Hallo Andreas,
schon lange nix "richtiges" mehr von Dir gelesen, deshalb freue ich mich über diesen überaus interessanten Beitrag, zu dem ich aber meinen Senf dazugeben möchte.
Ich denke, Du hast nicht so eine schlechte Meinung über die Musikindustrie und Herrn Mey im Besonderen, wie es aus Deinem Beitrag gelesen werden könnte, und manche Deiner Sätze sind vielleicht überspritzt und bewußt provokativ, dennoch werde ich direkt dazu Position beziehen:
In der NDR- Talkshow, die kürzlich mit der Anwesenheit zweier bekannter Liedermacher geehrt wurde, war sich Herr Mey nicht zu schade dazu, diesen uralten Quatsch mit Soße noch einmal aufzuwärmen und dann allen Ernstes forderte, man solle einmal überlegen, ob dies nicht eine wirkungsvolle Methode wäre, dem „deutschen Liedgut“ wieder zu mehr Geltung zu verhelfen.
Dein Verhältnis zu Mey ist wohl sehr gespalten? Zum einen siehst Du die Sendung geehrt durch die Anwesenheit von Reinhard Mey, auf der anderen Seite gibt es doch nur "Quatsch mit Soße" von sich...???
Soweit ich mich erinnern kann geht es Mey bei seiner Forderung nicht darum, unbedingt eine Quote einzuführen, sondern sich damit auseinander zu setzen, wie man es in Deutschland schafft deutschsprachige Musik (und nicht "deutsches Liedgut") wieder populärer zu machen.
Dies ist natürlich auch etwas, daß Mey und anderen Liedermachern zugute kommen würde - doch ihm zu unterstellen, dies sei der einzige Grund für ihn sich an der Aktion aktiv zu beteiligen ist doch etwas oberflächlich betrachtet. Er sagte in der Sendung ja selber, daß er in seinem Alter nicht mehr darum kämpfen muß im Radio gespielt zu werden, denn seine Alben sind schon direkt bei der Veröffentlichung Erfolge und laufen wie warme Semmeln - und über die Tourneen muß ich hier doch nicht noch schreiben, oder?
Nein, Mey und die anderen "alten Säcke" (Mey-Zitat) haben das alles hinter sich, doch sie denken auch an die jungen Künstler, die in ihrer Muttersprache Musik machen und damit oft nicht ins Radio oder bei Viva/MTV usw. gespielt werden, wiel sie alleine aufgrund der verwendeten Sprache nicht "international" kompatible Musik machen - somit haben sie es nicht nur international (womit sicher die meisten Bands/Künstler leben könnten) schwer, sonder auch im eigenen Land! Das ist das Problem und muß gelöst werden - eine Quote könnte, muß aber nicht DIE Lösung sein.
Ich war jedenfalls nach dem Ansehen der NDR- Talkshow einigermaßen erstaunt darüber, wie sehr sich Herr Mey mit seinen Ansichten und Äußerungen von jener „Freigeist- Haltung“ der vergangenen Jahre entfernt hat und wie sehr er damit aus meinem persönlichen Denkmuster entschwindet.
Lieber Andreas, ist jemand denn kein "Freigeist" mehr, wenn die Meinung, die er vertritt auf einmal eine andere ist als die eigene - und bisher waren die Dinge, die Mey sagte und tat wohl "freigeistiger"...und bist DU denn jetzt der "Freigeist" und Mey nicht mehr?
Nicht, weil es die Möglichkeit des Saugens aus dem Internet gibt, sind Plattenverkäufe stagnierend oder rückläufig. Vielmehr hat hier die (eben nicht vorhandene) Qualität erheblichen Einfluß. Dazu kommt die Preispolitik der CD- Produzenten, die ihre Produkte um ein Vielfaches überteuert in den Handel bringen. Da ist das Kopieren letztlich nur eine Art Selbstverteidigung des Verbrauchers.
Nun, aus Sicht der Künstler kann es nichts mit Selbstverteidigung zu tun haben, wenn sich potenzielle Kunden die Ware einfach "klauen" anstatt den Künstler angemessen dafür zu bezahlen. Kann es denn wirklich sein, daß ein solches Argument dafür herhalten muß, wenn es darum geht zu begründen, warum jemand Musik, die er gerne hören möchte kostenlos (und illegal) aus dem Netz saugt und sich vehement weigert, dafür zu bezahlen? Nein, so kann es nicht richtig sein. Auch ich bin gegen Kopiergeschützte CDs, die nicht mehr in jedem Player laufen und bei manchen Geräten sogar störende Geräusche verursachen. Auch ich bin für ein unkompliziertes System Musik zu kaufen, auch ich möchte möglichst wenig dafür ausgeben - und 15 Euro scheinen mir auch nicht zuviel zu sein, schließlich habe ich von einer guten CD viele Jahre und Jahrzehnte noch etwas.
Ich denke, die Plattenindustrie stellt sich selber ein Bein damit, daß sie immer mehr "Schikanen" aufbaut, um den Kunden die eigene Dienstleistung schmackhaft zu machen - und ich denke, man könnte billiger und zielgruppenorientierter Musik verkaufen - z.B. über das Internet. Dazu gibt es ja auch schon einige sehr gut geeignete Beispiele, wie es geht, doch bis das ganze "hoffähig" ist wird wohl noch ein bißchen Zeit vergehen.
Künstler sollten aber nichts destro trotz immer noch selber entscheiden, wie die eigene Dienstleistung an den Mann gebracht wird - und Ausreden wie "zu teuer", "schlechte Qualität" usw. sollten nicht als Begründung dafür herhalten, warum die Musik eher geklaut als gekauft wird.
Übrigens: ein so offensichtlich grenzdebiler Mensch wie Daniel Küblböck fiele ja auch unter die Quote... Und das ist noch ein Grund mehr, deutlich NEIN in Richtung eines Herrn Mey zu rufen...
Wieso fiele Daniel Küblböck denn unter solche eine Quote? Soweit ich informiert bin hat er bisher nur englischsprachige Lieder veröffentlicht:
"Positive Energie" (Album)
erschienen am 16.06.2003 (BMG)
1. Heartbeat 3:22
2. You drive me crazy 3:53
3. Love is in the air 3:39
4. I don't wanna live another life 3:24
5. Love of my life 3:41
6. Little satellite 4:05
7. Heartbreaker 4:15
8. Pretty woman 2:52
9. Rock'n'Roll Hero 3:47
10. Life is too short 3:33
11. Call me Mr. Lover 4:03
12. Superman 3:10
13. Everytime you go away 3:55
Bei diesem Punkt hätte ich auch noch eine Frage an alle, die so ähnlich denken wie Du bei dem Namen Küblböck:
Ist es denn wirklich so, daß jemand, weil er sich so gibt wie er ist und halt so ist wie Daniel Küblböck, wirklich so abgestempelt und negativ betitelt werden muß, nur weil er in den Medien so dargestellt wird wie Herr Küblböck? Auch ich habe eine Meinung zu dem Phänomen "Daddy Blue" - und trotzdem fällt es mir schwer ein letztendliches Urteil über diese Art Künstler zu fällen, weil sie so, wie sie sich verhalten wahrscheinlich so verhalten wie ich es tun würde, wäre ich an ihrer Stelle - es gibt ja nicht nur einen "Daddy Blue", gerade in der heutigen Situation, wo jeder Sender seine eigene Casting-Show hat...
Um auch diese Ängste zu entkräfigen:
Viele Produktionen von Dieter Bohlen (z.B. Modern Talking), Ralph Siegel (z.B. Lulu) oder Frank Farian (z.B. Milli Vanilli) hätten in Zukunft übrigens auch nicht mehr Chancen wie Lieder von Künstlern und Bands, die ausschließlich in deutscher Sprache produzieren -> dabei darf man aber nicht übersehen, daß sich Scheiße in deutscher Sprache auch verkaufen läßt!!!
Ich habe eigentlich noch einige Dinge auf der Zunge liegen, krieg die aber im Moment nicht so eingetippt, wie ich es mir vorstelle, abgesehen davon muß ich jetzt Schluß machen...werde mich noch mal zu Wort melden...
Liebe Grüße nach Österreich an Serafina und das Nordlicht
