wer meinen Bericht über das Festival in Wittendorf gelesen hat, wird sich wahrscheinlich nicht wundern, dass ich es wieder mal nicht rechtzeitig zum Beginn der Veranstaltung geschafft habe, aber dass diverse widrige Umstände die Verspätung auf über eine Stunde haben anwachsen lassen, hat selbst mich erschüttert. Dennoch war das Glück mit mir, denn auch das Festival hat nicht mit der üblichen kleinen Verspätung begonnen, sondern ebenfalls mit einer etwas größeren. cARSCHti, der sich als Erster präsentieren durfte, betrat die Bühne erst gegen neun Uhr.
Als ich das Café Bizarr in Trebur endlich gefunden hatte, war cARSCHti gerade bei der Ansage zu seinem Lied Müntefering. Im Halbdunkel entdeckte ich zuallererst ein ganz besonders liebes Gesicht – das von Michael Günther.
Wie gesagt, cARSCHti hat den Reigen eröffnet. Er hatte keine weite Anfahrt, kommt aus Wetter bei Marburg und hatte sozusagen ein Heimspiel. Wie man am Sonntag im Liedermaching-Radio von Jess auf www.watsolls.de im Interview hören konnte, hatte er letztes Jahr Demo-Material an das Café Bizarr geschickt, das eingeschlagen hatte wie ein Bombe, wie es Stefan, der Organisator, ausdrückte. Er hat seither zwei Mal in Trebur gespielt, einmal hatte er bei einem Open-Air-Event seine eigene Bühne, eine von dreien. Seine ersten beiden Lieder am Samstag habe ich leider verpasst, habe mir aber berichten lassen, dass er Unheilbar krank und Matula gesungen hat. Ich kam gerade rechtzeitg, um sein Lied Müntefering von Anfang an hören zu können. Es folgten Servicewüste Deutschland, Sabine Laden und als Zugabe, auf Zuruf aus dem Publikum Tabuthemen. Die Stimmung im Raum war sehr gut und cARSCHti erntete viel Beifall.
Danach überließ er die Bühne dem jungen bayrischen Liedermacher Christoph Weiherer, der das Festival nach Trebur gebracht hat. Den Tipp hatte er – von wem wohl? – von cARSCHti bekommen und hat die Verbindung zu den Musikern hergestellt; die Organisation vor Ort besorgte der oben bereits erwähnte Stefan. Christoph Weiherer eröffnete sein Programm mit dem Titelsong seiner neuen CD Scheiß da Hund. Als er bei einer Zwischenansage zugab, dass er sich nicht so genau überlegt hätte, was er singen wollte, überraschte ihn ein Vorschlag aus dem Publikum, und obwohl er Fährmann schon so oft und erst vor Kurzem in Göttingen fehlerfrei vorgetragen hat, hatte er einen unüberwindlichen Texthänger, sodass er erst einmal sein Lied Ned so schlimm nachlegte. Danach machte er noch einmal einen einigermaßen tauglichen Versuch mit dem Fährmann. Sein Lied Eia Sissdem kam dann wieder ohne Probleme, und irgendwo in der Aufzählung – an welcher Stelle auch immer – fehlt noch A wengal. Als Zugabe sang er noch sein kürzestes Lied Gebet. Auch der Weiherer konnte sich nicht über mangelnden Beifall beklagen. Im Interview bedauerte er, dass er nicht gut vorbereitet war, fand den Abend aber trotzdem wunderschön.
Mike Godyla hatte seinen neuen Gitarristen dabei. Als einziger Musiker an diesem Abend spielte er nicht Gitarre zu seinen Liedern, sondern Bass, und wurde in der Vergangenheit oft von seinem Bruder Arno Fleckenstein auf der Gitarre begleitet. Nachdem Arno keine Zeit mehr hat, wurde also Stefan Janzik Mikes neuer Partner und sie bilden zusammen die Formation JaGo. Als erstes hörten wir Gib es zu, dann folgte Kuno, der Killer, ein Lied, das auf der CD ganze 7 Minuten und 54 Sekunden 'frisst'. In seinem nächsten Song erzählte uns Mike Godyla von seinem ersten grauen Haar, wobei es sich wohlgemerkt um ein Schamhaar handelt (warum verblasst meinem Schniedel die Frisur?
Fred Timm aus Hamburg sang als erstes Lied den Herzblatthubschrauber. Es folgte Pärchen und Nie mehr Beischlaf. Vorsicht! Wer den Refrain mitsang, wurde automatisch Mitglied im entsprechenden Club und muss sich fortan daran halten.
Als Abschluss hörten wir schließlich Michael Günther. Der Grund, wieso diese Veranstaltung von so vielen Forums-Mitgliedern besucht wurde, liegt natürlich darin, dass wir cARSCHti und Michael Günther im Forum, bzw. Chat kennengelernt und beim letzten Liedertreffen in Zell auch erlebt haben. Wie immer gelang es Michael Günther auch dieses Mal, das Publikum auch zu später Stunde noch zu fesseln. Mit seiner Mischung aus lustigen, nachdenklichen, poetischen und rockigen Liedern gab er wieder ein Beispiel seines Könnens. Er war mit einer ganzen Menge von Liedern am Start. Zuerst kamen das Trinkerlied und Der Berliner im feindlichen Ausland, mit denen er seine Zuhörer sofort auf seine Seite zog. Über die Reihenfolge bin ich mir nicht mehr im Klaren, aber wir bekamen Stille Flut zu hören, mit dem das Pärchen vor der Bühne entschädigt wurde, nachdem Fred Timm zuvor gesungen hatte 'Ich hasse Pärchen'. Nach Schöne bunte Welt wurde es rockig mit Sing ein Lied für mich, bei dem Teile des Publikums mitsangen ... Na, ich weiß es nicht so recht – also der Teil des Publikums, der aus Stephan und mir bestand, hat jedenfalls kräftig mitgesungen.
Na, und uns – dem Publikum – hat es auch Spaß gemacht. Nach Schluss der Veranstaltung wechselte noch manche CD ihren Besitzer, bevor das Café Bizarr sehr weit nach Mitternacht seine Pforten schloss.
Viele Grüße von Petra
Noch ein Nachsatz an den 'Flotten Totte', der in meinem Bericht über Wittendorf zum ersten Mal erlebt hat, dass er bei einer Veranstaltung erwähnt wurde, an der er gar nicht teilgenommen hatte *g*:
Hallo Totte, jetzt erlebst Du es zum zweiten Mal.


