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von Gesch
#13
Hallo zusammen,
ich will mal eine ganz andere Überlegung in dieser Diskussion beisteuern, die mir immer wieder in den Kopf kam, wenn ich in diesen Threat gekommen bin…
Sie hat mit der Frage zu tun,
für wen man eigentlich Lieder schreibt,
woran man denkt, wenn man schreibt,
was man selbst von den Liedern hält, wenn man sie geschrieben hat,
wie relevant das ist, was andere von den Liedern halten, warum es relevant sein könnte, was andere darüber denken,
und wie wichtig man feedback nehmen sollte.
Ich kann sagen, wie es mir damit geht:
Wenn ich eine Idee für ein Lied habe, versuche ich sie umzusetzen, damit sie nicht verloren geht. Je begeisterter ich von dem Einfall bin, umso mehr „brenne“ ich darauf, sie umzusetzen – manchmal lasse ich dafür alles stehen und liegen. Weshalb? Weil ich mir die Chance, ein gutes Lied zu schreiben, nicht entgehen lassen will – vorrangig für mich selbst. In dieser Bemühung kommt kein Publikum, kommt kein Kritiker vor.
Die einzige Richtschnur dafür, ob eine bestimmte Formulierung im Schreibprozess an ihrer Stelle im Lied stehen bleibt, ist die, ob mir gefällt, was da steht, oder ob es nach meiner Ansicht anders besser sein könnte. Hierhin gehört dann auch die Frage, ob mir die Beseitigung z. B. eines unreinen Reims, einer falschen Wortbetonung, eines schiefen Bildes (wenn ich dies überhaupt bemerke), einer zu dichten Silbefülle, eines zu komplizierten Satzbaus, eines überfrachteten Inhalts, einer Überlänge wichtig ist oder nicht.
Wenn es mir nicht wichtig ist, können Kritiker dies bemängeln soviel sie wollen, ohne dass es mich juckt. Hier erweisen sich die Beherrschung des Handwerks und künstlerisches Talent, die Ausstattung mit Selbstbewusstsein oder Unsicherheit. Wenn es mir aber wichtig ist, kann ich diese „Schwachstellen“ frühzeitig beseitigen, noch bevor ich das Lied meiner Sammlung beifüge. Für mich sind Lieder übrigens nie „fertig“, auch nicht , wenn ich sie schon aufgenommen habe. Einfälle zur Verbesserung werden nicht mutwillig unterdrückt.
Was ich von einem neuen Lied halte – unabhängig von jeder Begeisterung, die mich im Schreibprozess vorangetrieben hat - , erweist sich spätestens vor dem nächsten Konzert. Wenn es sich bei der Überlegung, welche Lieder ich dann singen will, nach vorne drängt, ein anderes aus dem Programm schubst, ist der erste Qualitätstest vor mir selber gelungen. Falls nicht, gelang mir bestenfalls ein neues Lied für mein Archiv, bei dem nicht auszuschließen ist, dass es nie live zur Aufführung gelangt.
Wenn ich es dann geschrieben und einem Publikum vorgesungen habe, sind Selbstsicherheit und die Fähigkeit gefragt, künstlerische Maßstäbe als Qualitätskriterien gelten zu lassen. Wer die Messlatte selbst nicht anlegen mag, kann dies anderen überlassen, sollte sich dann aber darüber klar sein, dass die eigenen Qualitätsmaßstäbe nicht allgemeingültig sind. Manche haben andere als man selbst, sind strenger oder nachsichtiger, belastbarer oder nicht.
Wer nun Kritik einfordert ohne Selbstbewusstsein, darf sich nicht wundern, wenn sie ihn erschüttert. Das gilt schon für eine private Premiere eines Liedes vor nur einer vertrauten Person. Wer weiß, dass jemand mit einer bestimmten Sorte von Liedern nichts anzufangen weiß, sollte zu einem solchen Lied auch bei dieser Person keine Bewertung erbitten.
Wer seine Schwachstellen im Lied selber kennt und sie nicht selbst allein beseitigen konnte, kann gezielt um Rat fragen. Wer generell unsicher ist, was die Qualität seines neuen Liedes angeht, kommt nicht daran vorbei den Mut aufzubringen, sein Lied irgendwo vorzustellen und sich die Reaktionen anzuhören, auch wenn es wehtun könnte. Aber das ist ja nicht immer der Fall.
Fazit: Lieder schreibe ich jedenfalls zunächst immer für mich selbst – und für diejenigen, die sie so mögen, wie ich sie geschrieben habe. Wer bei mir Lieder sucht, die melodischer sind oder Inhalte anders transportieren, als es gerade in einem bestimmt Lied der Fall ist – vielleicht sogar ganz andere Inhalte sucht - , kann gerne in meinem Repertoire suchen, ob er fündig wird. Falls nicht, gibt es so viele andere Liedermacher, bei denen man sich doch bedienen könnte…
herzlich
Gerd
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- migoe (So 23. Apr 2023, 11:35)
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.