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von hippo
#8
Hannes Wader im Carl Orff Saal des Gasteigs am 21.03.2009
Ein menschliches Erlebnis verkürzte die Hinfahrt auf das amüsanteste, in der Tram kamen wir mit einer Dame ins Gespräch, welche ganz aufgeregt fragte ob wir auch zu Konstantin Wecker im Gasteig fahren würden.
Als alter Weckerianer wusste ich natürlich, Konstantin trat heut Abend nicht auf, sondern Hannes Wader, aber ganz sicher präsentierte sie uns ihre Karte und musste feststellen, dass diese erst am 21.04 gültig war, also sie einen Monat zu früh dran war.
Der Carl Orff Saal war sehr gut gefüllt und still fast unbeachtet schlich sich der Künstler auf die Bühne. Er eröffnete den Abend mit “Heute hier, morgen dort“ und vom ersten Gitarrenton an lauschte das Publikum fasziniert.
Welch ein Unterschied für mich, der ich ansonsten nur “Weckerlebnisse“ genieße die ruhige disziplinierte Art des Publikums zu erleben.
Eine schon fast andächtig zu nennende Atmosphäre war im Raum, man konnte fast greifen, wie durchgeistigt die Zuhörerschaft war. Das ist der Unterschied zu “Weckerlebnissen“, da brodelt die Luft.
Wader ist ein stiller vergeistigter Typ, ein Intelektueller der alten Schule, einer der denkt, seine Gedanken entwickelt, aber immer der zögerliche, unentschlossene Feingeist bleibt, dafür liebt in wahrscheinlich sein Publikum, aber vom theoretisieren macht man keine Veränderung, diese ist nur in der lautstarken Debatte, im Laut werden, im Fordern und Kämpfen möglich.
Für mich ist er ein Träumer von einer besseren Welt, die theoretisch auch möglich wäre, aber er kann diese Gedankenplanspiele nicht kräftig darstellen - er ist im Gegensatz zu Wecker, der ein Hau drauf, eine Rampensau ist, radikaler, bereit laut zu werden – ruhig still fast unscheinbar, ein Meister der leisen, feinen Zwischentöne.
Aber das ist wahrscheinlich das Problem der heutigen Gesellschaft – meiner Meinung nach – es hat jeder sein Platzerl gefunden, sich seine Nische eingerichtet und hat sich dann das Lied von Franz Josef Degenhardt “ Irgendwas mach ich mal, irgendwann, und dann, dann komm ich ganz groß, ganz groß raus.“, genau wie es Väterchen im “Deutschen Sonntag“ Zitat “Wenn die Spinne Langeweile Fäden spinnt und ohne Eile giftig-grau die Wand hochkriecht, wenn’s blank und frisch gebadet riecht, dann bringt mich keiner auf die Straße, und aus Angst und Ärger lasse ich mein rotes Barthaar stehn, und lass’ den Tag vorübergehn, hock’ am Fenster, lese meine Zeitung, decke Bein mit Beine, seh’, hör’ und rieche nebenbei das ganze Sonntagseinerlei.“ Zitat ende beschrieben.
Aber das ist typisch deutsch. Menschlich, man ist eben mit zunehmenden Alter bequemer und wird ruhiger, hat auch mehr was man verlieren oder aufs Spiel setzen könnte und da arrangiert man sich eben.
Beeindruckend, aber eher was für Leute, die eher der stille zögerliche Typ, der erst dreimal überlegt, abwägt sind, wobei mir Karl Valentins Ausspruch: “Mögn hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ in den Sinn kommt, während meiner einer eher der Typus Konstantin ist, laut, fordernd, aggressiv, eine Meinung habend, bereit diese zu vertreten auch gegen eventuelle Unwägbarkeiten, aber das ist wahrscheinlich eine Sache der persönlichen Entwicklung und Lebensweise und es muss jeder nach seiner Fasson glücklich werden.
Es folgten "Charley", "Es ist schon viele Jahre her", "Die welken Blätter" und die deutsche Version von “Last Things on my Mind“, "Nichts mehr", "Sag wie lange haben deine Füße", im Gedenken an Robert Blum folgte "Was zieht dort zur Brigittenau im blutigen Morgenrot", danach "Die Mine" und in die Pause entließ uns der "Traumzänzer".
Mit “Fremder Zimmermann“ eröffnete der Künstler den zweiten Teil, danach "Weissdornbusch", "jeder Traum" , "Mammita mia", eine aktualisierte Fassung von "Trotz alledem" beschloss den Abend.
Als Zugaben folgten "Schon so lang", "Sag bist du bereit" und "Min Jehann" bildeten den Abschluss des Abends, den ich sehr genossen habe, obwohl es für meinen Geschmack zu leise und besinnlich war, aber das ist Geschmackssache.
Zum Abschluss fällt mir noch mal Karl Valentin ein : “Ich habe Bildung nie mit dem Löffel gegessen, nur mit der Messerspitze.“
© 2009 by Cäpt`n Flint
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