*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!
Hallo
ich habe gerade eine englischen Artikel zur Love-Parade-Katastrophe gelesen - und musste wirklich erstmal stutzen!
Why Hasn't Merkel Visited the Site of the Duisburg Disaster?
tja, da geht eine Kanzlerin lieber zur Oper oder der "ceremonial president" Wulf macht lieber ungetrübten Urlaub, als dass sie sich vor Ort blicken lassen - und keinem fällt es wirklich auf, weil die gesamte deutsche Presse dazu schweigt! komisch nicht? Keine Skandal-Schlagzeile, weil es der Regierung an politischem Anstand fehlt. Da kommt doch die Herman gerade richtig.
Ein paar Monate zuvor, als Klein Lenchen brav ihr Lied trällerte, konnte Wulf nicht rechtzeitig genug zum Flugzeug eilen ....
Love Parade-Katastrophen sind halt keine nationale Aufgabe. Was haben wir doch für Ar.........mleuchter da oben
LG
Rex2005
Hallo,
die Bundeskanzlerin wird nach Angaben aus Regierungskreisen an der offiziellen Trauerfeier für die Opfer von Duisburg teilnehmen und dafür ihren Urlaub unterbrechen.
Über den (Nicht-?)Anstand unserer Regierung ließe sich in der Tat einiges schreiben.
Allerdings: Dass es außer ihr selbst irgendwem nützt, wenn die Politprominenz auf Staatskosten zu Unglücksorten wie diesem reist, um sich dort mit betroffener Miene ablichten zu lassen - in der Hoffnung, dass das zwei/drei Pünktchen im "Deutschlandtrend" bringt -, wage ich zu bezweifeln.
keinem fällt es wirklich auf, weil die gesamte deutsche Presse dazu schweigt!
Das stimmt nicht. Die Schmuddelblätter thematisieren das sehr wohl (siehe z.B. hier). Die seriösen Medien beleuchten hingegen gemachte Fehler und Planungsversagen (Beispiel: Frontal 21, ZDF), ohne dabei übrigens vorschnell Einzelne quasi zu Massenmördern zu erklären, wie es manche Gazetten derzeit tun.
Den Wulff-Besuch bei "Klein Lenchen" am Flughafen sehe ich genauso kritisch. Aber natürlich ist es schöner, sich bei fröhlichen Festivitäten blicken zu lassen (Ironie).
Love Parade-Katastrophen sind halt keine nationale Aufgabe.
Ja, das sehe ich so. So tragisch die "Katastrophe" auch sein mag - ihre Ursachen zu klären und ggf. Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, ist Aufgabe der Justiz und nicht der Bundespolitik. Möglicherweise bedarf es gesetzlicher Änderungen, um die Kriterien für künftige Großveranstaltungen zu präzisieren. Das ist aber ein anderes Thema und die Regierung hat wohl im Moment wichtigere Aufgaben (Afghanistan, Klimaschutz, Gesundheit etc.), die sie meiner Meinung nach alle ungenügend behandelt.
Wenn die Kanzlerin und vielleicht sogar der Bundespräsident an der Trauerfeier in Duisburg teilnehmen, halte ich das für angemessen. Sich vorher dort medial in Szene zu setzen, fände ich geschmacklos. Und es ist nun einmal so: Der Besuch eines ranghohen Politikers ist immer eine Inszenierung.
Diese Position mag verwundern. Trotz all der Wut und Trauer, die momentan zurecht herrschen, sollte aber stets überlegt werden, wer am ehesten dazu beitragen kann, Klarheit zu schaffen. Die Kanzlerin ganz sicher nicht und ebenso wenig der Bundespräsident. Deren Besuch wäre für manche vielleicht eine tröstende Geste. Mehr aber nicht. Nach ein paar Minuten wären sie wieder weg und die Aufklärung keinen Schritt weiter. Im Gegenteil: Ich finde es richtig, wenn sich die öffentliche Aufmerksamkeit nun auf die Ursachenforschung und Verantwortlichenermittlung konzentriert anstatt auf Trauer bekundende Politiker.
Grüße vom
clabauter
Hallo Clabauter
Sich vorher dort medial in Szene zu setzen, fände ich geschmacklos. Und es ist nun einmal so: Der Besuch eines ranghohen Politikers ist immer eine Inszenierung.
Sicher ist so etwas immer ein bissel zweischneidig - aber es kommt auch auf die Inszenierung drauf an. Aber diese Herrschaften hätten immer die Möglichkeit, die Medien außen vor zu lassen.
Ein sofortiges Erscheinen vor Ort um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen, hätte in jedem Fall ein politisch, gesellschaftliches Interesse an den Geschehnissen dort demonstriert - schließlich sind es gewählte Vertreter ihrer Landsleute. Hinterher auf der Trauerfeier mit aufgesetzter Betroffenheitsmine vorgeschriebene Reden zu halten, ist da meiner Meinung nach eher eine Farce.
Bei Katastrophen, wie Tote und Verletzte in einem Krieg, den außer der Regierung niemand will, ist es von höchsten politischen Interesse, sich dort medienträchtig sofort zu zeigen. 20 Tote und über 500 Verletzte bei einer öffentlichen Großveranstaltung, wo auch ein Großteil der Schuld der Polizei (immerhin ein staatliches Organ) zuzurechnen ist, sind dagegen politisch nur eine "Randerscheinung"?
Und ja, welches Opfer, wenn Politiker für eine Trauerfeier auch noch ihren Urlaub unterbrechen müssen! Tragisch, wirklich tragisch!
LG
Rex2005
Rex2005 schrieb:
Ein sofortiges Erscheinen vor Ort um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen, hätte in jedem Fall ein politisch, gesellschaftliches Interesse an den Geschehnissen dort demonstriert - schließlich sind es gewählte Vertreter ihrer Landsleute.
Schon, aber ich gehe stark davon aus, daß die Landsleute ihre Vertreter gewählt haben, damit sie sich um die Bundespolitik kümmern und nicht, um Katastrophen-Tourismus zu betreiben, jetzt mal abgesehen davon, daß ich alter Wortklauber die Geschichte nicht als "Katastrophe" bezeichnen würde, vielleicht eher als "Unglück" oder so, egal. Jedenfalls - ich sehe beim derzeitigen Stand der Ermittlungen die Bundespolitik nicht mal ansatzweise tangiert, also ist es meiner Ansicht nach auch nicht unbedingt nötig, daß irgendein Bundesvertreter für teuer Geld vor Ort Gesicht oder Hintern in die Kamera hält. Bei einem ordentlichen Verkehrsunfall mit Toten im zweistelligen Bereich läßt sich ja auch keiner blicken, selbst wenn dabei die Polizei keinen guten Eindruck gemacht haben sollte.
Bei Katastrophen, wie Tote und Verletzte in einem Krieg, den außer der Regierung niemand will, ist es von höchsten politischen Interesse, sich dort medienträchtig sofort zu zeigen. 20 Tote und über 500 Verletzte bei einer öffentlichen Großveranstaltung, wo auch ein Großteil der Schuld der Polizei (immerhin ein staatliches Organ) zuzurechnen ist, sind dagegen politisch nur eine "Randerscheinung"?
Tun wir mal so, als ob Soldaten grundsätzlich vaterlandsliebende, pflichtbewußte Menschen seien und sich nicht nur deshalb beispielsweise in Kriegsgebieten aufhielten, weil das deren Hobby ist. Wenn ich in Erfüllung meiner Dienstpflicht für Volk und Vaterland mein Leben lasse, würde ich mir wahrscheinlich die Anwesenheit eines Volksvertreters bei meiner Trauerfeier wünschen, eben in genau dieser Funktion. Gehöre ich bei einer großen Party, bei der 1,4 Millionen und ein paar Zerquetschte anwesend waren, zu letztgenannten, dürfte ich an solche Details keinen einzigen Gedanken verschwendet haben, und schon gar nicht erwarten, vielleicht sogar noch nicht mal wünschen, daß ein Politiker anwesend ist, sofern er nicht zum Verwandten- oder Bekanntenkreis eines der Opfer gehört.
Und ja, welches Opfer, wenn Politiker für eine Trauerfeier auch noch ihren Urlaub unterbrechen müssen! Tragisch, wirklich tragisch!
Einige Leute sollen für die Trauerfeier sogar ihre Party unterbrochen haben ... *geschmacklos*
Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 382 Wörter
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
manchmal hast du krause Gedankengänge
Tun wir mal so, als ob Soldaten grundsätzlich vaterlandsliebende, pflichtbewußte Menschen seien und sich nicht nur deshalb beispielsweise in Kriegsgebieten aufhielten, weil das deren Hobby ist.
Wenns denn ein Hobby ist, wäre ein Krieg genauso deren Privatvergnügen wie die Loveparade auch.
Tote und Verwundete in einem Krieg gehören allerdings zum "Tagesgeschäft" - für eine Regierung, die ihre Soldaten auch noch ohne Not hinschickt, kann das also weder eine Katastrophe oder ein Unglück sein - also warum dann da staatliche Anteilnahme?
Eine öffentliche Großveranstaltung, bei der die Polizei den allgemeinen öffentlichen Auftrag hat, die Hobbyisten zu schützen, ist es politisches Versagen, wenn mal eben mehr als 1 Millionen Leute zuviel Einlass gewährt wird, wenn der Platz nur für 350.000 ausgelegt war.
Bei einem Verkehrsunfall - siehe Bahnunglück in Eschede, waren Kohl und Schröder dort. Kann allerdings sein, dass es denen eher um die Schäden der Bahn als staatliches Unternehmen ging, als um die Opfer.
LG
Rex2005
Skywise hat vieles schon sehr treffend formuliert, finde ich.
abgesehen davon, daß ich alter Wortklauber die Geschichte nicht als "Katastrophe" bezeichnen würde
Ja! Vor allem ist sie dann keine "Katastrophe" mehr, wenn menschliches Versagen zum Tod der "Raver" geführt hat. Ohnehin wird dieses Wort heute zu inflationär gebraucht.
Bei Katastrophen, wie Tote und Verletzte in einem Krieg, den außer der Regierung niemand will, ist es von höchsten politischen Interesse, sich dort medienträchtig sofort zu zeigen.
Kriegstote sind eben auch nicht Opfer einer "Katastrophe", sondern werden von der Regierung bewusst und billigend zur Durchsetzung militärischer Interessen in Kauf genommen. Selbst wenn also ein getöteter Soldat "Freude" an seinem "Beruf" hatte und nicht zum Krieg genötigt wurde, ist er "im Dienste seines Vaterlandes" (mir graut es eigentlich, diesen Jargon aufzugreifen) gestorben. Das betrifft dann natürlich die Regierung.
Ich finde es auch richtig, wenn die Kanzlerin und der Verteidigungsminister an Trauerfeiern für "gefallene" Soldaten teilnehmen. Nicht, um Trauer zu bekunden, sondern damit man sieht - und jetzt muss ich leider mal polemisch werden -, wer die eigentliche Verantwortung für den Tod dieser Menschen trägt.
Aber diese Herrschaften hätten immer die Möglichkeit, die Medien außen vor zu lassen.
Kurz und bündig: Nein, nicht in einem solchen Fall.
Ein sofortiges Erscheinen vor Ort um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen, hätte in jedem Fall ein politisch, gesellschaftliches Interesse an den Geschehnissen dort demonstriert - schließlich sind es gewählte Vertreter ihrer Landsleute.
Jetzt versuche ich, zur journalistischen Sichtweise zurückzukehren: Bitte beachte, welche Politiker in diesem Fall zuständig für die Loveparade sind. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident gehören nicht dazu. Es ist eine kommunale, teilweise vielleicht noch landespolitische Angelegenheit. Und Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland hat sich sehr wohl am Ort des Geschehens sehen lassen. Wie das ausging, ist hinlänglich bekannt.
20 Tote und über 500 Verletzte bei einer öffentlichen Großveranstaltung, wo auch ein Großteil der Schuld der Polizei (immerhin ein staatliches Organ) zuzurechnen ist
Woher weißt Du das? Ich entnehme den Berichten, die ich bislang gelesen habe, etwas anderes, nämlich, dass die Polizei lange vor der Veranstaltung vor erheblichen Sicherheitsbedenken gewarnt haben soll - und dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.
Bei einem Verkehrsunfall - siehe Bahnunglück in Eschede, waren Kohl und Schröder dort.
Du schreibst selbst bereits richtig: Kohl UND Schröder waren da (Schröder war damals übrigens niedersächsischer Ministerpräsident und hatte damit sehr wohl ein begründetes Interesse daran, sich am Unglücksort in seinem Bundesland von der Arbeit der Rettungskräfte ein Bild zu machen). Das Unglück ereignete sich am 3. Juni 1998, dreieinhalb Monate vor der Bundestagswahl.
In der Tat gehört die Bahn dem Bund und genau deshalb ist das Thema so brisant.
Im Übrigen hätten die Medien nicht denjenigen gewürdigt, der von Berlin aus seine Anteilnahme bekundet und ansonsten auf eine möglicherweise die Bergungsarbeiten behindernde Inszenierung vor Ort verzichtet. Nein, sie hätten demjenigen Desinteresse vorgeworfen. Im Wahlkampf gibt es leider andere Verhaltensregeln.
Eines erscheint mir noch erwähnenswert:
Bei Forderungen wie Deiner, Rex, die Kanzlerin solle den Unglücksort besuchen (am besten still und heimlich), ist es immer gut, sich auszumalen, wie ein solcher Besuch abliefe und warum das so still gar nicht geht.
Es ist eben nicht so, dass da mal eben "nur" die Kanzlerin kommt. Wenn Frau Merkel verreist, dann nimmt sie zwangsläufig einen ganzen Tross mit: Personenschützer, Referentin, i.d.R. Pressesprecher usw. Mit begleitender Journaille kommt da schnell eine gewaltige Reisegruppe zusammen. Vertrauliche Gespräche mit Angehörigen hinter verschlossenen Türen sind dann zwar noch möglich. Wenn man allerdings die Prozedur betrachtet, der ein Haus unterzogen wird, bevor es die Kanzlerin betreten darf (und auch, was während des Besuchs vor dem Haus los ist), wünsche ich den Angehörigen lieber, dass sie in Berlin bleibt.
Einige Leute sollen für die Trauerfeier sogar ihre Party unterbrochen haben ... *geschmacklos*
Ja, geschmacklos, aber nicht falsch ... Deutschland ist gut im Trauern - und noch besser im anschließenden Zur-Tagesordnung-Zurückkehren und aus gemachten Fehlern nichts Lernen.
Grüße vom
clabauter
Wer ist schuld? Niemand selbst, immer die anderen...
Das scheint mir das Hauptthema in der öffentlichen und medialen Auseinandersetzung seit dem vergangenen Samstag zu sein. Nicht die Trauer um die 21 Todesopfer - und nicht das Mitgefühl mit den vielen weiteren Verletzten. Am Rande zwar immer wieder Bilder von Menschen, die an der Unglücksstelle trauern, Interviews mit Notfallseelsorgern...
Die Verantwortlichen haben zwar gleich darauf pflichtbewusst ihre Trauer und ihre Anteilnahme bekundet, diesen Punkt dann damit aber auch abgehakt, um sich den für sie wesentlicheren Themen zu widmen, nämlich der Rettung ihrer eigenen Haut...
Dass Bundespräsident und -kanzlerin an der Trauerfeier teilnehmen, halte ich für selbstverständlich, hätten sämtliche ihrer Vorgänger auch und gehört ja nun mal zu ihren Aufgaben.
Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht daran teilnimmt, weil er die Gefühle der Opfer nicht verletzen wolle, halte ich dagegen für bezeichnend.
Ich rede gar nicht von der Schuld im juristischen Sinne, aber er ist persönlich (und nicht nur in seiner Funktion als Verwaltungschef) dafür verantwortlich, dass diese Loveparade in diesem Jahr in Duisburg stattgefunden hat - auf einem Gelände, das für solche Menschenmassen nachweislich nicht zu klein ist. Und er hätte die Veranstaltung auch wegen der (durchaus bekannten) Sicherheitsmängel absagen können, so wie sein Bochumer Kollege im vergangenen Jahr. Ebenso hätte Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller diese Veranstaltung vorher absagen können, denn diese Sicherheitsmängel müssen ja auch ihm als erfahrenem Event-Manager aufgefallen sein...
Beide sind (abgesehen von den juristischen Konsequenzen) beruflich wohl erledigt. Sauerland wird zurücktreten (müssen), und Schaller wird nie wieder eine Loveparade (oder ähnliches) veranstalten.
Aber könnten nicht beide zu dieser Trauerfeier gehen, dort ihre Schuld öffentlich eingestehen und sich persönlich bei den Opfern entschuldigen?
Dieser Beitrag enthält 304 Wörter
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
Ich glaube Sauerland hat den Grund für seinen bisherigen Nicht-Rücktritt selber genannt:
" Trete ich jetzt zurück, hefte ich mir mein ganzes Leben 20 Tote daran. Ich will wissen werd die Verantwortung hat..."
Tja Herr Sauerland, so wird das wohl werden. Oder es wird mal wieder gehofft, dass durch Aussitzen, Zerstreuen, juristischem Vernebeln, Anwaltsgegaukel, opfern kleiner Lichter, das typische Vergessen einsetzt. Und schließlich sind dann ja noch die Gerichte die den Persilschein asugeben und die blutige Weste wieder reinwaschen.
Und der Herr Muckibudenbetreiber ? Klar hat der ja auch alles richtig gemacht. Der ganze Spaß war ja nur mit € 7.000.000 versichert. Der Rest geht auf die eigene Kappe. Da jetzt Schuld einzugestehen...
Aber wer ist / hat wirklich Schuld ? Schuld an was ? Schuld an schlampiger Vorbereitung ? Schuld an mangelhafter Technik ? Schuld an unvernünftigem Verhalten des Einzelnen ? Schuld daran, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein ? Schuld an Entscheidungen am, vorm, im Tunnel ?
Wer von uns Unbeteiligten will da den ersten Schuldstein werfen ?
Ich habe selbst oft genug bei Großveranstaltungen von Demos über Sport bis zu Großevents Dienst geschoben. Ich traue mir nicht zu, auf die Menschen die vor Ort waren, sei es Feuerwehr, Polizisten oder wer auch immer, den Finger zu zeigen und sagen "du bist Schuld"
Klaus
Dieser Beitrag enthält 216 Wörter
Unbequem zu sein bedeutet oftmals, sich Hindernisse aufzubauen, die man dann selber aus dem Weg räumen muss, ohne bequem zu werden.
cARSCHti schrieb:
Am Rande zwar immer wieder Bilder von Menschen, die an der Unglücksstelle trauern, Interviews mit Notfallseelsorgern...
... und mit Überlebenden ... Bin jetzt zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen über die Überschrift "Ich habe die Loveparade überlebt" (oder so ähnlich) gestolpert. Zum Kotzen, wirklich. Momentan habe ich das Gefühl, daß das Echo eine ganze Menge Zeit damit verbringt, sich selbst zu feien.
Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht daran teilnimmt, weil er die Gefühle der Opfer nicht verletzen wolle, halte ich dagegen für bezeichnend.
Joah, gut. Andererseits hätte ich mir das an seiner Stelle auch ziemlich gut überlegt. Momentan wird er ja in den Medien nicht gerade als Sympathieträger aufgebaut, und ein paar Irre und Unbeherrschte soll's ja immer wieder geben, sprich: würde mich ehrlich wundern, wenn in seinem Vorzimmer nicht schon ein paar Anrufe aufgeschlagen wären, in denen er liebevoll als "Mörder", "verantwortungsloser Sack" oder so bezeichnet wird oder in denen ihm alternativ ein zeitnahes, bevorzugt blutiges Ableben in Aussicht gestellt wird.
Ich rede gar nicht von der Schuld im juristischen Sinne, aber er ist persönlich (und nicht nur in seiner Funktion als Verwaltungschef) dafür verantwortlich, dass diese Loveparade in diesem Jahr in Duisburg stattgefunden hat
Das weiß ich nicht. Ich habe zwar diese Anschuldigung einige Male gelesen, allerdings keine richtigen Belege dafür gefunden. Offen gestanden hoffe ich für ihn, daß die Angelegenheit vorher durch einige Gremien ging. Und ich hoffe für ihn noch dringender, daß es ein paar Protokolle gibt, aus denen hervorgeht, daß die Sicherheitsbedenken gegenüber dem Veranstalter geäußert wurden, denn augenscheinlich gab es ja eine Prüfung des Veranstaltungs- und Sicherheitskonzepts, das vom Veranstalter vorgelegt wurde ...
Und er hätte die Veranstaltung auch wegen der (durchaus bekannten) Sicherheitsmängel absagen können, so wie sein Bochumer Kollege im vergangenen Jahr. Ebenso hätte Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller diese Veranstaltung vorher absagen können, denn diese Sicherheitsmängel müssen ja auch ihm als erfahrenem Event-Manager aufgefallen sein...
Sollten besser. Andererseits war es ja meines Wissens dieses Jahr das erste Mal, daß es sich nicht um eine "Parade" gehandelt hat, sondern um eine Festivität an einem festen Ort. Kann sein, daß hier noch nicht so viele - also eigentlich gar keine - Erfahrungswerte vorlagen ... derartige Großveranstaltungen sind ja auch nicht so häufig.
Beide sind (abgesehen von den juristischen Konsequenzen) beruflich wohl erledigt. Sauerland wird zurücktreten (müssen), und Schaller wird nie wieder eine Loveparade (oder ähnliches) veranstalten.
Wahrscheinlich, ja. Wobei ich nicht glaube, daß Sauerland in den nächsten Tagen zurücktreten wird. Ich glaube, dafür interessieren ihn die Untersuchungsergebnisse zu sehr. Und es dürfte ihm deutlich leichter fallen, "nur" aus politischen Gründen seinen Hut zu nehmen. Wer tritt schon gerne mit 21 Toten und ein paar hundert Verletzten auf dem Gewissen von einer Bühne ab?
Aber könnten nicht beide zu dieser Trauerfeier gehen, dort ihre Schuld öffentlich eingestehen und sich persönlich bei den Opfern entschuldigen?
Ich schätze beide Personen so ein, daß sie tatsächlich glauben, an dem Unglück keine Schuld zu tragen. Warum also zu Kreuze kriechen, wenn sie sich für die Ereignisse nicht verantwortlich fühlen?
Gruß
Skywise,
den es irgendwie fuchst, daß für die Opfer der Loveparade Trauerbeflaggung angeordnet wurde
Dieser Beitrag enthält 561 Wörter
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
Ic h glaube Hannlore Kraft hat es richtig formuliert. Es geht bei den Herren Sauerlaund, Schaller und wer auch immer noch nicht um "Schuld" es geht erst einmal um "Verantwortung". Und Gerade Herr Sauerland ist doch mit breiter Brust angetreten um in Duisburg Verantwortung zu präsentieren.
Schlimm finde ich mal wieder etwas ganz anderes. Die Flut der Handyfilme und Fotos. Während Menschen in Todesangst schweben werden nicht die Hände hingehalten um zu helfen, nein es wird gnadenlos gefilmt und dann veröffentlicht.
Klaus
Dieser Beitrag enthält 86 Wörter
Unbequem zu sein bedeutet oftmals, sich Hindernisse aufzubauen, die man dann selber aus dem Weg räumen muss, ohne bequem zu werden.
Ja, vielleicht geht es nicht um Schuld, sondern um Verantwortung...
Aber wenn eine Stadt Duisburg eine Veranstaltung (mit vorhersehbar über 1 Mio TeilnehmerInnen) auf einem Gelände, das nicht einmal für 500.000 Leute angelegt ist, genemigt, obwohl z. B. die Gewerkschaft der Polizei (ohne die keine Massenveranstaltung in diesem Land möglich wäre, und die es eigentlich wissen müsste) eindringlich davon abgeraten hat, dann ist der OB dieser Stadt dafür mehr als nur verantwortlich...
Sauerland ist kein "Mörder", aber er hat schwere Fehler begangen und ist für die 21 Toten mit verantwortlich. Und wäre trotz aller Sicherheitsmängel alles gut gegangen, er würde sich jetzt auch noch dafür feiern lassen...
Dieser Beitrag enthält 120 Wörter
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)