TiCorn & friends - ein kleiner Konzertbericht und neueste Tourdaten

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Anne1986
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TiCorn & friends - ein kleiner Konzertbericht und neueste Tourdaten

#1

Beitrag von Anne1986 » Sa 15. Nov 2014, 20:03

Liebe Liedermacherfreunde,
mit wem könnte ich meine Begeisterung für handgemachte Musik besser teilen als mit euch?!? Hier ein kleiner Konzertbericht mit persönlichen Eindrücken sowie Konzertdaten für November. Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
eure Anne
Haiti Konbit 2014 – Impressionen vom Konzert mit TiCorn & friends
von Anne Drerup
Samstag, 25.10.2014: Nach meiner Arbeit gibt es nur einen kurzen Zwischenstopp zu Hause, schließlich möchte ich heute nach Düsseldorf (und das will für eine in Köln Lebende ja schon etwas heißen!) zur Haiti Konbit, um TiCorn & friends live bei einem Auftritt zu erleben. TiCorn (= „petite Cornelia“) Schütt, Sängerin und Songwriterin aus Haiti, habe ich bis dato auf ihrer zauberhaften CD „Cap Haitien“ oder einmal mit einem einzelnen Lied innerhalb eines Events gehört, aber zusammen mit der Band, bestehend aus ihren Freunden Brahm Heidl (Querflöte, Bassgitarre) und Donald Holtermanns (Percussion), ist es das erste Mal, und so freue ich mich ganz besonders darauf.
Auch wenn es glücklicherweise gerade keine Lokführerstreiks gibt, dauert die Fahrt etwas länger als gedacht, sodass ich von der Programmeröffnung um 17 Uhr nur noch die letzten Worte mitbekomme. Von der Haltestelle aus ist aber alles perfekt ausgeschildert, und so betrete ich leicht außer Atem den geschmückten Saal, in dem sich viele Zuhörer mit haitianischen Wurzeln zusammen mit ihren Familien und Freunden aufhalten, freudig begrüßen und unterhalten. Dass ich zunächst niemanden persönlich kenne, macht nichts, denn ziemlich bald werde ich herzlich willkommen geheißen und nach meinem Namen gefragt. Einige sprechen Créol, von dem ich durch meine Französischkenntnisse winzige Brocken zu verstehen glaube, die meisten können aber auch Deutsch und so lässt es sich leicht ins Gespräch kommen. Als es dämmerig wird, werden mir Streichhölzer weitergereicht, um die Windlichter auf dem Tisch anzuzünden – es kommt eine gemütliche Stimmung auf. Um 18 Uhr beginnt das Konzert, eröffnet durch die Band und Renès Bbwi, ebenfalls haitianischer Sänger und Musiker, der nach seinen fröhlichen und rhythmisch mitreißenden Liedern (vom Text verstehe ich so gut wie nichts, aber natürlich die Stimmung, die die Musik transportiert!) TiCorn ankündigt.
Jetzt bin ich natürlich ganz besonders gespannt und aufmerksam! Da TiCorn ebenfalls in Créol singt, ob nun ihre eigenen Lieder oder die berühmter haitianischer Dichter und Liedermacher, wie z.B. Jean Claude Martineau, erzählt sie in den Ansagen, wovon die jeweiligen Texte handeln und welche enthaltende Botschaft besonders wichtig ist. „Kap Haitien“ erkenne ich sofort wieder, hier singt TiCorn ab der Mitte auch eine englische Übersetzung mit, eine schwungvolle Hymne auf die Heimat, aber die meisten Lieder sind für mich völlig neu. Ruhige, gefühlvolle Balladen wechseln mit fröhlichen und schwungvollen Stücken ab – und es gesellen sich stets noch weitere Musiker auf die Bühne, um die Lieder mit weiterer Percussion oder Tanz zu untermalen! Da die Begeisterung ansteckt, wirkt sich das auch auf meine Kameraführung aus – die meisten Bilder verwackeln, doch ein paar Fotos sind dann doch einigermaßen gelungen:


Brahm Heidl, Donald Holtermanns und TiCorn (v.l.) mit einer gefühlvollen Ballade (Foto 1)

Gemeinsam mit Renès Bbwi, der das Konzertprogramm eröffnete, werden die Zuschauer zum Mitklatschen und Mittanzen eingeladen - und bei den Rhythmen hält es kaum jemanden auf den Stühlen! (Foto 2 und 4)

Ein Überraschungsmoment erlebe ich, als ich mitten in einer Ballade von TiCorn plötzlich mir vertraute Sprache vernehme – diesmal hat sie eine Strophe nicht auf englisch, sondern auf deutsch übersetzt, und es klingt wunderschön poetisch, das „Boot der Liebe“:
Sag wohin die Reise führt
Dass sie nicht an Sinn verliert
Suche Du die Segel aus
Geradeaus, ich folge Dir
Zeig' wohin die Reise führt
Dass sie nicht das Ziel verfehlt
Flaute oder wilder Sturm
Selbst im Kreis, ich folge Dir
(Textauszug – ganz herzlichen Dank fürs Zusenden!)
Mit einem Stück, das das Publikum zum Mitsingen animiert, endet das Konzert – wie schnell ist die Zeit verflogen! Gäbe es nicht noch einige weitere Programmpunkte, würden wir sicher nach einer Zugabe rufen. So sind aber alle Zuhörer mit einer kurzen Pause ganz zufrieden, bevor es mit ebenso beeindruckenden Tanzgruppen, einer Tombola mit zwei Gemälden als Hauptgewinn und dem abschließenden traditionell zubereiteten Abendessen weitergeht. Für mich ist es besonders schön, dass ich TiCorn und ihre Freunde bei dieser Gelegenheit auch persönlich begrüßen und sprechen kann, wobei ich u.a. auch von folgenden Konzertterminen erfahre:
Freitag, 28.11. 2014 um 19 Uhr in Eitorf (Nähe Bonn) im Theater im Park
Samstag, 29.11.2014 in Lille; Sonntag, 30.11.2014 in Creil (Frankreich), eine Konzertankündigung per Videoclip gibt es unter folgendem Link von TiCorn & friends:

Wer sich wie ich für handgemachte Musik, Sprachen und Kultur interessiert, sollte sich nicht entgehen lassen, mal ein Konzert von TiCorn & friends zu besuchen. Übrigens fühle ich mich im Laufe des Abends mehrmals an die Atmosphäre bei unseren Liedertreffen bzw. den Sessions erinnert, als nämlich einige Musiker und Tänzer ganz spontan einzelne Darbietungen unterstützen, und gerade auch die Kinder mit Begeisterung vor die Bühne stürmen, um sich fröhlich zu Musik und Rhythmus im Kreis zu drehen.
Ein Abend, an den ich mich sicher noch häufig und gerne erinnern werde!
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Anne1986
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#2

Beitrag von Anne1986 » Do 27. Nov 2014, 23:02

*hochschieb* - da dieses Wochenende gerade weitere Konzerte stattfinden. ;-)
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#3

Beitrag von Anne1986 » So 18. Okt 2015, 12:56

Liebe Freunde,
heute nun ein aktueller Konzertbericht von der diesjährigen Haiti Konbit. Schön war's! :-)
Haiti Konbit 2015 – Impressionen von einem „echt haitianischen Oktoberfest“

Über das Konzert von TiCorn und ihrer Band im Rahmen des jährlichen Kulturfestes von Haiti-Med e.V.

Samstag, 10. Oktober 2015, am späten Nachmittag: Langsam, aber stetig, füllt sich der Eingangsraum der Veranstaltungsstätte der diesjährigen Haiti Konbit in Düsseldorf-Eller. Mit großer Vorfreude auf ein vielfältiges Programm aus Musik, Tanz, Theater, Vorträgen und kulinarischen Genüssen, das diesmal von der jüngeren Generation in Deutschland lebender Haitianer organisiert worden ist, begrüßen sich einander bekannte (oder sich gerade kennenlernende!) Besucher herzlich. Auch ich staune nicht schlecht, dass ich nicht nur freundlich angesprochen, sondern einmal sogar von einer mir völlig fremden Frau gleich in die Arme geschlossen werde – vielleicht eine Verwechslung, aber sicherlich eine Begegnung, die ich nicht so schnell vergessen werde! Mein persönliches Highlight des Abends ist und bleibt aber das Konzert von TiCorn („petite Cornelia“ Schütt), Sängerin und Songwriterin aus Haiti, zusammen mit ihrer Band, Brahm Heidl (Multi-Instrumentalist) und Donald Holtermanns (Percussion). Bevor es losgeht, bleibt noch genügend Zeit, sich die verschieden farbigen Jetons für Kaffee, Kuchen und das traditionell haitianische Abendessen erklären zu lassen und entsprechend zu erwerben, für ein Krankenhaus auf der Karibikinsel beim Initiator Haiti-Med ( haiti-med.de ) zu spenden sowie den CD-Stand der Künstler aufzubauen, der es an reichhaltigen Angeboten nicht mangeln lässt.
Dann ist es soweit: Auf der Bühne trommelt Donald Holtermanns buchstäblich alle Zuhörer in den Gemeindesaal zusammen. Nach einigen kurzen Ansprachen und Danksagungen, in der Landessprache Créole und in deutscher Übersetzung, u.a. durch den Haitianischen Botschafter, kann das Konzert beginnen. Eingerahmt hat TiCorn ihr Programm mit zwei Stücken ihrer aktuellen CD, einem Gemeinschaftsprojekt mit der Dichterlegende Jean Claude Martineau, aus dessen Feder auch noch zahlreiche weitere ihrer Lieder stammen, und dem haitianischen Songwriter Beethova Obas: Die wunderschöne Ballade „Plezans“, die Martineaus Heimatdorf auf Haiti gewidmet ist, und verspricht, dorthin eines Tages zurückzukehren, und den Titelsong „Kilès ki zanmi nou“ (Wer sind unsere – wahren! - Freunde), in dessen Refrain die Zuhörer begeistert mit einstimmen... ob sie nun Créole sprechen können oder nicht! Wer diese Mischung aus Altfranzösisch, afrikanischen Sprachen und Spanisch nicht versteht, bekommt durch TiCorns Anmoderationen und einigen Strophen auf Englisch mit, worum es in den einzelnen Liedern geht, so zum Beispiel in TiCorns eigener Heimatstadthymne „Cap Haitien“ . Direkt darauf folgt ihr nicht minder beschwingter Hitsong „Carenage“, das traditionellen Ursprungs ist: Ein junges Mädchen geht bei Sonnenuntergang mit ihrem Liebsten Hand in Hand am Strand spazieren. Sie legen sich in den Sand und vor lauter Müdigkeit schläft sie ein. Plötzlich erwacht sie, es ist stockfinster, ihr Liebster ist fort und um sie herum tanzen Voodoo-Geister, sie ist von Mücken zerstochen, rennt nach Hause und schreit „Hilfe!“
Die unterschiedlichen Rhythmen untermalen die jeweilige Stimmung. Ruhige, tänzerisch-leichte Stücke wie „Ma'prale“ oder das im Chorus mit Brahm Heidl zweistimmig gesungene „La ma'p rete“ wechseln sich mit energiegeladenen und mitreißenden Liedern wie „Pa kite'm dejò“ oder „Plakatap bourikman“ ab. Bei letzterem geht es um einen langsamen Fahrer, dessen Devise lautet: „ Plakatap, Plakatap, wie ein Esel, hast du es eilig, überhole doch!“ Dabei kommt das Publikum nicht nur der Aufforderung nach, mitzusingen, sondern stürmt auch die Tanzfläche vor der Bühne. Wer noch sitzt, wird lachend von den bereits Tanzenden von seinem Stuhl hochgezogen und zum mitmachen animiert. Natürlich darf auch TiCorn berühmtestes Lied „Colibri“ im diesjährigen Programm nicht fehlen. Ihre warme und zugleich klare Stimme und die zarte Querflötenmelodie vermischen sich und symbolisieren einen Dialog zwischen dem kleinen Vogel und der Hibiskusblüte, die Tag für Tag vergeblich auf die Rückkehr des Kolibris wartet.
Auf langanhaltenden Applaus folgt zunächst ein Interview zwischen TiCorn und Initiator Dr. Yves Polynice, der die Künstlerin zu ihrer Motivation, Inspiration, ihren neuesten Projekten und speziell zu Kinderliedern befragt. Auf seinen speziellen Wunsch hin gibt es als Zugabe zunächst die Verbindung des wunderschönen „Lavi Nouvo“ (Neues Leben) mit dem Schlaflied „Dodo Titit“ - „Ihr dürft aber nicht einschlafen, versprochen?!“, kündigt die Sängerin vorher schmunzelnd an. Diese Sorge erweist sich als völlig unbegründet: Bei „Gade d'lo“ ist die Tanzfläche sogar noch stärker gefüllt als zuvor, sodass Donald Holtermanns spontan ein Trommelsolo einfügt, das die Tanzenden all ihre Bewegungskunst zeigen lässt. Wenn es nach dem Publikum ginge, könnte das Konzert ruhig noch lange weitergehen. Die Zeit vergeht wie im Flug mit interessanten Gesprächen und Begegnungen, köstlichem Essen und weiteren originellen Darbietungen, wie Märchentheater und Voodoo-Tanz. Die Haiti Konbit 2015 – eine rundum gelungene Veranstaltung! Ich freue mich bereits auf Oktober 2016. Kulturfreunde wie Musik- und Sprachinteressierte sollten sich Veranstaltungen dieser Art nicht entgehen lassen!
Ein Konzert von TiCorn zu besuchen und ihre kreolische Musik zu hören, ist aber natürlich schon früher möglich. Wer sich nun von der Begeisterung für die Karibikinsel anstecken lässt, dem sei TiCorns Homepage (TiCorn.com) mit Informationen und einzelnen Musikclips wärmstens empfohlen! Die nächsten Konzerte in Deutschland werden Anfang 2016 in Berlin und Hamburg stattfinden.
Copyright: Anne Drerup
freie Autorin und Rezensentin beim Online-Kleinkunstmagazin „Ein Achtel Lorbeerblatt“
Copyright Oktober 2015
Copyright Fotos: Cornelia Schütt
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#4

Beitrag von Anne1986 » So 18. Okt 2015, 13:31

Und jetzt noch mit Bildern:
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#5

Beitrag von migoe » Fr 6. Nov 2015, 11:31

Auf Wunsch von Anne habe ich - leider mit viel Verspätung - für TiCorn ein eigenes Forum erstellt. Moderiert wird hier von Anne selber.
Viel Spaß :-)
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

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