Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

In einem Threat darüber, ob es in Deutschland noch möglich ist, frei seine Meinung zu sagen/schreiben kamen wir teilweise vom Thema ab, bzw. nahm das Thema "Fridays for Future" einigen Raum in Anspruch und deshalb habe ich die beiden Themen so gut es ging "getrennt", damit die Argumente jeweils nicht zu sehr das eigentliche Thema verwässern.

*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!

*Quelle: Webseite Akademischer Verein Kyffhäuser e.V. | Foto © by Pixabay.com
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Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#1

Beitrag von migoe » Di 22. Okt 2019, 21:32

Im Laufe der Diskussion zum Thema "Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen" wurde das Thema "Fridays for Future" beispielhaft erwähnt und es entwickelte sich eine Diskussion innerhalb der Diskussion. Damit es etwas weniger chaotisch läuft, habe ich das F4F-Thema aus dem ursprünglichen Diskussionsstrang herausgelöst.

Den Anfang macht Moni die sich in ihrem Beitrag auf die Seite der "Fridays for Future"-Bewegung stellte:
moni hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 14:04
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben.
Diese Jugendlichen haben mich persönlich mehr aufgerüttelt als manch eine Information zum Thema.
LG Moni
Marianne nahm den Fadenn auf und gab ihre persönliche Ansicht zur FFF Bewegung ab:
fille hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 15:09
Jetzt hier auch eine persönliche Meinung für die "friday for future". Ich finde für die Zukunft der Kinder
wäre es besser, sie würden in die Schule gehen. Nur mit Bildung kann man die Welt retten, oder ? Abgesehen von der persönlichen Zukunft. Als letztens eine große weltweite Aktion dieser Bewegung geplant hat, hat das Gymnasium meines Sohnes (schon 12 Jahre draußen) etwas eigenes gemacht. Nicht jemand hinterlaufen war angesagt, sondern die Schüler haben selbst mit den Lehrern daran gearbeitet. Das Ende von Lied? Die Schule wurde von der Friday-for-Future-Abteilung in der Stadt angegriffen. Sie hätten gefälligst die Schüler nach München schicken sollen!

Ich finde es gut, dass die Schule sich dagegen gestemmt hat und ihr eigenes Ding gemacht hat. Dass die Schulschwänzerei so akzeptiert wird, finde ich befremdlich.

Nix für ungut, Marianne :-)
Etwas später in der Diskussion stieg Marc ein, bezog Stellung zu Aussagen von Moni und Marianne, und erklärte seine kritische Einstellung zu den Freitagsdemos:
Marc hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 19:27
Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es Jugendlichen schwer fällt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Viele glauben, eine Meinung zu haben, ohne sich zuvor eine eigene Meinung gebildet zu haben. Jugendliche schließen sich gern und voreilig Meinungen an, ohne diese genau hinterfragt oder abgewogen zu haben (was auch meine zentrale Kritik an Fridays for Future ist). Aber sind es wirklich nur Jugendliche? Erwachsene stehen vor der gleichen Herausforderung, tagtäglich und immer wieder. In diesem Sinne: Sapere aude!
Moni schrieb:
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben.

Marianne schrieb:
Dass die Schulschwänzerei so akzeptiert wird, finde ich befremdlich.
Für die Teilnahme an Demonstrationen, egal ob Fridays for Future oder etwa eine Demo gegen das Agrarpaket, dürfen (zumindest in Niedersachsen) keine Unterrichtsbefreiungen ausgesprochen werden. Die Teilnahme an einer Demonstration während der Unterrichtszeit gilt schulrechtlich als unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, daran ändert auch eine (Bitte um!) Entschuldigung eines Elternteils nichts. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt schulrechtlich nicht das Fernbleiben vom Unterricht, da das Demonstrationsrecht in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden könnte.

Lieben Gruß
Marc
Ich gab daraufhin ebenfalls meinen Senf dazu, nämlich damit:
migoe hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 19:37
Liebe Moni,
moni hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 14:04
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben. Diese Jugendlichen haben mich persönlich mehr aufgerüttelt als manch eine Information zum Thema.
Genau so stehe ich dazu auch. Es ist irgendwie peinlich für uns Erwachsene, weil Kinder und Jugendliche mehr Arsch in der Hose haben, und konsequent einfordern, was wir eigentlich tun müssten! Es tut gut zu sehen, dass die "Jugend von heute" bereit ist, für ihr Anliegen auf die Straße zu gehen und das die Demos friedlich aber konstant durchgeführt werden.

Zu Greta Thunberg denke ich: es sagt viel über diejenigen aus, die sich über sie kritisch äußern und für manche Menschen, die ich bisher als "gebildet" und "klug" eingeschätzt haben, habe ich heute nur noch Verachtung übrig, weil sie die Chuzpe haben, über ein 16jähriges Mädchen herzuziehen, die mehr Mut und Entschlossenheit aufbringt, als viele Erwachsene/Politiker/Journalist/Lobbyist/usw.
und damit:
migoe hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 20:31
Lieber Marc,
Marc hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 19:27
Für die Teilnahme an Demonstrationen, egal ob Fridays for Future oder etwa eine Demo gegen das Agrarpaket, dürfen (zumindest in Niedersachsen) keine Unterrichtsbefreiungen ausgesprochen werden. Die Teilnahme an einer Demonstration während der Unterrichtszeit gilt schulrechtlich als unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, daran ändert auch eine (Bitte um!) Entschuldigung eines Elternteils nichts. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt schulrechtlich nicht das Fernbleiben vom Unterricht, da das Demonstrationsrecht in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden könnte.
rein sachlich stimme ich zu. Es ist aber nachvollziehbar, dass die FFF-Demos während der Schulzeit stattfinden, um ein Zeichen zu setzen. Mich überzeugt das Argument "Warum noch in die Schule, wenn wir sowieso keine gute Zukunft mehr erwarten können?!", auch wenn ich davon überzeugt bin, dass längst nicht alle, die bei diesen Demos dabei sind, aus purer Überzeugung da hin gehen. Bestimmt wird es viele geben, die nur allzu gerne die Schule schwänzen und mit FFF auch noch ein "gutes Argument" liefern können. Ist fragwürdig und sicher nicht im Sinne der grundsätzlichen Idee hinter FFF, aber letztlich überwiegt für mich der Vorteil für die Gesellschaft allgemein und die Jugend im Speziellen - die Zukunft wird zeigen, ob es wirklich so kommt.

Kurz noch zu FFF: diejenigen, die sich aufregen, weil Kinder und Jugendliche am Freitag auf die Straße gehen statt in die Schule, um die Erwachsenen (im Allgemeinen) und Politiker (im Speziellen) dazu zu bringen, die richtigen Weichen zu stellen, um die Gesellschaft der Zukunft anders zu gestalten, sollten sich vielleicht die Frage stellen, welche Verantwortung sie selber dafür haben und was sie bisher dafür getan haben, um die Gesellschaft positiv zu gestalten und zu ändern. Für mich steht außer Frage, dass meine Generation und die meiner Eltern hier zumindest nicht immer die richtigen Weichen gestellt haben (Atomkraft, Ausbau der regenerativen Energien usw.)
Auch Nicky beteiligte sich an der Diskussion zu F4F:
Nicky hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 23:00
Jugendliche schließen sich gern und voreilig Meinungen an, ohne diese genau hinterfragt oder abgewogen zu haben (was auch meine zentrale Kritik an Fridays for Future ist).
Ja. Das ist auch das was mich daran stört. Hinterherlaufen, weil es die Masse macht, teilweise ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen oder zu ändern. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Gruppe Jugendlicher (von 13-15 jahre alt), die nicht an den Freitagen mit demonstrieren, sondern sich an den Wochenenden!!! treffen und sich Aktionen ausdenken, wie man für mehr Aufklärung zum Thema Umweltschutz bei der ganz normalen Bevölkerung sorgen kann. Sie entwerfen z.B Infomaterial mit guten Tips zur Müllvermeidung usw. Das ist etwas, was ich wirklich richtig gut finde. Sich informieren, eine eigene Meinung bilden und dann auch noch in seiner Freizeit aktiv werden. Diese Jugendlichen haben meine volle Hochachtung...

Liebe Grüße
Nicole
Die nächste im Reigen war Heike, die sich an der Diskussion beteiligte:
Eurydike hat geschrieben:
So 20. Okt 2019, 11:16
Ihr Lieben,

jetzt will auch ich mich mal wieder zu Wort melden. Immerhin wurde hier der Auslöser der aktuellen Klimadebatte angesprochen, welche für mich zum wichtigsten Thema der heutigen Zeit geworden ist. Fridays for Future!
Mir geht es wie Moni. Gingen meine Söhne noch zur Schule, wäre ich stolz, sie Freitags bei der Demo zu wissen. Und wenn die Schule dies sanktionieren sollte, würde ich meinen Kindern den Rücken stärken und zu ihnen stehen. Allerdings sind meine Söhne keine Schulkinder mehr und meine Enkel noch nicht.
Nicky schrieb:
Ob das durch Schuleschwänzen gelingt, wage ich zu bezweifeln.
Hältst du das, was diese Kinder tun, wirklich für Schuleschwänzen? Meine Kolleginnen sind der Meinung, diese Kinder müssten bestraft werden. Sie sollten außerdem lieber in ihrer Freizeit streiken oder zumindest den verpassten Schulstoff Samstags nachholen.
Ich kann solche vereinfachenden Aussagen nicht nachvollziehen. Die Menschheitsgeschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen, hätten sich alle an solche Vorgaben gehalten.
"Streik? Ja, aber bitte nur nach der Arbeit oder am Wochenende, sonst schadet er ja dem Unternehmer!!!"
Die Menschen haben schon immer durch Streiks eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erzwungen. Maßgeblich dabei ist aber, dass es WÄHREND der Arbeitszeit stattfindet. Im Falle der Kinder ist es daher nun mal die Schulzeit.
Ich glaube nicht, dass sich auch nur ein einziger Politiker dafür interessiert hätte, wäre Greta Thunberg samstags vorm Parlamentsgebäude aufgetaucht.
Wenn heutzutage in den Industrienationen irgendwo gestreikt wird, geht es immer um mehr Geld oder um kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt. Ist auch jedem zu gönnen. Aber es geht eben nur ums finanzielle Wohlergehen. Bei diesen Kindern geht es mittlerweile ums Überleben. Da finde ich jedes "Schwänzen" mehr als gerechtfertigt.
Und auch weil es in diesem Thread um die Meinungsfreiheit geht, sollten wir die Kinder unterstützen. Wieso sollten sie ihre Meinung nur zu den uns genehmen Zeiten vortragen dürfen?
Nicky schrieb:
Mir ist klar, dass ich mit dieser Aussage jetzt viele gegen mich aufbringe, aber ich kann sowas auch nicht einfach runter schlucken, nur weil meine Meinung dazu nicht massentauglich ist.
Hier muss ich sagen, dass deine Meinung leider eben doch die "massentaugliche" ist. Ich erlebe es täglich. Es ist die absolute Mehrheit der Meinung, dass die "Fridays for Future"-Kinder lieber in die Schule gehen, als sich in Sachen einmischen sollen, von denen sie nichts verstehen.

Ich denke, der überwiegende Grund für die Ablehnung der FFF-Bewegung ist der, dass sich die Leute einfach keinen Spiegel vorhalten lassen und ihre bequemen Verhaltensmuster nicht ändern möchten. Die Menschen wurden regelrecht aggressiv, weil vor kurzem in der Großstadt Leipzig eine weitere Straße zur Fahrradstraße gemacht wurde. Es ist die fünfte (5!!!) von knapp 3.000 Straßen, in welcher Radfahrer das Privileg genießen, etwas mehr Rechte zu haben als Autofahrer. Und es sind immer kurze Nebenstraßen.
Oder über 80 % der Deutschen wollen NICHT dem Klima zuliebe auf ihre Flugreisen in den Urlaub verzichten. Diese Einstellungen müsste man ja hinterfragen.
Und ich denke, auch bei allen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Interessen, müsste das Erhalten des eigenen Lebensraumes doch Priorität genießen. Aber noch herrscht diese "nach mir die Sintflut"-Mentalität. Was kümmern mich die Probleme der Menschheit von morgen? Ich lebe heute!!!
Ich kann diese Einstellung nicht teilen. Ich habe Kinder und Enkel, welche ich sehr liebe. Und ich hoffe inständig, dass meine Enkel irgendwann die Chance haben, das Gleiche über ihre Enkel zu sagen. Und diese wiederum über ihre ...

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, der das wunderbar wiedergibt. Ich habe ihn gespeichert und würde ihn als Schlusswort hier gern verlinken.

Heike
Es folgte dazu noch ein Beitrag von Nicky:
Nicky hat geschrieben:
So 20. Okt 2019, 13:21
... Mit dem FFF Thema war ich mir ganz sicher, das ich ein Thema auf den Tisch bringe, über das man sehr verschiedener Meinung sein kann. ;-)

Aber mir fällt gerade auf, dass man wenn man sich nicht wirklich gegenüber sitzt und ein richtiges Gespräch führt, leicht missverstanden werden kann, oder man vielen Aussagen nicht direkt ein Argument entgegen bringen kann. Vielleicht auch ein Grund, warum manche Menschen ihre Meinung nicht gerne in einem solchen Rahmen sagen.

Zum Beispiel finde ich Demonstrationen richtig und wichtig. Ich gehe hin und wieder auch selber auf Demos. Allerdings tatsächlich nur, wenn sie an meinen freien Tagen stattfinden. Mein Arbeitgeber kann ja nichts dafür, dass ich z,B, ein klares Zeichen gegen rechts setzen will, wenn ich mit zehntausend anderen durch Hamburg laufe.

Ob das schwänzen bei den FFF Kindern bestraft werden sollte oder nicht, oder ob ich -wenn ich Kinder hätte-, sie schwänzen lassen würde, ist mir im Prinzip egal, weil ich davon nicht betroffen bin. Diese Entscheidung muss jeder für sich selber fällen.

Ich denke aber dennoch, dass man auf ganz einfach Weise mehr bewegen könnte, wenn man sein eigenes Verhalten einfach ändern würde. Ich mach das jetzt einfach mal an mir selber fest. (Ich bin ja kein Ökoschwein dem die Zukunft der Erde egal ist, nur weil ich die FFF Bewegung für Quatsch halte) ;-)
Ich habe kein Auto, fahre ausschließlich mit der Bahn in den Urlaub, nutze "Ökostrom", bin Vegetarier, habe viele Plastikgegenstände z.B. Folien usw durch Wachstücher & Co. ersetzt. usw. Aber trotzdem gibt es auch bei mir noch Umweltbaustellen. So produziere ich immer noch zuviel Müll, nutze zu selten die Unverpacktläden und kaufe mir, wenn ich unterwegs bin meine Getränke oft in Plastikflaschen.

Trotzdem glaube ich, dass wenn jede Familie der FFF Kinder ihr Verhalten genauso ändern würden, viel mehr bewegt werden könnte, als das singen und tanzen Freitags auf der Strasse. ..
Nicole
Heike brachte sich noch einmal in die Diskussion ein:
Eurydike hat geschrieben:
So 20. Okt 2019, 13:48
Eigentlich müssten weltweit alle Arbeitnehmer am Freitag mit den Kindern streiken. DAS würde die Wirtschaftsmächte ins Mark treffen. Innerhalb kürzester Zeit würden klimaerhaltende Maßnahmen ergriffen, nur damit der Rubel wieder rollt. Leider fehlt den Kindern bei ihren Demos der Wirtschaftsfaktor. Aber sie können zumindest die Politiker ein Stück weit wachrütteln. Denn Freitag für Freitag gehen potentielle Neuwähler auf die Straße ...

Heike
Darauf folgte noch eine Reaktion von Marianne:
fille hat geschrieben:
So 20. Okt 2019, 14:50
Hallo zusammen!
Leider fehlt den Kindern bei ihren Demos der Wirtschaftsfaktor.


Meine Meinung ist, dass sie weder der Wirtschaft noch der Schule schaden, sondern sich selbst.

Bildung kostet den Einzelnen in Deutschland nicht viel. Trotzdem bezahlt jemand dafür.
Es könnte gut sein, dass die Eltern demnächst auch streiken. Vielleicht für die
Erhaltung ihres Arbeitsplatzes. Die Zeichen stehen schon auf rauen Wind. Täglich
kann man wieder von Entlassungen in der Zeitung lesen. ...
Liebe Grüße, Marianne
An dieser Stelle brachte auch Gesch seine Meinung ein:
Gesch hat geschrieben:
Mo 21. Okt 2019, 15:09
ich nehme wahr, dass manche sich besser fühlen, wenn sie nach der devise leben, sich um sich selbst zu kümmen und es für wirksamer für z.b. die umwelt oder das klima halten, sich selbst in die pflicht zu nehmen, was das eigene handlungsterrain angeht. an sonsten aber wollen sie offenbar diejenigen uneingeschränkt schalten, walten und machen lassen, die hinreichend bewiesen haben, dass es ihnen dazu am wünschenswerten verantwortungsbewusstsein mangelt.

man kann sich zur optimierung der (selbst)zufriedenheit noch ein kissen aufs sofa nehmen und bei der suche nach dem mainstream, von dem man sich fernhalten will, das fernglas in die hand nehmen.

ich halte das thema noch nicht für erledigt und denke, die risiken, die man hierzulande mit freien meinungsäusserungen eingeht, sind ungleich verteilt, solange rechte terroristen namenslisten mit potentiellen anschlagsopfern führen, die vom verfassungsschutz so unter verschluss gehalten werden, dass selbst diejenigen nichts davon erfahren, die deshalb dort draufstehen, weil sie den rechten wegen ihrer unliebsamer meinungen aufgefallen sind...

da werden klimaschützer als von greta verführte mainstreamfolger belächelt... geht‘s noch? blickt mal auf die zahlen der jugendlichen insgesamt in diesem meinungsfreidigen land der mainstreamer, auch auf die deutsche population und zählt mal die demonstrationsteilnehmer zusammen...

ich nehme den mainstream bei den sofasitzern wahr, die von schulschwänzern faseln, während die jugendlichen freitagsdemonstranten das erlernte zuende denken und ihr erkenntnisse anwenden, wenn auch vielleicht nicht als ausgewiesene fachleute.

aber immerhin wollen sie mit ihrem unterrichtsboykott endlich mal die allein auf die wählerstimmen aus dem breitärschigen mainstream schielenden politiker auf trab bringen, die nicht annähernd so eifrig die notwendigkeit geregelten unterrichts hochhalten, wenn es um den tatsächlichen unterrichtsausfall durch lehrermangel geht. die politiker sollten endlich auf die ausgewiesenen fachleute hören und sich nicht von lobbyisten die pseudowissenschaftlichen expertisen nach ihren meinungen aussuchen lassen.

wer geht mit welchem verhalten, mit welchen meinungen eigentlich welche risiken ein? gibt es morddrohungen gegen mainstreamige sofasitzer? oder polizeieinsätze mit schlagstöcken gegen diejenigen, die sich verächtlich über greta äussern oder über diejenigen, die generationsübergreifend den erhalt einer bewohnbaren erde anmahnen? wo ist der mainstream? hinter den lesern der zeitungen mit den grossen buchstaben, die nur zu gern die hetze für bare münze nehmen und nachplappern, oder bei denjenigen, die bei wind und wetter, egal ob ferien oder nicht, ausdauernd protestieren.

ich bin gleich zu beginn der klimaproteste, als erste fotos von greta zu sehen waren, die jugendliche dazu veranlasst haben, ihr schicksal protestierend selbst in die hand zu nehmen, ausdrücklich von ihnen gebeten worden, den protest der F4F mit meinen liedern zu unterstützen - sicher nicht, weil ich schöne liebeslieder im repertoire habe.

ich bin der bitte inzwischen sehr häufig und gerne mit ziemlichem zeitlichen aufwand nachgekommen und habe über den protest, weil er mir sehr imponiert, klartextlieder verfasst und werde dies weiter tun.

die schulschwänzer-argumentation halte ich für erbärmlich, und das argument, doch erst mal bei sich selbst im kleinen anzufangen, für einen handlungsansatz, der völlig ausblendet, dass die lindners und poschardts (porsche-fahrender chefredakteur der „welt“, der raserei für freiheitsgenuss hält, den es zu verteidigen gelte) dieser welt ohne gesetzliche vorgaben nicht vom gaspedal gehen. gleiches gilt für andere ministerielle „freiheitsverteidiger“ wie z.b. klöckner oder schulze, die aus angst vor stimmenverlusten aus dem
mainstream nicht zu tun wagen, was notwendig ist. und mit auf-dem-sofa-sitzen werden sie kaum einen anderen weg einschlagen, wie er von wissenschaftlern verlangt wird, die von wählern und finanziers unabhängig sind....
herzlich
gerd
Von Skywise kamen auch Impulse für die Diskussion:
Skywise hat geschrieben:
Mo 21. Okt 2019, 15:11
Fridays For Future ... ich finde es mitunter eine Schande, wie angeblich Erwachsene gegen Greta Thunberg wettern oder welche Querverbindungen ihr so alles von dieser Seite unterstellt werden, das geht von den Größen der Wirtschaft bis hin zu den Bilderbergern wirklich einmal quer durch den Katalog. Daß da Wissenschaftler Greta Thunberg und ihren Aussagen zur Seite stehen und diese Aussagen und Prognosen mitunter bedeutend älter sind als Greta Thunberg, scheint in bestimmten Kreisen nicht von Relevanz zu sein.
Abseits von der Person Greta Thunberg stehe ich FFF etwas zwiespältig gegenüber. Ich tu' mich mit FFF ziemlich schwer, weil mitunter gar keine Ziele vorgegeben werden, die zu erreichen sind, teilweise finden sich relativ obskure Aussagen bestimmter FFF-Formationen, und manche Aussagen sind ziemlich überladen oder in der Summe überhaupt nicht während der restlichen Schulzeit der Streikenden zu erledigen, geschweige denn nachzuweisen. Andererseits bekomme ich aber auch mit, daß nicht zuletzt aufgrund von FFF das Interesse an Nachhaltigkeit/nachhaltigen Produkten/nachhaltiger Auftragsvergabe in bestimmten Verwaltungen deutlich angezogen hat und auch im Bereich der Bildung plötzlich ein anderes Gewicht bekommt. Es tut sich also langsam etwas, insofern hat FFF durchaus etwas bewirkt, und ich bin mir sicher, daß auch noch mehr gehen kann. Im Gegensatz zu anderen Vertretern meiner Zunft bin ich der Überzeugung, daß die Hauptverantwortung für einen Umschwung eher beim Verbraucher zu suchen ist und nicht vorrangig bei Politik oder Industrie/Handel; Hilfestellungen und Informationen werden dennoch gerne entgegen genommen. Und ich fänd's schöner, wenn das ein Selbstläufer werden würde und nicht noch weiterhin streikende Jugendliche auf der Straße dafür notwendig wären.

Gruß
Skywise
An dieser Stelle könnte also die Diskussion über die Fridays-for-Future-Bewegung weitergeführt und ergänzt werden....
Zuletzt geändert von migoe am Di 29. Okt 2019, 09:30, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 3371 Wörter
Grund: Zitate zeitlich korrekt eingestellt


Liebe Grüße aus Rothenburg

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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#2

Beitrag von migoe » Di 22. Okt 2019, 21:41

Es ist wirklich ein interessanter Zufall, dass in der Montagsausgabe der örtlichen Tageszeitung am Montag, den 21.10.2019 folgender Artikel als "Aufmacher" erschien:
Zwei Maedels unterwegs in Sachen Klima.jpg
Hier bei uns in Rothenburg gehen nicht Tausende Schüler für F4F auf die Straße, aber diejenigen, die es tun, tun das voller Überzeugung und mit einem genauen Ziel vor Augen.

Wenn ich recht überlege, habe ich das in diesem Alter auch gemacht, aber damals gingen wir gegen Atomkraft und für den Abzug der Atomraketen auf die Straße. Wir waren jung und sind natürlich auch den "Älteren" und "Vorbildern" gefolgt - bei mir war das der damalige Jugenddiakon in unserer Gemeinde, aber trotzdem wußte ich, für welches Ziel ich persönlich demonstriere und ich meinte es auch ernst, obwohl ich persönlich und alleine gar nichts hätte ausrichten können.

Auch wenn es zunächst aussichtslos erscheint, können sehr viele Menschen sehr viel bewegen und verändern, wenn sie ihr Ziel konsequent und engagiert verfolgen.

Ein Satz von Harald Lesch kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an den Klimawandel denke:
Wenn wir aber so weitermachen wie bisher, dann wird die Menschheit mehr oder weniger verschwinden.
Den habe ich aus einem Interview mit dem Sonntagsblatt:

-> https://www.sonntagsblatt.de/artikel/menschen/harald-lesch-der-klimawandel-ist-ausgeforscht-wir-muessen-handeln

Ich bin überzeugt davon, dass mit "wir" nicht alle 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde gemeint sind, sondern vor allem die knapp 830 Millionen Menschen, die in Nordamerika und in Europa leben (also auch wir hier auf dem Liedermacher-Forum) und die ihre eigene Lebensweise auf Kosten von den 7 Milliarden Menschen im Rest der Welt aufrecht halten wollen - das kann sich die Menschheit/der Planet aber bestimmt nicht mehr lange leisten!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Zuletzt geändert von migoe am Di 29. Okt 2019, 09:35, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 302 Wörter
Grund: Einwohnerzahl von Amerika und Europa korrigiert von 500 Mio auf 830 Mio. in 2019


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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#3

Beitrag von Rex2005 » Mi 23. Okt 2019, 08:21

Hallo

wie alle Aktionen hat auch FFF Sachen die dafür und dagegen sprechen. Einerseits rechtlich gesehen die Schulschwänzerei, die politisch nicht korrekt ist. Andererseits werden die Jugendlichen am Freitag oft genug wegen Lehrermangel und Unterrichtsausfall nach 2 Stunden nach Hause geschickt … Dagegen sollten vor allem die Eltern, Erwachsenen, Arbeitgeber etc auf die Straße gehen.

Ich denke es ist wichtig, dass die Jugend durch FFF oder auch bei kleineren Aktionen lernt, dass man (nur) etwas bewegen kann, wenn man sich "real" trifft, nicht nur im Netzwerken. Sie lernen sich zu organisieren auch weltweit. Das es bei FFF im Moment eher allgemein um die Umwelt geht, stört mich dabei nicht. Wenn man zurück denkt an die 68er oder an den Anfang der Grünen - da konnte man ja auch meist nur den Kopf schütteln. Aus der Bewegung werden sich ein paar Köpfe finden, die konkrete Ziele definieren können.

Was ich eher "blöd" finde, ist - dass es die Eltern sind, die sich mit "Parents for future" an die Aktionen "anhängen". Hat für mich den Beigeschmack, dass sie auf die Kids "aufpassen" wollen damit ihnen nichts passiert (was ja irgendwie auch verständlich ist) andererseits nehmen sie ihnen damit die "Idee" weg. Das die Eltern FFF unterstützen ist ja richtig, aber etwas mehr Einfallsreichtum oder Eigenständiges hätte man den Eltern doch zutrauen können ohne dass die Jugend das Gefühl hat: nun lassen die uns schon wieder nicht unser eigenes Ding machen … (wie: nein Kind, ich fahre dich mit dem Auto zur Schule, das ist sicherer... :pfeifen: )

LG
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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#4

Beitrag von fille » Sa 26. Okt 2019, 10:49

Halllo zusammen,
Das die Eltern FFF unterstützen ist ja richtig, aber etwas mehr Einfallsreichtum oder Eigenständiges hätte man den Eltern doch zutrauen können ohne dass die Jugend das Gefühl hat: nun lassen die uns schon wieder nicht unser eigenes Ding machen … (wie: nein Kind, ich fahre dich mit dem Auto zur Schule, das ist sicherer... :pfeifen: )
Heute stand ein kleiner Artikel in der Zeitung:
Demo gegen Eltern-Taxis

Eltern , die ihre Kinder am Freitag mit dem Auto in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) zur Schule gebracht haben, sind von 60 Schülerinnen und Schülern mit Buh-Rufen empfangen worden. Die Gruppe des Gymnasiums, die auch die "Fridays for Future"-Demonstrationen in Penzberg mitorganisiert, wollte die Eltern mit der Aktion dazu aufrufen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Viele der Mitschüler, die per "Eltern-Taxi" gebracht würden, könnten auch zu Fuß, per Rad oder Bus kommen. Zu Diskussionen zwischen Eltern und Demonstranten kam es aber nicht.
Das ist schon das zweite Mal, dass ich von so einer Aktion lese und das finde ich gut! Schade, dass es
zu keiner Diskussion gekommen ist.

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 192 Wörter


There is a crack in everything
That's how the light gets in

Leonard Cohen

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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#5

Beitrag von Petra » Sa 26. Okt 2019, 13:00

Hallo Rex,
Was ich eher "blöd" finde, ist - dass es die Eltern sind, die sich mit "Parents for future" an die Aktionen "anhängen". Hat für mich den Beigeschmack, dass sie auf die Kids "aufpassen" wollen damit ihnen nichts passiert (was ja irgendwie auch verständlich ist) andererseits nehmen sie ihnen damit die "Idee" weg. Das die Eltern FFF unterstützen ist ja richtig, aber etwas mehr Einfallsreichtum oder Eigenständiges hätte man den Eltern doch zutrauen können ohne dass die Jugend das Gefühl hat: nun lassen die uns schon wieder nicht unser eigenes Ding machen …
ich sehe das als Zeichen der Solidarität. Es sind ja auch nicht nur die Eltern. In Leipzig gab es außer 'Parents for future' noch weitere Gruppen wie 'Students for future', 'Seniors for future', 'Scientists for future' und was ich noch vergessen habe, weiß ich nicht, sonst hätte ich es ja nicht vergessen. :roll: Etwas Eigenständiges gab es auch, nämlich 'Extinction rebellion' (Aufstand gegen das Aussterben), die weltweit aktiv sind. Sie setzen auf massenhaften und friedlichen zivilen Ungehorsam.

Viele Grüße von Petra
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wenn man folgendes bedenkt:
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wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#6

Beitrag von amori » Mo 28. Okt 2019, 03:55

Hallo ihr Lieben,
vermutlich ist die Zitierfunktion im 'neuen' Forum einfacher, als ich denke. Ich kriege sie auf jeden Fall nicht hin. :cry:
Aber zum Thema:
Ich stimme Moni und Heike vollinhaltlich zu. Auch ich wäre stolz, wenn meine Tochter als Schülerin an den FFF-Demos hätte teilnehmen können. Selbstverständlich hätte ich sie in jeder Form unterstützt.

Die Schüler-und Schülerinnen pauschal als schulschwänzende Kinder abzuqualifizieren halte ich für grenzwertig. Zum größten Teil handelt es sich schon um Jugendliche, denen wir durchaus eine Meinung zutrauen dürfen. Die Jugendlichen aus meinem Umfeld sind durchaus bestrebt, einen guten Schulabschluss zu bekommen und erstaunlich informiert. Alle anderen schwänzen mit oder ohne FFF die Schule.
Und ja, vermutlich wird Unterrichtsstoff versäumt und vielleicht schafft es nicht jeder, den in seiner Freizeit nachzuholen. Aber bitte! Was kann schlimmeres passieren, als eine Ehrenrunde zu drehen?
Davon wird die Welt nicht untergehen. Die hat nämlich aktuell ganz andere Probleme.

FFF hat schon jetzt etwas bewirkt - viele viele Menschen für eine Thematik zu sensibilisieren, von der unsere Zukunft abhängt. Und wenn schon nicht mehr meine, dann die meines Enkelkindes.
Ja, Marianne, Bildung ist unser höchstes Gut. Aber wenn ich mich umschaue, wie viele hochgebildete Menschen für das Überleben unseres Planeten zuständig sind oder sich zumindest so fühlen, aber den Karren immer weiter vor die Wand fahren, dann frage ich mich, ob man tatsächlich 'NUR mit Bildung die Welt retten kann'? (auch nix für Ungut ;-) )

Lasst euch grüßen von amori
:write:
Zuletzt geändert von amori am Mo 28. Okt 2019, 23:38, insgesamt 4-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 265 Wörter


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Bertolt Brecht

Gegen RECHTS zu sein ist nicht LINKS, sondern LOGISCH.

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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#7

Beitrag von fille » Mo 28. Okt 2019, 17:29

Hallo zusammen,

es ist zwar nicht wichtig, aber ich wollte nur richtigstellen:
Nicht ich habe mit dem Thema Fridays for future den Anfang
gemacht. Ich habe nur auf einen Satz von Moni geantwortet.
Zuerst ging es ja um Meinungsfreiheit.

moni hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 14:04
Oh ja, ich sehe es so, dass man seine Meinung sehr wohl sagen kann.
Gegenwind bekommen, diskutieren, alles kein Problem, auch mit unterschiedlichen Ansichten wieder auseinandergehen, bis zu einem gewissen Punkt auch akzeptabel.
Pöbeln, anschreien, nicht zu Wort kommen lassen, ist keine Meinungsäußerung.
Ich sage heute mehr und deutlicher meine Meinung als noch vor ein paar Jahren. Wobei mir dabei, das im Satz obendrüber in der letzten Zeit oft, zu oft passiert ist. Das lässt mich manchmal fast verzweifeln.
Der Weihnachtsstern, Adventkranz, St. Martin usw. bleibt bei mir und in meiner Kita auch weiterhin unter diesem Namen obwohl wir keine konfessionelle Kita sind. Wir feiern auch einen Gottesdienst vor dem Martinsumzug. Wer dorthin kommt macht es, die Anderen laufen danach beim Umzug, mit Pferd und Reiter, mit.
Dieses ändern der Namen ist absoluter Quatsch. Das verlangt überhaupt niemand.
Da preschen einige Menschen mit gutgemeinten Ideen vor, die am Ende nur zu einem nicht notwendigen, fürchterlichen Aufreger werden. Das wird am besten dann in der B... ausgeschlachtet und Schuldige benannt, die sich über die Namen der christlichen Feste vorher überhaupt keine Gedanken gemacht haben.
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben.
Diese Jugendlichen haben mich persönlich mehr aufgerüttelt als manch eine Information zum Thema.
LG Moni
Ich stimme eher Skywise zu, der das Für und Wieder abwägt und der Meinung ist, dass die
Hauptverantwortung eher beim Verbraucher zu suchen ist:
Ich tu' mich mit FFF ziemlich schwer, weil mitunter gar keine Ziele vorgegeben werden, die zu erreichen sind, teilweise finden sich relativ obskure Aussagen bestimmter FFF-Formationen, und manche Aussagen sind ziemlich überladen oder in der Summe überhaupt nicht während der restlichen Schulzeit der Streikenden zu erledigen, geschweige denn nachzuweisen. Andererseits bekomme ich aber auch mit, daß nicht zuletzt aufgrund von FFF das Interesse an Nachhaltigkeit/nachhaltigen Produkten/nachhaltiger Auftragsvergabe in bestimmten Verwaltungen deutlich angezogen hat und auch im Bereich der Bildung plötzlich ein anderes Gewicht bekommt. Es tut sich also langsam etwas, insofern hat FFF durchaus etwas bewirkt, und ich bin mir sicher, daß auch noch mehr gehen kann. Im Gegensatz zu anderen Vertretern meiner Zunft bin ich der Überzeugung, daß die Hauptverantwortung für einen Umschwung eher beim Verbraucher zu suchen ist und nicht vorrangig bei Politik oder Industrie/Handel; Hilfestellungen und Informationen werden dennoch gerne entgegen genommen. Und ich fänd's schöner, wenn das ein Selbstläufer werden würde und nicht noch weiterhin streikende Jugendliche auf der Straße dafür notwendig wären.
Und somit bin ich raus aus der Diskussion. Habe alles gesagt, was ich dazu zu sagen habe.

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 512 Wörter


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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#8

Beitrag von migoe » Di 29. Okt 2019, 09:25

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben:
Mo 28. Okt 2019, 17:29
es ist zwar nicht wichtig, aber ich wollte nur richtigstellen:
Nicht ich habe mit dem Thema Fridays for future den Anfang
gemacht. Ich habe nur auf einen Satz von Moni geantwortet.
Zuerst ging es ja um Meinungsfreiheit.
Du hast natürlich vollkommen recht, jetzt, wo Du das schreibst und ich das nachvollzogen habe, muss ich Dich als "Erstauslöserin" dieses Themas entlassen und habe meinen ersten Beitrag hier entsprechend geändert. Dein erster Beitrag zu FFF kam nach dem Anstoß von Moni...

Ich finde es schon wichtig, dass Du darauf hinweist und es richtigstellst!

Auch wenn Du für Dich erstmal entschieden hast, hier zu diesem Thema alles gesagt zu haben, so denke ich, es gibt noch genug Gründe und Argumente, sich mit den Themen dieser Bewegung zu beschäftigen.

Dranbleiben!
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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#9

Beitrag von Helmut » Mi 30. Okt 2019, 19:47

Hallo

Ich hab mich aus dieser Diskussion heraus gehalten, weil es so viele Aspekte gibt und ich selbst zerrissen bin.

Als Ex-Lehrer war ich anfangs der Meinung, Schulpflicht ist Pflicht. Andererseits können Studenten auch entscheiden, ob und in welche Vorlesungen sie gehen. Die Schüler müssen die Konsequenzen für ihr Fernbleiben tragen, indem sie sich eigenständig den Stoff aneignen. Als Lehrer hätte ich, falls ich demonstrierende Schüler gehabt hätte, vermieden, Freitags Prüfungen zu schreiben. Wenn es nicht zu vermeiden gewesen wäre, hätte ich auf Anwesenheit gedrungen.

Greta hat es geschafft, dass einem großen Teil der Bevölkerung die Problematik bewusst geworden ist und die Politik das Problem nicht mehr ignorieren kann. Naturgemäß ist Greta keine Wissenschaftlerin, die Lösungen anbieten kann, das verlangen nur Leute, die ihre Leistung klein reden wollen.

Ich befürchte, dass es nicht reicht, wenn jeder 5 kleine Veränderungen bei sich vornimmt. Zur Rettung des Klimas sind im gegenwärtigen Zustand gravierende Veränderungen nötig. Und keiner von uns kann abschätzen, welche Folgen absolute Nachhaltigkeit hat.
- Können wir 8 Milliarden Menschen nachhaltig ernähren?
- Können wir den Energiebedarf regenerativ decken?
- Welche Waren können aus recycelten Rohstoffen produziert werden?
- Wieviel Transport ist noch möglich?
- Mit welchen Mitteln lässt sich das Bevölkerungswachstum umkehren, und wie schaut es dann mit Rente und Pflege aus?
- Welcher Politiker traut sich, den Leuten die nötigen Einschnitte aufs Auge zu drücken? Wie unzufrieden ist die Bevölkerung, wenn ihr Lebensstandard gravierend eingeschränkt wird, gibt es dann noch stabile handlungsfähige Regierungen?

Ach lass mich mal die Heizung um ein halbes Grad herunter drehen.

Helmut
Zuletzt geändert von Helmut am Do 31. Okt 2019, 16:51, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 285 Wörter


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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#10

Beitrag von Skywise » Do 31. Okt 2019, 10:33

Helmut hat geschrieben:
Mi 30. Okt 2019, 19:47
- Können wir 8 Milliarden Menschen nachhaltig ernähren?
bzw. im Verlauf:
- Mit welchen Mitteln lässt sich das Bevölkerungswachstum umkehren, und wie schaut es dann mit Rente und Pflege aus?
Da stelle ich mich auf die Seite derjenigen, die sagen "Das brauchen wir wahrscheinlich gar nicht".
Diese Explosion von Geburtenzahlen ist vor allem zurückzuführen auf das Problem, daß die Familien überleben wollen. Beinhaltet mehr oder weniger zwei Aspekte:
- Die Kindersterblichkeit im jeweiligen Land ist hoch, daher müssen mehr Kinder in die Welt gesetzt werden, um später Nachwuchs zu haben, der das Erwachsenenalter erreicht.
- Diese Kinder sind die Alten- und Krankenversicherung ihrer Eltern, denn vom Staat gibt's diesbezüglich nichts.
Im Kern war das vor 200 Jahren in Mitteleuropa auch noch nicht anders. Daraufhin entwickelte sich das Know-How um Hygiene und Medizin - die Kindersterblichkeit sank - und das Konzept "Rente" und "Versicherung", und so landeten wir bei den heutigen Geburtenraten, und viele andere Nationen, die sich in ähnlicher Weise entwickelten, beobachteten denselben Effekt: gib den Bürgern Medizin und Sicherheit und sie werden älter und fangen den Tag entspannter an, weil sie nicht darüber nachdenken müssen, wer denn mal die Arbeit macht, wenn sie nicht mehr können. Insofern sind Medizin und Sicherheit genau die beiden Elemente, die man in anderen Ländern einführen muß, und dann werden wir höchstwahrscheinlich bemerken, wie auch da die Geburtenraten wieder sinken werden.
- Können wir den Energiebedarf regenerativ decken?
Da würde jeder Forscher aus dem Gebiet "ja" sagen.
Aber jeder würde auch betonen, daß es noch eine Menge zu erforschen und zu optimieren gibt.
- Welche Waren können aus recycelten Rohstoffen produziert werden?
Siehe "Energiebedarf".
- Wieviel Transport ist noch möglich?
Wird wahrscheinlich von der Frage abhängig sein, wieviel Transport noch sinnvoll ist.
- Welcher Politiker traut sich, den Leuten die nötigen Einschnitte aufs Auge zu drücken? Wie unzufrieden ist die Bevölkerung, wenn ihr Lebensstandard gravierend eingeschränkt wird, gibt es dann noch stabile handlungsfähige Regierungen?
Diese "Einschnitte" mögen vielleicht irgendwann mal kommen; im Augenblick wäre ich aber eher daran interessiert, daß man sich über solche Sachen wie Transparenz Gedanken macht, denn so etwas Ähnliches wie Kontrollinstanzen oder Standardisierungen müssen auch irgendwie aus dem Boden gestampft werden, um überhaupt so etwas wie Informationen zu gewinnen und weiterzugeben. So wie heutzutage der Blaue Engel sich als Umweltkennzeichen etabliert hat, bräuchte es noch weitere belastbare Siegel, die auch dem Konsumenten verraten, zu welchen Produkten er bevorzugt greifen sollte, und es bräuchte etwas weiter reichende Informationen zu Herstellungsprozessen und Inhaltsstoffen, damit man eben merkt, was überhaupt alles in einem Produkt verarbeitet, welche Strecke von diesem Artikel oder seinen Einzelteilen im Laufe der Herstellung zurückgelegt und welche arme Sau auf dem Weg von der Plantage oder aus den Laboren zum Verkäuferregal so alles ausgebeutet wurde etc. - und über solche Faktoren wie Korruption oder Gleichberechtigung etc. hab' ich mich an dieser Stelle noch gar nicht ausgelassen :-D
Es gibt schon noch eine Menge zu tun, ehe man über "Einschnitte" sprechen sollte.

Gruß
Skywise
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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#11

Beitrag von Helmut » Do 31. Okt 2019, 12:39

Lieber Skywise
Deiner Beschreibung und deren Ursachen der Bevölkerungsentwicklung von Naturvölkern zu Industrienationen kann ich nur zustimmen. Ein Problem übersiehst du: In den 200 Jahren in denen die Industrienationen zu dem geworden sind, was sie heute sind, hat sich ihre Bevölkerung vervielfacht. Und bis die sogenannten Entwicklungsländer so weit sind, wird ihre Bevölkerung auch sehr stark zunehmen, weil üblicherweise die Geburtenrate der Sterberate um Jahrzehnte hinterher hinkt.

Zu den von dir genannten Faktoren Medizin und Sicherheit hätte ich noch Bildung und Frauenrechte (ergänzt richtigerweise meine Frau) genannt. Da gibt es aber noch 2 Hemmnisse, die mich weniger optimistisch machen: Der Gotteswahn (z.B. Boko Haram) verhindert Aufklärung, Vetternwirtschaft und Korruption sorgen für Aufbegehren.

Wenn sich schon die Ungleichheit der Löhne in Ost und West in 20% für Faschisten äußert, sehe ich die Belastbarkeit der Bürger nicht so optimistisch wie du.

Und wie wird sich die Durchschnittstemperatur ändern, bis deine optimistischen Vorschläge greifen? Soeben höre ich in den Nachrichten, wie weit wir mit unseren Klimazielen entfernt sind. War mein Pessimismus doch nicht so verkehrt?

Trotzdem werde ich mich weiter einzusetzen.

Gruß Helmut
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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#12

Beitrag von Skywise » Do 31. Okt 2019, 15:27

Hallo Helmut,
Helmut hat geschrieben:
Do 31. Okt 2019, 12:39
Deiner Beschreibung und deren Ursachen der Bevölkerungsentwicklung von Naturvölkern zu Industrienationen kann ich nur zustimmen. Ein Problem übersiehst du: In den 200 Jahren in denen die Industrienationen zu dem geworden sind, was sie heute sind, hat sich ihre Bevölkerung vervielfacht.
Das stimmt, aber da sehe ich nun wiederum auch die positiven Folgen der Industrialisierung: man kann vieles optimieren, die Versorgung der Menschen deutlich verbessern. Die Welt ist durchaus in der Lage, mehr Menschen zu ernähren als zu Beginn der Industrialisierung. Nur mit "unendlich" bekommen wir unsere Probleme.
Und bis die sogenannten Entwicklungsländer so weit sind, wird ihre Bevölkerung auch sehr stark zunehmen, weil üblicherweise die Geburtenrate der Sterberate um Jahrzehnte hinterher hinkt.
Ich habe eine Zahl von zehn Millarden gelesen, auf die wir zusteuern und wahrscheinlich noch erreichen werden. Umso wichtiger, möglichst bald die Geschichte anzugehen und vor allem nicht davor die Augen verschließen zu wollen (herzlichste Grüße an alle wahren Freunde der rechten Parteien, die lieber Mauern zwischen den Menschen sehen als helfende Hände - das Problem aussperren wird nicht funktionieren, auch wenn's noch so toll klingt ... spätestens die nächste Generation wird sich dann mit diesem Problem herumschlagen müssen, und das meine ich durchaus wörtlich).
Zu den von dir genannten Faktoren Medizin und Sicherheit hätte ich noch Bildung und Frauenrechte (ergänzt richtigerweise meine Frau) genannt. Da gibt es aber noch 2 Hemmnisse, die mich weniger optimistisch machen: Der Gotteswahn (z.B. Boko Haram) verhindert Aufklärung, Vetternwirtschaft und Korruption sorgen für Aufbegehren.
Frauenrechte ... sagen wir's mal so: ich war von Montag bis Mittwoch auf einer internationalen Tagung zum Thema "Nachhaltige Beschaffung", bei der ebenfalls einige Vertreter aus lateinamerikanischen Ländern und den Subsahara-Staaten anwesend waren. Die Frage nach den sozialen Kriterien wurden dort natürlich auch gestellt, dabei standen die Frauenrechte auf unterschiedliche Weise am Pranger, im Fall der afrikanischen Länder ebenso wie die Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß oder die Bemühungen, die kleineren Betriebe ebenfalls zu unterstützen. Diese Unterschiede Schwarz/Weiß, Arm/Reich, Männlein/Weiblein/Divers fallen für mich inzwischen teilweise auch in den Bereich der Korruption, weil hier kräftig manipuliert wird, indem man irgendwelche Strohmänner bzw. -frauen an bestimmten Orten eines Unternehmens installiert, wo sie zwar tolle Titel tragen, aber keinerlei Entscheidungen treffen dürfen. Gilt auch für andere Bereiche. Irgendwie greift das alles so ein bißchen ineinander.
Bildung ... das ist zwar ein wichtiger Faktor, aber auch ein größeres Problem. Madagaskar war nicht bei der obigen Tagung vertreten, aber ich glaube, da werden meine Quellen halbwegs stimmen: Madagaskar hat das Problem, daß es ein völlig abgeschiedener Markt ist. Dort siedelt keine Sau Industrie an oder baut keinen Handel auf, der nicht darauf ausgelegt ist, die Ware direkt vor Ort wieder loszuwerden, denn de facto kann man sich die Kosten, um die dort hergestellte Ware aufs Festland zu bringen, sparen, indem man direkt auf dem Festland produziert, is' logisch. Konsequenterweise verlassen die Leute, die alt genug sind, die Insel so schnell wie möglich. Man hat also mit Madagaskar eine Insel, auf der zwar irgendwie gut 25 Millionen Einwohner leben, die aber im Schnitt keine 20 Jahre alt sind. Du hast also eine sehr junge Generation, aber keine "im Leben stehenden" älteren Leute, die die jungen bilden können, denn diese Leute leben ja längst auf dem Festland und bilden sich dort weiter. Wie man solchen Extremfällen Bildung rüberreicht, damit sie eine Perspektive auf der Welt haben ... wird bestimmt eine spannende Herausforderung.
Gotteswahn ... ein unsicherer Faktor, da stimme ich Dir zu.
Wenn sich schon die Ungleichheit der Löhne in Ost und West in 20% für Faschisten äußert, sehe ich die Belastbarkeit der Bürger nicht so optimistisch wie du.
Vor ein paar Wochen hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Kollegin aus der Erfurter Stadtverwaltung. Diese hat ziemlich genau das Ergebnis der Thüringer Wahl vorhergesagt, vielleicht mit der Ausnahme, daß die Grünen schlechter abgeschnitten haben als von ihr prognostiziert. Wenn ich mal die Quintessenz formulieren müßte, dann wäre das etwa "Die Leute sind nicht unzufrieden wegen irgendwelcher Lohnungleichheiten, sondern sie sind unzufrieden, weil das für sie zu einer Lebensmaxime geworden ist. Sie sind's nicht anders gewohnt. Sie wollen 40 Jahre Urlaub am Stück bei vollem Lohnausgleich, damit sie in andere Länder fahren und dort unzufrieden sein können über die hohen Temperaturen und den pausenlosen Sonnenschein. Viele Thüringer, die heutzutage öffentlich herumjammern, haben nur noch nicht verstanden, daß sie eigentlich satt sind - und die, die nicht satt sind, sehen nicht ein, warum sie etwas leisten sollen, wenn andere Leute es doch auch offensichtlich ohne Anstrengung schaffen, satt zu werden".
Mal die ganzen Wenns und Abers beiseite, die im Verlauf des Gesprächs noch aufkamen, kann ich mir gut vorstellen, daß man vieles auf das aktuelle Deutschland übertragen kann.
Das Deprimierende ist: eigentlich wissen viel mehr Leute, daß es ihnen durchaus gut geht, als zuzugeben bereit sind. Es ist noch gar nicht so lange her, da hab' ich mich großzügig angeboten, das komplette Hab und Gut eines Menschen inklusive seines Kontostands zu übernehmen, damit er dauerhaft in eine Flüchtlingsunterkunft ziehen und von dem Mammon, der den Flüchtlingen dort seiner Vorstellung nach monatlich ausgehändigt wird, sein Leben nach den dort geltenden Regeln frei gestalten kann. Hätte ich bestimmt auch organisiert bekommen, aber komischerweise wollte er dann plötzlich nicht mehr.
Und wie wird sich die Durchschnittstemperatur ändern, bis deine optimistischen Vorschläge greifen? Soeben höre ich in den Nachrichten, wie weit wir mit unseren Klimazielen entfernt sind. War mein Pessimismus doch nicht so verkehrt?
Sagen wir's mal so: wenn ein Großteil der Prognosen stimmt, die ich seit Anfang des Jahres immer wieder mal vorgesetzt bekomme, dann befinden wir uns schon im roten Bereich. Heißt: wir sind an einer Stelle, an der wir die Kettenreaktionen, die zu einer weiteren deutlichen Verschlechterung des Klimas führen werden (und damit auch zu einem Anstieg der Temperaturen), nicht mehr aufhalten können. Kein Grund, damit aufzuhören, den Treibhauseffekt weiter zu befeuern, klar. In den kommenden Jahren werden wir wahrscheinlich auch noch das Glück haben, eine kleine Eiszeit zu erleben, bedeutet, daß die Erde tagsüber nicht mehr so stark durch die Sonne aufgeheizt wird. Wenn die aufgeheizte Erde die Wärme aber nicht abgehen kann, weil das CO2 in der Atmosphäre im Weg ist, heißt das nicht, daß wir uns wärmer anziehen müssen, aber zumindest bedeutet eine Eiszeit trotzdem eine Art Gnadenfrist. Kommt drauf an, wie wir diese nutzen. Vielleicht kriegen wir doch noch den einen oder anderen Effekt eingefangen, damit's nicht noch schlimmer wird als "schon schlimm genug".
Trotzdem werde ich mich weiter einzusetzen.
:allohol:

Gruß
Skywise
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Re: Über den Sinn oder Unsinn der Fridays for Future Demonstrationen

#13

Beitrag von Helmut » Do 31. Okt 2019, 16:47

Die Welt ist durchaus in der Lage, mehr Menschen zu ernähren als zu Beginn der Industrialisierung.
Die Frage ist, ob sie auch nachhaltig ernährt werden können, d.h. ohne die Ressource (wie die Böden) zu zerstören

zu Frauenrechte ...
Ich habe sie deshalb (nachträglich) aufgenommen, weil Geburtenkontrolle dort besser funktioniert, wo Frauen emanzipierter sind. Außerdem sind Frauen die Leidtragenden der Konflikte und deshalb ist ihnen Frieden wichtiger als Rache.

Zur Wahl in Thüringen:
Die Bürger der neuen Bundesländer hatten 1990 die gleiche Ausgangssituation wie die Polen oder Ungarn. Wenn sie sich nun mit den Polen oder Ungarn vergleichen würden, wüssten sie, was der Westen geleistet hat. Ich höre immer gleiche Löhne. Ich hab noch nie gehört, dass gleichen Mieten gefordert werden. Und dass ein Asylbewerberheim in der Gemeinde eine Konjunkturspritze für die Region ist (Umbau, Versorgung), hat sich dort auch noch nicht herumgesprochen. Lieber wollen diese Typen das Geld ohne Anstrengung. Welcher Betrieb ist bereit, im Osten zu investieren, wenn das die potentiellen Mitarbeiter sind? Eigentlich wären ja niedrige Löhne und Bodenpreise ein guter Standortfaktor für neue Betriebe.
Dieser Beitrag enthält 196 Wörter


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