Liebe Tina !
Ich denke, daß dieser Thread (den Du amüsanterweise als "Faden" bezeichnest) von der Argumentation her hier jetzt ziemlich ausgereizt ist, und ich werde es mir (und Dir und den vielen anderen hier) ersparen, weiterhin auf das Thema einzugehen. Bevor ich mich jedoch einer diesbezüglichen Enthaltsamkeit befleißige, muß ich dann doch nochmal Stellung beziehen. Nun denn:
Wie langweilig wäre denn das, wenn wir alle ständig einer Meinung wären?
Eben ! Und bei diesem Thema sind wir unterschiedlicher Ansicht. Punktum ! Du hast sicher bemerkt, daß ich Deine Argumente im Wesentlichen nicht nachvollziehen kann und zu anderen Schlußfolgerungen gelange. Lassen wir es dabei bewenden und reden wir von anderem - wie wäre es mit dem Wetter ?
Hm, möchtest Du damit zum Ausdruck bringen, daß man auf Dinge, die einem negativ (oder sagen wir zumindest "unschön") auffallen, nicht mehr aufmerksam machen und sie zu ändern versuchen soll???
Nein, überhaupt nicht. Vielleicht setze ich nur andere Prioritäten als Du ? :frage:
Also lieber die Klappe halten, nach Entschuldigungen à la "ändern kannste ja eh nix" suchen und schlußendlich resignieren?
Klinge ich resignativ ? Oooops, das sollte dann nicht sein. Im Übrigen suche ich nicht nach "Entschuldigungen", sondern nach Argumenten. Und ändern kann in diesem Zusammenhang nur jeder Einzelne bei sich etwas, entsprechendes Wollen vorausgesetzt. Ich bügle Dein Anliegen ja auch nicht ab und gestehe Dir selbstverständlich zu, daß Du etwas zu ändern versuchst. Nur erinnert mich Dein Einsatz ein ganz klein wenig an Don Quichotte, was wiederum keinesfalls bös gemeint ist.
Ich bin ganz bestimmt ein Mensch, der anderen seine Meinungen und Freiheiten läßt, insofern stimme ich Dir zu, daß jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Doch irgendwo sind dem, spätestens dann, wenn das Gemeinwohl in Frage steht, meines Erachtens Grenzen gesetzt.
Siehst Du, das meine ich: wenn Du sagst, daß "Gemeinwohl sei in Frage gestellt", dann denke ich, daß Du das alles ein wenig zu hoch hängst. Das Gemeinwohl gerät angesichts einer Terror- Bedrohung in Gefahr, sicherlich aber nicht bei irgendwelchen sprachlichen Entgleisungen, so ärgerlich sie auch sein mögen.
Nee, Du, wenn Du das für Dich so handhaben möchtest, steht Dir das frei, mein Ding isses jedenfalls nicht.
Ja, genauso möchte ich es, für mich persönlich, handhaben. Und ich erwarte, daß man das auch respektiert.
Dabei versuche ich allerdings einen Weg zu wählen, der nicht von Verbissenheit strotzt...
Nimm´s mir nicht übel, das kam bisher bei mir aber ein wenig anders an.
...sondern ich möchte versuchen, andere Menschen für eine Sache zu gewinnen...
Das klappt aber nur, wenn man die von mir bei Dir (vielleicht ja wirklich fälschlicherweise) vermutete Verbissenheit ablegt und zu erkennen gibt, daß man alles nicht gar "so eng" sieht.
Inwiefern sich allerdings Menschen drauf einlassen wollen, das bleibt allein ihnen überlassen.
Na ja, wie weiter oben schon gesagt: gottlob ist dem so.
Hoppla, gründlich mißverstanden hast Du mich, lieber Andreas. Gut, ich hätte es der Deutlichkeit halber wahrscheinlich noch einmal explizit erwähnen sollen, aber selbstverständlich spreche ich nicht nur für Deutschland, sondern für den gesamten deutschsprachrigen Raum.
OK, das ist jetzt deutlich angekommen und wird von mir so auch gern akzeptiert.
Nichts für ungut, aber mir scheint, Du hast Dich mit unserem Anliegen bzw. unseren Aussagen noch nicht ganz gründlich befaßt und auch einige meiner Aussagen in diesem Faden "geflissentlich übersehen" (so z. B. zur mangelnden Sprachfähigkeit vieler Jugendlicher und deren Ursachen).
Ich habe mich in letzter Zeit selten mit einem Thema derart vertraut gemacht wie mit diesem, einfach aus dem Grund heraus, weil es mich interessiert. Und ich laste die "mangelnde Sprachfähigkeit" weiterhin einer desolaten Schulpolitik an, denn in der Schule liegt nun einmal die Hauptverantwortung für sinnvolle Sprachvermittlung. Denn wie sollen Eltern, die es selber nicht besser gelernt haben, entsprechende Anleitungen weitergeben ?
Zum Abschluß erlaube ich mir noch eine direkte, indiskrete Frage (ob Du sie beantworten magst, bleibt natürlich Dir überlassen, ich könnte ja nachvollziehen, wenn Du Dich nicht offenbaren wolltest): Hast Du im Gästebuch der Initiative den letzten Beitrag hinterlassen, in welchem von einer "nutzlos vergeudeten Energie" gesprochen wird?
Wenngleich ich nicht weiß, inwiefern die Frage indiskret sein könnte, dennoch eine Antwort: Ja, der Eintrag (oder besser: die Einträge) sind von mir. Sie geben meine ureigenste Überzeugung wieder.
Diese Bemerkung hinterläßt nämlich bei mir ein ganz arges Bauchgrummeln...
Das tut mir Leid, ist aber dann nicht zu ändern.
...es sich dabei um ein wirklich plattes, undurchdachtes und unfaires Totschlagargument handelt.
Inwiefern ? "Platt" (vielleicht besser: polemisch) ist es sicherlich. "Undurchdacht" ? Das könnte mich kränken, tut es aber nicht. Ich weiß ja, daß ich mich mit diesem Thema hinreichend auseinandergesetzt habe. "Totschlagargument" ? Das kann man von jeder Einlassung behaupten, insofern ist dieser Vorwurf sicherlich viel eher zum "totschlagen" geeignet als meine Meinung.

Und "unfair" ? Das verstehe ich auch nach längerem Nachdenken nicht, tut mir Leid. Unter "unfair" verstehe ich etwas anderes.
Nachdem ich mich mit diesem Themenkomplex befaßt habe, habe ich in einem Forum, das von Eurer Initiative verlinkt (oder sollte ich besser sagen: verweist ???) wurde, die folgenden Postings gefunden, die ich einmal der "Foren- Allgemeinheit" hier zur Kenntnis bringen möchte:
FRAGE: Welche ist unter den Sprachen, die Sie kennen, diejenige, die im Lauf ihrer Geschichte mit Abstand die meisten Fremdwörter aufgenommen hat?
…..
ANTWORT: Englisch.
Ungefähr die Hälfte des englischen Wortschatzes ist allein französischen (und lateinischen) Ursprungs, darunter so alltägliche Wörter wie second 'zweiter', city 'Stadt', dinner 'Abendessen', tailor 'Schneider' usw.
Aus dem Dänischen kommen so wichtige Wörter wie they 'sie', law 'Gesetz', husband 'Ehemann', birth 'Geburt', sky 'Himmel', happy 'froh', die 'sterben', want 'wollen' usw.
Außerdem hat das Englische eine Menge niederländischer und niederdeutscher Entlehnungen und natürlich all die anderen Fremdwörter, die wir zum Teil auch im Deutschen kennen.
Diesem Umstand verdankt das Englische es, dass es gemeinhin als die Sprache mit dem reichsten Wortschatz gilt.
Trotzdem ist Englisch immer noch nicht ausgestorben...
Und, im selben Zusammenhang:
...mein Hinweis war nicht an Sie persönlich gerichtet. Ich habe auch unter meinen Studenten erlebt, wie verbreitet der Glaube ist, Fremdwörter seien grundsätzlich schädlich.
>>>Christiane Hendriksen hat folgendes geschrieben:
Wobei ebenfalls die Sinnhaftigkeit des Wortes Laptop, wörtlich Schoßspitze, dahingestellt sei.
Nicht ganz, -top nennt man auch etwas, was man irgendwo draufstellen kann, so heißt eine verbreitete Form des PCs desktop, also 'was man auf den Schreibtisch stellen kann', ebenso laptop 'was man auf den Schoß stellen kann'. Die kleinste Form des Computers heißt palmtop 'was man auf die Handfläche stellen kann'. Sinn macht das schon.
Auch ich finde es albern, von News statt Neuigkeiten oder Shops statt Geschäften zu reden. Dabei sollte man es aber auch belassen. Es ist eine alberne Mode, und darüber darf man gern lachen. Zum Weinen besteht kein Anlass, denn es hat zu jedem Zeitpunkt der Sprachentwicklung immer viel mehr Fremdwörter im Gebrauch gegeben, als dann später überlebten, und puristische Verteidigungskämpfe haben noch nie irgendetwas an der Tatsache geändert, dass manche Fremdwörter einen festen Platz im Deutschen erhalten und andere ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind.
Übrigens hat man auch viele französische Fremdwörter im Englischen aus purer Mode übernommen, einfach weil man es schick fand. Natürlich kannten die Angelsachsen auch schon Kalbfleisch, bevor Wilhelm der Eroberer bei ihnen auftauchte. Aber die Normannen waren reicher und wussten Kalbfleisch viel besser zuzubereiten. Also wurde es schick, dies nicht mit dem englischen Wort zu bezeichnen, sondern das französische dafür zu verwenden: bœuf. Natürlich heißt das Kalb nach wie vor calf, und man könnte auch das 'schöne englische Wort' calf-meat benutzen, keine Frage. Aber das französische Wort ist kürzer und wird heute auch von niemandem mehr als fremd wahrgenommen: beef.
Was die Wissenschaft betrifft, so muss man einfach anerkennen, dass das Englische heute die Funktion hat, die bis ins 19. Jahrhundert das Latein hatte: Auf jeder internationalen Konferenz ist Englisch die Sprache, die alle verstehen. (Schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil hat man gemerkt, dass man dies wegen der Kardinäle aus Südamerika, Afrika und Asien nicht mehr auf Latein abhalten kann, und hat deshalb Englisch gesprochen.) Dass aus dieser internationalen Kommunikation dann auch mal ein paar Wörter 'hängen bleiben' und auch im Deutschen benutzt werden, ist wohl verständlich und auch nicht weiter schlimm. Was wäre eigentlich das 'deutsche' Wort für review? Rezension. Das wiederum entstammt der Sprache, die vor dem Englischen internationale Sprache der Wissenschaft war.
Liebe Grüße!
Diese Beiträge, die offensichtlich von einem Professor geschrieben wurden, zeigen noch einmal in aller Deutlichkeit das auf, was auch ich hier aussagen wollte. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Und damit werde ich mich dann hier, aus den Eingangs erwähnten Gründen, zurückhalten. Eine weitere Diskussion würde sicherlich keine neuen Erkenntnisse mehr bringen.
Viele liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.
(...der betont, daß er das Thema auch weiterhin verfolgen wird, es aber zumindest HIER nicht mehr weiterführen mag...)