dem guten Wetter der vergangenen Tage und Wochen gibt es verschiedenste Möglichkeiten, die Saison zu eröffnen. Sei es die Frühjahrs-Radtour, die erste Moped-Ausfahrt, das Angrillen, der Hausputz, oder ganz andere Dinge. Nun, meine erste mehrtätige Radtour habe ich bereits gemacht, aber ich habe das schöne Wetter eben auch genutzt, die Straßenmusiksaison zu eröffnen. Und bin dabei um eine Erfahrung reicher geworden:
Für Profis ist es selbstverständlich, sich vor jedem, aber wirklich jedem Auftritt bestmöglich vorzubereiten. Alle anderen, die irgendwo auftreten, üben sicherlich auch meistens. Texte und Akkorde müssen bei Konzerten, egal wie groß oder klein der Rahmen ist, eben sitzen. Selbst für eine Geburtstagsfeier habe ich ja schon geübt. Wohlgemerkt, ich habe immer das Bedürfnis, auswendig zu spielen, natürlich auch bei Straßenmusik. Nicht nur, um das Geschehen um mich herum zu beobachten und den Blickkontakt zu etwaigen Zuhörern zu haben, sondern auch einfach aus reiner Neugierde, wie die Leute jeweils reagieren.
Nun, für meinen Auftakt habe ich 2-3 neue Lieder einstudiert, und 3-4 weitere aus meinem Repertoire bin ich vorher noch mal kurz durchgegangen, und die anderen 20-25 konnte ich ohnehin noch auswendig aus den vergangenen Jahren. Oft ist es so, daß ich beim Spielen auch in die Lieder reinfinde und somit nicht mehr jedes Detail eines Liedes aus dem langjährigen Repertoire vorher durchzugehen brauche. Akkorde und Texte, die ich vorher nicht unbedingt weiß, fallen mir dann im Spielfluss meistens wieder ein. Neue oder selten gespielte Lieder übe ich natürlich schon noch.
Für das Spielen in einer ca. 20.000 Einwohner großen Stadt habe ich mich vorher mal wieder beim Ordnungsamt nach den Bedingungen erkundigt, die einigermaßen entspannt waren, wo ein Standortwechsel nach ca. 30 Minuten allerdings gewünscht war. Ich habe in der Altstadt einen guten Platz zum Spielen ergattert, natürlich im Schatten, aber gut sichtbar an einer schmalen Stelle der Fußgängerzone. Als unverstärkter Fingerpicker bin ich ja immer etwas darauf angewiesen, daß der Schall etwas reflektiert wird.
Normalerweise stelle ich mich nicht gegenüber von Restaurants oder Eiscafés, weil ich keine Belästigung sein möchte und es selber nicht mag, ohne Fluchtmöglichkeit angesungen zu werden, wenn ich mich irgendwo hinsetze, um etwas zu essen oder zu trinken. In diesem Fall aber war gegenüber eine Bäckerei, die draußen Stühle hingestellt hatte, die aber annähernd keiner genutzt hat, weil diese Sitzplätze die pralle Nachmittagssonne abbekamen, wo man sich an diesem Tag wirklich schon hätte brutzeln lassen können.
Ca. 10m rechts von mir begann der Sitzbereich einer Gaststube mit schattigen Plätzen, die aber auch kaum belegt waren so um 15 Uhr. Wer wollte, konnte sich also halbwegs in meine Nähe setzen, wer nicht, etwas weiter weg. Die Stadt war gut besucht und dieser Bereich der Fußgängerzone war von Passanten / Touristen gut frequentiert, da er direkt zu einem großen Parkplatz am Altstadtrand führte.
Ich merke gerade, daß meine Ausschweifungen eher für einen Roman geeignet wären als für einen kurzen Erfahrungsbericht meines Saisonauftaktes für Straßenmusik.
Um es also abzukürzen: ich habe eine Stunde lang an dieser Stelle gespielt. Die alten Lieder konnte ich noch, aber bei den vorher bekannten Wackelkandidaten und bei einem der neuen Stücke klemmte es etwas. Text- bzw. Akkordunsicherheiten. Demzufolge habe ich viel zu verkrampft gespielt, und was mir aufgefallen ist, worüber ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe, ist: es ist wirklich viel einfacher, so gut vorbereitet zu sein, daß die Lieder auf jeden Fall sitzen, egal, was um mich herum passiert, um einfach lockerer zu sein und mich auf den eigentlichen "Auftritt" zu konzentrieren, neudeutsch aufs "Performen" zu konzentrieren. Bei Konzertauftritten bereite ich mich ja auch meistens entsprechend gut vor. Aber selbst für die Straßenmusik erscheint mir dies nun sinnvoll.
Es blieben zwar Leute stehen, die zuhörten und ich hatte auch ein paar Einnahmen, von denen ich mir eine Bratwurst, vermutlich aber ohne Brötchen und Senf, hätte leisten können, aber diese Stunde war dann doch eher eine Enttäuschung, die aber zum größten Teil daher rührte, daß ich mich einfach nicht wohl gefühlt habe und viel zu verkrampft war.
Es blieb somit erstmal bei diesem einen Tag und bei der Erkenntnis, daß die Saison noch lang ist, ich für das nächste Mal aber die Lieder, alte wie neue, noch mal solange vorher übe, daß ich sie wirklich auswendig spielen kann. Macht mir dann einfach mehr Spaß.
Und es bleibt die zusätzliche Erkenntnis, daß ich zu jedem Tag Straßenmusik eine Menge erzählen könnte. Vielleicht sollte ich doch mal mit einem Buch anfangen ;-). Oder ich werde Blogger, es gibt ja tatsächlich Leute, die das zum Beruf gemacht haben und davon (bzw. von den damit einhergehenden Werbeeinnahmen) leben. Wäre aber vermutlich doch nicht so meine Welt. Aber bevor ich mich in dieses Thema jetzt reinsteigere, mache ich Schluß für heute.
Dann viel Spaß allerseits an der musikalischen Freiluftsaison, aktiv und/oder passiv !
Georg :gitarre:

Straßenmusik

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 00:37
von Carsten K
Lieber Georg,
erstmal vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht über Deine Eröffnung der "Grillsaison" als Straßenmusiker, war ja wirklich schon ganz schön heiß da draußen, wenn man bedenkt, dass erst April ist... ;-)
Meine wirklich aktive Zeit als Straßenmusiker liegt ja nun schon etwas länger zurück, aber an solche Elebnisse, wie Du sie schilderst, könnte ich mich auch massig erinnern, wenn ich mir nicht permanent alles schön reden würde... ;-) Mäßiges Publikumsinteresse, mäßige Einnahmen, auch mal Tage, an denen ich nicht so gut drauf war, darüber könnte ich ebenfalls einen Roman schreiben, denn das war ja im Grunde auch der Alltag, wenn ich ehrlich bin. Aber am Ende in Erinnerung sind doch eher die nicht alltäglichen Straßenmusik-Erlebnisse geblieben, Begegnungen mit spannenden Menschen, z. T. auch spannende Auftritte, die sich aus solchen Straßenmusik-Begegnungen ergeben hatten, ohne dass ich vorher damit gerechnet hätte...
Der erste Straßenmusik-Auftritt im Jahr war für mich immer etwas besonderes, meist noch nicht so wirklich gut, aber nicht schlimm, weil es war ja nur der Auftakt in die Straßenmusiksaison. Wichtig waren aber dann auch die Straßenmusikauftritte danach, um nach einen langen Winter wieder in den entsprechenden Modus zu kommen und mit jedem einzelnen Auftritt dann auch wieder besser zu werden. Wenn ich z. B. im März Premiere hatte, war ich froh, wenn ich im Mai wieder da war, wo ich sein wollte...
Sich für eine Straßenmusiksaison einen festen Ablauf mit Liedern, die man dann auch drauf haben sollte, zurechtzulegen, halte ich auf jeden Fall für sinnvoll, denn man muss sich dann, wenn man auf der Straße ist, nicht mehr mit diesen Fragen beschäftigen, sondern kann sich darauf konzentrieren, das jeweilige Publikum für sich und seine Lieder zu gewinnen. Auch wenn man vielleicht 100 Lieder auswendig spielen könnte, es hilft, wenn man nur 6 dieser Lieder auswählt, wenn man davon ausgeht, nur 30 Minuten an einer Stelle spielen zu dürfen, bevor einen ein Ornungsamt vertreibt...
Ich selbst habe vor, in diesem Jahr wieder beim Straßenmusikfestival Goldene Säge am 04.08.2018 in Osnabrück teilzunehmen, das ich sehr empfehen kann, aber für mich ist das in den Jahren auch (ähnlich wie das LT) zu einer Art "Familientreffen" geworden, bei dem ich alte Bekannte und Freunde wiedersehe und neue Leute kennenlerne... Ansonsten bin ich in diesem Jahr (noch) nicht im Straßenmusik-Modus, obwohl es mich in den letzten Wochen schon ein bisschen in den Fingern gejuckt hat, seit es so warm ist...
Jedenfalls schön, dass Du das Thema "Straßenmusik" hier mal wieder belebt hast, Georg! :-)
Liebe Grüße
cARSCHti

Straßenmusik

Verfasst: Di 24. Apr 2018, 19:05
von Nicky
Lieber Georg,
danke auch von mir, dass du von deinen neuen Strassenmusikererfahrungen berichtest. Ich finde das Thema spannend. Mangels geeigneter Strassenstimme, Talent und Mut, kann ich das mit der Strassenmusik leider nicht.
Vielleicht sollte ich doch mal mit einem Buch anfangen . Oder ich werde Blogger, es gibt ja tatsächlich Leute, die das zum Beruf gemacht haben und davon (bzw. von den damit einhergehenden Werbeeinnahmen) leben

Ich habe vor ein paar Jahren mal das Buch "Heute hier morgen dort" von Angelika Röttig gelesen. Darin beschreibt sie ihr Leben als Straßenmusikerin.
Oder auch das Buch "Streetkid" von Jimmy Kelly, das er über die Zeit nach dem ersten Ende der Kelly Family geschrieben hat, als er wieder ganz von vorne auf der Strasse beginnen musste um seine Familie zu versorgen.
Aber ein Roman über deine Strassenmusikererlebnisse würde ich auch sofort kaufen :-) Vielleicht in Kooperation mit Carschti? :-)
Liebe Grüße
Nicole

Straßenmusik

Verfasst: Sa 5. Mai 2018, 22:59
von Anja
Am Anfang hab ich auch von Straßenmusik geträumt, aber ohne tragbares Instrument wirds schwer (im wahrsten Sinne des Wortes :-) ). Daher beschränkt sich meine Erfahrung auf einmal in Prag... da standen nämlich verschiedene Klaviere in der Altstadt rum. Mal abgesehen davon, dass es erstaunlich viel Überwindung gekostet hat, mir das einfach "rauszunehmen" und loszuspielen, fand ich es auch sehr schwierig was die Lautstärke anging. Ein Klavier ist laut und der Straßenlärm war noch lauter. Dagegen anzusingen war mir nicht wirklich möglich, so dass vermutlich nur Leute im näheren Umkreis den Gesang hören konnten. Ich war zwar hinterher stolz, mich getraut zu haben, aber ich muss sagen, dass ich deutlich lieber auf einer Bühne sitze, mich stimmlich nicht so anstrengen muss und Zuhörer hab, die auch wirklich zuhören wollen/können. Trotzdem versteh ich den Reiz, denn irgendwie hats auch was von Abenteuer. Vlt. wärs mit ner Klampfe für mich auch anders gewesen, wenn ich mir Stellen hätte suchen können, die weniger exponiert und ruhiger gewesen wären.
Umgekehrt versteh ich aber auch, warum die Kommunen und Städte die Straßenmusik reglementieren. Ich finde sowieso, dass die (Konserven-)Musik-Beschallung überhand genommen hat und mir teilweise viel zu laut ist. Es scheint kein Cafe oder Restaurant mehr zu geben, in dem man nicht nachhaltig berieselt wird und wenn sich die Musiker dann auch noch draußen alle paar Meter aufreihen würden, würd ich vermutlich völlig die Krise kriegen. Ich weiß auch nicht, ob dadurch nicht auch immer mehr das Bewusstsein flöten gehen würde, dass Musik (vor allem live) etwas ist, dem man gezielt und gewollt zuhört und wofür man u.U. auch Geld bezahlen muss. Aber das führt jetzt doch ziemlich weg vom Thema.