Ein Wort im Lied verändert, aber große Auswirkungen

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Ein Wort im Lied verändert, aber große Auswirkungen

#1

Beitrag von Barde »

Hallo,

da ich nach langer Zeit mal wieder hier für Geburtstagsgrüße aufschlage, habe ich gleich mal ein neues Thema mitgebracht. Soeben las ich nämlich einen interessanten Artikel.


Kurzfassung:

Florian Silbereisen hat das Lied "Zoom! 1.000 und 1 Nacht" (Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert)" von Klaus Lage im Fernsehen interpretiert und ein Wort verändert. In der Liedzeile

"Erinnerst du dich, wir haben Indianer gespielt und uns an Fasching in die Büsche versteckt"


wurde, vermutlich aus politischer Korrektheit heraus, der "Indianer" gestrichen und Silbereisen singt stattdessen

"Wir haben zusammen gespielt".


Der Texter des Liedes, Dieter Dehm, hat Silbereisen nun wegen Urheberrechtsverletzung seines Textes angezeigt.

Diether Dehm zeigt Florian Silbereisen an - "Indianer" im Liedtext gestrichen

Bei meiner Recherche stieß ich auf diesen aufschlussreichen Artikel, der ziemlich umfassend über die Thematik schreibt, was man ohne Erlaubnis mit Texten oder Melodie machen darf oder eben nicht.

Urheberrechte und deine Rechte

Dieter Dehm war mir noch nie sonderlich sympathisch. Als Politiker (er war MdB für die Linken) und auch privat empfinde ich ihn - diplomatisch ausgedrückt - als eine eher schwierige Gestalt. Doch in diesem Punkt kann ich ihn sehr gut verstehen.

Was ist eure Meinung dazu? Kommt es vielleicht irgendwann dazu, dass wir auch nur noch vom "I-Wort" sprechen?

Liebe Grüße

Barde :balkon:
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Gendern gegen Diskriminierung ist so sinnvoll, wie die Verwendung des Wortes "Peace" an jedem Satzende, um Kriege zu beenden.

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#2

Beitrag von Barde »

Ach, als Ergänzung fällt mir noch eine persönlich erlebte Geschichte ein:

Ich war im Herbst letzten Jahres ein paar Tage in Berlin und hatte die Gelegenheit genutzt, mir das auch neue Humboldtforum anzusehen (die Nach- oder Neugestaltung des Berliner Stadtschlosses). In diesen Tagen war gerade die offizielle Eröffnung und es gab jede Menge Symposien, Podiumsveranstaltungen, Diskussionsrunden usw. Bei meinem Rundgang blieb ich eine Weile bei einer kleinen Gruppe, die das Thema "Schamanismus in südamerikanischen Kulturen" hatte (weiß nicht mehr den genauen Titel, aber inhaltsmäßig passt es so). Es gab einen deutschen Moderator (ich vermute, es handelte sich um einen Kulturwissenschaftler oder Ethnologen), der eine Gruppe von Südamerikanern zu Gast hatte, die Mitglieder diverser südamerikanischer Stammesgruppen waren. Diese sprachen teilweise mehr oder minder gutes Deutsch oder nur Spanisch, was dann übersetzt wurde.
Nun, zum einen fand ich es sehr nervend, wie der Moderator sich bemühte, auf keinen Fall irgendwie diskriminierend zu wirken und führte dementsprechend sowohl in Gestik und Wortwahl einen wahren Eiertanz auf. Alles nach dem Motto: Ihr seid gleichberechtigte Gäste, wir sind ja so voller Respekt und haben so viel Achtung vor eurer Kultur. Es wirkte halt maßlos übertrieben und künstlich auf mich. Nun, sei's drum.

Doch richtig lustig wurde es, als einer der indigenen Gäste sprach und seinen Satz begann: "Ich, als Indianer ..."

Warum nur, musste ich plötzlich grinsen? :-D
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migoe
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#3

Beitrag von migoe »

Lieber Barde,

zunächst bedanke ich mich für Deine Glückwünsche und freue mich, mal wieder was von Dir lesen zu dürfen.
Barde Zitat: Fr 20. Jan 2023, 17:06
Was ist eure Meinung dazu? Kommt es vielleicht irgendwann dazu, dass wir auch nur noch vom "I-Wort" sprechen?
Zunächst kommt mir das bekannt vor und bei diesen bewussten Urheberrechtsverletzungen habe ich kein "Mitleid", denn die Agenturen und die Künstler wissen ganz genau, wie die Rechtslage ist, es gab doch 2020 bereits diese Sache mit der Urheberrechtsklage von Reinhard Mey gegen die ARD bzw. Stefan Mross...

Natürlich weiß Herr Silbereisen, bzw. die Produktionsfirma genau Bescheid, aber dennoch provozieren sie solche Klagen regelrecht bzw. machen es trotzdem (wegen der Quote), denn die Aufführung des Lieds in ungeänderter Textversion ist ja erlaubt, nicht aber die Änderung des Textes OHNE Zustimmung des Urhebers bzw. des Rechteinhabers (im Fall von z.B. Erben).

Was Deine Ausführungen über den Menschen Dieter Dehm angeht, habe ich keine Meinung, weil ich mich noch nie mit ihm befasst habe. Die Sache mit dem Indianer ist für mich keine Diskussion wert, denn der Text muss halt als Zeitdokument betrachtet werden. Vielleicht würde der Künstler ihn heute nicht mehr so schreiben, oder wenn doch, würde das an der Aussage auch nichts ändern, denn er beschreibt in dem Text ja eine Kindheitserinnerung - und wenn die Kinder damals "Cowboy und Indianer" gespielt haben, dann kann er das ja auch so benennen, wie ich finde.

Etwas ganz anderes ist es im Kontext von: "Ich habe darüber nachgedacht, was Begriffe wie "Cowboy" und "Indianer" HEUTE symbolisieren, finde das problematisch und möchte diese Begriffe deshalb nicht mehr verwenden" - aber darüber ist mir nichts bekannt und deshalb halte ich es nicht für notwendig, das zu einem "Problem" zu machen. Ich finde es aber gut, dass Du diese Frage aufwirfst und wenn ich darüber nachdenke, ob dieser (Kontext-)Gedanke der Grund dafür war, warum Florian Silbereisen das Lied an dieser Stelle geändert hat, dann könnte ich zwar die Intention verstehen bzw. nachvollziehen, aber das würde an der Urheberrechtsverletzung letzlich nichts verändern.

Wann ist der Indianer ein Indianer?
Barde Zitat: Fr 20. Jan 2023, 17:41
... Alles nach dem Motto: Ihr seid gleichberechtigte Gäste, wir sind ja so voller Respekt und haben so viel Achtung vor eurer Kultur. Es wirkte halt maßlos übertrieben und künstlich auf mich. Nun, sei's drum ... Doch richtig lustig wurde es, als einer der indigenen Gäste sprach und seinen Satz begann: "Ich, als Indianer ..."
Naja, ich kann einerseits schon verstehen, wenn Menschen zumindest versuchen, sich sprachlich so zu verhalten, wie sie es als respektvoll oder angemessen empfinden und sich mangels fehlender sprachlicher Übung vielleicht manchmal etwas "holprig" oder "künstlich" anhören. Vielleicht hattest Du aber diesen Eindruck auch, weil Du mit dieser Sprechweise "fremdelst", könnte das sein?

Zum "Indianer": warum sollte sich jemand selbst nicht so bezeichnen können?

Auf der Station, auf der ich aktuell arbeite gibt es mehrere Damen die erkennbar schwarzafrikanische Wurzeln haben. Das ist nunmal so, man sieht es Ihnen an. Wenn ich jetzt mit meinen schwarzen Arbeitskolleginnen arbeite und sie sich oder ihre Familie selbst als "Neger" bezeichnen würden, kann ich das doch unkommentiert und ohne zusammenzuzucken hinnehmen, auch wenn ich selbst diesen Ausdruck von mir aus nicht benutze.

Kontext ist so wichtig!
Wenn ICH sie einfach so als "Negerfrau" (oder andere Begriffe, darauf kommt es gerade in meiner Argumentation nicht an) bezeichnen würde, ohne zu wissen, ob dieser Begriff für sie okay oder akzeptabel ist, hätte ich Verständnis, wenn sie sich durch meine Wortwahl herabgesetzt fühlen würden, erst recht, wenn für sie dieser Begriff negativ besetzt wäre oder bereits gegen sie persönlich als Schimpfwort benutzt worden wäre. Ich habe eine schwarze Kollegin, die mich in eine neue Aufgabe eingelernt hat, zu Beginn der Zusammenarbeit einfach gefragt, wie sie angesprochen werden möchte und nachdem das geklärt war, konnten wir gut und problemlos zusammenarbeiten.
Barde Zitat: Fr 20. Jan 2023, 17:41
Warum nur, musste ich plötzlich grinsen?
Ja, warum nur?

Schönen Abend wünsche ich :winken:

P.S. Nachtrag: zum Thema "Kulturelle Aneignung" finde ich die Einstellung von Sinan Kurtulus sehr differenz und stimme ihm großteils zu
Kulturelle Aneignung, Gendern, Klimawandel - SinansWoche DIE SHOW vom 09.09.2022
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Marc
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#4

Beitrag von Marc »

Hallo Barde,

sprachliche Entwicklungen sind für mich - knapp und grob formuliert - immer ein Hinweis auf gesellschaftliche Entwicklungen. Sowohl die Auseinandersetzung mit (vermeintlich) diskriminierenden Begriffen als auch die Diskussionen um Gendersprache empfinde ich als wertvoll, weil beide im Kern das gleiche anstreben: einen respektvollen Umgang miteinander, der sich auch sprachlich widerspiegelt. Das Nachdenken über einen respektvollen Umgang kann - für mich - per se nur richtig sein. Wie immer stellt sich die Frage: Mit wem spreche ich in welchem Kontext wie? Sprache ist situationsabhängig. Ich bin gegen Sprachnormierung, aber für Sprachsensibilität.

Die Aussage „Man darf bald gar nichts mehr sagen“ empfinde ich arrogant und ist für mich ein Zeichen fehlender Bereitschaft oder Fähigkeit, über seinen eigenen Sprachgebrauch nachzudenken.

Liebe Grüße aus Hannover
Marc
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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Viktor
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#5

Beitrag von Viktor »

Hallo miteinander,

na, eigentlich sind es ja wirklich 2 verschiedene Themen, die hier aufgegriffen wurden:

Die Urheberrechtssache:
Prinzipiell finde ich es gut und richtig, dass das Urheberrecht Texteverfasser dagegen schützt, dass ihre Werke inhaltlich verzerrt werden. Und da gehört natürlich auch der Austausch eines einzigen Wortes (man stelle sich vor, es wäre ein krasserer Bedeutungsverdreher als im hier vorliegenden Fall) zu. Oder auch, wie ich gerade unter der vom Barden verlinkten Rechtsinfo noch einmal sah: Das Weglassen von Passagen.
Zum Weglassen eine Anekdote: Als Die Ärzte 1998 mit "Männer sind Schweine" einen größeren Hit hatten als erwartet und ungewollt in die Bierzelt- und Ballermann-Ecke gerieten, lehnten sie die Verwertung ihres Stückes auf solchen Partykompilationen ab. Die dreisten Plattenfirmen holten sich dann einfach Coverbands, die das Stück 1:1 nachspielten. Aber der Clou: Im Abspann des Originals singt ein lieblicher Frauenchor kaum bemerkbar, aber deutlich genug, im Hintergrund "Wir wolln keine / Bullenschweine // Mollys und Steine / gegen Bullenschweine" (eine Hommage an die Punkband 'Slime') - und wenn diese Zeilen in einem Party-Cover ausgelassen wurden, was natürlich vorkam, hatte die Band direkt rechtliche Handhabe gegen die Veröffentlichung.

Die Sprachentwicklung:
Ganz persönlich bin ich gern auf der Seite des Fortschritts, wenn er denn dem respektvolleren Miteinander dient. Deshalb geht mir auch eher "Schokokuss" über die Lippen als "Negerkuss", ohne dass ich mich am "Negerkusswettessen" in einem 1988er(!) Text von Reinhard Mey stören würde. Reflexion dieser Art finde ich als Liebhaber sprachlicher Nuancen eigentlich ganz beflügelnd -- wie Marc schon sagt, der springende Punkt ist doch die
Marc Zitat: Fr 20. Jan 2023, 18:58
Auseinandersetzung mit (vermeintlich) diskriminierenden Begriffen
Bei all diesen Auseinandersetzungen, Diskussionen, Reflexionen ist mir allerdings eine kleeeeeeine Fraktion aufgefallen, die es so weit treibt, dass es mich nervt: Nämlich wenn ohne Berücksichtigung des Kontexts tatsächlich bestimmte Begriffe kategorisch tabuisiert werden, um irgendwie durchzudrücken, dass die Worte nicht einmal beim Drüber-Reden, beim Zitieren oder beim Spielen einer böswilligen Rolle gesagt werden sollen. Da wären migoe und ich jetzt quasi schon die Bösewichte, weil wir etwas geäußert haben, wenn auch in Anführungszeichen. Dieses Nichtberücksichtigen von Kontext hindert meiner Meinung nach die Diskussion, es geht dann nicht mehr um Respekt, sondern um eigenes Überlegenheitsgefühl und Kontrolle -- und gibt ganz nebenbei der "bald darf man nichts mehr sagen"-Fraktion unnötige Legitimation. (Diese Extremform begegnet mir aber hauptsächlich unter US-amerikanischen ultra-Linken.)

Also wenn einer unter der Dusche beim Nachsingen von Klaus Lages Lied "Indianer" ersetzt, weil er die Wortwahl nicht mehr zeitgemäß findet, kann ich das begrüßen.
Wenn Florian Silbereisen das bei einer Veröffentlichung macht ohne Einverständnis des Texters, bin ich verwundert, dass er es nicht besser weiß / sich dummstellt.
Und dass einer das Lied komplett verbieten wollte, ist ja gar nicht vorgekommen -- und so wird es hoffentlich auch bleiben, weil wir alle 1984 von 2023 unterscheiden können.

Viele Grüße
Viktor
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Michael
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Ein Wort im Lied verändert, aber große Auswirkungen

#6

Beitrag von Michael »

Ach der Herr Dehm, jedes Wort über den ist eigentlich Zuviel. Er hätte sich auch einfach über die Tantiemen freuen können, aber er ist ja reich genug…

Juristisch hat er allerdings recht und dem Silbereisen gönne ich den Ärger, ich frag mich aber schon was Dehm machen würde, wenn Klaus Lage den Text verändern würde. Verklagt er den dann auch?

Michael
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Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.
Franz Josef Degenhardt

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#7

Beitrag von Barde »

Viktor Zitat: Sa 21. Jan 2023, 11:45
Bei all diesen Auseinandersetzungen, Diskussionen, Reflexionen ist mir allerdings eine kleeeeeeine Fraktion aufgefallen, die es so weit treibt, dass es mich nervt: Nämlich wenn ohne Berücksichtigung des Kontexts tatsächlich bestimmte Begriffe kategorisch tabuisiert werden, um irgendwie durchzudrücken, dass die Worte nicht einmal beim Drüber-Reden, beim Zitieren oder beim Spielen einer böswilligen Rolle gesagt werden sollen. Da wären migoe und ich jetzt quasi schon die Bösewichte, weil wir etwas geäußert haben, wenn auch in Anführungszeichen. Dieses Nichtberücksichtigen von Kontext hindert meiner Meinung nach die Diskussion, es geht dann nicht mehr um Respekt, sondern um eigenes Überlegenheitsgefühl und Kontrolle -- und gibt ganz nebenbei der "bald darf man nichts mehr sagen"-Fraktion unnötige Legitimation. (Diese Extremform begegnet mir aber hauptsächlich unter US-amerikanischen ultra-Linken.)

Deinen Kommentar empfinde ich als wohltuend differenziert. Hierin kann ich mich sehr gut wiederfinden.


Was mich zunehmend beschäftigt: Diese 'kleeeeeeine' Fraktion wächst und wird gefährlich intoleranter, gerade in akademischen Kreisen. Ich bekomme da sehr unbehagliche Gefühle, weil ich feststelle, dass ausgewogene Meinungen in unserer heutigen gesellschaftspolitischen Diskussion sogar existenzgefährdend sein können. Wer würde es z. B. wagen, soziologische Studien zu veröffentlichen, die eindeutig belegen, dass dies oder jenes nicht dem Wunschdenken entspricht. Ein Lehrstuhl kann sehr schnell wackeln. Eine sich entwickelnde wissenschaftliche Karriere erfordert schon immer, aber jetzt noch mehr, Anpassung an ungeschriebene Gesetze. Diese neuen 'Gesetze' behindern aber einen offenen Diskurs.

Mir kam beim Schreiben dieser Zeilen eine Erinnerung:
Bei meiner Ausbildung zum Chem.-techn. Assistenten fand ich eine Geschichte sehr interessant. Wir hatten das Thema Edelgase besprochen und lange Zeit herrschte in der Wissenschaft der allgemein anerkannte Lehrsatz, dass Edelgase aufgrund ihrer Struktur keine chem. Verbindungen mit anderen Elementen bilden. Nun denn, irgendwann wurde doch ein wissenschaftlicher Aufsatz veröffentlicht, in dem ein Autor eine solche Verbindung beschrieben hat, die er experimentell herstellen konnte. Plötzlich kam in sehr kurzem Abstand eine ganze Welle von solchen Veröffentlichungen, die verschiedene Edelgasverbindungen beschrieben. Die lagen schon bereit in den Schubladen diverser Chemiker, die Angst hatten, dass sie ihre wissenschaftliche Reputation verlieren, wenn sie solche Dinge behaupten. Aber man konnte sich ab dann eben angstfrei einreihen, da einer es gewagt hatte.


Nun, es geht eigentlich hier nur um das Wort 'Indianer' in einem Lied der 80er Jahre. Das Wort kann ich übrigens nur sehr schwer als Beleidigung empfinden, eher als veraltet und halt nicht mehr zeitgemäß. Jedem steht das Recht zu, dies anders zu empfinden. Ich benutze es eigentlich nicht mehr.
Mit dem Wort 'Neger' ist dies ganz anders, dies ist eine eindeutige und heftige Beleidigung und hat im alltäglichen Sprachgebrauch wirklich überhaupt keine Daseinsberechtigung mehr. Doch es stimmt mich nachdenklich, dass selbst das Zitieren dieses Wortes heftigste Reaktion hervorruft. Wenn ich erzähle, dieser oder jener Neonazi hat "Heil Hitler" gerufen, so mach ich mich doch auch nicht gemein mit dieser Überzeugung. Man soll bitte schön den Ausdruck 'N-Wort' benutzen, da er sonst auf schwarze Menschen (re)traumatisierend wirken könnte. Nun: Soll ich jetzt form- und moralgerecht logischerweise auch sagen "Der Neonazi hat "H-H" gesagt, weil das wörtliche Zitieren keinem Menschen jüdischen Glaubens zuzumuten ist?

Viktor Zitat: Sa 21. Jan 2023, 11:45
Und dass einer das Lied komplett verbieten wollte, ist ja gar nicht vorgekommen -- und so wird es hoffentlich auch bleiben, weil wir alle 1984 von 2023 unterscheiden können.

Nun ja, da gibt es doch eine Problematik was 'Verbote' angeht. Dieses Lied war ein richtiger Hit in den 80igern und kein Mensch hat sich wegen dieser Passage dabei etwas gedacht. Es ist durchaus denkbar (oder sagen wir sogar zu befürchten), dass die Programmchefs heutzutage die Stichwortlisten der gespeicherten Lieder durchforsten, um Anweisung zu geben, diese oder jene Lieder bitte nicht mehr auf die Sendelisten zu setzen. Es wimmelt eben heutzutage von subtilen Verboten. Und die einen setzen die Auswahlkriterien flexibel und differenziert und die anderen können so dogmatisch sein, dass keine Luft mehr zum Atmen bleibt. Wenn jemand seine Auffassungen von 'Moral' so extrem eng setzt, nenne ich dieses Verhalten im Geiste immer 'katholisch', auch wenn es im nichtreligiösen Bereich geschieht. Den meisten muss ich dies wohl nicht erklären, was ich damit meine. Da gibt's halt nur Himmel und Hölle und sehr klare Entscheidungskriterien und Regeln. Zwischendrin ist nicht erlaubt.
Ich war das Opfer einer solchen Erziehung und habe damit gute Antennen für solche Fehlentwicklungen.

Damit hätte ich jetzt auch den Bogen zu Marcs Kommentar geschaffen.
Marc Zitat: Fr 20. Jan 2023, 18:58
sprachliche Entwicklungen sind für mich - knapp und grob formuliert - immer ein Hinweis auf gesellschaftliche Entwicklungen
Ja, dies alles sind Zeichen einer Entwicklung. Und Entwicklung ist ein wertneutraler Begriff, weil eine Entwicklung, wie ein räumlich lokalisierter Weg, verschiedenste Richtungen nehmen kann - mit positiven, negativen oder harmlosen Folgen. Da gibt es Bewegung, die auf einem breiten Weg schnurgerade und schnell zu einem Ziel führt. Da gibt es Bewegungen die plötzlich Umwege nehmen. Da gibt es Bewegungen, die sich plötzlich in die Rückwärtsrichtung orientieren. Entwicklungen, die haarscharf an einem Ziel vorbeigehen. Und es gibt Bewegungen, bei denen ganz klar ist, dass man das Ziel nie er erreichen wird und trotzdem Bewusstsein da ist, dass es nicht unnütz ist, diesen Weg zu gehen ("Der Weg ist das Ziel", wie es so schön heißt). Und letztendlich die Erkenntnis, dass ich niemanden zwingen darf und kann, mich auf meinem Weg zu begleiten. Vielleicht stelle ich irgendwann - erstaunt?! - fest, dass der Andere sich genauso hin zu dem gleichen Ziel bewegt wie ich. Nur, er ging (oder geht halt) einen anderen Weg. Vielleicht wandert man auch mal eine Zeitlang zusammen, doch plötzlich trennen sich die Wege.

Marc Zitat: Fr 20. Jan 2023, 18:58
Das Nachdenken über einen respektvollen Umgang kann - für mich - per se nur richtig sein.
Bitte korrigiere mich (als Französischlehrer) ob ich es richtig mache, wenn ich sage, da sind wir d’accord, um es von meiner Seite aus ein bisschen angeberisch und scheingebildet auszudrücken ;-)


Marc Zitat: Fr 20. Jan 2023, 18:58
Die Aussage „Man darf bald gar nichts mehr sagen“ empfinde ich arrogant und ist für mich ein Zeichen fehlender Bereitschaft oder Fähigkeit, über seinen eigenen Sprachgebrauch nachzudenken.

Dieses "gar nichts" stört mich auch immer. So was ist viel zu undifferenziert und signalisiert für mich gleichfalls mangelnde Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Diese Phrase wird von bestimmten Kreisen als Kampfbegriff benutzt und wer diesen Satz benutzt, signalisiert schon eindeutig, dass er (meist) nicht sachlich oder überhaupt nicht drüber reden will.

Meine Position ist, dass ich Übertreibungen / Fehlentwicklungen (siehe oben) im 'sensiblen Sprachgebrauch' kritisiere. Und mein Stilmittel ist dabei eben oft die Ironie oder ich spöttel gern darüber (oder grinse halt bei solche Situationen, wie ich sie exemplarisch im Eingangspost beschrieben habe). Um es bildlich auszudrücken: Die verbalen Verrenkungen und Bemühungen des Moderators bei der Veranstaltung im Humboldt-Forum erweckten in mir sofort Vergleiche zu Hape Kerkelings "Hurz" oder dem "tänzelnden Vertreterschritt" in Reinhard Meys Lied "Vertreterbesuch".
Ich wurde jahrelang sehr gut für die (berufliche) Rolle des Narren bezahlt. Und nicht ohne Grund habe ich schon immer das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" geliebt. Genauso wie ich das Lied "Bevor ich mit den Wölfen heule" schätze. Ein Werk, dessen Thematik topaktuell ist. Und wie war das noch mit dem Lied "Annabelle"? ...


Um zu einem Ende zu kommen, ein letzter Satz:

"Wenn ihr das Bedürfnis verspüren solltet, mich in eine Schublade stecken zu müssen, dann bitte in die mit Süßigkeiten"
:-D :-D

Liebe Grüße aus dem kalten Leipzig

Barde
Zuletzt geändert von Barde am Sa 21. Jan 2023, 16:10, insgesamt 4-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 1300 Wörter


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#8

Beitrag von Skywise »

Barde Zitat: Fr 20. Jan 2023, 17:06
Dieter Dehm war mir noch nie sonderlich sympathisch. Als Politiker (er war MdB für die Linken) und auch privat empfinde ich ihn - diplomatisch ausgedrückt - als eine eher schwierige Gestalt.
Joah ... nachvollziehbar ...
Um mich selbst zu zitieren, wie ich mich vor wenigen Wochen mal in einem anderen Forum geäußert habe:
[...] Diether Dehm war für mich immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ein durchaus kluger und talentierter Kopf, der gute Lieder zu schreiben verstand und sich oft mit guten Positionen ins Gespräch brachte. Auf der anderen Seite war und ist er aber auch jemand, der sehr gerne im Scheinwerferlicht steht, der provoziert, polarisiert, unhaltbare Positionen vertrat und vertritt, und - wie ich finde - ein Meister darin ist, sich selbst die Worte im Mund rumzudrehen. Sein Protest gegen das Kapital und die Mächtigen wandelte sich ab dem Zeitpunkt, da er selbst an Einfluß gewann und sein Geldbeutel langsam anwuchs, zu einem Protest gegen Monopolisten. Sein Weg ist gepflastert von Widersprüchlichkeiten - wie kann sich jemand finanziell am Hitradio FFH beteiligen und gleichzeitig über die kommerzielle Ausrichtung der Medien jammern? - und regelmäßigen Aufenthalten am öffentlichen Pranger.

[...] Diether Dehm hat einige der Schubladen gesprengt, in die ich ihn im Laufe der Zeit immer wieder gesteckt habe. Ursprünglich befand er sich da, wo ich eine ganze Menge andere West-Linke hineinverfrachtet habe - in der der marxistischen Theoretiker, die - oft in Ermangelung von Bodenhaftung - weiterhin am Sozialismus/Kommunismus oder an ihrer teilweise romantischen Vorstellung davon festhielten, entweder ohne aufarbeiten zu wollen, was da eigentlich in den sozialistischen Staaten gerade in ordentlicher Bandbreite schiefgelaufen war, oder ohne es wirklich aufarbeiten zu können ... der Vorwurf, zu den Salonbolschwiki oder den Schönwetter- bzw. Schreibtisch-Sozialisten zu gehören, ist für Diether Dehm auch nicht wirklich neu. Ein wenig widerwillig habe ich ihn später umsortiert in eine kleinere Schublade von Linken, die ihre Auslegung von "Links" oder "Links-Sein" anpassen; "widerwillig" deshalb, weil ich das Gefühl hatte, daß Dehm sich zu dem Zeitpunkt argumentativ ziemlich gewunden und bestimmte Aspekte höchstens selektiv wahrgenommen oder ihnen sogar deutlich widersprochen hat. Oft sogar so widersprüchlich oder drastisch, daß er mit seinen Aussagen deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist, beispielsweise auch in seinen meist wenig erfolgreichen Theaterstücken. Aus dieser Schublade hat er sich mittlerweile auch schon wieder verabschiedet, was mit seiner meiner Meinung nach vergleichsweise frischen Angewohnheit zu tun hat, bestimmte Dinge in seinen Aussagen konzentriert auf den Punkt bringen und auch manchmal einfache Antworten auf einfache Fragen bei komplexer Sachlage geben zu wollen, was ihn ziemlich oft in den Graubereich von populistischem Gedankengut und letzten Endes Verschwörungstheorien driften ließ. Ohne sich natürlich darauf zu beschränken - Dehm versteht es sehr gut, sich mit den richtigen Namen zu schmücken, mit denen durchaus eine fruchtbare Zusammenarbeit stattgefunden hat, und als reiner Blender oder Sprücheklopfer kiegt man viele dieser Leute nicht an seine Seite, und meines Wissens haben sich nur ganz wenige Co-Autoren, Interpreten etc. von der gemeinsamen Arbeit oder von Dehm persönlich distanziert.

Dehm schillert ziemlich stark, und er mag es offenkundig zu schillern. Er zieht sein Ding nach eigenem Gusto durch, was ich respektabel finde, auch wenn ich bei weitem nicht allen Äußerungen und Tätigkeiten zustimmen würde. Mit seiner Person hebelt er allerdings leider einen Teil seiner künstlerischen Leistung wieder aus, wie ich finde. Aber das Schicksal teilt er sich auch mit einigen anderen ...
Doch in diesem Punkt kann ich ihn sehr gut verstehen.
Ich auch, insbesondere wenn Aussagen dadurch entstellt werden. "Zusammen" und "Indianer" ... hm! Ich sehe da einen Unterschied.
ich hatte ein paar andere Bedenken, als die Rio-Reiser-Erben seinerzeit eine Anpassung des "König von Deutschland"-Textes abgelehnt haben (ich kann verstehen, daß der Königanwärter heutzutage nicht mehr Robert Lembke oder auch Reinhard Mey im Text erwähnen möchte), allerdings - da der angedachte Interpret Daniel Küblböck heißen sollte, war ich schon wieder beruhigt, daß es doch noch Mittel und Wege gibt, etwas zu verhindern, was bei instand gebliebenem Text nicht zu vermeiden gewesen wäre.
Was ist eure Meinung dazu? Kommt es vielleicht irgendwann dazu, dass wir auch nur noch vom "I-Wort" sprechen?
Nein, eigentlich nicht, nicht zuletzt da viele der Native Nations sich selbst immer noch in Liedern und Schlagworten als "Indians" bezeichnen, auch wenn das in den vergangenen Jahren einige Male zugegebenermaßen tatsächlich auch schon mal mit einem abfälligen Unterton passiert ist. Ich weiß gar nicht mehr, wer es war, und will's auch niemandem unterstellen, aber ich hab' Anfang letzten Jahres ein interessantes Interview gehört, bei dem von einem oder einer Angehörigen der Native Nations sinngemäß gesagt wurde "Ich nenne mich weiter Indianer(in). Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder in Schriften, Liedern und politischen Aktionen versucht, auf die problematische Situation der einzelnen Stämme und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen, auf Diskriminierung vor dem Recht, auf Vorurteile im Alltag, und jetzt, wo die 'Indian Nations", wo die 'Indians' so weit sind wie eigentlich noch nie, nimmt man uns das Schlagwort, unter dem wir gemeinsam gestritten haben." Ich denke also, das Wort wird uns also noch erhalten bleiben, was mir eigentlich auch ziemlich lieb wäre, denn letzten Endes ist es ein Begriff, der natürlich von seinem Ursprung her grundverkehrt ist, der allerdings tatsächlich nicht ausschließlich negativ behaftet ist. Würde mich freuen, wenn er wenigstens als Synonym weiterhin benutzt würde.

Gruß
Skywise
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Herman van Veen - "Die Clowns"

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Eurydike
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#9

Beitrag von Eurydike »

Ich erzähle hier mal eine kleine Begebenheit, die dieses Verurteilen "ohne Berücksichtigung des Kontexts" gut darstellt. (Eigentlich ist es sogar ein Verurteilen nach Erfahren des Kontext.) Vorab muss ich sagen, dass ich meine Schwiegertochter wirklich sehr gern habe, aber manchmal macht sie mich mit ihrer politischen Korrektheit auch ein bisschen wahnsinnig. :wand:

Also: Des Barden Enkeltöchter waren bei uns zu Besuch und wir waren mit ihnen unterwegs. An der Bushaltestelle sitzend, sah ich ein großes Plakat mit Leipzigs Fußballer Christopher Nkunku. Dieser ist französischer Nationalspieler mit kongolesischen Wurzeln und hat sich hier in die Herzen aller Fans gespielt. Also sage ich – natürlich völlig überflüssig, aber gleichzeitig voller Begeisterung – zu den Kindern, dass das Nkunku ist. Und Ava (3 Jahre) guckt sich um und fragt: Wo ist der Kuckuck?

Das war so süß (und natürlich völlig unschuldig), dass wir Christo seither immer den Kuckuck nennen. Voller Wertschätzung, das kann ich euch versichern! Ich liebe den Kuckuck und ich bin sehr traurig, dass er uns zum Saisonende verlässt. Aber das ist seit jenem Tag des Barden und mein Spitzname für ihn.

Na ja – und eines Tages hörte meine Schwiegertochter, wie ich vom Kuckuck sprach. Also erzählte ich ihr vom Zustandekommen des Namens. Und dann folgte mal wieder einer dieser Momente. Sie sagte zu mir, dass sie das ja eigentlich schon niedlich findet, aber gleichzeitig ist es auch irgendwie sehr rassistisch, wenn man dunkelhäutige Mitmenschen Kuckuck nennt. Tja – da war ich dann schon ziemlich sprachlos. Auf diese Idee wäre ich ums Verrecken nicht gekommen. :keineidee:
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Ein Wort im Lied verändert, aber große Auswirkungen

#10

Beitrag von Barde »

Ich freue mich darüber, dass wir hier eine so gute Diskussionskultur haben. Und ein spezieller Dank gilt hier vor allem migoe, der in diesem Forum die Atmosphäre geschaffen hat, die sachliche Diskussionen ermöglicht,

Ich möchte hier auf zwei interessante Artikel aus der taz verlinken, die - aus verschiedenen Blickwinkeln heraus - die Geschehnisse bei einer Diskussion schildern. Es handelte sich um eine Podiumsdiskussion um das Thema Diskriminierung und Sprache, die total aus dem Ruder lief und in einem Eklat endete. Als heftiges Beispiel dafür, welche Entwicklung eine solche Diskussion leider oft auch nimmt.

Einer der Hauptprotagonisten war dabei Deniz Yücel, den man vom 'Schwierigkeitsgrad der Persönlichkeit' her (ironisch ausgedrückt) ähnlich wie Dieter Dehm empfinden kann. Der geht wirklich keiner Auseinandersetzung aus dem Weg und liebt die Provokation. Auch bei PEN gab es eine riesigen Streit, als er eine Zeitlang Chef dieser Schriftstellervereinigung war.

Hier die Stellungsnahme der taz dazu:

taz: Verbale Diskriminierung - Krach um das N-Wort

Und hier die Kolumne von Deniz Yücel - gleichfalls in der taz. Für die er übrigens nicht mehr schreibt.

taz-Kolumne: Liebe N-Wörter, ihr habt 'nen Knall
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Reino
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#11

Beitrag von Reino »

Barde Zitat: Sa 21. Jan 2023, 15:22
Nun, es geht eigentlich hier nur um das Wort 'Indianer' in einem Lied der 80er Jahre. Das Wort kann ich übrigens nur sehr schwer als Beleidigung empfinden, eher als veraltet und halt nicht mehr zeitgemäß. Jedem steht das Recht zu, dies anders zu empfinden. Ich benutze es eigentlich nicht mehr.
Mit dem Wort 'Neger' ist dies ganz anders, dies ist eine eindeutige und heftige Beleidigung und hat im alltäglichen Sprachgebrauch wirklich überhaupt keine Daseinsberechtigung mehr.
Hast du für diese Aussage irgendeine nachvollziehbare Erklärung? Heißt schließlich lediglich schwarz (wo ist da die Beleidigung), und das heißt auf Spanisch "negro", was sollen die also sagen?
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#12

Beitrag von Barde »

Reino Zitat: Mo 23. Jan 2023, 16:35
Hast du für diese Aussage irgendeine nachvollziehbare Erklärung? Heißt schließlich lediglich schwarz (wo ist da die Beleidigung), und das heißt auf Spanisch "negro", was sollen die also sagen?
Dieser Ausdruck wird eigentlich nur noch herabsetzend benutzt. Das letzte unangenehme Erlebnis hatte ich in dieser Hinsicht, als ich erfuhr, dass ein schwarzes Mädchen damit beleidigt wurde. Ihr Vater stammt aus dem Kongo und ich hatte viel Kontakt zu dieser Familie. Die sind gut integriert in der Kleinstadt, in der wir lange gelebt haben. Die Kinder (4) sind z. B. gerne und akzeptiert im Trachtenverein oder Handballverein Mitglied. Aber auch dort kam es leider eben vor, dass Esther (dieses Mädchen) eine Schulkameradin nicht zuhause besuchen durfte, weil der Vater sagte, "'Neger" kommen mir nicht ins Haus.Wenn jemand in meiner Gegenwart noch von 'Negern' spricht, sind es nur noch Leute, die eindeutig rassistisch sind - oder manche alten Leute, die es nicht unbedingt böse meinen, aber halt nicht mehr flexibel genug im Denken sind.

Was das Wort Indianer angeht, so möchte ich auf Skys Post verweisen und die Tatsache, dass die selbst aus Gewohnheit noch viel dieses Wort benutzen. Es ist nicht automatisch negativ konnortiert und viele Menschen haben viel Empathie und Hochachtung vor diesen Menschen, die näher an der Natur gelebt haben (oder noch leben), als der "zivilisierte" Europäer oder Amerikaner. Wir wissen doch alle, wie gefährlich sich die "Zivilisation" entwickelt hat.

Was die spanische Sprache angeht: Ich bin des Spanischen nicht mächtig und deshalb kenne ich die Problematik dort nicht. Mir geht es ausschließlich um meine 'Vater-sprache' (kleiner Seitenhieb für die Genderanhänger - Gerechtigkeit bitte schön in beide Richtungen :-D ) und dies ist für mich relevant.

Und ansonsten hab ich ja schon zum Ausdruck gebracht, wie ich die übertriebene Empfindlichkeit beim Zitieren des besagten Wortes einstufe. Wer 'N-Wort' sagt, verursacht ein deutliches Anheben der Augenbrauen bei mir. ;-)

Auch andere Übertreibungen nerven ein bisschen (regen mich aber nicht unbedingt auf). Es ist hip und modern geworden, schwarze Menschen in der Werbung sichtbar zu machen. Na ja, warum nicht. Doch wenn man der Werbung glauben will (was eh abzuraten ist), dann besteht die deutsche Bevölkerung aus 50 % schwarzen Menschen. Ok, vielleicht pegelt es sich mal auf ein Maß ein.
Interessanterweise jedoch sind es hauptsächlich (nicht immer, aber zum allergrößten Teil) sehr hübsche, junge, gertenschlanke, schwarze Frauen, die in aller Regel doch eher multiethnisch aussehen (also nicht eine sehr dunkle Hautfarbe haben). Warum ist man nicht konsequent und zeigt den schwarzafrikanischen Typus, der nicht unbedingt den üblicherweise vorherrschenden europäischen Schönheitsmerkmalen entspricht? Vielleicht kann mancher dieser Argumentation nicht folgen, doch Ich habe das Gefühl, dass diese Auswahl von Modellen durchaus eine versteckte Diskriminierung bedeutet.
Das ist im Grunde genauso gelogen wie eine typische Autowerbung, in der die Karre durch menschenleere Straßen und Gegenden fährt - und die tatsächliche Realität ausgeblendet wird.

Hugh (ich habe gesprochen) :-D

P.S
Danke noch migoe. Der Youtube-Link war sehr interessant und aufschlussreich. Eine detaillierte und gute Argumentation, die Sinan hier betreibt. :super:
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#13

Beitrag von Reino »

Barde Zitat: Mo 23. Jan 2023, 18:19
Wenn jemand in meiner Gegenwart noch von 'Negern' spricht, sind es nur noch Leute, die eindeutig rassistisch sind - oder manche alten Leute, die es nicht unbedingt böse meinen, aber halt nicht mehr flexibel genug im Denken sind.
Ich halte dagegen: Das Wort wird wird noch benutzt, weil irgendwelche Heiligen beschlossen haben, dass man es nicht mehr benutzen darf, ohne allerdings einen Ersatz mit der gleichen Bedeutung anzubieten (oder allenfalls irgendwelche Bandwurmbegriffe).
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#14

Beitrag von Skywise »

Reino Zitat: Di 24. Jan 2023, 10:21
Ich halte dagegen: Das Wort wird wird noch benutzt, weil irgendwelche Heiligen beschlossen haben, dass man es nicht mehr benutzen darf, ohne allerdings einen Ersatz mit der gleichen Bedeutung anzubieten (oder allenfalls irgendwelche Bandwurmbegriffe).
Dem Gedankengang hinter dem Satz würd' ich wahrscheinlich zustimmen, dem Wortlaut aber nicht. Da sind schon Begriffe, die angeboten wurden (von "Farbiger", was Harald Schmidt so hübsch kommentiert hat mit 'farbig, das ist für mich die Apothekerswitwe aus Meerbusch mit Fingerfarben auf der Suche nach sich selbst', bis "Schwarzer"), allerdings sehe ich nicht, daß ein negativer Zusammenhang durch den Gebrauch der Alternativen in irgendeiner Art und Weise abgeschwächt würde. Ich hätt's begrüßt, wenn man sich bedeutend mehr dem Kontext und gegebenenfalls der Aufklärungsarbeit gewidmet hätte als dem Abstrafen irgendwelcher Wörter.

Gruß
Skywise
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#15

Beitrag von Barde »

Skywise Zitat: Di 24. Jan 2023, 10:47
Dem Gedankengang hinter dem Satz würd' ich wahrscheinlich zustimmen, dem Wortlaut aber nicht. Da sind schon Begriffe, die angeboten wurden (von "Farbiger", was Harald Schmidt so hübsch kommentiert hat mit 'farbig, das ist für mich die Apothekerswitwe aus Meerbusch mit Fingerfarben auf der Suche nach sich selbst', bis "Schwarzer"), allerdings sehe ich nicht, daß ein negativer Zusammenhang durch den Gebrauch der Alternativen in irgendeiner Art und Weise abgeschwächt würde. Ich hätt's begrüßt, wenn man sich bedeutend mehr dem Kontext und gegebenenfalls der Aufklärungsarbeit gewidmet hätte als dem Abstrafen irgendwelcher Wörter.
Ich weiß nicht, ob er stellvertretend für alle genommen werden kann, doch ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe hat mir gesagt, dass man bitteschön 'Schwarzer' sagen soll, wenn es um dieses Merkmal geht. Wir saßen einen ganzen Abend lang in einer Gruppe zusammen und er kam irgendwie auf das Thema. Wir unterhielten uns in der Gruppe lange darüber und man merkte schon, dass es ihm, als Deutschen mit schwarzer Hautfarbe, doch stark beschäftigt. Den Begriff "Farbiger" kann er überhaupt nicht ausstehen, da dieser einfach nicht stimmt. Weiße können verschiedene Farben annehmen, doch er kann weder rot vor Wut oder Scham, bleich vor Schreck oder grün vor Übelkeit im Gesicht werden. Das Beispiel von Harald Schmidt ist natürlich wieder ein Volltreffer, ach, was liebe ich die Schnodderschnauze. ;-)
Zuletzt geändert von Barde am Di 24. Jan 2023, 12:53, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 243 Wörter


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#16

Beitrag von Barde »

Reino Zitat: Di 24. Jan 2023, 10:21
... weil irgendwelche Heiligen beschlossen haben ...
Ich verstehe schon, was dich aufregt und kann das - teilweise - sehr gut nachvollziehen.

Um ein sehr abstruses Beispiel zu nennen, das mich auch ein bisschen an der 'modernen' Gesellschaft zweifeln lässt:

Im Netz sah ich ein kurzes Interview, das mit einem jungen Berliner Polizisten geführt wurde. Die Thematik war die Akzeptanz und Stellung der Polizisten in der Großstadt. Er sagte, dass er teilweise die Leute in ihrer Art nicht verstehen kann. Er wurde z. B. von einer jungen Frau angesprochen, die ihm sagte, sie wäre soeben in der nahen U-Bahn-Station von einem Mann sexuell belästigt worden. Er bat noch um eine kurze Täterbeschreibung und fragte, ob der Täter z. B. eine andere Hautfarbe gehabt hätte, um ihn besser identifizieren zu können. Daraufhin bekam er die Antwort, dass sie diese Frage nicht beantwortet, weil dies "rassistisch" wäre.
So, wie es in dem Interview gewirkt hat, war er anscheinend irgendwie ratlos, wie er mit so einer Antwort umgehen soll.

Ja, es gibt tatsächlich neben der normalen Polizei noch eine 'Sprachpolizei' ;-)
Reino Zitat: Di 24. Jan 2023, 10:21
... allerdings einen Ersatz mit der gleichen Bedeutung anzubieten (oder allenfalls irgendwelche Bandwurmbegriffe).
Ich frage mich, wie oft man denn den Begriff wirklich braucht, da in den allermeisten Situationen die Hautfarbe eigentlich nicht von Belang ist, wenn man von einem Menschen spricht.
Ansonsten sage ich halt meistens 'schwarzer' (als Adjektiv) Mensch - Deutscher - Bürger - Bewohner - Migrant usw., wenn die Farbe der Haut irgendwie im Gespräch erwähnt werden muss, bzw. wirklich von Belang ist.

Ja, wirklich - warum muss ich denn ständig die Unterschiede erwähnen? Dies stellt ja auch die Krux an der sog. Sprachsensibilität" dar:

Die Gleichberechtigung von diversen Geschlechtern, Minderheiten, Menschen mit anderen Hautfarben usw. soll gefördert werden. Dies bedeutet, dass die Herkunft, Hautfarbe, das Geschlecht usw. im täglichen Umgang miteinander nicht mehr von Belang sein soll.
Andererseits wird nun von einer Minderheit immer wieder gefordert, dass diese Menschen besonders plakativ in der Sprache sichtbar gemacht werden sollen. Was denn nun: Soll dieses spezifische Merkmal unwichtig sein, weil wir eh alle gleich(berechtigt) sind - oder: Wollen wir dies ständig herausheben und unterstreichen?

Aber: Diese ständigen Diskussionen sind für mich - trotz aller Genervtheit - nicht überflüssig. Mich hat es sehr viel zum Nachdenken gebracht. Von daher kann ich Marc wirklich nur zustimmen
Marc Zitat: Fr 20. Jan 2023, 18:58
Das Nachdenken über einen respektvollen Umgang kann - für mich - per se nur richtig sein.
Was mir Kopfschmerzen bereitet, ist der Fanatismus gewisser Kreise und mögliche Folgen einer daraus resultierenden Intoleranz dieser 'Vertreter des Guten'. Und, dass die Diskussion manchmal derart ins Lächerliche abgleitet, dass gewissen Kreisen unbeabsichtigterweise richtig viel Material in die Hand gegeben wird, um das eigentliche Thema - gänzlich - nur als Spinnerei abtun zu können.
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#17

Beitrag von Barde »

Die Causa 'Dieter Dehm ./. Florian Silbereisen' hat ein paar weitere Auswirkungen gehabt. Typisch für Dieter Dehm wird das Ganze natürlich noch mit seiner Art von ausufernder Systemkritik verbunden und er holt verbal zum ganz großen Schlag aus. In einem Interview mit der Fuldaer Zeitung (er wohnt im Kreis Fulda) trägt er sehr dick auf und alles wird von ihm in einem Topf geworfen und mit seinem Problem verrührt. Dementsprechend müssen noch im Thema "Darf man Indianer sagen" die Corona-Krise, der Lockdown, die Pharmaindustrie, Karl-Lauterbach, die amerikanische Außenpolitik usw., usw. mit verarbeitet werden.

Außerdem werden einige Künstlergrößen von ihm gleich mit in seine 'Fraktion' geholt, u. a. Reinhard Mey:

Zitat - Fuldaer Zeitung (online) vom 26.01.23
"Ich will denen auch klarmachen, dass selbst ein deutscher Schlagerstar an der Seite der Gedankenfreiheit zu stehen hat – in der guten Tradition von Udo Jürgens, Katja Ebstein, Howard Carpendale, Roland Kaiser, Peter Alexander, Peter Maffay, Drafi Deutscher, Reinhard Mey, Udo Lindenberg, Dieter Hallervorden und vielen anderen, mit denen ich als Autor und als Sprecher von Künstler für den Frieden wirken durfte."


Übrigens hat sich wohl derweil der Manager von Florian Silbereisen bei ihm entschuldigt. Die Strafanzeige wird aber von ihm nicht zurückgenommen. Nach Dehms Aussage könnte er dies eh nicht mehr tun, weil sie jetzt nicht mehr zu stoppen wäre und weiter ermittelt werden muss. Ob dies wirklich stimmt, müssen Juristen beantworten. Mir kommt dies ein bisschen seltsam vor. Durch zwei verschiedene Ausbildungen bedingt, habe ich im Unterricht die Unterscheidung der Begriffe Offizialdelikt und Antragsdelikt gelernt. Ersteres ist immer der Fall, wenn ein Verbrechen vorliegt und die Justizorgane davon erfahren. Das kann nicht mehr gestoppt werden, selbst wenn ein Verbrechensopfer dies so verlangen würde. In Dehms Fall ist es aber ein Antragsdelikt, das nur unter bestimmten Umständen weiterverfolgt wird, auch wenn der Anzeigenstellende kein Interesse mehr an einer weiteren Verfolgung hat.

Ob er wirklich damit recht hat, kann ich mit meinem rudimentären Wissen natürlich nicht beurteilen. Doch wenn ich einen Wikipedia-Artikel zur Thematik richtig verstehe, so sieht er seinen Fall wohl hier drin einsortiert:

"Außerhalb des deutschen Strafgesetzbuchs ausgewiesene Delikte, die auf Antrag, aber auch bei Vorliegen eines besonderen öffentlichen Interesses verfolgt werden können: "

Wikipedia - "Antragsdelikt"

Unter diesem Passus und das Gedöns fallen wohl - teilweise - Urheberrechtssachen. Wahrscheinlich interpretiert er dies so, dass selbstverständlich besonderes öffentliches Interesse bei dieser Sache vorliegt. Ergo, jemand hat sich mit ihm angelegt, mit ihm, dem Schöpfer weltberühmter Werke, ...na, wenn das wohl nicht von öffentlichem Interesse ist.

Oder: Ist es gar doch ein 'Verbrechen', sich an seinen Werken zu vergreifen :schimpfen: :-D


Das ganze Interview ist hier nachzulesen:

Interview Fuldaer Zeitung - Streit Dieter Dehm / Florian Silbereisen



Hab jetzt wohl die Wahl, ob ich Popcorn kaufe und das Drama als gute Unterhaltung betrachte ... oder es so wie Michael zu sehen:
Michael Zitat: Sa 21. Jan 2023, 13:42
Ach der Herr Dehm, jedes Wort über den ist eigentlich Zuviel. ..

Aber immerhin hat es uns zu einer guten Diskussion gebracht.
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