Hallo, Ihr Lieben,
da ich in Bezug auf Stephan Sulke alles andere als Fachfrau bin, muss ich mich an diesen Bericht erst etwas vorsichtig herantasten. Damit aber keine Missverständnisse aufkommen, sage ich es gleich mal vorab: Es war ein toller, ausgesprochen gelungener Abend!!
Weil es keine Platzkarten gab, und ich die Karte erst an der Abendkasse kaufen konnte, war ich ungewöhnlich früh vor Ort. Als ich kurz vor halb acht den Festsaal betrat, hatte ich bereits die Karte gekauft, den Mantel an der Garderobe abgegeben und die neueste CD erstanden. Der Saal war für 170 Zuhörer bestuhlt, die beiden vorderen Reihen waren bereits nahezu voll besetzt. Die freie Platzwahl hat den Vorteil, dass man sich seinen Vordermann aussuchen kann, dementsprechend setzte ich mich hinter ein zierliches Persönchen und hatte freien Blick zur Bühne.
Langsam trafen die Gäste ein, und der Saal füllte sich bei geringem Geräuschpegel. Um acht Uhr waren alle Reihen besetzt, zwischendurch blieben aber auch etliche Stühle leer. Die Frauen waren in der Überzahl, es war kaum jemand jünger als dreißig und wohl gar niemand unter zwanzig Jahre alt.
Kurz nach acht Uhr betrat der Veranstalter die Bühne und kündigte zwei Stimmen und zwei Gitarren an. Es gab also so eine Art Vorprogramm: Das saarländische Duo 'Saitenwind' trug zwei Lieder vor. (@migoe: Könntest Du mal die Website checken?
www.saitenwind.de Ich würde den beiden, die wohl auch mit Band auftreten, gegebenenfalls eine Nachricht schreiben und anfragen, ob sie Interesse daran haben, hier verlinkt zu werden.) Die beiden haben schon einige Preise gewonnen und hatten schon etliche Radio- und Fernsehauftritte. Ihr Vortrag war durchaus hörenswert und bekam entsprechenden Beifall, aber das Publikum wartete natürlich ungeduldig auf Stephan Sulke.
Viertel nach acht kam er mit einem Ruck ganz in Schwarz gekleidet durch den Vorhang und wurde stürmisch begrüßt. Stephan Sulke hat eine ziemlich schwierige Art des Vortrags gewählt mit den zögernden Pausen vor vielen Wörtern, wirkte aber sehr überzeugend. In einem Punkt wurde ich angenehm enttäuscht: Ich dachte, bei Stephan Sulke sei das Nuscheln Kult, er war aber einwandfrei und mühelos zu verstehen. Er sang zur Gitarre, zu den Keyboards und – alle Achtung – auch ganz ohne Begleitung, was ich für besonders schwierig halte. Da ich leider kaum eines seiner Lieder kannte, blieb mir das freudige Gefühl versagt, das einen erfasst, wenn man so ein altes, liebgewonnenes Lied an den ersten Akkorden erkennt. Aber das sachkundige Publikum im Saal empfing die alten Bekannten mit dankbarem Applaus. Als es Probleme mit der Technik gab, musste er einen Helfer auf die Bühne holen und überbrückte die Zeit damit, zwei Schweizer Witze zu erzählen. Sie kamen ganz gut an, und er erwog, einmal ohne zu singen, sondern nur mit Witzen auf Tour zu gehen. Er betonte, dass die Panne echt sei und nicht abgesprochen. Als das Problem aber durch einen kleinen Knopfdruck behoben werden konnte und Sulke auch noch selbst die Lösung fand, war ich mir da nicht mehr so sicher. Man wird einfach zu oft veräppelt, letztlich ist es aber auch egal. Es waren viele melancholische Lieder zu hören, viele über gescheiterte Beziehungen – oder kam's mir nur so vor? Ausgesprochen gut kam sein Lied 'Komisch' an, das mir live noch besser gefallen hat als in der Studioversion. Auch über das Lied vom 'Sauerstoffbenutzungsschein', in dem Stephan Sulke die Manie, alles reglementieren zu wollen, auf die Schippe nimmt, konnte man sich köstlich amüsieren:
Ich kann’s nicht lassen, ‘s ist ne Sucht: ich atme immer aus und ein
und hab dabei nicht mal nen Sauerstoffbenutzungsschein.
In der Pause hatte ich Zeit, das Booklet der CD zu studieren. Zuallererst fiel mir ins Auge: 'Ein kleines Dankeschön an alle, die mitgewirkt haben, insbesondere an Manfred Leuchter.' Dieser Name dürfte wohl jedem Reinhard-Mey-Fan geläufig sein. Ich stellte fest, dass Manfred Leuchter zwei Stücke mit dem Akkordeon begleitet. Weiterhin fiel mir auf, dass Stephan Sulke sehr viel bei der Instrumentierung mitwirkt. Bei 'Oktoberabend' stammt das Streicher-Arrangement von ihm, und das Lied 'Sauerstoffbenutzungsschein' ist ganz und gar sein Kind: Musik & Text und alle Instrumente: Stephan Sulke! Ich las mir die Texte durch, die mir sehr gut gefielen und freute mich schon darauf, mir die CD anzuhören.
Nach der Pause gab es ein bisschen viel Melancholie hintereinander, sodass bei mir leichte Ermüdungserscheinungen auftraten. Aber dann wurde es wieder lebendiger, und ich war wieder wach. Trotz der unmittelbaren Nähe des Saarlandes zu Frankreich, hatte er kein französisches Lied im Programm. Am Schluss musste er noch vier Zugaben singen und meinte augenzwinkernd: 'Ich dachte, ich käme hier schneller weg. Das hätte ich nicht erwartet.'
Der Saal leerte sich, und es blieb nur eine Hand voll Autogrammjägerinnen. Als Stephan Sulke in Jeans auftauchte, konnte man ihn leicht für einen der Techniker halten. Wer ein Autogramm wollte, musste zu ihm hinauf auf die Bühne gehen, was die Fans nach anfänglichem Zögern auch taten. Bei der geringen Anzahl von Autogrammwünschen hatte er Zeit, sich mit der einen oder anderen auch etwas ausführlicher zu unterhalten. Als ich zur Garderobe kam, hing nur noch mein Mantel einsam herum.
Inzwischen habe ich mir die CD schon mehrmals angehört und halte sie für einen Knaller. Es sind lediglich ein oder zwei Stücke, die mir nicht so gut gefallen. Und mit meinem 'Allesspieler' kann ich sogar die beiden Stücke anhören, für die man ein DTS-kompatibles Abspielgerät braucht und eine Surround-Wiedergabe-Anlage mit DTS-Decoder. Es war mir überhaupt nicht bewusst, dass ich sowas habe. Im Kopfhörer hatte ich nur Rauschen, aber über die Lautsprecheranlage klappte es astrein.
@ Andreas: Es sind wieder mal mehr als 15 Zeilen geworden, aber dieses Mal war er ja wenigstens da.

Viele Grüße von Petra, die allen Zaudernden nur zuraten kann; wie schon anfangs erwähnt:
Es war ein sehr gelungener Abend.