Klimawandel, was können wir tun?

*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!

*Quelle: Webseite Akademischer Verein Kyffhäuser e.V. | Foto © by Pixabay.com
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migoe
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Jul 2021 21 23:39

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#21

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Diese Katastrophe ist furchtbar, aber nicht neu.
Das sehe ich genauso. Im Prinzip, aber...

Was neu ist bzw. sich geändert hat und sich immer schneller verändert - aufgrund des menschlichen Einflusses (Stichwort CO2 Ausstoß) - ist aber die Häufigkeit, in der es zu solchen Katastrophen kommt. Dafür gibt es mittlerweile etliche Beispiele von sogenannten Jahrhunderthochwasser, die mittlerweile in jeder Dekade auftreten. Auf dem Wiki Bildungsserver des Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main und Berlin finden sich dazu sehr detaillierte Informationen.

Unter dem Punkt 1.4 Trends findet sich dieser Hinweis:
wiki.bildungsserver.de hat geschrieben:Aufgrund der relativ kurzen untersuchten Zeiträume und angesichts der sich verändernden lokalen Bedingungen lassen sich Hochwassertrends nur mit großen Unsicherheiten ausmachen. So lässt sich nur mit Vorbehalt sagen, dass Hochwasserereignisse in Deutschland in den letzten Jahrzehnten häufiger und/oder stärker ausfallen als in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten.
Doch nicht nur in dieser Quelle, sondern auch von Fridays-for-Future und anderen wird letztlich das Fazit gezogen:
wiki.bildungsserver.de hat geschrieben:Für die verschiedenen Regionen in Deutschland konnte gezeigt werden, dass die Wetterlagen, die zu Hochwasserereignissen führen, in den letzten Jahrzehnten jeweils zugenommen haben (Abb. 5). Im Westen Deutschlands, d.h. für das Rhein- und Wesergebiet, haben sowohl die Häufigkeit wie die Dauer der West- und Nordwestlagen zugenommen. Auch bei weniger starken Niederschlägen würde allein die längere Dauer zu mehr Hochwasserereignissen führen, da die Böden dadurch stärker gesättigt werden und es zu höheren Abflusswerten kommt. Im Süden wie im Osten (Donau- bzw. Elbeeinzugsgebiet) haben im Sommer die Vb-Lagen zugenommen, die hier für die starken Sommerhochwasser verantwortlich sind. Hinzu kommt, das im Osten eine deutliche Abnahme östlicher Zirkulationsmuster und damit die Zunahme milderer Winter mit mehr Niederschlag als Regen denn als Schnee festgestellt werden kann.[18] Allgemein lässt sich eine deutliche Zunahme von Großwetterlagen feststellen, die für das Auftreten von Hochwasserereignissen grundlegend sind. Diese Wetterlagen dauern zugleich länger an, wodurch es zu Bodensättigung kommt und Überschwemmungen sich auch bei mäßigen Niederschlägen ereignen können.
Auf ihrer Webseite schreibt Fridays-for-Future unter der Rubrik Forderungen dazu:
fridaysforfuture.de hat geschrieben:Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Erde laut IPCC bereits um circa ein Grad Celsius erwärmt. Es bleibt daher wenig Zeit, den Klimawandel aufzuhalten und so zu verhindern, dass die Kipppunkte im Klimasystem überschritten werden. Tun wir das nicht, werden die verursachten Schäden weit höhere Kosten mit sich bringen als alle Investitionen in konkrete Maßnahmen zur Vermeidung der Klimakatastrophe.
Interessanterweise bezieht sich Fridays-for-Future hierbei auf die durchschnittliche Erwärmung der Erde und nicht auf die Erwärmung in Deutschland, welche laut dem deutschen Wetterdienst heute bereits bei +1,5°C liegt - detaillierte Angaben dazu finden sich auf der Webseite des DWD...
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Die Katastrophe ereignet sich immer wieder. Ich habe schon oft an Flüssen Hochwassermarken angeschaut und festgestellt, dass es auch in früheren Zeiten ziemliche Hochwasserkatastrophen gegeben hat.
Nur weil solche Katastrophen bereits in früheren Zeiten stattgefunden haben, in der des noch keinen massenhaften CO2/CH4 Ausstoß durch Industrie, Verkehr und Massentierhaltung sowie industrielle Landwirtschaft gab, bedeutet das aus meiner Sicht nicht, dass es keinen menschenverursachten Klimawandel gibt bzw. dass es keinen Grund zum Handeln gibt. Ich will Dir aber nicht unterstellen, dass Du es so siehst!
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Reflexartig vom Klimawandel zu reden, nützt nichts.
Seit Jahrzehnten wird weltweit von tausenden Wissenschaftler*innen darüber informiert, was weltweit beobachtet werden kann und dass sich das Klima deutlich schneller verändert, als es zu erwarten wäre. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die letztlich zum menschengemachten Klimawandel führen, sind sehr gut erforscht und die Annahmen und Prognosen der Klimamodelle über die zu erwartenden Veränderungen sind erschreckend nah an der Realität. Ich denke, es ist deshalb im Jahr 2021 nicht verwunderlich, dass der Gedanke "Klimawandel?" aufkommt, wenn genau die Ereignisse auftreten, vor denen wir seit langer Zeit gewarnt werden :weissnicht:
Siehe dazu "Markus Lanz" vom 20.07.21...
Bei der ZDF-Sendung "Markus Lanz" wurde eine Meldung aus dem Jahr 1995 gezeigt, bei der vor den Folgen des Klimawandels gewarnt wurde. Hier wurden damals ganz konkrete Folgen für die Wirtschaft und die zu erwartenden Schäden durch Stürme und Hochwasser für die Menschen benannt, wenn nicht entgegengesteuert würde. Kein "Es könnte passieren...", sondern "Es wird geschehen, wenn nicht vorher gehandelt wird"! Die Sendung ist in der ZDF Mediathek verfügbar, die Nachricht ist bei 58:11:00 zu finden.
Screenshot ZDF Mediathek Markus Lanz 20. Juli 21.jpg
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Es ist besser mit Tat zu helfen. Am besten mit einer Geldspende.
Damit hast Du Recht und deshalb habe ich gerade 60 Euro an die Aktion Deutschland hilft überwiesen. Die Menschen, die sich sofort nach diesem Unglück aufgemacht haben, um mit anzupacken und direkt zu helfen, haben meinen höchsten Respekt. 👍
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Lilienthal hat dieses Thema gestartet
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Jul 2021 26 20:20

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Lilienthal

#22

Hallo zusammen,

es ist richtig, das es auch in den vorherigen Jahrhunderten schon Flutkatastropfen gab, aber die Meterologen warnen schon länger, das es schlimmer werden und öfter kommen, weil sich Hochdruckwetterlagen oder Tiefdruckwetterlagen in einer Region regelrecht festbeißen und nicht mehr so wandern wie früher als der Jetstream noch stärker war.
Diese Veränderung wird ganz klar dem Klimawandel zugesprochen.
Das es trotz der technischen Hilfsmittel, die uns zu diesem Jahrhundert zur Verfügung stehen um Menschen in Gefahr zu helfen, soviele Tote gibt, sollte uns sehr nachdenklich stimmen und sofort zur Tat schreiten lassen.

Das die Jugend auf die Strasse geht und die Politik auffordert dies zu tun, finde ich richtig, denn sie haben außer diesen Aktionen nicht sehr viel Einfluß auf die Reduzierung des CO ² Ausstoß.
Wir Älteren haben aber in der Regel mehr Kapital um in Umwelttechnik zu investieren und sollten das auch tun.

Übrigens beim Wohnen ist im privaten Haushalt das größte Einsparpotenzial und da wiederum hauen die Heizungen am meißten raus!!!

LG Sven
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Skywise
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#23

Lilienthal hat geschrieben: Mo 26. Jul 2021, 20:20 Das die Jugend auf die Strasse geht und die Politik auffordert dies zu tun, finde ich richtig, denn sie haben außer diesen Aktionen nicht sehr viel Einfluß auf die Reduzierung des CO ² Ausstoß.
Jetzt bin ich ja beruflich betrachtet gebranntes Kind, was Politik und daraus resultierende Handlungen angeht. Insofern möchte ich anfügen:
a) es braucht die Politik nicht, um zu handeln; ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik. Ändert das Konsumverhalten, fordert vom Produzenten, bestenfalls einheitlich, und ihr werdet den Markt verändern - höchstwahrscheinlich sogar schneller als die Politik - und damit auch Produktionsweisen und folgerichtig die Einflüsse der Produktion auf die Umwelt. Bleibt hartnäckig.
b) von der Politik fordern ist ja schön, aber solange keine konkreten Ziele benannt werden, wird es schwierig, die Umsetzung zu messen. Und bezüglich des Klimas braucht man sich wohl keine Gedanken zu machen, daß die Proteste jemals aufhören werden, denn das Neutralisieren unseres Treibens der Vergangenheit wird einiges an Zeit brauchen, und wenn wir über einen bestimmten Punkt bereits drüber sind, dann kann's sogar sein, daß wir nur noch zur Verlangsamung der Entwicklung beitragen können, eine Rückkehr allerdings in dieser und den nächsten Generationen unmöglich ist.
Wir Älteren haben aber in der Regel mehr Kapital um in Umwelttechnik zu investieren und sollten das auch tun.
In Umwelttechnik zu investieren - kein Fehler. Konsumverhalten ändern, Informationen einfordern und ausnahmsweise nicht zurückschrecken, wenn etwas den einen oder anderen Euro mehr kostet, kann auch schon eine Menge bringen.

Gruß
Skywise
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Nicky
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Nicky

#24

Ihr Lieben,

gerade bin ich über etwas gestolpert, was Skywise geschrieben hat und möchte dazu meine Gedanken schreiben.

Skywise schrieb:
ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik. Ändert das Konsumverhalten, fordert vom Produzenten, bestenfalls einheitlich, und ihr werdet den Markt verändern -
Genau dieser Meinung war ich auch immer.
Vor über einem Jahr habe ich hier im Forum auch dafür geworben, das einfach jeder mal bei sich selber im kleinen anfangen soll sein Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch auf dem totalen Umwelttrip und habe so ziemlich alles ausprobiert. Allerdings zugegebenermaßen mit oftmals ernüchternden Ergebnis.
Mich würde es total interessieren, wie es euch mit evtl. Veränderungen geht.
Zum Beispiel habe ich folgende Dinge geändert und hatte damit folgende Probleme:

Zahnputztabletten aus der Papiertüte statt Zahnpastatuben = Zahnfleischbluten und stumpfe Zähne nach 3 Wochen dazu ziemlich teuer
Festes Shampoo aus der Pappverpackung statt Shampooplastikflasche = strähniges, fettiges Haar oder wahlweise stumpfes, trockenes Haar
Bienenwachstücher statt Alufolie = Trockenes Brot und teilweise schnelle Schimmelbildung. Dazu unverhätnismäßig hoher Aufwand in der Herstellung
Einkaufen um Unverpacktladen = Wenig Auswahl zu saftigen Preisen
Putzmittel zum Selber zusammen mischen = Extrem teuer und nicht wirklich effektiv.

Diese Liste könnte ich noch weiter fortführen. Natürlich bin ich bei vielen Dingen auch geblieben. Sei es meine vegetarische Ernährung, verzicht aufs Auto und aufs fliegen, Strom und Heizung sparen, Müll trennen usw. Aber ich bin durch viele Dinge doch sehr ernüchtert worden. Schade, das die Produzenten sich anscheinend nicht genügend Gedanken was ihre Entwicklungen betrifft machen, so das es den Umweltwilligen auch gelingt weiterhin im kleinen etwas zu verändern. Ich bin in vielen Dingen deshalb wieder "rückfällig" geworden.
Viele Grüße
Nicole
P.S. Insider an Helmut: An dem Inhalt des "Gutmenschen-Textes" hat sich nichts geändert. ;-)
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...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

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Skywise
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Jul 2021 29 01:49

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#25

Nicky hat geschrieben: Mi 28. Jul 2021, 13:58 Genau dieser Meinung war ich auch immer.
Vor über einem Jahr habe ich hier im Forum auch dafür geworben, das einfach jeder mal bei sich selber im kleinen anfangen soll sein Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch auf dem totalen Umwelttrip und habe so ziemlich alles ausprobiert. Allerdings zugegebenermaßen mit oftmals ernüchternden Ergebnis.

[…]

Schade, das die Produzenten sich anscheinend nicht genügend Gedanken was ihre Entwicklungen betrifft machen
Du würdest Dich wundern :-D

Ich glaube, das wird ein langer Beitrag, aber fangen wir einfach mal an und ich versuche, daß die Knäcke beim Lesen nicht zu langweilig wird.

Zunächst bin ich der festen Überzeugung, daß man den Umweltgedanken nicht sauber vom sozialen Gedanken trennen kann. Wenn nicht zumindest da, wo die Sonne über den eigenen Horizont kippt, in einer vorübergehenden Grauzone das Thema "Sozialverträglichkeit" oder – für die Fortgeschrittenen - "17 Nachhaltigkeitsziele"/"SDGs" mitgedacht wird, sind wir nicht komplett. Wir können nicht hier die großen Umweltengel flattern lassen, gleichzeitig aber dafür sorgen, daß an anderer Stelle Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können, denn das führt nur dazu, daß genau dort entweder zu Tricks gegriffen wird, die das Letzte aus der Natur rauswringen, was selten gesund für selbige und ihre Bewohner ist, oder daß der kleine Mann seine Ressourcen an den großen Mann abtritt, der dann seinerseits versucht, möglichst kostengünstig (heißt: keinesfalls umweltverträglich, geschweige denn menschenfreundlich) irgendwas zu produzieren, das er auf einem anderen Markt, oft genug außerhalb des eigenen Dunstkreises, anbieten kann. Insofern halte ich auch das (natürlich nicht übermäßige) Konsumieren oder den Erwerb von sozialverträglichen Produkten für eine Umweltmaßnahme. Ob wir jetzt hier von Kaffee, Tee, Zucker, Textilien, Fußbällen oder sonstwas reden, soll erst mal wurscht sein. Ich komm' zumindest auf den Kaffee nochmal zurück.

Bei mir schlagen unter anderem einige Vertreter von Herstellern bestimmter Artikel auf, auch wenn diese kein direktes Geschäft mit uns machen. Das Aufschlagen machen die nicht aus Höflichkeit, sondern weil sie von mir im Gegenzug mehrere Dinge bekommen, von denen sie sich etwas versprechen: erstens bin ich der Herr über die Bestellzahlen – ich kann sagen, welcher Nutzer an welcher Stelle welches Produkt von der Firma XY bestellt hat, weil diese Informationen in unserem elektronischen Bestellsystem enthalten sind, das von mir mit aufgebaut wurde. Ich weiß also, welche Produkte in der Vergangenheit gingen und welche Ladenhüter waren. Ich weiß auch, wen ich auf eine Rückmeldung auf Fragen ("was fandst'n so toll an dem Dingens?") ansprechen kann. Ich weiß zweitens, wenn ich ein Muster von einem Hersteller in die Hand gedrückt bekomme, wem ich das zur Bewertung ins Patschehändchen drücken kann. Dann sage ich dem Hersteller, was wir von seinem Produkt halten und nehme gegebenenfalls dieses Produkt in unseren Bestellkatalog auf, auf daß es bestellt werden kann. Drittens kann ich aufgrund der regelmäßigen Rückmeldungen der Besteller auch ziemlich genau sagen, wo aktuell Probleme oder Wünsche bestehen, zu denen der Hersteller vielleicht eine Lösung anbieten kann. Viertens kann ich aufgrund der Auswertungen sagen, wie die Tendenzen aussehen, wo die Reise hingeht, wo Potential für weitere Entwicklungen zu sehen ist. Es gibt ca. 12.500 Kommunen in Deutschland. Diejenigen, die über so ein oder ein ähnliches Bestellsystem verfügen, dürften irgendwo im dreistelligen Bereich liegen. Erste Ziffer bitte nicht zu hoch ansetzen. Insofern sind wir mit der Transparenz in bestimmten Produktbereichen also ein absoluter Exot und daher wertvoll für Hersteller und Lieferanten. Ich erwähne das aus zwei wie ich finde sehr bemerkenswerten Gründen. Einmal wegen des Vertreters Herrn Z. von der Firma Leitz, dem der wunderschöne Satz aus dem Mund gefallen ist: "Der nachhaltigste Ordner, den Sie finden werden, sei es, ob Sie die Wirtschaftlichkeit betrachten, die Umweltbilanz oder die Sozialverträglichkeit, das ist der Ordner, den Sie nicht kaufen müssen, weil es der alte immer noch tut". Ich kannte aus meiner Ausbildung solche Sätze wie "Spare nicht an der falschen Stelle", aber ich glaube, der Herr Z. hat's besser formuliert. Der zweite Grund ist Herr P. von der Firma … na, sagen wir mal Tesa. Versteht man besser. Der hat mir vor einiger Zeit glückstrahlend die ecoLogo-Serie präsentiert mit den Worten "Tesa wird jetzt nachhaltiger". Diese Produkte zeichneten sich dadurch aus, daß sie natürlich umweltverträglicher waren; in optischer Hinsicht dadurch, daß sie anstelle der typischen Blau-Weiß-Rot-Farbgebung von Tesa grün-weiß-rot gestaltet waren. Bilder finden sich im Netz. Er hat mir einige Öko-Klebestifte an die Hand gegeben, ich habe sie verteilt, die Rückmeldungen waren so-la-la, aber es hat dazu gereicht, sie ins Bestellsystem aufzunehmen. Es vergingen ein paar Monate bis Jahre. Dann hieß es plötzlich, bei der ecoLogo-Reihe gäbe es Lieferprobleme. Und so nahm ich die Produkte raus, es blieben die blau-weiß-roten Standard-Sachen von Tesa im System. Herr P. kam zu seinem Besuch und fragte "und? Alles immer noch in Ordnung?"
Ich: "Ich habe mir Sorgen gemacht, weil die EcoLogo-Klebestifte nicht mehr zu kriegen sind. Okay, die Dinger waren umstritten, aber einige unserer engagierten Mitarbeiter hätten trotzdem gerne weiter damit gearbeitet."
Herr P.: "Aber die alten Produkte machen doch hoffentlich keine Probleme?"
Ich: "Nein, nein, alles reibungslos, keine Beschwerden, wie immer."
Herr P.: "Ich verrat' Ihnen was. Wir hatten mit der grün-weiß-roten Serie immer nur Probleme. Nicht von Produktionsseite oder so, aber jeder hat sich darüber beschwert. Kleben nicht richtig, nicht ausgereift, die Dinger stinken, und so weiter. Sie kennen das. Wir konnten das aber in unseren Labortests nicht nachvollziehen, dort war die Klebequalität und die Geruchsentwicklung in beiden Fällen absolut identisch. Also sind wir hingegangen und haben gesagt: es wird Zeit für ein klares Bekenntnis zur Umweltverträglichkeit. Wir haben die Produktion der alten Klebestifte eingestellt, die ecoLogo-Stifte erhielten daraufhin die Bestellnummern der alten Stifte sowie die blau-weiß-roten Tesa-Farben und stehen nun quasi verkleidet in den Regalen. Und ob Sie's glauben oder nicht – seitdem haben wir keine Beschwerden mehr."
Die Geschichte wurde mir im Anschluß von höherer Seite aus tatsächlich bestätigt.

Aber klar, das Konzept des "Verkleidens" kenne ich ja auch schon seit Jahren, hab's sogar schon selbst angewandt. Ich bin alt genug, um in einem Büro gearbeitet zu haben, in dem sich jeder über das Recycling-Papier aufgeregt hat. Weil - es staubt, die Druckqualität stimmt nicht, die Drecksblätter bleiben häufig stecken, machen Ziehharmonikas blablabla. Der Scheiß-Fairtrade-Kaffee (da isser wieder), der schmeckt nicht, der versaut den Magen, der ist zu teuer, blablabla. Sind das nur Vorurteile? Nein, natürlich nicht, die ersten Fairtrade-Kaffees, beispielsweise diese Nicaragua-Plörre, die war geschmackstechnisch wäh und ungefähr so gesund wie ein Lecken quer durch die ungeputzte Kloschüssel. Und die ersten Stöße Recycling-Papier haben tatsächlich das Innenleben des Kopierers gepudert, das Papier war schmutzig-grau, und wenn wir in den ersten Jahren Fächer gebraucht haben, waren die Ziehharmonikas eine wunderbare Bastelgrundlage. Aber der Markt (von dem gleich noch mehr) hat die Signale gesetzt "Wir haben ernsthaftes Interesse an Fairtrade-Kaffee und Recycling-Papieren", und so setzte eine Entwicklung ein. Es kamen weitere Kaffee-Plantagen hinzu, der Kaffee wurde variantenreicher und geschmacklich erheblich besser, teilweise sanken sogar die Preise, ohne daß deshalb die Idee verraten wurde. Und die Kopierer, Drucker und Faxgeräte veränderten sich, das Recycling-Papier wurde qualitativ besser und wurde variantenreicher. Und irgendwann habe ich einfach jemandem, der sich ständig über Recycling-Papier beschwert hat, kommentarlos eine Packung Recycling-Papier rübergeschickt, 80er Weiße, optisch und haptisch nicht vom "normalen" Papier zu unterscheiden – und er hat's nicht gemerkt und es kamen keinerlei Beschwerden. Und für die Vorgesetzten, die sich über die Qualität und über den hohen Preis von Fairtrade-Kaffee beschwert haben, habe ich eine Kaffee-Verkostung mit verdeckten Kaffee-Packungen organisiert, und siehe da – es waren ausschließlich Fairtrade-Kaffees (okay, mit Ausnahme des Kaffees in meiner Tasse, denn ich hatte klar gesagt, daß *ein* regulärer Kaffee vertreten sei) und jeder Kaffee, der zur Auswahl stand, hatte seine Fürsprecher. Check. Nebenbei – jeder hatte sich wie gesagt darüber beschwert, daß der Kaffee zu teuer sei. Trotzdem wurde der alte Kaffee aus dem System entfernt und durch Fairtrade-Kaffee ersetzt. Nach einem Jahr holte ich mir die Bestellzahlen und mußte feststellen, daß bedeutend weniger Kaffee beschafft worden war als in den Vorjahren. Nun, zwei realistische Möglichkeiten: entweder wurde tatsächlich weniger getrunken als vorher – oder die Leute kauften fremd, am Bestellsystem vorbei, so daß mir die Zahlen fehlten. Also schickte ich meine Spione aus und diese meldeten einheitlich: beides falsch. Nach einer Welle der Empörung bei den Mitarbeitern wurde eine Aufklärungsaktion gestartet (noch durch einige Mitstreiter und mich), und plötzlich waren diese Mitarbeiter ebenfalls der Meinung, daß man zumindest im Namen der Kommune sehr wohl fairen Kaffee konsumieren sollte. Und so kam es zu Änderungen beim Kaffee-Konsum: beispielsweise standen früher bei einer Sitzung permanent drei volle Kannen Kaffee parat, aus denen man sich bediente. Heute stehen zu Beginn der Sitzung drei volle Kannen bereit, die erste wird ausgeschenkt und verschwindet dann, und wenn die dritte zur Neige geht, wird Bescheid gegeben und es wird neuer Kaffee gekocht. Wurde also fremd gekauft? Nein. Wurde weniger Kaffee getrunken? Auch nicht. Es landete nur im Vergleich zu früher am Ende einer Besprechung bedeutend weniger Kaffee im Ausguß.

Nachhaltigkeit hat viel mit Wertschätzung zu tun. Um Wertschätzung zu generieren, braucht es allerdings Informationen. Manchmal bekommt man die durch die richtigen Fragen.
Oma meinte vor Jahr und Tag, ich würde in einem "Plattenbau" leben, weil bei mir überall Tonträger rumstehen und –liegen. Natürlich – für die Dinger mußten Rohstoffe gewonnen, transportiert und verarbeitet werden, und wenn ich hier eine CD rotieren lasse, dann braucht's Strom, und irgendwann wird das Dingens vermutlich mal auf dem Müll landen und Entsorgungskosten produzieren. Nur – jetzt mal abgesehen von der rechtlichen Situation, die das Füttern einer Radiostation wie dem "Liederlicht" unmöglich machen würde – ist das wirklich so ein größerer ökologischer Fußabdruck als beim Streamen, bei dem neben der meist komplexen Hardware zum Abrufen erforderlich ist, daß Millionen von Liedern Tag und Nacht verfügbar auf irgendwelchen Servern rumliegen? Ich werde nervös, wenn ich darüber nachdenke, daß allein die Kryptowährungen, also Währungen praktisch ohne einen materiellen Gegenwert, Währungen, deren Wert ausschließlich auf Angebot und Nachfrage basiert, mittlerweile einen größeren Stromverbrauch haben als die Niederlande, als Chile oder Pakistan (an einigen Stellen wird auch Österreich in Sachen Stromverbrauch von Kryptowährungen übertrumpft). Ich bin bei weitem nicht hardcore genug, um irgendwelche Hobbys in der weiten Internetwelt zu verdammen, oder jedenfalls nicht alle, aber manchmal sollte man wirklich mal laut die Frage nach dem Preis/Leistungs-Verhältnis stellen.

Informationen, Weiterentwicklung. Hier sind wir bei der Verantwortung der Lieferanten und der Hersteller. Um eine Wertschätzung zu generieren, braucht es Informationen. Diese Informationen müssen direkt vom Erzeuger kommen, denn wer wenn nicht der Hersteller kann etwas zu dem Thema sagen, an welcher Stelle der Produktionskette welche Maßnahmen durch wen ausgeführt wurden? Vor einigen Wochen wurde … na ja, eine extrem abgespeckte Kompromiß-Variante des "Lieferkettengesetzes" verabschiedet, das exakt diese Aufgabe den Herstellern und Lieferanten mitgibt. Damit soll mehr Transparenz in die Produktionsprozesse kommen. Bin ich sehr dafür. Ich verstehe aber auch sehr gut, warum das nicht in der Ultra-Version durchgezogen wurde, wie es ursprünglich von diversen Lobbyisten gefordert wurde. Händler X will mir eine Holzeisenbahn aus dem Hause Y verkaufen. Er kann nachweisen, daß das zugrundeliegende Gehölz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt (heißt salopp gesagt: für jeden Baum, der für dieses Produkt sterben mußte, wird ein neuer Baum gepflanzt). Er kann nachweisen, daß der Baum aus Skandinavien stammt, und die Eisenbahn in einem deutschen Werk gefertigt wurde. Nachhaltigkeit ausreichend nachgewiesen, Lieferkettengesetz erfüllt. Ganz einfach. Händler X will mir eine Puppe aus dem Hause Y verkaufen. Jetzt müßte er … nun ja, das Material für die Puppe selbst … eventuelle weitere Kunststoffelemente für Augen oder Gelenke, … und die Farbstoffe … und die Haare … und die Kleidung – Textilien am Ende? … und die Verpackung … und die Transportwege und die Produktionsbedingungen … und die eventuellen Zuliefererer … au, das wird … schwer. Man darf jedenfalls gespannt sein.

Informationen und Weiterentwicklung. Es ist nicht so, daß sich jeder Lieferant oder Hersteller aus der Verantwortung stehlen will. Ganz im Gegenteil. Zu praktisch jeder Zeit in den vergangenen 25 Jahren gab es einige pfiffige Ideen oder sogar wissenschaftliche Erkenntnisse oder technische Errungenschaften, um das Thema Umweltverträglichkeit voranzutreiben. Oft genug fehlt es halt an den Signalen des Marktes, an einer ausgeprägten Buschtrommel, die die Botschaft in die Breite trägt oder an überzeugenden, aber nicht überzogenen Produkten. Aber reden wir kurz über Der Markt™. Das Bizarre an der aktuellen Situation habe ich eigentlich bereits gesagt: die Öffentliche Hand ist vom verfügbaren Kapital betrachtet einer der einflußreichsten Auftraggeber in Deutschland. Sie könnte also den Markt und seine Entwicklungen ohne Probleme in bestimmten Bereichen vor sich hertreiben. Tut sie aber nicht, weil dort eben keine Transparenz bei der Beschaffung vorliegt. Zerstört einem bei näherem Hindenken so manches Weltbild, kann ich sagen. Als ich noch ein kleiner Steppke war und sonntags am damals neuen Rathaus mit meinen Altvorderen vorbei kam, habe ich gelernt: da in diesem Kabuff, da sitzen nur Sesselfurzer und Erbsenzähler. Die können nix, aber Erbsen zählen, das können die sicherlich sehr, sehr gut. Das Andere vielleicht auch … Heute arbeite ich selbst in diesem Kabuff und habe recht früh gelernt: die wissen noch nicht mal, daß sie überhaupt Erbsen brauchen. Also. Wer fordert heutzutage etwas vom Markt, wer prägt ihn? Diejenigen, die das können. Die, die Kohle haben und schwer vom Markt abhängig sind. Und das sind Industrie und Handel. Wenn sich in der Industrie einer von den Großkopferten in denselbigen setzt, in Zukunft bei der Produktion eines Artikels nur noch nachhaltige Rohstoffe zu nutzen, das zum Standard erklärt, und mit dieser Entscheidung für Hersteller und Lieferanten ein größeres Geschäft verbunden ist, dann werden die, wenn sie schon nicht direkt springen, so doch zumindest darauf hinarbeiten, daß die benötigten Rohstoffe und Zuliefermaterialien die Bedingungen erfüllen, sofern nicht völlig unmöglich. Das klingt zwar mit der Nase des letzten Jahrtausends beschnuppert erst mal utopisch, hat aber den Hintergrund, daß wir uns auf einem Markt der 2010er und 2020er Jahre befinden, und das heißt: einem globalisierten und digitalen Markt. Die Märkte sind über weite Strecken extrem zerbrechlich aufgestellt. Weil man im Normalfall entweder das findet, was man sucht, oder wenigstens einen, der einem das zaubert, was man haben möchte. Das führt dazu, daß man sich als Hersteller und Händler sehr gern die Vorschläge von – idealerweise mächtigeren - Marktteilnehmern anhört und versucht, sich längerfristig aufzustellen. Der Markt geiert schon seit Jahren nach Ideen, nach Alleinstellungsmerkmalen; das Geschäft mit Standard-Ware ist seit Jahren kaputt, da von internationalen Händlern durchdrungen, und das hat dazu geführt, daß Themen wie Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren einen enormen Boom hingelegt haben, Umwelt- altersbedingt mehr als Sozialverträglichkeit. Da, wo die Industrie einen Anfang gemacht hat, haben Privatleute ebenfalls die Latte nach oben gelegt. Sei es, daß der Handel, der den Ruf der Industrie vernommen hat, sich überlegt hat, daß bestimmte Entwicklungen auch für Privatleute interessant sein könnten, oder weil die Privatleute sich von der Industrie zu Anfragen beim Handel haben inspirieren lassen. Das hat – Stand heute – dazu geführt, daß bestimmte Produktbereiche bemerkenswert gut ausgestattet sind mit umweltverträglichen Artikeln oder dazugehörigen Standards, teils sogar gesetzlich verbrieft, beispielsweise Büromaterial – jeder braucht Büromaterial – oder Papier oder Mobiliar oder …, während andere Bereiche nahezu unbeleckt sind. Spielmaterialien sind beispielsweise so ein Thema. Die Industrie braucht keine Spielmaterialien im großen Stil, der Privatkunde eigentlich auch nicht. Wer hat einen so großen Bedarf an Spielmaterialien, daß er den Markt beeinflussen könnte? Die Kindertagesstätten bzw. deren Träger, und da sind wir bei Kommunen und Kirchen. Beide haben bislang nicht die Infrastruktur oder die Transparenz, um das zu tun, aber das Potential haben sie. Die Idee der Nachhaltigkeit ist bei den einschlägigen Herstellern und Lieferanten durchaus schon angekommen, aber der notwendige Druck ist noch nicht vorhanden. Ich habe aber den Eindruck, daß zumindest die Rückmeldungen aus dem Bereich der Privatkundschaft bereits einige Experimente ausgelöst haben. Und das bedeutet: auch wenn die Ware erst mal nicht viel zu taugen scheint: kauft, Privatkunden, testet und vor allem: gebt Rückmeldung! Nicht in irgendeinem Online-Shop, sondern tatsächlich an den Hersteller selbst. Kritisiert, was ihr zu kritisieren habt, und zwar bitte auf konstruktive Art und Weise, immer mit dem Unterton "ich würde ja gerne weiterhin Ihr Produkt kaufen, aber was mich davon abhält, ist Folgendes …". Und wenn etwas nicht funktionieren sollte wie gewohnt – stellt Rückfragen, um zu lernen. Die großen Marktteilnehmer wie Kommunen und Kirchen werden euch über kurz oder lang an die Seite springen, wenn es die Industrie nicht bereits tut, umgekehrt schadet es auch nicht,, wenn die Problemchen der Unternehmer bei der Umsetzung der Kundenwünsche sich zu den Kommunen durchtrommeln. Es bleibt den Kommunen und Kirchen kaum etwas Anderes übrig, als nachhaltiger zu werden, denn die Wahrscheinlichkeit wächst von Tag zu Tag, daß mal ein cleverer Reporter morgens aufsteht und fragt "Frau Bürgermeisterin, Herr Landrat – wie umweltfreundlich kauft eigentlich Ihre Kommune ein? Und Herr Bischof, wie schaut das bei Ihnen aus mit Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit?" Es gibt natürlich Bereiche, da muß sich die Öffentliche Hand an den Profis orientieren. Ich mag ja die Reinigungsprodukte von Frosch, aber für den Profi-Bereich ist das nix; manche von den Sachen sind so umweltfreundlich, die schonen sogar den Fleck. Die arme Sau, die mit dem Zeugs eine Kita-Küche nach dem Mittagessen saubermachen muß, ist nur zu bedauern, denn die wird vor allem mit Muskelkraft arbeiten und nicht mit Reinigungschemie. Frosch stammt von Werner & Mertz, und die haben auch professionellere und eigentlich vergleichsweise (heißt: im Vergleich zu vielen Mitbewerbern) umweltverträgliche Reinigungschemie im Sortiment. TANA und so.

Im letzten Jahrzehnt haben sich einige Kommunen aufgemacht, um sich in Sachen Fairtrade weiter einzubringen. "Fairtrade-Town" ist so ein Titel, der gerade inflationär vergeben wird, teilweise werden auch Regionen oder sogar Schulen und Kindertagesstätten mit einem äquivalenten Titel ausgezeichnet. Auch wenn ich nicht sonderlich glücklich mit einigen Aspekten dieses Titels bin, so muß ich doch sagen, daß zumindest die Zusammenarbeit lokaler bis regionaler Akteure, von Handel über Kirchen bis Schulen und Kommunen, durchaus positiv zu werten ist. Die Lenkungskreise der Fairtrade-Towns sind erfahrungsgemäß gut informierte und engagierte Ansprechpartner, auch natürlich für Bürger, um zu erfahren, wie sie selbst sich mehr zu den Themen weiterbilden können und welches Potential die eigene Kommune in Sachen Umweltverträglichkeit/Sozialverträglichkeit bietet. Aus den Ecken hört man sehr inspirierende Geschichten, muß ich sagen, und einige Zusammenarbeiten von Akteuren, die sonst niemals zusammengekommen wären, halte ich für sehr vielversprechend. Wer also in einer Fairtrade- Kommune lebt (oder dicht an einer dran), braucht sich nicht nur zu fragen, was man selbst in Sachen Umweltverträglichkeit tun kann, sondern was vielleicht darüber hinaus an exakt seinem Standort möglich ist. Die eigentlich zuständigen Ämter (Umweltämter/Grünämter) habe ich als bedeutend träger in Erinnerung …

Ich schau' auf die Uhr, ich schicke an der Stelle erst mal ab.

Gruß
Skywise,
nach Diktat entschlummert
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Jul 2021 30 15:09

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#26

Lieber Skywise,
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Ich glaube, das wird ein langer Beitrag
ein wahrlich epischer Beitrag mit vielen - für mich - absolut zutreffenden Bemerkungen und sehr guten Beispielen dafür, wie es mit der Nachhaltigkeit klappen könnte, und warum es oft trotzdem nicht so richtig klappt.
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Nachhaltigkeit hat viel mit Wertschätzung zu tun.
100% 👍
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Nur – jetzt mal abgesehen von der rechtlichen Situation, die das Füttern einer Radiostation wie dem "Liederlicht" unmöglich machen würde – ist das wirklich so ein größerer ökologischer Fußabdruck als beim Streamen, bei dem neben der meist komplexen Hardware zum Abrufen erforderlich ist, daß Millionen von Liedern Tag und Nacht verfügbar auf irgendwelchen Servern rumliegen?
Ich denke, hier gibt es keine eindeutige Antwort darauf, ob nun die Produktion von Tonträgern oder das Streamen von Musik eindeutig nachhaltiger ist, den es kommt - wie immer - darauf an
  • ...wie viele der produzierten Tonträger wieder dem Recycling zugeführt werden...
  • ...wie lange ein Tonträger genutzt wird...(bei Audio CDs kann sicher festgestellt werden, dass 40 Jahre möglich sind!)
  • ...ob schon bei der Produktion eines Tonträgers Nachhaltigkeitsgrundsätze eingehalten werden...(gute Tipps dazu gibt die Webseite Nachhaltiger Warenkorb)
  • ...ob die Server, auf denen die Verarbeitung und Speicherung der Streaming Daten stattfindet mit "grünem Strom" betrieben werden...
  • ...wie man selber "nachhaltig" definiert, z.B. kann ich bei einem Umzug alle körperlich vorhandenen Audio CDs ja in die neue Wohnung mitnehmen, wenn ich aber das Kundenkonto bei meinem Streaminganbieter kündige (oder dieser seine Firmenpolitik ändert!), kann ich die Musik nicht einfach so "mitnehmen" - kann ich leider ein Lied von singen, wenn ich an meine Erfahrungen mit Google Play Music denke 🤦
Eigentlich hat Deutschland bzw. die Bundesregierung eine - auf dem "Papier" - absolut schlüssige und sympathische Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit, welche sie auf der Webseite www.bundesregierung.de auch in schönen Worten zusammenfasst, unter anderem steht da:
Die Bundesregierung (2016) auf www.bundesregierung.de hat geschrieben:17 globale Ziele einer nachhaltigen Entwicklung
Mit 17 globalen Zielen deckt die Agenda 2030 eine Vielzahl von Themen ab. Handlungsfelder sind beispielsweise der verstärkte Einsatz für Frieden und Rechtsstaatlichkeit, die Bekämpfung von Korruption, aber auch Bildung für alle oder der Schutz unseres Klimas und unserer Ressourcen. Und kein Mensch soll mehr unter Hunger leiden müssen.

Industrieländer haben Vorreiterrolle
Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft hat die Bundeskanzlerin die besondere Verantwortung der führenden Industrie- und Schwellenländer zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele betont. Die G20-Staaten sollten Vorreiter dabei sein, wenn es darum geht, die Agenda 2030 mit Leben zu erfüllen.
Screenshot_Bundesregierung_Ziele Nachhaltigkeit.jpg
Doch leider nutzt es nicht viel, in schönen Worten zu formulieren und dann aber nicht zu liefern -> worin ich das eigentliche Problem sehe! Meiner Meinung nach wurde in den letzten 5 Jahren seit Verabschiedung dieser Grundsätze 2016 viel zu wenig substanziell unternommen, um die heeren Ziele auch wirklich zu erreichen. Wichtige "Signale" z.B. von Seiten des Verkehrsministeriums (Andreas Scheuer) oder des Landwirtschaftsministeriums (Julia Klöckner) sind unterblieben bzw. wurden nach meiner Überzeugung absichtlich wichtige Weichenstellungen verhindert. Im September werden dazu hoffentlich durch die Wähler*innen deutlichere Signale gesetzt!

Ohje, ich finde auch keine Ende :blabla:

Doch, ich mach gleich Schluss, aber mir sind noch zwei YouTube Kanäle eingefallen, die mich zu diesem Thema zum Nachdenken (und Handeln) gebracht haben...
YouTube Kanal Mailab

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YouTube Playlist des Kanals von "Die Frage"
In dieser Playlist sind 6 Videos zur Frage Was kann ich gegen den Klimawandel tun? zusammengefasst...
Jetzt reicht's aber wirklich erstmal von mir 😁
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Liebe Grüße aus Rothenburg
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Lilienthal hat dieses Thema gestartet
...hat schon mal ein LT organisiert
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Jul 2021 30 16:03

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Lilienthal

#27

Was Nicky geschrieben hat, habe ich auch schon erlebt, manchmal gibt es keinen guten Ersatz. Habe mal mit einer Motorsense gearbeitet, wo biologisch abbaubarer Schleuderfaden drauf war (damit mäht man Kanten und Ecken aus), der Faden geht nicht gut, nutzt sich zu schnell ab, Nylon geht besser, ist aber halt Microplastik für die Natur.

Andererseits haben wir sehr gute Erfahrungen mit den Akkugartengeräten gemacht: Rasenmäher, Motorsense, Heckenschere und Motorsäge. Man kann eine Menge schaffen mit diesen neuen Geräten und es macht nur die hälfte Krach und an dem Ort, wo sie benutzt werden enstehen keine Schadstoffe. Ich habe über 10 Festmeter Brennholz nur mit der Akkusäge gesägt. Wenn die Stämme dick waren und trocken, braucht man etwas mehr Gedult, als mit der Zweitacktsäge, aber ich nehme mir das bisschen Zeit gerne, weil es viel leiser geht und mir nicht die Nase vollstinkt. Die kritisch zu sehenden Akkus, halten aber neuerdigs sehr lange und ich glaube bis die hin sind, klappt das mit dem aufbereiten der selben auch einigermaßen nachhaltig.

Ein anderes Beispiel, Caport bauen:

Im Baumarkt ist das Holz teuer wie nie und Lärche bekommst du dort nicht.
Ich habe mir dann drei Dörfer weiter Lärchenkanthölzer beim Sägewerk bestellt und daraus Zaun und Caport gebaut. Die Bäume waren alle Borkenkäferopfer und kamen aus der Region. Lärche ist auch ohne Anstrich viel witterungsbeständiger als z.B. Fichte und das Ganze war billiger und besser als Holz aus dem Baumarkt!!!

Aber klar, wenn man in Hanburg wohnt und kein Sägewerk in der Nähe hat, nützt einem das wenig, weite Wege mit dem Auto machen den Nachhaltigkeitsbemühungen wieder den Gar aus.

Also Niky, billiger und besser und nachhaltiger geht manchmal auch!!!

LG Sven
Dieser Beitrag enthält 305 Wörter



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fille
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Jul 2021 30 20:35

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von fille

#28

Hallo zusammen,

zum Thema Holz - z. B. Bauholz: Mein Sohn hat ein Haus um- und angebaut. Es sollte natürlich umweltfreundlich sein.
Also wurde größtenteils Holz verwendet. Er meinte, dass wäre doch viel nachhaltiger und energiesparender als Ziegel,
die mit viel Energie gebrannt werden müssten . Auf meine Frage, wo das Holz denn herkomme (vielleicht aus Finnland?),
meinte er "Äh, da muss ich mal nachfragen..." Er hat nachgefragt und es hat geheißen, dass Holz komme aus Österreich.
Ist von uns ja weit entfernt.

Ich habe einen neuen Kollegen. Der kommt ursprünglich aus Rumänien. Dort wurde in letzter Zeit viel getan, z. B.
die Städte renoviert. Er hat mir Bilder von wunderschönen Städten gezeigt. Aaaaber leider, die Wälder würde alle für
österreichische Baufirmen abgeholzt. Tja, unser Haus wurde aus Ziegeln aus dem Landkreis gebaut. Die Ziegelei ist 15 km
entfernt. Also hat man wenig Energie für den Transport gebraucht. Wo das Holz für den Dachstuhl und die Nut- und Feder-
bretter hergekommen ist, weiß ich aber auch nicht.

Irgend einen Tod muss man immer sterben.

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 191 Wörter


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