Offener Brief an den Bundeskanzler

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Apr 2022 30 10:15

Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von fille

#1

Guten Morgen zusammen,

auch Reinhard hat einen offenen Brief an Olaf Scholz unterschrieben, mit dem Appell gegen
eine Lieferung von noch mehr schweren Waffen an die Ukraine. Es ist wichtig, dem russischen
Präsidenten kein Motiv für eine Ausweitung des Krieges auf die Nato zu liefern. Insgesamt
sind es 28 prominente Unterzeichner. Unter anderem Martin Walser, Gerhard Polt,
Dieter Nuhr und Alice Schwarzer. Ich finde, sie haben Recht. Es ist auch meine persönliche Meinung.

Liebe Grüße, Marianne
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migoe
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Apr 2022 30 19:54

Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#2

Liebe Marianne,

danke dafür, dass Du dieses Thema hier ansprichst. Mir geht es damit nicht gut und ich fand in den letzten Wochen buchstäblich keine Worte dafür, was in der Ukraine geschieht und was das für uns alle bedeuten kann. Der offene Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz wurde auf der Webseite der Zeitschrift EMMA veröffentlicht und datiert auf den 29.04.2022.
Der offene Brief an Olaf Scholz bezüglich Waffenlieferungen an Ukraine
Offener Brief an Kanzler Olaf Scholz _ EMMA.pdf
Die Tatsache, dass so ein Brief erst ganze 64 Tage nach dem Start des Krieges formuliert und adressiert wird, ist für mich ein Beleg dafür, dass es sich die Verfasser*innen und Mitzeichner*innen nicht leicht gemacht haben und sie auch ihre Worte sorgsam gewählt haben. Du hast Dich ja schon geäußert und unterstützt diesen Aufruf.

Ich würde diesen offenen Brief in dieser Form nicht mitzeichnen, auch wenn ich die dort geäußerten Anliegen und Gedanken zu großen Teilen nachvollziehe und unterstütze.

Das Thema ist zu ernst, um es wie "jedes andere Thema" hier zu diskutieren. Aus diesem Grund werde ich nicht direkt auf Deinen Post eingehen und möchte auch klar schreiben, dass ich es sehr gut verstehen kann, wenn Andere (wie Du, liebe @fille) sich dem Text / Anliegen des offenen Briefs anschließen. Jede/r sollte das tun was sie/er für richtig hält.

Marianne hat ja bewusst den Thread hier im Reinhard Mey Forum geöffnet, in den es meiner Meinung nach auch 100% passt! Reinhard Mey hat sich auf seiner Webseite ja schon immer - und erst recht seit Beginn des Kriegs in der Ukraine - auf seine Weise dazu geäußert:

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine:
Aus seiner Chronik vom 27.02.2022: Es ist an der Zeit
Aus seiner Chronik vom 23.04.2022: Nie wieder Krieg
Aus seiner Chronik vom 28.04.2022: Was keiner wagt

Reinhards Statements zum Thema Krieg allgemein:
Aus seiner Chronik vom 27.01.2022: Die Kinder von Izieu
Aus seiner Chronik vom 09.09.2021: (Die Frauen von) Jalalabad
Aus seiner Chronik vom 02.10.2020: Nein, meine Söhne geb ich nicht
Aus seiner Chronik vom 23.01.2020: Die Kinder von Izieu
Aus seiner Chronik vom 28.07.2017: Alle Soldaten woll'n nach Haus
Aus seiner Chronik vom 03.05.2013: Das Trauerspiel von Afghanistan - Die Waffen nieder!
Einige Einträge in der Chronik, die thematisch auch in diese Auflistung aufgenommen werden könnten, dürft Ihr Euch selbst anschauen ;-) ...zur Chronik...

Ich habe den Kriegsdienst verweigert und keinen "Dienst an der Waffe" geleistet. Das habe ich aus der vollen Überzeugung getan, dass es keinen Krieg gäbe, wenn niemand eine Waffe nutzt. Diese Überzeugung habe ich immer noch, auch wenn es für manche seltsam klingt. Die Konsequenz aus meiner Überzeugung bedeutet jedoch nicht, dass ich die Augen vor der Realität verschliesse. Keine Ahnung, wie ich mich verhalten würde, wenn Deutschland / Bayern / Rothenburg überfallen werden würde. Deshalb habe ich auch keinen "Rat" für die regierungsverantwortlichen Personen.

Seit der "Zeitenwende"-Rede des Kanzlers am 27.02.2022 habe ich darauf gewartet, dass die angekündigten 5 Handlungsaufträge angegangen werden. Bisher finde ich es enttäuschend, wie sich Deutschland verhält und ich möchte das hier einmal niederschreiben. Niemand muss meine Gedanken teilen, niemand muss mir widersprechen oder zustimmen. Es ist KEINE Argumentation gegen den offenen Brief oder deren Unterzeichner*innen!

(Fett = Zitat aus der Zeitenwende-Rede | Kursiv = Meine Gedanken dazu
  1. Olaf Scholz: "Erstens. Wir müssen die Ukraine in dieser verzweifelten Lage unterstützen".

    Meine Gedanken dazu: Es wurden bisher Waffen geliefert, und es gab keinen "Aufschrei". Nun soll damit Schluss sein? Das verstehe ich nicht als Unterstützung. Ein Krieg wird durch Waffen begonnen, mit Waffen geführt und durch Waffen beendet. Es ist eine furchtbare "Logik", aber es ist auch Realität. Mein Standpunkt im Moment ist, dass es nicht reicht, der ukrainischen Regierung / Bevölkerung Unterstützung zuzusagen und "Nein, danke" zu sagen, wenn sie klar benennen, was sie benötigen.
  2. Olaf Scholz: "Unser zweiter Handlungsauftrag ist, Putin von seinem Kriegskurs abzubringen".

    Meine Gedanken dazu: Die aus meiner Sicht richtigen und notwendigen (Sofort)Maßnahmen werden nicht umgesetzt und es gibt keine Aufforderung (von Scholz) an die Bürger*innen und die Wirtschaft unverzüglich und spürbar fossile Energien zu sparen. Robert Habeck kommuniziert meiner Meinung nach ehrlich und ernsthaft, aber für mich wird er dabei nicht ausreichend unterstützt, im Gegenteil nehme ich wahr, dass es von Seiten der FDP sogar gezielt verhindert wird, diesen "Kurs" konsequent zu fahren. Wer ernsthaft weniger "Abhängigkeit" von fossilen Brennstoffen erreichen möchte, sollte auch sofort damit anfangen und z.B. ein Tempolimit einführen. Damit könnte ohne weiteren Aufwand Treibstoff nachhaltig eingespart werden. Die in Deutschland häufig so vorangestellte "Freiheit" sieht mir oft eher nach "Egoismus" aus :really:
  3. Olaf Scholz: "Die dritte große Herausforderung liegt darin, zu verhindern, dass Putins Krieg auf andere Länder in Europa übergreift. Das bedeutet: Ohne Wenn und Aber stehen wir zu unser Beistandspflicht in der NATO".

    Meine Gedanken dazu: Leider liegt hier meiner Meinung nach das größte Versäumnis und der größte Irrtum der "Sicherheitspolitik", wie sie durch die aktuelle und vergangene Regierung umgesetzt wurde. Olaf Scholz erzählt hier, Deutschland wolle ohne Wenn und Aber zur Beistandsverpflichtung der NATO stehen, obwohl die SPD in den vergangenen Jahrzehnten stets dafür gesorgt hat, das Deutschland eben nicht bereit war, die vertraglichen Vereinbarungen einzuhalten. Ich bin nicht der Meinung, dass es richtig ist, 2% des BIP in die Rüstung zu stecken, aber so wurde es nunmal vereinbart. Meiner Meinung nach ist es nicht OK, so zu tun, als hätte Deutschland das wirklich ersthaft vorgehabt. Jetzt auf einmal 100 Milliarden Euro für Rüstung als "Lösung" dieses Irrtums zu präsentieren ist ziemlich billig und unglaubwürdig.
  4. Olaf Scholz: "Und das ist mein viertes Anliegen, meine Damen und Herren. Wer Putins historisierende Abhandlungen liest, wer seine öffentliche Kriegserklärung an die Ukraine im Fernsehen gesehen hat oder wer wie ich kürzlich persönlich mit ihm stundenlang gesprochen hat, der kann keinen Zweifel mehr haben: Putin will ein russisches Imperium errichten. Er will die Verhältnisse in Europa nach seinen Vorstellungen grundlegend neu ordnen, und dabei schreckt er nicht zurück vor militärischer Gewalt. Das sehen wir heute in der Ukraine...Klar ist: Wir müssen deutlich mehr in die Sicherheit unseres Landes investieren, um auf diese Weise unsere Freiheit und unsere Demokratie zu schützen."

    Meine Gedanken dazu: Die Fehler der vergangenen 20 Jahre dürfen nicht weiterhin gemacht werden. Eine freie und offene Gesellschaft muss an den Menschen ausgerichtet werden und nicht an den Erfordernissen der Ökonomie. Das ist ein weites Feld und kann sicher aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet auch unterschiedlich bewertet werden (ich für meinen Teil orientiere mich an Michael Endes Roman Momo und der Metapher der Zeitdiebe...) Wladimir Putin hat die vergangenen Jahrzehnte immer recht deutlich artikuliert, welche Ziele er verfolgt und er hat auch für alle sichtbar gezeigt, welche Methoden er bereit ist zu benutzen, um diese Ziele direkt oder indirekt zu erreichen. Ich nehme Olaf Scholz ab, dass er überrascht ist über die Chuzpe von Putin, aber sich von der "Ich kann jederzeit einen Atomkrieg beginnen"-Rethorik in dieser Weise beeindrucken zu lassen, finde ich verkehrt. Ich sehe es im Moment so, dass Putin nur zu stoppen ist, indem ihm deutlich GEZEIGT wird, dass es so nicht mehr weitergeht.
  5. Olaf Scholz: "Damit bin ich beim fünften und letzten Punkt. Putins Krieg bedeutet eine Zäsur, auch für unsere Außenpolitik. So viel Diplomatie wie möglich, ohne naiv zu sein, dieser Anspruch bleibt. Nicht naiv zu sein, das bedeutet aber auch, kein Reden um des Redens willen....Für echten Dialog braucht es die Bereitschaft dazu auf beiden Seiten. Daran mangelt es aufseiten Putins ganz offensichtlich, und das nicht erst in den letzten Tagen und Wochen....Was heißt das für die Zukunft? Wir werden uns Gesprächen mit Russland nicht verweigern. Auch in dieser extremen Lage ist es die Aufgabe der Diplomatie, Gesprächskanäle offenzuhalten. Alles andere halte ich für unverantwortlich".

    Meine Gedanken dazu: Es wird viel Geduld und noch mehr konsequentes und kontinuierliches Handeln und Erklären brauchen, um diesen Auftrag wirklich zu erfüllen. Meiner Meinung nach wird beiden nicht von Olaf Scholz getan. Er müsste ständig öffentlich und bei jeder Gelegenheit Appelle an Wladimir Putin von sich geben, in denen er ihn zum Stopp des Krieges herausfordert. Heute mehr denn je ist es nötig, diplomatisch zu sein, doch im meine nicht die Diplomatie von Schröder, Merkel, Steinmeier, Maas oder Scholz, sondern eher etwas in der Art von Joschka Fischer...
P.S. Ein musikalischer Nachtrag
Niemand weiß, wie sich die Situation mit der Ukraine entwickelt und welche Auswirkungen der Krieg noch haben wird. Keiner kann sagen, was die Verantwortung, die der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky trägt, aus ihm macht, aber wir dürfen nicht vergessen, wofür dieser Mensch wahrscheinlich (auch) kämpft:
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Mai 2022 01 18:44

Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Eurydike

#3

Ich kenne diesen Brief. Und ich habe ihn bewusst nicht unterzeichnet. Dafür gibt es viele Gründe.
Der Hauptgrund ist, dass ich meine Position in dieser ganzen beschissenen Situation nicht finde.
Einerseits möchte ich diesen Brief wahnsinnig gern unterschreiben, denn eigentlich bin ich dankbar für die verhaltene Reaktion des Kanzlers. Aber gleichtzeitig weiß ich, dass diese Dankbarkeit aus purem Eigennutz resultiert. Ich habe furchtbare Angst, dass der Krieg überschwappen könnte und darüber will ich gar nicht nachdenken. BITTE NICHT! UM KEINEN PREIS!!!

Andererseits werde ich das verdammte Gefühl nicht los, dass die Ukrainer genau dafür "geopfert" werden.
Ich muss immer an 1989 und die Montagsdemos denken. Ich habe (in meiner wahrscheinlich grenzenlosen Naivität) darauf vertraut, dass die Welt nicht zusieht, nicht zusehen kann, sollten die DDR-Führung und die Russen die Revolution niederschlagen. Der Beweis dafür blieb zum Glück erspart, denn ich fürchte, die Welt hätte zugesehen.
Aber wenn damals das Unvorstellbare passiert wäre, ich (und wahrscheinlich der gesamte Rest der DDR-Bevölkerung) hätte inständig darauf gehofft, dass wir, wenn nötig mit Waffengewalt, unterstützt werden.
Und ich bin mir sicher, dass die meisten Ukrainer ebenso auf unsere Hilfe hoffen.

Von daher kann ich nur zwei Sachen mit Sicherheit sagen: Ich bin froh, dass ich keine politische Entscheidungsträgerin bin und ich hoffe mit Inbrunst auf ein schnelles Ende des Krieges.
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Skywise

#4

Eurydike - Zitat: So 1. Mai 2022, 18:44
Andererseits werde ich das verdammte Gefühl nicht los, dass die Ukrainer genau dafür "geopfert" werden.
Das wurden sie ja eigentlich schon, als mit Euromaidan und der nachfolgenden Annektion der Krim mehr oder weniger ein sichtbarer Keil in die Gesellschaft getrieben wurde. Wußte auch jeder Außenstehende, der so ein bißchen in die Richtung geschaut und Fragen gestellt hat. Die Reaktionen blieben auf internationaler Ebene allerdings größtenteils aus, wenn wir jetzt mal den einen oder anderen verbalen Zeigefinger ignorieren. Ich war nach den ersten Kriegstagen davon überzeugt, daß die Ukrainer geopfert werden sollten, aber dann kamen die auf die blöde Idee, sich ziemlich standhaft zu wehren, und plötzlich mußten die Karten neu gemischt werden, denn "Wir sind von den Ereignissen überrannt worden und es war doch noch so vieles zu erledigen, ehe wir unsere Entscheidungen fällen konnten" fiel als Ausrede für eine fehlende internationale Reaktion so unschön weg.

Was ich von dem Brief halte, weiß ich nicht. Ich weiß, daß ich auf eine Reaktion anderer Staaten gewartet habe, daß die aber - zumindest in spürbarer Form - ziemlich lange auf sich warten ließ. Und ich weiß, daß ziemlich viele Menschen aktuell ziemlich überflüssig ihr Leben lassen müssen, und daß die Geschichte wenn auch wahrscheinlich nicht vorbei, so doch zumindest unter anderen Vorzeichen abliefe, wenn man auch in Deutschland in den vergangenen Wochen andere Entscheidungen getroffen hätte. Entscheidungen, die übrigens immer noch nicht getroffen wurden, wenn ich das richtig im Blick habe. HÄTTE man, wäre der Brief höchstwahrscheinlich ohnehin obsolet gewesen.

Gruß
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Lothar Jahn

#5

Ich finde den Offenen Brief und auch den von Konstantin Wecker und Antje Vollmer schon etwa eine Woche vorher veröffentlichten Brief NICHT gut. Er weist definitiv KEINEN Ausweg aus der Situation außer dem, dass die Ukraine sich dem Aggressor vollständig unterwerfen soll, damit wir unsere Ruhe zurück bekommen, um es bösartig zuzuspitzen. In beiden Schreiben wird sogar getan, als müsste man nur ein bisschen verhandeln und alles würde gut. Aber wie soll man verhandeln, wenn Putin der Ukraine die Existenzberechtigung abspricht und, wie es in diesem schrecklichen Artikel hieß, die "Entukrainisierung der Ukraine" gefordert wird? Wo soll da ein Kompromiss liegen? Ich habe unzählige Male für den Frieden demonstriert, Antikriegslieder gesungen und meine Grundhaltung ist so, dass ich jede Gewalt für mich persönlich ablehne. Ich bin auch nach wie vor der Meinung, dass niemand zum Dienst mit der Waffe gezwungen werden darf. Andererseits lehne ich aber auch Unterdrückung und Unterwerfung ab. Und wenn ich dies für mich persönlich entscheide, darf ich jedoch nicht, diese Haltung allen anderen abverlangen, egal, was ihnen von Stärkeren angetan wird. Ich finde es geradezu arrogant, dies aus sicherem Abstand Leuten, deren Häuser zerstört werden, deren Freunde gejagt, vertrieben und ermordet werden, abzuverlangen. Das ist auch keine friedliche Haltung, sondern die indirekte Stützung eines Kriegstreibers. Bei den Ostermärschen ging das bei einigen Rednern ja so weit, dass die Nato zum eigentlichen Verursacher des Krieges gemacht wurde und behauptet wurde, Russland würde sich durch diesen Einmarsch nur verteidigen. Selbst die Massaker von Butscha wurden als Inszenierung abgetan! Wie man als "Friedensfreund" so tief sinken kann, ist mir schleierhaft.

Ich versuche zur Zeit, mit meinem Liedprojekt zur Unterstützung russischer Deserteure eine etwas andere Perspektive aufzuzeigen. Eine Lösung habe ich ja auch nicht. Diesen offenen Brief finde ich jedenfalls völlig daneben!
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#6

Mir sind heute diese Statements untergekommen, die ich gerne (mit)teilen möchte, denn beide spiegeln meine persönliche Einstellung zu diesem Thema (offener Brief / Mitunterzeichner / Pro-vs-Contra) sehr trefffend:

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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Helmut

#7

Ich bin auch hin- und hergerissen zwischen Waffenlieferung und Heraushalten. Ich möchte meine Überlegungen auf ein paar Gedankensplitter reduzieren:

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Der Klügere gibt nach, bis er der Dumme ist.

Frieden, Freiheit und Demokratie verdanken wir den Alliierten, ohne ihren Einsatz würden wir immer noch im Faschismus leben.

Wenn Putin nicht Einhalt geboten wird, wird er sich zuerst die Staaten der ehemaligen UdSSR einverleiben, dann überfällt er alle Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, auch die Ex-DDR. Und dann gibt es eine 2. Wiedervereinigung indem er die alte BRD heim ins Reich der DDR holt.

Leider glaube ich nicht an Wiedergeburt. Im anderen Fall könnte ich Putin für die Reinkarnation Hitlers halten.

Was muss geschehen, dass Kriegsverbrecher vor ein Kriegsgericht gestellt werden?
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"Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen." Richard Dawkins

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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Skywise

#8

Helmut - Zitat: Di 3. Mai 2022, 18:27
Was muss geschehen, dass Kriegsverbrecher vor ein Kriegsgericht gestellt werden?
Die Erfahrung lehrt: er muß verlieren.

Gruß
Skywise
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Barde

#9

Liebe Leute,

es gibt kaum ein anderes Thema, das mich mehr beschäftigt, als dieser unsinnige, blutige und grausame Krieg. Als er begann, dachte ich ganz fatalistisch, dass die Ukraine keinerlei Chancen hat und rechnete mit 1-2 Tagen, bis dieses Land erobert ist. Umso erstaunter war ich, wie mutig sich die Ukrainer dem Feind entgegenstellen. Ich kann viele Meinungen verstehen, die der absoluten Pazifisten und die der Menschen, die sagen, dass man dem Diktator klare Grenzen aufzeigen und die Ukraine unterstützen muss - auch mit Waffen. Keinerlei Verständnis habe ich jedoch für Putin-Versteher, die es geschafft haben, von der Impfgegnerschaft auf einen neuen Zug aufzuspringen und sich damit ein neues Thema geschaffen haben, ein Feld, in dem sie wieder mal ihr Verständnis von "Frieden und Freiheit" verteidigen.

Auch in mir herrscht Angst, dass wir Menschen uns infolge dieses Konfliktes gegenseitig atomar auslöschen werden. Doch ich befürchte, dass wir es nur herauszögern, wenn wir aus Ängstlichkeit nachgeben und uns noch eine kurze "Friedenszeit" (die aber keine wirkliche sein wird) schaffen. Putin ist verrückt geworden, mag sein, dass auch die Krankheiten, die ihm gerüchteweise nachgesagt werden, ihren Teil dazu beitragen. Er hat die Hemmungen verloren und wird nicht bei der Ukraine haltmachen. Alle angrenzenden Länder zittern vor Angst. Moldau, Polen, Finnland, die baltischen Staaten, Schweden - alle versuchen ihre Armeen zu verstärken, Bündnissen beizutreten, oder Bürgerwehren zu bilden. Ich habe eine Sendung gesehen, in denen gezeigt wird, wie junge Finnen Schießübungen veranstalten, die Polen bilden paramilitärische Verbände, Finnland und Schweden werden jetzt der Nato beitreten (das war früher undenkbar) und, und, und ...

Sollen wir der Ukraine das Recht auf Selbstverteidigung absprechen, sollen wir moralische Vorwürfe machen, weil die ukrainische Regierung nicht kapituliert? Die Zivilbevölkerung leidet unsäglich, aber der folgende Satz aus dem offenen Brief ist mir negativ aufgefallen:

"Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis."


Ich habe bisher noch keine einzige Stellungsnahme von ukrainischen Zivilisten gelesen, gesehen oder gehört, die ihrer Regierung vorwirft, dass weitergekämpft wird. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Menschen dort rücken zusammen und selbst viele russischsprachige Ukrainer wenden sich von Russland ab. Die Freiheit scheint für viele ein Gut zu sein, das noch wichtiger als die Gefahr ist, im Kampf für diesselbe evtl. leiden oder sogar sterben zu müssen. Und es sind nicht nur ukrainische Politiker, die Waffen von uns fordern. In Interviews und Stellungsnahmen kommen immer wieder Zivilisten zu Wort, die gleichfalls schwere Waffen von uns haben wollen.

Was wäre die Alternative gewesen? Deutschland hat sich zu Beginn der Krise lächerlich gemacht, als man 5000 Stahlhelme in die Ukraine liefern wollte und sonst nichts. Hätten wir diese Linie konsequent durchgezogen, wären wir für immer ein Paria in der Gemeinschaft der demokratischen Staaten geworden. Und jetzt liefern wir Waffen, die töten. Ja, junge russische Menschen werden von ukrainischen Soldaten mit unserer Hilfe zerfetzt, verbrannt, verstümmelt, weil wir Technik liefern, die nur dazu geschaffen worden ist, andere Menschen zu vernichten. Das ist die furchtbare Logik des Krieges. Der Soldat handelt unmoralisch, in dem er das Schlimmste tut, was man überhaupt tun kann: Er tötet andere Menschen. Andererseits macht er das, weil er weiß, dass seine Mitmenschen sonst in Gefahr sind, von den Aggressoren getötet zu werden. Seit Buschta wissen wir auch, dass die russische Armee, gezielte Hinrichtungen von Zivilisten verübt. Ukrainische Frauen werden absichtlich vergewaltigt, um Psychoterror zu verbreiten.

Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, eine Meinung zu vertreten, dass man eben dieses Land opfern sollte, damit dieses Leid aufhört oder/und wir selber nicht gefährdet sind. Die Geschichte lehrt uns, dass die Beschwichtigungspolitik bei Diktatoren nur dazu führt, dass noch mehr Leid entsteht, weil man den konsequenten Widerstand nicht gewagt hat. Chamberlain wurde nach dem Müncher Abkommen dafür gefeiert, den Frieden gerettet zu haben, in dem man die Tschechoslowakei Hitler überlassen hat. Hitler hat sich die Hände gerieben und sich bestätigt gefühlt, dass er sich alles erlauben kann.

Es gibt momentan kein anderes Mittel, als die Waffen sprechen zu lassen, um den Diktator aufzuhalten.

Was bleibt mir persönlich übrig? Manchmal sitze ich am PC, lese die Nachrichten und plötzlich fange ich an zu weinen.

Mit traurigen Grüßen

Barde
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Gendern gegen Diskriminierung ist so sinnvoll, wie die Verwendung des Wortes "Peace" an jedem Satzende, um Kriege zu beenden.

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Skywise
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Skywise

#10

Barde - Zitat: Do 5. Mai 2022, 12:39
Keinerlei Verständnis habe ich jedoch für Putin-Versteher, die es geschafft haben, von der Impfgegnerschaft auf einen neuen Zug aufzuspringen und sich damit ein neues Thema geschaffen haben, ein Feld, in dem sie wieder mal ihr Verständnis von "Frieden und Freiheit" verteidigen.
Hey, wer gegen Merkeldiktatur, Klimadiktatur, Meinungsdiktatur und Coronadiktatur auf die Straße geht, muß deshalb noch lange nichts gegen Putindiktatur haben.
Auch in mir herrscht Angst, dass wir Menschen uns infolge dieses Konfliktes gegenseitig atomar auslöschen werden. Doch ich befürchte, dass wir es nur herauszögern, wenn wir aus Ängstlichkeit nachgeben und uns noch eine kurze "Friedenszeit" (die aber keine wirkliche sein wird) schaffen.
Jo, das Hinauszögern ist aber auch keine echte Alternative. Letzten Endes ist im Augenblick wahrscheinlich eher die Frage, wann und in welchem Land die nächste Eskalationsstufe stattfindet, und nicht ob überhaupt.
Putin ist verrückt geworden, mag sein, dass auch die Krankheiten, die ihm gerüchteweise nachgesagt werden, ihren Teil dazu beitragen.
Verrückt - weiß ich nicht. "Weiß ich nicht" mit der Tendenz "höchstwahrscheinlich nicht".
Ist Jahre her, da hatte ich mal ein Buch in der Hand, das so interessant war, daß mir weder Name noch Autor mehr einfallen, das sich mit der Watergate-Affäre beschäftigt hat, genauer: mit dem Weg zur Watergate-Affäre. Darin wurde Nixons Regierungsstil recht intensiv beschrieben, der sich auf einige wenige Vertraute stützte. Während Nixon allerdings im Laufe der Zeit von seinen Vertrauten mehr oder weniger "abgeschirmt" wurde, dürfte Putin selbst dafür verantwortlich sein, wobei Kollege Covid vermutlich als Brandbeschleuniger diente. Das Resultat ist im Grunde genommen aber dasselbe: wir haben einen Staatschef, der im Grunde genommen weite Teile der Realität nicht mehr wahrnimmt, sondern nur noch die Darstellungen seiner Vertrauten. Und wenn die sich nicht trauen, ihren Chef zu enttäuschen ... Ich war die letzten Wochen immer wieder mal in einigen Flüchtlingsunterkünften; eine langjährig in Deutschland ansässige Halb-Russin/-Ukrainerin ist in einer Unterkunft als helfende Hand und Dolmetscherin aktiv. Als sie mal zum Rauchen vor der Tür stand (und ich zum Nichtrauchen), hat sie mich zum Nachdenken gebracht mit dem Halbsatz "und was, wenn Putin gerade der Ansicht ist, in der Ukraine zu gewinnen?".
Er hat die Hemmungen verloren und wird nicht bei der Ukraine haltmachen. Alle angrenzenden Länder zittern vor Angst. Moldau, Polen, Finnland, die baltischen Staaten, Schweden - alle versuchen ihre Armeen zu verstärken, Bündnissen beizutreten, oder Bürgerwehren zu bilden.
Georgien halte ich für einen interessanten Fall. Nicht nur, weil dort aktuell in Ermangelung einer Visa-Auflage für russische Büger eine ganze Schar von Russen Unterschlupf sucht, die gerne im Zusammenhang mit der Ukraine öffentlich von "Krieg" sprechen möchten, aber verständlicherweise keinen Bock haben auf die bis zu 15 Jahre Knast danach. Georgien bemüht sich seit Jahr und Tag um eine EU-Mitgliedschaft, hat aber unter anderem das Problem, daß 2004 zwei Regionen de facto an die russische Mutterbrust zwangsangekuschelt wurden (Stichwort "Südossetien-Konflikt", ab 2008 Georgien-Krieg). Auch wenn die aktuelle georgische Regierung an sich nicht unbedingt offen negativ zu Putin eingestellt war, kann ich mir doch ziemlich gut vorstellen, daß sie seit einigen Wochen etwas schlechter schläft, denn wenn man aus Langeweile russische Truppen besichtigen möchte, kann man das auch im eigenen Land, keine Stunde Autofahrt von der Hauptstadt entfernt.
Ich habe bisher noch keine einzige Stellungsnahme von ukrainischen Zivilisten gelesen, gesehen oder gehört, die ihrer Regierung vorwirft, dass weitergekämpft wird. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Menschen dort rücken zusammen und selbst viele russischsprachige Ukrainer wenden sich von Russland ab. Die Freiheit scheint für viele ein Gut zu sein, das noch wichtiger als die Gefahr ist, im Kampf für diesselbe evtl. leiden oder sogar sterben zu müssen.
Die ukrainische Fahne wird von den Ukrainern ziemlich hoch gehalten, weil Rußland in den vergangenen Jahrhunderten nicht immer unbedingt freundlich mit Angehörigen des Brudervolks umgegangen ist. Und na ja, in den letzten Jahren hat der Nationalismus dort auch ordentlich zugelegt. Irgendwie paßt es ja ins Gesamtbild, daß ausgerechnet Putin mit der Annexion der Krim genau den Nationalismus direkt und indirekt befeuert hat, den er aktuell seinem Nachbarn vorwirft.
Was wäre die Alternative gewesen? Deutschland hat sich zu Beginn der Krise lächerlich gemacht, als man 5000 Stahlhelme in die Ukraine liefern wollte und sonst nichts.
Nun - gar nichts in die Ukraine liefern wäre eine gangbare Variante gewesen. Aber dann bitteschön auch nichts mehr von Rußland liefern *lassen*. Der Umstand, daß Deutschland Schutzhelme in ein Land liefert, damit die Leuts dort vor den Patronen geschützt sind, die wir der anderen Seite mitfinanzieren, ist an Galligkeit schwer zu überbieten.
Ukrainische Frauen werden absichtlich vergewaltigt, um Psychoterror zu verbreiten.
So funktioniert Krieg nun mal ... Daß man nicht immer auf den kämpfenden Teil der Bevökerung zielt, ist klar, weil - der wehrt sich und der rechnet mit so was. Also dritscht man auf die Zivilbevölerung ein, erstens um die Moral zu untergraben, zweitens weil man es kann, drittens haben vielleicht dann die eigenen Jungs noch ein bißchen Spaß am Arbeitsleben. Böse, aber hat auf deutschem Staatsgebiet auch schon mal wunderbar funktioniert.
Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, eine Meinung zu vertreten, dass man eben dieses Land opfern sollte, damit dieses Leid aufhört oder/und wir selber nicht gefährdet sind. Die Geschichte lehrt uns, dass die Beschwichtigungspolitik bei Diktatoren nur dazu führt, dass noch mehr Leid entsteht, weil man den konsequenten Widerstand nicht gewagt hat.
Nun ja, die Geschichte sollte uns zumindest lehren, daß wir überhaupt etwas aus ihr lernen sollten. Der zweite Tschetschenien-Krieg dürfte mehr oder weniger die Blaupause für Putins Angriff auf die Ukraine geliefert haben. Allerdings könnte es in der Ukraine etwas anders laufen, weil die Voraussetzungen nicht völlig, sondern eher dezent anders sind. Ich schätze, wir haben in Tschetschenien mehr oder weniger bereits gesehen, was mit der Ukraine im Falle einer Kapitulation oder einer Niederlage passieren würde. Und was mit Putin. Und weil mir dieser Gedankengang nicht gefällt, bin ich zumindest dafür, die dezenten Unterschiede möglichst zu betonen und auszunutzen, damit dieser Fall nicht noch einmal eintritt.
Es gibt momentan kein anderes Mittel, als die Waffen sprechen zu lassen, um den Diktator aufzuhalten.
Och, doch, denke schon. Aber diese Schritte traut man sich halt in verschiedenen Regierungen nicht zu gehen, weil man dem eigenen Volk schlecht vermitteln kann, daß in näherer Zukunft A, B und C nicht mehr so funktionieren werden wie gewohnt, weil man die Ukraine indirekt unterstützen möchte, indem man Kriegstreibern den Geldhahn zudreht und logischerweise Konsequenzen tragen muß.
"Hey, weil wir in Deutschland wegen dieses Scheiß-Ukrainekriegs keinen Zellstoff bekommen, ist das Toilettenpapier schon wieder aufgeschlagen!" - ich bin sicher, die Leute, die in jüngerer Zeit in ein Massengrab geschossen wurden, haben vor ihrem Exitus diese Entwicklung in Deutschland sehr, sehr stark bedauert.

Gruß
Skywise
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Lilienthal
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Lilienthal

#11

Mir geht es leider auch so, das ich diesen Brief nicht unterzeichnen werde.
Und das bringt mich offengesagt in eine Zwickmühle, da ich auch aus Überzeugung den Kriegsdienst verweigert habe.
Putin hat halt in den letzten Jahren zu viel Erfolg mit seinen reichlich vorhandenen Kriegszügen gehabt, das 90% der Ukainer vor Jahren für die Unabhänigkeit gestimmt haben scheint ihn nicht zu jucken, aber daran beißt er sich jetzt hoffentlich seine Zähne aus, denn ich glaube auch, er hört erst auf, wenn er vor die Wand fährt. Leider sterben wie immer die Menschen die diese Entscheidung nicht getroffen haben, auf beiden Seiten.

Zu userer Abhänigkeit von russischen Öl und Gaslieferungen, kann ich nur sagen: doppelt schade, das in den vergangenen Jahren in Deutschland und Europa zu wenig in die Energiewende investiert wurde, wir könnten unabhängig sein. Wären wir das, hätte Scholz vor dem Beginn des Krieges zu Putin sagen können...wenn nur ein russischer Soldat die Ukraine betritt dann ist Schluss mit Handel welcher Art auch immer.

Aber sicher bin ich mir auch nicht, ob es der Ukraine geholfen hätte, denn Russland ist was das Kriegsmaterial angeht absoluter Selbstversorger und Putin dachte wohl wirklich das wird ein einfacher Einmarsch in die Ukraine.

Liebe Grüße Sven
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#12

Nun ist eine Zeit der Diskussion und Auseinandersetzung in den sozialen Medien vergangen und die Gesellschaft findet Gründe, sich für oder gegen Waffenlieferungen zu positionieren.

Es ist nicht so leicht, sich FÜR Waffenlieferungen an die Ukraine auszusprechen und sich dennoch mit "gutem Gewissen" als Pazifist zu bezeichnen. Das erkenne ich an. Für mich ist das trotzdem keine überzeugende Begründung, sich dagegen auszusprechen, dem überfallenen und um Hilfe rufenden Staat Ukraine NICHT zu helfen. Welche Hilfe die Ukraine benötigt, wissen die rechtmäßig demokratisch gewählten Verantwortlichen Politiker dort selbst am Besten.

Ich finde es konsequent, dass diejenigen, die bereits seit Jahren das Narrativ der "Staatsmedien" und der "Mainstreampresse" bedienen, sich im Jahr 2022 weiterhin dazu bekennen, lieber der Propaganda und den Lügen von RussiaToday und followerstarken Meinungsmachern wie Schiffmann, Hildmann, Reitschuster usw. zu folgen, als den Informationen aus den etablierten Medienhäusern (ZEIT, SPIEGEL, WELT, BILD...) und den öffentlich rechtlichen Medien. Ich persönlich sehe hier einen "gut funktionierenden" Zusammenhang.

Nun habe ich mich in den vergangenen Tagen mit den Argumenten des offenen Briefs an Olaf Scholz, der aus der Initiative der EMMA hervorging, detailliert auseinandergesetzt und komme zum gleichen Ergebnis, wie vor einer Woche, als ich nur "intuitiv" für mich entschieden hatte, diese Art von Aufruf nicht zu teilen. Soweit nichts Neues von mir.

Heute habe ich mich entschlossen, die Petition bei change.org mit dem Titel: Die Sache der Ukraine ist auch unsere Sache! zu unterzeichnen, die am 04.05.22 in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT veröffentlicht wurde. Im Rahmen dieser Petition wurde ebenfalls wieder die Form eines offenen Briefs an den Bundeskanzler gewählt (ist wohl aktuell so :grübel: )...
Offener Brief an Olaf Scholz - Waffenlieferungen an die Ukraine - DIE ZEIT/change.org
Waffenlieferung an die Ukraine_ Offener Brief _ ZEIT ONLINE.pdf
Meine Gründe, weshalb ich gerade diese Petition unterzeichnet habe...
Dies sind die aus meiner Sicht wichtigsten Aussagen und Ziele, die ich ebenfalls so formuliert hätte:

↓ Es gibt einen Unterschied zwischen Angriff und Verteidigung
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Es bedarf keiner besonderen Militärexpertise, um zu erkennen, dass der Unterschied zwischen "defensiven" und "offensiven" Rüstungsgütern keine Frage des Materials ist: In den Händen der Angegriffenen sind auch Panzer und Haubitzen Defensivwaffen, weil sie der Selbstverteidigung dienen.
↓ Waffen alleine werden Putin nicht stoppen!
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Wer einen Verhandlungsfrieden will, der nicht auf die Unterwerfung der Ukraine unter die russischen Forderungen hinausläuft, muss ihre Verteidigungsfähigkeit stärken und die Kriegsfähigkeit Russlands maximal schwächen. Das erfordert die kontinuierliche Lieferung von Waffen und Munition, um die militärischen Kräfteverhältnisse zugunsten der Ukraine zu wenden. Und es erfordert die Ausweitung ökonomischer Sanktionen auf den russischen Energiesektor als finanzielle Lebensader des Putin-Regimes.
↓ Putin ist NICHT unberechenbar, wir müssen ihn beim Wort nehmen
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Es liegt im Interesse Deutschlands, einen Erfolg des russischen Angriffskriegs zu verhindern. Wer die europäische Friedensordnung angreift, das Völkerrecht mit Füßen tritt und massive Kriegsverbrechen begeht, darf nicht als Sieger vom Feld gehen. Putins erklärtes Ziel war und ist die Vernichtung der nationalen Eigenständigkeit der Ukraine. Im ersten Anlauf ist dieser Versuch aufgrund des entschlossenen Widerstands und der Opferbereitschaft der ukrainischen Gesellschaft gescheitert. Auch das jetzt ausgerufene Ziel eines erweiterten russischen Machtbereichs von Charkiw bis Odessa kann nicht hingenommen werden.
↓ Das "Recht des Stärkeren" darf sich nicht durchsetzen
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Die gewaltsame Verschiebung von Grenzen legt die Axt an die europäische Friedensordnung, an deren Grundlegung Ihre Partei großen Anteil hatte. Sie beruht auf Gewaltverzicht, der gleichen Souveränität aller Staaten und der Anerkennung der Menschenrechte als Grundlage für friedliche Koexistenz und Zusammenarbeit in Europa.
↓ Kommt Putin damit durch, ist die EU am Ende
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Die Forderungen des Kremls für eine Neuordnung Europas, die im Vorfeld der Invasion formuliert wurden, sprechen eine klare Sprache. Wenn Putins bewaffneter Revisionismus in der Ukraine Erfolg hat, wächst die Gefahr, dass der nächste Krieg auf dem Territorium der Nato stattfindet. Und wenn eine Atommacht damit durchkommt, ein Land anzugreifen, das seine Atomwaffen gegen internationale Sicherheitsgarantien abgegeben hat, ist das ein schwerer Schlag gegen die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.
↓ Atomwaffen sind zur Abschreckung da und sollen den "Gegner" vor Angst lähmen
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Die Drohung mit dem Atomkrieg ist Teil der psychologischen Kriegführung Russlands. Dennoch nehmen wir sie nicht auf die leichte Schulter. Jeder Krieg birgt das Risiko einer Eskalation zum Äußersten. Die Gefahr eines Nuklearkrieges ist aber nicht durch Konzessionen an den Kreml zu bannen, die ihn zu weiteren militärischen Abenteuern ermutigen. Würde der Westen von der Lieferung konventioneller Waffen an die Ukraine zurückscheuen und sich damit den russischen Drohungen beugen, würde das den Kreml zu weiteren Aggressionen ermutigen. Der Gefahr einer atomaren Eskalation muss durch glaubwürdige Abschreckung begegnet werden.
↓ "Nie wieder Krieg" darf keine Parole sein, auch für den Frieden lohnt es sich zu kämpfen
Olaf Scholz am 27.02.22 im Bundestag - Zitat:
Es gibt gute Gründe, eine direkte militärische Konfrontation mit Russland zu vermeiden. Das kann und darf aber nicht bedeuten, dass die Verteidigung der Unabhängigkeit und Freiheit der Ukraine nicht unsere Sache sei. Sie ist auch ein Prüfstein, wie ernst es uns mit dem deutschen "Nie wieder" ist. Die deutsche Geschichte gebietet alle Anstrengungen, erneute Vertreibungs- und Vernichtungskriege zu verhindern.
Ui, das hat mich jetzt ganz schön fertig gemacht...eine Position zu beziehen und dazu zu stehen ist nicht immer einfach und auch wenn ich z.B. die Argumentation von Alice Schwarzer nicht nachvollziehen kann und sie teilweise sogar furchtbar finde, habe ich doch Respekt davor, dass Sie zu dieser Meinung steht.

Noch viel wichtiger aber:
Dass ich in einem Land leben darf, in dem ich mir eine eigene Meinung "leisten" kann und höchstens mit verbalem Gegenwind rechnen muss, dafür lohnt es sich auf jeden Fall zu "kämpfen" und dran zu bleiben! Genau das ist der entscheidende Punkt und davor haben Despoten wie Putin Angst. Diese Freiheit muss verteidigt werden (und nicht die Freiheit, auf der Autobahn so schnell wie geht fahren zu können...anderes Thema...)
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#13

Am 08.Mai hat Reinhard Mey sich zum Thema "Krieg" auf seiner Webseite noch einmal zu Wort gemeldet und erinnert in seiner Chronik an das Lied Le désserteur (sehr gute deutsche Übersetzung des französischen Musikers Boris Vian, der 2020 seinen 100.Geburtstag gefeiert hätte, aus diesem Anlass erinnerte unter anderem der Sender Radio BR Klassik damals ebenfalls an ihn und sein bekanntestes Lied war natürlich auch Thema des Beitrags.
Screenshot-reinhard-mey-08.05.22-le-desserteur.jpg

Ich habe mich persönlich niemals als Pazifist bezeichnet, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich diese Grundhaltung "nicht töten" auch dann behalten würde, wenn ich jemals in eine vergleichbare Lage wie die Menschen z.B. in Ukraine oder Syrien kommen würde. Die Haltung finde ich nachvollziehbar und unterstützenswert, jedoch geht aus meiner Sicht der Appell an den falschen Adressaten, denn es ist nicht Deutschland, das die Ukraine angreift, sondern Russland.

Das Lied "Le Désserteur" passt insofern sehr gut zur aktuellen Situation, denn dieses Lied spricht ja die Gedanken und Gefühle eines Menschen aus, der von seinem Land dazu aufgefordert wird, an einem Angriffskrieg teilzunehmen, um ein anderes Land, das für seine Unabhängigkeit kämpft, weiterhin zu kontrollieren und somit zu unterjochen. Ich würde mir aber wünschen, dass deutlicher darauf hingewiesen wird, dass es nicht reicht, ganz allgemein "Nie wieder Krieg!" zu fordern, ohne gleichzeitig auch den wahren Empfänger dieser Botschaft zu benennen. In diesem Fall ist der Empfänger ganz klar: der Präsident Russlands und alle russischen Soldaten!
Le Desserteur - Video bei YouTube
Ich persönlich kann mich mit diesem Lied eher "identifizieren"
Leonard Cohen "The Partisan"
Das Lied "The Partisan" hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich und Leonard Cohen ist auch nicht der Autor des Songs, obwohl das viele glauben. Die Webseite Wikibrief.org nimmt sich in einem ausführlichen Artikel dem Song an.
Wikibrief - Zitat:
Ein Partisan erinnert sich in der ersten Person an Episoden seines Lebens... Jeder Vers erzählt eine andere Situation: das Leben auf der Flucht, der Verlust der Familie, der von Kameraden, die Ermordung eines alten Mannes, der Partisanen versteckte, bis zu das Ende.

Die ersten fünf Verse (Vierzeiler) zeigen Szenen des von den Nazis besetzten Frankreichs, die Erwartung der Franzosen, die Besetzung ihres Landes zu akzeptieren, und die außergewöhnliche Reaktion des Widerstands. Die erste Zeile des Liedes, „ L'ennemi était chez moi “ (dt.: „Der Feind war bei meinem Haus“), wo „mein Haus“ als Hinweis auf Frankreich verstanden werden kann, setzt die Szene. Die zweite Zeile, " On m'a dit 'Résigne-toi' " (englisch: "Mir wurde gesagt, 'Resign yourself ' "), bezieht sich auf den gemeinsamen Rücktritt des französischen Volkes als Reaktion auf die Radioansprache von Philippe Pétain, nach der Untergang Frankreichs und kündigt seine Absicht an, einen Waffenstillstand mit Deutschland zu beantragen.

In der dritten und vierten Zeile " Mais je n'ai pas pu / Et j'ai repris mon arme " (deutsch: "Aber ich konnte nicht / Und ich nahm meine Waffe") führt d'Astier den Begriff des Widerstands ein. mit dem Risiko des Todes, des Verlustes von Familie, Freunden und Identität und einem geheimnisvollen und gefährlichen Leben auf der Flucht, hervorgerufen durch die Zeilen " J'ai changé cent fois de nom / J'ai perdu femme et enfants... Hier encore, nous étions trois / Il ne reste plus que moi / Et je tourne en rond / Dans la Gefängnis des frontières " (Deutsch: "Ich habe den Namen hundertmal geändert / ich habe Frau und Kinder verloren... Gestern waren wir wieder zu dritt / Es bleibt nur ich / Und ich drehe mich im Kreis / Im Grenzgefängnis").

Den Gefahren, die d’Astier beschreibt, begegnen die Ausdrücke „ Mais j’ai tant d’amis / Et j’ai la France entière “ (dt.: „Aber ich habe so viele Freunde / Und ich habe ganz Frankreich“), Beschreibung der Unterstützung des Widerstands durch das französische Volk. In der letzten Strophe drückt d'Astier seine Hoffnung und Zuversicht aus, dass der Widerstand nicht vergeblich sein wird; „ Le vent souffle sur les tombes “ (dt.: „Der Wind weht auf die Gräber“), das einen reinigenden Wind heraufbeschwört und „ La liberté reviendra / On nous oubliera / Nous rentrerons dans l'ombre “ (englisch: „Freedom will return / We wird vergessen / Wir gehen in den Schatten") und drückt die Zuversicht aus, dass die Aktionen des meist anonymen Widerstands ihre gewünschte Wirkung haben werden.
Die Besatzung muss enden, dann müssen die Waffen schweigen!
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#14

Nun sind schon wieder fast 2 Wochen ins Land gezogen und die Situation in Ukraine hat sich nicht (zum Guten) geändert. Die Diskussion in Deutschland läuft noch, und nun habe ich gesehen, dass sich der sehr geschätzte Liedermacher Gerhard Schöne auf seine Art äußert. Er singt in seinem Lied "Fridas Brief an Putin" von einem Brief, welches ein junges Mädchen an den Diktator schreibt und spricht damit eben jenen Menschen an, der es in der Hand hat, das Leid und Elend der Menschen in der Ukraine UND in Russland sofort zu lindern und ihr Leben zu retten.
Unter dem Video schreibt er dazu:
Gerhard Schöne auf YouTube - Zitat:
Auf die Idee zu diesem Lied brachte mich eine Ärztin aus Marburg, die im Gespräch meinte: "Vielleicht sollte ein Kind an Putin schreiben und an sein Gewissen appellieren..." Oft gelingt es ja Kindern das Herz eines Erwachsenen zu erreichen und zu erweichen.
Somit ist klar, dass es sich hier um einen fiktiven Brief handelt, aber die Botschaft hat es in sich.

Google Translator übersetzt die russischen Passagen "Пусть всегда будет солнце!" mit "Möge es immer Sonnenschein geben!" und Gerhard Schöne beruft sich damit wohl auf ein Lied, welches in der DDR jedes Kind im Kindergarten/Schule gelernt hat und das den Titel Immer lebe die Sonne trägt.

Text von "Fridas Brief an Putin"

Herr Putin, meine Lehrerin
sagt: "Kind, bist du naiv,
wenn du an diesen Putin schreibst!"
Und doch, schreib ich den Brief!
Ich seh den Krieg, ich seh das Leid
und träume nachts so schlecht.
Sie fühlten sich bedroht, ich weiß,
und glaubten sich im Recht.

„Meinst du, die Russen wollen Krieg?“,
sang früher mein Papa.
„Пусть всегда будет солнце“ war
das Lieblingslied von Ma.
Sie selber sangen das vielleicht
und wünschten, so wie ich,
dem Frieden eine echte Chance,
stimmt's, oder täusch ich mich?

Wenn Sie jetzt all die Trümmer sehn,
dann denken Sie vielleicht:
'Mensch, Wladimir, was tu ich da?
Ich hör jetzt auf, es reicht!
Ich hol jetzt meine Jungs zurück,
weil die nicht sterben solln.
Setz mich an den Verhandlungstisch
mit denen, die Frieden wolln.'

Herr Putin, Sie sind im Moment
der meistgehasste Mann,
drum hörn Sie sich den Geistesblitz
von meiner Mama an:
Sie ziehen die Soldaten ab
und bilden die zuhaus
zu Friedensaktivisten und
zu Notfallrettern aus.

Mama schlägt vor, der Friedenstrupp
der bittet um Vertraun,
der bittet um Vergebung,
der wird neue Häuser baun,
der bietet sein Knowhow in
Nord- und Südkorea an
und fördert Frieden zwischen
Indien und Pakistan.

Und Papa meint, im Jemen nimmt
der Schrecken seinen Lauf.
Dort zeigen Ihre Leute
bald schon Lösungswege auf.
Die kämpfen gegen Dürre
und bepflanzen Feld um Feld.
Und Sie, Herr Putin gelten dann
als echter Friedensheld.

Dem Beispiel folgen andere,
die Amis ziehen nach,
mit Friedensheldentaten,
ha, das Millitär wird schwach.
Das gibt ein Wettabrüsten!
(Ist doch schlau und nicht naiv.)
Пусть всегда будет солнце!
Ciao! Ich schließe meinen Brief.


Ich meine, wenn Herr Putin über seinen Schatten springt und sich zu Herzen nimmt, was dieses kleine Mädchen von ihm wünscht und er sich einen Ruck gibt und den "Friedensheld" gibt, dann können auch alle Menschen wieder auf die Straße gehen und "Nie wieder Krieg!" fordern und die Abrüstung der Nato und aller Rüstungsnationen fordern, denn dann schweigen die Waffen und einer von denen, der sie genutzt hat, um seine Vorstellung von Gesellschaft mit Gewalt durchzusetzen, hat eingesehen, dass Frieden nur dann möglich ist, wenn alle Seiten keinen Krieg wollen und die Wünsche der Nachbarn auf Ruhe und Eigenständigkeit achten und respektieren. Das wär' doch was!?!
Zuletzt geändert von migoe am Do 26. Mai 2022, 12:26, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 622 Wörter
Grund: Habe die Behauptung, Gerhard Schöne sei Pfarrer entfernt, das war ein Fehler. Sorry für die Verwirrung!


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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von fille

#15

Ja ganz richtig! Aber wo bleibt "Fridas Brief an Zelensky" ? Der will auch nicht verhandeln. Sondern gewinnen!

Es haben sich jetzt wirklich viele darum bemüht, dass es zu einer Einigung kommt. Zuletzt hat Italien einen Vorschlag
erarbeitet. Aber wenn die beiden Parteien nicht verhandeln wollen, geht das alles ins Leere.

Es ist nicht so, dass alle Ukrainer kämpfen wollen (bis zuletzt). Sonst wären ja keine Männer im
wehrpflichtigen Alter unter den Flüchtlingen.

Liebe Grüße, Marianne
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von migoe

#16

Liebe Marianne,
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 09:49
Es ist nicht so, dass alle Ukrainer kämpfen wollen (bis zuletzt).
Vielleicht will ja KEIN Ukrainer kämpfen. Vielleicht träumen ALLE in der Ukraine von Frieden? Ich kann mir sogar vorstellen, dass es den meisten Menschen in der Ukraine lieber wäre, sie hätten unsere "deutschen Probleme" - haben sie aber nicht!

Jedoch: sollte das gleichzeitig bedeuten, zu akzeptieren, überfallen zu werden, die eigene Frau/Tochter vergewaltigen zu lassen, die eigene Wohnung zerbomben zu lassen, Angst und Schrecken im eigenen Land hinzunehmen, sich dem Willen einer fremden Macht zu unterwerfen...?

Es ist schwierig, zu durchschauen, welche Motive die Ukrainer "antreiben". Noch schwieriger ist es aber für mich, zu durchschauen, welche "Motive" diejenigen Menschen in Deutschland haben, die voller Überzeugung von diesen Ukrainern fordern, jetzt endlich mal an den Verhandlungstisch zu kommen und sich gefälligst mal auf einen "Kompromiss" einzulassen.
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 09:49
Sonst wären ja keine Männer im wehrpflichtigen Alter unter den Flüchtlingen.
Dieser Satz lässt mich ratlos zurück. Begründet dieses menschlich nachvollziehbare Verhalten die Überlassung eines ganzen Landes unter die Herrschaft eines Despoten? Warum sollte jemand, der in Freiheit leben möchte, sich auf einen "Kompromiss" einlassen, der in Wahrheit als "bedingungslose Unterwerfung" angesehen wird. Natürlich gibt es Menschen, die vor Krieg flüchten, sei es, weil sie sich selbst nicht schuldig machen möchten, um sich selbst zu retten oder um die eigene Familie vor Not und Elend zu bewahren. Das bedeutet aber nicht, dass diese Menschen bereit sind, sich damit zu arrangieren, überfallen, vergewaltigt und vertrieben worden zu sein.

Liebe Marianne, ich möchte Dir (und auch anderen!) nicht unterstellen, dass Du es so meinst, wie ich das hier schreibe. Ich kann den Gedanken "Dieser Krieg kann nur am Verhandlungstisch beendet werden" (den ich Dir hiermit unterstelle) durchaus nachvollziehen. Allerdings ziehe ich daraus nicht den Schluss, dass es vor allem am Opfer läge, jetzt endlich mal Verhandlungsbereitschaft zu zeigen. Nach meiner Überzeugung ist es nötig, an Russland ein "Exempel" der absoluten und brachialen Isolation und wirtschaftlichen Schwächung zu statuieren, um das Land zurück in die Realität und damit an den Verhandlungstisch zu zwingen. Wenn das nämlich nicht gelingt, ist das Beispiel Ukraine ein weiterer Beleg dafür, dass sich militärische Stärke und der Wille, absolute Macht gnadenlos und hemmungslos durchzusetzen, sich letztlich lohnt. Menschen vom Schlage eines Wladimir Putin müssen gestoppt werden.
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 09:49
Aber wo bleibt "Fridas Brief an Zelensky" ?
Das ist doch tatsächlich eine spannende Frage! Wie würdest Du diesen Brief formulieren? Was wären die Forderungen an Zelensky, die ein Kind ausdrücken würde. Welche "Utopie" würde ein Kind im Alter von Frida beschreiben im Hinblick auf die Situation in der Ukraine seit dem 24.02.22?
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Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von fille

#17

Hallo Migoe
Setz mich an den Verhandlungstisch
mit denen, die Frieden wolln.'
Ja, aber wer ist das? Wahrscheinlich andere Staaten, wie z. B. Italien, die
ja einen Vorschlag gemacht haben.
Es ist schwierig, zu durchschauen, welche Motive die Ukrainer "antreiben". Noch schwieriger ist es aber für mich, zu durchschauen, welche "Motive" diejenigen Menschen in Deutschland haben, die voller Überzeugung von diesen Ukrainern fordern, jetzt endlich mal an den Verhandlungstisch zu kommen und sich gefälligst mal auf einen "Kompromiss" einzulassen.
Motive? Welche andere kann es geben, als Frieden? Und dass das Morden aufhört. Was meinst du damit? Könnte man nicht auch sagen:
"Welche Motive haben die, die wollen, dass die Ukraine nicht verhandelt, sondern das Morden und Vergewaltigen weitergeht?"
Aber wir können uns diese Diskussion eigentlich sparen. Es wird nicht verhandelt werden und es geht weiter. Ob es einen Sieger gibt, ist
nicht sicher. Denn ein vermeintlicher Verlierer leckt vielleicht seine Wunden und schlägt wieder zu.

Damit klinke ich mich jetzt wieder aus dieser Diskussion aus. Ich mag nicht gerne in Schubladen gesteckt werden. Ich sehe die Sache etwas differenzierter und habe keine Lust, mich dafür zu rechtfertigen. Tut mir schon leid, dass ich den Thread wieder nach oben geholt habe. Aber was willst du? Wir sind doch alle für Demokratie und da gehört Meinungsäußerung dazu.

Nur noch eins:
fille hat geschrieben: ↑04.06.2022, 09:49
Aber wo bleibt "Fridas Brief an Zelensky" ?
Das ist doch tatsächlich eine spannende Frage! Wie würdest Du diesen Brief formulieren?
Lieber nicht. Das überlasse ich den Liedermachern. Aber vielleicht könnte man den Brief so nennen:

"Fridas Brief an Putin und Zelensky"

Und wenigstens eine Strophe an Zelensky richten, dass er verhandeln soll. Ich habe nicht gesagt - kapitulieren. Und schon
gar nicht bedingungslos. Der sollte auch bedenken, dass das Morden weiter geht, wenn nicht verhandelt wird.

ich wünsche euch allen schöne Pfingsten!
(Ich bin nicht sehr religiös, aber wäre es nicht toll , wenn der Heilige Geist über diese Herren komme würde?)

Liebe Grüße, Marianne
:engel:
PS: Warum haben wir eigentlich keine Friedenstaube unter den Smileysß
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Beitrag von fille

#18

Danke Migoe :-)

: Friedensgruss :
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Beitrag von migoe

#19

fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 14:13
Setz mich an den Verhandlungstisch mit denen, die Frieden wolln.
Ja, aber wer ist das? Wahrscheinlich andere Staaten, wie z. B. Italien, die
ja einen Vorschlag gemachthaben
Ich vermute, das Zitat stammt von Zelensky? Was die Aussage dahinter angeht, kann ich sie nachvollziehen. Mir fällt dazu im ersten Moment ein, dass jemand, der bereits Panzer, Kalaschnikow und Kampfjet aktiv als Aggressor eingesetzt hat, kein glaubwürdiger Verhandlungspartner für Friedensverhandlungen ist, vor allem, wenn er grundsätzlich für Lügen und manipulativer Propaganda steht. Im Ernst, die Argumentation, in der Ukraine würden Nazis bekämpft werden, disqualifiziert Putin nachhaltig! Damit darf er nicht durchkommen.
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 14:13
Motive? Welche andere kann es geben, als Frieden? Und dass das Morden aufhört.
Naja, für mich gibt es hier eindeutig eine Seite, die für das Morden verantwortlich ist: die russische Armee! Wer in diesem Konflikt aktuell auf der Seite der Ukraine kämpft (und eventuell tötet), tut dies aufgrund des Prinzips der Selbstverteidigung.

Es gibt viele Motive, gegen Waffenlieferungen an Kriegsparteien zu sein und die meisten teile ich! Jedoch ändert das nichts daran, dass ich nachvollziehen kann, wenn die Ukraine erst zu Verhandlungen bereit sein sollte, wenn die eigene Position ausreichend (aus der eigenen Perspektive) gestärkt ist.
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 14:13
Damit klinke ich mich jetzt wieder aus dieser Diskussion aus. Ich mag nicht gerne in Schubladen gesteckt werden. Ich sehe die Sache etwas differenzierter und habe keine Lust, mich dafür zu rechtfertigen. Tut mir schon leid, dass ich den Thread wieder nach oben geholt habe. Aber was willst du? Wir sind doch alle für Demokratie und da gehört Meinungsäußerung dazu.
Sollte ich mit meinen Beiträgen bei Dir den Eindruck erweckt haben, dass ich Dich bzw. Deine Einstellung nicht respektiere oder Dich dafür verurteilte, dann möchte ich hiermit deutlich sagen, dass ich das nicht wollte. Für mich ist die argumentative Auseinandersetzung in diesem Thema ja gerade ein passendes Beispiel dafür, wie wichtig uns allen die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Meinungen ist. Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn Du mich aufgrund meiner Äußerungen hier auf dem Forum "in eine Schublade" steckst, denn auch das gehört zum Austausch dazu.

Da Du selbst entscheidest, welche Schublade für Dich die Geeignetste ist, muss ich das zunächst akzeptieren und wenn ich Kenntnis darüber habe und mit Deiner Zuordnung nicht zufrieden bin, kann ich mir überlegen wie ich damit umgehe. Es tut mir leid, dass Du Dich aus dieser Diskussion ausklinkst, denn ich finde es gut für die Meinungsbildung, wenn gegensätzliche Ansichten jeweils argumentativ ausgefochten werden. Mir helfen diese Gespräche, mich damit auseinanderzusetzen, wie ich zu bestimmten Fragen stehe.

In welche Schublade fühlst Du Dich von mir gesteckt? Warum ist das für Dich ein Grund, aus der Diskussion auszusteigen? Habe ich Dich unfair oder ungerecht behandelt? Das war nicht meine Absicht!
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 14:13
Und wenigstens eine Strophe an Zelensky richten, dass er verhandeln soll. Ich habe nicht gesagt - kapitulieren. Und schon gar nicht bedingungslos. Der sollte auch bedenken, dass das Morden weiter geht, wenn nicht verhandelt wird.
Hm, meinst Du das etwa so:
Vorschlag Zusatzstrohe an Herrn Zelensky
Es heißt in einem Sprichwort,
"Der Klügere gibt nach!"
Ziehn Sie doch Ihre Panzer ab,
die Kampfjets und Raketen,
und zeigen Sie der Welt damit,
der Klügere sind Sie.
So muss Zelensky einsehen,
Verhandlung bringt den Sieg,
so dass das Töten aufhört
und jeder etwas kriegt!
Naja, ich bin Kaufmann und kein Dichter, aber vielleicht wird deutlich, in welche Richtung das gehen könnte, oder?
fille - Zitat: Sa 4. Jun 2022, 14:13
Warum haben wir eigentlich keine Friedenstaube unter den Smileys
Herausforderung angenommen 😁

Die grundsätzliche Frage - und es ist gut, dass wir dieses Thema gerade im Reinhard Mey Forum diskutieren! - ist für mich, welche "Lehre" wir aus der aktuellen Situation ziehen können und auch, wie schwierig es ist, sich eine Meinung zu bilden, denn wie Du selber schreibst, ist das Thema sehr komplex und es müssen viele unterschiedliche Aspekte differenziert betrachtet werden. Ich denke, niemand macht es sich bei diesem Thema leicht mit der Meinungsfindung.
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Lothar Jahn
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Jun 2022 06 07:44

Offener Brief an den Bundeskanzler

Beitrag von Lothar Jahn

#20

Das Lied von Gerhard Schöne gefällt mir ausgesprochen gut, es hat zwar einen anderen Tonfall als der Text von Alexander Delfinov, den ich vertont habe, der ja ebenfalls einen fiktiven Dialog mit Putin beinhaltet, aber wenn man genau hinhört, macht es eben doch deutlich, wer hier der Aggressor ist und wer sich bewegen muss. Letzlich kann man die Akteure in Kriegen durch Lieder genauso wenig zum Umdenken bewegen wie durch Offene Briefe, aber für den Widerhall in der jeweiligen Bevölkerung sind beide trotzdem wichtig. Insofern hat mich die Haltung, die sich in den Briefen von Antje Vollmer und Konstantin Wecker zum einen und von Schwarzer, Mey und Co. zum anderen ausdrückt, enttäuscht. Mir fehlt da einfach die Empathie für das, was die Menschen in der Ukraine unverschuldet erdulden müssen, es wirkt besserwisserisch, aus sicherem Abstand geschrieben, den man sich unbedingt erhalten möchte. All das kann ich gut nachvollziehen, auch ich möchte weiter in Frieden und Sicherheit leben und finde alles, was mit Militär zu tun hat, unangenehm und grausam. Und kann aber gerade deshalb nicht akzeptieren, dass die, die diese Mittel skrupellos und brutal einsetzen, damit erfolgreich sein sollen...
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