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von Skywise
#62
RuptureFarms schrieb:
Was gut ist, was nicht gut ist. Was kann ich verbessern? Was versteht man wo nicht genau und so weiter. Nicht so als ob ich nach quadratischen Kreisen verlangt hätte...
Was gut ist - er lullt einen fantastisch ein. Man braucht sein Hirn nicht einzuschalten, die allgemeingültige und von zig Millionen Textern bereits dargebrachte Botschaft biedert sich einem auch dann noch an, wenn man mehrere Promille im Großhirn hat, der Text ist so flach wie eine Briefmarke, so daß man sich die Suche nach einem tieferen Sinn oder einer Botschaft bequem schenken kann Man braucht kein tieferes Vokabular. Und wenn man auf der Straße unterwegs ist, bekommt man jede Menge Floskeln geliefert, die dafür sorgen, daß man nach einer halben Zeile aus einem ahnungslosen "lalala" in den Rest einstimmen kann.
Was Du verbessern kannst: alles.
Für 08/15-Texte braucht man im Normalfall keinen externen Texter, das kriegt man zur Not auch selbst während der laufenden Aufnahmesession hin. Wenn Du irgendwas mit Deinen Texten erreichen willst und niemanden an der Hand hast, der Melodien stricken kann, die über die Belanglosigkeit des Textes hinwegtrösten können, oder alternativ ein paar schnuckelige Interpreten aufbieten kann, die mit tollem Aussehen oder interessanten Tanzbewegungen dasselbe tun, wird es schwer, wenn Du in literarischer Hinsicht nur trocken Brot und Wasser anzubieten hast.
Alleroberste Regel im Bereich der Kunst und der Unterhaltung:
Du sollst nicht langweilen.
Laß Dir was einfallen, was über den Standard hinausgeht. Was genau, bleibt Dir überlassen und da wird Dir auch niemand vernünftige Tips geben können, die funktionieren.
Hör' Dir Singer/Songwriter an, analysiere ihre Texte und versuche, ihre Vorgehensweise bei bestimmten Themen zu verstehen oder mit verschiedenen Elementen zu spielen. Nick Drake, Leonard Cohen, Patti Smith sind schon eher Literaten als Singer/Songwriter, aber sie haben unzählige Leute mit ihrer Lyrik beeinflußt, daher müssen sie als Referenz herhalten, Bob Dylan dito, das sind Leute, die von den eigentlichen Geschichten häufig abdriften und mit Bildern arbeiten, teilweise auch mit mehrdeutigen, um ihre Botschaften zu übermitteln. Springsteen oder Tom Waits, die bodenständigen, die häufig Geschichten aus einem bestimmten Umfeld oder von bestimmten Personen erzählen und dabei interessante Bilder finden, Townes Van Zandt, Vic Chesnutt, Vienna Teng, k. d. lang, Joni Mitchell, Tim Buckley, Laura Nyro, Paul Simon, Morrissey, gerne auch mal über den Standard hinaus - auch Motörheads Lemmy Kilmister schreibt großartige Texte, ebenso Public Enemys Chuck D ... Du mußt ja nicht Englisch studiert haben, aber es gibt da draußen eine ganze Menge talentierter Leute, mit deren Werk man sich einfach beschäftigen sollte, wenn man selbst Texte schreiben will - und sei es auch nur, um die Höhe der Meßlatte zu kennen.
Gruß
Skywise
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Herman van Veen - "Die Clowns"