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von Skywise
#48
fille schrieb:
@Sky
Ich hab' mir die Lieder bis 1980 häufiger angehört - und mir ist dort keine einzige Zeile entgegen geflattert, die man als Kontra hätte einbringen können. Die kamen erst später
Welche Lieder meinst du? Die von Reinhard Mey?
Genau. Betrachtet man sich die Texte, die Reinhard Mey bis 1980 veröffentlicht hat, gibt es meines Erachtens keine Möglichkeit, Thomas Rothschild den Wind aus den Segeln zu nehmen. Tatsächlich kann man "Annabelle" so interpretieren, daß Reinhard Mey die "linken", emanzipierten Frauen durch den Kakao ziehen will (was natürlich den "Konservativen" sehr gut in den Kram gepaßt haben dürfte).
Das zeigt doch gerade, dass er kein Mitläufer ist! Er besingt was er mag, nicht was man von ihm erwartet!
Ist das so?
Vielleicht am Anfang seiner Karriere, als er sich selbst noch nicht recht gefunden hatte und seinen Platz im Leben nicht richtig einschätzen konnte, als er damit rechnen mußte, nicht von seiner Musik leben zu können - ja.
Weißt Du, daß ich enorme Probleme damit habe, seine Alben ab Mitte der 70er Jahre bis Mitte der 80er Jahre auseinanderzuhalten? Wenn mich jemand fragt, wo "Ihr Lächeln" drauf ist, "Erinnerungen", "Jahr für Jahr" oder "Alleinflug" - ich muß entweder stark überlegen oder sogar nachschauen, weil sich die Konzepte der Alben, die Arrangements und auch die Inhalte einzelner Lieder so stark gleichen, daß eine zeitliche Einordnung fast nicht möglich ist. "Machste was über's Fliegen, dann ein, zwei, drei Liebeslieder, etwas mit sanftem Spott, was zum Nachdenken und dann noch zwei oder drei lustige Lieder, dann erzählste noch 'ne Geschichte und wenn dann noch Platz ist, fällt Dir auch noch was ein - vielleicht was über Deine Familie. Und dann ist das Album auch schon fertig". Dazu die Standard-Biedermann-Arrangements mit traditionellen Instrumenten, Gesang nach Bedarf gedoppelt, das wär's. Da sind keine ansatzweise mutigen Versuche dabei wie die E-Gitarre auf "Atze Lehmann" (Ikarus) oder der spürbare Verzicht auf Reime wie in "Tyrannis" (Lorbeerblatt), sondern die Alben sind nach Schema F zusammengebacken worden. Das soll nichts über die Qualität der Lieder aussagen! Nur darüber, wie er mit der Erwartungshaltung seines Publikums umgeht, bzw. -gegangen ist. Das angesprochene "Schema F" hat er heute in vielen Punkten hinter sich gelassen, obwohl es in Ansätzen immer noch spürbar ist - zumindest was die Liedkonstellation angeht. In Bezug auf (Studio-)Arrangements ist er etwas mutiger geworden, weil er dem sehr flexiblen Manni Leuchter vertraut. Ansonsten erfüllt er - auch live - die Erwartungen seines Publikums, indem er sich nur mit Gitarre auf eine Bühne stellt und einen Abend lang seine sorgsam ausgewählten Lieder spielt, am Ende sogar noch einen Titel, den er "eigentlich noch gar nicht kann" und der - o Wunder - zumeist heiterer Natur ist.
Ich will nicht über Reinhard Mey in irgendeiner Form herziehen, wirklich nicht, aber ich behaupte, daß er sich innerlich von dem Lied, nach dem er nicht mit den Wölfen heulen will, bereits seit mindestens zweieinhalb Jahrzehnten distanziert hat. Wenn er zu sich ehrlich ist.
Gruß
Skywise
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Herman van Veen - "Die Clowns"