"Rolling Stone"-Redakteur erklärt "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" zum besten Wecker Song

Das Musik Magazin "Rolling Stone" erklärt in der Rubrik "Die besten Songs aller Zeiten" und nimmt in dieser Liste das Lied "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" von Konstantin Wecker auf. Leider wird diese Entscheidung nicht wirklich erklärt und deshalb wirkt der Artikel wie Clickbaiting...

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"Rolling Stone"-Redakteur erklärt "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" zum besten Wecker Song

#1

Beitrag von migoe »

Das Lied mit dem Titel "
Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
" bezeichnet der "Rolling Stone"-Redakteur Maik Brüggemeyer als "schönsten Song" von Konstantin Wecker und erklärt in einem Artikel auf der Webseite des Magazins warum er das so sieht.
► Spoiler anzeigen
Erstmals veröffentlicht wurde das Lied auf dem Album Weckerleuchten das 1976 bei Polydor erschienen ist. Dieses Lied ist damit gerade mal ein Jahr jünger als ich und damit wurde es ja wirklich auch Zeit, dass es diese Würdigung bekommt. :-D
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Naja, zumindest wurde ich durch die Headline Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Konstantin Wecker – „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ neugierig gemacht auf die Begründung dafür, warum gerade dieses Lied von Wecker diese "Würdigung" verliehen bekommen hat. Nicht falsch verstehen, ich mag das Lied recht gern und kann verstehen, wenn es auch anderen so geht. Was Maik Brüggemeyer mir aber in diesem dünnen Text als Begründung serviert, hat mich aber doch zuerst überrascht und dann verärgert, denn er geht in seinem "Lob" überhaupt nicht darauf ein, warum genau er diesen Song als "den besten deutschen Song aller Zeiten" von Konstantin Wecker sieht.

Zum Künstler schreibt er:
Selbst Zeitgenossen, die dem Treiben der Siebziger-Liedermacher einigermaßen aufgeschlossen gegenüberstehen, geraten bei Konstantin Wecker mitunter arg ins Grimassieren: zu viel Schwulst, zu viele Bilder, zu barock, zu prall, zu viel rollendes R.
Kann man so sehen und würde ich nicht kritisieren. Doch dann legt er hier eine weitere und, wie ich finde, eigenartige Beschreibung über den Künstler ab:
Wecker ist der Toscana-Fraktionär unter den Liedermachern, der Klaus Maria Brandauer des Piano-Pop; seine Exzesse und Skandale verliehen ihm zudem eine sympathische Unseriosität, wie man sie bei seinen Kollegen vergeblich suchte.
Ich gehöre nicht zu den Stammlesern des Rolling Stone Magazins und deshalb fehlt mir vielleicht einfach der Hintergrund, um solche Vergleiche und Zuordnungen zu verstehen. Was ist denn ein "Toscana-Fraktionär"? Was hat Klaus Maria Brandauer in diesem Text zu suchen und warum sollte nur Konstantin Wecker "sympathisch unseriös" sein - mir fällt hier mindestens noch
ein weiterer Künstler ein
...aber ich will nicht ablenken.

In einem kurzen Satz erklärt der Autor noch, dass diese Zeile
„Wenn der Sommer nicht mehr weit ist, weiß ich, dass das meine Zeit ist/ Weil die Welt dann wie ein Weib ist/ Und die Lust schmeckt nicht mehr schal.“
in dieser Form heute nicht mehr getextet werden könnte - freilich ohne Erläuterung, wie er darauf kommt und was diesen Text so besonders macht. Das darauf folgende Fazit zum Song:
Eine denkwürdige Darbietung, die am Ende des Sommers noch wehmütiger klingt.
kam für mich völlig überraschend und ich dachte zuerst, der Text würde weitergehen und wäre hinter einer Paywall versteckt, aber leider war es das wirklich und der Artikel ist an dieser Stelle zu Ende :weissnicht:

Tja, nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, ist mir bewusst geworden, warum ich mich bisher nicht besonders für dieses Musik-Magazin interessiert habe...

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, welches Lied von Konstantin Wecker für Euch der "BESTE SONG ALLER ZEITEN" ist. Ich persönlich finde "Was passierte in den Jahren" passender.
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Viktor
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#2

Beitrag von Viktor »

Hallo Migoe,

danke, dass du den Rolling-Stone-Artikel schon so schön zerlegt hast, dann muss ich es nicht mehr tun :-D
Du hast natürlich recht: Aussagen wie "könnte man so heute nicht mehr Texten" - das klingt wichtig, aber ist inhaltsleer.
migoe hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 17:56
Was ist denn ein "Toscana-Fraktionär"?
Du fragst wahrscheinlich eher rhetorisch, aber darauf gibt's tatsächlich eine Antwort, denn es ist keine Wortschöpfung des Rolling-Stone-Autors. Bis vor ein paar Monaten wusste ich es auch nicht, aber habe es damals nachgeschlagen. Ist offenbar eine Art abwertender Begriff für linke Genussmensch-Politiker, der mal in den 1990ern benutzt wurde, siehe Wikipedia-Artikel 'Toskana-Fraktion'.

'Wenn der Sommer...' ist schon ein toller Song und, wie ich finde, auch irgendwie typisch Wecker: Musikalisch irgendwie eingängig, aber nimmt doch viele wilde Schlenker bei enormen sanft/kraftvoll-Schwankungen; textlich irgendwie intuitiv verständlich, aber doch irgendwie bildreich und kryptisch. Ich mag es - aber das beste?
Wenn jemand einen der beliebtesten Songs ausgerechnet als den besten kürt, bleibt bei mir der Verdacht nicht aus, dass die Person evtl. gar nicht so viel vom Werk des Künstlers kennt. Aber vielleicht ist ja Reinhard Meys bester Song wirklich 'Über den Wolken' und Johnny Cashs 'Ring of Fire' und Jacques Brels 'Amsterdam' und so weiter :-D
migoe hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 17:56
In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, welches Lied von Konstantin Wecker für Euch der "BESTE SONG ALLER ZEITEN" ist.
Zu schwierig diese Frage! Ich würde auch meine eigene Meinung nie so hochhalten und vom "besten" sprechen, aber gehe jetzt mal auf die Allzeit-Favoriten-Schiene...
Mit 'Was passierte in den Jahren' lieferst du jedenfalls einen guten Vorschlag. Das liebe ich auch sehr, mochte es vom ersten Hören an, aber es fühlt sich gar nicht so Wecker-typisch an, fast als könnte es auch von einem anderen Liedermacher sein. Eignet sich gut, um jemanden seicht an Wecker ranzuführen, finde ich, ha. Nur für meinen persönlichen Nr. 1 Wecker-Song würde ich doch irgendwie ein Lied haben wollen, das paradigmatisch für genau das stehen kann, was ich an ihm im Speziellen mag.

Ein ähnlich wie 'Wenn der Sommer...' sehr beliebtes Lied, das ich persönlich für den schöneren der beiden "Hits" halte, ist auf jeden Fall 'Genug ist nicht genug'. Auch eingängig mit musikalisch unberechenbaren Passagen, meist tolle Cello-Melodien dabei und textlich eine ganz tolle Stimmung vermittelnd; meine Lieblingspassage:
Ich sitz regungslos am Fenster, ein paar Marktfraun fangen sich ein Lächeln ein
Irgendwo da draußen pulst es, und ich hab es satt, ein Abziehbild zu sein
Nichts wie runter auf die Straße und dann renn ich jungen Hunden hinterher
An den Häusern klebt der Sommer und die U-Bahnschächte atmen schwer
Aber ich glaube, ich denke auch noch zu sehr in Richtung der populären Song. Wenn ich tief in mich gehe, ist mein Lieblings-Wecker-Song wahrscheinlich ein total durchgeknalltes wie 'Es ist schon in Ordnung' oder ein kleines zartes wie 'Vom Weinstock und den Reben'.

Aber wie gesagt: Die Frage ist zu schwierig!

Schöne Grüße
Viktor
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#3

Beitrag von migoe »

Hallo Viktor,
Viktor hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 18:56
Du fragst wahrscheinlich eher rhetorisch, aber darauf gibt's tatsächlich eine Antwort, denn es ist keine Wortschöpfung des Rolling-Stone-Autors.
ich kannte den Begriff nicht und nachdem ich das jetzt weiß, bin ich nicht schlauer als vorher. Wenn ich Politiker wäre oder Künstler, könnte ich mich dieser Fraktion anschließen. In den letzten 10 Jahren war ich mit meiner Familie mindestens 5x in der Toskana im Urlaub :hahaha:
Viktor hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 18:56
Wenn jemand einen der beliebtesten Songs ausgerechnet als den besten kürt, bleibt bei mir der Verdacht nicht aus, dass die Person evtl. gar nicht so viel vom Werk des Künstlers kennt.
Diesen Verdacht hatte ich auch, aber ehrlich gesagt bin ich in der Frage um die Kenntnis des gesamten Werkes von Konstantin Wecker nicht besonders kompetent. Es könnte also durchaus sein, dass ich einfach zu wenig Ahnung habe, um mitreden zu können.

Bei der Frage nach dem "besten Song" kann es doch eigentlich gar keine objektive gültige Antwort geben, denn es liegt halt im Auge des Betrachters.
Viktor hat geschrieben:
Mo 29. Jun 2020, 18:56
für meinen persönlichen Nr. 1 Wecker-Song würde ich doch irgendwie ein Lied haben wollen, das paradigmatisch für genau das stehen kann, was ich an ihm im Speziellen mag.
Korrekt :sekt:
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