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Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 09:33
von laureata
Lieber Andreas!
Du schreibst:
Österreich, die Schweiz, Teile der Benelux- Staaten etc.pp. verdienen doch, Du wirst mir Recht geben, denselben Einsatz, oder ?

Darin gebe ich Dir recht, natürlich beschränkt sich die deutsche Sprache - ebenso wie die sprachlichen Unarten ;-) - nicht auf das deutsche Staatsgebiet. Und natürlich verdienen sie denselben Einsatz. Aber das widerspricht ja nicht Tinas Intention, die ja im Prinzip nur sagte, daß die breite Masse sprachlich unsensibler zu werden scheint. (Tina, korrigier mich, wenn ich Dir was in den Mund leg, was Du nicht gemeint hast.)
Leider muß ich darin ihr rechtgeben (wie gern würde ich widersprechen! :-(), das ist auch mein Eindruck.
Natürlich gibt es immer noch die Kinder, die Leseratten sind und die sich auf diese Weise ganz von selbst ein Sprachgefühl aneignen, weil sie Texte von Menschen lesen, die selber die Sprache lieben und liebevoll damit umgehen.
Doch ich glaube, diese Kinder werden immer weniger. Die überwiegende Mehrzahl verbringt ihre Freizeit lieber vor dem Fernseher oder PC. Als erstes macht sich das in den Rechtschreibkenntnissen bemerkbar - wenn ich sehe, was die Kinder in Klassenarbeiten für unglaubliche Fehler machen, muß ich einerseits schmunzeln, andererseits erschrecke ich aber auch immer wieder...
Und wer nie viel gelesen hat, dem fällt zudem das Lesen nicht so leicht, der findet längere Texte abschreckend und liest dann - wenn überhaupt - Boulevardzeitungen mit kurzen Texten (ich nenn da jetzt keine Namen, da gibt es in D, CH und A einschlägige Beispiele). Diese Zeitungen sind es dann, die (neben Radio und Fernsehen) die Sprache der "breiten Masse" prägen. Leider scheinen sie sich dieser Verantwortung viel zu wenig bewußt zu sein.
Tut mir leid, mein Beitrag scheint mir jetzt an ein paar Stellen etwas zu polemisch zu sein...
LG Johanna

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 13:17
von Agrippina
Hallo Andreas,
Du schriebst:
Ich gehe mit ihnen einfach nur nicht konform !

Nun, das bleibt Dir doch unbenommen, mußt Du auch gar nicht. Sonst würde sich ja auch jegliche Diskussion erübrigen und wir hätten diesen Faden gleich nach dem ersten Beitrag dichtmachen können. Wie langweilig wäre denn das, wenn wir alle ständig einer Meinung wären?
Vielleicht schade, stimmt. Aber andererseits: Wer bin ich denn, daß ich anderen Menschen ihr, wenn für mich vielleicht auch falsches "Verhalten", nicht nur vorhalte, sondern sogar auf Änderung dränge ? Ich fühle mich dazu weder befähigt noch berufen. Soll jeder nach seiner Facon seelig werden.

Hm, möchtest Du damit zum Ausdruck bringen, daß man auf Dinge, die einem negativ (oder sagen wir zumindest "unschön") auffallen, nicht mehr aufmerksam machen und sie zu ändern versuchen soll??? Sicher, jeder Mensch hat Dinge, die einem wichtiger sind als andere, das muß wirklich ein jeder für sich entscheiden. Aber kann das denn ein Argument dafür sein, "Mißstände", die einem auffallen, einfach zu schlucken, weil man der Meinung ist, ändern könne man doch eh nichts? So, lieber Andreas, kann doch in keinem einzigen Bereich unseres Lebens Veränderung oder gar Fortschritt stattfinden.
Wo wären denn z. B. (!) Veränderungen beim Umwelt- oder Tierschutz geblieben, wenn nicht engagierte Menschen auf Übel hingewiesen hätten, wohlwissend, daß diese Themen für viele andere Leute völlig unwichtig sind? Also lieber die Klappe halten, nach Entschuldigungen à la "ändern kannste ja eh nix" suchen und schlußendlich resignieren?
Ich bin ganz bestimmt ein Mensch, der anderen seine Meinungen und Freiheiten läßt, insofern stimme ich Dir zu, daß jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Doch irgendwo sind dem, spätestens dann, wenn das Gemeinwohl in Frage steht, meines Erachtens Grenzen gesetzt. Jeder soll tun und lassen können, was er will, nur keinen Ärger oder Aufwand produzieren oder Zivilcourage zeigen? Nee, Du, wenn Du das für Dich so handhaben möchtest, steht Dir das frei, mein Ding isses jedenfalls nicht.
Dabei versuche ich allerdings einen Weg zu wählen, der nicht von Verbissenheit strotzt, sondern ich möchte versuchen, andere Menschen für eine Sache zu gewinnen. Nicht, indem ich ihnen etwas aufdränge, wie Du es ausdrückst, sondern indem ich versuche, sie zum Nachdenken anzuregen und vielleicht sogar zu überzeugen. Inwiefern sich allerdings Menschen drauf einlassen wollen, das bleibt allein ihnen überlassen.
Das irritiert mich jetzt aber wirklich ein wenig, denn es gibt weltweit viel mehr als "nur" 80 Millionen Menschen, die die deutsche Sprache sprechen. Wieso gilt Dein / Euer Einsatz dann nur für "dieses" Land ? Wo bleibt der übrige, deutschsprachige Raum ? Österreich, die Schweiz, Teile der Benelux- Staaten etc.pp. verdienen doch, Du wirst mir Recht geben, denselben Einsatz, oder ?

Hoppla, gründlich mißverstanden hast Du mich, lieber Andreas. Gut, ich hätte es der Deutlichkeit halber wahrscheinlich noch einmal explizit erwähnen sollen, aber selbstverständlich spreche ich nicht nur für Deutschland, sondern für den gesamten deutschsprachrigen Raum; immerhin sprechen wir in unserem offenen Brief ja auch die Tatsache an, daß mehr Europäer Deutsch sprechen als z. B. Englisch.
Vielleicht aber findet dieser "Einsatz" auch nur an der falschen Stelle statt. Denn ich gebe Dir ja, einmal mehr, Recht, wenn Du die zunehmende "Verschluderung" der deutschen Sprache anprangerst. Aber wenn ich mir die Masse der Schüler ansehe, die mit "krass, ey" oder "isch schwör, ey" durchs Leben taumeln, dann bekomme ich Angst um die Zukunft der Sprache. Welcher 13jährige (mit vielleicht auch noch türkischen Vorfahren) bekommt heute noch einen unfallfreien Satz mit Subjekt und Objekt und Adverbien etc. auf die Reihe ? Nur vermag ich hier nicht die alleinige Verantwortung in Angli- oder anderen zismen zu sehen, sondern in einer verfehlten Schulpolitik. Und genau dort sollte man ansetzen, dann würde sich Dein Thema über kurz oder lang von selbst erledigen.

An der falschen Stelle (und weshalb überhaupt "Einsatz" in Gänsefüßchen - die ganze Aktion war/ist eine Riesenmühe!)? Wahrscheinlich hast Du Dir den Verteiler des Briefes nicht angeschaut, denn dann hättest Du festgestellt, daß unter anderem (!) die entsprechenden Bundes-/Landesministerien angeschrieben wurden. Nichts für ungut, aber mir scheint, Du hast Dich mit unserem Anliegen bzw. unseren Aussagen noch nicht ganz gründlich befaßt und auch einige meiner Aussagen in diesem Faden "geflissentlich übersehen" (so z. B. zur mangelnden Sprachfähigkeit vieler Jugendlicher und deren Ursachen). Und daß Spracherziehung nur in der Schule stattzufinden hat - es ist ja superbequem, die eigene Verantwortung auf andere abzuwälzen -, halte ich für ein Gerücht. Sprache (und z. B. auch Begeisterung für Literatur) wird zunächst mal im Elternhaus vermittelt, und auch das sonstige Umfeld der Heranwachsenden spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle. So liegt für meine Begriffe auch dort eine Hauptverantwortung, die aber heutzutage viel zu häufig nicht wahrgenommen wird.

(...der trotz Beherrschung "seiner" Sprache viel zu oft viel zu viel mißverstanden zu werden scheint...)

Tja, da kannste mal sehen, welch ein komplexes Thema das ist - nicht so einfach, sich in der eigenen Sprache unmißverständlich auszudrücken, auch wenn man meint, sie gut zu beherrschen, ne? ;-) Sprache ist halt mehr als das Aneinanderreihen bloßer Worte.
Zum Abschluß erlaube ich mir noch eine direkte, indiskrete Frage (ob Du sie beantworten magst, bleibt natürlich Dir überlassen, ich könnte ja nachvollziehen, wenn Du Dich nicht offenbaren wolltest): Hast Du im Gästebuch der Initiative den letzten Beitrag hinterlassen, in welchem von einer "nutzlos vergeudeten Energie" gesprochen wird? Diese Bemerkung hinterläßt nämlich bei mir ein ganz arges Bauchgrummeln, da es sich dabei um ein wirklich plattes, undurchdachtes und unfaires Totschlagargument handelt. Naja, vielleicht warst Du's aber auch gar nicht …
Liebe Grüße vom Rhein nach OÖ
Tina

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 14:36
von fille
Hallo liebe Forumsbesucher,
ich wollte nur noch mal was zum Wort "Computer" einflechten.
Ich denke "Rechner" wird mindestens so oft gebraucht, wie "Computer". Es ist die direkte Übersetzung und klingt meines Erachtens proffesioneller.
Englisch - Deutsch:

to compute - (be)rechnen, überschlagen, schätzen
the computer - der Rechner
Die Franzosen haben sich (natürlich) etwas anderes einfallen lassen.
Der Computer, Rechner heißt dort - l'ordinateur
Das kommt von:
ordinner - anordnen, befehlen, sich gruppieren
L'ordinateur kann auch ein Ordner (Mensch) oder Anweiser sein.
Im Lateinwörterbuch habe ich noch gefunden:
ordinatim - der Reihe nach
Tja, beides scheinen die Aufgaben des Computers/Rechner zu sein. Das Ding wurde aus einer progammierbaren Rechenmaschine entwickelt (Zuse) und es reiht Daten aneinander - auch wenn Bilder oder Töne dabei herauskommen.
Die Franzosen sagen allerdings kurz - l'ordi. :-)
Schönen Tag noch
Marianne
(die natürlich weiß, dass das schon wieder nichts mit DER SACHE zu tun hat)

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 15:49
von Nasiraeer
Hallo Laureata & Co
Leider muß ich darin ihr rechtgeben (wie gern würde ich widersprechen! ), das ist auch mein Eindruck.
Natürlich gibt es immer noch die Kinder, die Leseratten sind und die sich auf diese Weise ganz von selbst ein Sprachgefühl aneignen, weil sie Texte von Menschen lesen, die selber die Sprache lieben und liebevoll damit umgehen.
Doch ich glaube, diese Kinder werden immer weniger. Die überwiegende Mehrzahl verbringt ihre Freizeit lieber vor dem Fernseher oder PC. Als erstes macht sich das in den Rechtschreibkenntnissen bemerkbar - wenn ich sehe, was die Kinder in Klassenarbeiten für unglaubliche Fehler machen, muß ich einerseits schmunzeln, andererseits erschrecke ich aber auch immer wieder...

Nachdem ich den gesamten Chat durchgelesen habe, brennt der Stift in meiner Hand und so muß ich meinen Senf einmal dazugeben.
Ich mache meine Aussage am oben wiederholten Absatz fest, um allen Interessierten einen einfachen Einstieg zu ermöglichen.
Ich schriebe den wiederholten Text anders:
1. "Leider muß ich darin ihr rechtgeben,"
was soll das? Nur die Legislative gibt Recht
aber wohlwollend interpretiere ich und formuliere um zu:
Leider hast du/habt ihr meiner Meinung nach diesbezüglich Recht.
2. "die sich auf diese Weise ganz von selbst ein Sprachgefühl aneignen"
was ist denn das nun? Im ersten Teil des Satzes wird auf die Wirkung des Lesens hochwertiger
Literatur hingewiesen, im zweiten Teil geschieht es ganz von selbst, im dritten müssen die Texte mit Wirkung durch von die Sprache liebenden und liebevoll mit selbiger umgehenden erstellt sein.
3. "Doch ich glaube, diese Kinder werden immer weniger."
Glaube hilft an dieser Stelle gar nichts, und daß Kinder weniger werden kenne ich nur aus der Symptomatologie.
Ich vermute, hier sind nicht diese Kinder gemeint, sondern derartige Kinder. Ich vermute desweiteren, das diese Aussage, wenn überhaupt, nur regional wahr ist, denn insgesamt wird heute mehr denn je gelesen.
4. "Die überwiegende Mehrzahl verbringt ihre Freizeit lieber vor dem Fernseher oder PC."
Hierzu zunächst eine Frage: ist die Mehrzahl (ich denke hier im Sinne von Mehrheit gemeint) nicht immer überwiegend?
Was soll also dieser kohlrabenschwarze Rappe?
Mein Sprachgefühl sagt mir desweiteren, daß es "vor dem Fernseher oder dem PC" oder auch "vor Fernseher oder PC" lauten darf,aber nicht einmal so und eimal so.
Wenn dann noch vom liebevollen Umgang (siehe oben) die Rede ist, so verbringt diese "Masse" ihre Zeit nicht lieber vor dem Fernseher, denn damit ist ein Schauender gemeint, sondern vor dem Fernsehgerät.
Liebevoll bedeutet auch, den Jargon nicht zu verletzen, daraus folgt dann, "vor TV oder PC" beziehungsweise "vor Fernsehgerät oder Rechner". Außerdem ist es merkwürdig, das der Verfasser unterschwellig davon ausgeht, daß der Umgang mit Rechnern und Fernsehgeräten das Sprachgefühl nachhaltig schädige. meiner unmaßgeblichen Meinung nach sind jedoch weder Fernsehgeräte noch Rechner an sich bildungsfeindlich, sondern die darauf ausgewählten bzw. ausgeführten Programme sind es häufig, womit wir allerdings den schwarzen Peter beim Erziehungsbeauftragten haben. Die Kinder für die ich den Erziehungsautrag habe, sitzen nie vor dem Fernsehgerät, so etwas brauchen wir nicht, allerdings sehr oft und lange vor unseren Rechnern und verdummen gar nicht, sondern sind den meisten gleichaltrigen weit überlegen.
5. "Als erstes macht sich das in den Rechtschreibkenntnissen bemerkbar"
Frage: Für wen außer Lehrern ist Rechtschreibung wichtig? Als ich noch zur Schule ging gab es ein Bureau und kein Büro was soll also das dumme Gequatsche über Rechtschreibung, es sollte für einen Denkenden unerheblich sein, wie geschrieben wird, wichtig ist an einem Text die Aussage, und die wird nach meinem Dafürhalten durch fehlerhaftes Denken oft, durch fehlerhafte Grammatik selten und durch fehlerhafte Rechtschreibung so gut wie niemals anders interpretiert als vom Schreiber gewollt. Nennen wir die Schlechtschreibung doch Pippi-Langstrumpf-Schreibung, entziehen dem Staat die Hoheit über die Rechtschreibung und privatisieren sie ganz im Sinne all der Deregulierer und Neoliberalen da draußen und nehmen dieser und allen folgenden Regierungen und deren Schergen in Räten und Gremien die Möglichkeit durch derartige künstlich am Leben erhaltene Diskussionen von Wesentlichem abzulenken.
Fazit:sagen sie mal, wer bezahlt sie eigentlich für diesen Unfug?
Konnte der sich kein geeigneteres Opfer suchen, geht es ihnen wirtschaftlich so schlecht, daß sie auf den job angewiesen sind oder können sie auf Grund von Verträgen nicht ablehnen?
Und trotz alle dem: Ich ziehe abends das Rouleau und nicht das Rollo, denn Rollo ist Wikinger und zöge ich ihn, durchprügelte er mich.
Wann immer du liest frage wem das gesagte nutzt.
Der Nasiraeer]

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 16:10
von Agrippina
Werter Nasiraeer,
leider vermag zumindest ich Ihnen inhaltlich nicht ganz zu folgen. Deshalb meine Fragen:
Welchen Zweck hat das rechthaberisch anmutende Zerpflücken von Johannas Beitrag?
Was genau bitte wollen Sie mit Ihrem Beitrag aussagen oder bezwecken?
Und wem gilt Ihr Fazit? Ich hoffe, daraus keinen - wie mich dies beim ersten Durchlesen Ihres Beitrags spontan überkam - persönlichen Angriff auf die Schreiber(innen) in diesem Faden entnehmen zu müssen. Sollte dem doch so sein, wären Sie a) hier wohl an der falschen Stelle und b) herzlich aber eindringlich zu bitten, sich zu mäßigen. Wie gesagt, ich hoffe aber, einer Fehlinterpretation unterlegen zu sein, deshalb - quasi pro forma - nichts für ungut.
Hinweisen möchte ich (sicherheitshalber) darauf, daß der Tenor dieses Fadens nicht die Frage um Sinnhaftig- oder -losigkeit der Rechtschreibung oder ihrer Reform ist (auch wenn sie sicherlich ein Aspekt des Themas Sprache ist).
In der Hoffnung auf Erhellung verbleibe ich
mit bestem Gruß
Tina

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 20:43
von migoe
Liebe Leute,
der Beitrag von Nasiraeer wurde von ihm schon lesbar gestaltet, leider wurden von ihm vor dem Absenden des Beitrags aber die Hacken bei "Smilies aktivieren", "Xoops-Code aktivieren" und "Zeilvorschub einschalten" weggeklickt - somit also sämtliche eingebauten Formatierungen quasi "versteckt" bzw. einfach nicht dargestellt.
Also bitte beachten:
Das Forum wurde so von mir eingestellt, daß man nur losschreiben muß - die aktivierten Optionen sollten nur in besonderen Fällen weggeklickt werden!
Zu den inhaltlichen Aussagen seines Beitrages:
Nasiraeer schrieb:
Wann immer du liest frage wem das gesagte nutzt.

Um anderen Menschen die eigene Meinung mitzuteilen und (sehr wichtig) auch verständlich zu machen gibt es viele Möglichkeiten.
Die richtige Sprache muß es sein, ohne Zweifel, denn ansonsten würde Kommunikation überhaupt nicht möglich sein (im Internet!). Außerdem sollte ein gewisser Sprachschatz vorhanden sein, der auch gekonnt/abwechslungsreich/interessant umgesetzt werden sollte. Ob Grammatik und Rechtschreibung wichtig und notwendig sind hängt von der Gruppe ab, in der man sich bewegt - wie so oft im Leben. Meine Erfahrung ist, es schadet nicht, eine gewisse Grundkenntnis in Grammatik und Rechtschreibung seiner Heimatsprache zu besitzen.
Leider stelle ich auch im Berufsleben immer wieder fest, wie junge Menschen, die sich z.B. als Azubi bei uns bewerben nicht richtig ausdrücken können. Sie beherrschen oft ihre eigene Sprache nicht und verwenden selbst in Vorstellungsgesprächen und/oder Bewerbungsschreiben Begriffe aus der "einfachen" Umgangssprache. Im Kaufmannsberuf ist es jedoch wichtig sich klar und verständlich mit jedem Kunden unterhalten zu können, Briefe und z.B. Werbeprospekte, Plakate und Anschreiben müssen korrekt und passend formuliert werden. Mißverständnisse durch das verwenden von falschen Begriffen oder Floskeln kann man sich i.d.R. nicht leisten.
Gleichzeitig aber sollte nichts im Leben zu ernst genommen werden - auch und schon gar nicht die Frage, ob man Büro oder Bureau schreibt - wichtig ist, daß der "Empfänger" den "Sender" so versteht, wie der "Sender" seine Nachricht gemeint hat!
Manchmal braucht es dazu ein Fremdwort oder einen Slangausdruck, oft aber tut es auch einfaches Deutsch :-D
migoe

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 21:01
von Agrippina
Lieber migoe,
wenn Du wüßtest, wie sehr Du mir aus der Seele sprichst! Danke für diesen Beitrag.
Als Mensch mit langjähriger Erfahrung im Personalwesen kann ich Dir nur zustimmen. Vor allem das sprachliche Niveau der jungen Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle bemühen, ist in den letzten Jahren drastisch abgesunken. Seit geraumer Zeit mache ich jedoch auch die Beobachtung, daß auch "gestandene" Leute, und überraschenderweise sind auch immer mehr Akademiker darunter, immer weniger in der Lage sind, im Beruf ein gewisses Maß an sprachlicher Gewandtheit an den Tag zu legen - und dies betrifft alle sprachlichen Aspekte, z. B. Ausdrucksvermögen ebenso wie Rechtschreibung.
Ich empfinde es deshalb als notwendig, die Menschen wieder für Sprache und den Umgang mit ihr zu sensibilisieren. Am besten tut man das wohl, indem man versucht, die "Liebe" zu ihr wiederzuerwecken. Ich versuche dies immer wieder, mal von Erfolg, viel häufiger aber von Mißerfolg gekrönt. Dennoch werde ich (noch) nicht aufstecken, denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt ... ;-)
Liebe Grüße
Tina

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 26. Jul 2005, 22:27
von Nordlicht
Liebe Tina !
Ich denke, daß dieser Thread (den Du amüsanterweise als "Faden" bezeichnest) von der Argumentation her hier jetzt ziemlich ausgereizt ist, und ich werde es mir (und Dir und den vielen anderen hier) ersparen, weiterhin auf das Thema einzugehen. Bevor ich mich jedoch einer diesbezüglichen Enthaltsamkeit befleißige, muß ich dann doch nochmal Stellung beziehen. Nun denn:
Wie langweilig wäre denn das, wenn wir alle ständig einer Meinung wären?

Eben ! Und bei diesem Thema sind wir unterschiedlicher Ansicht. Punktum ! Du hast sicher bemerkt, daß ich Deine Argumente im Wesentlichen nicht nachvollziehen kann und zu anderen Schlußfolgerungen gelange. Lassen wir es dabei bewenden und reden wir von anderem - wie wäre es mit dem Wetter ? :-D
Hm, möchtest Du damit zum Ausdruck bringen, daß man auf Dinge, die einem negativ (oder sagen wir zumindest "unschön") auffallen, nicht mehr aufmerksam machen und sie zu ändern versuchen soll???

Nein, überhaupt nicht. Vielleicht setze ich nur andere Prioritäten als Du ? :frage:
Also lieber die Klappe halten, nach Entschuldigungen à la "ändern kannste ja eh nix" suchen und schlußendlich resignieren?

Klinge ich resignativ ? Oooops, das sollte dann nicht sein. Im Übrigen suche ich nicht nach "Entschuldigungen", sondern nach Argumenten. Und ändern kann in diesem Zusammenhang nur jeder Einzelne bei sich etwas, entsprechendes Wollen vorausgesetzt. Ich bügle Dein Anliegen ja auch nicht ab und gestehe Dir selbstverständlich zu, daß Du etwas zu ändern versuchst. Nur erinnert mich Dein Einsatz ein ganz klein wenig an Don Quichotte, was wiederum keinesfalls bös gemeint ist. :kiss:
Ich bin ganz bestimmt ein Mensch, der anderen seine Meinungen und Freiheiten läßt, insofern stimme ich Dir zu, daß jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Doch irgendwo sind dem, spätestens dann, wenn das Gemeinwohl in Frage steht, meines Erachtens Grenzen gesetzt.

Siehst Du, das meine ich: wenn Du sagst, daß "Gemeinwohl sei in Frage gestellt", dann denke ich, daß Du das alles ein wenig zu hoch hängst. Das Gemeinwohl gerät angesichts einer Terror- Bedrohung in Gefahr, sicherlich aber nicht bei irgendwelchen sprachlichen Entgleisungen, so ärgerlich sie auch sein mögen.
Nee, Du, wenn Du das für Dich so handhaben möchtest, steht Dir das frei, mein Ding isses jedenfalls nicht.

Ja, genauso möchte ich es, für mich persönlich, handhaben. Und ich erwarte, daß man das auch respektiert. ;-)
Dabei versuche ich allerdings einen Weg zu wählen, der nicht von Verbissenheit strotzt...

Nimm´s mir nicht übel, das kam bisher bei mir aber ein wenig anders an.
...sondern ich möchte versuchen, andere Menschen für eine Sache zu gewinnen...

Das klappt aber nur, wenn man die von mir bei Dir (vielleicht ja wirklich fälschlicherweise) vermutete Verbissenheit ablegt und zu erkennen gibt, daß man alles nicht gar "so eng" sieht.
Inwiefern sich allerdings Menschen drauf einlassen wollen, das bleibt allein ihnen überlassen.

Na ja, wie weiter oben schon gesagt: gottlob ist dem so.
Hoppla, gründlich mißverstanden hast Du mich, lieber Andreas. Gut, ich hätte es der Deutlichkeit halber wahrscheinlich noch einmal explizit erwähnen sollen, aber selbstverständlich spreche ich nicht nur für Deutschland, sondern für den gesamten deutschsprachrigen Raum.

OK, das ist jetzt deutlich angekommen und wird von mir so auch gern akzeptiert.
Nichts für ungut, aber mir scheint, Du hast Dich mit unserem Anliegen bzw. unseren Aussagen noch nicht ganz gründlich befaßt und auch einige meiner Aussagen in diesem Faden "geflissentlich übersehen" (so z. B. zur mangelnden Sprachfähigkeit vieler Jugendlicher und deren Ursachen).

Ich habe mich in letzter Zeit selten mit einem Thema derart vertraut gemacht wie mit diesem, einfach aus dem Grund heraus, weil es mich interessiert. Und ich laste die "mangelnde Sprachfähigkeit" weiterhin einer desolaten Schulpolitik an, denn in der Schule liegt nun einmal die Hauptverantwortung für sinnvolle Sprachvermittlung. Denn wie sollen Eltern, die es selber nicht besser gelernt haben, entsprechende Anleitungen weitergeben ?
Zum Abschluß erlaube ich mir noch eine direkte, indiskrete Frage (ob Du sie beantworten magst, bleibt natürlich Dir überlassen, ich könnte ja nachvollziehen, wenn Du Dich nicht offenbaren wolltest): Hast Du im Gästebuch der Initiative den letzten Beitrag hinterlassen, in welchem von einer "nutzlos vergeudeten Energie" gesprochen wird?

Wenngleich ich nicht weiß, inwiefern die Frage indiskret sein könnte, dennoch eine Antwort: Ja, der Eintrag (oder besser: die Einträge) sind von mir. Sie geben meine ureigenste Überzeugung wieder.
Diese Bemerkung hinterläßt nämlich bei mir ein ganz arges Bauchgrummeln...

Das tut mir Leid, ist aber dann nicht zu ändern.
...es sich dabei um ein wirklich plattes, undurchdachtes und unfaires Totschlagargument handelt.

Inwiefern ? "Platt" (vielleicht besser: polemisch) ist es sicherlich. "Undurchdacht" ? Das könnte mich kränken, tut es aber nicht. Ich weiß ja, daß ich mich mit diesem Thema hinreichend auseinandergesetzt habe. "Totschlagargument" ? Das kann man von jeder Einlassung behaupten, insofern ist dieser Vorwurf sicherlich viel eher zum "totschlagen" geeignet als meine Meinung. :hammer: Und "unfair" ? Das verstehe ich auch nach längerem Nachdenken nicht, tut mir Leid. Unter "unfair" verstehe ich etwas anderes.
Nachdem ich mich mit diesem Themenkomplex befaßt habe, habe ich in einem Forum, das von Eurer Initiative verlinkt (oder sollte ich besser sagen: verweist ???) wurde, die folgenden Postings gefunden, die ich einmal der "Foren- Allgemeinheit" hier zur Kenntnis bringen möchte:
FRAGE: Welche ist unter den Sprachen, die Sie kennen, diejenige, die im Lauf ihrer Geschichte mit Abstand die meisten Fremdwörter aufgenommen hat?
…..
ANTWORT: Englisch.
Ungefähr die Hälfte des englischen Wortschatzes ist allein französischen (und lateinischen) Ursprungs, darunter so alltägliche Wörter wie second 'zweiter', city 'Stadt', dinner 'Abendessen', tailor 'Schneider' usw.
Aus dem Dänischen kommen so wichtige Wörter wie they 'sie', law 'Gesetz', husband 'Ehemann', birth 'Geburt', sky 'Himmel', happy 'froh', die 'sterben', want 'wollen' usw.
Außerdem hat das Englische eine Menge niederländischer und niederdeutscher Entlehnungen und natürlich all die anderen Fremdwörter, die wir zum Teil auch im Deutschen kennen.
Diesem Umstand verdankt das Englische es, dass es gemeinhin als die Sprache mit dem reichsten Wortschatz gilt.
Trotzdem ist Englisch immer noch nicht ausgestorben...

Und, im selben Zusammenhang:
...mein Hinweis war nicht an Sie persönlich gerichtet. Ich habe auch unter meinen Studenten erlebt, wie verbreitet der Glaube ist, Fremdwörter seien grundsätzlich schädlich.
>>>Christiane Hendriksen hat folgendes geschrieben:
Wobei ebenfalls die Sinnhaftigkeit des Wortes Laptop, wörtlich Schoßspitze, dahingestellt sei.
Nicht ganz, -top nennt man auch etwas, was man irgendwo draufstellen kann, so heißt eine verbreitete Form des PCs desktop, also 'was man auf den Schreibtisch stellen kann', ebenso laptop 'was man auf den Schoß stellen kann'. Die kleinste Form des Computers heißt palmtop 'was man auf die Handfläche stellen kann'. Sinn macht das schon.
Auch ich finde es albern, von News statt Neuigkeiten oder Shops statt Geschäften zu reden. Dabei sollte man es aber auch belassen. Es ist eine alberne Mode, und darüber darf man gern lachen. Zum Weinen besteht kein Anlass, denn es hat zu jedem Zeitpunkt der Sprachentwicklung immer viel mehr Fremdwörter im Gebrauch gegeben, als dann später überlebten, und puristische Verteidigungskämpfe haben noch nie irgendetwas an der Tatsache geändert, dass manche Fremdwörter einen festen Platz im Deutschen erhalten und andere ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind.
Übrigens hat man auch viele französische Fremdwörter im Englischen aus purer Mode übernommen, einfach weil man es schick fand. Natürlich kannten die Angelsachsen auch schon Kalbfleisch, bevor Wilhelm der Eroberer bei ihnen auftauchte. Aber die Normannen waren reicher und wussten Kalbfleisch viel besser zuzubereiten. Also wurde es schick, dies nicht mit dem englischen Wort zu bezeichnen, sondern das französische dafür zu verwenden: bœuf. Natürlich heißt das Kalb nach wie vor calf, und man könnte auch das 'schöne englische Wort' calf-meat benutzen, keine Frage. Aber das französische Wort ist kürzer und wird heute auch von niemandem mehr als fremd wahrgenommen: beef.
Was die Wissenschaft betrifft, so muss man einfach anerkennen, dass das Englische heute die Funktion hat, die bis ins 19. Jahrhundert das Latein hatte: Auf jeder internationalen Konferenz ist Englisch die Sprache, die alle verstehen. (Schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil hat man gemerkt, dass man dies wegen der Kardinäle aus Südamerika, Afrika und Asien nicht mehr auf Latein abhalten kann, und hat deshalb Englisch gesprochen.) Dass aus dieser internationalen Kommunikation dann auch mal ein paar Wörter 'hängen bleiben' und auch im Deutschen benutzt werden, ist wohl verständlich und auch nicht weiter schlimm. Was wäre eigentlich das 'deutsche' Wort für review? Rezension. Das wiederum entstammt der Sprache, die vor dem Englischen internationale Sprache der Wissenschaft war.
Liebe Grüße!

Diese Beiträge, die offensichtlich von einem Professor geschrieben wurden, zeigen noch einmal in aller Deutlichkeit das auf, was auch ich hier aussagen wollte. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Und damit werde ich mich dann hier, aus den Eingangs erwähnten Gründen, zurückhalten. Eine weitere Diskussion würde sicherlich keine neuen Erkenntnisse mehr bringen.
Viele liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der betont, daß er das Thema auch weiterhin verfolgen wird, es aber zumindest HIER nicht mehr weiterführen mag...)

Deutsche Sprache

Verfasst: Mi 27. Jul 2005, 03:37
von Schneewittchen
@alle
Nordlicht schrieb an Tina:
Ich denke, daß dieser Thread (den Du amüsanterweise als "Faden" bezeichnest) von der Argumentation her hier jetzt ziemlich ausgereizt ist, und ich werde es mir (und Dir und den vielen anderen hier) ersparen, weiterhin auf das Thema einzugehen.

Weshalb amüsanterweise?. Heißt thread im Englischen nicht soviel wie "Faden" im Deutschen? Weshalb soll man auf einer deutschen Webseite nicht das Wort Faden verwenden, zumal wir ja zahlreiche Ausdrücke im Deutschen mit dem Wort "Faden" haben zum Thema Denken,Sprechen: wie z.B."den (Gedanken-)Faden verlieren", "den (Gesprächs-)Faden wieder aufnehmen" u.a.Wenn man Gesprächsfaden sagt, weshalb soll man dann fürs Internet nicht Diskussionsfaden sagen?
Leider gibt NL auch nicht bekannt, wo im Netz auf "Tinas" Initiative verwiesen wird. Dort soll sich sogar ein leibhaftiger Professor geäußert haben. NL zitiert eine professorale Antwort auf eine Frage einer gewissen Frau Hendrikson, in der behauptet wird, es sei lediglich "albern", wenn man "news" statt Neuigkeiten sage.
Dieser Autorität aus dem Professorenbereich (?) ist es bis jetzt nicht einmal aufgefallen, daß "news" ins Deutsche übersetzt nicht Neuigkeit(en) heißt, sondern schlicht nur Nachricht(en).Und da liegt der Hase im Pfeffer. Ich behaupte: Die weit verbreitete Verwendung englischer Wörter(selbst von so einfachen wie "news") – bei Unkenntnis von deren genauer Bedeutung – fördert das approximative (schlampige) Denken.Annäherung an das Gemeinte scheint eben gut genug. Das Gemeinte genau und etwas bodenständiger auszudrücken gilt als spießig.
Einer schlichten Nachrichtensendung, als "Newstime" angeboten, wird nämlich so der Anschein vermittelt, als ob dort brandheiße, "aufregende" Neuigkeiten weitergegeben würden, so als ob man ständig am Puls der Zeit sei. Sprachliche Hochstapelei.
Insgesamt meine ich in dem einen oder anderen Beitrag von Nordlicht auch eine recht große Wissenschaftsgläubigkeit zu spüren. Daß Wissenschaft "objektiv" sei und nach entsprechender Forschungsarbeit zu unumstößlichen Ergebnissen kommen werde/müsse, gehört in den Bereich des Märchens.AUCH Wissenschaft ist auf ihre Redlichkeit hin zu hinterfragen, auch die Wissenschaft auf deren politisch bedingte Prämissen hin abzuklopfen.Die Berufung auf die Wissenschaft entbindet einen nämlich nicht vom eigenen kritischen Denken und von der eigenen Beobachtung.
Gerade unter den Vertretern der neueren deutschen Linguistik gibt es nämlich eine erkleckliche Anzahl von Wissenschaftlern, die wichtige Aspekte ihrer Felduntersuchungen einfach auslassen und mit der Statistik tricksen. Sie sagen z.B., das Deutsche habe im Zeitraum der letzten Jahre NUR 40% Neuprägungen/Importe aus dem Englischen zu verzeichnen. Sie verschweigen dabei aber , in welcher Frequenz diese Wörter aus dem angeblich NUR 40% englische Neologismen umfassenden Zuwachsbereich in den sprachlichen Alltags-Situationen benutzt werden. Sie tun so, als ob das rein statische Abzählungsergebnis gleichbedeutend sei mit der Verwendungshäufigkeit dieser Wörter und ihrer sinntragenden Rolle in gewissen Textsorten des täglichen Lebens.Sie sagen auch nicht, wie sie gezählt haben: In anderen Worten, sie zeigen nicht auf, wie sie ihren "Korpus" (das Untersuchungsmaterial in seiner Gesamtheit) untersucht haben, z.B. ob ihr Abzählungsergebnis nur die sinntragenden Wörter der Texte betrifft, die sie untersucht haben oder ob jedes deutsche Wort, das im Text auftaucht (und oft nur ein eher unwichtiges Bindeglied ist), gleich gewichtet wird. Demnach wäre z.B.die Konjunktion "und" von gleichem Gewicht wie die sinntragenden Wörter des Textes (d.h. die Wörter, die Auskunft geben darüber, worum es in der Aussage geht). Ich befürchte, daß bei den statistischen Erhebungen zum Anteil deutscher versus englischer Wörter oft nur mechanisch abgezählt wurde ohne eine notwendige Gewichtung dessen, was sie jeweils für den Sinn des Textes leisten. Gerne würde ich wissen, ob man bei entprechender Gewichtung nicht zu ganz anderen Ergebnissen kommen würde, nämlich, daß in vielen Textsorten des täglichen Lebens der krude Fremdwortanteil der sinntragenden Wörter weit höher als 40% ist.
Obwohl Nordlicht das Ende dieser Diskussion verfügt hat, möchte ich diese Gedanken doch allen Interessierten zur Verfügung stellen. Jeder braucht ja nur so lange mitzulesen und mitzudiskutieren, wie er/sie Lust hat.
Schneewitt(chen)
P.S.Wegen Beschränkung des Decknamens auf 10 Buchstaben amputiert zu Schneewitt

Deutsche Sprache

Verfasst: Mi 27. Jul 2005, 09:29
von Agrippina
Lieber Andreas,
inwiefern der Faden (oder von mir aus auch Strang) argumentativ ausgereizt ist, bleibt wohl jedem selbst überlassen, das allgemeine Ende der Diskussion möchte ich mir durch Deine Anmerkung dazu jedoch grundsätzlich nicht aufoktroyieren lassen. Für Dich ist das Thema als aktiv teilnehmender Foren-Diskutant durch, deshalb werde auch ich mit Dir hier nicht mehr weiterdiskutieren, sondern Deinem Wunsch nach Beendigung folgen.
Ich möchte nicht verhehlen, daß mich manches an der Art und Weise, wie Du zuweilen diese Diskussion geführt hast, gestört und manchmal auch verärgert hat, doch ich halte es für müßig, nun noch darauf einzugehen. Ich hätte Dir - vor allem die Sache betreffend - bestimmt noch eine Menge zu sagen, doch ich weiß noch nicht, ob ich große Lust dazu habe, Dein Angebot auf eine weitere Diskussion via Mail/PN anzunehmen. Momentan drängt mich wenig dazu, mich mit jemandem auseinanderzusetzen, der anderen - zumindest unterschwellig - immer wieder auch auf der persönlichen Ebene begegnet, indem er z. B. von Purismus und Chauvinismus spricht und Verbissenheit unterstellt, selbst aber mit einer gesunden Portion Verbohrtheit gesegnet ist und sich auch einer gewissen Polemik nicht enthalten kann.
Anyway, we shall see, ob's und wie's hier weitergeht, vielleicht mögen ja andere das Thema weiterhin aufgreifen wollen.
In diesem Sinne liebe Grüße vom Rhein
Tina
(… die das von Andreas gewählte Söllner-Motto 'A bisserl Widerstand ! A bisserl Widerstand ! Und loßt´s Eich ned ois g´falln !' prima findet und es deshalb an dieser Stelle aufgreift, indem sie sprachlich auf den Mainstream pfeift und - amüsanterweise - den Thread weiterhin als Faden oder Strang zu bezeichnen gedenkt …)

Deutsche Sprache

Verfasst: Mi 27. Jul 2005, 12:27
von fille
Liebe Leute!

FRAGE: Welche ist unter den Sprachen, die Sie kennen, diejenige, die im Lauf ihrer Geschichte mit Abstand die meisten Fremdwörter aufgenommen hat?
…..
ANTWORT: Englisch.
Ungefähr die Hälfte des englischen Wortschatzes ist allein französischen (und lateinischen) Ursprungs, darunter so alltägliche Wörter wie second 'zweiter', city 'Stadt', dinner 'Abendessen', tailor 'Schneider' usw.
Aus dem Dänischen kommen so wichtige Wörter wie they 'sie', law 'Gesetz', husband 'Ehemann', birth 'Geburt', sky 'Himmel', happy 'froh', die 'sterben', want 'wollen' usw.


Wie ich bereits an anderer Stelle (eine kleine Lanze für die englische Sprache) geschrieben habe, BESTEHT englisch zur Hälfte aus französischen Wörter. Das sind keine Fremdwörter!! Denn die englische Sprache entstand ja erst NACH dem Einfall der Normannen.
Sie entstand DANK der verschiedenen Einflüsse und konnte folglich nicht deswegen sterben.
Grüße, Marianne
Ich wünsch euch was! :-)

Deutsche Sprache

Verfasst: Mi 27. Jul 2005, 14:46
von Schneewittchen
@ alle
Zum Debattierstil von Nordlicht noch ein Zitat zur Abqualifizierung meiner Wenigkeit durch ihn.
Im Beitrag # 34 schreibt er über mich:
"Allerdings – und das muß erlaubt sein – mache ich mir ernstlich Sorgen um Deine Auffassungsgabe. Sorry."
Erlaubt ist natürlich alles. Ob derartige Bemerkungen für eine ernsthafte Diskussion ergiebig sind, bezweifle ich jedoch.
Im selben Beitrag werde auch ich der "Verbissenheit" beschuldigt.Ich gebe es offen und freimütig zu: Ich gehöre nicht zu den Dauerreläxten und Rundumliberalen, die grundsätzlich mit allem einverstanden sind und sich auf die bequeme Position eines "Alles halb so wild" zurückziehen. Ich beanspruche für mich das Recht, ERNSTHAFT zu diskutieren, wenn mir ein Thema am Herzen liegt.(Ich spreche hier für mich und NUR für mich). Wem ich zu intensiv bin, der braucht sich ja nicht auf meine Argumente einzulassen und kann mich mit Nichtbeachtung bedenken.Mir aber aus "Ernsthaftigkeit" den Strick "Verbissenheit" zu drehen, halte ich für unangebracht.
Und schließlich zu Nordlichts "Sorry" am Schluß seiner Aussage. Was heißt das "Sorry" hier? Daß es ihm leid tut, diese Bemerkung gemacht zu haben? (Dann hätte er sie gleich unterlassen sollen. Erst abwatschen und dann "sorry" sagen, ist doch wohl nicht ganz die feine Art, und die nachgeschickte Entschuldigung wirkt auf mich ziemlich scheinheilig).
Oder aber Nordlicht meint mit seinem "Sorry", daß es ihm leid tut für mich und meine Blödheit (denn im Klartext könnte seine Bemerkung ja heißen, daß ich ein wenig deppert bin und er sich ernstlich Sorgen um meinen Geisteszustand macht).
Ach ja, und dann kommt zum Schluß auch immer die Bemerkung, daß er WIEDER MAL gründlich mißverstanden wurde und er sich das gar nicht erklären könne...Und schon ist der Schwarze Peter wieder beim anderen.
Herzlichst und natürlich auch SORRY!
Schneewittchen

Deutsche Sprache

Verfasst: Fr 29. Jul 2005, 15:23
von Schneewittchen
In vielen Shakespeare-Dramen gibt es den Moment des sog. "comic relief" – gemeint ist die entlastende heitere Einlage.Nach dem Vorangegangenen ist eine solche vielleicht auch an dieser Stelle angebracht.
Im Klartext-Forum des Vereins Deutsche Sprache fand ich im Faden "Final Sale" das folgende Stück von Helmut Seitz, der in der Süddeutschen Zeitung sog. "Lokalspitzen" schreibt, hin und wieder auch zu sprachlichen Themen. (Ich sage rein vorsichtshalber, daß ich kein Mitglied des VDS bin und in deren Forum nur sporadisch und passiv mitlese).
Viel Vergnügen!
Schneewittchen

KLARTEXT:"FINAL SALE"
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Mit "Sale" wird inzwischen vielerlei Sale-luder getrieben, wie die Süddeutsche Zeitung vom 18.7.05 (Druckausgabe) zu berichten weiss...
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Sellen - jetzt im Summersale
Von Helmut Seitz
SALE??? Seit Wochen liest man dieses sonderbare Wort auf Postwurfsendungen, in Anzeigen und Schaufenstern. Manchem Ex-Gymnasiasten mit Latinum könnte da vielleicht eine Erinnerung an die alten Römer dämmern: Die sagten ja statt Tschüss noch längst nicht ciao wie jetzt die Italiani, sondern ... aber nein: der römische Gruß hatte doch noch einen Buchstaben mehr und hieß Salve! Aber SALE - ohne v?
Moment...das hat man doch in Italienurlauben schon oft gelesen - auf Ladenschildern, wo drauf stand "SALE & TABACCHI". Weil Salz und Nikotin als Staatsmonopol dort nur in gesonderten Läden verkauft werden durfte. Nur: Wieso sollte ein Münchner Textilhaus jetzt Salz anpreisen - noch dazu auf Italienisch?
Doch dann steht auf einer Postwurfsendung: "Früher als gedacht, laden wir Sie zum vorzeitigen Summersale ein". Ja freilich, er ist noch längst nicht umma, da Summa - aber nun wird uns sunclear: Hier handelt sich's wieder mal um neues weibliches Pidgin-English: Summersale soll das bezeichnen, was es amtlich gar nicht mehr gibt, was aber inoffiziell erst in 14 Tagen beginnt: Der Sommerschlussverkauf, der auf English laut Cassells New German Dietionaxy billigerweise eigentlich cheap sale heissen müsste.
In manchen Läden ist der voreilige Summersale schon seit Samstag zu Ende - vielleicht kommt zur Wiesn noch ein Autumn Sale nach? Ebenfalls schon gelaufen: Ein Sonderverkauf, der nicht als Sale, sondern allerneuest als SOLDES (???) deklariert wurde. Und noch merkwürdiger: Ein Kaufhaus bittet uns seit zwei Wochen glatt zum "Saison Räumungsverkauf " - total auf Hiesig, denn die französische Saison ist eh längst zur Sähßooh (bei Nordlichtern Sessong) eingedeutscht.
Was viele Firmen erst noch erfahren müssen: Ob sich in einem SALE sehr viel mehr sellen lässt, als im Schlussverkauf? Highestprobably no.

Deutsche Sprache

Verfasst: Mo 22. Aug 2005, 15:54
von Piet
Hallo,
ich bin gerade auf eine Liste von deutschen Worten aufmerksam gemacht worden, die im Niederländischen ganz normal verwendet werden.
Nachzulesen bei Wikipedia.nl:
http://nl.wikipedia.org/wiki/Lijst_van_Duitse_woorden_en_uitdrukkingen_in_de_Nederlandse_taal 
Ein weiteres Beispiel dafür, dass Sprache in unterschiedliche Richtungen wandert :-o .
Piet

Deutsche Sprache

Verfasst: Di 23. Aug 2005, 01:23
von Nordlicht
Hallo, Piet !
Ein wenig erschreckend an dieser Liste sind für mein Empfinden wirklich die Formulierungen
Blitzkrieg , Blut- und Boden (-theorie) , Drang nach Osten , Führer , Gestapo , Heil Hitler , Kristallnacht , Befehl ist Befehl , Wir haben es nicht gewußt , Arbeit macht frei , Feind hört mit

zumal diese ja auch noch mit dem Zusatz "veel gebruikt" versehen sind.
Erschreckend finde ich nicht nur die Herkunft, die sich ja aus den Ausdrücken ganz allein erklärt, sondern die Tatsache des "viel Gebrauchten", die erkennen läßt, wie präsent die deutsche Besetzung der Niederlande heute immer noch ist.
Auf solche "Sprachwanderung" könnte ich gut und gerne verzichten.
Liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...dem sich damit das im Umgang mit Deutschen ebenfalls veel gebruikte "kan nit verstaan" immer mehr erschließt...)

Deutsche Sprache

Verfasst: Mi 24. Aug 2005, 13:12
von Piet
Lieber Andreas,
das „viel gebraucht“ oder viele Benutzen oder häufige Verwenden der von dir genannten Worte impliziert glaube ich eher, dass die Worte bewusst im Kontext angewendet werden. Und dann eben häufiger als andere Alternativen.
Obwohl ich nicht von mir behaupte, beurteilen zu können, wie die Worte angewendet werden, würde ich erst einmal vermuten: sie werden im Kontext benutzt, wenn es keine niederländischen Worte gibt und/oder etwas prägnant mit dem Originalbegriff bezeichnet werden kann. Wir suchen in der Sprache nach dem einfachsten, bequemsten Weg. Warum soll ich im Niederländischen einen neuen Begriff schaffen, wenn der Begriff „Kristallnacht“ sehr präzise ausdrückt, worüber ich spreche. Dieser Begriff wird bei uns auch häufig benutzt, obwohl er von den Nazis stammte und mit dem Begriff Reichspogromnacht eine Alternative vorhanden wäre.
Genauso verhält es sich meiner Meinung nach beim Wort „Führer“. Man sagt eher: De Führer was een barbaar und nicht De leider/heerser (Führer/Herrscher) Adolf Hitler was een barbaar.
Bei dem Wort „Blitzkrieg“ steht die Erklärung gleich daneben, „ein schneller Überraschungskrieg, so wie die Deutschen ihn 1939-1940 geführt haben“. Wenn jemand heute ein Land auf diese Art und Weise einen Krieg führt, schnell und überraschend, wird das vermutlich im Niederländischen mit diesem Wort ausgedrückt. Im Vergleich zu den anderen Worten ist das ein Hinweis darauf, das dieses Wort auch losgelöst, von seiner ursprünglichen Entstehung im engeren Sinn, verwendet wird.
Beim „Feind hört mit“ habe ich das Gefühl, dass sich diese Redewendung im Deutschen verselbstständigt hat (als Redewendung/“geflügeltes Wort“ unabhängig von seinem Ursprung, bzw. engerem Sinn verwendet wird). Ob ich das so besonders toll finde, weil es sich ja eigentlich um eine Propagandakampagne der Nazis handelte, die weit in den privaten Bereich der Deutschen hineinwirkte, steht auf einem anderen Blatt. In den Niederlanden wird es sicher im Kontext verwendet. Vielleicht hat es sich aber auch verselbständigt.
Wie sollte man in den Niederlanden die „Gestapo“ nennen, wenn man über sie spricht? De geheime politie (Geheimpolizei) van de Duitse staat? Warum soll man sie nicht beim Namen nennen? Ein neues Wort kreieren? Gestapo ist da schon ganz angebracht.
Übrigens, die Worte „gesundes Volksempfinden“ und „Lebensraum“ kommen auch noch aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Warum soll ich in einer anderen Sprache ein neues Wort für eine kranke Ideologie und seinen Begriff „Lebensraum“ schaffen, da belasse ich es doch lieber beim kranken Original. Im Niederländischen gibt es für Lebensraum das niederländische Wort „levensruimte“. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die niederländische Bedeutung des Wortes nichts mit der Bedeutung und Zielsetzung bei den Nazis zur gewaltsamen Eroberung von Lebensraum zu tun hat. Da ist dann die Bezeichnung „Lebensraum“ für diesen Aspekt der Naziideologie schon ganz angebracht.
Ähnlich wird es sich mit den anderen Worten verhalten, die du genannt hast.
Präsent ist die Besetzung durch die Deutschen im Bewusstsein der Niederländer ganz sicher heute noch. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Es hat sich aber auch viel verändert und die Niederländer unterscheiden sehr wohl zwischen den Deutschen von vor fünfzig Jahren und den heutigen Deutschen.
Zuerst stutzte ich genau so wie du. Nach dieser kurzen Beschäftigung mit den Worten halte ich es (wenn ich das aus Sicht der Niederländer betrachte) für sinnvoll, die Dinge beim (Original)Namen zu nennen.
Aber:
Sprache verselbständigt sich, Worte bekommen mit der Zeit eine andere Bedeutung, Worte werden in anderen Zusammenhängen verwendet. Interessant und spannend wäre es, zu erfahren, ob diese Worte in der Praxis auch unabhängig von ihrer Entstehung, in anderen Kontexten angewendet werden. Weiß ich leider nichts drüber. Da werde ich mal nachfragen, bzw. recherchieren.
Interessant finde ich auch die anderen deutschen Worte, die im Niederländischen verwendet werden, u.a.
Ach so, Aha Erlebnis, Altertumsecken (für: Geheimratsecken), des Pudels Kern, Einzelgänger, gefundenes Fressen, Lederhose, Pappenheimer, Potztausend, Putsch, rücksichtslos, „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ und viele mehr.
Ach ja, lustig ist auch der Gebrauch des Wortes Schlappschwanz. Aus Schlappschwanz wurde im Niederländischen „Lappschwanz“. Ich vermute, weil es den Niederländern schwer fällt „Schl“ auszusprechen. Da haben sie das „sch“ einfach weggelassen.
(...dem sich damit das im Umgang mit Deutschen ebenfalls veel gebruikte "kan nit verstaan" immer mehr erschließt...)

Das „Ik kan je niet verstaan“ wird ganz bestimmt nicht viel gebraucht, weil das bedeuten würde, dass viele Niederländer nicht gut hören können. Das „kann niet verstaan“ ist ein typischer Fehler von Deutschen. Das verstaan hier, ist im Sinne von hören gemeint (Ich höre/verstehe dich nicht). Wenn ein Niederländer jemanden sprachlich nicht versteht, würde er sagen „ik begrijp je niet“ (Ich verstehe/begreife dich nicht). Da kann wir übrigens öfter „auf die Nase“ fallen, weil wir dazu neigen, Worte die offensichtlich ähnlich wie die deutschen Worte sind, einfach so zu übersetzen.
Eine Liste falscher Freunde/valse vrienden findest du hier:
http://www.uitmuntend.de/extras/valse_vrienden.html 
Liebe Grüße
Piet
(der sich fragt, warum Begriffe aus der Nazizeit den Weg in die englische Sprache gefunden haben, obwohl England und die USA nicht von den Deutschen besetzt waren) :-D
(der glaubt, dass die Wanderung der Worte nur dadurch hätte verhindert werden können, wenn mehr Widerstand gegen den Nationalsozialismus stattgefunden hätte und erfolgreich gewesen wäre)
P.S. Es gibt übrigens ein interessantes Buch über das Verhältnis zwischen Niederländern und Deutschen:
Frau Antje und Herr Mustermann von Dik Linthout, Berlin: Links 2004

Hier eine kurze Beschreibung zum Buch und die Abbildung!
Frau Antje und Herr Mustermann - Niederlande für Deutsche ist die aktualisierte, und für Deutsche überarbeitete Übersetzung von Onbekende buren (Duitsland voor Nederlanders). In 'Frau Antje und Herr Mustermann' werden die Niederlande ins rechte Licht gerückt. Und weil die meisten Deutschen ihre kleinen Nachbarn nun mal schlechter kennen als kleine Nachbarn ihre Großen, ist die deutsche Fassung 60 Seiten dicker geworden. Die niederländische Ausgabe hat sich in den Niederlanden zu einer Art von Standardwerk entwickelt und auch in Deutschland wird Frau Antje und Herr Mustermann sowohl in der Presse als auch vom Leser als Fundgrube und Muss für Niederlande-Fans gelobt.


Deutsche Sprache

Verfasst: Sa 27. Aug 2005, 18:49
von Nordlicht
Lieber Piet !
Du schriebst:
Das „Ik kan je niet verstaan“ wird ganz bestimmt nicht viel gebraucht, weil das bedeuten würde, dass viele Niederländer nicht gut hören können. Das „kann niet verstaan“ ist ein typischer Fehler von Deutschen. Das verstaan hier, ist im Sinne von hören gemeint (Ich höre/verstehe dich nicht). Wenn ein Niederländer jemanden sprachlich nicht versteht, würde er sagen „ik begrijp je niet“ (Ich verstehe/begreife dich nicht). Da kann wir übrigens öfter „auf die Nase“ fallen, weil wir dazu neigen, Worte die offensichtlich ähnlich wie die deutschen Worte sind, einfach so zu übersetzen.

Laß mich dazu eine kleine Episode aus dem Jahr 1974 berichten. Zu dieser Zeit weilte ich in den Niederlanden, genauer gesagt auf der Insel Texel. Bei einem Ausflug nach Den Helder konnten wir, eine ganze Gruppe junger Deutscher, auf den Straßen immer wieder feststellen, daß selbst die Niederländer, die rein altersmäßig die deutsche Sprache beherrschen konnten oder gar kurz vorher noch hörbar deutsch gesprochen hatten, auf Fragen zu Straßen, Sehenswürdigkeiten etc. mit einem (meist recht unfreundlichen) "...kan niet verstaan..." reagierten. Ich gebe zu, kurz vorher hatte die deutsche National- Elf die "Oranjes" im WM- Endspiel geschlagen, vielleicht spielte das mit eine Rolle. Aber Landeskenner, auch Einheimische, erzählten uns, daß im Hinblick auf den WK 2 und die damit einhergehende Besatzung des Landes die deutschen Gäste von manchem Niederländer schlicht als "fehl am Platze" angesehen wurden, denen man nicht einmal eine Auskunft schulde.
Im Laufe der folgenden Jahre wurde diese Einschätzung immer wieder bestätigt. Und das Verhalten ist sicher auch durchaus nachvollziehbar gewesen, keine Frage.
Wie es nun in der heutigen Gesellschaft der Niederlande aussieht, vermag ich nicht zu sagen. Ich hoffe, daß es sich, so wie Du vermutest, mittlerweile ein wenig anders darstellt.
Liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der hofft, daß sich das Verhältnis der europäischen Völker untereinander langsam normalisiert...)

PS: Gibt es da nicht auch eine Geschichte aus der Literatur, in der ein Deutscher in Amsterdam nach den Besitzern feudaler Häuser fragt und jedesmal die Antwort "...kan niet verstaan..." erhält, sodaß er letztlich den Herrn Kannietverstaan für eine superreichen Menschen hält ? Irgendwie spukt mir da sowas im Kopf herum...

Deutsche Sprache

Verfasst: Mo 29. Aug 2005, 20:27
von Petra
Hallo Andreas,
PS: Gibt es da nicht auch eine Geschichte aus der Literatur, in der ein Deutscher in Amsterdam nach den Besitzern feudaler Häuser fragt und jedesmal die Antwort "...kan niet verstaan..." erhält, sodaß er letztlich den Herrn Kannietverstaan für eine superreichen Menschen hält ? Irgendwie spukt mir da sowas im Kopf herum...

es gibt so eine Geschichte, da kann ich Dir beipflichten. Ich habe keine Ahnung, von wem sie geschrieben wurde, aber in meiner Schulzeit habe ich auch von dem reichen Herrn Kannietverstaan gehört. Zuletzt fragt dieser Deutsche eine Trauergesellschaft, wen sie da zu Grabe tragen, und erhält - wieder mal - die Antwort: 'Kann niet verstaan.' Da hört er auf, den reichen Mann zu beneiden, weil ihm klar wird, dass auch er nichts von seinem Reichtum mitnehmen kann.
Liebe Grüße und einen schönen Uralub
wünscht Petra, die befürchtet, dass diese Wünsche hinter Andreas herschleichen, ihn aber nicht mehr erreichen. :cry:

Deutsche Sprache

Verfasst: Mo 29. Aug 2005, 21:06
von fille
Die Geschichte von "Kannitverstan" hat Johann Peter Hebel (1760 -1826) geschrieben.
:wink:
Marianne

Deutsche Sprache

Verfasst: Mo 29. Aug 2005, 21:54
von Piet
Hallo,
ich kann auch noch den Link zu dieser Geschichte von Peter Hebel, die er 1809 geschrieben hat, beisteuern.
http://www.hausen-im-wiesental.de/jphebel/geschichten/kannitverstan.htm 
@Andreas
Zu deinen Erfahrungen mit Niederländern später eine Antwort ;-)
Liebe Grüße
Piet
(der in den Niederlanden immer gerne Niederländisch sprechen möchte, sobald die Niederländer dann aber meinen "keiharden" (steinharten/knallharten) deutschen Akzent hören, sofort ins Deutsche wechseln und mit mir auf Deutsch weitersprechen)