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von Rike
#26
Ihr Lieben,
ich habe nach meinen Konzertbesuchen in Celle und Stade heute einen Artikel im Lorbeerblatt veröffentlicht. Den kopiere ich hier einfach mal rein.
Lieber Reinhard, ich hoffe, ich habe einen Kompromiss zwischen meinem Bedürfnis, Alles auszuplaudern und Deinem Wunsch, die komplette Playlist erst nach der Tour ins Ein Achtel Lorbeerblatt zu stellen, gefunden, der auch für Dich okay ist.
Hier mein EAL-Text: (oder im Original EAL Format HIER)
Achtung: Wer seinen Konzertbesuch noch vor sich hat und sich überraschen lassen möchte, sollte nicht weiterlesen. Dieser Konzerbericht geht sehr ins Detail und nennt zahlreiche der gespielten Lieder.
Spielmann nennt er sich, Liederdichter oder Gaukler – dieser von sich selbst so genannte “kleine dünne Mann mit Brille” . Gemeint ist immer dasselbe: Reinhard Mey steht allein mit seiner Gitarre vor einem erwartungsfrohen Publikum und tut, was er seit 50 Jahren auf der Bühne macht – er singt seine eigenen Lieder über das Leben, sein Leben und irgendwie auch über unser aller Leben.
Liebe Leser,
so oder ähnlich könnte eine professionelle Konzertkritik beginnen. Ich kann so nicht schreiben. Ich bin keine Kritikerin – sondern ein Mensch, für den die Lieder Reinhard Meys seit mehr als 40 Jahren Begleiter seines Alltags sind. Nicht mehr – und nicht weniger. Und ich weiß, wir sind viele.
Wenn Sie mögen, nehme ich Sie gerne mit auf eine kleine Reise durch meine Erinnerungen an die Konzerte in Celle am 20.9. und danach gleich noch einmal in Stade (23.9.).
Kurz vor 20:00 erschallt die Stimme von Sali Aydin über die Lautsprecher die bittet, die Handys auszuschalten und “um die Intimität des Konzertes zu wahren”, nicht zu fotografieren. Und das Publkum hat sich an beiden Tagen daran gehalten.
Dann kommt Reinhard Mey auf die Bühne – wie immer im Laufschritt. Im aufbrausenden Applaus nimmt er sich sogleich die wartende Gitarre und beschert uns sofort die erste Überraschung des Abends: ein neues, für diese Tour geschriebenes Willkommenslied, in dem er gleichzeitig sein Publikum begrüßt und die aktuelle Situation quasi “in Echtzeit” beschreibt – er steht zu Beginn des Konzerts allein auf der Bühne, lodert vor Lampenfieber und weiß doch, dass es noch immer gut ausgegangen ist. Ich freue mich über die darin enthaltenen Anspielungen auf bekannte Lieder und Sprüche .
Da ist er also wieder. Nach der herzlichen Begrüßung und einem vertrauten alten Lied aus dem Jahr 1980 * kommt der Spielmann - vorgetragen mit Verve und Leidenschaft. Nach der Einleitung zu Wolle glaube ich jetzt endlich zu verstehen, warum Reinhard Mey dieses Lied geschrieben hat und ich genieße die kleinen Abweichungen zum Originaltext.
Weiter geht es in die Abteilung Liebeslieder – Wenn du bei mir bist rührt nicht nur mich sehr und das anschließende ältere Lied wird vom Publikum ebenso begeistert aufgenommen. Gefreut habe ich mich, dass er danach bei Der Biker eine aktuelle Strophe eingebaut hat.
Mit einer launigen Überleitung geht’s dann zu Gute Kühe kommen in den Himmel, mit Lachern und Zwischenapplaus vom Publikum – und ich frage mich mal wieder, wie er wohl auf die genialen Namensschöpfungen “Rosacea-Papilloma” und “Clamydia” gekommen ist.
Seine Hommage an den Alten Freund Wein hat eine neue Strophe bekommen und Danke liebe gute Fee wurde nicht nur in der zweiten Strophe aktualisiert – Reinhard Mey wartet ganz zum Schluss dieses Liedes noch mit einem kleinen Überraschungsgag auf, der seinem Enkel geschuldet ist.
Nach der Pause ein älteres Lied, das an Aktualität seit 1997 nichts verloren hat – es hätte auch 2014 noch genauso geschrieben werden können. Und trotzdem gibt es zum Glück immer noch Menschen, die genügend Vertrauen haben, um ein neues Wesen in die Welt zu schicken. Mit Fahr Dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzen sendet Reinhard Mey Glückwünsche an seinen Enkel und alle Menschenkinder.
Dann eine wunderbare Erinnerung an seine eigene Zeit als “schützenswerter Jung-Vater” und anschließend gilt die nächste Hommage Vaters Mantel . Ich bin wieder einmal begeistert von Reinhard Meys Fähigkeit, nicht nur großartige Geschichten zu komponieren, sondern diese auch so zu singen, dass 1.000 und mehr Menschen im Publikum ihm hingerissen lauschen. Gleiches gilt für das nächste Lied: Lilienthals Traum, das er mit einer solchen Hingabe und Überzeugungskraft singt – das Kind in mir hätte sich nicht eine Sekunde gewundert, wenn er nach “Du kannst fliegen, ja Du kannst” abgehoben wäre.
Beim Taschentuch wieder eine Überraschung: eine liebevolle neue Strophe. Wer kennt diese Situation nicht: Das Kind hat sich den Mund verschmiert und Oma zückt ihr Taschentuch… Ich freue mich schon darauf diese neuen Strophen auf dem Live-Album (das hoffentlich im nächsten Mai erscheinen wird) nachhören zu können. Und auch das letzte Lied von den Zugaben Ein Stück Musik von Hand gemacht hält eine solche neue Strophe bereit.
Im stürmischen Applaus kommt Reinhard Mey zurück und ist natürlich vorbereitet – traditionell singt er als erste Zugabe ein neues Lied: Eine humorvolle Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass man nicht immer die Wahrheit sagen kann – oder manchmal unbedingt muss.
In die zweite Zugabe – mein unangefochtenes Lieblingslied seit 1997 – baut er zum Schluss ein Gedicht von Wolfgang Borchert ein. Um danach vor der allerletzten Zugabe dem Publikum zu danken, dass die Bitte nicht zu fotografieren erfüllt wurde. Und deshalb gibt er jetzt “Feuer frei” und beschließt den Konzertabend im Blitzlichtgewitter mit Gute Nacht, Freunde – unterstützt vom Publikum, das in den Refrain einsteigt.
Ich habe zwei besondere Konzerte erlebt und bin wie immer erstaunt, dass die zwei Dutzend Lieder schon wieder verklungen sind.
Was gibt es noch zu sagen?
Vor der Tour habe ich mich mit einigen Freunden und Bekannten darüber unterhalten, was Reinhard Mey wohl singen wird. Und in fast allen Gesprächen kam irgendwann die Frage auf, wird er wohl Dann mach’s gut und Lass nun ruhig los das Ruder singen? Kann man diese Lieder mit einem so traurigen Hintergrund in einem Konzert singen? Wie präsentiert man solche Lieder, ohne dass es dem Publikum zuviel wird?
Reinhard Mey kann – und er tut es auf eine Weise, die dem Publikum erlaubt, diese so persönlichen Lieder anzunehmen, sich einzulassen und anschließend weiter das Konzert zu genießen.
Danke, Reinhard!
* Ja, alles will ich hier nun auch nicht verraten. Die komplette Playlist werden wir erst nach der Tour hier anhängen.
Herzliche Grüße
Rike
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