Gesundheit/Fitness, Ernährung/Körperkult, Einkaufen, Esoterik,... Ersatzreligionen?

Du hast sämtliche Foren besucht und Dich mit anderen Besuchern über alle möglichen Themen ausgetauscht. Jetzt brennt Dir aber noch eine Frage unter den Nägeln, die eigentlich in keine Schublade (Forum) hier auf diesem Liedermacher-Forum passt, die Du aber unbedingt mit den anderen besprechen willst. Dann stelle Dein Thema hier in diesem Forum zur Diskussion und schau, was daraus wird. Sollte Dein Thema doch noch in eine unserer vielen Schubladen passen, dann werden die Moderatoren dafür den richtigen Platz finden ;)

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Gesundheit/Fitness, Ernährung/Körperkult, Einkaufen, Esoterik,... Ersatzreligionen?

Beitrag von fille »

Liebe Liederfreunde!
Weihnachten naht, das alte Jahr geht zu Ende - meistens eine gute Zeit, um nachzudenken.
Ein Zeitungsartikel hat etwas ausgesprochen, dass ich mir im Innersten schon mehr als einmal gedacht habe.
Ersatzreligionen boomen! Damit sind nicht die verschiedenen christlichen (oder andere) Gruppierungen gemeint, sondern:
Ernährung (z. B. du sollst keinen Zucker und kein Fett essen!) und der damit verbundene Schlankheitswahn
Gesundheit und Fitness (Den Körper muss makellos und jugendlich sein)
Einkaufen
Esoterik (bitte Schwester Luzifer - den Lurch)
Fernsehen, Fussball, Musik
Was meint ihr?
fragt Marianne...
...die jetzt erstmal zum Christkindlmarkt geht und ein schönes Stück Torte im Café verzehrt. Ha!
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UweX
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Gesundheit/Fitness, Ernährung/Körperkult, Einkaufen, Esoterik,... Ersatzreligionen?

Beitrag von UweX »

Ich frage mich manchmal allen Ernstes ob der Mensch nicht irgendeine Art "Gott-Gen" besitzt :gruebel: , quasi eine instinktive Ahnung dass es mehr geben muss als das Sichtbare.
Ob Börsenmakler an der Wallstreet, oder Urwaldmensch im Lendenschurz, sie beide glauben an Gott (oder Götter, Dämonen, Geister, etc.), obwohl sie sonst nicht viel gemein haben.
Prominente Atheisten haben schon vor mehr als zweihundert Jahren das Ende der Religionen durch den Siegeszug der Aufklärung vorausgesagt. Doch das Gegenteil ist der Fall- Religion boomt!
Verrückt ist, dass in China erdrutschartige Übertritte zum Christentum zu verzeichnen sind (trotz nachgewiesener Christenverfolgung durch den Staat), wobei es in unserem christlichen Abendland (bei relativer Religionsfreiheit) immer mehr Buddisten zu geben scheint.
Und dann sind da natürlich noch die Alternativreligionen, die große Konjunktur haben...Esoterik, Schaaaaaalke, Atheismus :-D , Fitness, etc.
Wenns um Jesus Christus gehts sag ich frei nach Stoppi "da bin ich Fan von!". Die Religionsgeschichte ist voll von Menschen die Gott werden wollten. Aber nur ein Gott wollte Menschen werden - fröhliche Weihnachten ;-) .
Die Religionen sind voll von Göttern deren Schlachtruf ist "Ich bin groß und mächtig!" - das vermag einzuschüchtern, aber nicht zu beeindrucken. Nur ein Gott beschreibt sich mit den Worten "ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!" - Ich find das hat was ...
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Clemens
...hat schon mal ein LT organisiert
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Beitrag von Clemens »

Hallo miteinander,
@ Uwe
Deine Bilder sind schön und auch ich mache aus meinem christlichen Glauben keinen Hehl. Ich meine auch
... , quasi eine instinktive Ahnung dass es mehr geben muss als das Sichtbare.
und ich setze dazu "als das uns Menschen Denkbare".
Und da setze ich die Grenzen nicht etwa schon dort an, wo wir die Tricks der sogenannten Illusionisten nicht durchschauen.
aber
Verrückt ist, dass in China erdrutschartige Übertritte zum Christentum zu verzeichnen sind (trotz nachgewiesener Christenverfolgung durch den Staat), wobei es in unserem christlichen Abendland (bei relativer Religionsfreiheit) immer mehr Buddisten zu geben scheint.
dies finde ich eher logisch. Wo man für seine Glauben tatsächlich etwas Existenzielles riskieren muss, da ist die Gefahr weintrinkenden Wasserpredigern zu begegnen sehr gering. Das zeigt Wirkung.
Clemens
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...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
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Helmut
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Beitrag von Helmut »

Hallo Uwe
Ich frage mich manchmal allen Ernstes ob der Mensch nicht irgendeine Art "Gott-Gen" besitztIch bin überzeugt, dass es ein Religions-Gen gibt.
Der Glaube an ein höheres Wesen, das Hoffnung, Schutz und Zuversicht bietet, erhält die Menschen gesünder als alle Ängste vor den Übeln, die das Leben so mit sich bringt. Außerdem schweißen religiöse Riten, die gemeinsam gefeiert werden, die Gruppe zusammen und sind somit ein Überlebensvorteil. Evolutionär haben sich deshalb Menschen mit einem Hang zum Spirituellen durchgesetzt.
Ein Beleg für die Existenz eines höheren Wesens ist das jedoch nicht, eher das Gegenteil.
Und so landen eben Leute bei Seelenfängern oder anderen Esoterikern, bei Fan-Clubs oder politischen Parteien. Ist somit nicht jede Religion eine Ersatz-Religion?
Ich beobachte dabei, dass häufig eine gestörte Persönlichkeit mit Extremismus korreliert.
Verrückt ist, dass in China erdrutschartige Übertritte zum Christentum zu verzeichnen sindRichtig, Verrückte eben.
Esoterik, Schaaaaaalke, Atheismus
Wie kommst du drauf, dass ein Atheist, der seinen Verstand bemüht, um das Religions-Gen zu überwinden, einer Ersatzreligion angehört?
Nur ein Gott beschreibt sich mit den Worten "ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!"
Das provoziert mich doch zu Fragen.
Welchen Gott meinst du, den aus dem alten oder neuen Testament? Ist das der gleiche Gott?
Wenn du schreibst, dass Gott sich so beschreibt, schreibe ich, dass ihn die Menschen analog ihrem Religions-Gen so beschreiben.
Nix für ungut
Grüße
Helmut
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migoe
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Beitrag von migoe »

Lieber Uwe,
Ich frage mich manchmal allen Ernstes ob der Mensch nicht irgendeine Art "Gott-Gen" besitzt :gruebel: , quasi eine instinktive Ahnung dass es mehr geben muss als das Sichtbare.

ein Personalcomputer bietet dem, der damit umgehen kann auch mehr als das, was nach außen hin sichtbar ist, aber er ist kein "Auswurf" einer göttlichen Macht, sondern (Zwischen)Ergebnis eines evolutionären Entwicklung - ein Ende ist nicht absehbar.
Wenn es "Gottes Wille" wäre, dass es Computer geben soll, stellt sich für mich die Frage, warum es sie nicht seit Urzeiten gibt? Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen Dingen, die mir spontan kamen, als ich Deine Antwort auf Mariannes Beitrag las.
In der Wikipedia wird der Artikel zu "Religion" eingeleitet mit dem Satz:
Als Religion bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Handeln und Denken prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion.

Dieser Satz kann ja auf alles angewandt werden - und deshalb ist Religion aus meiner Sicht auch schon immer ein wichtiger Teil der menschlichen Gesellschaften gewesen und wird es auch immer sein - egal, wie die "Götter" auch heißen.
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg
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...
Alles ist vorstellbar! Leider oder zum Glück? ... Es kommt darauf an was DU daraus machst!

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Beitrag von fille »

Guten Morgen am 3. Advent!
Das waren interessante Antworten.
Allerdings meinte ich nicht wirkliche Religionen und Gruppierungen, sondern:
Betreiben nicht viele Menschen einen Kult um Gesundheit, Fitness, Schlankheit und Jugend der schon wie ein Religionsersatz wirkt? Für viele ist eine Diät ihr Lebensinhalt. Sie leben nach strikten Regeln und Geboten. Nur dass das Fasten nicht, wie eigentlich mal gemeint war, eine Zeit der Stille und Rückbesinnung ist.
Quäl dich fit! Folter dich gesund! Sieh es als Investition, als Ersatz für Religion!
singen die "Wise Guys". Und der Facharzt Manfred Lütz (Psychatrie und Psychotherapie) spricht von einem monströsen Kult der Gesundheitsreligionen.
Alles was man früher für Gott tat - Fasten, Wallfahrten und vieles mehr - tut man heute für die Gesundheit

Auf Fernsehen und Einkaufen will ich gar nicht näher eingehen. Natürlich kommt heute das Internet dazu ;-) .
Die Esoterik ist ein wirklich heikles Gebiet. Ich meine Yoga, Entspannung und Meditation sind Praktiken die wirklich Ruhe in unsere hektische Welt bringen können. Karten legen, Pendeln sind schon eine andere Sache. Aber wenn es Spaß macht! Aber auf der Suche nach dem Glück wird den Leuten viel Geld aus der Tasche gezogen. Magische Essenzen, Glücksteine, Bücher über Heilmethoden usw.
Ich frage mich manchmal allen Ernstes ob der Mensch nicht irgendeine Art "Gott-Gen" besitzt

Ich meine, der Mensch braucht Spiritualität. Und wenn wir uns gemeinsam in Konzerttempeln versammeln und unserem Lieblingsliedermacher andächtig lauschen und davon Kraft für die nächsten Wochen und Monate bekommen, dann haben viele von uns genau das gefunden. ;-) :-)
Also, ich meine das natürlich alles völlig wertefrei. Es soll nur zum Nachdenken anregen.
Schönen Sönntag aus dem verschneiten Bayern
Marianne
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petitoiseau
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Beitrag von petitoiseau »

Also ich erlebe es eigentlich tag täglich, dass sich die Menschen immer bewußter ernähren,immer mehr für ihre Fitness tun und sich eigentlich mehr mit sich selbst beschäftigen.
Vor allem dann, wenn plötzlich irgendetwas passiert, dass ihr eigenes selbstständiges Leben verändert, sei es durch einen Schlaganfall, durch irgendwelche Schmerzen,Bewegungseinschränkungen,Krankheit ect.
Und plötzlich ist alles anders.
Und plötzlich funktioniert nicht mehr alles so wie immer.
Und plötzlich muss ich mich auf eine neue Situastion einstellen.
Und das bereitet vielen schon große Probleme.
Nämlich immer dann, wenn sonst alles immer nach Schema "F" funktioniert hat.
Und dann muß ich mich ja doch mal mit mir beschäftigen.
Mit meinem Körper, mit meinem Leben, was ich kann und was nicht.
Suche mir vielleicht andere Behandlungsmethoden,oder sonst irgend etwas, damit es mir wieder besser geht.
Viele leben nachher doch bewußter.
Genießen den Tag, die Zeit , die ich hier auf dieser Erde noch habe.
Verbringen die Zeit mit Freunden, genießen die Stunde, den Tag und denke nicht an morgen, wer weiß, was kommt?!
Denn wer weiß, was morgen ist?!
Liebe Grüße Andrea
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UweX
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Beitrag von UweX »

Lieber Helmut,
Wie kommst du drauf, dass ein Atheist, der seinen Verstand bemüht, um das Religions-Gen zu überwinden, einer Ersatzreligion angehört?

Naja bei Agnostikern ist das was anderes, die sagen: "ich weiß nicht ob es einen Gott gibt!".
Aber ein Atheist, ist ein Mensch der sicher zu wissen glaubt dass es keinen Gott gibt. Das kann er genauso wenig beweisen, wir der Gläubige die Existenz Gottes. Also muss er GLAUBEN - da beginnt die Religion.
Und wenn ich mir den Missionseifer vieler Atheisten anschaue und sehe mit wie viel Opfer, Kraft und Einsatz etwas bekämpft wird, an dessen Existenz man nicht glaubt, dann weiß ich ich habe es mit purem religiösem Eifer zu tun.
Lieben Gruss
Uwe
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Skywise
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Beitrag von Skywise »


UweX schrieb:
Und wenn ich mir den Missionseifer vieler Atheisten anschaue und sehe mit wie viel Opfer, Kraft und Einsatz etwas bekämpft wird, an dessen Existenz man nicht glaubt, dann weiß ich ich habe es mit purem religiösem Eifer zu tun.
Wieso habe ich das Gefühl, daß da jemand Karlheinz Deschner gelesen hat? :-D
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
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Fotocowboy
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Beitrag von Fotocowboy »

Und wenn ich mir den Missionseifer vieler Atheisten anschaue und sehe mit wie viel Opfer, Kraft und Einsatz etwas bekämpft wird, an dessen Existenz man nicht glaubt, dann weiß ich ich habe es mit purem religiösem Eifer zu tun.

Wenn einem die Mitmenschen etwas wert sind, ist es ein Bedürfnis, sie nicht in die falsche Richtung laufen zu lassen, wenn man fest davon überzeugt ist, dass das Ziel woanders zu suchen ist.
Die Suche vieler Menschen nach Relegionen oder Ersatzreligionen sehe ich oft dann beginnen, wenn sie ein bestimmtes Ziel erreicht haben, von dem sie sich Glück und Seelenfrieden versprochen haben, aber es eben nicht eingetreten ist.
Egal ob es der Wettlauf nach dem Geld, der Schönheit oder der Hingabe an einen Gott ist.
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Alles, was man selber äußert, portraitiert einen vor allem selbst.

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Carsten K
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Beitrag von Carsten K »

Hallo,
is schon viel Richtiges hier zum Thema gesagt worden, aber ich hab noch ein paar Ergänzungen...
Ersatzreligionen... Zu all dem, was Du hier angeführt hast, Marianne, würde ich vor allem noch die Ersatzreligion Geld hinzufügen, oder Geldgier... Klar, wir brauchen alle Geld, um zu überleben, und für viele Menschen auf dieser Erde scheitert es vor allem auch am Geld, dass sie nicht so leben können, wie sie es vielleicht könnten... Aber manche haben auch mehr Geld zur Verfügung, als sie ausgeben können und streben trotzdem nach noch mehr... - und je mehr, desto gieriger nach noch mehr... Ja klar, Bankenkrise, Börsencrash, Rezession sind die Folgen dieser Ersatzreligion Geldgier, aber wir LiedermacherInnen sollten uns auch mal fragen, inwieweit wir unser künstlerisches Schaffen, unsere Kreativität, daran ausrichten, ob es sich auch "rechnet"... Geld(gier) ist in meinen Augen jedenfalls die Ersatzreligion, die am weitesten verbreitet ist - und den größten Schaden anrichtet...
Schalke ist ja angeblich auch eine "Religion", aber in Wirklichkeit doch auch bloß nix anderes als ein Fußball-Verein, der stolz darauf sein kann, so viele Fans zu haben, u. a. meinen Sohn... ;-) (ich bin übrigens seit Kindheit Gladbach-Fan und habe z. Zt. schwer zu leiden, aber der Tabellenstand des FC St. Pauli heitert mich ein wenig auf)... Ob Hoffenheim noch Fans haben wird, wenn sich der Geldgeber nach deutscher Meisterschaft und Championsligue-Gewinn gelangweilt zurückgezogen hat und die TSG wieder in der Keisliga A spielen wird, ist eine andere Frage...
Gott-Gen - Ich würde es eher Religion-Gen nennen, ja das gibt es wohl... Alle Kulturen scheinen irgendwie eine Religion zu haben, selbst jene, die sich atheistisch nennen, da muss dann notfalls einE politscheR FührerIn als Gott/Göttin-Ersatz herhalten...
Esoterik - Sehe ich vor allem als Zeiterscheinung, die der Geldgier entsprungen ist... Meditieren, magische Steine (oder was was auch immer) wertzuschätzen, auch nach dem zu suchen, was vielleicht hinter reinem naturwissenschaftlichen Denken steckt, das finde ich durchaus richtig, und ich kann z. B. Hermann Hesse nur wärmstens empfehlen... :-) Aber jede Erkenntnis gleich zu Geld machen zu wollen (müssen?), das ist für mich Esoterik, Geldgier eben...
Meine Religion, das ist eigentlich keine Religion, sondern eher eine Weltanschauung, zugegeben. Hier z. B. nachzulesen: http://www.menschenrecht.com/home.html  ...
So viel zum Thema...
Liebe Grüße
cARSCHti
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Reino
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Beitrag von Reino »


fille schrieb:
Die Esoterik ist ein wirklich heikles Gebiet. Ich meine Yoga, Entspannung und Meditation sind Praktiken die wirklich Ruhe in unsere hektische Welt bringen können.
Sind wir nicht all Anhänger der Ersatzreligion "Liedermacher":
Liedermacher
Der deutsche Schlager in der Krise.
Wo ist Drafi hin?
Dem Pop fehlt der Pep.
Hendrix ist tot,
die Beatles für immer getrennt.
Wer weiß, wohin der Trend jetzt rennt.
Ist keiner hier, der Freddy kennt?
Heintje wird alt.
Der deutsche Rock geht in die Hose.
Doch nicht verzagt, am Horizont erglimmt ein neuer Stern.
Die Welten warten nur auf ihn, auf seine zarten Melodien.
Er will auf keinen Fall ein Star sein,
will keine Ware, sondern wahr sein,
will immer für die Massen da sein,
dem Alltag nah sein.
Er ist der letzte Pointen-Prophet.
Er ist der letzte, der weiß, worum's geht.
Er singt auch einfach, weil's ihm Spaß macht, doch das zeigt er nicht.
Er ist ein netter Kerl mit Herz, und das verschweigt er nicht.
In dieser hektisch schnellen Zeit voll Eile, Hast, Geschwindigkeit
sorgt er mit seinem Lied für etwas Langeweile.
Kuretitsch, Lassahn und Virch, 1975
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Beitrag von fille »

Hallo Carschti!
Esoterik - Sehe ich vor allem als Zeiterscheinung, die der Geldgier entsprungen ist... Meditieren, magische Steine (oder was was auch immer) wertzuschätzen, auch nach dem zu suchen, was vielleicht hinter reinem naturwissenschaftlichen Denken steckt, das finde ich durchaus richtig, und ich kann z. B. Hermann Hesse nur wärmstens empfehlen...

Immer gerne! Hast du ein bestimmtes Buch im Sinn?
Liebe Grüße
Marianne
... die unter anderem auch an Carschti glaubt :-)
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Helmut
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Beitrag von Helmut »

Lieber Uwe
Aber ein Atheist, ist ein Mensch der sicher zu wissen glaubt dass es keinen Gott gibt. Das kann er genauso wenig beweisen, wir der Gläubige die Existenz Gottes. Also muss er GLAUBEN - da beginnt die Religion.

Ist es eine Religion, wenn ich weiß, dass es das Flying Spaghetti Monster nicht gibt? Es interessiert mich einfach nicht. Genauso ist für einen Atheisten Gott nur eine nicht existente Belanglosigkeit von Gläubigen die nicht der rede Wert ist. und die er dem Gläubigen gerne lässt, so lange er ihn damit nicht behelligt. Wenn sich ein Atheist ereifert, dann setzt er sich für die Trennung von Kirche und Staat ein. Und wenn man realisiert, wie weit sich die Kirche in die Angelegenheiten von allen Bürgern einmischt (mitunter sogar mit dem Argument, dass dies Gottes Wille sei), kann ich sehr wohl nachvollziehen, dass da zu Mittel wie Sarkasmus, Wut, Blasphemie, Aufklärung oder Spott gegriffen wird.
Und wenn du schreibst
Nur ein Gott beschreibt sich mit den Worten "ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!"
Dann fordert das aus folgenden Gründen meinen Widerspruchsgeist heraus:
1. Wenn einer behauptet, Gott habe sich im mitgeteilt, lügt er oder hat Wahnvorstellungen.
2. Gott des alten Testaments ist nicht sanftmütig, sondern ein rachsüchtiger, Menschenopfer fordernder, grausamer nachtragender, kleinlicher Tyrann.
Tut mir leid, dir widersprechen zu müssen.
Grüße
Helmut
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Carsten K
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Beitrag von Carsten K »

Hallo Marianne,
mein persönliches Hermann-Hesse-Lieblingsbuch ist "Der Steppenwolf", aber auch andere Werke wie "Siddhartha" oder "Narziss und Goldmund" mag ich sehr - und es gibt eigentlich nichts von Hermann Hesse, was ich überhaupt nicht mag.
Aber Hermann Hesse ist natürlich keine Religion, an die ich glaube, sondern nur ein Schriftsteller, der in seinen Werken Menschen (u. a. sich selbst) darstellt, die sich glaubwürdig mit Religion auseinandersetzen. Damit habe ich mich in bestimmten Zeiten meines Lebens ziemlich stark identifiziert und finde es auch heute noch lesenswert.
Meine "Hesse-Phase" war im Übrigen (auch wenn sie über 20 Jahre zurückliegt) sehr wichtig für meine Entwicklung als Liedermacher/Künstler. Vorher war ich vor allem als christlichler Liedermacher unterwegs, konnte die Probleme in dieser Welt gut (jedenfalls gar nicht so schlecht...) beschreiben, und in der letzten Strophe kam dann Jesus ins Spiel, der alle Probleme (quasi à la Superman) gelöst hat. Diese Haltung hatte ich zwar schon vor meiner "Hesse-Phase", aber meine (bis heutige) Haltung, als Liedermacher lieber Fragen zu stellen als auf auf alles eine Antwort zu haben, mein Publikum lieber zum Suchen als zum Glauben zu animieren, diese Haltung verdanke ich nicht zuletzt der Lektüre von Hermann-Hesse-Werken...
Außerdem, liebe Brüdern und Schwestern, als ich gerade mitten in dieser "Hesse-Phase" war - 1986 - bin ich selbst Hesse geworden... Sollte uns dies nicht zu denken geben? ;-)
Liebe Grüße
cARSCHti
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Benutzer 298 gelöscht
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Beitrag von Benutzer 298 gelöscht »


Außerdem, liebe Brüdern und Schwestern, als ich gerade mitten in dieser "Hesse-Phase" war - 1986 - bin ich selbst Hesse geworden... Sollte uns dies nicht zu denken geben? ;-)



Lieber cARSCHti,
dass gibt mir sogar sehr zu denken! Die große "Hesse-Renaissance" tobte in den Siebzigern, da war i c h schon längst "Hesse"! Und ich sag es dir: Bevor ich sterbe, stehe ich einmal vor seinem Haus in Motagnola!
Meine Bibel war damals der "Demian" und die Prüfungskommission überglücklich, dass ich nicht zu den übrigen zwanzig Buchhändlern gehörte, die Siddhartha besprechen wollten. :-D
Jetzt sind wir von Mariannes Thema abgedriftet, aber ich weiß, wenn es um Hesse geht, haben wir ihren Segen ;-)
Lass dich grüßen Bruder :daumen:
Annette
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Beitrag von fille »

Hallo Annette!
Jetzt sind wir von Mariannes Thema abgedriftet, aber ich weiß, wenn es um Hesse geht, haben wir ihren Segen


Wie gut du mich kennst! :-)
Allerdings muss ich mich immer wundern, dass gerade "Steppenwolf" die meisten so positiv beeindruckt hat. Zugegeben, ich habe das Buch vor ca. 10 Jahren gelesen und für mich war es einfach nur ein Buch wie ich mir einen LSD-Tripp vorstelle. Außerdem kam mir der Begriff "Midlife Crisis" sofort in den Sinn.

Und ich sag es dir: Bevor ich sterbe, stehe ich einmal vor seinem Haus in Motagnola!


Das habe ich schon viel früher vor. Für den übernächsten Urlaub habe ich schon (grob) geplant: Eine richtige Hesse-Rundreise. Angefangen in Calw, dann geht's zum Bodensee und über Basel nach Lugano.
In der Zwischenzeit muss ich noch alle Hesse-Bücher lesen, die ich bis jetzt noch nicht kenne.
Liebe Grüße
Marianne
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Beitrag von UweX »


Tut mir leid, dir widersprechen zu müssen.

Das muss es nicht. So ein Forum lebt doch von der Disskussion :daumen:

Wenn sich ein Atheist ereifert, dann setzt er sich für die Trennung von Kirche und Staat ein. Und wenn man realisiert, wie weit sich die Kirche in die Angelegenheiten von allen Bürgern einmischt (mitunter sogar mit dem Argument, dass dies Gottes Wille sei), kann ich sehr wohl nachvollziehen, dass da zu Mittel wie Sarkasmus, Wut, Blasphemie, Aufklärung oder Spott gegriffen wird.

Das verstehe ich wohl, aber es geht auch anders. Der linke Flügel der Reformation (die heutigen ev. Freikirchen wie Baptisten, Mennoniten, etc.) forderten sowohl Gewissensfreiheit als auch die strikte Trennung von Staat und Kirche schon im frühen 16ten Jahrhundert. Dazu muss man also mitnichten Atheist sein. Leider hat sich eher das Landeskirchentum durchgesetzt,...

der Gott des alten Testaments ist nicht sanftmütig, sondern ein rachsüchtiger, Menschenopfer fordernder, grausamer nachtragender, kleinlicher Tyrann.

das sehe ich etwas anders, wobei ich zugebe zu diesem Thema sehr viel mehr Fragen als Antworten zu haben.
Liebe Grüße
Uwe
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Beitrag von UweX »

wie hab ich denn das Mail so hingekriegt????
sorry :roll:

Hallo Uwe, das war lustig. :-D
Den Zitatanfang hast du jeweils richtig markiert, aber am Zitatende lautet der Befehl [ /quote]. Also den Slash nicht vergessen, sonst entwickelt so ein Posting ein gewaltiges Eigenleben. Ich habe mir erlaubt, die Befehle entsprechend abzuändern. Gruß, Petra
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Beitrag von Helmut »

Hallo Uwe
aber es geht auch anders.
Was soll anders gehen? Die Trennung von Kirche und Staat oder die Reaktion derer. die unter der Bevormundung der Kirche leiden? Ich schildere dir mal ein Beispiel: Um in München Ethik (die Alternative zu Religion!) für LA Gymnasien zu studieren, muss eiener in Religion 2 Staatsexamen abgelegen, muss sich von einem Pfarrer dien Glauben bestätigen lassen, und kann dann eine Zusatzausbildung machen, um Ethik unterrichten zu dürfen. Wenn sich aber einer entscheidet, doch Religion zu unterrichten und die Kirche kritisiert, kann ihm die Kirche die Lehrerlaubnis entziehen, obwohl die Kirche zu den Ausbildungskosten nichts beigetragen hat. So etwas reizt mich, über die verlogenen Praktiken der rituellen Kanibalen zu lästern, das hat aber nichts mit Missionierung zu tun.
das sehe ich etwas anders,
Als Beleg fällt mir auf die Schnelle "Erbsünde", "Vernichtung der Menschen durch Sintflut", Gott fordert von Abraham(?) Sohn zu opfern, Lot(?) wird zur Salzsäue, weil sie sich umdreht.
Wer darin einen sanftmütigen Gott erkennt, entschuldigt auch die Kreuzzüge, Hexenverbrennungen znd Ketzerurteile der Kirche.
Liebe (mir fällt es schwer, dieses Adjektiv zu verwenden, wenn du es auch für diesen Gott verwendest) Grüße
Helmut
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