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Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 7. Mai 2016, 19:06
von Benutzer 76 gelöscht
Ihr Lieben,
Mr. Lee ist da! Bei Amazon und in sozialen Netzwerken wird das neue Album bislang durchweg positiv aufgenommen. Und Eure ersten Eindrücke? Welche Lieder haben Euch besonders berührt, bewegt oder überrascht, zu welchen habt Ihr noch keinen Zugang gefunden? Welche Verse haben sich Euch schon eingeprägt, welche haben sich Euch noch nicht erschlossen?
Lieben Gruß!
Marc
PS: Anbei - als Anregung - ein paar Stimmen, über die ich bei Amazon und Facebook gestolpert bin:
Christian Günther, Amazon:
[...] Reinhard Mey ist mit [So viele Sommer], mit dem er sein 27. Album eröffnet, eine ganz seltene Kostbarkeit gelungen und eines der schönsten Liebeslieder, das je geschrieben wurde [...].
Christian Günther, Amazon:
Das Titelstück mag Gelegenheitshörern wie eine abstrakte Fiktion im fernen Kambodscha erscheinen (und selbst so gehört, wäre es auch schon einfach ein wunderschönes Lied), dechiffriert man aber den Text, erkennt man Mr. Lee im Booklet auf der Bleistiftzeichnung neben dem Text, erkennt ihn "an dem wehenden Khmer-Schal", erkennt ihn und bewundert Mey für die Anmut dieses Liedes.
Christian Günther, Amazon:
Das Stück [Zeit zu leben] [...] entfaltet eine fast schwebende, zwischenweltliche Atmosphäre, eröffnet bei aller Melancholie Trost und Perspektive [...]. Diese neue Mey-Version unterstreicht diese Wirkung noch [...], weil Victoria Mey mit ihrer Stimme den Gesang ihres Vaters gefühlt umarmt.
Christian Günther, Amazon:
Und Politik? Mag sein, daß keines der 15 neuen Lieder sich konkret und im Detail eines der irrlichternden politischen Themen unserer unübersichtlichen Zeit annimmt. Doch genauso gut kann man auch sagen, daß alle 15 Lieder, in Anbetracht der Tatsache, daß Hunderttausende sie hören werden, gesellschaftlich sehr einflußreich sind – im Guten, wie ich meine.
Paul Grass, Amazon:
Auch die Melodien - wenngleich man hier und dort das Gefühl hat, einige schon einmal von ihm gehört zu haben - sind auf diesem Album teilweise etwas "peppiger" als bei "dann mach's gut". Thematisch fehlt das direkt Politische (1990-2000 war diesbezüglich wesentlich mehr zu hören!) und ich finde auch bei diesem Album wieder, dass die Vergangenheit etwas zu stark betont wird, aber Mey bleibt sich treu.
Hugo Humpelbein, Amazon:
"Mr. Lee" (wirklich kein guter Name für eine Mey-CD; er sagt so gar nichts aus) ist ein Balladen-Album, auf dem es wenig zu lachen gibt. Gesellschaftskritisch wäre allenfalls die Geschichte über den aus einem Heim ausgebüxten Pflegefall in "Herr Fellmann, Bonsai und ich".
Fielst, Amazon:
[...] Tiefgang hatten die Meyschen Werke immer, aber die Töne sind ernster geworden, die spielerische Leichtigkeit ist geschwunden. Dies ist, gefühlt zumindest, eines der persönlichsten Werke.
Konsorte, Amazon:
Genau in der Mitte des Covers ein Auto-Rückspiegel - und daneben Reinhard Mey, wie er sowohl am Rückspiegel als auch am Betrachter vorbeiblickt. Man muss die Lieder hören, um zu erfahren, wohin sein Blick geht.
Musicheadquarter:
Das Lied "So lange schon" [...] ist ein unendlich trauriges Stück, das mir Tränen in die Augen treibt und dennoch ein optimistisches Bild bietet. Das Bild einer Familie, die sich trifft, um gemeinsam des fehlenden Menschen zu gedenken. An Eindringlichkeit sind diese Worte kaum zu überbieten.
Arnold Layne, Facebook:
Nachdem mich 'So viele Sommer' schon sehr positiv überrascht hatte, hat mich bisher "Im Haus am Meer" total in seinen Bann gezogen [...]. Sehr düster, sehr melancholisch - auch von der Instrumentierung unheimlich eindringlich!
Astrid Hoffmann, Facebook:
Bei "Herr Fellmann, Bonsai und ich" musste ich wegen der diversen Anspielungen auf andere Lieder grinsen: "Opa Bölke" kam doch schon mal woanders vor [...] und wenn es Reinhard mal ähnlich geht, sucht die Schwester schon seit "Viertel vor Sieben" nach ihm.
Nicole Marie Podschadel, Facebook:
Ich hatte gehofft, daß er sich in einem Lied irgendwie zur aktuellen Lage in Deutschland, Europa und / oder dem Krieg in Syrien etc. äußert.
Martin Müller, Facebook:
Eventuell ist [mit Mr. Lee] tatsächlich "Maximi 'LEE' an" [...] gemeint. Eventuell hat man Max einfach in Kambodscha überall "Mr. Lee" genannt [...]. Die Geschichte könnte sich so lesen, als wäre Reinhard in Kambodscha und fragt, wo sein Sohn ist (vielleicht ein Besuch zu Lebzeiten) und dann die Antworten, die den Charakter seines Sohnes sehr gut beschreiben.
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 7. Mai 2016, 19:56
von fille
Also ich habe mir das Album heute ganz altmodisch im Plattenladen, bzw. in der Plattenecke, gekauft.
Und nachdem ich dann über eine Stunde Heimfahrt mit dem Auto hatte, hat es gepasst.
Der erste Eindruck - also der allererste
So viele Sommer - wunderschönes Liebeslied
Im Goldenen Hohn - noch kein Zugang
Dr. Brand - hat mich besonders berührt. Jeder weiß, wie kritisch Reinhard die Schule sieht. Ich finde es außergewöhnlich, dass er über einen Lehrer geschrieben hat und dass ihm alles leid tut, was er und seine Kumpane ihm angetant haben. Das Lied erinnert mich außerdem an eines von Jaques Brel (da wird auch Latein konjugiert).
Herr Felmman... - noch kein Zugang
Lacky Laschinski - witzig, weil das schon einigen passiert ist
Die nächsten Lieder - noch kein Zugang
So lange schon - traurig, ein Lied für Max
Zeit zu leben - wunderschön!!!!
Lavender's blue - ebenfalls sehr schön. Und ich finde es nett, das Reinhard doch nochmal in Englisch singt.
Gesamteindruck - sehr persönlich!
Ich habe mir die CD von zwei Stunden das erste Mal angehört. Der Eindruck ist also brandneu.
Liebe Grüße, Marianne
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: So 8. Mai 2016, 13:20
von noway
Leider habe ich das neue Album noch nicht. In der Schweiz bzw. in der Region, in der ich wohne (immerhin in der Nähe von Bern, der "Hauptstadt"), ist es - man glaubt es kaum - schwer zu kriegen. Denn in den Läden der grossen Ketten wie Ex Libris etc. steht es nicht

So kenne ich bislang nur "So viele Sommer" und "So lange schon". Beim letztgenannten haben mir die Zeilen
Der kleine Junge, stillvergnügt, turnt zwischen unsren Füssen
Und wie ein Welpe wuselt er im Kreis um uns herum
Er sagt, Du hast es schön hier und er sagt, wir sollen Dich grüssen
Jeder will etwas sagen und jeder sagt es Dir stumm
mitten durchs Herz geschnitten. Das kleine Kind, das Worte findet, während die Erwachsenen - gefangen in den Konventionen? - stumm bleiben. Wie oft habe ich in meinem Leben nicht DANKE gesagt oder auch mal ein ICH LIEBE DICH unterschlagen?! Und irgendwann steht man am Grab eines Menschen - und selbst da schweigt man. So tragisch... und so menschlich zugleich.
Beste Grüsse aus der Schweiz
Thomas
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: So 8. Mai 2016, 20:46
von Anne1986
Hallo Thomas,
also, wenn das Album in der Schweiz erst mal nicht erhältlich ist, würde ich dir anbieten, es hier zu besorgen und mit der Post zuzuschicken. Das handhabe ich mit einem Freund auf den kanarischen Inseln genauso, wenn er an CDs interessiert ist, die nur in Deutschland zu bekommen sind. Er überweist mir dann den CD-Preis plus das Versand-Porto, und ich schicke die CD(s) schnellstmöglich los.

Also, einfach PN schicken und mir deine Adresse nennen, wenn es auf anderen Wegen nicht funktioniert!
Viele liebe Grüße,
Anne
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: So 8. Mai 2016, 22:53
von Westwind
Lieber Marc,
Mr. Lee ist da! Bei Amazon und in sozialen Netzwerken wird das neue Album bislang durchweg positiv aufgenommen. Und Eure ersten Eindrücke? Welche Lieder haben Euch besonders berührt, bewegt oder überrascht, zu welchen habt Ihr noch keinen Zugang gefunden? Welche Verse haben sich Euch schon eingeprägt, welche haben sich Euch noch nicht erschlossen?
Lieben Gruß!
Marc
Ehrlich gesagt würde mich Deine Meinung zum neuen Album viel mehr interessieren. Die Rezensionen und Meinungen im Web von mir gänzlich unbekannten Menschen würde ich bei Bedarf ohnehin selbst suchen und lesen, aber dieser Bedarf besteht bei mir nicht.
Die Meinungen hier im Forum von Menschen, die mir wesentlich mehr bedeuten und die ich teilweise eben auch persönlich kenne, sind mir irgendwie wichtiger.
Liebe Grüße
Georg (der sich die CD im Laden gekauft, sie aber noch nicht angehört hat)
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mo 9. Mai 2016, 00:39
von Viktor
Liebes Forum,
nachdem ich die Scheibe erst zweimal gehört habe, kann ich sagen, dass sie mir tendenziell gut gefällt, aber für tiefe Analysen ist es noch zu früh. Wahrscheinlich wird sich das Album für mich noch mehr als "grower", wie man auf Englisch sagt, herausstellen als die vorigen, habe ich so im Gefühl.
Mein Favorit ist momentan "Im Haus am Meer", so schön düster und irgendwie kryptisch.
Ich "vermisse" (übertrieben gesagt) eine, ich nenn's mal, a-Moll-Ballade à la "Vaters Mantel" oder "Der Fischer und der Boss". Erzähl-Songs dieser Art sind mir die liebsten in Reinhards Werk...
Musikalisch haben sich bei mir momentan "Herr Fellmann, Bonsai und ich" sowie "Dr. Brand" als Ohrwürmer breitgemacht...
Textlich liebgewonnen habe ich den Rucksack, der "barst". Bersten ist ja nun nicht gerade ein vielgenutztes Wort - und dann auch noch im Präteritum und ungezwungen inhaltlich selbstverständlich: super. Reinhards Lieder haben bei mir schon im Teenager-Alter die Freude an sprachlichen Feinheiten geweckt, meine eigene Ausdrucksweise wahrscheinlich auch verbessert. In dem Sinne liebe ich eben solche Kleinigkeiten...
Aber vom Technischen abgesehen bieten die neuen Texte natürlich auch viel schöne Bildsprache, das ist klar, aber die braucht bei mir noch mehr Zeit zum Wirkenlassen...
Ach ja, ich persönlich finde die Zusammenstellungen "fremder" Online-Eindrücke eigentlich ganz anregend, danke dafür, Marc. Aber gib zu: Du hast da doch korrekturgelesen, oder?
Georg hat natürlich recht: Deine eigene Meinung würde mich auch interessieren...
Viele Grüße,
Viktor
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mo 9. Mai 2016, 21:45
von Benutzer 76 gelöscht
Ihr Lieben,
Viktor schrieb:
Ach ja, ich persönlich finde die Zusammenstellungen "fremder" Online-Eindrücke eigentlich ganz anregend, danke dafür, Marc. Aber gib zu: Du hast da doch korrekturgelesen, oder?
Ein Arzt kann doch auch nicht tatenlos an einem Hilfebedürftigen vorübergehen...!

Georg schrieb:
Die Rezensionen und Meinungen im Web von mir gänzlich unbekannten Menschen würde ich bei Bedarf ohnehin selbst suchen und lesen, aber dieser Bedarf besteht bei mir nicht.
Mich interessieren grundsätzlich alle Meinungen, wenn sie überzeugend begründet werden, egal, ob ich die Menschen kenne oder nicht, egal, ob ich die Meinungen teile oder nicht. Ich habe die Meinungen in erster Linie gesammelt und angefügt, weil ich sie interessant fand. Hier im Forum hat sich ja leider kein spontaner Austausch wie an anderer Stelle ergeben. Seis drum!
Hier meine ersten Gedanken zu den Liedern:
So viele Sommer: Es gibt Lieder, die man vielleicht nur als älterer Mensch schreiben kann, umso mehr berührt und bewegt mich dieses Lied auch als jüngerer Mensch. Die Frage, wie viele Sommer es noch geben mag, stelle auch ich mir, stellt sich vielleicht jeder irgendwann mal, besonders dann, wenn man mit einer tragischen Nachricht im Freundes- oder Familienkreis konfrontiert wird. Für mich eines der ergreifendsten Liebeslieder, die Reinhard Mey je geschrieben hat – vielleicht sogar das ergreifendste? Mein Lieblingsvers: „Blütenträume, die nicht erblühn.“
Im goldenen Hahn: Eines der wenigen Lieder, zu dem ich noch keinen Zugang gefunden habe. Ich mag die Mandoline, das Bild vom Rosenverkäufer, doch die letzte Strophe erschließt sich mir noch nicht.
Dr. Brand: Hach, Dr. Brand. Dr. Brand kannte ich als Schüler und kenne ich auch jetzt als Lehrer. Natürlich heißt Dr. Brand in meinem Leben nicht Dr. Brand, aber er ist mir wohlvertraut, sodass mir das Lied nahe geht. Die versöhnliche Botschaft des Liedes finde ich anrührend. Musikalisch finde ich das Lied weniger packend.
Dr. Fellmann, Bonsai und ich: Cooles Arrangement, vielleicht mein Lieblingslied des Albums. Eine typische Mey-Ballade – das kann Reinhard. Mein Lieblingsvers: „Frisur wie Bert und Ernie und an den Seiten ausrasiert, / Elvis lebt und I Herz Mutti auf den Nacken tätowiert“. Das Bild, wie Herr Fellmann Opa Bölkes Zähne eintütet, der Geruch von Pipi im Haus Waldesruhe, wie Reinhard Opa Bölke imitiert, die Anspielung auf „Viertel vor Sieben“ – herrlich!
Lucky Laschinski: Erst überlesen: Das Lied ist Malene und Klaus Hoffmann, zwei großen Katzenliebhabern, gewidmet. Ein leichtes, nettes Lied, erstaunlich, auf welche Namen Lucky Laschinski hört. Wahrscheinlich kein Lied, das ich oft hören werde, aber Katzenliebhaber wie ich finden sich in den Versen natürlich wieder...
Mr. Lee: Geheimnisvoll, rätselhaft, packend. Was hat es mit der Havelchaussee auf sich? Wie viele Verbindungen zu anderen Liedern gibt es? Was hat es mit dem Bild vom Weißen Elefanten auf sich? Warum Mr. Lee, warum nicht...? Ein Lied, das mich sehr überrascht hat...
Wenn’s Wackersteine auf dich regnet: Drei liebevoll erzählte Geschichten, ein cooles Mandolinen-Solo, ein Refrain, den ich bereits munter mitsinge. Höre ich ein Lachen beim „Stacheldrahtzaun“? Mein Lieblingsvers: Dass Rita vom Matheüben nicht schwanger geworden ist (ich habe übrigens immer mit... Mathe geübt – aber das würde jetzt zu weit führen).
Wenn Hannah lacht: Ein Lied, das sich mir erst beim zweiten Mal erschlossen hat und mich dann wahrhaftig umgehauen hat. Wie lebensbejahend! Großartig! By the way: Starkes Gitarrenintro!
Hörst du, wie die Gläser klingen: Drei unfassbar anrührende Geschichten, dann diese mystischen Töne im Refrain, die wie aus der Vergangenheit in die Gegenwart tönen. Ein atmosphärisch unglaublich dichtes Lied. Schön: Reinhard (fast) allein mit seiner Gitarre (ich finde, dass er sich hinter den Virtuosen nicht verstecken sollte)! Passend: Das Bild im Booklet – die verregnete Fensterscheibe, der verschwommene Blick zurück.
Wenningstedt Mitte: Der „kleine Ort an der See“ und das „winzige Café“ sind mir wohlvertraut, auch der Kampf mit dem inneren Schweinehund, den ersten Schritt zu wagen – bei dem Lied fühle ich mich auf eigentümliche Weise ganz persönlich angesprochen.
Heimweh nach Berlin: Ich mag die lässige Melodie à la „Friedrichstraße“. „Berlin“ ließe sich mühelos durch „Hannover“ ersetzen, dann kann ich das Lied durchaus nachempfinden. Meine Lieblingsverse: „Wenn dicke Mädchen sich in enge Tops und Hot Pants zwängen / und sich miesepetrig in versiffte S-Bahnen drängen“, auch witzig: der „Gratis-Kaffee Togo“.
Im Haus am Meer: Das Lied empfinde ich atmosphärisch so dicht, so düster, dass ich bei jedem Hören eine Gänsehaut bekomme. Das Gitarrenspiel, die Geige, der starke Ausdruck in der Stimme – ein Lied, das mich enorm gepackt und in seiner Machart sehr überrascht hat. Hat Reinhard schon mal ein solches Lied geschrieben?
So lange schon: Tröstlich finde ich die Entwicklung vom verzweifelt-hoffnungsvollen Lied „Drachenblut“ zur liebevoll-schmerzhaften Erinnerung „Dann mach’s gut“ zum dankbaren Lied „Schon so lang“. Wie mögen Eltern diese drei Lieder hören, die Ähnliches erleiden mussten? Ich glaube, dass diese Lieder unglaublich viel Trost spenden können.
Zeit zu leben: Wie gut, dass diese Lied auf „So lange schon“ folgt. Es baut auf! Ich gestehe: Obwohl ich alle Alben von Klaus habe, hatte ich ausgerechnet dieses Lied ein wenig aus den Augen verloren. Nun habe ich es für mich wiederentdeckt. Die feengleiche Stimme von Tochter Victoria-Luise berührt mich sehr. Dass Hawo Bleich und Micha Brandt an dem Lied mitgewirkt haben, empfinde ich als Sahnehäubchen.
Lavender’s Blue: Bevor ich wusste, dass Reinhard dieses Lied singen würde, war klar, dass Constanze und ich zu diesem Lied auf unserer Hochzeit tanzen würden – umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt eine Version gefunden haben, die wir beide besonders mögen... merci, Reinhard!
Das Booklet: Die Gestaltung finde ansprechend. Schmunzeln musste ich bei einigen Tippfehlern und Schnitzern („Instrument knallt zu sehr rein!“ bei „Wenn’s Wackersteine auf sich regnet“ und der arme Bonsai, der nicht am Rollator, sondern am „Rolltor“ festgezurrt wird). Was sich mir noch nicht erschließt: Warum dieser Oldtimer auf dem Cover?
Lieben Gruß!
Marc
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mo 9. Mai 2016, 23:07
von Westwind
Hier im Forum hat sich ja leider kein spontaner Austausch wie an anderer Stelle ergeben.
Stimmt, da sind andere Plattformen etwas schneller

Ich habe das Album erst einmal gehört, und finde nicht viel Überraschendes. Alles gut und solide, aber daß ich das Bedürfnis habe, das ein oder andere Lied selber nachzuspielen, habe ich schon seit mehreren Alben nicht mehr. Vielleicht sind die Alben noch persönlicher geworden und meine Identifikation damit hat nachgelassen, kann aber auch andere Gründe haben.
Was mir bisher prinzipiell auffiel, ist, daß ich mich bei diesem Album beim ersten Zuhören oft mit den Interpretationen schwer getan habe. Es muß ja nicht alles eindeutig interpretierbar sein, und viele Liederschreiber lassen ja bewußt Interpretationsspielräume, aber diese Spielräume scheinen mir hier öfter aufzutreten als in den vergangenen Jahren. Vielleicht muß ich einfach nochmal öfter hören, um mir einen Reim auf verschiedene Reime machen zu können

.
Zwei Lieder sind mir aber wirklich aufgefallen:
Dr. Brand gefällt mir sehr gut, vor allem im Zusammenhang mit Reinhards Erläuterungen bei Radio Berlin 88.8, daß nämlich meistens die guten und netten Lehrer am meisten von den Schülern gepiesackt, die Schleifer und Knechter hingegen fast nie gemobbt werden. Kann ich, wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, bestätigen, da hat eine Lehrerin ähnlich leiden müssen mit fiesen Portraits an der Tafel, bösen Sprüchen usw. .
Im Haus am Meer
Musikalisch ließ mich das Lied aufhorchen. Das ist anders ! Da stimme ich Marc zu, daß so ein Lied bisher kaum erschien. Ich habe einen kurzen Moment an "Erbarme Dich" gedacht, wenn es überhaupt eine Parallele zu einem bisherigen Lied geben sollte, aber so richtig gelingt der Vergleich auch nicht. Das Lied hat mich zeitweise (durch eine Akkordfolge und die allgemeine Stimmung) an "Ride on" von Christy Moore erinnert, aber Akkordfolgen irgendwoanders wiederzufinden, läßt sich ja kaum vermeiden.
Soviel erstmal von mir.
Viele Grüße
Georg
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mo 9. Mai 2016, 23:22
von Carsten K
Lieber Marc,
Danke für Deine persönlichen Gedanken (nach dem ersten Reinhören) zu den Liedern auf Reinhard Meys neuem Album. Ich bin zwar wahrscheinlich der einzige hier im Forum, der die neue CD noch nicht gekauft hat, aber Deine Gedanken motivieren mich, dies in den nächsten Tagen nachzuholen...

Ich habe allerdings ein paar wenige Lieder "vorgehört" und kann hier meinen persönlichen Eindruck dazu beschreiben:
So viele Sommer hat mich natürlich besonders angesprochen, weil ich es mit meinem vor kurzem verstorbenen Vater in Verbindung musste, mit dem ich so viele Sommer (Herbste, Winter und Frühlinge) verleben durfte, wie sonst nur meinem Bruder... Und ich musste bei dem Lied auch spontan an Reinhard Meys Vater (Eltern) denken, dem/denen er Jahrzehnte zuvor in seinem Lied Zeugnistag ein Denkmal gesetzt hatte, nämlich eine Haltung, die mir meine Eltern ebenso vorgelebt haben, wofür sich ihnen immer dankbar sein werde...
Ich musste auch an den Tod meines anderen Bruders denken, der vor 4 Jahren verstarb, und daran, wie sehr es meinen Vater getroffen hat, dass das eigene Kind vor einem selbst stirbt, ein niederschmetterndes Gefühl, das ich auch aus So viele Sommer heraushöre, ebenso wie die Dankbarkeit für die Momente, die einem mit den Menschen, die einem wirklich etwas bedeuten, (noch) bleiben...
Heimweh nach Berlin hat mich dagegen zwar interessiert (immerhin bin ich vor 3 Jahren in diese Stadt gezogen, für die ich schon immer eine Art "Heimweh" empfunden hatte), aber nicht wirklich persönlich bewegt. Das Lied beschreibt die gängigen Klischees über diese Stadt und kehrt sie am Ende sogar ins Gegenteil um (z. B. freundliche Busfahrer!), aber ich finde mich darin nicht wieder, warum ich mich ausgerechnet hier so wohl und so zu Hause fühle. Vielleicht, weil ich ein "Zugezogener" bin, der hier schon immer hin wollte, und vielleicht, weil er ein "Eingeborener" ist, der hier eigentlich schon immer weg wollte? ...

Jedenfalls jede Menge persönliche Gedanken und Assoziationen zu den Liedern, und wenn ich Reinhard Meys neue CD erst gekauft habe, werden es bestimmt noch mehr...

Liebe Grüße
Carschti
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mo 9. Mai 2016, 23:33
von Clemens
"Mr. Lee" - in meiner Wahrnehmung - das am meisten politische Album von Reinhard Mey.
Mag sein, das ich mit dieser Empfindung sehr einsam dastehe, trotzdem möchte ich sie versuchen zu erklären.
Ich habe einmal das Lied "Narrenschiff" als ein "Kassadra - Lied" bezeichnet. Endlich mal ein politisches Lied haben Viele befunden. Ja, das ist es. Ja es ist ein wichtiges, für mich eines der wichtigsten Lieder überhaupt. Eindeutiger kann man es wohl nicht aussprechen. Und es ist deswegen so wichtig, weil es nicht den bösen Offizieren alle Verantwortung anlastet, sondern ganz deutlich sagt, was denn Mannschaft und Passagiere ausnahmslos zulassen.
In der Zeile "Jeder kann es sehen, aber ALLE sehen weg.", da waren nicht zuletzt die Beifall klatschenden Menschen gemeint, welche genau dies aber oft nicht wahrhaben wollen. Alle sind eben nicht nur die Anderen.
Wer von uns, mich wohlgemerkt eingeschlossen, hat nach dem Konsum dieses politischen Geschenkes tatsächlich Zeit daran gewandt zu überlegen, was er als Person ändern könnte, wenn er an einer Stelle nicht mehr weg sähe?
Es ist gut, Dinge beim Namen zu nennen. Aber es reicht nicht die Schuld aufzuzeigen, die Andere auf sich laden, oder gar zu erwarten, dass dies (u.A.) Liedermacher für uns tun sollten.
Unsere Kinder werden Menschlichkeit nicht daran lernen, dass wir auf die "Merbamas" dieser Welt schimpfen und an unserer Machtlosigkeit resignieren!
Aber, wenn ich sie meine Tränen sehen lasse, zu denen mich die Menschlichkeits-Zeugnisse dieser Lieder gerührt haben, könnte das ein Anstoß sein.
Die politische Botschaft jedes dieser 15 Lieder ist für mich folgende:
Wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine Chance geben wollen ein menschliches, lebens - und liebenswertes Leben zu führen, dann dürfen wir Ihnen nicht ohnmächtig schimpfende Resignation anbieten. Im Gegenteil, wir müssen Ihnen Achtung vor dem Leben, vor dem Fremden, vor dem Alter, vor der Familie und deren Zusammenhalt tatsächlich vorleben.
Ich bin ein gläubiger Christ, mag das aber ungern laut vor mir her tragen. Wenn jemand es daran merkt, wie ich lebe, wäre dies genug. Unabhängig vom Glauben sind wir ALLE Menschen. Wenn wir genau das nicht vor uns her tragen, sondern tatsächlich im positiven Sinn menschlich handeln, hätten wir weniger Zeit für politische "Statements" nötig.
Muss der Mann, der uns sehr viele Lieder wie "Frieden, Es ist doch ein frielicher Ort, Kai, Der Fischer und sein Boss, Alles OK........." geschenkt hat, tatsächlich noch betonen, wo er steht und wie unendlich unerträglich ihm das Leid von Flüchtlingen ist? Ich weiß, dass er auch etwas dagegen tut. Letzteres bewirkt mehr, als ein Lied gegen...
Ich finde auf der neuen CD nur Lieder - einschließlich der düster anmutenden - FÜR ein menschliches Leben.
Wenn mich "So viele Sommer", "Dr. Brandt", Mr. Lee" und "So Lange schon" aus ganz unterschiedlichen Gründen zu Tränen rühren, wenn mich "Herr Fellmann, Bonsai und ich" auf mein Verhältnis zu Alter und eigenem Altern stoßen, wenn mir "Wenn Hannah lacht" den Blick auf die vermeintlich nicht mich betreffende Lebensfreude lenkt, wenn mich "Hörst du, wie die Gläser klingen" zu dem Entschluss bringt meinen Söhnen mehr aus meinem Leben zu erzählen, wenn...
Wenn jemand, der in den letzten Jahren, bei all den Sonnenseiten seines Lebens, durch das tiefste Leid gehen muss, das Eltern widerfahren kann, Dir (und mir) soviel menschlische Wegweisung auf unsere Wegen mit zu geben vermag, gerade "Wenns Wackersteine auf dich regnet", dann kann ich nur sagen:
Mensch - Reinhard, DANKE für dieses, in meiner Wahrnehmung "politischste" Deiner Albengeschenke an uns.
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 10. Mai 2016, 19:00
von Nicky
Ihr Lieben,
wie Georg und Marianne habe ich auch die CD in einem „richtigen“ Laden am Veröffentlichungstag gekauft.......Ich weiß.....furchtbar altmodisch....

Beim Kauf habe ich allerdings auch schon die erste Überraschung erlebt. Die CD wurde mir für 10,99 Euro quasi preislich hinterhergeworfen.........So einen niedigen Preis am Tag einer Veröffentlichung habe ich glaube ich noch nie erlebt. Wie auch immer solche Preise entstehen können.......hat jemand von euch vielleicht eine Erklärung dafür? Würde mich interessieren....
Auf die einzelnen Lieder will ich gar nicht alle eingehen. Im großen und ganzen gefällt mir das Album gut. Es ist ein nettes, schönes Album, das ich sicherlich öfter mal hören werde. Am besten gefallen mir „Das Haus am Meer“, (herrlich düster und eine Situation, in die ich mich gut hereinversetzen kann) „Dr. Brand“ und „Wenningstedt Mitte“. Letzeres, weil ich schon selber oft dort in dem Cafe war, und auch selber weiß, wie schwer einem manchmal dieses „Entschuldige bitte“ fallen kann........aber einer muß ja immer den Anfang machen.....

Gar nicht gefallen hat mir – und das mag jetzt vielleicht den einen oder anderen verwundern- „So lange schon“. Ich fühle mich beim hören dieses Liedes ein wenig wie ein Voyeur, der an diesem Ort in dem Lied nichts zu suchen hat. Mit „Drachenblut“ konnte ich noch sehr gut umgehen, „lass nun ruhig los das Ruder“ fand ich da schon grenzwertiger. „So lange schon“ geht mir persönlich ein wenig zu weit. Seit dem ich im letzten Jahr selber mit dem Schreiben begonnen habe, sind einige Texte entstanden, die ich zwar für gelungen halte, die ich aber nur einem ganz bestimmten, engen Kreis von Leuten vorspielen würde, weil sie doch sehr persönlich sind. Meine Meinung ist, das nicht jedes gute Lied auf eine CD muß die dann verkauft wird......Mag sein, dass ich das vielleicht ein wenig zu kritisch sehe.......aber das ist eben meine Meinung dazu......
„Zeit zu Leben“ gefällt mir in Reinhards Version auch sehr gut. Es war eines der Lieder von Klaus Hoffmann, die ich damals in meinen Gitarrenanfängen viel gespielt habe.
Alles in allem ein schönes Album

Liebe Grüße
Nicole
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 10. Mai 2016, 20:52
von Carsten K
Ich bin da noch furchtbar altmodischer... ;-(
Ich hab mir die CD erst heute gekauft (ich weiß, ein Sakrileg hier) - und dann auch noch ganz profan bei Saturn, also keinem der vielen schnuckeligen Plattenläden hier in Berlin...
Für € 16,99 übrigens (finde ich angemessen, hätte aber auch locker nen Zwanni investiert...), aber auch von € 10,99 Endverkaufspreis (EVP) wäre niemand verarmt, der an der Produktion dieser CD beteiligt war, hoffe ich...

Ich habe bis jetzt nur kurz reingehört, kann also zu den Liedern noch nicht mehr sagen als bisher auch schon...
Das optische Erscheinungsbild spricht mich aber schon jetzt sehr an, besonders das liebevoll mit tollen Fotos gestaltete Booklet...

Und diese halb heruntergedrehte Autofesterscheibe auf dem Coverbild ist mir sofort ins Auge gesprungen, anders als da, wo ich das Cover bloß im Internet gesehen habe. Ich dachte im ersten Moment, hat die Plastik-Umhüllung nen Sprung, tausch ich die CD wieder um? Aber nee, das muss so, das ist bloß ein Effekt des Fotos... Kompliment!
Tja, und dass bei Saturn (und anderswo) wohl alle CDs in Plastikfolie eingeschweißt sind, hat mich auch diesmal geärgert, aber das ist ein anderes Thema...
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 10. Mai 2016, 21:56
von Mithrandir
Liebe Leute, schaut doch bei Gelegenheit mal hier vorbei:
http://www.reinhard-mey.de/start/blog/mr-lee-das-video
Das wirft ein weiteres erhellendes Licht auf dieses anfänglich ein wenig kryptische Lied ...
liebe Grüße
bis bald
hier oder woanders
Stephan
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 10. Mai 2016, 23:46
von Benutzer 141 gelöscht
Nicky schrieb:
„So lange schon“ geht mir persönlich ein wenig zu weit. Seit dem ich im letzten Jahr selber mit dem Schreiben begonnen habe, sind einige Texte entstanden, die ich zwar für gelungen halte, die ich aber nur einem ganz bestimmten, engen Kreis von Leuten vorspielen würde, weil sie doch sehr persönlich sind. Meine Meinung ist, das nicht jedes gute Lied auf eine CD muß die dann verkauft wird......Mag sein, dass ich das vielleicht ein wenig zu kritisch sehe.......aber das ist eben meine Meinung dazu......
Ein sehr interessanter Gedanke, den man, meiner Meinung nach, durchaus äußern darf. Warum schreibt man solch ein Lied? Warum "verkauft" man dieses Lied. Darf man so etwas moralisch bewerten?
Jetzt stelle ich fest, dass sogar mehr als eine Meinung oder ein Gedanke damit verbunden ist. In Anbetracht der Tatsache, dass RM wohl nicht am Hungertuch nagt und nicht auf den Verkauf und die Einnahmen angewiesen ist, werden es wohl andere Beweggründe als das Kommerzielle sein, die ihn dieses Lied veröffentlichen ließen. Mich hat dieses Lied am meisten berührt, wobei ich mir aber durchaus die gleiche Frage wie Nicky gestellt habe. Ich weiß aber nicht, wie ich auf dieses Lied reagieren würde, wenn mir der Hintergrund nicht bekannt wäre, der diesem Text zugrunde liegt.
Wie persönlich darf/sollte Kunst sein? Wie sehr lass ich als Künstler andere an meinem Seelenleiben teilhaben und wie sehr lasse ich die anderen an mich ran? Dies sind Themen, die mich auch immer wieder beschäftigen, weil ich dies auf der Bühne tagtäglich erlebe. Eine endgültige Antwort habe ich persönlich noch nicht gefunden. Daher werde ich "So lange schon" einfach in mein persönliches Schatzkästlein legen und hoffe, dass es bei anderen "Konsumenten" nicht den Effekt der "Perlen vor die Säue werfen" hat. Gerade, weil es so persönlich und damit wertvoll ist.
Liebe Grüße
Barde :barde:
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 00:19
von Petra
Ich habe die CD immer noch nicht....

Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 01:23
von Carsten K
Ich denke, das Schielen auf kommerziellen Erfolg hat Reinhard Mey nun wirklich nicht nötig, und wenn er ein Lied auf seiner CD veröffentlicht, dürfte kommerzieller Erfolg wohl kaum das Motiv dafür sein.
Aber er erreicht mit seinen Liedern sehr sehr viele Menschen, auch solche, die nicht die Möglichkeit haben, ihren persönlichen Schmerz (der ja nicht weniger schlimm ist als seiner) so wie er in Worte und in Lieder zu fassen und von so vielen Menschen gehört zu werden.
Ich empfinde es als sehr wohltuend, dass es ihm mit diesem Album (und auch mit früheren Alben) immer wieder gelingt, gewöhnliche (unprominente) Menschen wie mich in seinen persönlichen Schmerz und seine persönlichen Momente des Scheiterns mitzunehmen.
Dies Persönliche ist für mich (hab die CD eben durchgehört) die besondere Stärke, die Reinhard Mey ausmacht, finde ich.
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 06:43
von Nicky
...einen kommerziellen grund würde ich nun auch wirklich nicht unterstellen wollen. aber die frage für mich ist auch eher, was ihr von diesem lied haltet und eben die disskusssion in die der barde schon so wunderbar eingestiegen ist.

natürlich höre ich auch gerne mal lieder, die mich runterziehen, nachdenklich machen, berühren, diverse tränen kullern lassen......
aber bei diesem lied hier hab ich das gefühl völlig fehl am platz zu sein......
liebe grüsse
nicole
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 08:49
von migoe
Liebe Nicole,
Nicole schrieb am 10.05.16 um 19:00 Uhr:
„So lange schon“ geht mir persönlich ein wenig zu weit. Seit dem ich im letzten Jahr selber mit dem Schreiben begonnen habe, sind einige Texte entstanden, die ich zwar für gelungen halte, die ich aber nur einem ganz bestimmten, engen Kreis von Leuten vorspielen würde, weil sie doch sehr persönlich sind.
zeig mir ein Lied von Reinhard Mey, welches nicht persönlich ist...
Ich kann Dich aber gut verstehen. Mir geht es auch bei einigen Liedern so, dass ich sie nicht hören kann (oder will?), weil sie für mich zu sehr "Privatsache" sind und ich mich nicht damit identifizieren will (oder kann?). Es sind tolle Texte und Melodien, aber ich persönlich kann nichts damit anfangen und finde keinen Bezug dazu. Diese Lieder lasse ich also dem Herrn Mey (oder anderen) und "vergreife" mich nicht an Ihnen.
Bei "So lange schon" ist es anders. Dieses Lied hat mich schon beim ersten Hören gefesselt und ich habe es mehrmals hintereinander gehört. Vor einem Jahr ist mein ältester Bruder gestorben und es hat uns alle überraschend hart getroffen, obwohl er auch "so lange schon" nicht mehr "in unserer Mitte" war. Als Schausteller war er das ganze Jahr unterwegs und nur wenn er in der Stadt war hatte man kurz Kontakt. Für mich gibt es persönliche Parallelen zu diesem Lied, auch wenn Reinhard Mey den Text für seinen Sohn und aus seiner persönlichen Sicht geschrieben hat.
Ich denke, dieses Lied kann vielen Menschen Trost spenden und es wäre sicher auch bei einer Trauerfeier angebracht.
migoe
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 09:34
von Physdet
.... bei diesem lied hier hab ich das gefühl völlig fehl am platz zu sein......
Hallo Nicky,
...nach "mach`s gut" ist dieses Lied für mich eine fast zu erwartende Fortsetzung des unermesslichen Verlustes, den RM ertragen muß.
Ich glaube das solche Lieder genauso dazu gehören, wie "du bist ein Riese Max" u.ä.! Das Leben ist nicht immer gut zu uns und das sollten wir auch in Liedern und Texten ausdrücken... Am Ende entscheiden wir, jeder für sich, was davon der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird!
Jeder interpretiert Lieder anders und hat die Möglichkeit es zu mögen, oder auch nicht...mich z. B. hat das Lied sehr berührt und wirkt, natürlich subjektiv gesehen, sehr stimmig in Bezug auf die Umgehens weise von Reinhardt Mey mit seinem Privatleben: nämlich sehr defensiv uns vorsichtig!
Als selbst Schreibender, merke ich auch immer wieder, wie viel ich von meinem Leben preisgebe...
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 09:55
von Westwind
migoe schrieb:
zeig mir ein Lied von Reinhard Mey, welches nicht persönlich ist...
Ich werfe mal "Cantus 19b" in den Raum

Da wird Reinhard über irgendwas gestolpert sein, was ihn zu diesem satirischen Lied inspiriert hat, insofern mag es nicht ganz unpersönlich sein, aber es kommt schon ziemlich nah ran, nicht persönlich zu sein.
Gruß
Georg
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 12:21
von Benutzer 76 gelöscht
Liebe Nicole,
schön, wir diskutieren!

Ich finde, dass "So lange schon" ein ganz wichtiges Lied ist. Vielleicht - neben "Mr. Lee" - das wichtigste des Albums. Es ist nicht für mich wichtig, nicht für Dich, aber für Reinhard. Und sicherlich und vor allem kann es auch ein sehr wichtiges und tröstendes Lied für Familien sein, die Ähnliches erdulden mussten. Daher finde ich, dass ein solches Lied unbedingt veröffentlicht werden muss. "So lange schon" beschreibt das Schicksal der Familie Mey, ist aber so offen (besonders in der letzten Strophe), dass es auch das Schicksal anderer Familien erzählen kann. Und ein solches Schicksal bewegt mich sehr, wenn ich es an mich heranlasse (das muss man zulassen und wollen oder eben nicht; ich kann gut verstehen, wenn man das nicht möchte). Reinhard hat immer besungen, was ihn persönlich bewegt hat, dieses Lied nicht zu schreiben und nicht aufzunehmen, hielte ich für undenkbar.
Es gibt Lieder, in denen ich mich persönlich wiederfinde, z.B. in "Wenningstedt Mitte", und solche, die ich nachempfinden kann, dazu gehört auch "So lange schon". Und es gibt natürlich auch Lieder, in denen ich mich nicht persönlich wiederfinde und die ich auch nicht nachempfinden kann. Dazu gehört derzeit - um beim neuen Album zu bleiben - "Im Goldenen Hahn" (aber vielleicht ändert sich das noch in einer anderen Gefühlslage, mit einem anderen Horizont... Lieder sind lebendig, so lange wir es sind)!
Lieben Gruß!
Marc
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 12:57
von Petra
Liebe Nicky,
"So lange schon" geht mir persönlich ein wenig zu weit. Seit dem ich im letzten Jahr selber mit dem Schreiben begonnen habe, sind einige Texte entstanden, die ich zwar für gelungen halte, die ich aber nur einem ganz bestimmten, engen Kreis von Leuten vorspielen würde, weil sie doch sehr persönlich sind.
ich habe die CD immer noch nicht und ich habe auch So lange schon noch nirgends gehört. Aber wie immer das Lied dann irgendwann auf mich wirken mag, sage ich doch jetzt schon mal was zu der Thematik.
Schon bei Drachenblut habe ich mich gewundert, dass uns Reinhard das auf der Tournee gesungen hat. Besser: ich habe ihn dafür bewundert. An seiner Stelle wäre ich in Tränen ausgebrochen. Ich verstehe sehr gut, dass Du sehr persönliche Lieder/Texte nicht der Öffentlichkeit preisgeben willst. Es hat halt jeder seine eigenen Wege, mit solchen Dingen umzugehen. Reinhard scheint es gut zu tun, den Schmerz singend zu verarbeiten und zu teilen. Kommerzielle Gründe würde ich mal vollkommen ausschließen.
Und beim Anhören ist es natürlich genauso, da empfindet auch jeder ganz individuell. Bei Drachenblut musste ich im Konzert ziemlich heftig schlucken, was natürlich damit zusammenhängt, dass man den Hintergrund kennt. Wenn ich ganz unbefangen gewesen wäre, hätte es mich nicht so gepackt.
Noch mehr müssen sich Schauspieler offenbaren, finde ich. Wenn sie Hass, Schmerz, Liebe oder Zärtlichkeit spielen müssen, können sie ja zunächst mal nur aus dem schöpfen, was sie haben und das sieht nun mal bei jedem anders aus.
Liebe Grüße von Petra
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 20:48
von Mithrandir
Liebe Freunde, ich höre das neue Album seit Tagen rauf und runter und jedesmal werde ich noch etwas familiärer mit den Liedern. Wie noch von keinem Album vorher ergreift es mich in seiner Gesamtwirkung und mit jedem Lied einzeln. So vieles geht dabei in mir vor, dass ich dieses Ventil lieber hier nicht öffne - Migoes Webspace könnte knapp werden

Aber eines möchte ich doch sagen, denn es fügt sich in das aktuelle Thema ein. Was mir Reinhard Mey beigebracht hat: sei authentisch, unverfälscht Du selbst, so gut Du eben kannst, vor allem Dir selbst gegenüber - was, nebenbei bemerkt, vielleicht die allerschwerste Übung ist. Und wenn Du als Liedermacher über Dich selbst singst, dann sing nicht über Deine Fassade, die nette Außenansicht, sondern sing von ganz innen her über Dein Herz. Das ist sicher nicht die einzige Art, mit sich und seinen musikalischen Entäußerungen umzugehen und erhebt bestimmt auch nicht Anspruch darauf, die allein richtige und angemessene zu sein. Aber für mich ist sie die genau passende, weil sie mir mehr als einmal über gefährlichste Klippen und durch tiefe Täler geholfen, ja auch buchstäblich das Leben gerettet hat. Lieder wie "Drachenblut", "Lass nun ruhig los das Ruder", "Mr. Lee" und "So lange schon" verstehe ich als solche Lebensrettungslieder. Und damit sie das sein können, müssen sie in andere Ohren und Herzen hineingesungen werden, muss ihre Resonanz in den Leben der Hörer gespürt werden. Für manchen birgt das Herzeigen des eigenen verletzten Herzens genau auch dessen Heilung. Eben das berichten ja auch die genannten Lieder. Sie schreiben einen großen Bogen von unendlicher Zerrissenheit hinüber zum kummervollen aber zuversichtlichen Loslassen bis hin zu einem tapferen, von gutem Erinnern getragenen Ja zum Leben. Ein intimeres und gleichzeitig tröstenderes und ermutigenderes Lied als "So lange schon" habe ich von Reinhard noch nicht gehört. Und es wirkt noch mächtiger in mir fort in Gesellschaft von Mr. Lee, das die Spuren nachzeichnet, die das verlorene Kind in den Herzen ferner Menschen in fremden Weltgegenden hinterlassen hat.
Vielleicht bin ich wegen meiner eigenen Geschichte diesen Liedern so sehr verbunden. Aber gerade weil sie den Tod so nah heranlassen, sind sie für mich näher am Leben als jedes Mey-Lied vor ihnen.
Mit ganz herzlichen Grüßen
und unendlicher Vorfreude darauf, zum LT über all das und noch mehr mit euch reden zu können
bis bald
hier oder woanders
Stephan
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 11. Mai 2016, 22:15
von Clemens
Lieber Stephan,
danke für Deinen Beitrag. Du hast mir, nach meinem "Zusammenbrechen" unter Deiner Drachenblut-Interpretation, Mut zugesprochen die Trauer zuzulassen. Daran musste ich heute denken, als ich erfuhr, dass Klausi es nun doch nicht mehr zum LT2o16 geschafft hat. Mir ist der Gedanke, dass er buchstäblich mit Mr. Lee "ausgecheckt" hat sehr tröstlich. Da ist also so ein Lied tatsächlich in den letzten Minuten zu drei Menschen gekommen, die dessen bedurften. Ich glaube unsere LT-Familie wird heuer mitten in diesem Thema zusammentreffen.
(Mehr zu Klausi - auf Annelieses Bitte - hier.)
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Do 12. Mai 2016, 10:35
von Skywise
Nicky schrieb:
Beim Kauf habe ich allerdings auch schon die erste Überraschung erlebt. Die CD wurde mir für 10,99 Euro quasi preislich hinterhergeworfen.........So einen niedigen Preis am Tag einer Veröffentlichung habe ich glaube ich noch nie erlebt. Wie auch immer solche Preise entstehen können.......hat jemand von euch vielleicht eine Erklärung dafür? Würde mich interessieren....
Im Regelfall durch Mengenbündelung. Da hat jemand eine größere Bestellung bei seinem Zwischen/Großhändler plaziert, somit Rabatte eingefahren. Dabei muß "Mengenbündelung" nicht zwangsläufig bedeuten, daß er sich zwei Lager mit "Mr. Lee" vollgestellt hat, sondern daß er einfach einen entsprechend hohen Umsatz bei seinem Händler gemacht hat, ob mit Werken von Reinhard Mey, Justin Bieber oder Anoushka Shankar, ist dabei erst mal schweppes. Es muß auch nicht bedeuten, daß er jetzt ein einziges Mal gut eingekauft hat, sondern es ist auch möglich, daß sich im Laufe der Zeit so viel Umsatz zusammengeläppert hat, daß er jetzt auf entsprechende Konditionen zugreifen kann oder er gezielt auf Sonderaktionen aufmerksam gemacht wird, die sein Händler fährt. Inwiefern Dein Plattenverkäufer dann die eingefahrenen Rabatte an seine Kundschaft weitergibt, bleibt natürlich ihm überlassen, aber meistens locken solche Aktionen durchaus Volk an.
Die Frage, ob es eine Sonderaktion war oder ein guter Einkäufer, läßt sich meistens mit einem Blick auf die sonstigen Rabattaktionen des Händlers beantworten. Wenn Du zum Beispiel in den Regalen des Händlers Deines Vertrauens aktuell eine Menge Sonderposten von UMG (Universal Music Group) vorfindest, also von Labeln wie Polydor, Koch, Virgin, Deutsche Grammophon, Motown etc., spricht einiges für eine Sonderaktion des Großhändlers, an der sich Dein Plattenverkäufer beteiligt, und in die günstigerweise auch die Reinhard-Mey-CD (Odeon-Label) gefallen ist. Wenn Du einige höhere Stapel verschiedener Interpreten rumliegen oder -stehen siehst, spricht das eher für einen Mengenrabatt aufgrund einer einmaligen höheren Abnahme. Siehst Du beides, war Dein Händler zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat zwei Rabatte kombinieren können, siehst Du nix von allem, spricht eher was dafür, daß Dein Händler einfach ein netter Mensch ist, der aus Prinzip oder Dir oder dem Interpreten zuliebe auf Umsatz und Gewinn verzichtet.

Gruß
Skywise
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Do 12. Mai 2016, 21:05
von Nicky
Klasse, danke Skywise. Wieder etwas dazu gelernt

Liebe Grüsse
Nicole
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 08:05
von Nicky
Ihr Lieben,
ich find´s interessant, eure Meinungen zu dem Thema oder auch besonders zu dem einen Lied mit dem ich nichts anfangen kann zu hören. Ich habe die CD nun schon in der letzten Woche mehrere male gehört und meine Meinung hat sich nicht geändert. Manchmal ist das ja doch schon so, das man ein Lied liebgewinnt, mit dem man bei den ersten malen nichts anfangen konnte. Es ist und bleibt für mich also ein schönes Album, mit einem Lied drauf, mit dem ich nix anfangen kann.....

Was mir aufgefallen war, ist, dass Carschti mal ein ähnliches Lied beim Liedertreffen in Landshut vorgetragen hat. Dies Lied hatte mich damals sehr berührt, und ich kam mir nicht so fehl am Platze vor. Vielleicht auch einfach, weil er´s damals live vorgetragen hat und es dadurch auch irgendwie "echter" war. Wer weiss.......
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Liebe Nicole,
schön, wir diskutieren!
Nee Marc,
machen wir wohl nicht....

Alles Liebe
Nicole
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 09:50
von Helmut
Hallo ihr da draußen
Ich würde ja gerne mitdiskutieren, ich will aber meinen Töchtern die Gelegenheit geben, mir etwas Vernünftiges zum Geburtstag zu schenken.
(als ich Gitta erzählte, warum ich hier nicht mitreden kann, wurde Tochter Nummer 1 ganz hellhörig)
Ich würde euch also bitten, diese Diskussion Ende Juni für mich neu aufzurollen.
Liebe Grüße
Helmut
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 10:02
von Petra
Lieber Helmut,
trotz - wie immer - muttertagstauglichen Veröffentlichungstermins hat es dieses Jahr nicht geklappt. Tja, Chance vertan, bis Geburtstag und Weihnachten ist es ja noch ein Weilchen hin. Da ich so lange nicht warten will, muss ich dann wohl mal ganz altmodisch in den Plattenladen meines Vertrauens und den Silberling selbst erstehen. Bis Ende Juni werde ich das wohl gebacken bekommen. Falls die anderen bis dahin schon wieder abwinken - meine Eindrücke sind dann noch ähnlich frisch wie Deine.

Liebe Grüße von Petra
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 11:38
von Lilienthal
Hallo zusammen,
ich beobachte bei mir häufig, ob mir eine Lied so richtig gefällt oder nicht, hängt auch sehr mit meiner seelischen Verfassung zusammen, ich behaupte also, die Frage ob das "Thema" im Lied irgendwie verwandt ist mit den emotionalen Themen die mein Gefühlsleben gerade sehr bewegen, kann sehr viel Sympatie oder Antipathie bewirken!?
Geht euch das auch so?
Hallo Nicole schön von dir zu lesen, wenn du noch schreibst, lebst du ja offensichtlich auch noch!
LG Sven
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 13:02
von Anne1986
Liebe Petra, lieber Helmut,
bin dabei! Durch die letzten Arbeiten für den Einzug in meine neue Wohnung bin ich nämlich auch noch nicht dazu gekommen, mir das Album zu kaufen! Wird aber baldmöglichst nachgeholt!

Bin gespannt auf die Lieder und gebe dann auch gerne meine ersten Eindrücke preis. Also an alle anderen: Noch ein wenig Geduld! Bin ja auch gerade fleißig dabei, fürs LT zu üben...
Besteht die Chance, dass wir uns nächstes Wochenende in Hamburg mal kurz sehen, Nicky? Bis auf den Sonntag Abend bin ich flexibel - zusammen Kaffee trinken, oder essen gehen oder frühstücken...?
Viele liebe Grüße,
Anne
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 13:05
von Benutzer 141 gelöscht
Nicky schrieb:
Es ist und bleibt für mich also ein schönes Album, mit einem Lied drauf, mit dem ich nix anfangen kann...
Deine erste Meinungsäußerung zum Lied hatte ich zuerst anders interpretiert. Ich hatte Dich so verstanden, dass es nicht um die Qualität des Liedes geht, sondern darum, dass es Dir zu persönlich ist. So nach dem Motto: Man kann damit Schwierigkeiten bekommen, weil es fast voyeurhaft erscheint, so tief in das Seelenleben des Künstlers zu schauen. Jetzt stellt sich mir die Frage, ob Du mit der musikalischen und textlichen Qualität des Liedes auch nichts anfangen kannst. Oder reicht das eine Negativum schon aus, um das Lied ganz abzulehnen? Du könntest ja trotzdem die Melodie, die Interpretation und die darin beschriebenen schönen Bilder als gut befinden und auf eine gewisse Art und Weise das Stück vielleicht doch genießen?
Es ist für mich immer faszinierend festzustellen, wie unterschiedlich doch Menschen wahrnehmen und beurteilen. Ich hatte mal eine CD von Ritchie Blackmoore gekauft und fand diese sehr gut, aber ein Lied fand ich grässlich. Der Mann einer Freundin fand die ganze CD furchtbar, doch dieses eine Lied gefiel ihm außerordentlich gut. Der Spruch "Geschmäcker sind verschieden" ist nicht ohne Grund entstanden. Wäre ja auch schlimm, wenn alle die gleiche Meinung hätten.
Für mich ist auch noch die Feststellung interessant, wie der Titel "Mr. Lee", der ja sogar als Albumnamen verwendet wird, zuerst so schwer in seiner Bedeutung zu knacken ist. Nach Veröffentlichung des Videos hat es sich jetzt doch aufgeklärt. Mir kommt es fast so vor, als ob RM das Lied wirklich mehr für sich geschrieben hat, weil es - zumindest beim ersten Hinhören - ja so gar nicht "konsumierbar" erscheint. Interessant wie hier zwei Titel zum gleichen Thema unterschiedlich präsentiert werden. Das eine Lied fast schon schonungslos offen in seiner Emotionalität und das andere rätselhaft verpackt.
Liebe Grüße
Barde :barde:
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 13:14
von Bella
Hallo ihr Lieben,
ich bin sehr begeistert von dem neuen Album. Bislang habe ich es nur
auf meinem iPhod, das aber gleich seit dem 6.5.
Ich höre es mittlerweile rauf und runter und immer wieder. Jeden
Abend im Bett sind zwei bis drei Lieder fällig, die ich höre und
mir verinnerliche, bis ich den Text mitsingen kann.
Auch für mich ist " So viele Sommer " die absolute Nr. 1 dieser CD.
Durch den Auftritt bei 3nach 9 war mir der Text schon sehr vertraut,
nur die Studioversion kam neu hinzu.
"So lange schon " - Wenningstedt Mitte " - " Das Haus am Meer "
ich kann die Nordsee praktisch riechen, wie wohltuend.
Ich habe oftmals Probleme damit, mich in eine neue CD reinzuhören.
Das hatte ich bei " Mr. Lee " überhaupt nicht, was mich sehr
überrascht hat.
Ich werde mich ganz sicher noch lange mit diesem Album
beschäftigen, jeden Tag auf's Neue ....
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 15:37
von Nicky
@Sven: Du hast meine Mail von letzter Woche noch nicht gelesen? Hm... :gruebel: oder vielleicht gar nicht bekommen? :gruebel:
@ Anne: Klar können wir uns treffen. Ich ruf dich an.

@ Barde: Doch, doch. Du hattest meinen ersten Post schon richtig verstanden. Ich finde das Lied zu persönlich, als das ich es auf eine käufliche CD gepackt hätte, die jeder hören kann. Ich fühle mich unwohl dabei, bei einem Familientreffen dabei zu sein, bei dem um das gestorbene Kind getrauert wird. Ähnlich, wie ich mich unwohl gefühlt habe, als bei der letzten Tour nach einem bestimmten Lied das Saallicht kurz ausgeschaltet wurde. Ich finde vielleicht gerade nicht die richtigen Worte dafür, um zu beschreiben, was daran mich stört, aber beides hinterlässt bei mir ein Gefühl, das ich gerade mal nicht dabei sein will.... Von daher ist das Lied vom MP3 Player wieder runtergeflogen, damit ich den Rest des Albums, das ich gut finde weiter durchgängig genießen kann.....

So einfach...

Bei mir hängt bei einigen Liedern natürlich auch viel von meiner Stimmung ab. So wie Sven es auch beschrieben hat. Zum Beispiel hat eines von den Liedern von Chrizz neuer CD (übrigens sehr empfehlenswert) bei mir letzte Woche einige Tränen kullern lassen. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich es vielleicht einfach nur gut gefunden.
Dazu kommt, das es bei mir so ist, dass meine Emotionen zu ca 80% über den Text hervorgerufen werden und nicht über die Musik. Wenn ich also mit einem Text nicht viel anfangen kann, dann reisst es eine gute Begleitung nicht mehr raus. Ist aber vermutlich auch bei jedem anders.
Alles Liebe
Nicole
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Sa 14. Mai 2016, 15:55
von Benutzer 141 gelöscht
Ich finde das Lied zu persönlich, als das ich es auf eine käufliche CD gepackt hätte, die jeder hören kann.
Mir ist soeben das Lied von Eric Clapton "Tears in heaven" eingefallen, das ja genau die gleiche Problematik mit sich trägt und das mich auch sehr gerührt und berührt hat, als es erschienen ist. Bei allen diesen Liedern kommt mir in den Sinn, dass dies wohl die Lieder sind, die die meiste Authenzität mit sich bringen und oft wahre Meisterwerke sind. Von dieser Warte aus gesehen, würde uns wohl etwas entgehen, wenn die Künstler uns diese Lieder vorenthalten. Vorhin hatte ich mit Heike darüber diskutiert und sie hat die Meinung geäußert, sie würde in einem solchen Fall mit allen über ihre Gefühle reden wollen und wenn sie die Möglichkeit hätte, wie es bei einem bekannten Künstler der Fall ist, dürfte auch ganz Deutschland darüber erfahren.
Aber um es für mich zu einem endgültigen Abschluss zu bringen: Dies kann und darf man ganz unterschiedlich betrachten und beurteilen.
Liebe Grüße
Barde :barde:
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 17. Mai 2016, 13:22
von Michael
Hallo,
langsam habe ich mich an „Mr. Lee“ soweit ran getastet, dass ich mir ein Urteil erlauben kann. Es ist ein so persönliches Album, dass es wehtut. Das muss wohl so sein und es ist auch in Ordnung so. Ein Album ohne richtig herausragende Stücke, aber wie ich finde, absolut aus einem Guss – ein richtiges „Album“ eben. Musikalisch unaufgeregt und ohne Mätzchen und deshalb sehr gut zu hören. Vielleicht kann man „Mairegen“, „Dann mach’s gut“ und „Mr. Lee“ als Trilogie betrachten, keine Ahnung, das können Meyologen ja mal irgendwann diskutieren.
Ich möchte wie Marc mal ein paar Gedanken zu den einzelnen Liedern formulieren:
So viele Sommer:
Ein unheimlich guter Opener, schafft sofort die Stimmung für die Platte und berührt mich direkt. Da wird man gleich auf das große Thema des Albums – die Endlichkeit – gestoßen. Vor ein paar Jahren hatte ich mal den Eindruck, dass die Liebeslieder auf den Mey-Alben zur Routine geworden sind. Aber „So viele Sommer“ (und auch schon „Wir sind eins“) sind ganz große Kunst. Es gibt so wenig gute Liebeslieder über Paare, die schon lange zusammen sind, immer nur über „junge Liebe“. Hier ist eins.
Im goldenen Hahn:
Das ist gleich einer meiner Favoriten. Ein wunderbares Bild, die etwas verrätselte Schlussstrophe wieder mit dem Motiv „Vergänglichkeit, Endlichkeit“. Ein untypisches Mey-Lied, würde von der Stimmung eher zu Hannes Wader passen.
Dr. Brand:
Ich hatte nie einen solchen Lehrer, ich hatte auch nie Latein (was ich im Studium dann büßen musste), eigentlich müsste das Lied mir fremd sein. Aber es rührt mich zu Tränen und da muss viel passieren. Als ob der gequälte unglückliche Lehrer nicht reichen würde, kommt dann diese letzte Strophe und haut einem endgültig den Boden unter den Füßen weg. Ist eine solche Person schon mal in einem Lied aufgetaucht? Ich glaube nicht.
Herr Fellmann, Bonsai und ich:
Auch das ein schwieriges Thema, aber ganz leichtfüßig gemacht, textlich und musikalisch. Das sind schon wirklich großartige Formulierungen, gerade wenn’s um den alten Mann und das Altersheim geht: frech aber nicht fies.
Lucky Laschinski:
Also, die Tierlieder sind nicht so mein Fall. Als jemand, der nie ein Haustier hatte, kann ich mich nicht richtig reinversetzen. Dass es trotzdem ein wunderbar formulierter Text ist, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen. Trotzdem ist es eines von zwei Liedern auf der Platte, mit denen ich nicht so warm werde.
Mr. Lee:
Das ist wirklich ein ganz starkes Lied. Spätestens mit dem Video ist das mit dem „Mr. Lee“ ja geklärt aber wie hier das Bild gezeichnet wird, der Kunstgriff mit dem Portier, die Anspielung auf „dann mach’s gut“ – ergreifend und doch bleibt es rätselhaft. Die „Havelchaussee“ verstehe ich auch nicht. Vielleicht hat sie ja nichts zu bedeuten, aber das glaube ich eigentlich nicht. Und der „weiße Elefant“, das heilige Tier? Vielleicht muss doch jemand mal die angegebene Nummer wählen.
Wenn’s Wackersteine auf dich regnet:
Sehr cool, schön erzählt, ein munteres Lied – passt doch wunderbar nach „Mr. Lee“.
Wenn Hanna lacht:
Das zweite Lied, das mich nicht so packt. Vielleicht, weil die Pointe so offensichtlich ist. Melodisch und musikalisch gefällt es mir aber gut.
Hörst du, wie die Gläser klingen:
Da hab ich erst sowas wie „Alter Freund“ erwartet und mich schon gewundert, dass es so lang ist. Aber wieder ein ganz packendes Lied. Wir können nicht zurückreisen, wir können nichts anders machen, wir schleppen die Vergangenheit mit und je älter wir werden (das merke ich sogar schon), desto mehr schmerzhafte Erinnerungen gibt es und manches wird mit der Zeit noch schlimmer. Dabei sollte man sich doch sagen: „Wenn’s Wackersteine auf dich regnet…“
Wenningstedt Mitte:
Ein schön gezeichnetes Bild. Ich finde es schön, dass in den tragischen Geschichten auch ein bisschen Humor aufscheint (Der Dackel mit dem dazugehörigen Blick). Ein anrührendes Lied – manchmal gibt’s eben doch eine zweite Chance.
Heimweh nach Berlin:
Nach den vielen eher drückenden Liedern und vor den noch viel drückenderen tut dieses richtig gut. Man könnte „Berlin“ übrigens nicht nur durch „Hannover“, sondern auch durch „Frankfurt“ ersetzen, nur die alten versifften S-Bahn-Wagen hat man hier in den vergangenen Jahren ausgetauscht.
Im Haus am Meer:
Ich wüsste auch kein Lied aus dem Mey-Repertoire, das mit diesem zu vergleichen wäre. Es ist fast eine Stephen-King’sche Atmosphäre. Packend auch das ungewöhnliche Arrangement.
So lange schon:
Ein schmerzhaftes Lied, trotz Wein und Enkelkind. Ein Lied, das – würden die Bonus-Tracks nicht folgen - schwer zu ertragen wäre. Es ist hier schon darüber gesprochen worden, ob das Lied zu voyeuristisch und zu intim sei. Ich finde nein: wir waren bei der „ersten Stunde“ dabei, haben bei „What a lucky man you are“ mit am Tisch gesessen, bei „Aller guten Dinge sind drei“ gelacht und wegen der „Schweren Wetter“ gebangt. Wir müssen diese Sache jetzt aushalten, es geht nicht anders.
Zeit zu leben:
Ich kannte das Lied nicht, bin bei Klaus Hoffmann aber nicht so bewandert. Es ist ein starker Punkt nach „So lange schon“ – und wunderbar schwebend arrangiert.
Lavender’s Blue:
Was für ein toller Ausklang. Das ist nicht einfach ein rangeklatschter Bonus-Track, sondern ein Statement für die Liebe – wie könnte ein solches Album besser enden?
Also kurz und knapp (oder wie man heute kürzelt: tl;dr): Ein großartiges Album.
Michael
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 17. Mai 2016, 15:41
von Bastian
Der weiße Elefant ist in Thailand, Kambodscha der Ausländer, der mit der hellen Haut, der Besondere, vor allem, wenn er unter den Einheimischen lebt.
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Di 17. Mai 2016, 17:28
von Benutzer 76 gelöscht
Hallo Michael,
vielen Dank, dass Du uns an Deinen Eindrücken teilhaben lässt. Ich habe kopfnickend vor dem Bildschirm gesessen...
Michael schrieb:
Es ist ein so persönliches Album, dass es wehtut. Das muss wohl so sein und es ist auch in Ordnung so. Ein Album ohne richtig herausragende Stücke, aber wie ich finde, absolut aus einem Guss. [...]
Also kurz und knapp (oder wie man heute kürzelt: tl;dr): Ein großartiges Album.
Nachdem ich Deine recht kritische Einleitung gelesen hatte, war ich angenehm überrascht, wie positiv Deine Anmerkungen zu den einzelnen Liedern ausfielen. Dein Fazit war dann ja - ähnlich wie meines - recht euphorisch.
Michael schrieb:
Im goldenen Hahn:
Das ist gleich einer meiner Favoriten. Ein wunderbares Bild, die etwas verrätselte Schlussstrophe wieder mit dem Motiv „Vergänglichkeit, Endlichkeit“. Ein untypisches Mey-Lied, würde von der Stimmung eher zu Hannes Wader passen.
Stimmt, interessanter Gedanke. Und interessant, dass das Lied zu Deinen Favoriten gehört. Zu dem Lied habe ich noch immer keinen Zugang gefunden... erklärst Du's mir mal bei Gelegenheit aus Deiner Sicht?
Michael schrieb:
Dr. Brand:
Ist eine solche Person schon mal in einem Lied aufgetaucht?
Vielleicht Dr. Berenthal, der "allen hilft und sich doch selbst nicht helfen kann"?
Michael schrieb:
Mr. Lee:
Die „Havelchaussee“ verstehe ich auch nicht.
Schau Dir das Video zu "Mr. Lee" an der entsprechenden Stelle noch mal genau an, dort wird ein Foto eingeblendet, das ich recht eindeutig finde.
Michael schrieb:
Wenn Hanna lacht:
Das zweite Lied, das mich nicht so packt. Vielleicht, weil die Pointe so offensichtlich ist.
Interessant, mich hat die Pointe regelrecht umgehauen (und tut es immer noch), gerade weil ich sie nicht überraschend fand. Ich hab sie - offen gestanden - auch erst beim zweiten Hördurchgang durchschaut.
Michael schrieb:
Heimweh nach Berlin:
Man könnte „Berlin“ übrigens nicht nur durch „Hannover“, sondern auch durch „Frankfurt“ ersetzen, nur die alten versifften S-Bahn-Wagen hat man hier in den vergangenen Jahren ausgetauscht.
Na, dann warte mal ein, zwei Jahre ab, dann werden die entsprechenden Verse auch wieder zur Frankfurter S-Bahn passen...
Michael schrieb:
Zeit zu leben:
Ich kannte das Lied nicht, bin bei Klaus Hoffmann aber nicht so bewandert. Es ist ein starker Punkt nach „So lange schon“ – und wunderbar schwebend arrangiert.
Schwebend, ja, genau, wie passend... das ist es!
Lieben Gruß!
Marc
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 18. Mai 2016, 15:09
von Michael
Marc schrieb:
Schau Dir das Video zu "Mr. Lee" an der entsprechenden Stelle noch mal genau an, dort wird ein Foto eingeblendet, das ich recht eindeutig finde.
Vielen Dank für den Hinweis (auch an Clemens). Da war ich nicht aufmerksam. Und auch Dank an Bastian für die doch recht einfache Deutung des "Weißen Elefanten". Ich war schon dabei, mich in den Tiefen der hinduistischen Schöpfungsmythologie zu verlieren. Gut, dass Mey nicht Dylan ist - oder Cohen
Michael
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Do 19. Mai 2016, 11:23
von Anne1986
Ihr Lieben,
gestern, noch VOR meiner Fahrstunde und der Arbeit, habe ich mir das Album gekauft und zum Feierabend gleich einmal angehört! Es gefällt mir SEHR. Leider muss ich jetzt zur Arbeit aufbrechen, kann also erst heute Abend ausführlicher zu den Eindrücken und den einzelnen Liedern schreiben... aber dann ganz bestimmt!
Herzliche Grüße,
eure Anne
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Fr 20. Mai 2016, 00:36
von Anne1986
Versprochen ist versprochen - auch wenn ich noch nicht dazu gekommen bin, die CD ein zweites Mal anzuhören!

Der Opener "So viele Sommer" gefällt mir sehr. Da schließe ich mich ganz meinen "Vorschreibern" an.
Zu dem Lied "Im goldenen Hahn" habe ich beim ersten Hören noch keinen Zugang gefunden - soll aber nicht heißen, das ich es nicht mögen werde!
Bei "Dr. Brand" sind mir gleich mehrmals die Tränen der Rührung gekommen - wahrscheinlich, weil ich auch einige gute Lehrer gekannt hab, die von ihren Schülern ziemlich fertig gemacht wurden, dann fühlte ich mich auch an meine eigene Hilflosigkeit vor der Klasse im Ref erinnert, und der Schluss...irgendwie eine nachträgliche (und hoffentlich nicht zu späte!) Anerkennung eines "stillen Helden".
"Herr Fellmann, Bonsai und ich" ist für mich ein Lied aus dem Leben, und dabei eines, was gut tut. Mir kamen gleich wieder einige Momente und Dialoge aus meiner Zeit als Praktikantin im Seniorenheim in den Sinn... von der Schwierigkeit, eine ältere Dame davon abzuhalten, abzuhauen, und ihr verständlich zu machen, dass sie leider nicht daheim bei Mutti in Erfurt sei... von den tollen Geschichten und dem gemeinsamen Singen und meiner langjährigen Freundschaft zu Frau Biernath... von Sprüchen der Klage, die aber irgendwie auch lustig klangen: "Rheinbach ist nicht das Schönste - kein Kaufhof und nix!" Oder: "Und ich habe das gewollt, und die haben mir das nicht gegeben... - "Was wolltest du denn, dann sagen wir Bescheid oder geben es dir jetzt gleich!" - "Ich wollte ... NONNENSAFT!" (Das Rätsel dürft ihr jetzt selbst lösen!

). Darüber könnte man echt auch ein eigenes Lied schreiben!
"Lucky Laschinski" mag ich, gerade weil Tiere es meistens bei den Menschen am nachhaltigsten schaffen, sie zu mögen, die sie vorher erst gar nicht im Haus haben wollten!
Das Video hab ich zwar noch nicht gesehen, aber "Mr Lee" hat mir gefallen und ich glaube, ich habe beim ersten Hören viele der Andeutungen verstanden (kann aber natürlich auch daran liegen, dass hier darüber geschrieben wurde - wobei ich die Kommentare bis dato nur überflogen hatte, um mir selbst ein Bild machen zu können!)
"Wenn's Wackersteine auf dich regnet" könnte mein Motto-Song für die Fahrschule werden - so quasi als "Gib nicht auf, du kannst zwar überhaupt noch nicht vernünftig rückwärts einparken, aber immerhin hast du diesmal das Auto nicht beim Abbiegen mitten auf der Kreuzung abgewürgt!"

Langsam wird's besser, aber es ist noch ein langer Weg, Licht am Horizont lässt sich erst erahnen!
Genauso wie das vorherige Lied würde ich "Wenn Hannah lacht" zu meinen Lieblingsliedern zählen. Ich hab die Pointe nicht vorausgesehen, fand es aber unheimlich schön, dass die Begegnung am Ende stattfindet...
Bei "Hörst du, wie die Gläser klingen" hatte ich erst mal einen Kloß im Hals - aber traurige Erinnerungen gehören eben auch zum Leben dazu!
"Wenningstedt Mitte" sorgt dafür gleich mehrmals zum Schmunzeln, und ich mag die kleinen Details und Beobachtungen, die Wortspiele...
Mit "Heimweh nach Berlin" kann ich mich wenig identifizieren, weil ich einfach keine Großstadtpflanze bin. Also, ich vermisse Köln kein Stück und bin froh, nicht mehr dort zu wohnen. Aber ich bin eben dort nicht aufgewachsen... na ja, und über die Jahre hab ich irgendwie mehrere "Zuhause"- Orte!
- wie ja auch z.B. Amrum! Von daher ist "Haus am Meer" mir "näher".
Durch die Diskussion hier im Forum war ich bei "Solange schon" auf einiges gefasst. Das Lied hat mich aber kein bisschen verstört, ich empfinde es sogar eher als tröstlich, weil lebensbejahend. Es vermittelt Gewissheit, dass der Mensch, den man verloren hat, immer noch seinen festen Platz im Leben seiner Lieben hat, dass er in ihnen weiterlebt. Das schmerzliche Vermissen gehört dazu, aber auch die gemeinsamen Erinnerungen... Ich empfinde es als eine gute Art, mit solch einem Schicksalsschlag umzugehen. Und es geht nicht zu sehr ins Detail, als dass ich das Gefühl bekäme, das Lied dürfte nur der engste und vertrauteste Kreis anhören...Auch hier fühlte ich mich an eine eigene Begebenheit aus meinem Leben erinnert: Als der (erwachsene) Sohn einer guten Freundin plötzlich starb, während sie im Urlaub war und nichts von seiner desolaten Gesundheit ahnte! Ich bin dem jungen Mann vielleicht ein oder zweimal kurz begegnet, kannte ihn also kaum. Aber mit meiner Freundin habe ich schon ziemlich stark mitgefühlt. Bei einem späteren Besuch bei ihr holte sie dann einige Fotos, auch von ganz früher, hervor, um sie mir zu zeigen. Ich glaube, das hat ihr gut getan, und das ist auch die Grundstimmung, die das Lied - für mich ganz persönlich! - vermittelt.
"Zeit zu leben" gibt mir zu denken und geht mir zu Herzen. Da steckt viel Wahrheit drin und einiges, was auch auf mich zutrifft.
"Lavenders Blue" ist eine Überraschung - schön, ein Duett mit seiner Tochter!
Ich weiß, gerade die letzten Lieder bekommen jetzt nicht viel Aufmerksamkeit, aber langsam werde ich echt müde... und schließlich geht es morgen/heute Mittag auf nach Hamburg!
Also, gute Nacht, Freunde! Und bis bald beim Liedertreffen!
Eure Anne
Mr. Lee (VÖ 06.05.2016)
Verfasst: Mi 29. Jun 2016, 18:59
von Helmut
So, jetzt hab ich mir die CD auch anhören können. Ich hab die Texte mitgelesen und eure Kommentare zu den einzelnen Lieder (besonderer Dank an Marc und Michael) durchgelesen.
Eine gute CD, ohne Zweifel, seine deutlichen Worte, seine einfacher gestrickten Verse, sein einfacheres Arrangement seiner früheren Lieder haben mir jedoch besser gefallen.
Nachdem ich auf "dann machs gut" mit kaum einem der Lieder etwas anfangen konnte, hab ich hier doch das eine oder andere entdeckt, das mich berührt. Dazu gehört "So viele Sommer", "Dr. Brand" und "Wenn Hannah lacht", mit Abstrichen "Wenningstedt" und "Heimweh nach Berlin"
Manche seiner neueren Lieder erinnern mich an ältere z.B. "Hörst du wie die Gläser klingen" und "Gute Seele" oder auch "Mantel" und "Kinderhosenballade" und da geb ich jeweils dem älteren Lied den Vorzug.
Zur nächsten Tournee wird ich wieder meine Tochter schicken.