Deutsche Sprache

*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!

*Quelle: Webseite Akademischer Verein Kyffhäuser e.V.  | Foto © by Pixabay.com 
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Deutsche Sprache

Beitrag von Agrippina »

Liebe Forenteilnehmer,
mit diesem Beitrag möchte ich ein wenig "Werbung" für das Thema "Deutsche Sprache" bzw. den hierzulande praktizierten Umgang mit ihr machen. Auch wenn der Leitgedanke zunächst nicht vorrangig mit Musik zu tun haben scheint, so geht es in diesem Forum doch größtenteils um Liedermacher, die ihre Texte in unserer Muttersprache verfassen. Darüber hinaus ist hier schon das Sprachthema im Rahmen einer Quote für deutsche Musik mitangeklungen, und auch z. B. Reinhard Mey macht sich ja für unsere Sprache stark.
In den letzten Jahren ist eine immer rasanter um sich greifende Beschädigung und Entwertung der deutschen Sprache zu beobachten. Aus diesem Grunde habe ich mich mit drei Gleichgesinnten zusammengetan und eine Initiative ins Leben gerufen, die dieser Entwicklung versucht, ein wenig entgegenzutreten. Zu diesem Zweck haben wir vor gut zwei Monaten einen offenen Brief an einen 650 Adressaten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kirche umfassenden Verteilerkreis versendet und auch einen Internet-Auftritt gestaltet.
Vielleicht mögt Ihr Euch ja mal unter Unsere Deutsche Sprache umschauen, eventuell gar selbst ein wenig aktiv werden und das Thema hier ebenfalls diskutieren?
Würde mich freuen …
Liebe Grüße, Tina
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Holtzwurm
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Beitrag von Holtzwurm »

Hallo Tina,
dein Beitrag reizt mich doch zu sehr zu einer Antwort :-D - zumal dieses Thema irgendwo immer mal wieder in den Medien auftaucht.
Ich habe den offenen Brief gelesen, aber ich werde ihn weder runterladen - oder downloaden :-D - noch irgendwie verbreiten, denn hinter seiner Aussage insgesamt kann ich nicht stehen.
Ich gehöre zu den Leuten, die die deutsche Sprache auch sehr mögen, sich gerne mit ihr auseinandersetzen, sie auch beherrschen und lieben - und mit ihr "spielen". Die neue deutsche Rechtschreibung sehe ich mit gemischten Gefühlen, da sie an einigen Stellen deutliche - und m. E. notwendige - Erleichterungen mit sich gebracht hat, bin aber in größeren Teilen auch nicht begeistert davon, vor allem, was die Interpunktion angeht.
Aber - ich gehöre auch zu den Leuten, die gerne andere Sprachen lernen, benutzen und durchaus in die deutsche Sprache einbinden. Aus meiner Sicht gehört das auch zum "Leben" einer Sprache dazu - denn Sprache lebt in und mit ihren Benutzern. Käme heute jemand daher, der wie vor ein paar hundert Jahren spricht (oder man nehme die Lutherbibel von 1514, die damals in moderner Sprache geschrieben war), kein Mensch würde ihn hier verstehen. Ab und zu begegnet man diesem "Phänomen" noch bei Leuten, deren Vorfahren irgendwohin ausgewandert sind und die heute noch in dem anderen Land "vermeintlich Deutsch" sprechen, d. h. sie glauben, Deutsch zu sprechen, werden aber in dem Land der deutschen Sprache überhaupt nicht mehr verstanden.
In meinem Wortschatz, den ich täglich gebrauche, kommen viele nicht-deutsche Wörter vor, mal abgesehen von solchen, die es überhaupt (oder nicht vernünftig) nicht auf Deutsch gibt wie z. B. Computer und ähnliche Beispiele. Aber diese meinst du auch nicht, das ist mir schon klar. Ebenso kenne ich als Englisch-Dozentin auch gut den Unterschied zwischen "echten" englischen Vokabeln und "pseudo-englischen" Wörtern - wie z. B. das berühmte "Handy", das in England niemand kennt. Aber auch die Wörter, die du wahrscheinlich meinst, gehören zu meinem Wortschatz - und das, obwohl - oder weil - ich die deutsche Sprache liebe. Ich spreche durchaus mal von "Kids", in der Kirchengemeinde, in der ich bin, freue ich mich an "Worship" und finde es z. B. total furchtbar, wenn gerade in diesem Bereich fast zwanghaft jedes gute englische Lied krampfhaft einen deutschen Text bekommen muss, der dann überhaupt nicht wirklich in die Melodie passt.
Fazit: Sprache lebt - und sie lässt sich nicht in ein Schema pressen, das sich nicht entwickelt hat, sondern aufgedrückt wird. Und insbesondere, was die Wirtschaft und Wissenschaft angeht, was ihr in eurem offenen Brief ansprecht, wird Deutsch keine Chance haben - vielleicht mag es stimmen, dass in Europa mehr Menschen Deutsch als Englisch oder Französisch sprechen; auf die Welt bezogen aber sind wir ein kleines Licht mit unserer Sprache - und da ist eine einheitliche, überall verständliche Sprache besonders in Wirtschaft und Wissenschaft absolut notwendig.
Liebe Grüße,
Lisa
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fille
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Beitrag von fille »

Hallo Tina,
ich habe soeben den offenen Brief gelesen und möchte hier einfach einige Punkte (die meiner Meinung entsprechen) ohne "dafür und dagegen" in den Raum stellen.
Ja, Deutsch ist die am meisten gesprochene Muttersprache in der EU. Ich kann daher nicht einsehen, dass Englisch einen so großen Stellenwert hat. Wohl gemerkt - in Europa. Weltweit gesehen ist es etwas anderes.
Ja, Deutsch ist eine lebendige Sprache und Fremdwörter gehören dazu. Unsere Sprache enthält viele fremde Wörter. Nicht nur Handy, Kids usw., sondern auch Mansarde, Terrasse, Rouge, trampen.... Manche dieser Wörter haben bei uns eine völlig andere Bedeutung, wie ihrem Heimatland. Was trampen sein soll, wird z. B. kein Engländer verstehenJ.
Ja, ich bin auch dafür, dass die deutsche Sprache gepflegt werden soll. Ich empfinde es oft als ein Zeichen von Wichtigtuerei, wenn manche Mitbürger ihre Texte mit vielen Fremdwörter, besonders englischsprachigen, durchmischen. Ein schlimmes Beispiel sind Stellenangebote, in denen nur noch Soundso-Manager gesucht werden. Einfache und gut verständliche Sprache ist die beste.
Ja, ich benutze solche Wörter auch ;-). Das hat aber nicht mit „Cool“-sein zu tun, sondern es schleichen sich einfach einige Begriffe ein. Das macht aber nichts. Siehe lebendig Sprache (oben)
Nein, ich glaube nicht, dass die deutsche Sprache gefährdet ist. Ich kenne Leute aus anderen Ländern, die Deutsch „wunderschön“ finden (z. B. eine japanisch Kollegin), sogar „geil“ (ein junger Franzose, der Deutschlehrer wird) oder finden, dass sich die deutsche Sprache besser für Poesie eignet (ein Franzose der gerne deutsche Mey-Lieder hört und liest). Sie haben natürlich recht.
Eigentlich ist die englische Sprache gefährdeter. Sie wird zerstört. Ich lese gerne englische Bücher im Original und sehe, wie schön diese Sprache sein kann. Dadurch, dass alle Welt Englisch reden will, gibt es das „Wirtschaftsenglisch“ und das „allgemeine Allerweltsenglisch“ (wie es im Mittelalter ein Küchenlatein gegeben hat), das eine Eigendynamik entwickelt. Bald wird es nicht nur mehr britisches, amerikanisches, australisches usw. Englisch geben, sondern ein (Aller)welt-Englisch, dass vielleicht nicht mehr so viel zu tun hat mit really good English.
Liebe Grüße
Marianne
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Carsten
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Beitrag von Carsten »

Liebe Holtzwurm-Lisa,
ich weiß nicht ob das immer alles so nötig ist - ich war schließlich einige Jahre "worship-leader" an einer "discipleship-school" und hab etliche "crusades" mitgemacht.
Aber eins muß man den Amis, von denen dieser ganze Spaß stammt, durchaus lassen - eine Zeit lang haben sie die schönen "praise- & worship-songs" sehr gut ins Deutsche übersetzt.
Ja, man staune - die Amis selbst. Um die Sachen zu verbreiten haben sie die Lieder dann natürlich auf Tonträger aufgenommen - mit amerikanischen Sängern die deutsch singen. Soweit nichts dagegen. Wo mich aber beim "divine service" regelmäßig der "Holy Ghost" verlassen hat :-o , war wenn die deutschen Sängerinnen (ja komischerweise waren es immer die Mädels) diese Lieder dann meinten ebenfalls mit amerikanischen Akzent singen zu müssen - wahrscheinlich wegen der besseren "ointment". :-D
In dem Sinne:
praise the Lord ! 8-)
Carsten
(die englischen Ausdrücke in diesem Artikel entsprechen dem normalen Sprachgebrauch in diversen deutschen christlichen Kreisen, kann ich aus eigenem Erleben bestätigen.)
Sorry Tina, ich weiß das dieser Beitrag nichts oder nicht viel mit Deinem Anliegen zu tun hat aber ich konnte mir diesen Kommentar nicht verkneifen. :-D
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Beitrag von Agrippina »

Hallo, liebe(r) Diskutanten und -onkel,
na, da ist ja schon mal ordentlich was an - zum Teil kontroverser Meinung (das finde ich gut!) - zusammengekommen. Danke für Eure bisherigen Beiträge. "Ein wenig" was aus dem Bauch heraus möchte ich dazu noch sagen.
@Lisa
Klarstellen möchte ich, daß auch ich im Gebrauch meiner (Umgangs-)Sprache selbstverständlich auch den ein oder anderen Anglizismus einfließen lasse. Das tue ich dann bewußt und übertreibe es nicht. Wichtig ist dabei, daß mir die deutschen Entsprechungen der verwendeten Worte/Phrasen bekannt ist.
Mir/uns geht es ja auch gar nicht darum - und das haben wir in unserem Brief recht deutlich gesagt -, daß wir eine "reine" deutsche Sprache wollen (was sollte das auch sein, Deutsch ist eine Mischsprache). Wir sind keine Puristen und wissen sehr wohl, daß Sprache sich durch Fremdeinflüsse wandelt, und das ist auch völlig in Ordnung so. Von einem "Niedergang" unserer Muttersprache sprechen wir deshalb auch gar nicht, sondern von einer Beschädigung oder Entwertung.
Es geht darum, daß eine Entwicklung immer rasanter um sich greift, die es so bislang nicht gegeben hat. Oftmals werden z. B. deutsche Begriffe unnötigerweise geradezu durch Anglizismen verdrängt. Ist Dir z. B. schon einmal aufgefallen, daß in den Medien kaum noch etwas dargeboten, aufgeführt, zum besten gegeben etc., sondern fast nur noch "performt" wird? Wieso bewerben viele deutsche Firmen ihre Produkte im Ausland in der jeweiligen Landessprache und nur in Deutschland in Englisch? Ist es notwendig, daß aus jeder Pommesbude in Kleinkleckersdorf ein "City-Grill" und aus jeder Vorstadt-Backstube ein "Back-Shop" wird? Wenn ich mir hier in der Kölner City die Sales-Angebote anschauen möchte, muß ich erstmal ein Ticket für die Straßenbahn kaufen, und wenn ich mit dem Auto fahre, muß ich mir ein Ticket fürs Parkhaus kaufen, wenn ich nicht Gefahr laufen möchte, mir ein Ticket fürs Falschparken einzufangen. Ich gehe lieber zum Ausverkauf in die Innenstadt und kaufe mir eine Fahrkarte oder einen Parkschein (um ein Knöllchen zu vermeiden). Es gibt also wunderbare deutsche Worte für all das, die manchmal - siehe Ticket - auch noch differenzierter sind. Warum sie also nicht (mehr) verwenden? Natürlich kann beides nebeneinander her existieren, aber dann doch bitte gleichberechtigt; was jedoch, wie gesagt, heutzutage häufig stattfindet, ist eine Verdrängung. Wir laufen dabei Gefahr, ein wichtiges Stück unserer (Sprach-)Kultur aufzugeben. Fremde Worte da, wo sie angebracht sind oder es keine Entsprechungen oder "knackigen" Neuschöpfungen gibt, sind ja völlig in Ordnung.
Im übrigen betrachtet man diese Entwicklung auch im Ausland mit größtem Amusement, Deutschland macht sich lächerlich (sogar den ausländischen Medien). Englischsprachige Touristen fragen sich beim Streifzug durch die Kölner Fußgängerzone, warum so wenig Deutsch in den Schaufenstern und Kaufhäusern zu finden ist, und sie finden es zum Großteil nicht gut. Zum Schlapplachen ist ja auch das inzwischen vielzitierte Beispiel mit dem "Body Bag" …
Sicherlich ist eine einheitliche Sprache im Zeitalter der Globalisierung sinnvoll, meinetwegen kann das auch Englisch sein - ich spreche es gern und gut. Aber dann doch bitte Englisch, warum (D)Englisch?
Das waren nur so einige Gedanken zu Deinem Beitrag …
@Marianne
Du hast einen wichtigen Aspekt aufgegegriffen: "Wichtigtuerei". Alles Deutsche ist ja sooo staubtrocken, öde, langweilig, unmodern … Weil wir Deutschen uns wohl selbst gern so sehen und immer noch meinen, uns nach der "unseligen" Geschichtsepisode des Zweiten Weltkriegs kleinmachen zu müssen - schade eigentlich. Also ergehe man sich in Imponiergehabe, denglisiere zu diesem Behufe, was das Zeug hält, und schon ist man hip und cool. Super Sache …
Daß Menschen aus anderen Ländern Deutsch wunderschön finden, weiß ich aus eigener Erfahrung, und das freut mich ungemein. Unsere Sprache ist so unendlich reich, wir haben damit Möglichkeiten, die es in anderen Sprachen nicht gibt. Laßt sie uns also nutzen, pflegen und mit ihr spielen!
Deiner Meinung, daß die englische Sprache gefährdet ist, kann ich mich nur anschließen. Die Mechanismen scheinen ähnliche zu sein.
@Carsten
Holy Bimbam! ;-)
Aber kein Grund, sich zu entschuldigen. Ein Forum ist doch zum Meinungsaustausch da, und es kommt doch öfter vor, daß ein Faden mal ein wenig abschweift.

Es gibt sicher noch viele diskutierenswerte Aspekte zum Gesamtthema. Vielleicht mögt ihr ja weitermachen …
Liebe Grüße, Tina
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Beitrag von fille »

Hallo Tina!
Ist Dir z. B. schon einmal aufgefallen, daß in den Medien kaum noch etwas dargeboten, aufgeführt, zum besten gegeben etc., sondern fast nur noch "performt" wird?

Ich hätte Lust, hier eine Umfrage zu machen!
Welches englische Wort nervt mich am meisten in der deutschen Alltagssprache?
Ich mache den Anfang: event :-)
Viele Grüße aus dem heißen Oberbayern
Marianne
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Skywise
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Beitrag von Skywise »

@fille:
Kannst Du haben - Manager.
Weil das Wort so wahnsinnig toll klingt, setzt man es heutzutage derart häufig und größtenteils sinnlos ein, daß es wirklich manchmal zum Verzweifeln ist.
Und ein "Kundenberater" oder "Verkäufer" wird für mich niemals zum "Sales Manager" werden! Und eine "Vorzimmerdame" oder "Sekretärin" wird für mich niemals ein "Office Manager" sein. Weder der eine noch der andere Beruf hat es meines Erachtens verdient, durch einen derart schwammig gewordenen Begriff aufgeweicht zu werden.
Gruß
Skywise
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Beitrag von fille »

Hi Sky,
Und eine "Vorzimmerdame" oder "Sekretärin" wird für mich niemals ein "Office Manager" sein.

Recht hast du! Lauter Manager heutzutage :-x . Dabei finde ich den Begriff Sekretär/in viel angebrachter. Es kommt ja wohl vom lateinischen "secreto" - was so viel bedeutet wie heimlich oder "unter vier Augen". Das hat viel mit Vertrauen zu tun.
Aber "to manage" bedeutet "führen". Soll eine Sekretärin nun die Vertraute des Chefs sein oder soll sie (nur) sein Büro führen.? Auch der Begriff Vorzimmerdame klingt für mich wichtiger und vertrauensvoller. An einer Vorzimmerdame kommt nicht jeder vorbei!
Und dann gibt es ja noch die "wunderschöne" Kombination unserer "Lieblingsbegriffe" - Eventmanager *grrrr*
Schönen Tag
wünscht Marianne
Ich möchte mich berichtigen! "To manage" bedeutet in erster Linie "leiten, verwalten, in Ordnung halten". Trotzdem ist Sekretär(in) der schönere Begriff.
Natürlich ist auch er ein Fremdwort :-) . Auf Deutsch könnte man wohl nur "Vertraute" sagen, oder?
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Tonski
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Beitrag von Tonski »

Liebe Tina,
mit großem Vergnügen habe ich Deinen Beitrag gelesen und auch Eure "home-page" (womit wir schon beim Thema wären!) studiert und Euren "Kampf mit dieser vertrackten deutschen Sprache, die das Tun mit dem Handeln synonym setzt, aber nicht den Täter mit dem Händler" (Ernst von Salomon, Die Kette der tausend Kraniche)
Freilich wirft das alles auch eine Menge Fragen auf, Fragen nach dem nationalen Selbstbewußtsein, an das euch Deutsche erst kürzlich ein deutscher Jude erinnert hat (überlaßt es nicht den Rechtsradikalen!), eine Frage, die für uns Österreicher noch um einiges schwieriger ist!
Es wirft die Frage auf, inwieweit sich Sprache im Zeitalter der langsam verlöschenden Nationalstaaten nicht in ihre regionale Ursprünge zurückentwickelt und viele Fragen mehr.
Wie gesagt, eine spannende Angelegenheit, die hoffentlich auch einen Sinn hat (nicht einen Sinn macht, denn Sinn -wie Ernst Jünger schreibt, existiert, er kann nicht gemacht werden!)
mit lieben Grüßen aus Wien
Günter
Agrippina schrieb:
Liebe Forenteilnehmer,
mit diesem Beitrag möchte ich ein wenig "Werbung" für das Thema "Deutsche Sprache" bzw. den hierzulande praktizierten Umgang mit ihr machen. Auch wenn der Leitgedanke zunächst nicht vorrangig mit Musik zu tun haben scheint, so geht es in diesem Forum doch größtenteils um Liedermacher, die ihre Texte in unserer Muttersprache verfassen. Darüber hinaus ist hier schon das Sprachthema im Rahmen einer Quote für deutsche Musik mitangeklungen, und auch z. B. Reinhard Mey macht sich ja für unsere Sprache stark.
In den letzten Jahren ist eine immer rasanter um sich greifende Beschädigung und Entwertung der deutschen Sprache zu beobachten. Aus diesem Grunde habe ich mich mit drei Gleichgesinnten zusammengetan und eine Initiative ins Leben gerufen, die dieser Entwicklung versucht, ein wenig entgegenzutreten. Zu diesem Zweck haben wir vor gut zwei Monaten einen offenen Brief an einen 650 Adressaten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kirche umfassenden Verteilerkreis versendet und auch einen Internet-Auftritt gestaltet.
Vielleicht mögt Ihr Euch ja mal unter Unsere Deutsche Sprache umschauen, eventuell gar selbst ein wenig aktiv werden und das Thema hier ebenfalls diskutieren?
Würde mich freuen …
Liebe Grüße, Tina
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Piet
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Beitrag von Piet »

Hallo Agrippina
Weil wir Deutschen uns wohl selbst gern so sehen und immer noch meinen, uns nach der "unseligen" Geschichtsepisode des Zweiten Weltkriegs kleinmachen zu müssen - schade eigentlich.

Diese Äußerung stört mich doch sehr!!! Den Zweiten Weltkrieg als Geschichtsepisode abzutun, das ist mir im ersten Moment, als ich es las, emotional aufgestoßen. Wenn mir so etwas passiert, schlage ich meistens noch mal im Wörterbuch nach, um festzustellen, ob mein Sprachgefühl eine komplementäre Erklärung erfährt. Episode wird im Deutschen Duden Universalwörterbuch folgendermaßen erklärt: flüchtiges Ereignis
Als jemand, der die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges noch gespürt hat und heute immer noch spürt (wie viele andere auch), kann ich nicht nachvollziehen, wieso du unseligen in Anführungsstriche setzt, Geschichtsepisode aber nicht. Wenn ich den Ersten Weltkrieg mit einbeziehe, kann ich fast von einem ganzen Jahrhundert sprechen, wo Menschen auf dieser Welt mehr oder weniger stark von diesen unseligen=schlimmen=üblen=Unheil bringenden=verhängnisvollen (ohne Anführungsstriche) Weltkriegen betroffen waren. Es ist richtig, dass wir uns heute nicht mehr „klein machen“ müssen, weil Generationen herangewachsen sind, die unbelasteter mit den Ereignissen des letzten Jahrhunderts umgehen können, weil sie nicht verantwortlich für die Ereignisse sind. Wir sollten in der Anwendung unserer Sprache trotzdem nicht den Fehler begehen, Geschichte ähnlich wie die Krieg der Sterne Trilogie in Episoden einzuteilen.
Insgesamt sehe ich die deutsche Sprache nicht gefährdet. Es ist richtig sein eigenes Kulturgut zu pflegen und zu schützen. In diesem Sinne habe ich auch nichts gegen einen Appell. Dieser Appell regt zu Diskussionen an (wie man hier im Forum sieht). Er unterstützt auch den bewußten Umgang mit der eigenen Sprache. Das ist positiv. Und Anglizismen sind allgegenwärtig.
Die Dramatik, mit der ihr die "um sich greifende Beschädigung und Entwertung der deutschen Sprache" schildert, kann ich (noch) nicht ganz nachvollziehen.
Ein konkretes Beispiel:
Ich schlage meine regionale Tageszeitung den "Weser Kurier" auf und muss angestrengt nach (D)Englischen Begriffen, bzw. Anglizismen suchen. Selbst im Teil "Zisch" der der Zielgruppe Schüler gewidmet ist: keine derartigen Begriffe. Es kann natürlich sein, dass bestimmte Begriffe schon in meinen Sprachgebrauch übergegangen sind und ich sie garnicht mehr als Anglizismen erkenne.
Was ich bei Eurer Seite vermisse, sind Hintergrundinformationen. Deshalb habe ich ein paar Links zusammengetragen, die sich mit dem Thema Anglizismen in der deutschen Sprache auseinandersetzen. Und es gibt noch jede Menge mehr brauchbarer Arbeitspapiere, Bücher etc zu diesem Thema. Ich habe bei der Auswahl nicht nach für oder wider oder inhaltlicher Substanz gefragt. Hier die Links:
http://www.pfannhauser.at/muttersprache/dokumente/FACHARBEITSCHULZE.pdf 
www.fak12.uni-muenchen.de/forost/  fo_library/forost_Arbeitspapier_07.pdf
www.archetype.de/texte/2004/IDS-2004_chillen.pdf 
http://www.informatik.uni-leipzig.de/~graebe/projekte/Texte/RLKonf-2005/laitko-05-1.pdf 
http://www.bgdv.be/gm59/Koenig.pdf 
http://www.eurfedling.org/conf/files/Stickel-Deutch.pdf 
www.daad.ru/wort/wort2002/Schmitz.Druck.pdf 
Liebe Grüße
Piet
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Beitrag von Agrippina »

Hallo Piet,
na, da kam die Watsche aber tiefgeflogen ... ;-)
Ein wenig davon hole ich mir auch gern ab, denn Du hast recht, da war meine Interpunktion ein wenig unglücklich, um meine Aussage (bzw. das, was nicht ausgesagt werden sollte) deutlich zu machen.
Allerdings hatte ich auch nicht die Definition von Episode als flüchtiges Ereignis im Hinterkopf, die Du gefunden hast, deshalb habe auch ich noch einmal meine schlauen Bücher konsultiert und im Fremdwörter-Duden eine etwas andere Erläuterung gefunden, die meinen Hintergedanken bei der Verwendung dieses Begriffs stützt: Danach ist eine Episode nämlich u. a. ein kleinerer Zeitabschnitt innerhalb eines größeren in bezug auf das darin enthaltene Geschehen. Betrachtet man nun die deutsche Geschichte (oder größere Teile davon) insgesamt als den großen Zeitabschnitt, sind die Jahre des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkriegs in meinen Augen sehr wohl eine Episode.
So, wie Du meine Aussage ausgelegt hast (oder auslegen konntest), ist Deine Empörung verständlich; keineswegs wollte ich zum Ausdruck bringen, ich nähme diesen Teil unserer Geschichte nicht ernst oder wollte die Greuel unter den Tisch kehren, ganz im Gegenteil! Gleichwohl wehre ich mich vehement dagegen, die deutsche Geschichte - so wie es uns oder wie wir es uns ständig einreden - auf die Jahre zwischen 1933 - 45 zu beschränken.
Wir haben versucht, den heutigen Zustand unserer Sprache gerade nicht zu dramatisieren, und uns ist durchaus bescheinigt worden, daß uns dies gelungen ist (siehe z. B. eine der Reaktionen, die wir in unserem Internet-Auftritt veröffentlicht haben). Wir haben Fakten genannt, die nicht wegzuleugnen und jederzeit überprüfbar sind. Noch ein Beispiel dazu:
Unsere Mit-Initiatorin, in den USA ansässig und gerade auf Deutschlandbesuch, kehrte gestern von einer Reise durch Ostdeutschland zurück. Ohne, daß ich sie auf das Thema angesprochen hatte, berichtete sie, daß sie in nahezu jedem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern ausschließlich auf die auch von mir bereits erwähnten "Back-Shops" traf. In einer Stadt war sogar eine "Back-Factory" ansässig. Letzteres ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie mit Anglizismen sprachliche Augenwischerei betrieben wird. Oder glaubt jemand, es wirkte umsatzsteigernd, wenn ich die Konsumenten mit der Nase drauf stoße, daß ihr Brot aus einer Back-Fabrik kommt (und eine factory ist nun einmal nichts anderes als eine Fabrik)? "Gute", deutliche Sprache ist out, Gewinnmaximierung in, kulturelle Werte bleiben auf der Strecke.
Es gibt durchaus (Druck-)Medien, die sich um gutes Deutsch bemühen, wie Du am Beispiel des "Weser-Kuriers" deutlich gemacht hast. Doch dies ist leider nicht mehr die Regel. Beispiele dafür könnte ich Dir zuhauf nennen.
Deine Kritik bezüglich fehlender Hintergrundinformationen lasse ich nur teilweise gelten. Wir haben eine Fundgrube eingerichtet und eine Verweise-Seite, die bereits einiges enthalten. Noch sind wir im Aufbau und erweitern unseren Internet-Auftritt ständig, wann und wie immer es geht (wir sind schließlich eine kleine Privatinitiative, die sich auch permanent den mit Faktoren Zeit und Geld auseinanderzusetzen hat), und Sprache hat so viele Aspekte, daß die Zusammenstellung interessanten und verständlichen Materials doch recht aufwendig ist. Herzlichen Dank aber für die Verweise, die Du "auf die Schnelle" zusammengetragen hast, ich habe kurz in das eine oder andere hineingeschaut und Interessantes dabei entdeckt. Dürfen wir uns Deine Mühe zunutze machen?
Danke für Deinen Beitrag, lieber Piet, und viele Grüße,
Tina
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Beitrag von Nordlicht »

Hallo, Agrippina !
Nachdem ich Deinem Hinweis nachgegangen war, Eure WebSite aufgerufen und den Aufruf gelesen hatte, drängte sich ganz zuerst der Eindruck auf: hmmmm, ja, stimmt eigentlich irgendwie. Beim zweiten Lesen kam es dann jedoch, das "aaaaaber...".
Zunächst einmal vermag ich nirgendwo eine "Entwertung" der deutschen Sprache zu erkennen. Sicher, es gibt die von Euch an den Pranger gestellten "Anglizismen". Es gibt aber auch "Frankozismen" (so man die so nennt...) und mannigfaltige andere "...ismen". Das allein jedoch läßt keinen Rückschluß auf den "Wert" der Ursprungssprache zu. Denn auch der englische Sprachraum kennt "Germanizismen", ich will da nur auf die hinlänglich bekannten Beispiele wie "Kindergarten" oder auch "Blitzkrieg" und "Sauerkraut" hinweisen. Allerdings käme kein Engländer auf die Idee, seine Muttersprache dadurch als "entwertet" zu betrachten.
Purismus - auch in sprachlicher Hinsicht - ist bei näherer Betrachtung eigentlich immer mehr von Übel als von Nutzen, denn der Purist übersieht leicht, daß es mehr gibt als das für ihn Maßgebende.
Sprache ist ja an sich keine statische Angelegenheit, sie lebt und entwickelt sich weiter, nimmt Einflüsse auf, gibt Trends wieder, läßt sich regional zuordnen. Und das ist ja zunächst einmal nicht von Nachteil. Gerade in einer Welt, die mehr und mehr in informeller Hinsicht zueinander rückt, ist doch entscheidend, daß der Eine den anderen auch in sozio- kultureller Hinsicht zu verstehen lernt.
Ich habe von jeher die Meinung vertreten: Es ist nicht entscheidend, ob man die 4. Wurzel aus 115 zu ziehen versteht, man muß nicht wissen, wann Richard der Beknackte Roswitha die Runzlige geheiratet hat und man hat wenig Nutzen davon, das Lukas- Evangelium auswendig zitieren zu können. Mehr als das ist entscheidend, seine Muttersprache zu beherrschen. Und genau DORT liegt meines Erachtens nach der Hase im Pfeffer und schnalzt: Ich stelle gerade in den letzten Jahren vermehrt fest, daß kaum noch ein Jugendlicher in der Lage ist, überhaupt einen Satz unfallfrei geradeaus sprechen zu können. Und das liegt nicht an irgendwelchen "ismen". Das liegt daran, daß die Sprache nicht mehr mit ausreichender Priorität vermittelt wird. Über die Gründe kann man diskutieren, aber "Manager" und "Back- Factories" haben damit recht wenig zu tun.
Ihr bemängelt, daß Deutsch als Wissenschaftssprache fast völlig die Bedeutung verloren hat. Das ist für mich falsch. Sicher, Deutsch hat heutzutage in diesem Bereich keinen großen Einfluß. Liegt aber daran, daß man wissenschaftliche Erkenntnisse gerne in der Sprache veröffentlicht, die weltweit die meisten Wissenschaftler sprechen. Und das ist eben - mag es uns passen oder nicht - Englisch. Und wenn Du Dich hier auf "vergangene" Zeiten berufst, dann vergiß bitte nicht, daß diese Sprache nicht das Deutsch ist, das wir heute kennen, sondern ein (aus unserer heutigen Sicht) veraltetes Deutsch.
Auf europäischer Ebene ist übrigens niemand bereit, auf "seine" Sprache als Verwaltungssprache zu verzichten, aus diesem Grund herrscht hier auch heute noch "Kleinstaaterei", und die bedingt halt, daß alle Vorlagen in jede Sprache übersetzt werden, weil niemand
bereit ist, das eigene Idiom hintanzustellen.
Niemand "flieht" aus unserer Sprache. Tatsache ist, daß Sprache angepaßt wird. Und ich bezweifle, daß bei dieser Anpassung nur Schaden verursacht wird.
Weil es hier explizit um die Zeit der Nazi- Herrschaft ging: Ich bin heilfroh, daß sich der Sprach- Purismus der Naxi- Exegeten nicht durchgesetzt hat. Du erinnerst Dich ? Der "Billard- Tisch" wurde zum "Stoß- Tisch", der "Pullover" zum "Schwubber", geplant war sogar, die "Nase" aufgrund ihres angeblich fremdvölkischen Wortstammes in "Lösch- Horn" umzubenennen. Da kann ich mit "Handy" und "Computer" genauso gut leben wie mit "Shops" oder "Factories", vom "Outlet- Store" mal ganz zu schweigen.
Allerdings will ich Dir in einem Teilbereich zustimmen, der dabei ist, unsere Sprache gerade in der Schriftform massivst zu verstümmeln: die sog. "Rechtschreibreform". Dieser Unfug hat in keinem einzigen Bereich dazu beigetragen, Sprache bzw. Schrift zu "vereinfachen". (Das ist ja auch eine schreckliche Vorstellung !) Im Gegenteil: Hier wird gewachsenes durch oktruiertes verdrängt, hier werden Ausnahmen zu Regeln erhoben, HIER wird die Sprache "entwertet" - und in diesem Teilbereich hast Du meine Unterstützung. Leider sehe ich da lösungsmäßig schwarz, denn ich, als Schleswig- Holsteiner, habe seinerzeit in der Volksabstimmung dazu beigetragen, daß diese dummerhafte "Reform" in diesem Bundesland nicht unmittelbar umgesetzt werden konnte. (Die Politik hat durch entsprechende Beschlüsse ja dann erreicht, daß der wahlberechtigte Bürger letztlich doch nur als lästige Begleiterscheinung der Demokratie erschien...)
Beim Rest Deines - Eures - Anliegens drängte sich mir letztlich doch der Begriff "Chauvinismus" auf - und damit war dann auch klar, daß ich diesen "offenen Brief" leider doch nicht unterstützen kann.
Liebe Grüße aus Oberösterreich von
ANDREAS.

(...der sich mittlerweile sogar mit österreichischen Sprach- Besonderheiten wie "Paradeiser", "Fisolen" und "Kohlsprossen" arrangiert hat und es damit als erwiesen ansieht, daß der Mensch mit seinen Aufgaben wächst...)
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Ja, ich hab' einen Traum von einer Welt
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Deutsche Sprache

Beitrag von Agrippina »

Hallo Andreas,
danke für Deinen ausführlichen Beitrag. Ein paar Gedanken dazu möchte ich gern loswerden:
Zur "Entwertung" der deutschen Sprache haben wir offensichtlich grundverschiedene Ansichten. Selbstverständlich gibt es neben Anglizismen etliche andere "ismen", die die deutsche Sprache beeinflussen bzw. in sie eingegangen sind (z. B. Latinismen, Gräzismen und Gallizismen ;-) ). Allerdings sind wir - weder in Menge noch in Tempo - davon derart überrannt worden, wie dies heute der Fall ist. Natürlich kennt auch der englische Sprachraum Germanismen, doch vergleicht man die Zahl derer mit der Anzahl der Anglizismen, die sich bei uns mittlerweile eingenistet haben, ist sie verschwindend gering (einen genauen Wert habe ich gerade nicht parat, kann ihn aber gern eruieren, wenn Du darauf bestehst).
An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, daß es uns nicht darum geht, Fremdeinflüsse (vor allem durch Anglizismen) auf die deutsche Sprache grundsätzlich zu verdonnern. Vielmehr möchten wir erreichen, daß nicht kritik- und gedankenlos jedes (englische) Wort übernommen und dadurch z. B. ein gutes, treffendes vorhandenes deutsches ersetzt wird. Andere Länder machen es uns vor, wie man damit umgehen kann, und es funktioniert hervorragend (auch hierfür liefere ich Beispiele gern nach). Sicherlich gibt es Bereiche oder Neuheiten, für die ein fremdes Wort durchaus angebracht ist, weil entweder noch keines existiert oder nicht treffend genug ist.
Zum Purismus: Hast Du da vielleicht etwas nicht richtig verstanden? Genau das wollen wir nicht und wir sind auch keine Puristen (meine Ausdrucksweise in Forenbeiträgen und Diskussionen im Chat dürften das inzwischen auch deutlich gemacht haben). Das haben wir in unserem offenen Brief auch sehr deutlich gesagt. Ich darf in diesem Zusammenhang noch eine andere Passage zitieren, die dies hoffentlich ein bißchen klarer macht:
Wir befürworten keinen ängstlich auf Abwehr bedachten "Schutz" der deutschen Sprache vor jedweden Fremdeinflüssen, und schon gar nicht wollen wir gesetzliche Maßnahmen zu ihrer "Reinhaltung". Aber wir fordern (…), die eine kreative Weiterentwicklung der deutschen Sprache zunächst aus deren eigenem Reichtum heraus fördert. (Hervorhebung durch Fettdruck erfolgte durch mich.)
Deine nächste Aussage kann nur stützen: Wissen und Bildung um des Wissens und der Bildung willen nutzt jar nüscht. Ich kann mir noch soviel Theorie über die Straßenverkehrsordnung und die Funktion eines Viertaktmotors reinziehen, das Autofahren beherrsche ich dadurch immer noch nicht. Es muß mir nahegebracht werden, ich brauche Anleitung, muß es üben, mich damit beschäftigen, meine Erfahrungen in der Praxis damit machen. Soweit sind wir d'accord.
Gleiches gilt für Sprache. Du bist nicht allein mit Deiner Beobachtung der mangelnden Sprachfähigkeit heutiger Jugendlicher. Und Du hast ja so recht mit Deiner Aussage, daß dies daran liegt, daß sie nicht mehr mit ausreichender Priorität vermittelt wird (das ist ja auch einer unserer Ansätze, es geht uns ja nicht allein um das "Problem" der Anglizismen, auch wenn dieser Bereich einen Schwerpunkt bildet). Nun aber ziehst Du aus meiner Sicht eine nicht ganz richtige Schlußfolgerung, wenn Du sagst, dies habe nichts mit "ismen" zu tun. Doch, hat es. Sie mögen vielleicht nicht ursächlich dafür sein, doch sie stoßen in genau diese Lücke, die die mangelnde Auseinandersetzung mit Sprache (von wem auch immer die ausgeht) hinterläßt und "unterwandern" so leise, still und heimlich unsere Muttersprache.
Ich empfinde es schon als Flucht aus der eigenen Sprache, wenn für sinnvolle, gebräuchliche, gute Worte in der eigenen Sprache nur noch (d)englische verwendet werden (sollen), insbesondere, wenn damit bewußt euphemistisch dahergekommen wird (ähnlich scheußlich finde ich es allerdings auch, wenn innerhalb der eigenen Sprache schöngemalt wird.)
Schön, daß wir wenigstens in Fragen der Rechtschreibreform (oder -deform …?) einer Meinung sind.
Der Vorwurf des Chauvinismus trifft allerdings hart. Worin siehst Du ihn in unserem Anliegen? Wir sind keine extremen Patrioten, nehmen keine nationalistische Haltung ein - das weisen wir weit von uns! Aber wir bekennen uns dazu, daß uns unsere Muttersprache sehr am Herzen liegt und uns dieses Kulturgut wichtig ist. Aber so ist das wohl in diesem unserem Lande (auch wenn Du ja mittlerweile abtrünning geworden bist ;-)): Gestehe mal öffentlich, daß Dir irgendwas Deutsches am Herzen liegt, schon haste den passenden Stempel auf der Stirn. Das finde ich mehr als schade.
Liebe Grüße vom Rhein
Tina
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Piet
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Deutsche Sprache

Beitrag von Piet »

Hallo Agrippina,
mein Beitrag sollte keineswegs tiefgeflogen kommen, und abwatschen wollte ich dich auch nicht. Aber du wirst sicherlich Gelegenheit finden es mir „heimzuzahlen“. Dann aber bitte nicht mit einem Groll :-x den du aus vergangenen Zeiten „rüberrettest“, sondern weil ich es verdient habe :-o .
Danach ist eine Episode nämlich u. a. ein kleinerer Zeitabschnitt innerhalb eines größeren in bezug auf das darin enthaltene Geschehen. Betrachtet man nun die deutsche Geschichte (oder größere Teile davon) insgesamt als den großen Zeitabschnitt, sind die Jahre des nationalsozialistischen Regimes und des Zweiten Weltkriegs in meinen Augen sehr wohl eine Episode.

Ich bin da anderer Meinung als du. Zwölf Jahre sind für mich kein kleinerer Zeitabschnitt. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg haben Europa und die Welt so nachhaltig verändert und geprägt, dass man/ich geschichtlich auch mit deiner Definition nicht von einer Episode, auch nicht im Gesamtrahmen Deutsche Geschichte sprechen kann.
Gleichwohlwehre ich mich vehement dagegen, die deutsche Geschichte - so wie es uns oder wie wir es uns ständig einreden - auf die Jahre zwischen 1933 - 45 zu beschränken.

Ist es wirklich so, dass wir uns das einreden oder das andere uns einreden, dass nur dieser Zeitraum deutsche Geschichte ist?
Ich muss die Bedeutung eines geschichtlichen Ereignisses nicht kleiner machen, um deutscher Kultur, Literatur und Sprache einen gebührenden Platz in meinem Bewusstsein als Deutscher einzuräumen. Wir müssen uns nicht klein machen, wir müssen und sollten uns aber auch nicht über andere stellen. Das habe ich jetzt nicht gesagt, weil ich glaube, dass du dich als Deutsche über andere stellen musst oder willst, sondern weil ich das für wichtig und erwähnenswert halte. Die Nachfolgegenerationen (zu denen zähle ich ja auch), werden hoffentlich ein ausgewogenes Verhältnis zu ihrer jüngeren Geschichte finden.
Um auf die deutsche Sprache zurückzukommen. Der vermehrte Gebrauch von Anglizismen hat wahrscheinlich mehr mit Globalisierung zu tun und betrifft auch andere europäische Sprachen. Wenn ich durch niederländische Innenstädte gehe, werde ich auch vermehrt Anglizismen im Straßenbild finden. Die Franzosen beklagen ebenfalls den vermehrten Gebrauch von Anglizismen. Man würde deshalb, bei den Franzosen ist das glaube ich ganz deutlich zu sehen, nicht gleich von einer Krise der nationalen Identität sprechen. Oder behaupten, dass Franzosen die Anglizismen verwenden, alles Französische doof finden. Vielleicht haben wir als Deutsche eine Identitätskrise, aber manifestiert sich diese Krise wirklich im Gebrauch von Anglizismen oder dieser Wichtigtuerei im (D)Englischen? Da habe ich meine Zweifel.
Ich will nicht in jedem Beitrag irgendwelche Links anhängen, möchte aber dieses Mal trotzdem wieder zwei interessante Links erwähnen, die eure These von der Beschädigung und Entwertung der deutschen Sprache ein bisschen relativieren.
Der erste Sternartikel setzt sich mit neuen Entwicklungen in der Werbung auseinander. Aufhänger dieses Artikel ist der Spruch einer großen deutschen Parfümeriekette. Die warb ja bekanntermaßen mit dem Spruch „Come in and find out“. Dieser Werbespruch wurde anscheinend falsch verstanden. Die Empfänger der Werbebotschaft haben das teilweise folgendermaßen verstanden: Kommen Sie rein und finden sie wieder raus. Neuerdings verwendet diese Parfümeriekette den Spruch „Douglas macht das Leben schöner“. Weitere Beispiele von anderen Unternehmen werden genannt. Und es wird von einem Trend weg von Anglizismen gesprochen.
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/meldungen/?id=532208 
Im zweiten Sternartikel werden die Untersuchungsergebnisse des Instituts für Deutsche Sprache erwähnt. Demnach werden 60 Prozent der 700 Wort Neuschöpfungen eines Jahrzehnts aus dem Deutschen heraus gebildet und "nur" 40 Prozent aus dem Englischen entlehnt.
http://www.stern.de/unterhaltung/buecher/index.html?id=518609&nv=ct_mt 
Damit wir uns nicht missverstehen: Eure Initiative finde ich gut! Das habe ich aber auch schon in meinem vorherigen Beitrag gesagt. Die Kritik mit den Hintergrundinformationen ziehe ich zurück. Das wird mehr werden, da bin ich ziemlich sicher.
Wahrscheinlich finden da auch Quellen und Beiträge eine Berücksichtigung, die auf positive Entwicklungen, wie in den beiden oben genannten Artikeln beschrieben, hinweisen. Oder?
Verwerten dürft ihr natürlich alle von mir genannten Hintergrundinfos. Die Infos die eure These bestätigen und die Infos die eure These entkräften. :-D
Liebe Grüße
Piet
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Deutsche Sprache

Beitrag von Agrippina »

Hallo Piet,
ach iwo, wieso sollte ich Dir denn grollen? Wir sind lediglich in dem ein oder anderen Punkt unterschiedlicher Auffassung, ist ja auch gut so, sonst wäre ja solch ein Forum hinfällig. Und daß der Ton hie und da mal ein bißchen ernsthafter ausfallen kann, wenn jemand seinen Unmut kundtut, auch das ist völlig in Ordnung. Insofern dürftest Du's schwer haben, Dir meinen Groll zu verdienen, aber versuchen kannst Du's natürlich gern. :-)
Deine Interpretation des Begriffs "Episode" erkenne ich an; ich habe durchaus verstanden, wieso Dir aufgrund Deiner Assoziationen anläßlich meiner Wortwahl die Haare zu Berge gestanden haben, auch wenn wir darüber unterschiedlicher Meinung sind. Belassen wir's dabei; ich denke, Du hast mittlerweile sehen können, was ich mit meinen Worten (nicht) ausdrücken wollte, und damit sollte es gut sein.
Ich gebe Dir völlig recht, daß die Bedeutung eines Ereignisses nicht geschmälert werden muß/darf, um andere Werte hervorzuheben. Das war auch nicht meine Intention. Und ganz gewiß sollten wir uns nicht über andere stellen, niemand sollte das. Ich habe auch nicht den Eindruck, daß wir das heutzutage tun - ganz im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, daß wir Deutsche uns kleiner machen als nötig.
Irgendwo steckt es wohl in uns (oder den meisten, zumindest aber vielen) drin, daß wir meinen, kein Nationalbewußtsein entwickeln dürfen, von einem gesunden Patriotismus u. ä. mal ganz zu schweigen (womit ich nicht gesagt haben will, daß ich eine glühende Verfechterin dessen bin). Die Ereignisse und Folgen aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 spielen offensichtlich dabei noch eine ganz große Rolle (keine ausschließliche, aber doch eine dominante). Schaut man sich allein mal an, in welchem Umfang dieses Thema uns fast täglich über die Medien erreicht, ist dies wohl auch kein Wunder. Sicher, es ist ein wichtiges Thema, eines, das nicht vergessen werden darf, aber ich für meinen Teil will nicht ständig mit der Nase drauf gestoßen werden; wie soll sich denn da ein ausgewogenes Verhältnis, wie Du es nennst, einstellen?
Ich finde schon, daß Deutschland in einer Identitätskrise steckt. Das manifestiert sich natürlich nicht allein im Gebrauch von Anglizismen oder (d)englischer Sprachpanscherei, aber auch. Im Ausland weiß man uns, unsere Leistungen und Produkte mehr zu schätzen, als wir es selber tun. Auch dafür könnte ich Dir Beispiele nennen oder zukommen lassen, es würde hier den Rahmen etwas sprengen.
Aber zurück zu Thema: Sicherlich spielt die Globalisierung eine Rolle beim vermehrten Gebrauch von Anglizismen, bei uns wie auch in anderen Ländern. Einige andere Länder, allen voran Frankreich, das Du beispielhaft anführst, grenzen sich jedoch gegen solcherart massives Eindringen ab. In Frankreich beispielsweise existieren bereits seit Jahrhunderten Maßnahmen zum Schutz/Erhalt der Sprache. Der erste Spracherlaß stammt meines Wissens aus dem 15. Jahrhundert, und im 17. Jahrhundert wurde die Académie française gegründet, die seitdem über den Erhalt und die Entwicklung der französischen Sprache wacht und den richtigen Gebrauch bestimmt. In den 90er Jahren erhielt Frankreich dann das aktuelle Sprachgesetz. Frankreich ist, wie gesagt, nicht das einzige Land, das Maßnahmen ergriffen hat, um die eigene Sprache zu fördern und zu lenken. Man mag trefflich darüber streiten, ob Gesetze der richtige Weg sind - wir befürworten sie für Deutschland nicht -, doch eines ist gewiß: In diesen Ländern stellt sich die Problematik (so man sie denn als eine solche bezeichnen möchte), wie wir sie haben nicht - oder nicht in diesem Umfang -, und man kann nicht behaupten, daß es ihnen, auch im Zeitalter der Globalisierung, zum Nachteil gereicht.
Vielen Dank auch für die neuen Verweise. Die Geschichte mit dem Werbe-Englisch ist mir gut bekannt, Douglas wird immer wieder als prominentes Beispiel zitiert. Bereits vor längerem hat die Firma Endmark zu diesem Thema eine Studie durchgeführt und herausgefunden, daß die meisten englischen Werbesprüche von Verbrauchern nicht oder nicht im Sinne des Unternehmens verstanden werden. Was geschah daraufhin? Ein guter Teil der Unternehmen ist zurückgerudert und wirbt nunmehr auf Deutsch. Da stellt sich doch die Frage, warum dies nur in der Werbung geschieht? So gut scheint ja das Englisch der breiten Masse der Deutschen nicht zu sein, als daß es verstanden wird, warum also sollen wir uns auch in anderen Bereichen der Wirtschaft oder in der Politik, der Kultur und der Religion mit einem Übermaß davon "rumschlagen"?
Was das Verhältnis der Wortschöpfungen Deutsch/Englisch angeht, ist es prima, daß die Mehrzahl aus dem Deutschen heraus gebildet wird. Aber 60 : 40 finde ich ziemlich happig! Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird, bis wir bei 50 : 50 oder einem umgekehrten Verhältnis angelangt sind? Ich finde den Gedanken daran nicht besonders ermutigend.
Wie auch immer, nochmals herzlichen Dank für Deine Recherche. Ich werde mich gern mit den Mit-Initiatoren abstimmen darüber, ob und welche wir für uns verwenden. Persönlich finde ich Ausgewogenheit (und dazu gehören nun einmal Pro und Contra) gut, insofern will ich mich gern dafür einsetzen, auch einmal kritische Töne in unseren Internet-Auftritt einzubinden. Ob es mir gelingen wird - meine "Mitmacher" und ich gehen da demokratisch vor -, bleibt abzuwarten … ;-)
Auf eine weiterhin spannende Diskussion!
Liebe Grüße
Tina
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Nordlicht
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Deutsche Sprache

Beitrag von Nordlicht »

Hallo, Tina !
Nachdem sich alles ein wenig gesetzt hat, fällt mir doch noch das Eine oder Andere ein:
Für mein Empfinden handelt es sich bei Eurem Anliegen sehr wohl, zumindest in Ansätzen, um eine Art von Purismus, wenn vielleicht auch in abgeschwächter Form. Und ich kritisiere das nicht, denn nicht jeder Purismus muß ja per se schlecht sein.
Eines ist mir jedoch, mal unabhängig von allem anderen, aufgefallen: Ihr beklagt Euch, daß auch die "deutschen Volkslieder" ein Opfer der zunehmenden Anglisierung werden, und dem muß ich nun ganz entschieden widersprechen: Diese nämlich sind seit ihrer Entstehung ja sprachlich unverändert und muten gerade daher heutzutage in unseren Ohren manchmal ein wenig "seltsam" an.
Im Wesentlichen bin ich ja zumindest mit Euren Thesen durchaus konform. Ich arbeite selber in einem Bereich, wo das "Network Operating Center", der "Voice & IP- Helpdesk" oder das "Churn & Outborn" im "Outsourcing" gang und gäbe sind. Das hat mich zuerst auch irritiert, nur bei näherer Betrachtung stellt sich mir dann doch die Frage: Wie anders willst Du dies alles benennen ? Den "Help- Desk" in "Hilfe- Tisch" umzutaufen wäre sicherlich, jedenfalls für mich, ein weit größerer Eingriff in die deutsche Sprache. Und insofern komme ich mit Euren Schlußfolgerungen nicht wirklich zurecht.
Und für "Chauvinisten" halte ich Euch auch nicht, mir kam der Begriff nur beim Lesen Eures offenen Briefs so von irgendwo her irgendwie in den Sinn.
Liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der es viel ärger findet, wenn der Hausmeister, wie in dieser Firma üblich, zum "Gebäudeinstandhalter" mutiert...)
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Beitrag von Tonski »

Lieber Andreas,
ist es nicht so, daß die guten alten deutschen und österreichischen Volkslieder - die deutschsprachigen also -dann nicht "seltsam" klingen, wenn sie von Menschen gesungen werden, denen wir vertrauen.
Ich höre mir immer wieder gerne und leidenschaftlich Hannes Wader an, wenn er Volkslieder singt und ich würde mir auch einen österreichischen Liedermacher wünschen, der sich so etwas traut. Hubert von Goisern war ein wenig auf dem Weg dahin, bevor er sich in tibetansichen und afrikanischen Klängen verloren hat!
liebe Grüße nach Linz
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Deutsche Sprache

Beitrag von fille »

Hallo Tonski!
Ich höre mir immer wieder gerne und leidenschaftlich Hannes Wader an, wenn er Volkslieder singt

Ich muß dir recht geben und kann nicht einsehen, was an Volksliedern seltsam klingen soll. Viele sind schön und voller Poesie.
Mein Lieblingslied ist Die Gedanken sind frei. Von diesem Lied kenne ich den Dichter nicht, aber viele sind von den großen wie meinem Lieblingsdichter Heinrich Heine Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Goethe Es war ein König in Thule oder Eichendorff In einem kühlen Grunde.
Es ist wohl so bei allem: der eine mag es und der andere nicht.
Schöne Grüße aus dem (noch) heißen Bayern
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Beitrag von Nordlicht »

Halli- hallo !
Oh je, da habe ich mich ja wieder mal in die Nesseln gesetzt. Vielleicht ja zur Zeit mein bevorzugter Aufenthaltsort... :-D
... kann nicht einsehen, was an Volksliedern seltsam klingen soll...

Also, zur Konkretisierung: Nicht die Volkslieder "an sich" klingen seltsam, wobei "seltsam" ohnehin vielleicht kein geglückter Ausdruck ist. Was ich damit meine, ist: Die in den deutschen Volksliedern verwendete Sprache (der Entstehungszeit dieser Lieder) mutet heutzutage teilweise recht "ungewohnt" an. Ich möchte ihr aber auf gar keinen Fall eine gewisse Poesie absprechen !
Da übrigens Eichendorffs Gedicht "In einem kühlen Grunde" angesprochen wurde: Es gibt, für mein Empfinden jedenfalls, keine großartigere Interpretation in musikalischer Hinsicht als die Version der "Comedian Harmonists" aus den frühen 30-er Jahren ! Ich liebe die "CH" ohnehin über alles (sie waren ja eigentlich die erste "Boy- Group" Deutschlands...), schmelze aber beim "kühlen Grunde", beim "Sandmännchen", bei Claudius´ "Der Mond ist aufgegangen" und auch beim "Heideröslein" regelmäßig dahin...
Also, nochmal: da Sprache "lebt" und sich damit zwangsläufig auch verändert, mutete es "seltsam" an, wenn uns heute jemand in mittelhochdeutscher Mundart oder im "Slang" des 18. Jahrhunderts auf der Straße anreden würde. Nichts anderes war gemeint.
Liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der sich am Büro- PC gleich mal die "Comedian Harmoinists" von der Platte runterladen wird...)
PS.
@fille:
"Die Gedanken sind frei" ist um 1780 entstanden, vermutlich aus revolutionären Anfängen heraus. Sowohl der Komponist als auch der Textdichter gelten als unbekannt, als Hinweis wird nur oft "...aus fliegenden Blättern..." angegeben.
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Beitrag von fille »

Sah ein Knab' ein Röslein stehen, wog 180 Pfund... :-D

Hallo Andreas,
...mutet heutzutage teilweise recht "ungewohnt" an.

Gut, "teilweise" kann man gelten lassen.
...keine großartigere Interpretation in musikalischer Hinsicht als die Version der "Comedian Harmonists..
Und nicht nur bei den angesprochenen Volksliedern!
Ach "Veronika, der Lenz ist da!", "Wochenend und Sonnenschein", "Laß mich dein Badewasser schlürfen" oder "Mein kleiner grüner Kaktus"

Und wenn ein Bösewicht
mal in mein Haus einbricht.
Dann hol ich meinen Kaktus
und der sticht sticht sticht...


Herrlich!
Marianne
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