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Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 21. Mär 2023, 13:16
von martin coulmann
Hallo zusammen,

hat jemand von Euch Lust, mit uns zu teilen, was für Gedanken hinter seiner Signatur in diesem Forum stecken? Ich habe mich schon von vielen Signaturen von Euch inspirieren lassen.

Meine Signatur ist ein Auszug aus einem meiner letzten Lieder (Er ist kleiner als Du denkst)! Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen für diese Erde verzichtbar sind. Es liegt also an uns, ob wir uns uns mit unserer Umwelt endlich versöhnen, die wir schon so lange malträtieren. Das Bibelzitat "machet Euch die Erde untertan" wurde dabei sicherlich von dem einen oder anderen unserer Spezies als Einladung empfunden, diese Erde hemmungslos auszuschlachten. Das wird (natürlich) nicht ewig gut gehen!

Nun lasst es Euch aber gut gehen. Ich freue mich darauf, mehr von Euren Gedanken zu erfahren!

Schöne Grüße aus Hamburg

martin coulmann

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Do 23. Mär 2023, 15:10
von fille
Hallo Martin,

eine Geschichte gibt es eigentlich nicht. Oder vielleicht doch!

There is a crack in everything
That's how the light gets in

Leonard Cohen


Das ist nicht meine erste Signatur. Ich habe sie aber jetzt schon lange. Warum habe ich mich dafür entschieden?
Wie schon mal geschrieben, haben wir die Konzert-DVD von Leonard Cohen. Diese Zeile entstammt "Anthem". Und er hat
sie beim Konzert auch betont. Ich habe es sehr tröstend gefunden. Das Bild von Dunkelheit, vielleicht ein zugemauerter
Kerker oder auch nur ein Gefäß. Aber irgendwo kommt doch ein Licht her - durch einen Riss. Ich finde es sehr positiv, sich
vorzustellen, dass auch in schlimmsten (Terror)regimen, religiösem Wahn usw. vielleicht einer ausbricht und durch diesen
Riss Licht hereinkommt.

Früher hatte ich mal von Reinhard Mey "Irgendwo ist immer eine Schraube locker". Wie wahr! Er hat diesen Satz aber nicht
in diesem Sinn gesagt, sondern in der Kerner-Show erzählt, dass er in Hotelzimmern die Manie hat, mit seinem
Leathermantool alle Schrauben nachzuziehen. Das hat mir gefallen.

Liebe Grüße, Marianne

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Do 23. Mär 2023, 18:09
von Helmut
Lieber Martin

Auf meinem Bild siehst du 2 aufgeschnittene Halsbänder mit (fast allen) Namensschildchen meiner Liedertreffen. Auf den Bändern steht die Adresse des Forums, auf den Kärtchen steht neben dem Namen "LT". Als sich immer mehr Aktivitäten aus dem Forum auf Facebook verlagerten, machte ich auf einem LT den Aufruf "Vergesst nicht, das LT hängt am Liederforum." Genau dieses Zitat war danach lange Zeit meine Signatur.

Irgendwann entschied ich mich für 2 Zeilen von RM: "Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm!"
Ich finde, treffender kann man die Verhältnisse nicht in 2 Zeilen fassen. Als ich feststellen musste, dass diese Worte auch von Rechten missbraucht werden, hab ich ich mich für das aktuelle Signum entschieden.

Über die Gründe hab ich dir schon geschrieben. Vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass es mir dabei nicht nur um Religionskritik geht, sondern auch um die Anerkennung der (Natur-)Wissenschaften.

Welche Signaturen ich vor 2015 hatte, weiß ich nicht mehr. ich glaube, es waren verschiedene Zitate, die auch auf meiner HP zu finden sind. (jetzt bleibt dir wohl nicht anderes übrig, als die knapp 200 Seiten meiner HP durchzulesen)

Liebe Grüße bis dahin :flüchten:
Helmut

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Do 23. Mär 2023, 19:46
von martin coulmann
Hallo Helmut,

das ist nun schon die zweite Inspiration von dir! Ja, treffender kann man es nicht ausdrücken, schade dass es wieder einmal mißbraucht wird.
Helmut hat geschrieben: Do 23. Mär 2023, 18:09
"Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm!"
Was es mit den Liedertreffen auf sich hat, werde ich demnächst einmal genauer untersuchen.

Schönen Gruß aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Do 23. Mär 2023, 20:05
von martin coulmann
Liebe Marianne,

lieben Dank für deine Antwort. Leonard Cohen ist wohl der Künstler, dem ich mit seinen teils ambivalenten Texten am nächsten stehe. Ich habe so viel Inspiration daraus gezogen. Er spricht mich wirklich emotional ähnlich an wie dich! Dankeschön.

Schöne Grüße aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Fr 24. Mär 2023, 16:44
von Viktor
Hallo miteinander,

seit Jahren habe ich nur drei Punkte als Platzhalter in meiner Signatur, weil ich irgendwann einmal auf neue Inspiration gehofft habe, die nie kam.

In anderen Foren habe ich immer gern meine besuchten Konzerte des Jahres in kleiner Schrift aufgelistet, aber hier im Liedermacher-Forum ist die Zeichenbegrenzung viel zu knapp für solche Späße.

Ich glaube, in der Vergangenheit hatte ich hier manchmal Zitate antiker Dichter, Ovid oder Martial, vielleicht auch mal was Philosophisches von Cicero, dort stehen, ein kleiner Fingerzeig auf das, womit ich mich sonst so beschäftige.
Vielleicht kommt mir bald mal wieder etwas dieser Art in den Sinn.
Aber mit dem "politischen Forum", wo wir uns hier ja eigentlich befinden, wird es wahrscheinlich nichts zu tun haben.

Viele Grüße
Viktor

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Sa 25. Mär 2023, 17:47
von migoe
Hallo Martin,
martin coulmann hat geschrieben: Di 21. Mär 2023, 13:16
hat jemand von Euch Lust, mit uns zu teilen, was für Gedanken hinter seiner Signatur in diesem Forum stecken?
wenn Du schon so freundlich fragst. Meine Signatur hat quasi 2 Seiten:

Einerseits...
Sie lautet schlicht und einfach "Alles ist vorstellbar. Leider!" und spiegelt einerseits meine optimistische Grundhaltung, denn ich habe erstens die Welt bisher so erlebt, dass es möglich ist, alle realistischen (persönliche) Ziele zu erreichen, wenn man sich mit den Bedingungen und den Möglichkeiten beschäftigt, die es dazu braucht.

So habe ich in meinem Leben Ziele erreicht, die mir aufgrund meiner Biografie (Migrationshintergrund, Eltern sind mit 11 Kindern aus Rumänien nach Deutschland, mussten bei 0 anfangen, keine Ersparnisse, immer "zu wenig Geld" und kein hoher Bildungsgrad, dafür die Bereitschaft, hart für den Neuanfang zu arbeiten, klare Ziele und einen festen Willen) eigentlich unerreichbar erschienen. Da waren meine Eltern sicher das Vorbild, aber natürlich harte Arbeit, aber auch ein hoffnungslos naiver Optimismus sowie der Wille, niemals aufzugeben und natürlich: sehr viel Glück! :luck:

Zweitens habe ich mich an dem philosophischen Gedankenkonstrukt des modalen Realismus orientiert, der mir in den Anfängen der 2000er Jahre in der TV Serie Star Trek Raumschiff Voyager begegnet ist. In der Serie spielt der modale Realismus eine Rolle in einigen Episoden. Insbesondere geht es um die Idee der "Quantenrealität", die besagt, dass es unendlich viele parallele Universen gibt, in denen alles möglich ist. Dieser Gedanke lässt mich immer wieder über "Alternative Realitäten" nachdenken... meist im positiven Sinn.

In diesem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass ich die Faszination für solche Gedankenexperimente schon 1997 - nach dem Lesen des Buches Geschichte machen von Stephen Fry (den ich sehr schätze und seitdem jedes seiner Bücher gelesen habe!) - schon hatte, und durch die TV Serie wurde ich damit wieder konfrontiert.

Ich hatte auch schon einmal die Signatur Alles ist möglich!, die mir selbst aber letztlich zu "unerreichbar" klang und die ich deshalb durch Alles ist vorstellbar. ersetzte.

... und Andererseits
Vor ein paar Jahren, vermutlich in der Corona Pandemie Zeit habe ich meine ursprüngliche Signatur um den Begriff Leider! (bewusst mit Ausrufezeichen) geändert, was ja schon zeigt, dass irgendwie meine optimistische Grundhaltung "angeknackst" wurde.

Ich arbeite aber daran, den Knacks zu reparieren :winken:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 28. Mär 2023, 19:23
von Benutzer 298 gelöscht
Hallo Martin,
hinter:
"If you can't go outside - Go inside"

steckt eigentlich auch keine Geschichte. Ich fand den Spruch von Unbekannt während des Lockdowns irgendwo im Netz. Er sprach mir aus der Seele und ist selbsterklärend.

Grüße
:amori:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 28. Mär 2023, 21:12
von migoe
Liebe amori,
amori hat geschrieben: Di 28. Mär 2023, 19:23
Er sprach mir aus der Seele und ist selbsterklärend.
ich habe mir schon öfter überlegt, was genau dieser Ausspruch meint und bin mit ehrlicherweise nicht sicher, wie ich ihn interpretieren soll. Dachte wohl irgendwie, es handele sich um eine Art augenzwinkernder Bruder des berühmten Slogans der Douglas Drogeriekette "Come in and find Out" zwischen 2000 und 2004, der von vielen Menschen als "Komm rein und finde wieder heraus" oder so ähnlich übersetzt wurde und somit völlig missverstanden wurde - vielleicht dachte ich, das wäre genau dein Humor :sekt:

Der Hinweis auf die Zeit des ersten Lockdown lässt den Spruch natürlich in einem anderen Licht erstrahlen, vor allem hier in Bayern, denn wir durften ja noch nicht einmal gemeinsam draußen Spazierengehen, obwohl wir Zuhause natürlich 24/7 in den gleichen Räumen aufeinandergesessen sind :winken: aber das ist ein anderes Thema :pfeifen:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Do 30. Mär 2023, 22:27
von Benutzer 141 gelöscht
Lieber Martin,

Unglaublich, was es für Zufälle gibt im Leben. Ich hatte mich vorhin eingeloggt, um meine neue Signatur zu setzen und dann das – ein Thread über genau dieses Thema.


Also: Die Signatur, die bis eben noch in meinem Profil stand war ..

"Wenn Du einem Menschen die Musik lehren willst, dann vermittle ihm nicht Techniken und Wissen. Wecke in ihm die tiefe Sehnsucht, seine eigene Seele spüren zu können und das, was er findet, in Klang umzusetzen."

Dies spiegelt die Erfahrungen wieder, die ich dank meiner Flötenlehrerin im Unterricht machen durfte. Es hat schon fast etwas Katharsisches oder Therapeutisches an sich, wenn man entdeckt, was es erfordert, um Musik zu leben und nicht nur zu machen/zu musizieren, wenn Klang entstehen soll und nicht nur Töne. Das erfordert die Betrachtung und den Ausdruck der ganzen Seele. Nicht du spielst das Instrument, sondern das Instrument spielt dich. Und in – leider noch viel zu seltenen – Momenten, können Seele, Körper und Geist manchmal eine Einheit bilden. Erfahrungen, die ich nie vergessen werde und die sehr kostbar sind.

Alternativ hatte ich noch Formulierungen im Kopf wie: „Flötenspiel ist Atemmeditation mit Klang“ oder gar ...


Triggerwarnung für Helmut:

Der folgende Inhalt könnte Sie verstören, da hier Aussagen gemacht werden, die für manche Menschen aufwühlend und retraumatisierend sein können.


(Hach, wie ich diesen Hype um unnötige und neumodische Triggerwarnungen liebe ... :-D )


religiös formuliert: „Flötenspiel ist beten durch klingendes atmen“


Tja, und meine neue Signatur (guckst du unten) die mir heute morgen im Halbschlaf einfiel, dürfte wohl selbsterklärend sein.





Vielen Dank für das interessante Thema, Martin. Für Signaturen habe ich mich eigentlich auch immer interessiert, aber eher halbbewusst gelesen und drüber nachgedacht. Es ist irgendwie, wie mit Kleidung. Alles hat eine Aussage. Und selbst wer keine Signatur benutzt, sagt etwas aus. Wie heißt es doch in Paul Watzlawicks erstem Axiom? - „Man kann nicht nicht kommunizieren“

Liebe Grüße

Barde

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Fr 31. Mär 2023, 09:46
von Helmut
Lieber Michael

Wenn du mich schon konkret ansprichst, gehe ich davon aus, dass du eine Reaktion erwartest. Dazu fühl ich mich allein aus Freundschaftsgründen verpflichtet:

Zum Beten hab ich ein Zitat gefunden, das sich auch als Signatur eignen würde:
Beten heißt darum zu bitten, dass die Gesetze des Universums wegen eines einzigen, eingestandenermaßen unwürdigen Bittstellers außer Kraft gesetzt werden.
Ambrose Bierce
Ich gehe aber davon aus, dass du in deinem Zitat diese Art von Beten gar nicht gemeint hast. Ohne deinen Hinweis auf das Zitat hätte ich ohne Weiteres darüber hinweg gelesen. Wenn du aber drum bettelst ...

Nix für ungut
Helmut

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Fr 31. Mär 2023, 23:20
von Benutzer 141 gelöscht
Helmut hat geschrieben: Fr 31. Mär 2023, 09:46
Wenn du mich schon konkret ansprichst, gehe ich davon aus, dass du eine Reaktion erwartest. Dazu fühl ich mich allein aus Freundschaftsgründen verpflichtet:
Lieber Helmut,

momentan müsste ich wohl als Symbol für mich auch das kleine Teufelchen :teufel: wählen, das aber schon fast monopolartig dir zugeschrieben werden kann. :-) Ich frage mich selbst, warum ich gerade diesen Drang hin zu Sticheleien habe (oder wird's gar als Provokation empfunden?). Ich hoffe aber sehr, dass du es auch so verstehst, wie ich es mit deinen Äußerungen tue. Ich denke, das Forum braucht es, diese Äußerungen konträrer Art. Ich schätze dich und deine Beiträge und wenn du über das Ziel hinausschießt, sage ich es auch. Und andere treten mir dafür auf den Fuß, wenn ich über die Stränge schlage.

Das Forum ist ein Eintopf, in dem viele Zutaten von vielen Menschen eingebracht werden. Und jede Meinung, Wertvorstellung, jeder Gedanke oder unterschiedliche Position trägt zum Geschmack bei. Du und ich sind wohl Menschen einer Art, die gerne Gewürze mitbringen. Wir müssen natürlich aufpassen, dass wir z. B. die Suppe nicht versalzen, zuviel Pfeffer oder gar Chili reinschmeißen. Der Eintopf wird fade, wenn jeder nur gestampfte Kartoffeln reinschmeißt – ohne jeden Geschmack. Im Zeitalter der Einheitsmeinung ist trotzdem vieles erlaubt. Und so darf kräftig geheizt und gewürzt werden, wenn es z.B. um die Themen Impfen, Krieg, Gendern, Wokeness oder, in deinem Fall, um das Thema Religion geht.

Nein, gerade was religiöse Überzeugungen angeht, so darf man dies natürlich kritisieren – oder sagen wir besser, man muss es sogar äußerst kritisch hinterfragen. Die Kirche hatte eine jahrhundertalte Tradition damit, Menschen deiner Art als „Heizmaterial“ zu benutzen. Da es jedoch meist zwei Pole gibt, stelle ich mich auch mal gerne auf die andere Seite und bringe eine Gegenposition ein. Weil Clemens sich momentan nicht blicken lässt, bin ich jetzt mal der Aktionist für diese Seite.

Natürlich kommen mir jetzt auch andere Bilder in den Sinn, wenn ich den Vergleich mit dem Eintopf ziehe. Wie war das noch mit „Viele Köche verderben den Brei“? Oder: „Die Suppe ist versalzen, der Koch muss verliebt sein“ und gar als Paradoxon, „Kann es geschmacklos sein, wenn zuviel "Gewürz" eingebracht wird?“

Viele Bilder, viele Überlegungen.

Guten Appetit!

Und danach trinken wir in alter Freundschaft ein gutes Gläschen Wein. :wein:

Freue mich, wenn wir uns mal wieder sehen. Überhaupt vermisse ich ganz viele aus dem Forum.

Liebe Grüße

Barde :balkon:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Sa 1. Apr 2023, 09:09
von Helmut
Lieber Michael

Wenn man sich gegenseitig wertschätzt, kann man Sticheleien nicht nur ertragen, sie können auch die Beziehung festigen. Ich kann mich erinnern, als ich noch berufstätig war, hatte ich einen Kollegen, mit dem die Unterhaltung fast nur in diesem Stil abging. Als irgendwann mal unsere neue Chefin (ich halte sie immer noch für eine blöde Gans) ins Lehrerzimmer kam, schüttelte sie nach einer „Frozzelei“ entsetzt den Kopf und meinte: „Diese Wertschätzung.“ Sie hat nicht kapiert, dass es die gegenseitige Wertschätzung war, die diese Sprüche ermöglichten.

Das Teufelchen hat mir Doro präsentiert, als ich mir einen persönlichen Teufel wünschte. Ich hab ihn schon lange nicht mehr verwendet, weil er der allgemeinen Stimmung nicht mehr angemessen war. Wenn das Teufelchen dazu beiträgt, die alte Stimmung wieder zu beleben, erhebe ich keinen Monopolanspruch.

Wenn ich im Nachhinein überlege, was mich bewegt hat, reichlich Paprika in meinen Beiträgen zu verwenden, dann hat es meist nur einen Grund: Es wurde der Pfad der (natur-)wissenschaftlichen Erkenntnise verlassen. Und das ist bei der Religion der Fall, aber auch bei der Impfdiskussion, bei den Verschwörungswahnsinnigen, bei den Rechten und zur Zeit bei der FDP. Dann spiele ich gern das HB-Männchen, wie der eine Michael mal geschrieben hat, da wandle ich Wut in Spott, wie der zweite Michael mal gesungen hat und da versalze ich die Suppe, wie gerade der dritte Michael festgestellt hat.

In dem Zusammenhang liefere ich dir noch eine 3. mögliche Signatur: „Gott ist das Surrogat für fehlende Argumente. Helmut Pritschet"

Beim Gläschen Wein bin ich dabei. Schön wäre es, wenn es nicht nur beim wirrtuellen Wein im Duett bleiben würde.

Liebe Grüße
:teufel:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Sa 1. Apr 2023, 10:08
von Benutzer 141 gelöscht
Ja Helmut, so kenne und schätze ich dich – und vermisse dich auch (so wie ich viele andere ebenso gerne mal wieder persönlich sehen würde)

Was das Thema liebevolle Sticheleien angeht, so müssen Heike und ich heute immer wieder drüber lachen, was passierte, als wir Besuch von einer Person aus dem Forum bekamen, die die allermeisten von Euch gut kennen. Heike und ich lieben es zu frotzeln und uns gegenseitig auf den Arm zu nehmen. Da fliegen die Pfeile oft nur so hin und her. Tja, und nach drei Tagen war unser Besuch anscheinend so schockiert davon, dass diese Person eine Zeitlang im Dunstkreis des Forums verbreitete, wir stünden nahe vor der Scheidung.

Was das allgemeine Gesellschaftsklima angeht, so wird es mir langsam mulmig. Um beim „Eintopf"-Bild zu bleiben: Wir leben in Zeiten, in denen die Gefahr besteht, dass die Verwendung von „Gewürzen“ erst einmal abgesegnet werden muss. Lies dir mal diesen sehr interessanten Artikel durch, den ich heute morgen - mit Erschrecken – las.

RND: Worüber darf man lachen? Über Humor in woken Zeiten

Ein Beispiel daraus:

Ein britisch-russischer Komiker sollte für eine Unicef-Veranstaltung gebucht werden und hat abgesagt, weil er folgende Vereinbarung nicht unterzeichnen wollte.

„Durch die Unterzeichnung stimmen Sie unserer Nulltoleranzpolitik in Bezug auf Rassismus, Sexismus, Klassismus, Altersdiskriminierung, Ableismus, Homophobie, Biphobie, Transphobie, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie oder Antireligion und Antiatheismus zu.“


Die letzten zwei Punkte dieser Verbotsliste dürften wohl für uns in Bezug auf unsere letzten Kommentare von Belang sein. Da würde uns beiden jetzt das Gespräch, bzw. der Spott verboten werden, wenn wir so etwas unterzeichnen müssten.

Wir hatten uns in einem anderen Thread darüber ausgetauscht, wieviel Gedanken man sich wohl machen sollte, wenn es um diese Themen geht. Marc schrieb dazu, dass man es eigentlich nicht übertreiben kann, wenn man sich ständig prüft und über solche Dinge reflektiert, weil es wichtig ist.
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Korrektur (02.04.23): Folgende Stelle wurde von mir ersetzt.

(Leider, leider finde ich die Stelle nicht mehr und kann das nicht Zitat auffinden. Ich bitte dich um Entschuldigung, Marc, wenn ich deine darin enthaltene Intention nicht richtig wiedergebe. Vielleicht kannst du – oder migoe – es wieder aufspüren und den exakten Text nachträglich zitieren.)
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Nachtrag: Zwischenzeitlich hat migoe mir (blitzschnell) wieder helfen können. Die besagte Stelle war diese hier:
Marc hat geschrieben: Fr 20. Jan 2023, 18:58
. Das Nachdenken über einen respektvollen Umgang kann - für mich - per se nur richtig sein. Wie immer stellt sich die Frage: Mit wem spreche ich in welchem Kontext wie? Sprache ist situationsabhängig. Ich bin gegen Sprachnormierung, aber für Sprachsensibilität.
Nun, und warum erwähne ich dies? Ich habe Marc damals zugestimmt und festgestellt, dass sich meine Meinung dazu jedoch gewandelt hat. Nein, ich denke, es kann wirklich übertrieben werden - und es geschieht auch immer mehr, dass es zu regelrechten Exzessen kommt. Es gibt teilweise schon eine richtige Sucht von Menschen irgendwelche Formen von Diskriminierungen zu finden. Wenn kein Aufregerthema gefunden wird, dann interpretiert man gerne etwas um. Hauptsache, es gibt ein neues Thema und eine neue Aufgabe „für Minderheitenschutz“ einzutreten.

So, für heute mache ich Schluss und beschäftige mich damit, für meine Alte Möbel aufzubauen, weil sie als Frau dafür nicht das Verständnis, die handwerklichen Fähigkeiten und die Kraft hat. Du weißt ja Helmut, wenn die Weiber versagen, müssen doch wieder wir Männer ran. *

* Wer hinter diesem Satz Sarkasmus und Ironie vermutet, hat verdammt recht damit.

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Sa 1. Apr 2023, 14:47
von fille
Barde hat geschrieben: Sa 1. Apr 2023, 10:08
So, für heute mache ich Schluss und beschäftige mich damit, für meine Alte Möbel aufzubauen, weil sie als Frau dafür nicht das Verständnis, die handwerklichen Fähigkeiten und die Kraft hat. Du weißt ja Helmut, wenn die Weiber versagen, müssen doch wieder wir Männer ran. *
Und ich alte weiße Frau beute in dieser Hinsicht Männer jeden Alters und jeder Hautfarbe gerne aus. :-D (Vielleicht für ein warmes Essen?)

Liebe Grüße, Marianne

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Sa 1. Apr 2023, 18:28
von martin coulmann
Hallo ihr alle,
melde mich von Dänemark mit meiner Familie zurück in Hamburg. Dort hatte ich während der vielen Gespräche und Spaziergänge keine Muße für das Forum. Nun habe ich eure Beiträge schon mal gelesen und mich angesichts der höchst interessanten Gedanken gefreut, dieses Thema angeregt zu haben. In den nächsten Tagen werde ich ein neues Thema aufwerfen, über das sich in der letzten Woche interessante Gespräche entwickelt hatten.

Schöne Grüße aus Hamburg

martin coulmann

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: So 2. Apr 2023, 02:52
von Benutzer 141 gelöscht
fille hat geschrieben: Sa 1. Apr 2023, 14:47
Und ich alte weiße Frau beute in dieser Hinsicht Männer jeden Alters und jeder Hautfarbe gerne aus. :-D (Vielleicht für ein warmes Essen?)
Das warme Essen bekam ich dann heute auch von ihr. Und der Aufbau des Sofas hat sich wirklich gelohnt, herrlich wie dekadent und bequem es sich jetzt faulenzen lässt.

Marianne, bei deiner Bemerkung fiel mir noch eine lustige Begebenheit ein, die ich mit meiner großen Jugendliebe erlebte. Sie war im Grunde genommen schon sehr feministisch orientiert. Lachend denke ich noch an den Tag zurück, als sie jedoch sagte "Feminismus hin oder her, scheiß drauf - Du reparierst mir jetzt mein Fahrrad und ich koch dir was. Ich hab überhaupt keinen Bock drauf, das selbst zu probieren" ;-)

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: So 2. Apr 2023, 18:31
von martin coulmann
Lieber Barde,

die letzten beiden Punkte "Antireligion" und "Antiatheismus" könnte ich auch nicht unterschreiben, da ich denke, religiöse Menschen müssen auch "Mohammedkarikaturen" aushalten können, ohne gleich die Kalaschnikow in die Hand zu nehmen.
Barde hat geschrieben: Sa 1. Apr 2023, 10:08
Die letzten zwei Punkte dieser Verbotsliste dürften wohl für uns in Bezug auf unsere letzten Kommentare von Belang sein. Da würde uns beiden jetzt das Gespräch, bzw. der Spott verboten werden, wenn wir so etwas unterzeichnen müssten.
Liebe Grüße aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: So 2. Apr 2023, 19:21
von migoe
Lieber Barde,

ich muss hier nochmal kurz "nachhaken", weil mir nicht genau klar ist, WAS jetzt konkret Dein Argument ist und auch, was Du meinst, wenn Du schreibst, Du hättest Marcs Aussagen früher zugestimmt, jetzt aber nicht mehr? Was hat sich seitdem geändert, bzw. welche "neuen" Gedanken sind Dir dazu gekommen?

In Deinem Beitrag schreibst Du unter anderem:
Barde hat geschrieben: Sa 1. Apr 2023, 10:08
Ein britisch-russischer Komiker sollte für eine Unicef-Veranstaltung gebucht werden und hat abgesagt, weil er folgende Vereinbarung nicht unterzeichnen wollte.

„Durch die Unterzeichnung stimmen Sie unserer Nulltoleranzpolitik in Bezug auf Rassismus, Sexismus, Klassismus, Altersdiskriminierung, Ableismus, Homophobie, Biphobie, Transphobie, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie oder Antireligion und Antiatheismus zu.“

Die letzten zwei Punkte dieser Verbotsliste dürften wohl für uns in Bezug auf unsere letzten Kommentare von Belang sein. Da würde uns beiden jetzt das Gespräch, bzw. der Spott verboten werden, wenn wir so etwas unterzeichnen müssten.
Ganz konkret gefragt und wirklich ernst gemeint: welche Gründe gäbe es noch, außer die freundschaftlichen Sticheleien innerhalb von Freundesgruppen oder Partnerschaften, die Du ja schon erwähnt hast, ganz allgemein, um andere (also fremde) Menschen durch rassistische, sexistische, klassistische, ableistische, homophobe, biphobe, transphobe, fremdenfeindliche, islamophobe, antireligiöse oder antiatheistische Weise zu verletzen? Das ist aber wirklich keine persönliche Frage an DICH, sondern, diese Frage sollte sich grundsätzlich jeder Mensch stellen BEVOR er oder sie sich entsprechend "witzig" äußert.

Ich stimme Marcs Ausführung vollständig zu und wundere mich, warum Du es nicht (mehr) so siehst, obwohl Du ja offensichtlich schon einmal anders gedacht hast.

Um es dennoch klar zu sagen: Für mich persönlich gibt es für Humor keine Grenzen, es kann sich meinetwegen über alles und jeden lustig gemacht werden. Grundsätzlich. Das ABER sehe ich lediglich in der Einschränkung, dass es sehr wohl wichtig ist, sich stets über die Situation und den "Adressaten" bewusst zu sein. Z.B. kann ich persönlich sehr gut über Filme wie Das Leben des Brian lachen, akzeptiere aber, wenn Menschen sich verletzt fühlen durch diesen Film und sich wünschten, diese Art von Humor gäbe es erst gar nicht.

Ich finde, beides ist möglich und es sollte möglich sein, eine Regelung zu finden, die sowohl diejenigen berücksichtigt, die gerne über Sarkasmus und Ironie lachen, ohne diejenigen vor den Kopf zu stoßen, die damit einfach nix anfangen können. Mein Recht auf freie Entfaltung bedeutet ja nicht zwangsweise, dass jedem anderen gefallen muss, was mir gefällt. Meine Mutter wäre zum Beispiel sehr in ihrer religiösen Entfaltung verletzt, wenn ich mit ihr einen Filmabend machen würde und darauf bestünde, eben diese Monty Phyton Satire zu schauen.

Zurück zum britisch russischen Komiker: ich kann verstehen, dass er aufgrund seiner eigenen Biografie bei solchen Vertragsklauseln sensibel ist und bei ihm die "Angst" mitschwingt, es zögen wieder die alten finsteren Zeiten der politisch motivierten repräsalen Zensur in der Gesellschaft ein. Diese Gefahr sehe ich aber nicht, sondern möchte im Gegenteil alle bitten, sich dahingehend zu hinterfragen, ob es sich bei der eigenen Aversion gegen die sogenannte "political Correctness" nicht auch um eine überzogene Erwartung an einen eingebildeten Freiheitswahn Handeln könnte.

Ein Beispiel dafür, was ich meine, ist die Erwartung von Menschen, die für sich selbst ein Recht auf "absolute Meinungsfreiheit" pochen und dann selbstverständlich damit auch meinen, sich über die religiösen Einstellungen, Bräuche und Traditionen von anderen Menschen lustig machen zu dürfen, selbst aber nicht bereit sind, sich offen und respektvoll gegenüber Religionen (allgemein) zu verhalten. Zumindest ich empfinde es als teilweise respektlos, wie zB über Rituale und Traditionen von Religionsgemeinschaften gespottet wird.

Allerdings gebe ich zu, dass es unglaublich schwierig ist, hier eine Position zu finden. Ich persönlich verurteile niemanden, der sich zB einer bestimmten Religion zuordnet. Meine Erwartung an alle Menschen ist jedoch stets die Gleiche:
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Siehe dazu zB auch studyflix.de (Kategorischer Imperativ (Kant)...
Ja, mit ist klar, dass Immanuel Kant als ziemlich humorlos und ernsthaft bezeichnet wird. Nein, ich möchte niemandem den Spaß verderben, im Gegenteil, Spaß und Freude ist essentiell für uns Menschen, um glücklich sein zu können. Der eigene Spaß ist aber vielleicht auch möglich, ohne andere bewusst zu verletzen. Wer sich dieses Recht herausnimmt, muss halt auch mit der Reaktion leben (nein, damit meine ich nicht eine Lösung oder Schlimmeres!)

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 00:05
von Benutzer 141 gelöscht
Lieber migoe,

das ist ein sehr schönes Beispiel, das du mit Monty Pythons Film herangezogen hast. Genau dies befürchte ich: Dass irgendwann Filme nicht mehr gezeigt werden, weil sie sich über Dinge lustig machen. In diesem Falle allerdings würde dies eher nicht passieren, weil deftiger Spott an der Kirche und über die Religion in der woken, linken Szene toleriert wird. Die Empfindlichkeiten der Christen werden schon lange nicht mehr ernst genommen. Christen werden eher heutzutage exkludiert. Ein ähnlich gestalteter Film, der Mohammed durch den Kakao ziehen würde, wäre hingegen gar nicht vorstellbar. Da wiederum würden linke Gruppierungen massiv ihr Veto erheben, weil es als Islamophobie betrachtet werden würde. Selbst wenn dieser Film die gleiche humoristische Qualität wie "Das Leben des Brian" hätte.

Meine Kulturkritik richtet sich per se eigenlich nicht gegen die spezielle politische Einstellung der "Sensiblen", sondern gegen deren Methodik, die übrigens auch die Rechte betreibt. In Amerika, mit einem sehr hohen Anteil an Evangelikalen und Radikalfundamentalisten, mischen die Ultrachristen sehr kräftig im beliebten Spiel, "Hilfe, Hilfe, das verletzt mich oder andere - es gehört verboten" mit.
Ein aktuelles Beispiel liefert die Kündigung einer Lehrerin in den USA, die ihren Sechstklässlern im Kunstunterricht die Marmorstatue des David von Michelango auf Bildern gezeigt hat. Sie musste gehen, weil sie damit angeblich gegen eine Vereinbarung verstieß, die besagte, dass bei kontroversen Themen erst eine Erlaubnis eingeholt werden muss, bevor dies Thema im Unterricht behandelt werden darf. Natürlich rechnet keiner damit, dass das Marmorpimmelchen der weltberühmten Statue ein kontroverses Thema sein könnte. Doch - oh Erstaunen - drei Eltern hatten sich fürchterlich darüber aufgeregt, dass 6.-Klässler indirekt mit einem Marmorpenis konfrontiert werden. "Pornographie" im Kunstunterricht - oh Gott hilf. Sie kam ihrer Entlassung noch zuvor, in dem sie selbst kündigte.

Skurrile Posse an US-Schule: Ist Michelangelos „David“ Pornografie?

Armer Michelangelo, der wurde eh schon zu Lebzeiten immer wieder damit gequält, wenn er den Menschen so malte, wie er halt aussieht. Sein berühmtestes Gemälde "Das jüngste Gericht", sollte sogar wieder abgeschlagen werden, da zuviel Nacktheit zu sehen war. Ein anderer Maler musste dann im Auftrag der "sensiblen" und empörten Geistlichen Unterhosen über Geschlechtsteile malen. Dies wurde nie zurückgenommen und seither bekommen die Kunstinteressierten nur die zensierte Version des Gemäldes zu sehen.

Zitat aus https://www.textlog.de/10526.html

- Michelangelo- Sixtinische Kapelle: Das jüngste Gericht

Die Nacktheit fast aller Gestalten des Bildes hat schon bei Lebzeiten des Künstlers Anstoß erregt. Papst Paul IV. wollte es herunterschlagen lassen, und unterließ es nur, weil Daniel da Volterra sich dazu hergab, die auffallendsten Blößen mit Gewändern zu bedecken, was ihm den Spottnamen des Hosenmachers zuzog.


Die Kirche hatte über Jahrhunderte hinweg die Tradition, Werte und Moral zu bewahren, in dem sie sehr sensibel war - und gleichzeitig radikal-unmenschlich. Nun ist diese Institution in Europa am Absterben und die linke Szene baut jetzt ihre Art der Inquisition auf. Es hat schon quasi religiöse Anstriche, wie manche Protagonisten, mit hehren Moralvorstellungen, die im Grunde genommen ja richtig sind, aus Übereifer Zensur und Repression aufbauen wollen.

Und auch Hexenverfolgung gibt es wieder. Eine regelrechte Hexenjagd findet auf J.K.Rowling statt - und dies von beiden Lagern. Die Linken hassen sie, weil sie ihr Transfeindlichkeit unterstellen und die Rechten sorgten dafür, dass in einigen amerikanischen Bibliotheken ihre Bücher entfernt wurden, weil das Lesen von Harry Potter-Büchern als Werbung für Okkultismus und Satanismus verstanden wird. Die Kinder müssen vor so etwas geschützt werden. Hexenjagd passt als Wort - welch Paradoxon - wirklich wie die Faust aufs Auge auf das, was mit der Schöpferin einer ganzen Welt von Zauberern und Hexen geschieht. Heutzutage brennen die Scheiterhaufen jedoch digital und löschen bürgerliche Existenzen aus.

Ja, man kann's wirklich übertreiben mit der Sensibilität. Ich kann vieles nicht mehr nachvollziehen und schon gar nicht in dem Chor der Sensiblen mitsingen. Ich kann nicht froh darüber sein, dass die Kirche die Gläubigen nicht mehr mit Repression überziehen kann, wenn andere Gruppierungen den Staffelstab beliebig aufnehmen und das Spiel weiterspielen wollen.

Wieder ein tagesaktuelles Beispiel:

In der Tagesschau wurde von gebärenden Personen gesprochen, weil die Bezeichnung Mutter angeblich diskriminierend sein soll.* Diskriminierend? Da frage ich ganz ernsthaft: Wie lange wollt ihr diese Spiele noch treiben? Ja, man kann es mit dem Nachdenken über angebliche Diskriminierung wirklich übertreiben.
*Die Tagesschau hat übrigens diese Formulierung geändert und ist schnell zurückgerudert. Wer ein Kind bekommt, darf wieder Mutter genannt werden. Seltsam, dass sogar Selbstverständlichkeiten wieder erstritten werden müssen.

Eine wirklich große Gefahr sehe ich darin, dass die Bauernfänger der AfD solche Lächerlichkeiten zum Anlass nehmen und alles diskreditieren. Dann werden auch wirklich wichtige Themen negativ konnotiert, weil im Wust der Übertreibungen die wirklichen Notwendigkeiten untergehen. Reale stattfindendende Diskriminierungen, bzw. der wichtige Hinweis darauf, wird von anderen - überflüssigen - Diskussionen zugekleistert und geht damit im Rauschen der stetig heranrollenden Empörungswellen unter. Wer diese neumodischen Übertreibungen erlebt, läuft Gefahr alles nur noch als lächerlich zu betrachten, was aus dem linksliberalen Lager kommt - auch Themen wie die Bekämpfung des Klimawandels, der uns wirklich existentiell bedroht. So nach dem Motto: Die kann man doch mit allem nicht ernst nehmen, bei dem Quatsch, was die verzapfen.

Und eine ebenso große Gefahr liegt in der Tatsache, dass der zwanghafte Drang alles inkludieren zu wollen, dazu führt, dass viele, viele Menschen plötzlich exkludiert werden.

Mit sehr nachdenklichen Grüßen

Barde

P.S
Da diese Diskussion jetzt das eigentliche Thema über die Bedeutung unserer Signaturen sprengt, würde ich vorschlagen, es vielleicht in einem eigenen Thread auszugliedern. Was haltet ihr davon?
Wie wäre es mit der Überschrift "Gibt es einen neuen Kulturkampf? - Meinungen, Kritik, Diskussion"?

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 12:53
von martin coulmann
Lieber Barde, lieber migoe, lieber Helmut,

ihr drei und auch einige andere Mitglieder dieses Forums habt mir mehr als deutlich gezeigt wie richtig es war, mich von Twitter ab- und diesem Forum zuzuwenden. So eine Qualität der Beiträge habe ich noch nirgendwo anders erlebt. Insbesondere dieses Forumthema hat es tatsächlich in sich, weil ich z. B. bei der Signatur von Barde sehr gut nachvollziehen kann, wie er es gemeint haben könnte. Andererseits finde ich auch die Einwände von migoe sehr nachdenkenswert.

Ihr werdet sehen, wenn ihr euch auch an meinem neuen Thema über den Text des Liedes "Polly Von", das Peter, Paul and Mary und später auch Chris de Burgh bekannt gemacht haben, beteiligt, dass sich ähnliche Gedanken wie in diesem Thema entwickeln werden. migoe hat, nachdem ich das Thema angestoßen habe, sich schon ausführlich dazu geäußert und ich habe bisher ganz absichtlich nur herausgelassen, dass meine Einschätzung ähnlich der von migoe ist, weil ich den "neutralen Boden" erst verlassen möchte, wenn ich noch mehr Einschätzungen, ohne Gesprächsinhalte meiner sehr spannenden Familiendiskussion herauszulassen, bekommen habe. Aber versprochen, ich lasse die Katze dann aus dem Sack und verspreche euch, es wird spannend!

Ich sehe seit Jahren, genauso wie Barde, die Gefahr des Abdriftens gesellschaftlicher Exkurse in inquisitorische Zustände, gleichzeitig sehe ich aber auch, wie migoe die Gefahr einer zunehmenden Bereitschaft, einander verletzen zu wollen. Das ist ein Spannungsfeld von unglaublicher Brisanz. Und natürlich gehört der Wunsch nach Geschlechtergerechtigkeit und das Besiegen von Ausgrenzung und Rassismus zu diesem Themenbereich dazu.

Die Einstellung des Einzelnen zum Thema Religion schiebt sich natürlich in den Vordergrund, wenn es um eure Signaturen geht. Ich selbst habe mich erst 2012 (lustigerweise offiziell am Karfreitag), von der christlichen Religion vollständig zurückgezogen. Ich kenne mich dort sehr gut aus und kann so manchen Diskurs in Sachen Religion mitgehen. Zu meinem ehemaligen Glauben gehörte allerdings schon immer die Auffassung, dass wenn es einen allmächtigen Gott gibt, muss er seine Schlachten schon selber schlagen können, weil er ja sonst nicht allmächtig wäre.

Wenn sich also z. B. eine demokratische Gesellschaft mehrheitlich verabredet, Schwangerschaftsabbrüche zuzulassen, kann es niemals richtig sein, dass ein Christ mit demokatiefeindlichen Mitteln dagegen vorgeht. Dasselbe gilt aus meiner Sicht aber genauso für den muslimischen, jüdischen, buddhistischen oder kommunistischen Glauben. Wenn jemand also an einen Gott glaubt, so muss er sich eben auch auf seine Allmacht verlassen und darf nicht denken, ER müsse Gottes "Krieger" sein. Mein Glaube war damals jedenfalls komplett aufgebraucht. Im Hinblick auf das Leben nach dem Tod kann von mir aus jeder denken oder glauben, was er will, solange ich nicht die Konsequenzen SEINES DENKENS tragen muss. In diesem Sinne empfinde ich z. B. Kruzifixe in Amtsstuben oder Schulen als unangemessen. Das sich ein Erdogan über das Ankokeln bedruckten Papiers derartig echauffiert und (angeblich) deshalb (und wegen angeblicher Terroristen) Schweden nicht in die NATO lässt, ist eines dieser unsäglichen Merkmale dieser Intoleranz, der eine Demokratie niemals, auch nicht unter Androhung von Atomwaffengewalt nachgeben darf.

Ich gebe migoe recht, dass man nicht einen gläubigen Menschen einfangen, ihn knebeln und fesseln und ihm mit Streichhölzern die Augen aufsperren darf, um ihn dann mit der Zwangsaufführung von "Das Leben des Brian" zur "Vernunft" bringen zu wollen, so amüsant ich diesen Film auch finde. :teufel:

In diesem Sinne

Liebe Grüße aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 13:29
von Benutzer 141 gelöscht
Lieber Martin,

vielen Dank für deine Rückmeldung und das wirklich interessante Thema, das du indirekt angestoßen hast. Ja, es steckt doch viel Botschaft in Signaturen.
martin coulmann hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 12:53
So eine Qualität der Beiträge habe ich noch nirgendwo anders erlebt.
Dies haben wir vor allem dem Schöpfer dieses Forums zu verdanken. Stimmt, andere Foren haben sehr oft eine grässliche Atmosphäre. Migoe würde es niemals zulassen, dass hier eine Hetzbude entsteht. Auch wenn hier durchaus teilweise scharfe Diskussionsklingen gekreuzt werden. Leider hat das spalterische Thema "Covidimpfung" auch bei uns die Atmosphäre deutlich vergiftetet (dieser Kelch ging bedauerlicherweise nicht an uns vorüber). Meinem Gefühl nach, kehren wir erst jetzt langsam die Scherben wieder zusammen.

Die Tatsache, dass Ikarus es einfach mal gewagt hat, ein persönliches Treffen vorzuschlagen, trug ebenso dazu bei, eine herausragende Atmosphäre zu schaffen. So haben sich dicke Freundschaften entwickelt, sogar Kinder sind entstanden und Ehen sind geschlossen worden. Es könnte natürlich sein, dass mein Schatz :knuddel: dies nicht so positiv sieht, da sie mich schon seit 15 Jahren ertragen muss und migoe und Ikarus indirekt dran schuld sind. :-D Verdammt in alle Ewigkeit sei dieser biergeschwängerte Abend in Trebur ;-)

Hoffen wir, dass uns dies Schöne erhalten bleibt, bzw. wir auch die Wunden der letzten 2 Jahre schließen können, die hier entstanden sind.

Noch eine Frage:
martin coulmann hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 12:53
Insbesondere dieses Forumthema hat es tatsächlich in sich, weil ich z. B. bei der Signatur von Barde sehr gut nachvollziehen kann, wie er es gemeint haben könnte.
Welche Signatur hast du jetzt damit gemeint? Die alte (Über das Wesen von Musik) oder die neue ("Eskimo")? In meiner Eingangsantwort hatte ich ja auf beide verwiesen.

Liebe Grüße

Barde

:balkon:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 13:41
von migoe
Lieber Martin,
martin coulmann hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 12:53
Wenn sich also z. B. eine demokratische Gesellschaft mehrheitlich verabredet, Schwangerschaftsabbrüche zuzulassen, kann es niemals richtig sein, dass ein Christ mit demokatiefeindlichen Mitteln dagegen vorgeht. Dasselbe gilt aus meiner Sicht aber genauso für den muslimischen, jüdischen, buddhistischen oder kommunistischen Glauben. Wenn jemand also an einen Gott glaubt, so muss er sich eben auch auf seine Allmacht verlassen und darf nicht denken, ER müsse Gottes "Krieger" sein.
diese Grundaussage unterschreibe ich!

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 13:46
von migoe
Lieber Michael,
Barde hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 13:29
Verdammt in alle Ewigkeit sei dieser biergeschwängerte Abend in Trebur
In Ewigkeit! Amen. :winken:

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 13:50
von Benutzer 141 gelöscht
migoe hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 13:46
In Ewigkeit! Amen. :winken:
Du könntest ja wenigstens ein bisschen Empathie vorheucheln, damit's nicht ganz so weh tut :-D

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 15:50
von Skywise
Barde hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 00:05
In diesem Falle allerdings würde dies eher nicht passieren, weil deftiger Spott an der Kirche und über die Religion in der woken, linken Szene toleriert wird. Die Empfindlichkeiten der Christen werden schon lange nicht mehr ernst genommen. Christen werden eher heutzutage exkludiert.
Hm. Nach meinem Empfinden eigentlich nicht ... Oder sagen wir's mal so: ich bin ja auch trotz anhaltender Mitgliedschaft bei den Katholiken eher Agnostiker und stichele gerne auch mal gegen Christen oder reibe mich an verschiedenen christlichen Traditionen, aber erfahrungsgemäß können die auch bemerkenswert gut zurücksticheln, insbesondere wenn in ihrem Glauben gefestigt.
Ein ähnlich gestalteter Film, der Mohammed durch den Kakao ziehen würde, wäre hingegen gar nicht vorstellbar.
Da bin ich mir gar nicht so sicher. Zumal "Leben des Brian" ja eigentlich kein Film ist, der Jesus durch den Kakao zieht.
Meine Kulturkritik richtet sich per se eigenlich nicht gegen die spezielle politische Einstellung der "Sensiblen", sondern gegen deren Methodik, die übrigens auch die Rechte betreibt. In Amerika, mit einem sehr hohen Anteil an Evangelikalen und Radikalfundamentalisten, mischen die Ultrachristen sehr kräftig im beliebten Spiel, "Hilfe, Hilfe, das verletzt mich oder andere - es gehört verboten" mit.
Jo, aber in den USA ist das sowieso ein ganz anderes Spiel. Und wenn ich mir anhören muß, daß ein Parents Bill Of Rights aktuell von den Republikanern eingeführt werden soll (womit das Bildungsministerium in den USA ebenso beseitigt wie die Rechte der Eltern an Schulen gestärkt werden sollen, was im Kern bedeutet, daß Eltern bestimmte Leitlinien und Themenschwerpunkte an den Schulen mitbestimmen dürfen, was nach Ansicht der Demokraten Diskriminierung befeuert, womit sie wahrscheinich richtig liegen). Also gut möglich, daß der nächste Akt des Spiels noch mehr Spaß und Spannung bringen wird.
Die Kirche hatte über Jahrhunderte hinweg die Tradition, Werte und Moral zu bewahren, in dem sie sehr sensibel war - und gleichzeitig radikal-unmenschlich. Nun ist diese Institution in Europa am Absterben und die linke Szene baut jetzt ihre Art der Inquisition auf. Es hat schon quasi religiöse Anstriche, wie manche Protagonisten, mit hehren Moralvorstellungen, die im Grunde genommen ja richtig sind, aus Übereifer Zensur und Repression aufbauen wollen.
Joah, aber auch (oder soll ich sagen: gerade) bei den Linken ist ja die Bandbreite der Beteiligten enorm groß. Im Augenblick mögen bestimmte Auswüchse vielleicht Oberwasser haben oder zumindest eine gewisse Narrenfreiheit genießen, da ja die Stoßrichtung grundsätzlich die richtige ist, aber die meisten der Linken dürften eher gar nix tun oder im halbstillen Kämmerlein vor sich hinwerkeln und auf andere Weise versuchen, Ziele zu erreichen. Problem bei dieser "Inquisition" ist im Augenblick vor allem, daß es genügend laute Gruppierungen im Internet gibt, auch auf Seite der Rechten, die das ganze Gehabe zum Skandal hochjuchzen, und zumit das Thema eigentlich präsenter wirken lassen als es im Augenblick ist. Mein Eindruck zumindest.
Heutzutage brennen die Scheiterhaufen jedoch digital und löschen bürgerliche Existenzen aus.
Das unterschreib' ich.
Eine wirklich große Gefahr sehe ich darin, dass die Bauernfänger der AfD solche Lächerlichkeiten zum Anlass nehmen und alles diskreditieren.
(Ergänzung: und befeuern)
Und eine ebenso große Gefahr liegt in der Tatsache, dass der zwanghafte Drang alles inkludieren zu wollen, dazu führt, dass viele, viele Menschen plötzlich exkludiert werden.
Ich glaube nicht, daß darin wirklich eine große Gefahr liegt. Ich glaube, die weit größere Gefahr liegt darin, daß um alles so viel Tamtam gemacht wird und jeder plötzlich meint, mitreden zu wollen, auch wenn er überhaupt keine Berührungspunkte mit dem Thema hat.

Gruß
Skywise

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 15:58
von martin coulmann
Hallo Barde,

ich meinte natürlich die Signatur, in der du dein ehrliches Bedauern, Eskimo gesagt zu haben, empathisch und glaubhaft zum Ausdruck gebracht hast! :winken:

Liebe Grüße aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mo 3. Apr 2023, 17:58
von martin coulmann
Hallo Skywise,

deine Signatur war mir bis heute noch nicht aufgefallen.

"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"


Genäauuuu! Und die Erde ist eine Schoibe!
Hier erscheint normalerweise ein Video von YouTube. Bitte wende dich an einen Administrator.
Hier erscheint normalerweise ein Video von YouTube. Bitte wende dich an einen Administrator.
(Dieses Lied habe ich nach dem Tod von Eric Garner und dem Beginn der Black lives matter-Bewegung geschrieben). Die Dinge sind eben so, wie Onkel Donald (Trump) sie sich erträumt!

Liebe Grüße aus Hamburg

martin

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 4. Apr 2023, 00:32
von Skywise
martin coulmann hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 17:58
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
Joah, die Signatur habe ich mir gegriffen, weil ich von Herman van Veens Fähigkeit so beeindruckt war, vor allem auf der Bühne bestimmte Stimmungen oder Bilder aus dem Nichts entstehen zu lassen, gegebenenfalls spontan umzudeuten, Stimmungen binnen weniger Augenblicke vom einen ins andere Extrem "kippen" zu lassen (was ich in ähnlicher Form nur noch bei Ludwig Hirsch erlebt habe). Dieses Schaffen einer Art "Zwischenwelt", in der man aus Gedanken etwas für das Publikum generieren kann, mit dem man die Wahrnehmung beeinflußt, hatte was. Ich werd' vor 20 Jahren die etwas skurrilen Zeilen des Lieds rund um die im All kursierende Raumnase, aus der Weltraumclowns in die Manege des intergalaktischen Zirkus' springen, um ihre Späße zu treiben, mit Sicherheit etwas anders, wahrscheinlich verträumter, gedeutet haben als vor zehn Jahren, als ich beruflich irgendwo zwischen Idealist und Spinner angesiedelt war, weil ich seinerzeit Vorbereitungen traf für etwas, das praktisch jetzt erst seiner Umsetzung entgegenstrebt, oder als zuletzt. Die Signatur hat deshalb Donald Trump überlebt, und als Corona auf den Plan trat, habe ich wiederum damit gehadert, letzten Endes habe ich aber ähnlich wie 2015/16 bei der Flüchtlingskrise sehr viel drangesetzt, um die Leute, die die eigentliche Arbeit machen, aus dem Hintergrund heraus zu unterstützen. Wenn man dringend benötigte, eigentlich nicht mehr vorhandene Materialien irgendwie doch noch aus irgendwelchen Tiefen der Märkte herauszaubert, wenn man binnen jeweils nicht mal einer Woche mit einigen anpackenden Leuten Konzepte entwickelt oder komplette, eigentlich leerstehende Einrichtungen ausstattet und zum Funktionieren bringt, ist das gar nicht mal so unterschiedlich zu dem, was Herman van Veen da mit seinen Gedankenspielereien anstellt. Daher blieb die Signatur immer noch, obwohl sie im Laufe der Zeit mehrfach ihre Bedeutung für mich geändert hat.

Gruß
Skywise

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 4. Apr 2023, 01:41
von Benutzer 141 gelöscht
martin coulmann hat geschrieben: Mo 3. Apr 2023, 12:53
Wenn sich also z. B. eine demokratische Gesellschaft mehrheitlich verabredet, Schwangerschaftsabbrüche zuzulassen, kann es niemals richtig sein, dass ein Christ mit demokatiefeindlichen Mitteln dagegen vorgeht.
Es ist heutzutage immer schwieriger, differenzierte Meinungen äußern zu können. Beim Thema Abtreibung bekam ich sehr vorwurfsvolle Blicke von unserer Schwiegertochter, da sie - als Ärztin - die Meinung verficht, dass jeder Mediziner in der Ausbildung verpflichtet werden muss, Methoden der Abtreibung zu erlernen. Und ebenfalls sollte ihrer Meinung nach jeder Arzt zwangsweise verpflichtet werden Abtreibungen vorzunehmen, auch wenn es keine medizinischen Gründe dafür gibt. Sie hält es für einen Skandal, dass Schwangere teilweise lange nach einem Klinikplatz suchen müssen, wenn sie eine Abtreibung vornehmen lassen wollen. Nun, ich vertrat eben die Meinung, dass man niemand dazu zwingen darf Abtreibungen vorzunehmen, wenn er es eben nicht mit seinem Berufethos verbinden kann. Bei Gefahr für das Leben der Mutter ist dies natürlich anders. Aber eine komplikationslose Schwangerschaft ist ja keine Krankheit. Ärzte, die dies anders sehen, können dies durchführen, aber andere, die es nicht machen wollen, sollen die Möglichkeit behalten, es nicht zu tun. Mir gruselt es vor dem Gedanken, dass man Ärzte rausschmeißen könnte, wenn sie diese Eingriffe nicht machen wollen.

Ironie des Schicksals: Auf Musiker-sucht-Musiker hatte ich vor langer, langer Zeit eine Annonce stehen, die ich schon lange vergessen hatte. Es meldete sich aber plötzlich eine Musikerin hier, die eine Gitarrenbegleitung für ihr Cellospiel brauchte. Ich traf mich einmal mit ihr zum Proben und es passte musikalisch (auch wenn's nicht unbedingt mein Musikstil war). Wir hatten uns über viele Dinge unterhalten, unter anderem auch über Philosophie und Religion. Irgendwann wollte sie dies vertiefen und mit mir einen intensiveren Austausch führen. Sie erwähnte ihre Haltung zur Abtreibung und ich schrieb nur, dass ich in dieser Frage keine endgültige Position beziehen kann. Zum Beispiel würde ich es mir niemals anmaßen, einer vergewaltigten Frau vorschreiben zu wollen, dass sie ihr Kind austragen muss. Darauf forderte Sie mich auf, mich ganz klar gegen Abtreibung in allen Bereichen auszusprechen - andererseits würde sie nicht mit mir zusammenarbeiten können. Ihr braucht jetzt nicht zu raten, wie es geendet hat.

Momentan hab ich große Schwierigkeiten, weil ich Veranstaltungen zum Thema Umweltschutz mit Senioren moderieren soll und durch die Blume zu verstehen gab, dass ich dabei nicht gendern werde und neumodische Anglizismen oder Denglisch möglichst vermeiden werde. Das sorgt gerade für große Missstimmung bei der jungen Projektleiterin, die von dem Klimaschutzverein angestellt wurde, dem Heike und ich angehören. Sie sprach von der absoluten Notwendigkeit ein einheitliches "Wording" zu praktizieren. Ich vermute, "Wording" ist ein neuartiges Wort für das altbewährte Wort "Sprachstil" Was das mit dem Thema Umwelt- und Klimaschutz zu tun haben soll ist natürlich nicht logisch zu begründen, eher eben ideologisch. Natürlich spreche ich so, wie es in unserer Generation üblich ist und wie es auch dem Sprachstil der gleichaltrigen Zielgruppe entspricht. Es geht um Umwelt- und Klimaschutz und nicht um einen Sprachstil, den man aus der akademischen Blase kommend, der Mehrheit der Menschen jetzt missionierend nahebringen will.

Oft muss man viel Energie aufwenden, um die ständigen Aufforderungen, wie man zu sein und zu denken hat, abzuwehren.

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Di 4. Apr 2023, 14:43
von Benutzer 141 gelöscht
Lieber Sky,
Skywise hat geschrieben: Di 4. Apr 2023, 00:32
... weil ich seinerzeit Vorbereitungen traf für etwas, das praktisch jetzt erst seiner Umsetzung entgegenstrebt, oder als zuletzt.
Skywise hat geschrieben: Di 4. Apr 2023, 00:32
... letzten Endes habe ich aber ähnlich wie 2015/16 bei der Flüchtlingskrise sehr viel drangesetzt, um die Leute, die die eigentliche Arbeit machen, aus dem Hintergrund heraus zu unterstützen. Wenn man dringend benötigte, eigentlich nicht mehr vorhandene Materialien irgendwie doch noch aus irgendwelchen Tiefen der Märkte herauszaubert, wenn man binnen jeweils nicht mal einer Woche mit einigen anpackenden Leuten Konzepte entwickelt oder komplette, eigentlich leerstehende Einrichtungen ausstattet und zum Funktionieren bringt.
Mir war schon immer klar, was man an dir haben kann. Ich willl's jetzt mal etwas deftiger ausdrücken: Du bist (meinem Gefühl nach) wie ein schlecht genutztes Multiwerkzeug und die Perle, die den Säuen im Schweinestall der Verwaltung vorgeworfen wird. Mir kam bei deinen Zeilen sofort das "schöne" Sprichwort in den Sinn, "There is no glory in prevention - Es liegt kein Ruhm in der Prävention" Wer vorausschauend denkt, macht sich oft furchtbar unbeliebt oder nervt im besten Falle - und wenn die Scheiße am Dampfen ist, wird man plötzlich ernst genommen. Ich nehme an, der hier beschriebene Sachverhalt lässt dich wahlweise nicken, den Kopf schütteln und/oder weckt Erinnerungen an deine Arbeit (hier geht's explizit um die "Nationale Reserve Gesundheitsschutz"- aber die Problematik lässt sich natürlich um viele Felder erweitern).

Bund hat bislang keinen Notvorrat an Masken und Medikamenten angelegt.


So einen Arbeitskollegen wie dich hätte ich früher auch gerne gehabt. Jahrelang musste ich Qualitätsmanagement betreiben in einer Firma, die ihr Qualitätsprüfungszertifikat gerne beworben hat. Die Wirklichkeit war aber so übel, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, meiner (sorry: unfähigen) Chefin mal zu sagen, dass wir schon alle im Knast sitzen würden, wenn wir mit unserer Qualitätsauffassung nicht Kunststoffprodukte, sondern Medikamente oder Autoreifen herstellen würden.

Eure Signatur, was ist die Geschichte dahinter

Verfasst: Mi 5. Apr 2023, 11:11
von Skywise
Barde hat geschrieben: Di 4. Apr 2023, 14:43
Du bist (meinem Gefühl nach) wie ein schlecht genutztes Multiwerkzeug und die Perle, die den Säuen im Schweinestall der Verwaltung vorgeworfen wird.
Nun, danke ... aber wie gesagt: ich bin nur der hinter der Front. Die eigentlichen Kämpfe bestreiten andere. Freut mich ja, wenn wenigstens deren Arbeit hin und wieder mal honoriert wird. Ich schau' da gerne aus der Entfernung zu.
Mir kam bei deinen Zeilen sofort das "schöne" Sprichwort in den Sinn, "There is no glory in prevention - Es liegt kein Ruhm in der Prävention" Wer vorausschauend denkt, macht sich oft furchtbar unbeliebt oder nervt im besten Falle - und wenn die Scheiße am Dampfen ist, wird man plötzlich ernst genommen.
Ja, aber das geht auch umgekehrt. Wenn das Dampfen der Scheiße wieder vorbei ist, dann kannte man's ja ohnehin nie anders und man selbst steht wieder am Pranger, weil - für "wir sind schon gut" gibt's komischerweise auch keine Punkte.
Bund hat bislang keinen Notvorrat an Masken und Medikamenten angelegt.
Joah, gefällt mir, denn ich hab' die Wette laufen, daß wir in die nächste Pandemie in ein paar Jahren nahezu exakt so unvorbereitet reinschlittern werden, wie wir es bei Covid-19 getan haben. Leicht verdientes Geld unter diesen Umständen.
Die Ironie ist ja eigentlich, daß der Bund mit dem Nicht-Umsetzen des Beschlusses zunächst mal gar nicht so falsch tut, auch wenn die im Artikel genannte Begründung so ein bißchen schmerzt. Diese Aussage zwecks Bevorratung von Schutzkleidung/-ausrüstung/Medikamenten war so ein Schnellschuß, wie er immer wieder mal vorkommt, in meinen Augen ein ziemlich blinder Aktionismus, denn erstens fehlt mir jede Vorstellung davon, wie man das in Sachen Infrastruktur auf die Beine stellen will, zweitens gibt es auch bei Schutzkleidung oder Medikamenten Vorgaben zur Lagerung - und Haltbarkeitsdaten, und drittens - wie will man sich so weit im Voraus vorbereiten, wenn man nicht weiß, welcher Krankheitserreger als nächstes auf welche Weise aus dem Ruder läuft und in welcher Form sich das äußert?
Ich stell' mich da weitestgehend auf die Seite des RKI, das sich vor allem für einen Ausbau der Digitalisierung, der Kommunikationsinfrastruktur, für strategische Planungen ausspricht, nicht um sich im Vorfeld groß mit Material zu wappnen, sondern um gegebenenfalls schnell reagieren zu können. Und ich hab' mich zumindest weitestgehend auf meine eigene kleine Einkäuferposition zurückgezogen, nach der es verdammt klasse wäre, wenn die verantwortlichen Stellen ausnahmsweise mit etwas weniger Scheuklappen beschaffen würden. Die nationalen Produzenten durch Geiz-ist-geil-Mentalität puttmachen und sich dann die benötigte Ware im Bedarfsfall aus Chinaland kommen lassen, bei der man nicht weiß, erstens ob und wann sie einen überhaupt erreicht, und zweitens welche Schadstoffe man vor der Nase mit sich spazieren trägt (und drittens ob da nicht Wesen ihre Hand dran hatten, die vielleicht aus biologischer Sicht als Menschen durchgehen, aber nicht aus juristischer oder finanzieller). Dann merkt man völlig überrrascht, daß das komischerweise fast alle anderen Industrienationen ebenso machen, weshalb nach unzähligen internationalen Kämpfen um Paletten mit Ware, die teilweise direkt auf den Flughäfen ausgefochten werden, vollmundig versprochen wird, die nationale Produktion wieder anzukurbeln. Nur um bei der allernächsten Entscheidung doch wieder auf Ware aus Fernost zurückzugreifen. Ich habe meine Glaskugel gefragt, wie wohl die Ausgangslage bei der nächsten Pandemie sein wird und dann hab' ich eine Leonard-Cohen-CD aufgelegt, die war spaßiger als der Ausblick.
So einen Arbeitskollegen wie dich hätte ich früher auch gerne gehabt. Jahrelang musste ich Qualitätsmanagement betreiben in einer Firma, die ihr Qualitätsprüfungszertifikat gerne beworben hat. Die Wirklichkeit war aber so übel, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, meiner (sorry: unfähigen) Chefin mal zu sagen, dass wir schon alle im Knast sitzen würden, wenn wir mit unserer Qualitätsauffassung nicht Kunststoffprodukte, sondern Medikamente oder Autoreifen herstellen würden.
Ich gestehe, daß ich QM als Konzept nie so richtig verstanden habe. Also, ähm ... nicht falsch verstehen, ich kapier' schon, weshalb ein Unternehmen an Qualitätssicherung von Produkten, also auch an Optimierung von Aufbau-/Ablauforganisation interessiert ist. Aber diese ISO 9001-Zertifikate, die ich regelmäßig unter der Nase habe, sind doch eigentlich erst mal nicht viel mehr als Geldmacherei und Altpapier, oder ...? Der Krempel sagt mir, daß ein Unternehmen ein Qualitätsmanagement besitzt. Das ist schön, aber das sagt nichts über die Qualität eines Unternehmens oder seiner Produkte aus, sondern nur, daß es da ein Schema F gibt, nach dem in dem Unternehmen vorgegangen wird, um die Qualität zu prüfen. Wenn ich Schokolade herstelle und in meinen Abläufen festschreibe, daß sich der Vorarbeiter an einer Stelle der Produktionskette über den Kessel stellt und in die Suppe drei große Haufen reinscheißt, und bei einer Prüfung der Abläufe wird dieser Punkt als "vorhanden" abgehakt, kriegt das Unternehmen sein Zertifikat, obwohl seine Produkte irgendwie komisch schmecken. Hm. Es gibt vieles, das ich mir gerne von Unternehmen mit Zertifikaten belegen lasse, aber QM ist eigentlich eine rein hausinterne Angelegenheit, die dort eine entsprechende Wertschätzung genießen sollte, und nicht auf meinem externen Schreibtisch. Zumal ich auch schon mal das Gefühl hatte, als ob ausgerechnet das QM aufgrund der quasi in Stein gemeißelten Abläufe qualitätssteigernden Maßnahmen im Weg stehen würde ...

Jedenfalls - danke nochmal :winken:

Gruß
Skywise