Hallo Nordlicht,
vielleicht sollte ich der Antwort zu deinem Beitrag noch einmal voranstellen, dass mein Liedtext sich auf das von Udo Lindenberg und Nina Hagen in den 80er Jahren gesungene "Vopo"-Lied bezieht. Die erste Strophe und der Refrain sind Originalzitat aus dem Stück. Damals bestand der Text nur aus dieser ersten Strophe und dem Refrain, wobei sowohl Nina Hagen als auch Udo Lindenberg den gleichen Text auf zwei Seiten der Mauer sangen. Witzig fand ich an diesem Stück schon immer die gewisse Respektlosigkeit und den demonstrativ unpolitisch gehaltenen Text.
Die "kreative Aufgabe" bestand nun darin, den Text fortzuführen und auch hier sagte ich bereits, dass letztlich der Vopo "nur" der Aufhänger für das Thema "Körperwelten" war. Insofern würde ich deiner Vermutung zustimmen, wenn du sagst:
Oder besteht die Kreativität darin, zwei Sachen so zu verflechten, daß es komisch oder burlesk wirkt ?
Damit ist vielleicht auch deine Frage nach dem Zusammenhang der beiden Themen geklärt. Unbestritten ist natürlich, dass man in Bezug auf das Thema Vopo noch ganz andere Zusammenhänge finden und darstellen kann.
Bei dieser Diskussion hier geht es Euch aber nunmehr hauptsächlich um die "Körperwelten" des Günter von Hagens. Und ich glaube, man sollte da doch zumindest ein klein wenig differenzieren. Zunächst einmal hat von Hagens das von ihm verwendete Verfahren der "Plastination" wesentlich mitentwickelt und damit einen Beitrag zur medizinischen Fortentwicklung geleistet. Das ist die Aufgabe eines Anatomen, wage ich zu behaupten. Und im Gegensatz zur Mehrheit von Euch denke ich schon, daß man aus der Ausstellung einiges an Wissen und Dazugelerntem mit nach Hause nehmen kann. Immerhin gibt es hier die menschliche Anatomie so zu sehen - und auch zu bestaunen und zu bewundern -, wie sie die meisten von uns ohne die Ausstellung mit Sicherheit niemals zu sehen bekommen hätten.
Ich denke, das habe ich in meinem Beitrag ähnlich differenziert beschrieben, wie du es hier anmerkst.
Bianca
Ich bin mir dessen bewusst, dass es unterschiedliche Motivationen gibt, die Ausstellung zu besuchen. Ein Argument ist, dass die Leute sich für die menschliche Anatomie interessieren, die dort in einzigartiger Weise zu sehen ist. Vermutlich ist das Verfahren der Plastination auch für die Medizin nicht uninteressant, gerade was die Ausbildung von Ärzten betrifft.
Nordlicht schrieb:
Der "Ekel" oder zumindest der Widerstand, den der eine oder andere empfinden mag, liegt meines Erachtens in der Tatsache begründet, daß uns der unbefangene Umgang mit Toten im Laufe der Vergangenheit peu a peu verloren gegangen ist. Für die meisten von uns zählt der Tod nur als Ende des eigenen Lebens und nicht als Bestandteil desselben. Insofern kann man die "Körperwelten" bei aller Kritik doch durchaus auch als Chance sehen, ein wenig dagegenzuhalten.
Auch das ist ein Aspekt, den ich in der Diskussion durchaus berücksichtigt habe, die Empfindungen bezüglich der Grenzen sind sicherlich bei jedem anders. Nachweislich sind ja auch sehr viele Besucher in die Ausstellung gegangen, deren Einstellung eine andere war. Ich stelle hier lediglich meine persönlichen Wertungen und Empfindungen dar, von denen ich natürlich nicht erwarte, dass sie allgemeingültig sind.
Die Frage nach unlauteren und illegalen Praktiken bei der Beschaffung der Exponate war mir bei diesem Thema gar nicht in den Sinn gekommen...
Danke für deinen Beitrag und resistente Grüße nach Oberösterreich
@ Holtzwurm
Danke auch für deinen Beitrag. Das Stück ist noch nicht aufgenommen, aber schon auftrittserprobt und ruft sehr interessante, ambivalente Reaktionen hervor. Da ich "im Osten" lebe, wo das Vopo-Thema ja auch eine besondere Brisanz hat, umso spannender. Wenn wir das Stück aufgenommen haben, werde ich es mal ins Forum stellen. Kann aber noch einen Moment dauern...
Gruß, Bianca