Mal wieder ins Kino? "Halleluja: Leonard Cohen. A Journey. A Song" startete am 17.11.22 in deutschen Kinos

Die Dokumentation verknüpft die Biografie des Songwriters mit der faszinierenden Geschichte eines der wichtigsten und be

Leonard Norman Cohen [lɛnərd ˈkoʊən], (geboren am 21. September 1934 in Westmount; gestorben am 7. November 2016 in Los Angeles) war ein kanadischer Singer-Songwriter, Schriftsteller, Dichter und Maler. Seine melancholisch gefärbten, poetischen Songs wurden von zahlreichen Künstlern gecovert. Zu den bekanntesten Liedern zählen The Partisan, Suzanne, Famous Blue Raincoat, Bird on the Wire und So Long, Marianne zu Beginn seiner Karriere sowie in den 1980er Jahren First We Take Manhattan und Hallelujah. In seinem musikalischen Werk werden existenzielle Fragen zu Liebe, Freundschaft, Lebenssinn, menschlichem Leid, Tod und Spiritualität thematisiert. Cohen erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter neun Juno Awards, den Order of Canada, den Ordre national du Québec sowie den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur und 2015 den Preis der deutschen Schallplattenkritik im Bereich Pop, Rock und Jazz für sein Lebenswerk. 1991 wurde er in die Canadian Songwriters Hall of Fame, 2006 in die Canadian Music Hall of Fame und 2008 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. 2018 wurde Leonard Cohen posthum ein Grammy verliehen.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.11.2022| Foto ©by User: Rama auf commons.wikipedia.org
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Mal wieder ins Kino? "Halleluja: Leonard Cohen. A Journey. A Song" startete am 17.11.22 in deutschen Kinos

#1

Beitrag von migoe »

Ich werde heute Abend ins Kino gehen - zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona Pandemie. Der Film:
Kinoplakat Deutschland
Hallelujah-Leonard-Cohen-A-Journey-A-Song.jpg
Worum geht es?
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Habe dazu eine kurze Rezension auf Radio NDR Kultur gehört. Ein paar Presseberichte habe ich ebenfalls dazu gefunden, z.B. bei der TAZ dem Münchener Merkur oder auch film.at und werde mir heute selbst ein Bild von der Dokumentation machen.

Ein Kinofilm, der sich in Form einer Dokumentation mit der Entstehungsgeschichte EINES Liedes EINES Künstlers widmet, gab es so vermutlich auch noch nicht. Bin sehr gespannt und werde eventuell noch eine eigene "Rezension" dazu schreiben. Mal schauen.

Es ist gar nicht so einfach, hier auf "dem Land" in Westmittelfranken ein Kino zu finden, wo der Film läuft. Nürnberg/Fürth (hin und zurück ca. 200 km) sind zu weit weg und mangels 9-Euro-Ticket, kommt eine so weite Zugfahrt auch nicht in Frage, weil sich der finanzielle Aufwand und die umwelttechnische Belastung ja auch irgendwie die Waage halten sollen. Werde also mit dem Auto (zu zweit) nach Würzburg fahren (hin und zurück: 120 km). Der Grund, warum wir nicht mit dem Zug fahren ist, dass wir zwar hinkommen, aber nicht zurück, weil zwar von Würzburg auch nach 22.30 Uhr Züge abfahren, aber in Rothenburg keine Züge mehr ab 23.00 Uhr ankommen und wir dann auf dem Bahnhof Steinach übernachten könnten ... naja, grundsätzlich könnten wir die letzten 12 km auch laufen :blabla:
... aber lassen wir das, hat nix mit dem Film zu tun ...

Will sich noch jemand den Film anschauen? War vielleicht schon jemand "drin" und hat nur "vergessen", uns hier darüber zu berichten :ablehnen:

Was mir erst heute so richtig bewusst wurde: dieses Lied hatte es von Anfang an schwer und Leonard Cohen musste sehr darum kämpfen, dass es überhaupt auf die Platte Various Positions veröffentlicht werden konnte, wie ich aus der Wikipedia entnehmen kann. Der Künstler hat sich mit diesem Lied auch sehr intensiv mit biblischen Motiven auseinandergesetzt:
Wikipedia.de - Zitat:
Der Text der ursprünglichen Version von Various Positions beginnt mit Verweisen auf König David aus dem Alten Testament. Dabei wird die Melodie des Liedes mit einer anderen in Verbindung gebracht, die dieser auf der Harfe für Gott spielte. Die zweite Strophe bezieht sich auf die Erzählung von Batseba (2 Sam 11 EU). Im weiteren Verlauf wird auch “the name” (siehe auch HaSchem), das Tetragrammaton des Judentums, erwähnt. Der Refrain besteht jeweils aus mehrfacher Wiederholung des Wortes Hallelujah.
Mir fällt dazu die (aus meiner Sicht) hörenswerte Folge Das Schäfchen des Anderen der ebenfalls empfehlenswerten ZEIT-Podcast-Serie Unter Pfarrerstöchtern
Der Podcast "Unter Pfarrerstöchtern"
Screenshot-ZEIT-Podcast-Unter-Pfarrerstöchtern.jpg
Was sagen die Damen selbst zu ihrem "Schätzchen"? - Zitat:
Wie einsam war Gott vor der Schöpfung? Warum aß Eva vom verbotenen Apfel? Und was hat die Sintflut mit dem Klimawandel zu tun? Die Schwestern Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT, und Johanna Haberer, Theologieprofessorin, sprechen über die Bibel. Sie erzählen all jene Geschichten, mit denen sie als Pfarrerstöchter aufgewachsen sind – und räumen dabei auf mit Kitsch und Klischees. Und sie fragen: Was sagen uns die uralten Mythen der Bibel heute? „Unter Pfarrerstöchtern“ will niemanden bekehren, sondern erzählen und zum Nachdenken anregen: Was steht eigentlich drin im Buch der Bücher, das seit Jahrtausenden die Weltgeschichte prägt?

Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.
Ich habe bisher jede einzelne Folge dieses überaus unterhaltsamen Dialogs zwischen den beiden Pfarrerstöchtern (sie sind Schwestern und Töchter eines Pfarrers, was sie aber nicht automatisch zu Misionaren macht ;-) ) gehört, teilweise sogar mehrfach und bin ziemlich nah an der Einstellung von Sabine Rückert, was die Geschichten aus der Bibel und der dahinterstehenden "Ideologien" angeht.
Achtung: (nur) meine Meinung: die Bibel ist...
... kein Buch über "Gott", sondern erzählt ganz menschliche Geschichten, wie sie auch heute noch geschehen und zeigt demjenigen, der sich detailliert damit beschäftigt, wie die dort hinerlegte Weltanschauung über Jahrhunderte die moralischen Vorstellungen der Gesellschaft(en) geprägt hat und immer noch prägt. Es ist wenig "heilig" in diesen Geschichten und sehr viel Doppelmoral, Frauen- und Minderheitenfeindlichkeit darin dokumentiert. Wer die Machenschaften der sogenannten "christlichen" Parteien in Deutschland ansieht, findet eigentlich alles das wieder, was die Bibel aus alten Zeiten archiviert hat :wart: nur leider ist EBEN DAS das Problem :wand:

P.S. Trotzdem arbeite ich (mittlerweile) gerne bei einer kirchlichen Organisation (Diakoneo) und gehe gerne in Gottesdienste und denke häufig über "Gott & die Welt" nach...
Beim Lesen dieses Absatzes im Wikipedia Eintrag musste ich schmunzeln:
Wikipedia.de - Zitat:
Eine Besonderheit des Songs ist, dass innerhalb des Textes auf die Harmonien des Liedes verwiesen wird: “It goes like this (Tonika), the fourth (Subdominante), the fifth (Dominante), the minor fall (parallelle Molltonart), and the major lift”: C, F, G, Am, F.
weil ich an einen Kommentar von @Marc im Thema zu den 3 Büchern über Reinhard Mey 2022... denken musste, der schrieb:
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Michael Schneider macht – meiner Meinung nach – den grundsätzlichen Fehler, dass er Reinhards Lieder anhand der Studio-Arrangements zu analysieren und zu erklären versucht und sich in musikalischen Details verliert, die Musiktheoretiker beeindrucken dürften, letztlich aber den Liedern ihren Zauber nehmen. Ein Lied, das mich immer sehr bewegt hat, ist zum Beispiel „Das Meer“. Michael Schneider beschreibt es so: „Das Stück kippt von der Molltonart e in die Durtonart E: Es ist das Schreiten vom Dunkel ins Licht. Und gegen Ende des Refrains […] wird die Melodieführung mit Terzen, Sexten, Quarten erweitert, was den hymnisch jubilierenden Charakter dieses Liedabschnittes zusätzlich verstärkt“ (S. 28-29).
Ob dieser Teil des Wikipedia Eintrags auch von Michael Schneider geschrieben wurde :flüchten:

Ich habe mich gewundert, dass sich Halleluja trotz seines kritischen Textes zu DEM klassischen "Liebes- und Loblied" entwickelt hat. In diesem Abschnitt in dem Wikipedia Artikel wird das aber sehr schlüssig erklärt:
Wikipedia.de - Zitat:
In der Live-Version von 1994, die sich auch auf More Best of Leonard Cohen von 1997 findet, fehlen die expliziten Bibelverweise. Nur die letzte Strophe wurde in leicht veränderter Formulierung übernommen (“I’ll stand before the Lord of Song / With nothing on my tongue but Hallelujah” wurde zu “I’ll stand right here before the Lord of Song / With nothing on my lips but Hallelujah”). Der Rest dieses neuen Textes beschäftigt sich eher mit der Beziehung zwischen dem Sänger und einer Geliebten.
Naja, und scheinbar war auch "Shrek" am weltweiten Erfolg beteiligt
film.at - Zitat:
Als dann im Film "Shrek" eine ganz eigene, "gereinigte" Textversion des Songs auftauchte, war dessen Erfolg nicht mehr zu bremsen: "Hallelujah" wurde zum Dauerbrenner in unzähligen Talentshows, auf Hochzeiten und bei Trauerfeierlichkeiten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
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Warum nicht, so läuft es halt manchmal im Leben :zunge: im Film wurde der originale Text verwendet, aber darauf hat wohl niemand geachtet, Bilder haben wohl auch einen großen Einfluss darauf, wie Liedtexte verstanden werden können ;-)
Originaltext (erste Version auf Platte) und deutsche Übersetzung
Hallelujah

Ich hörte von einem geheimnisvollen Akkord
Now, I've heard there was a secret chord
David spielte ihn und er gefiel dem Herrn
That David played and it pleased the Lord
Aber du machst dir ja nichts aus Musik, oder?
But you don't really care for music, do you?
So geht es etwa: Die Quarte, die Quinte
It goes like this: the fourth, the fifth
Die traurige Wendung zu "Moll", die fröhliche Wendung zu "Dur"
The minor fall, the major lift
Der verblüffte König komponierte ein Halleluja
The baffled king composing Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah...

Dein Glaube war stark, doch du brauchtest einen Beweis
Your faith was strong but you needed proof
Du sahst, wie sie auf dem Dach badete
You saw her bathing on the roof
Ihre Schönheit und der Mondschein überwältigten dich
Her beauty and the moonlight overthrew you
Sie fesselte dich an einen Küchenstuhl
And she tied you to a kitchen chair
Zerstörte deinen Thron und schnitt dein Haar ab
She broke your throne and she cut your hair
Und deinen Lippen entlockte sie das Hallelujah
And from your lips she drew the Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah...

Du sagst, ich missbrauche den Namen Gottes
You say I took the name in vain
Dabei kenne ich ihn nicht einmal
I don't even know the name
Und selbst wenn, mal im Ernst, was bedeutet er dir?
But if I did, well really, what's it to you?
In jedem Wort flammt eine gewisse Glut
There's a blaze of light in every word
Egal, welches du gehört hast
It doesn't matter which you heard
Ob ein heiliges oder ein verstörtes Hallelujah
The holy or the broken Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah

Ich tat mein Bestes, viel war es nicht
I did my best, it wasn't much
Ich fühlte nichts, also suchte ich Nähe
I couldn't feel, so I tried to touch
Das ist wahr, ich mach' dir hier nichts vor
I've told the truth, I didn't come to fool you
Und auch wenn alles schief ging
And even though it all went wrong
Einst stehe ich vor dem Herrn der Lieder
I'll stand before the Lord of Song
Mit nichts auf den Lippen als Hallelujah
With nothing on my tongue but Hallelujah

Hallelujah, Hallelujah..

Quelle Übersetzung: musikguru.de
Seinem "Schöpfer" ist er ja vielleicht mittlerweile schon vorstellig geworden, und wenn nicht :weissnicht:

Nun, wie dem auch sei, ich mag das Lied in seiner ursprünglichen Fassung und freue mich jetzt auf den Filmabend.

P.S. Bei YouTube gibt es ja wirklich einen Menge Cover dieses Songs und sehr sehr viele sind auch wirklich ganz gute Interpretationen, aber auf der Suche nach einem Video mit deutschen Texten, bin ich auf etwas gestoßen, was mich sehr ... äh, wie schreib ich's freundlich? ... verwundert hat, denn der deutsche Text war nicht eine Interpretation des ursprünglichen Textes, sondern eine "eigene Sicht" auf das Lied...
Halleluja von thisvoyce... :cry:
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#2

Beitrag von migoe »

Liebe Leute,

ich habe einen Bericht angekündigt und möchte Euch meine Eindrücke des Films schildern. Zunächst waren Alex und ich überrascht von der Länge des Films: 2,5 Stunden Material zu einem Song - wir waren sehr gespannt. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Zeit verging schneller, oder 2einhalb Stunden sind in meinem Alter einfach nicht mehr das selbe wie früher :opa: ! Bevor ich aber meine persönlichen Beobachtungen und Gedanken schildere, möchte ich auf die ARD-Sendung TitelThesenTemperamente vom 14.11.2022 verweisen, in der ein guter Eindruck in Kurzform gegeben wird, aber ist KEIN Ersatz für den Film an sich!
Ein Beitrag aus der deutschen ARD Sendung ttt - titel, thesen, temperamente
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Noch ein Disclaimer: der Kinofilm ist ja ein Zusammenschnitt aus bereits bekannten Videos und Bildern und erzählt keine völlig neue Geschichte. Wer sich schon lange mit dem Künstler und seinem Werk auseinandersetzt, wird hier nichts NEUES präsentiert bekommen. Die Auswahl der Geschichten und Filmausschnitte wurde vorgenommen mit der Ausrichtung auf die Entstehungs- und Entfaltungsgeschichte von dem titelgebenden Lied! Die wechselvolle Geschichte von Halleluja war mir - wie wahrscheinlich den meisten Menschen - nicht bekannt. Es gibt wohl über 500 Interpretationen des Songs von unterschiedlichsten Künstler*innen und natürlich wird darauf in der Dokumentation auch eingegangen, allerdings wird der Schwerpunkt auf US-amerikanische Künstler gelegt, was für mich aber auch sehr interessant war, weil ich manche davon noch gar nicht kannte :pfeifen: und deshalb auch was Neues gelernt habe.

Der Film ist grob in 3 Phasen aufgeteilt und je nachdem, wie sehr jemand bereits mit der Biografie des Künstlers und Menschen Leonard Cohen vertraut ist, könnten für manche die ersten ca. 45 Minuten relativ "langweilig" sein. Für mich war es aber interessant und spannend, weil ich mich bisher noch nie sehr intensiv mit dem Künstler auseinandergesetzt hatte. Mir war neu, dass sich Cohen auf Initiative von Judy Collins mit 30 Jahren überhaupt erst auf die Bühne getraut hat. Die Geschichte des Menschen ist mindestens so zwiegespalten und ambivalent wie der Song, um den sich die Dokumentation dreht. Bei Halleluja hat wohl jeder eine eigene Verbindung zum Lied und das hat sicher auch damit zu tun, unter welchen Umständen das Lied einem zum ersten Mal begegnet ist.
Meine erste bewusste "Begegnung" war ein YouTube-Video von einem Priester, der "Halleluja" bei einer Hochzeit singt
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Für mich persönlich war das Lied zunächst ein "Loblieb" mit einem christlich-kirchlichen Hintergrund. Der Text war ehrlich gesagt auch nicht so wichtig :roll: aber die Melodie war so eingängig und leicht zu merken, die Accorde so einfach, dass ich keine Probleme hatte, das Lied mit der Gitarre zu begleiten. Mir war gar nicht bewusst, dass es von Leonard Cohen war - so geht es vielleicht vielen anderen auch.

Zurück zum Film: richtig spannend wird die Dokumentation, als es daraum geht, wie es kam, dass die damalige Plattenfirma Columbia Records die bereits bezahlte und fertig produzierte LP Various Positions nicht veröffentlicht und somit den Künstler in Amerika erst einmal "aus dem Rennen" nimmt. Das Verhalten von Walter Yetnikoff, dem Präsident des Unternehmens, finde ich mehr als merkwürdig und hat sehr viele Fragezeichen aufgeworfen. Naja, am Ende hat sich die Qualität der Songs durchgesetzt, aber für Leonard Cohen war das ein schwerer Schlag.

Die Dokumentation geht zwar auch auf das Leben des Künstlers ein, pickt sich aber einige Episoden heraus, die vor allem mit der Entstehungsgeschichte des Songs zu tun haben, und das finde ich insgesamt sehr gut. Einige "große Lieben" gehören da rein, aber auch musikalische Wegbegleiter wie Judy Collins oder auch Bob Dylan. In der Mitte seines Lebens half Cohen ein 6 Jahre dauernder Aufenthalt in einem ZEN-Kloster aus einer Lebenskrise und in seinen letzten Lebensjahren war er aktiv und produktiv wie nie zuvor. Wie es kam, dass er mit über 70 Lebensjahren quasi noch einmal bei Null anfangen musste, weil (fast) sein gesamtes Vermögen veruntreut wurde, wie er sich danach wieder aufgerappelt und auf Tour gegangen ist, vor allem aus der Not heraus, dass er kein Geld für den Lebensabend mehr hatte - das ist schon Stoff für so eine Dokumentation!
Sehr berührt hat mich auch, wie vorsichtig und unsicher er und sein Team waren, als er sich 2008 - mit 70! und nach einer 15jährigen Pause - auf seine "letzte" Tour aufmachte, die ihm erst den Ruhm und Erfolg als gefeierten Konzertkünstler einbrachte.

Der Film endet emotional und mitreißend. Mich hat er sehr angesprochen und wenn er irgendwann einmal auf ARTE oder so läuft, werde ich ihn gerne noch einmal ansehen. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen besonderen Menschen, der es sich selbst nicht einfach gemacht hat und der die Welt durch seine Lieder und Gedanken ein bisschen besser gemacht hat. Mehrere seiner Lieder gehören schon seit Jahren zu meinen liebsten Songs für die Gitarre.

Meine Wertung: rating von 5 Sternen Wer kann, sollte die Gelegenheit nutzen und sich den Film im Kino anschauen, auch wenn es nur wenige Kinos gibt, die solche Perlen laufen lassen. Ich bin sehr froh, die Möglichkeit gehabt und sie genutzt zu haben.
P.S. Eine knapp 30 Minuten Dokumentation des ZDF von 1984 ist auch sehenswert
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#3

Beitrag von Viktor »

Danke für den Tipp und ausführlichen Bericht, lieber Michael.

Ich glaube, ich wäre eigentlich genau die richtige Zielgruppe: bin ein wenig mit Cohens Werk vertraut, mag, was ich kenne, aber bei weitem kein Experte.
Und wenn es irgendwo um undurchschaubare Dummheit von Plattenfirmen geht, bin ich sofort fasziniert, haha.

In meiner Stadt läuft der Film wohl morgen noch einmal (ein letztes Mal?); vielleicht gehe ich hin.

Gehe ich recht in der Annahme, dass die Interviewpassagen in Originalsprache gehalten sind und lediglich mit Untertiteln versehen wie im Trailer? Eine reine Originalfassung wäre mir ja am liebsten, finde ich hier aber in keinem Kino -- und Untertitel nerven zwar (mein Auge geht unweigerlich hin), aber kann man zumindest noch besser ausblenden, als wenn auf Deutsch drübergelabert würde wie in Fernsehdokus.

Viele Grüße
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#4

Beitrag von migoe »

Lieber Viktor,
Viktor - Zitat: Di 22. Nov 2022, 06:55
Ich glaube, ich wäre eigentlich genau die richtige Zielgruppe: bin ein wenig mit Cohens Werk vertraut, mag, was ich kenne, aber bei weitem kein Experte.
Ja genau, ich würde Dich auch zur Zielgruppe für diese Doku zählen, bin mir sogar sicher, dass Dir noch viel mehr bemerkenswerte Details und Anknüpfungspunkte auffallen und gefallen.
Viktor - Zitat: Di 22. Nov 2022, 06:55
Und wenn es irgendwo um undurchschaubare Dummheit von Plattenfirmen geht, bin ich sofort fasziniert, haha.
Ha, sehr gut formuliert, bin mir aber nicht sicher, ob man in diesem speziellen Fall von Dummheit sprechen sollte. Für mich zählt das eher in die Kategorie Arroganz und Gehässigkeit, gepaart mit unfassbarer Ignoranz und Boshaftigkeit. Könnte aber sein, dass ich untertreibe 🙄
Viktor - Zitat: Di 22. Nov 2022, 06:55
Gehe ich recht in der Annahme, dass die Interviewpassagen in Originalsprache gehalten sind und lediglich mit Untertiteln versehen wie im Trailer?
Deine Erwartungen werden erfüllt. Es läuft ausschließlich der Originalton meist in englischer Sprache, teilweise auch Hebräisch mit deutschen Untertiteln. Kein Übersprechen der originalen Audiospur 👍😁
Viktor - Zitat: Di 22. Nov 2022, 06:55
Untertitel nerven zwar (mein Auge geht unweigerlich hin), aber kann man zumindest noch besser ausblenden
Mein Englisch ist jetzt nicht so gut, das ich sagen könnte, ohne Untertitel alles inhaltlich mitbekommen zu haben. Zum Glück ist es aber hier so, das ja auch der Künstler Cohen kein Schnellsprecher war und auch die Interviewpartner könnte ich größtenteils gut verstehen, weil niemand einen ausgeprägten "Slang" benutzt. Sind halt Künstler*innen, denen Sprachverständnis wichtig ist😉
Viktor - Zitat: Di 22. Nov 2022, 06:55
In meiner Stadt läuft der Film wohl morgen noch einmal (ein letztes Mal?); vielleicht gehe ich hin.
Nutze die Chance, es wird Dir gefallen!
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#5

Beitrag von Skywise »

migoe - Zitat: Di 22. Nov 2022, 00:33
Für mich persönlich war das Lied zunächst ein "Loblieb" mit einem christlich-kirchlichen Hintergrund. Der Text war ehrlich gesagt auch nicht so wichtig :roll: aber die Melodie war so eingängig und leicht zu merken, die Accorde so einfach, dass ich keine Probleme hatte, das Lied mit der Gitarre zu begleiten. Mir war gar nicht bewusst, dass es von Leonard Cohen war - so geht es vielleicht vielen anderen auch.
Cohen war ein sehr langsamer Autor, und noch dazu einer, der mit sich selbst um jede Zeile und jede Strophe rang. Als John Cale auf die Idee kam, "Hallelujah" in sein aktuelles Programm einzubinden (und damit gewissermaßen die musikalische Blaupause für Jeff Buckley lieferte, der die Popularität des Lieds enorm steigerte), hat er bei Cohen angeklingelt und um den Text gebeten, woraufhin das Faxgerät für einige Seiten nicht mehr stillstand, die meisten übermittelten Strophen hat Cohen selbst meines Wissens nicht verwendet. Je nachdem, wie man die Strophen zusammenstellt, kann man das Lied in unterschiedliche Richtungen lenken. Das reicht vom Lied über eine Beziehung, die mittlerweile etwas schal geworden ist und unmittelbar vor dem Auseinanderbrechen steht, bis hin zum religionskritischen ... oder sagen wir besser: religionszweifelnden bis -verzweifelten Lied. Was es allerdings unabhängig von der Strophenzusammenstellung nie sein wird, ist ein "Loblied", zumal in der ersten Strophe, die praktisch auch jede Coverversion unverändert übernimmt, Gott da oben im Grunde genommen unterstellt wird, sich ohnehin nicht für Musik, also auch nicht für Lieder zu interessieren. Im weiteren Verlauf wird das "Hallelujah" auch häufiger mal als "kalt" und/oder "gebrochen" bezeichnet - unter diesen Gesichtspunkten erfüllt mich eine heidnische Freude, wenn mir dieses Lied im Zusammenhang mit Hochzeiten in einer Kirche begegnet, Zusammenstellung der Strophen vorerst egal :hammer:

Gruß
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Heinz (Di 22. Nov 2022, 11:42) • migoe (Di 22. Nov 2022, 14:51)
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Auf dem YouTube-Kanal der ARTE Sendereihe "BlowUp" finden sich immer wieder echte Perlen des öffentlich rechtlichen Rundfunks. So auch diese Sendung, auf die ich hiermit verweisen möchte, und die sich anlässlich des aktuellen Kinofilms mit dem Einfluss von Cohen auf die Filmwelt allgemein beschäftigt. Die Redaktion hat eine hervorragende Auswahl getroffen und stellt wie immer eine vollkommen subjektive und nicht repräsentative Liste der besten Leonard-Cohen-Lieder in Filmen auf.
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