Corona und die Musikbranche

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Rex2005 hat dieses Thema gestartet
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Corona und die Musikbranche

#1

Beitrag von Rex2005 »

Keine Panik - ein sachlicher und interessanter aber langer Beitrag, den es sich lohnt zu lesen.
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migoe
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Re: Corona und die Musikbranche

#2

Beitrag von migoe »

Liebe Rex2005,

vielen Dank für den Hinweis auf diesen Appell von Moritz Eggert. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal direkt auf den im Artikel verlinkten Podcast verweisen, in dem die ganze Problematik mit dem Corona Virus aus meiner Sicht sehr gut und nachvollziehbar beleuchtet wird.

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html
image.png
Natürlich sind von den aktuell in immer mehr Bundesländern ausgesprochenen Veranstaltungsverboten ab einer Teilnehmerzahl von 1000 auch einige Liedermacher betroffen. Die finanziellen Auswirkungen für die Künstler (und natürlich allen, die "hinten dran" hängen) sind bedrohlich und sorgen für Angst und Unsicherheit bei allen Beteiligten. Auch die Fans, welche sich teilweise schon vor Monaten eine Karte für ein Konzert gekauft haben sind verärgert und verunsichert. Manche meinen, die ganze "Hysterie" um das Virus wäre übertrieben und natürlich haben sich auch schon Verschwörungstheorien im Netz gebildet :wand:

Auf der Webseite verbraucherzentrale.de werden alle Konsumenten über ihre Rechte aufgeklärt was das Thema Entschädigung bei Absage eines Konzerts oder einer ähnlichen Veranstaltung anbelangt. Wer von sich aus vom Vertrag zurücktreten möchte, obwohl der Veranstalter oder eine Behörde das Konzert nicht abgesagt hat, muss jedoch auf Kulanz des Veranstalters hoffen!

Viele Liedermacher sind von der aktuellen Situation gar nicht betroffen, weil sie teilweise in sehr kleinen Lokalen vor relativ wenig Publikum spielen. Sie merken aber sicher auch, dass es zur Zeit teilweise einfach weniger Publikum gibt, weil die Menschen insgesamt vorsichtiger sind. Es gibt aber auch Liedermacher wie z.B. Bodo Wartke, die in großen Hallen vor einem sehr viel größeren Publikum spielen und die deutlich die Auswirkungen der Krise aufgrund des Corona Virus spüren. Zum Glück gehen die meisten damit (noch) besonnen und positiv um.

Bodo Wartke hat seit gestern durch Sonder-Elektrobriefe über Konzertverlegungen informiert, was bedeutet, dass es mindestens schon 3 (Stand 11.03.20, 20:44 Uhr) Konzerte gibt, die in den nächsten Tagen stattgefunden hätten und in Rücksprache mit dem entsprechenden Veranstaltungsort auf einen Ausweichtermin verschoben wurden.
image.png
Wer eine Karte zum jeweiligen Konzert gekauft hat und den Ausweichtermin nicht wahrnehmen kann, hat eine gute Chance, sein Geld zurückzubekommen. Die Vorgehensweise von Bodo und seinem Team finde ich sehr vorbildlich und verantwortungsvoll.

Im ersten dieser Sonder-Elektobriefe informiert Bodo darüber, was es damit auf sich hat...
Bodo Wartke Sonder-Elektrobrief-Konzertabsagen wegen Corona Virus.pdf
Mich interessiert, wie Ihr zu dieser ganzen Corona Virus Epidemie Sache steht. Wie findet Ihr es, dass größere Konzerte und Veranstaltungen verboten wurden? Denkt Ihr, diese Maßnahmen sind übertrieben oder vielleicht sogar noch nicht ausreichend?
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Trineline
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Re: Corona und die Musikbranche

#3

Beitrag von Trineline »

Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Wenn ich es kriege, dann kriege ich es. Ob ich gesund genug gelebt habe zeigt sich dann, wenn mein Immunsystem funktioniert. Fertig.
Ich verstehe aber die Sorge, die viele Menschen umtreibt und wenn ich mir überlege, dass dieses Paar in Hainsberg morgens noch so schlecht zurecht war, dass der Mann sich ins Krankenhaus begeben hat und beide abends auf einer Karnevalssitzung waren, kann ich verstehen, dass große Veranstaltungen abgesagt werden. Bei uns im Aldi war vorgestern ein Mann, der Nudeln, Toilettenpapier und Konserven gehamstert hat, sich aber an der Kasse darüber aufgeregt hat, dass es jetzt Geisterpiele im Fußball geben soll. Menschen sind schon seltsam.
Bei uns im Krankenhaus haben sie aus 93 von 119 Spendern die Flaschen mit Desinfektionsmitteln geklaut und eine Freundin, die Dialysekrankenschwester ist berichtete, dass bei ihnen im Lager 700 Mundschutzmasken und 9 Kisten mit Einmalhandschuhen gestohlen wurden.
Bodos Sonderbriefe fand ich gut und sinnvoll. Und Aktionen wie die von James Blunt und einigen Konzerthäusern finde ich klasse. Wir leben in einer medialen Welt und ja, es ist etwas ganz anderes, ob man die Konzerte live erlebt oder streamt, aber so kommen doch auch Menschen in den Genuss, die sich zum Beispiel keine Karten leisten können (wie ich) oder wollen oder zu spät mit der Buchung waren. Kultur findet ihren Weg. Bei Verständnis ist das so eine Sache. Sobald der eigene Vorteil geschmälert wird ist es vorbei damit. Aber es geht doch auch anders. Macrons Namaste Begrüßung für Kronprinz Felipe zum Beispiel hat mich beeindruckt. So geht es doch auch.
Und ich bin jetzt schon gespannt welche Selbstverständlichkeiten wie "Händewaschen", "in die Armbeuge husten" und "krank nicht arbeiten gehen" uns die nächste Seuche beibringt.
Liebe Grüße
:maren:
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Petra
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Re: Corona und die Musikbranche

#4

Beitrag von Petra »

Lieber Migoe,
Mich interessiert, wie Ihr zu dieser ganzen Corona Virus Epidemie Sache steht. Wie findet Ihr es, dass größere Konzerte und Veranstaltungen verboten wurden? Denkt Ihr, diese Maßnahmen sind übertrieben oder vielleicht sogar noch nicht ausreichend?
mein Sohn kommt am Wochenende nach Leipzig, weil er das Fußballspiel RB Leipzig - SC Freiburg sehen wollte. Er hatte im Vorfeld schon gezweifelt, ob er da wirklich hingehen soll und jetzt wurde ihm die Entscheidung abgenommen.

Ich finde, es wurde in den Medien hinreichend aufgedröselt, was passiert, wenn man keine Gegenmaßnahmen ergreift. Wenn sich das Virus explosionsartig ausbreitet, reichen die Kapazitäten nicht aus. Wie ich gehört habe, wird damit gerechnet, dass ca. 70 % der Bevölkerung sich anstecken werden, oftmals auch mit einem harmlosen Verlauf. Aber es ist wichtig, das Ganze zu entzerren und deshalb sollte man Großveranstaltungen meiden, bzw. sie sollten abgesagt werden. Wenn die Rechnung aufgeht, werden viele sagen, dass die Reaktionen übertrieben waren, aber es wäre mehr als fahrlässig, es darauf ankommen zu lassen.

Bei 'Lieder auf Banz' versammeln sich 4000 Menschen auf einer Wiese, die - wenn man sie sich mal ohne Leute ansieht - eigentlich relativ klein wirkt. Die Veranstaltung ist Anfang Juli, man kann nicht wissen, wie sich die Lage bis dahin entwickelt. Es wäre sehr schade, wenn diese einzigartigen Konzerte ausfallen würden, aber darauf kann in dem Moment keine Rücksicht genommen werden.

Viele Grüße von Petra
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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Re: Corona und die Musikbranche

#5

Beitrag von Rex2005 »

Hallo

ich stehe der ganzen Sache auch etwas zwiegespalten gegenüber. Über Jahre hinweg hat man in Deutschland 20.000 Grippetote nicht wirklich für erwähnenswert oder allenfalls mal als Randbemerkung mitbekommen, die an Grippe erkrankten Personen war statistisch wahrscheinlich völlig uninteressant... Bei Corona hat man den Eindruck, das der Weltuntergang naht ähnlich wie im Mittelalter mit der Pest. Nur für 20.000 Nato-Soldaten, die demnächst im Rahmen des Manövers durch ganz Europa gen Osten marschieren, scheint es keine Gefahr zu geben und von denen geht auch scheinbar keine Gefahr aus... wahrscheinlich werden die sich in kleine Grüppchen von 10 Soldaten aufteilen und Abstand halten …. wenn ich in diesen Zeiten dann solche Überschriften wie : Hausärzte an der Corona-Front: COVID-19-Sondereinsatz muss besser begleitet werden! (https://www.medical-tribune.de/praxis-und-wirtschaft/abrechnung/artikel/hausaerzte-an-der-corona-front-covid-19-sondereinsatz-muss-besser-begleitet-werden/ ) - lese, kriege ich doch schon irgendwie Bauchschmerzen...

Für mich privat sehe ich keine Gefahr was den Virus anbelangt , weil ich als graue Büromaus von zu Hause aus arbeite und das ruuuuund um die Uhr :pfeifen: Meine Kundschaft darf nach wie vor kommen wie sie lustig sind, auch wenn die Nase läuft... Aber Veranstalter möchte ich auch nicht sein, wenn man bedenkt, dass heute Jeder jeden wegen irgendwas verklagen kann … davor dürfte auch die Empfehlung ab 1000 Personen nicht wirklich retten.

Erstaunt bin ich, das wirklich sehr viele Menschen panisch reagieren s. Klau von Desinfektionsmittel, Bunkern von Lebensmittel etc. Da fragt man sich, wie das bei einem Katastrophenfall aussehen würde. (Corona ist schlimm genug, aber keine Katastrophe) Aber wie bei anderen Gelegenheiten auch, werden sich etliche Unternehmen mit Corona eine goldene Nase verdienen und andere dafür wirtschaftliche Einbußen bis hin zur Pleite erleben.

LG
Rex2005
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fille
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Re: Corona und die Musikbranche

#6

Beitrag von fille »

Ich finde, man solle die Sache sehr ernst nehmen.
Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Wenn ich es kriege, dann kriege ich es. Ob ich gesund genug gelebt habe zeigt sich dann, wenn mein Immunsystem funktioniert. Fertig.
Darum geht es nicht allein. Es geht darum, andere nicht anzustecken. Die Sache einzudämmen.

Ich gebe zu, dass ich vor ein paar Jahren vielleicht noch gesagt hätte "Desto schneller ich es bekomme, desto schneller bin ich immun." Seit ich selbst lebensbedrohlich krank war und wochenlang auf Intensiv gelegen bin,
denke ich anders. Habe halt eine schreckliche Lebenserfahrung mehr gemacht.

Es gibt die zynischen Aussagen "nur für Vorerkrankte und Ältere wäre es lebensbedrohlich". Aber man sollte
auch daran denken, dass es noch andere Erkrankungen und Notfälle gibt. Soll es soweit kommen, dass
Ärzte entscheiden müssen, wem sie helfen? Wie viele Beatmungsbetten gibt es?

Für mich gibt es nur eins: Der gesunde Menschenverstand sagt uns doch, Ansteckungen zu vermeiden, damit
die Ärzte und Krankenhäuser nicht am Rande des Chaos kommen. Bei meinem Hausarzt hängt jetzt schon ein
Schild "Patienten, die in Krisengebieten waren (Italien, Nord-Rhein-Westfalen usw.) dürfen nicht eintreten.

Ich verzichte zur Zeit auf Konzerte usw. In die Arbeit gehe ich natürlich.

In Italien gibt es zur Zeit einen Slogan "Io resto a casa" - "Ich bleibe zuhause".

Wir dürfen uns nicht in die Tasche lügen.

Ich wünsche euch was.

Liebe Grüße, Marianne
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migoe
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Re: Corona und die Musikbranche

#7

Beitrag von migoe »

Hallo Sigrun,
Über Jahre hinweg hat man in Deutschland 20.000 Grippetote nicht wirklich für erwähnenswert oder allenfalls mal als Randbemerkung mitbekommen, die an Grippe erkrankten Personen war statistisch wahrscheinlich völlig uninteressant... Bei Corona hat man den Eindruck, das der Weltuntergang naht ähnlich wie im Mittelalter mit der Pest.
Bei der jährlich wiederkehrenden Grippe handelt es sich um eine bekannte Gefahr die sich einigermaßen einschätzen lässt. Durch vorbeugende Impfungen kann sich die Bevölkerung auch darauf vorbereiten. Insofern sehe ich es so, dass die Gesellschaft mit einer bekannten Gefahr besser umgehen kann.

Bei dem Corona Virus handelt es sich um einen neuen und noch nicht ausreichend untersuchten Erreger der dazu auch schon mutiert ist und damit eine zusätzliche Gefahr beinhaltet. Wenn wir das als Gesellschaft nicht ernst nehmen können die Folgen verheerend sein. Besonders dramatisch finde ich, was jetzt schon mit den Menschen geschieht, wo wir nur über die Gefahren sprechen und es sich bisher auch noch um eine überschaubare Gruppe von erkrankten Menschen handelt in Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Es finden Hamsterkäufe statt und Leute klauen medizinisch notwendiges Material aus Krankenhäusern :weissnicht: das zeigt aus meiner Sicht schon dass negative Potenzial der Situation. Das gab es bei der Grippe meines Wissens nach noch nicht.

Liebe Marianne,
Aber man sollte auch daran denken, dass es noch andere Erkrankungen und Notfälle gibt. Soll es soweit kommen, dass
Ärzte entscheiden müssen, wem sie helfen?
Genau das ist für mich auch einer der wichtigsten Gründe, warum wir alle diese Situation nicht locker nehmen dürfen.

Mein 80jähriger Vater wurde gestern von mir und meiner Mutter ins Krankenhaus eingeliefert für eine Untersuchung und anschließende Operation. Der Termin war mit dem Krankenhaus vereinbart und konnte geplant werden. Trotzdem mussten wir über 6 Stunden in einem Wartezimmer darauf warten, dass die Ärzte für die Untersuchung Zeit hatten, das Zimmer/Bett zur Verfügung gestellt werden konnte usw. Ich bin dankbar dafür, dass wir in diesem Land leben und eine ärztliche Versorgung sicher ist. Das Erlebnis gestern hat mir aber gezeigt, dass es schon heute nicht gut steht mit dieser "sicheren" Versorgung. Bei uns in der Gegend gibt es noch keine Corona Fälle und erst Recht kein Chaos bei der Patientenversorgung. Was ich gestern erlebt habe ist der normale tägliche Wahnsinn im deutschen Gesundheitssystem - ich möchte mir nicht ausmalen was wäre, wenn noch dutzende oder hunderte nicht geplante Erkrankungen durch Corona dazu kämen. Es ist schon heute die "normale Regelversorgung" schwierig aufrecht zu halten. Noch krasser wäre es, wenn zudem noch Ärzte und Pflegepersonal ausfallen oder sich nicht mehr schützen können wegen fehlenden Desinfektionsmittel.
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Helmut
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Re: Corona und die Musikbranche

#8

Beitrag von Helmut »

Hallo

Ich überlegte gerade, wie ich meine Gedanken formulieren soll, dann lese ich Mariannes Beitrag, der mir die Worte aus dem Mund (hier besser: aus der Tastatur) nimmt. Mein Beitrag erübrigt sich dadurch.

Grüße
:teufel:
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Viktor
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Re: Corona und die Musikbranche

#9

Beitrag von Viktor »

Hallo miteinander,

es wurde schon vieles Kluges geschrieben; das will ich gar nicht alles wiederholen, sondern nur auf meine persönlichen "Musikbranche"-Auswirkungen und -Beobachtungen eingehen.

Ganz egoistisch gesehen bedaure ich natürlich, wenn Konzerte abgesagt werden sollten (verschoben ist ja evtl. gar nicht so schlimm - Vorfreude ist die schönste...?). Ich habe einiges im März/April/Mai geplant, ganz besondere Events, auf die ich mich lange freue, und auch ein Konzert in Lissabon mit entsprechenden Reiseplänen.
Aber ich halte es prinzipiell natürlich für richtig, wenn Empfehlungen von Wissenschaftlern gefolgt wird.
Nichts finde ich nerviger, als wenn jeder Typ im Internet oder an der Supermarktkasse plötzlich Hobby-Epidemiologe ist.

======

Folgende Erkenntnisse fand ich noch ganz interessant:

Was ist, wenn ein Konzert durchaus stattfindet, aber man selbst aus Vorsicht zuhause bleiben möchte, sei es Selbstschutz oder Schutz der anderen? Oft habe ich auf Facebook bei Künstlern Hinweise gelesen mit der Quintessenz: "sehr nobel, aber du bleibst auf dem Ticket sitzen". Bemerkenswert anders bei Dota Kehr; die schreibt etwa zum kommenden Konzert im Festsaal Kreuzberg:
Dota Kehr hat geschrieben:Wir empfehlen allerdings den Leuten, die zur Risiko-Gruppe gehören, vom Konzertbesuch abzusehen und bieten die Möglichkeit an, Karten zurückzugeben. In dem Fall bitte eine mail an booking@kleingeldprinzessin.de (am besten im Betreff schreiben, wo die Karten gekauft wurden unsere Webseite/eventim/bons).
Machen das noch andere Künstler so?

------

Von nennenswerter Kulanz las ich auch bei der DB. Mit der Bahn Reise ich nämlich oft zu Konzerten - und zum Glück: Nichtangetretene Reisen wegen Konzertabsagen sollten kein Problem werden.
DB Presseerklärung vom 10.03. hat geschrieben:Kulanzregelung [...]: Kunden, die ihre [Italien-]Reise nicht mehr antreten möchten, können ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen. Gleiches gilt ab sofort für Reisende mit einer Fahrkarte der DB, bei denen der konkrete Reiseanlass aufgrund des Coronavirus entfällt (z.B. offizielle Absage einer Messe, eines Konzerts, Sport-Events o.ä.). Die kostenfreie Erstattung gilt auch für den Fall, dass ein gebuchtes Hotel im Zielort (ggf. im Ausland) unter Quarantäne steht. Wir bitten betroffene Kunden, sich an die Verkaufsstellen und die Kundenservice-Kanäle der DB zu wenden.
------
migoe hat geschrieben:
Mi 11. Mär 2020, 20:50
Viele Liedermacher sind von der aktuellen Situation gar nicht betroffen, weil sie teilweise in sehr kleinen Lokalen vor relativ wenig Publikum spielen.
Ja, diese 1000-Leute-Grenze ist schon interessant. Klar, der Zweck ist Ausbremsung und nicht 100%ige Sicherheit; deswegen muss man sich gar nicht darüber lustig machen.
Wenn ich dann lese, dass beim Harry-Potter-Musical in Hamburg einfach jetzt strategisch ein paar Plätze leerbleiben sollen, um knapp unter 1000 zu bleiben, weiß ich aber nicht, wie ich es finden soll.
Übrigens aus den Bundesstaaten Washington und Kalifornien habe ich gehört, dass für Events jetzt eine 250-Personen-Grenze besteht. Und darunter ist es nur machbar, wenn 6-Fuß-Abstand zwischen Menschen gewährleistet werden kann. Ob diese Maße bei uns auch noch kommen könnten?

Migoe, du sprachst vom kleineren Publikum bei Liedermachern: Das ist auch der Fall beim anderen von mir geschätzten Musikgenre - Punkrock.
Eine amerikanische Lieblingsband, die momentan Europa durchtourt, spielt in kleinen Läden und wollte alles wie geplant durchziehen. Aber nun hat Trump die Einreise in die USA aus europäischen Ländern ab kommenden Freitag verboten. Die gilt zwar nicht für US-Bürger - die müssen sich allerdings einem "approriate screening" unterziehen und dafür an anderen Flughäfen landen usw.: Da wägt man als kleine Band doch ab, ob man nicht vielleicht lieber die Tour abbricht...
Und wer nicht schon zufällig hier ist, wird sicher im Voraus absagen, auch wenn nur kleine Veranstaltungsorte gebucht sind.

======

Jenseits des Musikbranchen-Themas habt ihr auch schon die Situation in Krankenhäusern angesprochen.
Meine Freundin arbeitet in der Pflege. Und ihre Schilderungen rein aus dem ganz gewöhnlichen Alltag machen mich schon oft wütend: Die Profitorientierung hat längst für lebensgefährliche Unterbesetzungen und Ausnutzung des Pflegepersonals geführt. Es ist gängiges Gefühl unter dem Personal, dass man krank zur Arbeit kommen muss, weil sonst der ganze Laden zusammenbricht.
Und sollte nun die Belastung ansteigen, fürchte ich schlimmes.
Es ist auch irgendwie heuchlerisch, wenn wir als Gesellschaft immungeschwächte Menschen mit Nies-Protokoll und Verzicht aufs Konzert schützen wollen, aber das Pflegepersonal, das mit solche Menschen beruflich zu tun hat, oft sogar halb-offiziell gesagt bekommt, mit Erkältungssymptomen kann man ruhig zur Arbeit kommen.
Aber da will ich mich jetzt nicht reinsteigern...


Schöne Grüße
Viktor
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Re: Corona und die Musikbranche

#10

Beitrag von migoe »

Hallo Viktor,
Viktor hat geschrieben:
Do 12. Mär 2020, 12:50
Es ist auch irgendwie heuchlerisch, wenn wir als Gesellschaft immungeschwächte Menschen mit Nies-Protokoll und Verzicht aufs Konzert schützen wollen, aber das Pflegepersonal, das mit solche Menschen beruflich zu tun hat, oft sogar halb-offiziell gesagt bekommt, mit Erkältungssymptomen kann man ruhig zur Arbeit kommen.
Das geht mit auch auf dem Senkel und ich bin nicht gerade optimistisch, das sich das trotz oder wegen Corona ändert :grübel: :schimpfen: :cry:
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Re: Corona und die Musikbranche

#11

Beitrag von migoe »

Zu dieser Problematik wurde am 20. März im ZDF eine Aspekte Sondersendung ausgestrahlt die an sofort auch in der Mediathek abrufbar ist -> https://www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-20-maerz-2020-100.html

Die Liedermacherin Dota Kehr ist als Gast in der Sendung und schildert ihre aktuelle Situation. Zum Ende der Sendung spielt sie eines ihrer Lieder.
Screenshot_20200321-001207.png
Eine aspekte-Sondersendung - mit dem Schriftsteller und Arzt Jakob Hein, der Musikerin Dota Kehr und dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo.

Beitragslänge:44 min
Datum: 20.03.2020
Video verfügbar bis 20.03.2021

aspekte
Corona und die Kultur
Was bedeutet das Virus für die Branche?

"May we live in interesting times" – mögen wir in interessanten Zeiten leben, so lautete das Motto der letzten Kunst-Biennale in Venedig. Das klang schon letztes Jahr verdächtig nach einem Fluch. Aber jetzt hat sich der Fluch gegen den Fluchenden gerichtet. Die Börse ächzt, globale Handelsketten reißen. Die Welt ist aus dem Tritt.

Weil Kultur nun mal eine zutiefst soziale Angelegenheit ist, trifft die Notwendigkeit zur Vereinzelung den Kulturbetrieb besonders hart. Wirtschaftlich - viele Selbstständige und freiberufliche Künstler stehen vor der Erwerbslosigkeit -, aber auch künstlerisch. Die Krise wird deutliche Spuren hinterlassen: bei Kinos und Clubs, Filmstudios und Kultureinrichtungen.

Gesellschaftlich sind die Folgen kaum zu ermessen. Was wird aus einer Konsumgesellschaft, die nur eingeschränkt konsumieren kann? Wird sich die zaghafte Welle der Solidarität verstärken? Oder wird das gehortete Klopapier zum Menetekel unseres Landes? Entschleunigung und Rückzug ins Private sind das Gebot der Stunde. Philosophen wie Martin Heidegger betonen gerne, dass das Zurückgeworfensein auf das eigene Ich zu einem Erkenntnisgewinn führt. Wenn man es denn mit sich aushält. Sollten wir etwa klüger aus der Krise hervorgehen? Oder werden wir uns wünschen: "May we live in ordinary times"?

Diese und weitere Fragen diskutiert Jo Schück mit dem Schriftsteller und Arzt Jakob Hein, dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo und der Musikerin Dota Kehr.

Musik im Studio:
Dota Kehr mit "Bunt und Hell"

Digitale Kultur in Zeiten von Corona:
Verwaiste Konzerthäuser, brach liegende Bühnen, geschlossene Museen. Virtuell können viele Häuser weiter besucht werden. Vom digitalen Schlendern durch die Vatikanischen Museen bis zum Erforschen eines antiken Friedhof ist sehr vieles möglich. Allen, die ihrer Liebe zu toten Objekten nicht entsagen wollen, bietet europeana.eu Zugang zu über 50 Millionen Artefakten und absolut sterilen Online-Ausstellungen - zum Beispiel zur europäischen Fest-Kultur und - natürlich - Beerdigungen. Johan Holten, der Direktor der Kunsthalle Mannheim, stellt auf Twitter jeden Tag ein Werk seiner Sammlung vor. Begonnen hat er mit dem Portrait eines klassischen Risiko-Patienten. Noch mehr Kunst, gibt’s in der Digitalen Kunsthalle von ZDF-Kultur - aktuell mit einer Felix Nussbaum-Ausstellung und einer neuen Ludwig van Beethoven-Schau. Musik gibt es natürlich auch: Jeden Abend streamt der Pianist Igor Levit ein Hauskonzert, der rbb überträgt Carmen aus der gespenstisch leeren Staatsoper Berlin. Die Berliner Philharmoniker sind bereits weiter. Ihre digitale Konzerthalle ist prall gefüllt mit Archivaufnahmen - der Zugang für die kommenden Wochen kostenlos. Überall wird gelesen, gestreamt, gepodcastet. Eröffnet sich die Chance auf neue digitale Kulturformate? Kann das Netz den Besuch vor Ort ersetzen? Oder kommen die Menschen dank staatlich verordneter Langeweile etwa auf die verrückte Idee, jetzt selbst kreativ zu werden? Auch darüber wird Jo Schück mit seinen Gästen sprechen.
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Re: Corona und die Musikbranche

#12

Beitrag von Rex2005 »

keine Ahnung wieviel aktive Musiker/Freiberufler aus dem Land Brandenburg hier mitlesen - inzwischen sind die Anträge zur Soforthilfe ausfüllbar und als Download im Web zu finden. Antrag auf Soforthilfe
so oder so ähnlich sollten inzwischen auch in allen anderen Bundesländern die Anträge zur Verfügung stehen.

Der Antrag ist wirklich sehr leicht auszufüllen aber …. man sollte nicht leichtfertig beantragen und die dazu bereitgestellten Infos lesen. Da fällt z.B. sofort ins Auge: Höhe des entstandenen Schadens … das ist im Moment - wenn man es rein rechtlich sieht- (keine) Auslegungssache... ein Restaurant, dass im Moment schließen musste, hat einen Schaden, weil die Leute ja später nicht das Essen nachholen können. Kann ein Musiker ein Konzert aber terminlich verschieben, hat er dadurch an sich keinen Schaden, ein abgesagtes Konzert wäre aber eine Umsatzeinbuße. Der Schaden sollte also aus der Begründung des Antrages relativ genau hervorgehen und jeder der das beantragt, sollte für sich selbst genau zu späteren Prüfungen Aufzeichnungen machen - vor allem auch dazu wie er den beantragten Schaden ermittelt hat.

Minderung oder Stundung von Steuervorauszahlungen würde ich z.B. direkt mit dem Finanzamt vereinbaren - das dürfte sicherer und im Ergebnis klarer und schneller bearbeitbar sein als das recht schwammige Angebot: Hilfe von bis zu einer Summe X €. Was direkt vereinbart werden kann mit Finanzamt, Kreditinstituten halte ich für die bessere Variante.

Trotzdem sollte jeder die Hilfen nutzen, der sie benötigt.
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#13

Beitrag von migoe »

Inzwischen ist fast ein Monat vergangen seit dem letzten Beitrag von Rex2005 zu diesem Thema und wir alle wissen, es ist viel viel viel schlimmer gekommen, als wir es uns vorstellen konnten und es wird eine relativ lange Zeit dauern, bis wir wieder ohne Angst und Abstand leben können.

Die Auswirkungen der Corona Epidemie sind so weitreichend und grundlegend, wie es das noch nie gab in unserer modernen Gesellschaft. Klar, in den vergangenen 500 Jahren gab es immer wieder mal Krankheiten die für die damalige Gesellschaft ebenso schlimm und teilweise noch viel verheerender waren was z.B. die Anzahl der Toten angeht (Pest, Cholera usw.).

Dieser COVID-19 Ausbruch ist aber meiner Meinung nach deshalb auch wieder anders, weil wir heute eine andere Lebensweise haben, die es so vorher in der Geschichte der Menschheit (bis auf die "Römerzeit" vielleicht) nocht nicht gegeben hat. Wir sind weltweit mobil unterwegs und vernetzt. Große internationale Konzerne produzieren länder- und kontinentübergreifend ihre Produkte "just in time" und für viele Menschen der modernen Gesellschaft ist es fast "normal", jedes Jahr einmal in den Urlaub zu fliegen, z.B. nach Mallorca oder in die Karibik. Vor gar nicht langer Zeit habe ich eine Terra-X-Dokumentation über den modernen Menschen gesehen, in der davon berichtet wurde, dass jeden Tag mehrere Millionen Menschen sich in der Luft zwischen den Kontinenten befindet, und zwar ununterbrochen. Das ist im Moment nicht so! Kann man gut finden oder schrecklich :weissnicht:

Die wirtschaftlichen Folgen sind zwar vorherzusehen und werden sicher irgendwann auch einmal auf Euro und Cent berechnet vorliegen, aber ich finde der viel größere Schaden ist der, den wir als Menschen und als Gesellschaft insgesamt ertragen müssen, weil wir keinen Kontakt zu anderen haben dürfen, nicht mehr auf Arbeit oder in die Schule dürfen, keine Freizeitaktivitäten möglich sind, kein Restaurant oder Café besucht werden kann und natürlich auch weil alle Theater und Bühnen geschlossen sind. Viele haben sich schon vor langer Zeit Karten für ein Konzert oder Festival besorgt und sich auf einen schönen Abend mit guten Leuten und eine(r)m tolle/n Künstler/in gefreut - oder auf eine (oder mehrere) tolle Band(s).

Ich habe mal überlegt, was mir alles einfällt und 2020 fehlen wird:

- Liedertreffen im Mai
- Songs an einem Sommerabend in Würzburg im Juni
► Text zeigen
- Lieder auf Banz im Juli
- Bardentreffen in Nürnberg
- Konzerte von Künstlern aller Genres bis mindestens 31.08.2020
- Klassik-Konzerte und Festivals im Sommer
- Musik-Festivals allgemein werden dieses Jahr nicht stattfinden (hier in Rothenburg z.B. das Taubertal-Festival)
- Mittelaltermärkte und Jahrmärkte allgemein
- Kabarett und politische Veranstaltungen
- Demonstrationen

Das ist schon sehr krass!

Fallen Euch noch Sachen ein?

Wir werden nach dieser Zeit hoffentlich die richtien Lehren aus dieser Krise gezogen haben. Leben ist offline und analog auf jeden Fall wieder gefragt, hoffe ich!
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#14

Beitrag von migoe »

Inzwischen ist fast ein Monat vergangen seit dem letzten Beitrag von Rex2005 zu diesem Thema und wir alle wissen, es ist viel viel viel schlimmer gekommen, als wir es uns vorstellen konnten und es wird eine relativ lange Zeit dauern, bis wir wieder ohne Angst und Abstand leben können.

Die Auswirkungen der Corona Epidemie sind so weitreichend und grundlegend, wie es das noch nie gab in unserer modernen Gesellschaft. Klar, in den vergangenen 500 Jahren gab es immer wieder mal Krankheiten die für die damalige Gesellschaft ebenso schlimm und teilweise noch viel verheerender waren was z.B. die Anzahl der Toten angeht (Pest, Cholera usw.).

Dieser COVID-19 Ausbruch ist aber meiner Meinung nach deshalb auch wieder anders, weil wir heute eine andere Lebensweise haben, die es so vorher in der Geschichte der Menschheit (bis auf die "Römerzeit" vielleicht) nocht nicht gegeben hat. Wir sind weltweit mobil unterwegs und vernetzt. Große internationale Konzerne produzieren länder- und kontinentübergreifend ihre Produkte "just in time" und für viele Menschen der modernen Gesellschaft ist es fast "normal", jedes Jahr einmal in den Urlaub zu fliegen, z.B. nach Mallorca oder in die Karibik. Vor gar nicht langer Zeit habe ich eine Terra-X-Dokumentation über den modernen Menschen gesehen, in der davon berichtet wurde, dass jeden Tag mehrere Millionen Menschen sich in der Luft zwischen den Kontinenten befindet, und zwar ununterbrochen. Das ist im Moment nicht so! Kann man gut finden oder schrecklich :weissnicht:

Die wirtschaftlichen Folgen sind zwar vorherzusehen und werden sicher irgendwann auch einmal auf Euro und Cent berechnet vorliegen, aber ich finde der viel größere Schaden ist der, den wir als Menschen und als Gesellschaft insgesamt ertragen müssen, weil wir keinen Kontakt zu anderen haben dürfen, nicht mehr auf Arbeit oder in die Schule dürfen, keine Freizeitaktivitäten möglich sind, kein Restaurant oder Café besucht werden kann und natürlich auch weil alle Theater und Bühnen geschlossen sind. Viele haben sich schon vor langer Zeit Karten für ein Konzert oder Festival besorgt und sich auf einen schönen Abend mit guten Leuten und eine(r)m tolle/n Künstler/in gefreut - oder auf eine (oder mehrere) tolle Band(s).

Ich habe mal überlegt, was mir alles einfällt und 2020 fehlen wird:

- Liedertreffen im Mai *abgesagt*
- Songs an einem Sommerabend *wird noch entschieden*
► Text zeigen
- Lieder auf Banz *wird noch entschieden*
- Bardentreffen in Nürnberg *abgesagt*
- Konzerte von Künstlern aller Genres bis mindestens 31.08.2020 *abgesagt*
- Klassik-Konzerte und Festivals im Sommer *abgesagt*
- Musik-Festivals allgemein werden dieses Jahr nicht stattfinden (hier in Rothenburg z.B. das Taubertal-Festival) *abgesagt*
- Mittelaltermärkte und Jahrmärkte allgemein *abgesagt*
- Kabarett und politische Veranstaltungen *abgesagt*
- Demonstrationen *wird noch entschieden*

Das ist schon sehr krass!

Fallen Euch noch Sachen ein?

Wir werden nach dieser Zeit hoffentlich die richtien Lehren aus dieser Krise gezogen haben. Leben ist offline und analog auf jeden Fall wieder gefragt, hoffe ich!
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Corona und die Musikbranche

#15

Beitrag von Rex2005 »

Hallo Migoe,

die wirtschaftlichen Folgen sind das eine - aber da habe ich ein paar andere Gedanken dazu. Wissenschaftler haben ja schon vor gut ca. 15 Jahren vor der globalen Ausbreitung von Krankheiten gewarnt. Von der Politik ist es weltweit aber nicht beachtet worden - weil dann hätten wirtschaftliche Vorkehrungen getroffen werden müssen und können - wie z.B. zum einen ins Gesundheitswesen zu investieren andererseits die wirtschaftlichen und touristischen - ich nenne es mal - "Auswüchse" zu stoppen oder so zu regulieren, dass an allererster Stelle die Gesundheit der Bürger nicht der Profit steht. DAS werden wir aber auch nach Corona nicht erleben! Diese Kosten, die aber hätten aufgewendet werden müssen - werden jetzt auf die gesamte Gesellschaft verteilt und immer weiter nach unten durchgereicht. Es trifft wie immer den Mittelstand, die Arbeitnehmer und nichtarbeitende Menschen. Die "Großen" haben da ja pfiffige Möglichkeiten indem sie z.B.Kurzarbeit für die ganze Belegschaft beantragen und gleichzeitig Aktionären Millionen auszahlen …

Wenn Produktionen in die dritte Welt ausgelagert werden und dort zu unmenschlichen Bedingungen produziert wird, weil dort auf Kosten von Arbeitskräften weniger auf Technik gesetzt wird, war es doch egal wie die Leute dort leben - und es wird sich daran auch nichts ändern, weil sich das System nicht ändern kann. Da wird möglicherweise in der Zukunft ein bissel Augenwischerei betrieben aber mehr auch nicht.

Kultur - ist im Grunde ja auch schon zu einer Industrie ausgewuchert. Konzerte in Stadien, wo man als Publikum allenfalls die Chance hat, den Künstler auf Leinwand zu sehen - was ist daran wirklich noch Kunstgenuß? Es ist vielleicht ein Massenerlebnis, sicher auch eine gewisse Stimmung, die durch die Massen hervorgerufen wird - aber mit der eigentlichen künstlerischen Leistung hat es für mich wenig zu tun. Am Ende verdient auch da die Musikindustrie, einige wenige Künstler sicher auch. Nur alle anderen Künstler, mit denen sich nicht Millionen verdienen lassen, finden medial gar nicht statt etc. Die Kosten für solche riesigen Events, Fußballspiele uws was Sicherheit etc anbelangt, wurden doch eh immer schon an den Steuerzahler weitergeleitet. Gesundheit der Zuschauer spielte doch bisher nie wirklich eine Rolle, sonst dürfte man kaum 1000e Leute in einem Raum "einpferchen". Es wird noch größere Stadien geben als bisher …

Ich habe da wenig Hoffnung, das z.B. auch die riesigen Kreuzfahrtschiffe abgeschafft werden, weil es kein gesunder Tourismus ist - weder für die Passagiere noch für die Orte wo diese Massen dann an Land gespült werden - der Umweltaspekt mal ganz außen vor gelassen. Da müsste sich in den Köpfen jedes Einzelnen eine ganze Menge ändern - und da allein der Konsum von Klopapier zu seltsamen Verhaltensweisen führt....

ja, hier in der Ecke werden ausfallen:
- das wöchentliche Musikfloß in Lychen
- das Thomsdorfer Liederfestival
- das Musik-statt-Krieg-Hoffest in Plath

- klassische Sommerkonzerte in den Dorfkirchen

allesamt existenzbedrohende Ausfälle für die Organisatoren, beteiligte Vereine und nicht zuletzt auch kultureller Kahlschlag für die Region.

LG
Rex2005
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Corona und die Musikbranche

#16

Beitrag von fille »

Das habe ich am 12.03.2020 (vor 5,5 Wochen) geschrieben:
Bei meinem Hausarzt hängt jetzt schon ein
Schild "Patienten, die in Krisengebieten waren (Italien, Nord-Rhein-Westfalen usw.) dürfen nicht eintreten.
Damals hatte NRW ca. 350 Fälle und Bayern irgendwas um 250 (wenn ich mich recht erinnere).

Das hat migoe gestern geschrieben:
Inzwischen ist fast ein Monat vergangen seit dem letzten Beitrag von Rex2005 zu diesem Thema und wir alle wissen, es ist viel viel viel schlimmer gekommen, als wir es uns vorstellen konnten und es wird eine relativ lange Zeit dauern, bis wir wieder ohne Angst und Abstand leben können.
Ja, so ist es. Inzwischen hat NRW knappe 30.000 Infizierte und Bayern gute 38.000. ABER, ich vermisse immer die Zahl der wirklich aktiven Fälle. So sind in NRW bereits über 18.000 (gestorben 874 )genesen und in Bayern über 17.000 (gestorben 1.315). Langsam sollten in den Statistiken die aktiven
Fälle an erster Stelle stellen.

Ja, es ist schlimm gekommen. Aber ohne Notbremse vor 4 Wochen wäre es garantiert noch viel, viel,
viel schlimmer! Es wurde Zeit gewonnen, um an einem Heilmittel zu forschen und ansonsten Vorkehrungen zu treffen. Es gibt kleine Hoffnungen, dass die Medizin auf gutem Weg ist.

Ich persönlich kann auf vieles verzichten. Mir tut es leid um das Liedertreffen. Aber auf all die
anderen Großveranstaltungen, wie Volksfeste, Open-Air-Konzerte, Konzerte in Hallen,
Jahrmärkte, Flohmärkte usw. kann ich verzichten. Ich persönlich glaube nicht, dass das Oktoberfest
dieses Jahr stattfindet. Macht mir auch nichts. Ich gehe sowieso nur alle 15 Jahre hin,
da ich große Menschenmassen nicht leiden kann. Und es wäre wirklich Wahnsinn, wenn Millionen von Menschen aus aller Welt in München zusammenströmen würden. Mit Abstandhalten geht da sowieso nichts.
Natürlich wird großer wirtschaftlicher Schaden entstehen. Das darf man nicht vergessen. Ob, die
staatlichen Hilfen alles auffangen können, ist zu bezweifeln.

Was mir fehlt, ist der persönliche Kontakt zu unserer Restfamilie. Ich bin sehr froh, dass man ab
morgen auch in Bayern wieder eine haushaltferne Kontaktperson im Freien treffen kann und werde mich in den nächsten Tage endlich wieder mit meinem Sohn treffen (wenn auch ohne seine Familie). Aber nur im Freien, ohne Umarmung und mit Abstand. Jetzt nur nicht leichtsinnig werden!

Wie wird es in Zukunft sein? Ich habe heute ein Interview mit Bruno Jonas gelesen. Er meinte, wir werden
uns wohl wieder mehr aufs Nationale besinnen. Das meine er nicht politisch, sondern wirtschaftlich.
Vielleicht werden wir unsere globalen Abhängigkeiten zurückschrauben und wieder mehr bei uns produzieren.

Mal sehen, ich fürchte das Gedächtnis wird in dieser Hinsicht kurz sein.

Liebe Grüße, Marianne

und bleibt gesund...
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Corona und die Musikbranche

#17

Beitrag von Skywise »

Ich würd' nicht alles unterschreiben, was Berthold Seliger hier zusammenfaßt. Vieles aufgrund mangelnder Einsicht in die Abläufe, einiges halte ich für zu oberflächlich formuliert und zu oft dringt er mir in seiner Argumentation nicht zu den wirklich kleinen Märkten vor. Dennoch sei der Artikel verlinkt, denn - unterschreiben würd' ich dennoch genug.

Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 60 Wörter


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Corona und die Musikbranche

#18

Beitrag von Rex2005 »

Artist against corona -
Das erste virtuelle Theater Deutschlands unterstützt Künstler und Kulturhäuser in Zeiten der Corona Krise.
Künstler stellen hier ihr Repertoire online zur Verfügung , durch den Kauf eines "virtuellen Tickets" unterstützt du die Künstler direkt.

kann man machen, denke ich :-)
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Corona und die Musikbranche

#19

Beitrag von Rex2005 »

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Corona und die Musikbranche

#20

Beitrag von migoe »

Hallo Rex2005,

danke für den Hinweis auf dieses Gespräch. Es ist wichtig, dass wir uns hier mit diesem Thema immer wieder beschäftigen, und in den aktuellen Phase dieser Pandemie scheint es mir so zu sein, dass viele Menschen sich persönlich mit der Situation arrangiert haben und teilweise verbessen, dass es noch nicht vorbei ist und noch sehr sehr viele Berufsgruppen sehr krass von den Folgen betroffen sind.
Welche Folgen hat das für die jungen Leute?

Einer der unsinnigsten Sprüche ist, wenn jemand sagt: Künstler sind nur dann gut, wenn sie arm sind. Warum sollte jemand besser komponieren, wenn er hungrig ist? Künstler müssen genauso leben wie alle anderen Menschen auch. Für viele Musiker ist die Situation im Moment kritisch, weil der überwiegende Teil der freien Musiker von Monat zu Monat lebt. Sie haben keine Rücklagen, sind auf Auftritte angewiesen. Lange halten sie einen solchen Zustand nicht durch. Natürlich machen sich viele in dieser Situation Gedanken über die Zukunft.
Dieser Teil des Gesprächs hat mich sehr nachdenklich und betroffen gemacht. Wie kann jemand diese Einstellung haben, und das dann auch noch offen aussprechen, ohne sich in Grund und Boden zu schämen. Armut und Unsicherheit kann nach meiner Überzeugung keine gute Grundlage dafür sein, kreativ und "gut" zu sein. Ich denke, wer so argumentiert (oder denkt), dem fehlt es an Mitgefühl und Anstand (ja, ich weiß, ein sehr schwer zu definierender Begriff, ich verwende ihn im Sinne von "was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem Andren zu") :wand:

Vielleicht würde es helfen, wenn es auch aus dem Bereich der Kultur mehr Berichte darüber geben würde, wie die Lage ist und was sich gesellschaftlich ändern müsste, um die Situation zu entschärfen. Es gibt ja schließlich auch genug Stimmen aus anderen Bereichen der Wirtschaft, die teilweise erfolgreicher für ihre Anliegen gekämpft haben als die "Kulturschaffenden" (Stichwort: Kurzarbeit in Autoindustrie, Hilfen für Lufthansa, kostenlose Test für Touristen bei der Heimkehr usw.)

Ich kenne Menschen, die sagen, dass Künstler keinen Anspruch auf staatliche Hilfen oder Kredite haben sollten, um die Krise zu überstehen, weil sie sich bewusst für die "Selbstständigkeit" entschieden hätten und das dann "dazu gehören würde", sich alleine duchzuschlagen. Wer diesen Weg wählt, müsste halt damit rechnen, auch mal eine Krise zu überbrücken und die Künstler gerade deshalb ja so hohe Eintrittspreise nehmen würden, um sich quasi ein "Polster" für schwere Zeiten oder das Alter aufzubauen. Das sind sicher nachvollziehbare Gedanken, aber für mich zeigt so ein Denken auch, dass es oft wenig Wissen darüber gibt, in welcher
präkeren Lage
in einer Weise geartet, die es äußerst schwer macht, die richtigen Maßnahmen, Entscheidungen zu treffen, aus einer schwierigen Lage herauszukommen; schwierig, heikel, misslich
Quelle: Duden.de
sich viele Künstler (und zwar egal ob Musiker*innen, Schauspieler*innen, Moderator*innen usw.) auch in "normalen" Zeiten oft befinden und sich ihre Situation seit März vollkommen unverschuldet in vielen Fällen so verschärft hat, dass es mittlerweile eine absolute Katastrophe für viele von ihnen ist.

Sven Schütze, der Geschäftsführer von "Reimkultur" hat das in einem Blogeintrag auf der Webseite von Reimkultur sehr ehrlich und offen angesprochen und erklärt. Nun gehört "Reimkultur" sicher noch zu denjenigen Kulturbetrieben, die sich genau darauf, dass es auch einmal eine gewissen Zeit nicht sooo gut läuft, vorbereitet haben und die sich eine "Polster" angelegt haben. Doch auch diesen Firmen geht es nun "an den Kragen" und die (wirtschaftliche) Zukunft liegt im Dunkel.

Gibt es noch andere Berichte und Informationsquellen dazu?

Welche Lösung für die Kunst- und Kulturszene in Deutschland könnte es geben?

Wäre jetzt Zeit für ein "bedingungsloses Grundeinkommen" für bestimmte Berufsgruppen, denen die wirtschaftliche Grundlage durch gesetzgeberische Maßnahmen entzogen wurde oder ist "HartzIV" für die betroffenen Personen das geeignete Mittel, um die Krise zu überstehen?
Dieser Beitrag enthält 742 Wörter


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