Christof Stählin

Heute wäre der 78te Geburtstag Christof Stählins gewesen; ich nehme es zum Anlass, einfach mal wieder über ihn zu reden und ein paar persönliche Begegnungen mit seiner Musik zu schildern.

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

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Viktor hat dieses Thema gestartet
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Christof Stählin

Beitrag von Viktor

#21

Hallo miteinander, ich schon wieder.

Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:25
wird Hannes Stählins Lied bzw. Liedbearbeitung „Lob des Winters“ singen
Das ist toll. Ein abgefahrenes Lied. Laut LP-Begleitblatt wird die steile Grundthese -- "der Winter soll mein Frühling sein" -- nur aus Spaß am Argumentieren durchexerziert, aber ich will doch meinen, dass zumindest Hannes sich mit dem Inhalt irgendwie aufrichtig identifizieren kann (sang er doch auch einst "Über meiner Heimat Frühling", das ebenfalls die Kälte preist).
Wer das Lied in der "Original"-Stählin-Bearbeitung nicht kennt, kann es hier https://www.youtube.com/watch?v=2WOUFmqXLv0 digital anhören.

Hannes Wader schreibt übrigens in seiner Autobiographie "Trotz alledem - Mein Leben" auf den Seiten 313f. ein paar Worte zu C.S. (teilweise oben schon zitiert) und geht dort auch speziell auf "Lob des Winters" ein:
Von Christof erfahre ich etwas über das Leben und den frühen Tod des genialen, zu seiner Zeit vor mehr als 300 Jahren selbstverständlich verkannten Dichters Johann Christian Günther. Dass dieser, als er sich entschließt, von seiner Lyrik zu leben, von seinem Vater verstoßen wird und mit erst 28 Jahren - kaum älter als Christof und ich jetzt - im Jahre 1723 in bitterer Armut an Tuberkulose stirbt, gibt ihm in unseren Augen das tragisch-romantische Flair eines barocken François Villon.

Christof nimmt die Gitarre, spielt und singt eine Melodie von Bach zu einem Gedicht von Günther. Er hat diesem Gedicht einfach die Musik der berühmten Aria »Erbauliche Gedanken eines Tabackrauchers« aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bachs unterlegt und nur den Text ausgetauscht: verblüffend, wie überzeugend schön und richtig das klingt.

[Zitiert dann jeweils die erste Strophe des Tabakraucher- und des Günther-Textes]

Die schöne Übereinstimmung des Güntherschen Textes mit der Melodie der Bachschen Aria erinnert mich an etwas, das ich mal in einer der Schriften des Schönberg-Schülers Hanns Eisler gelesen habe: Nämlich, dass eine neue Musik - die Kunst überhaupt - sich nur in einem (dialektischen) Prozess größter gestalterischer Freiheit innerhalb strenger formaler Regeln entwickeln könne [...].
(Die Begegnung Wader/Stählin dürfte Ende der 1960er spielen. Beide haben sich also Zeit gelassen, das Lied aufzunehmen, Hannes eben ein paar Dekaden länger. Ach ja, und die Melodie ist wohl in Wirklichkeit nicht von Bach selbst.)



Worauf ich außerdem gestoßen bin:
Am 12. Juni gibt es in Mainz einen Stählin-Abend mit einigen tollen Teilnehmern, nämlich Bodo Wartke, Sebastian Krämer, Annett Kuhr, Manfred Maurenbrecher, Linard Bardill (mit Begleitmusikern), Claudia Fink, Uli Zehfuß und Martin Betz -- Alle Details hier.
Vielleicht ja für irgendein Forumsmitglied interessant. Für mich leider zu weit weg; dürften die gern irgendwo im Norden auch noch bringen!


Viele Grüße
Viktor
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Skywise
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Christof Stählin

Beitrag von Skywise

#22

Viktor - Zitat: Mi 18. Mai 2022, 11:38
Am 12. Juni gibt es in Mainz einen Stählin-Abend mit einigen tollen Teilnehmern, nämlich Bodo Wartke, Sebastian Krämer, Annett Kuhr, Manfred Maurenbrecher, Linard Bardill (mit Begleitmusikern), Claudia Fink, Uli Zehfuß und Martin Betz
Hat stattgefunden, wenn auch ohne Linard Bardill und dessen Begleitmusiker. Als Schatteneminenzen waren noch Ben Kreisel an der Baßgitarre und Victor Plumettaz am Violoncello dabei, die gelegentlich unterstützend eingriffen, aber die stammen nicht aus Bardills Dunstkreis.
Das Konzept des Abends: die SAGOnauten, also gewissermaßen die "Schüler" Christof Stählins (und zusätzlich der Weggefährte Manfred Maurenbrecher) interpretieren jeweils ein Stählin-Werk und im Anschluß ein eigenes Opus. Wie der geneigte Zuhörer bereits im Vorfeld am mannigfaltig belegten Devotionalientisch erfahren konnte, sahen wenigstens zwei Musiker den Abend mehr oder weniger als eine Mischung aus den beiden Tribut-Alben "Die Versammlung der Inseln", erschienen 2013 (zwischenzeitlich vergriffen, nun allerdings wieder verfügbar gemacht), und "Nur meine Lieder", erschienen 2022. Wer allerdings bestimmte Interpretationen des Abends auf diesen beiden CDs sucht, wird dies vergeblich tun.

Meine ursprüngliche Befürchtung, daß der Publikumsraum nur geringfügig besser bestückt sein würde als die Bühne, hat sich zwar nicht in dieser extremen Form bestätigt, allerdings war schon auffällig, daß der Veranstalter mehr als die Hälfte der üblichen Bestuhlung des Frankfurter Hofs eingedampft hat zugunsten der Technik und einer Plattform, von der aus offenkundg ebenfalls Bildaufnahmen gemacht wurden. Und es waren dennoch noch genügend freie Plätze vorhanden, was nun wiederum den aktuell nicht beschäftigten Musikern die Chance bot, das Konzert vom Zuschauerraum aus zu verfolgen, meint: zeitweise hockten da gemütlich Maurenbrecher, Wartke, Zehfuß, Fink und Kuhr um einen rum oder zwei Handbreit weg ... war also eine ziemlich entspannte Atmosphäre. Mag aber auch am Publikum gelegen haben. Kommt nicht mehr so häufig vor in meinem Alter, daß man das Gefühl hat, zu dem Teil des Publikums zu gehören, der den Altersschnitt senkt. Bleiben wir kurz beim Publikum: es waren offenkundig einige Leute im Saal, die mit dem Werk Stählins nicht sonderlich vertraut waren; anscheinend wurde dieser Abend von einigen "Kennern" dazu genutzt, Themenfremde an den Liedermacher heranzuführen, was ich unter "positiver Aspekt" verbuchen würde. Umgekehrt scheinen die bekannteren Namen Wartke oder Maurenbrecher nicht unbedingt dazu beigetragen zu haben, dass sich Leute in die Vorstellung setzten - der Applaus gegen Ende bevorzugte praktisch keinen Künstler, wobei allerdings noch gesagt werden sollte, daß auch während der Beiträge die Reaktionen des Publikums eher artig bis gleichförmig ausfielen. Ob ein paar humorvolle Bemerkungen der Interpreten oder einige bzw. eigenwillige Interpretationen (oder selbst verfaßte Lieder) wirklich ankamen, läßt sich bemerkenswert schwer einschätzen.

Stählins Februar-Lied "Komm, küß mich" eröffnete den Reigen. Ulrich Zehfuß durfte das Lied auf "Versammlung der Inseln" interpretieren, Claudia Fink und Max Prosa auf "Nur meine Lieder". Für den Abend kombinierten Fink und Zehfuß sowohl ihre Interpretationen als auch ihre Stimmen ... es dürfte einer der ruhigsten Konzertanfänge gewesen sein, die der Frankfurter Hof in den vergangenen Jahren erlebt hat, nicht nur corona-bedingt. Fink band im Anschluß das Titelstück ihres ersten deutschsprachigen Albums "Über Wasser" (2022) ein mit der Betonung, wie wichtig Stählin bzw. vor allem SAGO für dieses Album gewesen seien, was ich durchaus nachvollziehbar fand. Ulrich Zehfuß hängte seiner Stählin-Interpretation ein bislang unveröffentlichtes Lied an über die Hoffnung, seinem Sohn möge das Soldat-Sein erspart bleiben. Beeindruckend - der Mann kann schmettern, wenn er will. Sebastian Krämer brachte nach Stählins "Amors Becher", das auf "Nur meine Lieder" enthalten ist, seine "Gesine" (lange her ... "Ein Freund große Worte - Sebastian Krämer singt", 2005) zu Gehör. Etwas überraschend fiel der anschließende Beitrag von Bodo Wartke aus - auf "Nur meine Lieder" wurde seine Interpretation von Stählins Frühwerk "Der Busen" veröffentlicht, für das Konzert wählte er allerdings den "Kraken", ein Lied, das Stählin selbst nicht eingespielt, sondern für die geschätze Schweizer Sängerin Dodo Hug verfaßt hat. Und im Anschluß wischte er kurz entschlossen meine Einschätzung beiseite, daß das Stück "Zweifel und Zuversicht" (Album "Wandelmut", 2020) live nicht funktionieren könnte. Sebastian Krämer läutete im Anschluß die Pause ein mit "Der arme Poet", einem augenzwinkernden Stück, das Stählin zwar noch fertigstellte, aber nicht mehr aufnehmen konnte, und das Krämer für sein 2018er Album "Vergnügte Elegien" aufgriff.
Annett Kuhr hat einige von Stählins Lieder in ihr Repertoire aufgenommen, insofern fiel ihre Interpretation der "kleinen heilen Welt" (Album "Nochmal von vorne!", 2013) routiniert aus. Mit dem idyllischen "Hiddensee" folgte ein noch unveröffentlichtes Lied. Annett Kuhr hat ebenfalls Stählins "In 100 Jahren" eingespielt (selbes Album), die Version von Manfred Maurenbrecher war sowohl auf dem Album "Nur meine Lieder" als auch im Konzert bedeutend rhythmischer, nahezu als Rap ausgelegt. Von allen Künstlern des Abends dürfte sich Maurenbrecher damit stilistisch am weitesten von der Vorlage entfernt haben. Wahrscheinlich hat er mit seiner Interpretation zum einen einige Leute erschreckt, umgekehrt hat er aber auch aufgezeigt, daß Stählin durchaus Texte zu bieten hat, die auch dann noch funktionieren, wenn man sie aus ihrem ursprünglichen Umfeld herausschält. Ebenso drängend, polternd, allerdings auch dezent melancholisch fügte er ein Lied an über die Entwicklung der Bedeutung von Musik, von dem ich wenigstens hoffe, daß es nicht mehr lange unveröffentlicht bleiben wird. Moderator Martin Betz schloß am Kinderklavier mit Stählins "Lob des Himmels" und am erwachsenen Klavier mit dem eigenen "Seltene Erden" den Hauptteil des Programms ab. Zum Finale drängten sich die beteiligten Musiker zu Stählins "Der Wind" auf der Bühne noch um die beiden Mikros, die teilweise enorme Niveauunterschiede bewältigen mußten (Bodo Wartke ist nun mal deutlich größer als Claudia Fink ...), und deren Gestelle während der Auftritte von Wartke und Betz bewiesen hatten, daß sie nicht immer den Anforderungen gewachsen waren. Ohne allzu großen Druck des Publikums setzte Annett Kuhr den Schlußpunkt in Form einer A-cappella-Version des "Schlaflieds (Alles braucht seine Weile)".

Stählins Konzerte mit SAGO bezogen ihren Reiz vor allem aus der Vielfalt der Teilnehmer. Dasselbe gilt auch für diesen Christof-Stählin-Abend. Keiner der Teilnehmer hat versucht, den Vortrag von Christof Stählin nachzuahmen, stattdessen hat jeder versucht, seinen eigenen Stil mit einfließen zu lassen oder - siehe Maurenbrecher - mit dem Ausgangsmaterial zu spielen, es vielleicht auch gegen den Strich zu bürsten, um das Potential auszukundschaften. Aus diesem Blickwinkel war es ein gelungener Abend, wenn auch mit einem für meinen Geschmack deutlich zu passiven oder besser: zurückhaltenden Publikum.

Die Internetseite der Christof-Stählin-Gesellschaft ist seit einigen Tagen online (www.christof-staehlin-gesellschaft.de); die Bestände des ursprünglich auf Stählins Seite angebrachten Shops wanderten ebenfalls dorthin, somit sind weite Teile der Discographie Stählins sowie diverse andere Utensilien wieder erhältlich. Zwar sind einige Informationen, darunter die Discographie, noch lückenhaft, aber - auf jeden Fall besser als nix oder das, was man sonst so im Netz findet. Ein Gespräch mit dem schulterzuckenden Kassenwart Martin Betz ("man braucht halt einen") im Anschluß an das Konzert ergab unter anderem, daß für das Jubiläumsjahr 2022 drei Veröffentlichungen der Gesellschaft angedacht sind: die Tribut-CD "Nur meine Lieder" ist bereits veröffentlicht, ein Liederbuch zumindest angekündigt, eine dritte Veröffentlichung soll sich mit der Didaktik Christof Stählins auseinandersetzen, mit seinem Denkansatz, seinen Absichten und seinen Methoden. Über die weiteren Pläne der Gesellschaft wurde nicht gesprochen, da auch andere Zeitgenossen Interesse an Martin Betz' Ausführungen hatten und Fragen einstreuten, die vom Gesprächsthema Christof-Stählin-Gesellschaft langsam wegführten, und so blieb es dabei.

Gruß
Skywise

P. S.: Entschuldigung an Ulrich Zehfuß an dieser Stelle - ich hab gedanklich das von ihm intonierte Stählin-Lied verschlampt ... keine Ahnung mehr, was da zu hören war, mea culpa. Wahrscheinlich war das Anschlußlied einfach zu dominant. Womöglich fällt mir der Titel in zwei Stunden bis zehn Jahren wieder ein, wie immer.
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Christof Stählin

Beitrag von Viktor

#23

Hallo Skywise,
liebe Mitleserinnen und Mitleser,

dank für diesen ausführlichen Bericht. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen.
Auch so kleine Randbemerkungen zu Saalfülle, Publikumsreaktionen, Altersdurchschnitt und dergleichen finde ich immer ganz interessant.
Nun muss ich mir glatt demnächst mal die "Kraken" zu Gemüte führen - da kenne ich das Original ja überhaupt nicht. Wie Bodos Version dann geklungen hat, kann ich mir dann ja in der Theorie vorstellen.... Oder, wenn du von "Bildaufnahmen" sprichst, sind da etwa bewegte Bilder gemeint, die vielleicht irgendwann in einen öffentlichen Videomitschnitt münden könnten? ;-)


Die Hommage-CD, die seit Freitag erschienen ist, habe ich mir schon intensiv reingezogen und will auch ein paar Eindrücke loswerden.
Hinten angefangen: Manfred Maurenbrecher! Oh Mann. Skywise hat es schon gesagt: Wirklich eine sehr gattunsfremde Herangehensweise. Beim ersten Hören war ich fast empört, dass so ein komischer Synthie-Ansatz gewählt wurde, aber mittlerweile finde ich es auf eine perverse Weise irgendwie gut, haha. Ist aber auch eines meiner Lieblingslieder (nichts kann es entstellen? wer weiß) -- und ein ganz toller Abschluss für die CD, zumal sich Stählin darin ja nunmal auch mit Zukunft und Nachleben beschäftigt -- "Singt eine Amsel im Sommerregen vom Nachbardach, dann bins vielleicht ich."
Überhaupt gefallen mir die vielen Naturmotive in den ausgewählten Songs, seien es die blühenden "Kastanien" bei Joana & Barabara Thalheim oder das "welke Himbeerblatt, das mir der Herbst gelassen hat" im so zarten "Komm, küss mich" von Claudia Fink und Max Prosa oder die unzähligen Strophen zum "Wind" bei Holger Saarmann. Zum letztgenannten habe ich mir von der Christof-Stählin-Gesellschaft bei Facebook die Info eingeholt, dass die zusätzliche Strophe in Druckform im Buch "Findelkinder" erschienen ist (1981), denn ich war stutzig, dass das Original auf LP textlich leicht anders ist.
Auf Reinhard Meys Beitrag, "Standort", habe ich mich besonders neugierig gefreut und er gefällt mir auch sehr gut. Der Sound ist noch ein bisschen "fetter", als ich erwartet hätte, mit all der Percussion, aber jetzt habe ich mich dran gewöhnt. Das Lied an sich ist ja auch toll und passt gut zu Reinhard (mir fällt auf, dass es in der Du-Form geschrieben ist, was RM ja auch manchmal wählt)... Viele Strophen, nur über ein loses Gedankenkonzept als Oberthema zusammengehalten, manche berührt einen vielleicht stärker als andere. Ich persönlich finde besonders die "Mozart"-Zeilen ganz super, weil sie dieses Phänomen beschreiben, dass bei klassischer Musik im philharmonischen Konzert auch mal die Gedanken abdriften können - das habe ich so noch nirgends anders poetisch verarbeitet gehört, hehe.
Aber ob nun ein Altmeister wie Reinhard oder unbekanntere Namen, auf dem Tonträger sind einige Highlights. Thomas Felder zeigt in "Liebe der Wale", dass Stählin auch super zum Klavier funktioniert - und da gefällt mir dieses Lied gleich noch viel besser.
In diesem Sinne war ich auch auf Bodo Wartkes Beitrag gespannt. Der klingt nun aber irgendwie genau, wie ich es erwartet hab. Ganz okay, aber das Lied bleibt für meinen Geschmack nicht gerade Stählins Sternstunde. So ein "zur Buße"-Wortspiel, nachdem der Kehrvers vorher auf "Busen" abschloss, ist eher schwerfällig. Erinnert aber durchaus ein bisschen an den frühen Bodo. Ich hätte wohl einfach lieber den späten Stählin vom heutigen Bodo gehört.
Noch keinen richtigen Zugang finde ich zu "Amors Becher", obwohl ich doch Sebastian Krämer so schätze ("Der arme Poet", von Skywise angesprochen, eine wahre Perle). Vielleicht reift das mächtige Lied aber noch in mir nach. Antike Mythologie finde ich ja auch immer einen tollen Ausgangspunkt.
Und "Ein Skelett" kann ich leider im Original nicht leiden und es zerfetzt mir auch ein wenig den Fluss dieser Tribut-CD, bei allem Respekt an den Interpreten Philipp Schmidt-Rhaesa. Ist halt eher nervig im Ohr und nicht eingängig. Soll es natürlich auch nicht sein, aber dafür muss man schon in der Stimmung sein, um sich drauf einzulassen; das war ich bislang noch nicht.


Die neue Webseite der Christof-Stählin-Gesellschaft hat Skywise ja auch schon angesprochen.
Zur lückenhaften Diskographie -- die Sampler-Kategorie soll wohl mit Bedacht nur "auszugsweise" bleiben -- habe ich in den sozialen Medien schon angemerkt, dass "Venedig" auf Krämers neuestem Sampler wohl wirklich einer Erwähnung verdient hätte: Da wurde mir beigepflichtet; es sei schlichtweg vergessen worden.
Jedenfalls ist die Gesellschaft (und SAGO) in den letzten Wochen auch bei Facebook recht aktiv, preist den Sampler täglich mit kleinen Texten zu den beisteuernden Künstlern an, schaut mal rein: https://www.facebook.com/ChristofStaehlin
Auch bei YouTube wurden kürzlich wieder Perlen aus dem Archiv gefischt, z.B. ein selbstgemachtes Demo-Video von einem nie veröffentlichten Programm: https://www.youtube.com/channel/UCbB62SFllqA56o0bFGVoyIw


Viele Grüße
Viktor
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Christof Stählin

Beitrag von Skywise

#24

Viktor - Zitat: Mo 13. Jun 2022, 20:11
Zur lückenhaften Diskographie -- die Sampler-Kategorie soll wohl mit Bedacht nur "auszugsweise" bleiben -- habe ich in den sozialen Medien schon angemerkt, dass "Venedig" auf Krämers neuestem Sampler wohl wirklich einer Erwähnung verdient hätte: Da wurde mir beigepflichtet; es sei schlichtweg vergessen worden.
Da nicht auf Facebook vertreten: mir sind noch als wesentliche Lücken aufgefallen:

- MIchael Wachsmann & Christof Stählin: Weit in den Wäldern warten
- Michael Wachsmann & Christof Stählin: Nachts die Bänke suchen
beides veröffentlicht auf dem Thorofon-Sampler "Seh ich Schwäne nordwärts fliegen - 60 weitere Lieder der bündischen und Schwarzzeltvölker" (2 CDs ... ja, ich weiß, griffiger Titel ...)

- Christof Stählin: Kaiserquartett
- Christof Stählin: Unser Deutschland
für beide Stücke wurde Stählin mit dem Liederpreis der Liederbestenliste gezüchtigt. Die Liederbestenliste hat für die Verleihung Konzerte abgehalten, die auch jeweils mitgeschnitten und zumindest zeitweise im Radio verwurstet. Die Mitschnitte der Siegertitel ab 1984 wurden auf zwei CDs veröffentlicht:
"Liederbestenliste Live" (1991), hieraus das "Kaiserquartett", Siegertitel '84
"Liederfest - Liederbestenliste Live" (2005), hieraus "Unser Deutschland", Siegertitel '91
Da es sich hierbei um Live-Aufnahmen handelt, die sonst nirgendwo zu finden sind, messe ich ihnen dieselbe Bedeutung bei wie den Liedern, die von der Burg Waldeck veröffentlicht wurden.

Kannst ja ein bißchen mit Deinem Wissen protzen :sekt:

Gruß
Skywise
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Christof Stählin

Beitrag von Skywise

#25

*nachreich*
Ulrich Zehfuß solo sang übrigens als Stählin-Interpretation den "Trampelpfad".
Bin ich nicht freiwillig wieder drauf gekommen - Zehfuß selbst hat dafür gesorgt.
https://www.youtube.com/watch?v=0vt6uMTCBpQ

Gruß
Skywise
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Christof Stählin

Beitrag von Gesch

#26

hallo zusammen, vielleicht ist das ja von interesse:
https://youtu.be/iPERBxBeHV4
herzlich
gerd
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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Jun 2022 22 15:21

Christof Stählin

Beitrag von Reino

#27

Hier noch ein nutzloser Tipp, weil das Buch schwer zu bekommen ist, z.B. auf amazon in katastrophalem Zustand für knapp 50 €: "Der schräge Turm", 1966 im Voggenreiter Verlag erschienen. Bei dem Angebot findet man diese Rezension von Alfred Baumgartner:
Der Schräge Turm enthält die umfangreichste Sammlung von Chansons und Liedern jenseits der sog. Volksmusik in deutscher Sprache, auch manches dieser Dichtung aus unseren Nachbarländern. Es ist die Fundgrube, aus der sich alle Liedermacher von Mey bis Kiesewetter oder Kunkel bedient haben,
Lieder aus ehrenwerter Feder von Bellman, Kästner, Mehring, Weinert, Wedekind, Klabund und und, und vor allem Grasshoff, dem Ziehvater des deutschen Chansons.
Die Chansons sind lieblich bis ungeschminkt deftig und immer hintersinnig. Jeder Gitarrist, der mehr als 5 Griffe kennt, sollte diese Liedersammlung besitzen, nein, zumindest 10 Lieder daraus kennen und die Hälfte davon selbst spielen.
Von Christof sind auch ein paar Lieder enthalten (überhaupt findet man fast alle Liedermacher, die auf der Waldeck auftraten, in dem Buch): "Das Dampfklavier", "Barbarossa" (Text von Jens Koch), "Makaber macht lustig" und "In Charlies Garten".

Fritz Grasshoff ist in der Tat recht häufig vertreten, aber "Ziehvater des deutschen Chansons"? Das würde immerhin erklären, warum es damit nicht so weit her ist.
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Philipp_S
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Christof Stählin

Beitrag von Philipp_S

#28

Liebe Interessierte,

ich melde mich hier einmal als Mitglied der Christof-Stählin-Gesellschaft, um über die aktuellen Entwicklungen zu informieren.
Viel ist passiert um den 80. Geburtstag von Christof Stählin herum:
  • Der Vorstand der Stählin-Gesellschaft wurde neu gewählt. Verantwortlich sind nun Julia Geusch (Marie Diot) und Philipp Dewald. Sie treiben die Arbeit nach der coronabedingten Pause auf vielen Gebieten wieder voran.
      Die Website, auf der man Stählins Werke bestellen kann, ist wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht,
        ein Liederbuch mit 80 Liedern (Text/Melodie/Akkorde/teilweise Sätze) ist fertig und steht unmittelbar vor der Veröffentlichung,
          die oben erwähnte CD ist fertig und kann bestellt werden,
            zwei Konzerte mit Krämer, Barbara Thalheim, Claudia Fink (Lucid), Max Prosa, Danny Dziuk u.a. haben in Mainz und Berlin stattgefunden,
              UND: im September erscheint endlich ein Buch über SAGO („SAGO. Alles, was ein Lied braucht - Unterweisungen aus Christof Stählins Schule für Musik und Poesie“ Autor/Herausgeber: Philipp S. Rhaesa. Mit Beiträgen seiner Schülerinnen und Schüler. Illustrationen: Matthias Reuter)! Hier erfährt man alles über die Liedermacherschule, es gibt Aufgaben und Übungen aus der SAGO-Schule, außerdem jede Menge Material rund um Stählin, SAGO und das Liederschreiben. Das Buch erscheint im September bei Zeuys Books.
            Es grüßt herzlich
            Philipp S. Rhaesa
            Dieser Beitrag enthält 224 Wörter



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