Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

Der TV-Unterhalter Böhermann imitiert in seinem neusten Musikstück den Liedermacherstil und behandelt dabei thematisch die Tatsache, dass Alexander Gauland geladener Gast der 70-Jahre-FAZ-Party war.

*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!

*Quelle: Webseite Akademischer Verein Kyffhäuser e.V. | Foto © by Pixabay.com
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Viktor
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Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

#1

Beitrag von Viktor » Do 7. Nov 2019, 21:22

Hallo miteinander,

die politische Kategorie scheint mir am passendsten für diesen Beitrag, als Singer-Songwriter will ich Böhmermann nicht unbedingt einreihen, auch wenn er alle Naselang ein Lied rausbringt.

Das neuste sprang mich nun gerade bei YouTube an, weil sein Aussehen im Vorschau-Bild mir schon verdächtig aussah: Da scheint er ja ganz heftig Liedermacher-Ästhetik zu appropriieren, mit Hemd und Brille und Körperhaltung und zwei Mikroständern und Gitarre (die er in Wahrheit nicht spielt).
Deshalb will ich es unbedingt mit Euch teilen.

Im Lied selbst geht es nun um ein politisches Thema, nämlich dass Alexander Gauland (AfD) kürzlich auf der 70-Jahre-FAZ-Feier eingeladen war.

Das Lied findet ihr hier:


Was meint Ihr zum Song, musikalisch wie inhaltlich?
(Ich selbst bin noch unentschlossen - hatte eigentlich erwartet, dass Böhmermann respektlos gegenüber meinem Lieblingsmusikgenre ist, aber irgendwie ists überraschend ernsthaft, was mich verwirrt, ha.)

Viele Grüße
Viktor
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Michael
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Re: Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

#2

Beitrag von Michael » Do 7. Nov 2019, 21:46

Hallo,
also von mir aus hätte er gern respektloser sein dürfen - aber es geht ja offenbar nicht ums parodieren, sondern in der Tat um eine ernsthafte Auseinandersetzung.
Ich finde es gelungen. Der Schluss ist ein wenig sehr direkt und nicht sonderlich filigran, weil er die Form des Rollenliedes verlässt, aber Rollenlieder und Rollenprosa sind eine heikle Sache. Aber grundsätzlich ist das gut. Und es ist gut, dass sowas im Fernsehen läuft.

Michael
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Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.
Franz Josef Degenhardt

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Re: Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

#3

Beitrag von Gesch » Do 7. Nov 2019, 21:47

hallo victor,
ich könnte mir vorstellen, dass dieses lied eine verspätete reaktion auf beckmanns ständchen auf dem mattussek-geburtstag vor einem halben jahr war, wo auch nazis anwesend gewesen sein sollen. der stern hatte seinerzeit über beckmanns erklärung dazu berichtet...
hab keine ahnung, wie und was beckmann singt, aber vielleicht ist es doch ne persiflage... entschlüsseln kann ichs auch nicht, was uns der spötter/sänger damit sagen will.
herzlich
gerd
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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Re: Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

#4

Beitrag von Doro1100 » Fr 8. Nov 2019, 18:38

Hallo zusammen,

Gerd hat mit Stichwort "Beckmann" ins Schwarze getroffen. Um das Lied zu verstehen ist es hilfreich sich das "Vorwort" zu dem Song in der Sendung "Neomagazin Royale" von gestern anzusehen. Ich denke damit ist es verständlich.

Link zur ZDF Mediathek - ab ca. Minute 10:40
https://www.zdf.de/comedy/neo-magazin-mit-jan-boehmermann/neo-magazin-royale-mit-jan-boehmermann-vom-7-november-2019-100.html

Der musikexpress hat sich hier dem Song und Thema angenommen.

@Victor
Der Aufzug und das Gehabe ist natürlich volle Absicht. Es geht aber vor allem gegen Beckmann, den er nachäfft. Alles andere ist lediglich eine Rolle die er, spielt. (Gitarre kann er dagegen nicht spielen, dafür aber Schlagzeug! ;-) )

Witzig finde ich aber das Bild zum Download für das Lied. Kam mir irgendwie bekannt vor. Ich bin mir sicher, dass es dem Cover von Reinhard Mey "Mein achtel Lorbeerblatt" nach empfunden. Also ein bischen Liedermacher-Bashing ist auch dabei. ;-)
grafik.png


Gruß Doro
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"Musik ist ein Bohrer. Du kannst damit Löcher machen in menschliche Herzen.
Wo `n Loch ist, kann was rein. Oder raus."

(Gerhard Gundermann)

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Re: Jan Böhmermann - "Licht an! Licht an!" (politischer Song im Liedermacher-Stil)

#5

Beitrag von migoe » So 10. Nov 2019, 20:04

Hallo Zusammen,

ich hatte dieses Video vorher auch schon bei YouTube gesehen und zunächst belächelt...halt typisch Böhmermann und so...

...doch nachdem ich Eure Beiträge hier dazu gelesen hatte, habe ich mir das Lied nun mehrfach noch einmal angehört und mich auch mit der Vorgeschichte etwas näher beschäftigt und bin doch ziemlich baff, wie ernst das angesprochene Thema letztlich ist.

Jan Böhmermann ist für mich eine zwiespältige Person, weil einerseits seine freche und auch kontroverse und teilweise respektlose Art nicht immer leicht zu ertragen ist und er andererseits alles mit einem gewissen Augenzwinkern tut und sagt und deshalb nicht immer ganz ernst genommen wird. Er selber hat das in einem anderen Video in seiner Sendung mal thematisiert...
► Text zeigen
Doch am Ende kommt es vielleicht gar nicht nur darauf an, ob der "Sender" es ganz ernst meint mit seiner Kunst, sondern auch, wie es der "Empfänger" aufnimmt. Die Reaktionen in den Kommentaren unter dem Video sind zum großen Teil zustimmend und positiv - und auch die Beiträge von Euch gehen ja in diese Richtung. Ich würde mich der (aus meiner Sicht) Grundaussage des Liedes anschließen:
Und die Moral von der Geschicht, ja, genau: Moral!
Wenn Wahnsinn normal wird, wirkt das zuallererst normal!
Und selbst das festlichste Fest, ist nie wieder ein Fest,
wenn nur einer der Gäste ein Nazi ist!

...

Entschuldigung, Herr Nazi, für Dich statt Wein und Schnaps:
Nur ein freundschaftlicher Fußtritt und ein lieb gemeinter Klaps!
Ich sag’s mit Deinen Worten, Dein Rausschmiss – tut mir leid –
bleibt eine uns unvermeidliche, wohltemperierte Grausamkeit.

Da ist die Tür!
Unter dem Video hat Jan Böhmermann übrigens den Link zum Liedblatt in PDF-Form mit Text und Akkorden geteilt: Was ist für mich das eigentlich hinter der Satire angesprochene Problem?

Die AfD wurde um das Jahr 2013 gegründet aus Protest gegen die deutsche und europäische Politik nach der Eurokrise. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, dass Angela Merkel damals bei einer Pressekonferenz die Maßnahmen der EZB und der europäischen Staaten "alternativlos" nannte und wie groß der Ärger dagegen in einigen Teilen der (vor allem deutschen) Wirtschaft war. Bernd Lucke und einige andere haben daraufhin die "Alternative für Deutschland" gegründet und sich zum Ziel gemacht:
► Text zeigen
Natürlich darf man gegen diese Politik sein und es ist auch ein gutes Zeichen, wenn in einem Land eine Gruppierung "aus dem Nichts heraus" es schafft, als Gegenpol zu der aktuellen politischen Landschaft eine neue Partei zu erschaffen, die das Potenzial hat, die Gesellschaft zu einem bestimmten Thema zu verändern. Dies gab es vorher auch schon z.B. bei den Grünen (die seit ihrer Gründung auch eine "Entwicklung" gemacht haben) oder auch bei den Piraten (die nur kurz aufflammten und danach weitgehend verschwunden sind).

Bei der AfD hat sich diese "Entwicklung" aber so gestaltet, dass sich innerhalb weniger Jahre aus einer zu Beginn "bürgerlichen" Bewegung eine durch und durch nationalistische und faschistische Partei entwickelt hat, bei der es mir immer wieder kalt über den Rücken läuft, wenn ich höre und sehe, wie sich diese Nazis schleichend in der Gesellschaft breit machen und Stück für Stück die Grenzen des Denk- und Sagbaren verschieben. Damit meine ich aber nicht, dass Gedanken und Worte zensiert oder verboten werden sollten, weil sich das nicht "schickt", sondern, weil es nicht sein darf, dass Menschen, die nicht in das Weltbild passen diffamiert, beleidigt, stigmatisiert oder ausgegrenzt werden dürfen. Solche Menschen müssen deutlich zu spüren bekommen, dass sie sich selber disqualifizieren, durch die Art und Weise wie sie sich verhalten und äußern.

Wer sich mit diesen Wölfen im Schafspelz gemein macht indem er sie auf seine Veranstaltungen einlädt, macht sich mitschuldig daran, wenn es wieder "normal" wird, dass gegen Juden, Schwarze, Schwule, Moslems, sog. "Asyltouristen" oder einfach "Andere" gehezt wird oder die Idee einer "Herrenrasse" in Deutschland wieder hoffähig wird.

In diesem Sinne finde ich es gut, dass es ein Lied wie "Licht an!" gibt, in dem sich der Satiriker Jan Böhmermann mit dieser unerträglichen und armseligen Sauerei beschäftigt und die Heuchlerei dahinter beleuchtet!

Danke dafür!
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

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