"Neuer" Lebenslauf...

Der aus dem bayerischen Bad Reichenhall stammende Liedermacher hat sich durch seine anarchische aber konsequent querköpfige Art im gesamten deutschsprachigen Raum viele Freunde gemacht - und das obwohl er seine Lieder ausschließlich in seiner Heimatsprache - nämlich bayerisch! - singt und kein Blatt vor den Mund nimmt. In diesem Forum besteht die Möglichkeit zum Austausch...
Quelle: Foto für Forum und Banner wurden der Wikipedia entnommen: Stefan Brending (2eight) - Concertbüro Franken,Hans Söllner & Bayaman Sissdem,Konzert,Livekonzert,Livemusik,Musik,Serenadenhof
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Nordlicht hat dieses Thema gestartet
...hat schon mal ein LT organisiert
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Registriert: So 16. Feb 2003, 22:31
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"Neuer" Lebenslauf...

#1

Beitrag von Nordlicht »

Hallo, liebe Freunde !!!
Ich weiß, der (selbstverfaßte) Lebenslauf vom Hans Söllner ist in diesem Forum bereits veröffentlicht worden. Allerdings habe ich dieser Tage eine "neue", sprich: etwas detailliertere, Vita entdeckt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. So lest denn:

Daten
Name: Johann ΄Hans΄ Michael Söllner
Geburtsdatum: 24. Dezember 1955
Sternzeichen: Steinbock
Geburtsort: Bad Reichenhall
Wohnort: Weißbach bei Marzoll (Bad Reichenhall)
Konfession: Rastafari
Eltern: Johann † und Therese Söllner
Großeltern: Josef † und Maria † Söllner
Geschwister: 2 Brüder (Josef und Michael), 1 Schwester
Kinder: Robert (*02.12.88)
Dustin (*10.03.90)
Eric (*18.01.94)
Josefina Marie (*14.12.01)


Schule und Arbeit
1961 - 1964: Hauptschule Marzoll
1970 - 1973: Lehre als Koch
1973 - 1974: Arbeitslos
1974: Drei Monate Grundausbildung in Füssen
1974 - 1975: Zivildienst in Weilheim
1975 - 1977: Arbeitslos in München
1977 - 1980: Lehre als KFZ-Mechaniker
seit 1980: Liedermacher und G`schichtenerzähler


Hans Söllner im erzkonservativen Bad Reichenhall auf der Bühne stehend solche Zeilen singt, während er sich selbst mit vier Akkorden begleitet, stößt das logischerweise bei den Behörden auf Unverständnis. Die Meinungen über den bayrischen Rastafari gehen weit auseinander: Für die CSU-Wählerschaft ist Söllner die Personifikation Satans, für viele Jugendliche und jung gebliebene Ideologen ein Geschenk Gottes, der letzte deutsche Rebell.
Passend dazu kam Hans Söllner am Heiligen Abend des Jahres 1955 in Bad Reichenhall zur Welt. Er besuchte einen katholischen Kindergarten und absolvierte die Hauptschule. Das erste Mal eckte er an gesellschaftlichen Konventionen an, als er mit 14 wegen seiner (zu) langen Haare aus dem Trachtenverein ausgeschlossen wird. Er schließt eine Lehre als Koch ab, findet allerdings keine Arbeit. Als nächstes verlässt er nach drei Monaten Grundausbildung den Wehrdienst. "Lieber den Behinderten den Arsch wischen als den Blöden in denselbigen zu kriechen".
" Warum ich mich entschlossen habe, Liedermacher zu werden ? - Ich kann es nur ganz ehrlich sagen, ich habe mich entschieden, das ich nicht viel arbeiten werde in meinem Leben. Das war meine einzige gute Entscheidung, die ich getroffen habe. Dadurch habe ich viel Zeit gehabt für mich und dadurch habe ich viel Zeit gehabt und dadurch habe ich viel nachgedacht. Andere Leute kriegen 14 oder 15 DM in der Stunde. Meine Zeit gehört mir und die verbringe ich mit mir. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen. "
Er zieht nach München, wo er weitere zwei Jahre arbeitslos ist und in dieser Zeit seinen ersten Track, "Endlich Eine Arbeit" aufnimmt. Während seiner zweiten Lehre - zum Kfz-Mechaniker - komponiert er alle Titel für seine Debüt-LP. 1979 folgt der erste Auftritt in München. Es dauert allerdings weitere drei Jahre bis zu der ersten Veröffentlichung "Nachdenkliches Zum Schmunzeln". Seine oftmals staats- und gesellschaftskritischen Texte rufen schon früh die bayrischen Gesetzeshüter auf den Plan. Besonders drastisch wird das Verhältnis zur Obrigkeit allerdings nach seinem ersten Jamaika-Urlaub im Jahr 1986. Seit seinem Aufenthalt in der Heimat des Reggae hat er sich nämlich auch den Kampf um die Marihuana-Legalisierung auf das Banner geschrieben. Sprüche wie: "Ich nehme keine Drogen. Nur Marihuana und das in geringen Mengen. Für mich ist eine geringe Menge die Menge, die ich gerade noch tragen kann. Also ungefähr 80 Kilo". "Marihuana ist für mich keine Droge. Marihuana wächst in meinem Garten, in meinem Garten wachsen keine Drogen, da pass ich auf! Ich hab ja schließlich Kinder!" lassen ihn schnell zum gefeierten Helden der Pro-Hanf-Bewegung in Deutschland avancieren und stellen einen Dorn in den Augen der schwarzen Freistaatsbürger dar.
" Ich rufe nicht zum Missbrauch von Drogen auf. Ich sage keinem 16-jährigen, das er rauchen soll. Aber wenn er sich für irgendwelche Drogen entscheidet, dann soll er sich nicht für Alkohol entscheiden, sondern dann soll er sich für was Natürliches entscheiden. Was Natürlich ist, ist für mich das, was ich da rausreiss, zusammen schneide und rauch... bei Hanf denkt jeder an einen Strick, vielleicht denkt er noch an etwas zum Anziehen oder zum Draufschreiben, aber er denkt eigentlich nicht an Drogen. Marihuana, dieser Name ist einfach sehr verteufelt worden. Vielleicht sollte man nur noch über Hanf reden, weil Hanf ist angebaut worden vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg. Er ist in jedem Garten gewachsen, weil Tabak durfte man nicht anbauen. Wenn ich zu meiner Oma gesagt habe, ich habe da zwei Marihuanapflanzen, dann ist sie ausgerastet. Wenn ich gesagt habe, ich hab da Hanf, dann hat sie bloß den Kopf geschüttelt... "
Richtig munter wurde die ganze Geschichte allerdings erst Mitte der 90er Jahre. Anfang der Neunziger ging Hans Söllner zum Münchner Arbeitsamt, um sich arbeitslose Musiker zur Gründung einer Reggaeband zu suchen. Er hatte Erfolg. Die Band hieß Bayerman Vibration, mit denen er bis etwa 1996 durch den süddeutschen Raum tourte. Später nahm er wieder Soloprojekte auf, unter anderem seine wohl bekanntesten Alben: Hey Staat und Der Charlie. Des Weiteren wird Söllner seit dem Sommer 1996 regelmäßig verklagt, unter anderem wegen Marihuana-Anbau und Polizistenbeleidigung, und muss - gemessen an den Einnahmen durch seine CDs - horrende Bußgelder bezahlen. Als Coup startete er eine Gegenklage, in der er sein Recht, als Rastafari Marihuana zur Religionsausübung rauchen zu dürfen, durchsetzen wollte.
" Ich habe ein paar Pflanzen im Garten stehen, aber nicht zum Rauchen, sondern nur, damit welche da sind, wenn sie mal kommen. Es wäre ja ziemlich peinlich, wenn die ne Hausdurchsuchung machen täten und nichts finden würden... Die würden mich ja dann gar nicht mehr ernst nehmen. "
Ende der Jahrtausendwende - 1999 - legte Hans Söllner eine große Jahrespause ein – eigentlich um sich zu verabschieden. Seit 2000 ist er aber wieder voll im Einsatz. Seine ganze Prozessserie der letzten Jahre, endete am 21. Juni 2001 mit einer Verurteilung von ca. 90 000 Mark. Er ist seither der Erste, der in Deutschland zu einer so hohen Geldstrafe verurteilt wurde.
Inzwischen lässt er sich musikalisch von seiner Reggae-Band Bayaman`Sissdem unterstützen, noch immer an seinem großen Vorbild Bob Marley orientiert. Söllners Verhandlungen wollen auch kein Ende finden – seine Strafen belaufen sich mittlerweile schon auf über 150 000 Euro.
" Ständig geht irgendwer zu weit und bei mir regen sie sich auf, weil ich zu laut bin, oder zu ordinär bin, oder zu dreckig, oder was. Also, entschuldige bitte schön. Da gibt’s wirklich andere Sachen, über die sie sich aufregen könnten. 60.000 Kinder sterben jeden Tag auf dieser Welt, nicht im Monat, jeden Tag. Das ist unvorstellbar, das kann man sich gar nicht... und da geh ich zu weit, weil ich sage, der Beckstein ist ein Arschloch und ich zeige ihm mein Arsch. Also, entschuldige bitte schön. Was ist denn dann nicht zu weit gehen? Daheim bleiben, ich mag ja nicht daheim bleiben. Das ist es, ja genau das ist es. Jeder hat was anderes. Die Vielfalt ist angesagt. Ich bin so. Ich tue keinem was, sollen mich am Arsch lecken. "
Für viele bedeutet das, was Hans Söllner sagt, eine neue Art von Glauben. Sie glauben wieder an die Ehrlichkeit und Offenheit und Zusammengehörigkeit von Menschen. Wenn alle sich dem Beispiel Söllners anschließen würden, dann hätten dumme Politiker, Vergewaltiger und ähnlich unnützes Gesocks künftig wenig zu lachen. Wenn wir es dann auch noch schaffen, respektvoll miteinander umzugehen, dann werden wir vielleicht diese Welt noch retten können.

Vielleicht ist es für den einen oder anderen unter Euch ja doch interessant, auf diesem Wege einige nähere Einzelheiten aus Söllners Leben zu erfahren.
Liebe Grüße aus OÖ,

ANDREAS.

(...der immer auf der Suche nach Neuem ist...)
Dieser Beitrag enthält 1310 Wörter


"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

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