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Für diejenigen, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden!

Verfasst: So 18. Sep 2005, 09:25
von Nordlicht
Liebe Marianne !
Ich muß, leider, hier mal einen kleinen Break in die inzwischen weitergelaufene Diskussion einfügen, aber ihr wißt ja: die Zeit ist meist ein knapp bemessenes Gut, auch bei mir. Deswegen komme ich erst jetzt zu einer Antwort... Also:
Lieber Andreas,
dass überzeugt mich überhaupt nicht.
Zitat:
Keinen Pfennig des Arbeitgeberbeitrags zahlt der Arbeitgeber. Den Arbeitgeberbeitrag zahlt der Arbeitnehmer, genauso wie der Arbeitnehmer seine Steuern, Mieten, Zinsen, Hypotheken zahlt; die nach dem deutschen Sozialrecht zur Hälfte von den Arbeitgebern zu tragenden Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungsbeiträge ihrer Beschäftigten sind ein reiner Taschenspielertrick.

"Taschenspielertrick". Ich würde eher den Text als Augenwischerei betrachten.

Ich kann Dich nicht dran hindern, es so zu betrachten, wie Du möchtest. Tatsache aber ist: Wenn ich Dich einstelle, dann kostest Du mich etwas (rein als Arbeitnehmer). Dein Netto ist, sagen wir, 2000, meine gesamten Aufwendungen betragen, sagen wir, 4500. Punkt. Du kostest mich ergo 4500. So, wie und wohin ich die nun zahle, ist mir im Wesentlichen völlig Latte. Und insofern hat der Autor der von mir zitierten Zeilen recht. Gleichgültig, ob Du nun überzeugt bist oder nicht. Und da hilft Dir auch der Hinweis auf "Augenwischerei" nicht. Die betreibt nämlich eigentlich der Gesetzgeber, wenn er einen Teil der Aufwendungen, die ich als AN selber tragen muß, als "Arbeitgeberanteil" verhöhnt.
@ Tina:
Deiner Meinung, daß der Arbeitgeberanteil in der Realität vom Arbeitnehmer getragen wird, kann ich mich nicht anschließen. Auch der von Dir zitierte Herr Prof. Dr. Walter Krämer, den ich zudem recht kritisch betrachte (wenn Du magst, erkläre ich Dir gern mal in einer PN, warum das so ist, hat was mit dem Sprachenthema zu tun), vermag mich mit seinem Artikel nicht zu überzeugen; ich schließe mich da fille an, der Text ist Augenwischerei.

Tja, das mit der Meinung ist schlicht Pech, oder ? Und ich kann selbstverständlich alles und jeden, selbst Herrn Krämer, diskreditieren, wenn ich seine Meinung nicht nachzuvollziehen in der Lage oder nicht Willens bin. Für mich ist das auch völlig wertungsfrei zu betrachten: Was der Krämer da sagt, ist ja, bei logischer Betrachtung, Fakt. Keine Meinung. Insofern kann ich Dein (bzw. Euer) Mißtrauen überhaupt nicht teilen, ja, nicht einmal verstehen. Aber das mag ja auch an mir liegen...
Dennoch liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der trotzdem aus tiefstem Herzen hofft, daß Angie und Edi heute kräftig auf die Schnauze fallen...)

Für diejenigen, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden!

Verfasst: So 18. Sep 2005, 11:45
von migoe
Ich wollte zu dieser Diskussion eigentlich keinen eigenen Kommentar abgeben, warum werde ich in wenigen Worten nicht mitteilen können, deshalb lasse ich die Begrüdung weg!
Dennoch ein kurzer Hinweis/Einwurf zu dem was Andreas schrieb:
Andreas schrieb:
Letztlich aber ist es doch so, daß sowohl der Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberbeitrag zur gesamten Sozialversicherung nur von einem einzigen gezahlt wird: vom Arbeitnehmer nämlich. Denn der Arbeitgeberbeitrag ist ja kein Betrag, den der Arbeitgeber zusätzlich zum Lohn aufbringen muß. Er ist von vornherein Teil des Gesamtlohns, also der gesamten Aufwendung.

So einfach ist es leider (und wahrscheinlich nicht überraschend) in Deutschland nicht - und es wird nur wenig Arbeitgeber geben, die das so sehen, wie Du es hier darstellst. Wie so oft, wenn man theoretische Ausführungen von "Wissenschaftlern" (die Anführungszeichen sind nicht bewertend gemeint, sondern sollen alle in den letzten Monaten anführten Expertenmeinungen zusammenfassen) in Argumentationen packt fehlt es leider oft an der praktischen Beweisbarkeit solcher Behauptungen/Gedanken/Wunschvorstellungen. Man ist allzuleicht bereit solche logisch klingenden Argumente zu glauben, ohne sich selber damit zu beschäftigen, wie die Realität aussieht.
Ich bin durch meine Position im Geschäft häufig mit der Frage konfrontiert, wie wir Personalkosten sparen können - wie jeder andere Händler auch! EINE Möglichkeit, Geld zu sparen, ohne das es Nachteile für die Firma UND den Arbeitnehmer hat ist z.B. der Wechsel der Krankenversicherung. Der Anteil, den der Arbeitnehmer von seinem Netto zahlen muß ist nämlich genauso groß wie der Anteil des Arbeitgebers - und jeder ist froh, wenn in diesem Zusammenhang einige Euros (teilweise im Jahr mehrere Hundert!) gespart werden können.
Es ist nicht so, daß dem Arbeitgeber egal ist, wieviel Abzüge der Arbeitnehmer hat, denn wenn die Tarifparteien verhandeln, dann interessiert der Bruttolohn insoweit, daß er soweit erhöht werden muß, wie der Nettolohn durch Abzüge geschmälert wird. So gesehen wäre eine Ansicht wie Du sie transportierst mehr als naiv und an der Realität weit vorbei.
Natürlich ist es mir als Arbeitgeber NICHT egal, wieviele Abzüge mein Mitarbeiter hat, denn der ist dann motiviert, wenn ihm möglichst viel von dem bleibt, was oben auf dem Lohnzettel ausgewiesen wird. Es ist einfach nicht in Ordnung, wenn (wie in Deinem Beispiel) bei 4500,- Euro Bruttolohn am Ende nur 2000,- Euro aufs Konto wandern!
migoe, der sein Wahlrecht vor wenigen Minuten in Anspruch genommen hat und nun interessiert auf den Abend wartet...

Für diejenigen, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden!

Verfasst: So 18. Sep 2005, 14:41
von Nordlicht
Hallo, migoe !
Ich weiß, daß das alles ein wenig so aussehen mag, wie eine Diskussion um des Kaisers Bart, dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - "verbeiße" ich mich in sowas ziemlich leicht. Und wenn Du schreibst
Natürlich ist es mir als Arbeitgeber NICHT egal, wieviele Abzüge mein Mitarbeiter hat, denn der ist dann motiviert, wenn ihm möglichst viel von dem bleibt, was oben auf dem Lohnzettel ausgewiesen wird.

dann ist das im Hinblick auf die Motivation ganz sicher richtig. Und da wäre der Wechsel der Krankenversicherung sicher ein guter und auch gangbarer Weg. Nur: um die Mitarbeitermotivation geht´s ja letztlich nicht. Nur um die Begriffsverwirrung bei "Arbeitgeber"- und "Arbeitnehmer- Anteil". Und da ist es, ganz sachlich betrachtet, wirklich so: Einen "Arbeitgeber- Beitrag", also eine Summe, die der Arbeitgeber aus eigener Tasche zusätzlich irgendwohin überweist, den gibt es nicht, er ist per se Bestandteil des Brutto- Lohns. Und wenn es dem Arbeitgeber "egal" ist, wohin er welchen Anteil der Brutto- Summe unter welcher Bezeichnung überweist, dann bedeutet das nur, daß es für ihn wirklich keine Rolle spielt - alles, was er für seinen Arbeitnehmer aufwendet, ist eine Gesamtsumme, so hoch oder nieder sie nun auch sei. Unbestritten ist, daß es den Arbeitgeber Geld kostet, einen Arbeitnehmer zu beschäftigen. Und unbestritten wäre es, von den volkswirtschaftlichen Auswirkungen einmal ganz abgesehen, das Beste, wenn Brutto gleich Netto wäre. Da könnte man dann den Begriff "Bürgergeld" in die Diskussion einbringen, aber das würde in diesem Rahmen sicherlich zu weit führen.
Man ist allzuleicht bereit solche logisch klingenden Argumente zu glauben, ohne sich selber damit zu beschäftigen, wie die Realität aussieht.

Ich weiß ja nun gar nicht, wen Du hier mit "man" meinst - wobei, dies nur nebenbei, mein Deutschlehrer stets zu sagen pflegte "Das unpersönliche 'man' sollte man grundsätzlich vermeiden !" -, aber diesen Schuh bin ich nicht bereit, mir anzuziehen. Zum einen hege ich erhebliches Mißtrauen, auch und gerade gegen "Wissenschaftler". (Ich weiß, man hat mir hier schon "Wissenschaftsgläubigkeit" unterstellt, aber die Meinung war wohl mehr von persönlicher Animosität als von Wissen oder gar Erfahrung geprägt, insofern ist sie für mich bedeutungslos.) )Zum anderen kenne ich die Materie schon, schließlich bin ich selber sog. "Kaufmannsgehilfe", sprich: Einzelhandelskaufmann, und aus meiner Lehrzeit ist auch das eine oder andere aus der Personalverrechnung noch hängengeblieben. Ergo: Dieses "man" kann ich nicht sein.
So, und nun werde ich mal das Internet durchforsten, um festzustellen, wer Euch "Piefkes" in Zukunft regiert...
:-D ;-) :-D ;-) :-D ;-)
Liebe Grüße aus einem rein wettermäßig trostlosem Linz,
ANDREAS.

(...der heute in der hiesigen Presse gelesen hat, inwieweit das Wahlergebnis Auswirkungen bis hierher haben wird...)

Für diejenigen, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden!

Verfasst: So 18. Sep 2005, 15:06
von Skywise

migoe schrieb:
Ich bin durch meine Position im Geschäft häufig mit der Frage konfrontiert, wie wir Personalkosten sparen können - wie jeder andere Händler auch!
Pssst, migoe!
Bevor Tina kommt und wieder was sagt - selbst, wenn alle deutschen Chefs und auch die regierenden Dam- und Herrschaften davon sprechen, "Kosten zu sparen", ist diese Floskel trotzdem nichts weiter als eine leere Worthülse, denn: Kosten kann man nicht sparen, das gibt sowohl grammatikalisch wie auch betriebs- bzw. volkswirtschaftlich keinen Sinn. Man kann Kosten senken, reduzieren oder sich Kosten ersparen, nur - das mit dem Sparen, das klappt nicht.
Leiser Gruß
Skywise

Für diejenigen, die noch nicht wissen, wen sie wählen werden!

Verfasst: Mo 19. Sep 2005, 18:41
von Agrippina

Bevor Tina kommt und wieder was sagt (...)

Pssst, Sky!
Dazu sach ick jetzt nüscht mehr, da applaudiere ich nur noch ...! :-D
Klappehaltenderweise
Tina