Nein, kein Tippfehler - mit L.O. bewirbt sich Limbach-Oberfrohna, ein Mittelzentrum im Sächsischen, unweit meines Wohnortes.
In dortiger Stadthalle durfte ich gemeinsam mit ca. 400 Gleichgesinnten Konstantin Wecker zum nunmehr dritten Mal live erleben.
Mein erstes Wecker-Konzert war Anfang der 90er, an einem lauen Sommerabend in einem Pfarrgarten. Konstantin offensichtlich unter Einfluss bewusstseinserweiternder Mittel, auf der Bühne rauchend und trinkend, aggressiv und intensiv. 2002 in Chemnitz erlebte ich einen anderen Wecker, musikalisch geschliffen, mit großer Bandbesetzung, von der Interpretetion her aber eher schaumgebremst.
Dem dritten Wecker, aber im Kern noch immer dem gleichen, begegnete ich nun letzte Woche in L.O. Voller Spielfreude im sich duellierenden Duett mit Jo Barnikel, schienen mir Anflüge von Altersweisheit aufzublitzen. Kokettierte er doch in Goethes Worten mit seinen Jahren und seiner Vergangenheit.
Genug der Vorrede, nun zum Konzert: Los ging es mit "Kein Ende in Sicht", gefolgt von "Ich lebe immer am Strand", um darauf mit einer kurzen Rundreise und teils nur einer Strophe durch 40 Jahre musikalisches Schaffen zu wandern.
Ich habe die Setlist nicht mehr komplett im Kopf, deshalb hier nur einige Höhepunkte.
"Endlich bist du wieder unten" vom schwer verdaulichen 81er Album Liebesflug hatte ich live bis dato noch nicht gehört. Die Zeilen
"Und jetzt liegt da dieser Zettel
zwischen deinen Wertpapiern:
Heute nehm ich mir das Leben,
um es nie mehr zu verliern."
lagen mir einen Tag nach Demmlers Selbstmord schwer im Magen.
"Zigeuner san kumma" unmittelbar gefolgt von "Sag nein" ernteten die stärksten Reaktionen vom Publikum, lebe ich doch in einer Gegend, die leider ein Problem mit Rechtsradikalen hat.
"Wenn die Börsianer tanzen" leitete einen Block zum Zeitgeschehen ein, gekrönt von einem laut lachenden Wecker mit dem Satz "..., dass ausgerechnet ich das Ende das Kapitalismus noch erleben darf !". Nun, ich denke der Kapitalismus wird sich wieder erholen aber Konstantin dürfte auch das überleben.
Gegen Ende, bzw. in der ausgedehnten Zugabe folgten die üblichen Verdächtigen wie "Genug ist nicht genug", "Was für eine Nacht", "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" und der von mir so geliebte "Wedam und der Blues". Dabei gingen die beiden musikalisch nochmals in die Offensive und bewiesen mit einem jazzigen Improvisationsteil, dass Wecker nicht mal singen brauchte, um ein erstklassiges Konzert abzuliefern.
Der Sound war stets glasklar, jedes Wort und jede Nuance gut zu verstehen. Dabei hatte Wecker keinen eigenen Mischer dabei, sondern ließ sich von PM2 aus Chemnitz beschallen. (Ich hoffe, ich verstoße hier nicht mit unerlaubter Werbung gegen die Forums-Regeln aber ich habe mit den Jungs selbst schon zusammengearbeitet und sie waren stets top.)
Abschließend konnte man sich seine CDs vom Meister signieren lassen aber das gehört ja bei Wecker zum Standard-Service.
Wenn bei euch in der Nähe eine ErWeckerung stattfindet: Unbedingt hingehen, es lohnt sich.