Wie ich versuche, über YouTube-Tutorials das Gitarrenspielen zu lernen.

Vor ein paar Monaten habe ich die Gitarre, die ich von meiner Frau vor vielen vielen Jahren als "Beschäftigungstherapie"-Geschenk bekam, aus ihrer dunklen verstaubten Ecke hervorgekramt und habe damit begonnen, das verschüttet geglaubte Wissen von Akkorden, Schlagtechniken und Zupfmustern aus meiner Jugendzeit wieder anzuwenden. Wie mir Video-Tutorials bei YouTube dabei helfen, berichte ich in diesem Thread!

Du willst selber Lieder schreiben und suchst Themen, Lob oder Kritik? Hier bist Du richtig und kannst auch anderen mit Deiner Meinung helfen, ihre Gedanken und Ideen auf Papier, ins Instrument und auf die Bühne zu bringen.

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Wie ich versuche, über YouTube-Tutorials das Gitarrenspielen zu lernen.

#1

Beitrag von migoe »

Ich will hier niemanden mit meinen persönlichen Geschichten langweilen, deshalb habe ich diesen Teil in einen Spoiler gepackt...danach gehe ich auf das eigentliche Thema ein ;-)
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Ich bin - wie im Spoiler erklärt - seit vielen Jahren aus der Übung und habe auch früher nur nebenbei und ohne großen Ehrgeiz auf der Gitarre gespielt. Mir ging es darum, in der Gruppe mit anderen einfache Lieder zu singen und mit der Gitarre zu begleiten. Einfache und effektive "Schramm-Schramm"-Begleitmusik ohne großen Anspruch auf Technik oder Raffinesse. In der Corona-Lockdown-Phase hatte ich Zeit und genug Langeweile, um mich ernsthaft damit zu beschäftigen, wie ich mir selber bestimmte Akkorde, Zupf- und Schlagtechniken beibringen könnte, denn es war auch nicht möglich eine*n Gitarrenlehrer*in zu besuchen. Gemeinsam mit anderen zu singen und dabei mit der Gitarre den Rhytmus vorzugeben, war aber auch nicht möglich. Ich entwickelte das Interesse, nur für mich selber und aus Freude Lieder einzustudieren und zu spielen, aber nicht einfach nur im "Schramm-Schramm"-Stil, sondern möglichst nah an das "Original" angelehnt zu spielen.

Im Internet finden sich allerlei Akkorde und Noten für alle möglichen Lieder und wer schon gut Gitarre spielt, wird hier sicher fündig und kann gleich loslegen. Wer aber wie ich kein ausreichendes Vorwissen mitbringt, dafür aber Zeit und vor allem Selbstdisziplin mitbringt, findet auf YouTube sehr gute Tutorials, um Grundlagen für das Gitarrespielen zu erlernen.

Sehr gut gefallen mir die Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die es für einzelne Lieder wie z.B. "
Halleluja
" von Leonard Cohen oder "
Über den Wolken
" von Reinhard Mey gibt. Ich bin in den letzten Wochen auf ein paar Kanäle gestoßen, die ich sehr gut finde und hier empfehlen kann. Es gibt noch sehr viel mehr Kanäle und auch in vielen Sprachen gibt es viele sehr gute Tutorials, ich möchte hier aber auf 3 Kanäle / Gitarrenlehrer aufmerksam machen, die mir persönlich sehr sympathisch sind und die mir sehr helfen.

YouTube Kanal von Christian Konrad
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YouTube Kanal von Johannes Knechtges
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YouTube Kanal von Georg Norberg
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Was ich gemerkt habe ist, dass ich nicht bei jedem Tutorial sofort "warm" werde mit der Art, wie der/die jeweilige Tutor*in vorgeht. Teilweise hat das mit den Kameraeinstellungen zu tun, oder mit der Ausdrucksweise, der Geschwindigkeit beim Sprechen oder einfach dem "Typ", der einem einfach sympathisch sein sollte. Diese drei "Lehrer" habe ich in den letzten Wochen für mich entdeckt und lerne gerne mit ihnen. Wenn ich bei einem Lied nicht klar komme, habe ich mir angewöhnt, mich von YouTube auch auf andere Kanäle fühen zu lassen, hier funktioniert der Algorithmus recht gut und teilweise bin ich dann auch auf englischsprachige Tutorials gestoßen, bei denen mir dann z.B. die Schlagtechnik oder das Zupfmuster besser gefallen hat.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass es heutzutage diese Möglichkeit des E-Learnings gibt und diese Profis ihr Wissen mit uns teilen.

Einige bieten unter ihren Videos teilweise die Akkorde und andere hilfreiche Informationen als Download an oder es können weiterführende und vertiefende Kurse auf ihren eigenen Webseite gebucht werden. Insgesamt bin ich persönlich vor allem vom Kanal von Georg Norberg begeistert.

Was meint Ihr dazu? Habt Ihr selber auch schon mal auf YouTube solche Tutorials benutzt, um Euch Wissen anzueignen oder aufzufrischen? Gibt es vielleicht noch andere oder sogar "bessere" Kanäle, die Ihr uns empfehlen wollt?

Welches Instrument spielt Ihr und wie seid Ihr darauf gekommen?

Fragen über Fragen... :blabla: ...her mit Euren Antworten!
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Rex2005
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Wie ich versuche, über YouTube-Tutorials das Gitarrenspielen zu lernen.

#2

Beitrag von Rex2005 »

Hallo Migoe

ich nutze in letzter Zeit auch recht oft die youtube-Tutorials. Allerdings im Moment mehr für Mandoline. :pfeifen: Mir geht es im Prinzip wie Dir auch - alle Tutorials kann man nicht ertragen entweder wegen der technischen Qualität oder den Machern, in vielen wird endlos gelabert. Ich gucke in Gitarren-Tutorials rein, um für einige Lieder die richtigen Akkorde zu finden, mir einfach ein paar Sachen abzugucken und man bekommt manchmal ein paar wichtige Tipps, wie man was üben sollte. Mir geht es beim Gitarre spielen nie darum, wie das Original zu spielen, da ich eh nicht singen kann.
Ich bin auf diesen hier gestoßen Bernd Kiltz - er hat Videos vom Urschleim angefangen bis zu sehr anspruchsvollen Sachen und seine Tipps wie man üben sollte - was richtig und was falsch ist und warum - ist, was mich zur Zeit am meisten interessiert.
Für Mandoline gucke ich mir irre gerne die Tutorials mit irischen Stücken an. Da geht die Post ab :-)

LG
Rex2005
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#3

Beitrag von Westwind »

Danke, Migoe, für den so tiefen Einblick in Deinen musikalischen Werdegang :super: .

Bei mir war das mit der Musik irgendwie immer alles wenig organisiert und eher Flickschusterei.
Und in meinen Anfängen hätten mir Youtube-Videos sicherlich mehr geholfen, als sie es jetzt können beim Erlernen weiterer Instrumente.

In der Schule hat mich Musik nie interessiert, was aber aus meiner Sicht an den 2 Lehrern lag. Inhaltlich hätte ich da sogar was lernen können, wenn ich heute einen Blick in die alten Schulhefte werfe.

Mein Vater spielte Akkordeon und wir hatten damals auch eine kleine Bontempi-Orgel bei uns stehen. Beide Instrumente haben nie mein Interesse geweckt.

Musik habe ich immer gerne gehört, aber das Bedürfnis, selbst mal etwas nachzuspielen, kam erst im Alter von 18-19 Jahren, als ich bei einem Schulfreund ein Keyboard sah. Das fand ich sehr spannend, und meine Taschengeld-Ersparnisse erlaubten mir die Anschaffung eines Mini-Keyboards, eher für Kinder, mit kleinen Tasten. Ein Jahr später sollten es dann normale Tasten sein mit einem neuen Keyboard und Unterricht dafür.

Reinhard Mey hörte ich zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahre und hatte das Liederbuch "Von Anfang an" und habe auch daraus immer schon versucht, ein paar Stücke auf dem Keyboard nachzuspielen. Aber ein weiteres Jahr später wollte ich neben dem Keyboard-Unterricht, den ich weiter verfolgt hatte, auch "Musik von Hand" machen, und habe mir erstmal die Gitarre meiner Schwester geschnappt, um anzufangen, etwas zu schrammeln. Gitarrenunterricht hatte ich anfangs nie, so daß ich mir da alles, auch das Mey-Picking, selbst angeeignet habe. Das hatte zur Folge, daß ich heute viel zu verkrampft spiele, weil ich nie eine vernünftige Technik und ökonomische Spielweise lernte.

Erst um das Jahr 2000 nahm ich nochmal Gitarrenunterricht, allerdings für klassische Gitarre und somit das Melodiespiel. Dies brachte mir ein paar Fähigkeiten, heute eben auch mal mehr Melodie- und Bassläufe in die Akkordbegleitungen einzubauen.

In den Jahren kamen einige Instrumente dazu. Alles, dem man Töne entlocken kann, probiere ich gerne aus. So kamen aufgrund meines Interesses für irische Musik auch irgendwann Mandoline und Tin Whistle dazu, wo ich heute einfache Melodien spielen kann. Das Akkordeon meines Vaters habe ich irgendwann geerbt. Seit 2008 habe ich ein E-Piano, weil ich auch noch etwas Klaviespiel lernen wollte, zumindest für Songbegleitung, und dann habe ich noch eine E-Gitarre, Westerngitarre zum Abrocken, Cajon, Mundharmonikas in verschiedenen Tonarten, wo ich aber das Bending und somit den Blues-Sound noch nicht gelernt habe. Ein paar weitere kleine Persussion-Sachen habe, und für ein paar Wochen hatte ich mal eine Leih-Geige, um dort die ersten Schritte zu machen.

Leider fehlte mir immer die Zeit, mich intensiver mit den Instrumenten zu beschäftigen. Und / oder auch die Geduld und Disziplin, mich jeweils weiterzuentwickeln. Meistens spiele ich das, was ich kann, und versuche, spielerisch und punktuell schon mal, eine neue Technik, Begleitung, Variante einzubauen.

Lehrbücher für die verschiedenen Instrumente habe ich, aber es macht mir keinen Spaß, mich da Stück für Stück durchzuhangeln. Dazu möchte ich mir nicht die Zeit nehmen, sondern lieber Freude am Musikzieren haben. Mit Musiktheorie und Noten kenne ich mich aus, aber selbst Noten sind mir beim Spielen eher hinderlich. Da reichen mir allenfalls Akkorde zur Orientierung.

Wenn ich heute zurückblicke, wundere ich mich schon, weshalb ich erst so spät zur Musik fand. Vermutlich fehlte in Kindheit und Jugend der entscheidende Berührungspunkt mit einem Aha-Erlebnis, um da mein Interesse zu wecken.

Youtube-Tutorials schaue ich mir nur ganz selten an. Ich habe mir mal eine Gitarrenbegleitung von Paul Simon angeschaut, oder habe auch mal von ein paar bestimmten Stücken ein Video angeschaut, um da etwas abschauen zu können. Aber im Prinzip macht es mir mehr Freude, das Gehörte selbst umzusetzen mit meinen Fähigkeiten und in meinem Stil.

Selbst Hannes Wader habe bei einem Konzert aus der ersten Reihe nichts abgucken können. Das geht einfach zu schnell. Man kann bei jeder Schulung und bei jedem Tutorial ja immer nur soviel brauchen, wie es das jeweilige eigene Niveau aufzunehmen vermag.

So hat wohl jeder seine eigene Herangehensweise. Ich hätte gerne als Kind / Jugi ein Instrument von Grund auf gelernt. Wie diszipliniert ich da gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Vermutlich eher wenig, aber ich glaube, wenn man ein Instrument wirklich gut kann, fällt es einem auch leichter, neue Instrumente zu lernen.
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es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
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#4

Beitrag von migoe »

Hallo Rex2005,
Rex2005 hat geschrieben:
Di 28. Jul 2020, 08:01
Ich bin auf diesen hier gestoßen Bernd Kiltz - er hat Videos vom Urschleim angefangen bis zu sehr anspruchsvollen Sachen und seine Tipps wie man üben sollte - was richtig und was falsch ist und warum - ist, was mich zur Zeit am meisten interessiert.
dieser Kanal ist mir auch bekannt, aber ich persönlich kann mit seiner Art des Unterrichts nicht warm werden. Er hat viele Videos die im Titel angeben "Die 7 größten Fehler..." oder "Der größte Fehler von 80% aller Gitarristen..." usw. was mich am Anfang neugierig gemacht hat, aber nachdem ich mir ein paar Videos angeschaut hatte, war ich nicht klüger als zuvor und hatte nichts gelernt, was mich persönlich weiter gebracht hat. Aus diesem Grund habe ich seine Videos nicht mehr berücksichtigt und ihn auch nicht hier bei meinen Tipps aufgenommen.
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Interessant für mich ist, dass Du dafür seine Videos gut finden musst, sonst hättest Du ihn nicht erwähnt und das unterstreicht meine Überzeugung, dass es nicht DEN EINEN WEG gibt, ein Instrument zu lernen und jeder eine andere Ansprache wünscht :super:
Westwind hat geschrieben:
Di 28. Jul 2020, 12:33
In der Schule hat mich Musik nie interessiert, was aber aus meiner Sicht an den 2 Lehrern lag. Inhaltlich hätte ich da sogar was lernen können, wenn ich heute einen Blick in die alten Schulhefte werfe.
Als ich Anfang des Jahres (und zum ersten Mal überhaupt in meinem Leben) eine Bewerbermappe für die Bewerbungen bei diversen potenziellen Arbeitgebern zusammengestellt habe, ist mir aufgefallen, dass in dem Abschlusszeugnis der Wirtschaftsschule die einzige EINS in Musik vergeben wurde, was mir bis jetzt überhaupt nicht aufgefallen war :-D und später ist mir dann eingefallen, dass ich dort zwei Jahre 2x in der Woche in den freiwilligen Keyboard-Unterricht gegangen bin (ich vermute, es war wegen einem Mädchen, kann mich aber nicht mehr erinnern! :pfeifen: )
Ich hatte mir damals nach der Schule sogar ein billiges Keyboard gekauft und es gibt sogar noch Familienbilder, auf denen mein Sohn Paul darauf spielt. Irgendwann ist es aber wohl kaputt gegangen und wurde dann entsorgt... :weissnicht: im Keller ist es jedenfalls nicht mehr - vielleicht haben wir es aber auch verschenkt.
Westwind hat geschrieben:
Di 28. Jul 2020, 12:33
Leider fehlte mir immer die Zeit, mich intensiver mit den Instrumenten zu beschäftigen. Und / oder auch die Geduld und Disziplin, mich jeweils weiterzuentwickeln. Meistens spiele ich das, was ich kann, und versuche, spielerisch und punktuell schon mal, eine neue Technik, Begleitung, Variante einzubauen.
Geht mir auch so, weniger, dass die Zeit fehlt, eher fehlt mir die Geduld und Disziplin. Trotzdem finde ich es super, wenn ich mir von Leuten, die das können, neue Tricks und Kniffe abschauen kann bzw. sie erklärt bekomme, denn war mir total fehlt ist die Fähigkeit, sich Dinge "beim Spiel" abzuschauen oder rauszuhören.
Westwind hat geschrieben:
Di 28. Jul 2020, 12:33
In den Jahren kamen einige Instrumente dazu. Alles, dem man Töne entlocken kann, probiere ich gerne aus. So kamen aufgrund meines Interesses für irische Musik auch irgendwann Mandoline und Tin Whistle dazu, wo ich heute einfache Melodien spielen kann. Das Akkordeon meines Vaters habe ich irgendwann geerbt. Seit 2008 habe ich ein E-Piano, weil ich auch noch etwas Klaviespiel lernen wollte, zumindest für Songbegleitung, und dann habe ich noch eine E-Gitarre, Westerngitarre zum Abrocken, Cajon, Mundharmonikas in verschiedenen Tonarten, wo ich aber das Bending und somit den Blues-Sound noch nicht gelernt habe. Ein paar weitere kleine Persussion-Sachen habe, und für ein paar Wochen hatte ich mal eine Leih-Geige, um dort die ersten Schritte zu machen.
Respekt und Bewunderung - dafür, dass Du selber schreibst, erst spät die Musik für Dich entdeckt zu haben, bist Du dafür umso mehr dafür "entbrandt" :super:
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#5

Beitrag von Rex2005 »

migoe hat geschrieben:
Do 30. Jul 2020, 11:53
das unterstreicht meine Überzeugung, dass es nicht DEN EINEN WEG gibt, ein Instrument zu lernen und jeder eine andere Ansprache wünscht :super:
genau das ist zur Zeit mehr oder weniger mein Problem. Seit einiger Zeit zupfe ich ja in einer Gruppe mit, die dringend neue Mitstreiter bzw Nachwuchs jeden Alters braucht. Es fehlt aber nicht nur an Nachwuchs, es fehlt auch an Leuten, die Nachwuchs für solche Hobby-Gruppen ausbilden können oder wollen. Mich interessiert in den Tutorials daher eher, was man wie am besten vermitteln kann.
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#6

Beitrag von Nicky »

Lieber Migoe,
als ich vor ein paar Wochen gelesen habe, wie deine "Gitarrenkarriere" begonnen hat, musste ich auch an meine Anfänge zurück denken. Zu meiner Anfangszeit des Gitarrenlernens gab es noch kein YouTube. Genau genommen gab es auch noch kein Internet. ;-)
Da ich seit einiger Zeit (angeregt von den kleinen Geschichtchen die Hella Mey schreibt und die von Reinhard vorgelesen werden) auch kleine Geschichten aus meinem Leben aufschreibe, ist mir die Idee gekommen, eine dieser vielen Geschichten hier mit euch zu teilen. Ich weiß, sie ist etwas lang geraten, aber vielleicht mag sie ja doch der eine oder andere lesen.
Alles Liebe
Nicole

Gitarrenunterricht damals und heute

Aufgrund einer kreativen Krise, die mich zur Zeit davon abhält neue Texte und Lieder zu schreiben habe ich mir vor einiger Zeit wieder einen Gitarrenlehrer genommen, um zu mindest auf diesem Gebiet ein wenig voran zu kommen. Es ist der dritte Gitarrenlehrer in meinem Leben. Ich freue mich auf jede Gitarrenstunde und mache fleißig meine „Hausaufgaben“.
Wie sich die Zeiten doch ändern können. Denn so war es nicht immer.......

Im zarten Alter von 6 Jahren hegte ich den Wunsch Gitarre spielen zu lernen. Hätten meine Eltern damals schon den Weg zum Privatlehrer eingeschlagen, wäre meine Musikalische Karriere vielleicht anders verlaufen. Aber sie wählten den für die damalige Zeit üblichen Weg für mich. Und der führte mich in eine Städtische Musikschule. Doch bevor ich überhaupt eine Gitarre in die Hand bekam mußte ich ein komplettes Jahr „Elementarunterricht“ über mich ergehen lassen. Wer keine Ahnung hat, woraus musikalischer Elementarunterricht besteht, dem sei gesagt, er hat auch nichts verpasst. Ein Jahr lang lag ich Bäuchlings auf einem Turnhallenboden und malte Noten. In allen Farben und Formen. auf die Rückseite alter Tapetenrollen (um Papier zu sparen), Ich klatschte Notenlängen mit den Händen und ich stampfte Notenlängen auf den Boden der Turnhalle. Nach diesem Jahr, in dem ich sehr viel theoretisches gelernt hatte, war mir die Lust auf ein Instrument schon fast vergangen.

Die nächste musikalische Stufe die beschritten werden musste war dann der Blockflötenunterricht. Ich habe den Namen des Blockflötenlehrers vergessen, vielleicht habe ich ihn auch verdrängt. Die Blockflötenstunden waren totlangweilig und ich war mit Abstand die schlechteste in der fünfköpfigen Flötengruppe. Wirklich in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist nur, eine sehr schräge Interpretation auf meiner Flöte von „der Mond ist aufgegangen“. Es interessierte mich einfach nicht, wollte ich doch eigentlich Gitarre spielen lernen.
Zusätzlich zum Blockflötenkurs mußte jedes Kind sich noch in einen zweiten Kurs eintragen......der leider auch noch nichts mit einer Gitarre zu tun hatte.

Zur Auswahl stand erstens der Ballettkurs. Ich hätte mich furchtbar gerne dort eingeschrieben, aber alle meine Familienmitglieder waren sich darin einig, dass das Kind schon läuft wie ein Bauer, wie sollte das dann erst tanzend in Spitzenschuhen aussehen? Besonders traumatisch war für mich daran die Tatsache, dass selbst die dicke Hendrike aus meiner Schulklasse Ballettunterricht nehmen durfte......

Der Zweite Kurs, der zur Auswahl stand war der Kinderchor. Auch hier hätte ich gerne mitgesungen. Nach einer Probestunde in dem Chor wurde ich allerdings mangels Talent des Chores verwiesen, weil ich angeblich nicht einen einzigen Ton halten konnte....... ich glaube, ich war einfach nur zu schüchtern lauthals einen Ton zu halten.....

Letztendlich landete ich in einem sogenannten „Spielkreis“. Dort wurden die weniger musikalischen Schüler untergebracht und wurden einem Zweitinstrument zur Blockflöte zugeordnet. Natürlich wieder keine Gitarre. Ich durfte -nachdem ich auch am Xylophon versagt hatte - das Glockenspiel spielen. Ich glaube die nächstgrößere Demütigung wäre die Triangel gewesen.....

Die Kombination aus Blockflöte und Glockenspiel mußte ich dann weitere zwei Jahre über mich ergehen lassen. Und noch immer war keine Gitarre in sicht.

Dann aber...... Ich war mittlerweile schon 9 Jahre bekam ich meine heiß ersehnte Gitarre. Und den dazugehörigen Unterricht in immernoch der gleichen Musikschule. Bereits nach der ersten Stunde war mir schon klar, dass das eine schwierige Nummer werden würde. Die Finger taten mir weh, die Gitarrenlehrerin war mit unserer Dreiergitarrengruppe (unter anderem war die dicke Hendrike auch mit dabei) total überfordert. Wir frustrierten sie einfach mit unserem Nicht-können und aufgrund der Schmerzen in den Fingerspitzen auch dem Nicht-wollen.
So kam es, dass sie ihre Wut an uns ausließ, indem sie vor jeder Stunde unsere Fingernägel kontrollierte. Waren diese nicht kurz genug, zückte sie eine Nagelfeile und wir mußten uns vor den anderen Kindern die Nägel von ihr feilen lassen. Es war einfach demütigend und bis heute lasse ich keine Nagelfeile an meine Nägel.
Nach einem halben Jahr Gitarrenunterricht sollte es ein Vorspiel für die Eltern geben. Jedes Kind bekam ein Lied zugeordnet, das es alleine vorne auf einer Bühne vorspielen sollte. Die Eltern aller Musikschulkinder bildeten das Publikum. Ich bekam „Greensleves“ zugeordnet. Und ich konnte es einfach nicht. Das Gitarrespielen hatte ich mir völlig anders vorgestellt. Ich wollte doch wie die Betreuer im Feriencamp am Lagerfeuer „Über den Wolken“ von Reinhard Mey singen oder „heute hier morgen dort“ von Hannes Wader. Statt dessen wurde nicht gesungen, sondern ausschließlich Gitarre gespielt. Und das auch nicht mit coolen Akkorden, sondern Ton für Ton. Was in meinem Fall allerdings nur sehr schiefe Töne waren. Mittlerweile hatte ich jeglichen Spass an dem Instrument verloren und übte auch nicht mehr. Meine Mutter bettelte ich an doch bitte auf gar keinen Fall zu meinem Vorspiel zu kommen,so sehr schämte ich mich, dass ich es einfach nicht konnte. Der Zufall wollte es, das mein jüngerer Bruder an dem Tag Durchfall bekam und sie meinen musikalischen Untergang auf der Bühne so nicht mitbekam. Die dicke Hendrike war gar nicht erst angetreten.

Den absoluten Tiefpunkt hatte meine musikalische Karriere dann erreicht, als ich mir sogar wünschte entführt zu werden, nur um nicht am Gitarrenunterricht teilnehmen zu müssen.
Um zur Musikschule zu gelangen gab es zwei Wege. Den sicheren an der Strasse entlang oder den verbotenen durch den Wald. Da ich gehört hatte, dass in dem Wald schon öfters Leute überfallen worden waren, wählte ich immer den verbotenen Weg in der Hoffnung entführt zu werden und so nicht zum Unterricht zu müssen (Logik einer neunjährigen) oder ich hoffte, das wenigstens jemand kam und meine Gitarre klaute. Nichts von alldem geschah......Noch nicht einmal irgendein lausiger Dieb wollte meine Gitarre haben. Das war doch ein Zeichen.
Ein weiteres halbes Jahr später hatten meine Eltern dann Erbarmen und meldeten mich von der Musikschule ab.

Es dauerte knapp 30 weitere Jahre, bis ich wieder zur Gitarre griff......und heute? Heute habe ich die alte 80 Mark Gitarre längst gegen zwei wunderbare andere Gitarren ausgetauscht und – obwohl ich noch immer nicht gut spielen kann – wüßte ich kein anderes Hobby, das mir mehr Spass machen könnte.......So ändern sich die Zeiten.......
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...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

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