Werkspuren 2/2005

Dirk Schulte (* 9. Dezember 1955 in Arnsberg) ist ein deutscher Liedermacher, Musiker und Lyriker. Dirk ist hier auf dem Forum unter dem Alias zodiak bekannt.
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Werkspuren 2/2005

#1

Beitrag von Maren »

Liebe Forümler,
Seit einer Woche habe ich nun die neuen Werkspuren von Dirk Schulte in meinem Cd-Player und schwelge.
Nachdem die erste Ausgabe des Jahres viele ältere Kabinettstückchen enthielt, zeigt die aktuelle CD doch mehr von dem, was Dirk zur Zeit umtreibt.
Besonders gefallen mir "Wind und Papier" und die Homage an Franz Josef.
Allerdings gibt auch dieser Silberling wieder viele Fragen auf. Wer zum Beispiel ist "Barbara"?? Was war also los in Brest bei Regen? Skywise? Kannst Du mir das beantworten? ISMA?? Du vielleicht?
Musikalisch ist mir besonders Melani Becker aufgefallen, die Dirks Lieder wunderbar umsetzt und bei den "Stillen" einen dichten Hintergrund schafft. Auch die ältere Aufnahme von "Alles Kino" lässt so wunderbar viel Raum zur Improvisation.
Und wieder so viele eingängige Bilder!!!! "Das Gewürz Deiner Blicke" und der "anonyme Mut einer Schneeflocke"!!! Danke, Dirk.
Und jetzt bin ich gespannt auf Eure Meinung. Wer hat die WS noch abonniert und mag mir was dazu schreiben?
Maren
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fille
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#2

Beitrag von fille »

Hallo Maren,
meinst du Barbara (1930 - 1997), die eine der wirklichen großen Damen des französischen Chansons war? Lieder wie "Göttingen" oder "Dis, quand reviendras-tu?" sind immens bekannt und werden von vielen Interpreten gesungen. Auch Bénabar sang "Dis, quand reviendras-tu?" auf seinem Konzert und meiner Meinung nach sang er es wunderschön *träum*.
Oder geht es um eine andere Barbara? Irgendwie klingelt es bei mir mit Regen in Brest. Aber ich habe um diese Zeit keine Lust mehr, meinen Ordner mit französischen Liedtexten zu durchforsten. Mir ist so, als hätte ich einen Text von Barbara, aber von jemand anders interpretiert.....
Na dann
Gute Nacht
Marianne
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Piet
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#3

Beitrag von Piet »

Späte Gäste
Die letzten Sonnenstrahlen in diesem Jahr wärmen mich
Eine leichte Brise weht von Westen her
Die Tage werden wieder kürzer
Es ist schon ein bisschen kühler geworden
Und ich packe meine geladenen Gäste,
die Späten Gäste
aus
Angenehm anzuschauen sind sie
Stimmungsvoll lächelt mir das Cover entgegen
Es gefällt mir
Wie sie gekleidet sind
Es gefällt mir
Wenn mir warm ums Herz wird,
obwohl ich noch keinen Ton gehört habe
Ich nähere mich meinen Gästen nicht ohne Neugier
Sie scheinen vertraut und fremd zugleich
Legt doch ab!
Außer sich selbst haben sie mir noch ein Geschenk mitgebracht.
Ein Kärtchen mit Büttenrand zum Aufklappen
Darin ein gelochtes rechteckiges Kästchen
In der Mitte ein Faden in das Kästchen eingenäht
Diesen Faden darf ich nicht verlieren!
Nicht nur deshalb, weil er von den Späten Gästen nicht zu trennen ist,
sondern weil er mich auch zu einer Internetadresse hinführt (www.a-m-can.de)
Nach diesen anfänglichen Eindrücken schaut mir Dirk, vom Booklet her,
ganz tief in die Augen.
Nein, nicht aufdringlich, aber er will mir bestimmt jetzt sagen:
Die Reise kann beginnen.
Und spätestens jetzt wird ihm vielleicht auch bewusst:
Seine Späten Gäste sind endgültig zu meinen Späten Gästen geworden.
Jetzt aber rein mit der CD in den Player und das Booklet aufgeschlagen.
Und
Pure Poesie genießen, in Text, Wort und Klang.
Das Display zeigt zwölf Lieder an:
Playlist
Das sing ich dir
Alles Kino
Die Stillen
Die Sache mit den Türen
Die blaue Brandung
Wind und Papier
Nur noch zu zweit
Barbara
Franz Josef sing
Gestillte Sehnsucht
Mach die Augen zu
Athene Noctua
Maren erwähnte schon, was beim Lesen der Texte sofort deutlich wird. Dirk entwirft sehr intensive Bilder, die viel Raum für Interpretationen lassen. Jeder Text hat seine eigene Melodie. Und auch die Texte, die nicht von ihm sind, fügen sich nahtlos in das Gesamtbild ein.
Es sind ihrer drei auf dieser CD. Alle drei müssen unbedingt erwähnt und hervorgehoben werden. Nicht um einen Gegensatz zu Dirks Texten zu erzeugen, sondern um das Gesamtarrangement zu unterstreichen.
Da ist zuerst der Text von Clemens „Die Stillen“ (Musik: Dirk Schulte). Dieser Text, der von Dirk spontan vertont wurde, entwirft das Bild einer Bühne in mir. Der Spot geht an, da stehen sie im Scheinwerferlicht, die Stillen, ganz plötzlich, nicht mehr wegzudenken. Gerade in diesen Tagen, in denen mir so viele „wichtige Persönlichkeiten“ begegnen, bietet mir dieses Lied einen erfrischenden Kontrapunkt.
Der zweite Fremdtext heißt Barbara von Jacques Prévert, einem der populärsten Poeten des letzten Jahrhunderts in Frankreich. Sicher mit Bedacht wählte Dirk diesen Text aus, in dem Prévert die Zerstörung Brests thematisiert. Es handelt sich hier übrigens um eine Live-Aufnahme des Belgischen Rundfunks aus dem Jahre 1997. Das Gedicht gesprochen von Dirk, auf dem Saxofon von Heribert Leuchter begleitet. Ein ergreifendes Tondokument gegen den Krieg.
Links zu Jacques Prévert:
http://www.diplomatie.gouv.fr/label_france/DEUTSCH/LETTRES/prevert/prevert.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Pr%C3%A9vert
Der dritte Fremdtext ist von Friedrich Rückert: Gestillte Sehnsucht (Musik: Dirk Schulte). Er passt so perfekt in das Gesamtbild dieser CD, weil die Sprache dieses Dichters so bildhaft ist, wie die Texte dieses Albums insgesamt. Nachdem ich bereits das Herbstlied von Rückert auf den Werkspuren 1/2005 kennen lernen durfte, werde ich mich wohl mal näher mit diesem Autor auseinandersetzen. Oder warte ich lieber auf die Werkspuren 3/2005?
Texte von Friedrich Rückert: http://www.litlinks.it/r/rueckert.htm , auch Gestillte Sehnsucht.
@Dirk
Ich freue mich übrigens, dass du dieses Mal den Anteil der gesprochenen Texte erhöht hast. Jetzt hast du meiner Meinung nach das richtige Verhältnis gefunden. „Die Sache mit den Türen“, einer dieser gesprochen Texte gefällt mir sehr gut. Er lädt dazu ein, deinen Gedichtband? „Kalte Fritten oder die Unverkäuflichkeit von Gedichten“ zu lesen.
Ich habe bisher sehr wenig zu deiner Musik gesagt, sondern hauptsächlich über Texte gesprochen. Und zudem bisher nur etwas über die Fremdtexte. Nun ja, du bist Musiker. Und du bist ein guter Musiker. Aber die Tatsache, dass du so bildhafte Texte geschaffen hast, weist dich erst einmal als einen vortrefflichen Texter aus. Das wollte ich auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen. Trotzdem werde ich nichts zu deinen Texten sagen, weil diese Texte gerade so viel Raum für Interpretationen lassen. Ich möchte die Bilder die bei mir entstanden sind, nicht fixieren. Das lässt anderen die Möglichkeit ihre eigenen Bilder zu finden.
Einen Text, bzw. ein Lied möchte ich trotzdem abschließend hervorheben. Das Lied über Väterchen Franz. „Franz Josef Sing“ hat mich mehr als dreißig Jahre zurückversetzt. Ich habe zwar nie selbst Gitarre gespielt. Ich hatte aber einen Freund, der Gitarre spielte. Zusammen haben wir Musik gemacht, bzw. ich habe die Lieder, die er sang und spielte, kräftig mitgeschmettert. Beim Hören deines Liedes entstand ein Bild, das ich lange nicht mehr vor Augen hatte. Diese Hommage an Franz Josef Degenhardt ist dir wirklich gut gelungen.
Ich kann Maren nur zustimmen: Melani Becker am Piano gefällt mir ausgesprochen gut. Und das nicht nur aber auch, wenn sie dich im Lied „Die Stillen“ begleitet.
Zu guter Letzt noch ein Wort zum Käuzchen. Das Käuzchen im letzten Stück schafft Nähe. Es regt zu Phantasien an. Ich stell mir dich am Schreibtisch vor, wie du arbeitest, draußen ruft das Käuzchen, dann lange Stille, nach einiger Zeit sprichst deinen letzten Text. Nach (deiner) getanen Arbeit schließe ich die Werkspuren 2/2005. Auf der Rückseite ein Dirk Schulte, der vielleicht denkt und sich fragt: Na, bist du beim nächsten Mal wieder dabei?!
Werkspuren 2/2005 ist ein Album, bei dem alles aufeinander abgestimmt ist. Es wirkt dadurch sehr persönlich, als ob du jedes einzelne Exemplar nur für den einen jeweiligen Empfänger geschaffen hast. Und so ist es ja auch. Edition Nr 89/120 ist meine eigene nur für mich bestimmte Ausgabe der Werkspuren 2/2005. So ein schönes Exemplar hat keiner :-)
Werkspuren 2/2005
Texte von Dirk Schulte, Clemens Jahn, Jacques Prévert, Friedrich Rückert
Musik von Dirk Schulte, Andy Dany (teilw. auch Gitarre), Bernie Dolfus (teilw. auch Gitarre)
Am Piano Melani Becker, Bernie Dolfus
Saxophon: Heribert Leuchter
Andy Dolfus (teilw. Gitarre)
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#4

Beitrag von fille »

Hallo Piet,
jetzt weiß ich's:
Der zweite Fremdtext heißt Barbara von Jacques Prévert, einem der populärsten Poeten des letzten Jahrhunderts in Frankreich. Sicher mit Bedacht wählte Dirk diesen Text aus, in dem Prévert die Zerstörung Brests thematisiert. Es handelt sich hier übrigens um eine Live-Aufnahme des Belgischen Rundfunks aus dem Jahre 1997. Das Gedicht gesprochen von Dirk, auf dem Saxofon von Heribert Leuchter begleitet. Ein ergreifendes Tondokument gegen den Krieg.

Nicht von Barbara, sonder das Chanson "Barbara" von Prévert.
Das Lied habe ich, allerdings von einem anderen Interpreten.
Schönen Tag
Marianne
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#5

Beitrag von Piet »

Hallo Marianne,
und deine Barbara hat doch etwas mit dem Lied Barbara zu tun.
Habe folgendes Dokument gefunden, in dem erwähnt wird, das Barbara sich ihren Künstlernamen nach diesem Chanson von Prévert gegeben hat :-).
Link: http://www.popsprite.de/snap/schall/barbara.html
Lieb Grüße
Piet
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#6

Beitrag von fille »


Rappelle-toi Barbara
Il pleuvait sans cesse sur Brest ce jour-là
Erinnere dich Barbara,
es regnete unaufhörlich auf Brest an diesem Tag....

Hallo Piet,
welch nettes Zusammentreffen von Barbara und Barbara :-D . Jetzt weiß ich wieder ein bißchen mehr!
Yves Montand hat's gesungen und Fabien Martin.

Oh Barbara
Quelle connerie la guerre
Oh Barabara,
welch Unsinn der Krieg
Qu'es-tu devenue maintenant
Sous cette pluie de fer?
Was machst du jetzt
unter dem Regen aus Eisen?
De feu d'acier de sang
Et celui qui te serrait dans ses bras
Von Feuer, von Stahl, von Blut
und jener der dich in seine Arme drückte
Amoureusement
Est-il mort disparu ou bien encore vivant
Oh Barbara
Verliebt
Ist er tod, vermisst oder noch sehr lebendig?
Oh Barbara!


Das waren nur Anfang und Ende- wirklich ein ergreifendes Gedicht gegen den Krieg.
Viele Grüße
Marianne
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#7

Beitrag von Maren »

Liebe Marianne,
danke für Deine schönen Übersetzungen immer. Aber mir ging es darum, WER diese Barbara ist. Kann mir da jemand weiterhelfen? Dirk, vielleicht klärst Du uns auf?
Maren
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Clemens
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#8

Beitrag von Clemens »

Hallo Ihr Lieben,
eigentlich sollte man ja nix lobendes zu Dingen sagen, an denen man beteiligt ist... aber meine Mitwirkung beschränkt sich derart, dass ich mich nicht enthalte.
Ich höre die Werkspuren oft und gern und habe mich für das "Abo" entschieden. Ich finde es eine tolle Idee. Als Neugieriger muss man sich nicht auf ein Projekt , eine Schaffensphase des Künstlers beschränken. Dabei wirkt das Ergebnis so stimmig wie aus einem Guss.
@ Piet
Danke für Deinen Beitrag - etwas schöneres als "Rezension" habe ich nie gelesen.
Liebe Grüße von Clemens :-)
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...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
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zodiak
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Werkspuren 2/2005

#9

Beitrag von zodiak »

Hallo zusammen,
zunächst vielen Dank an dich, Piet, für deine inspirierende Rezension, und auch Dank an Maren und Clemens für eure Eindrücke. Wäre ich nicht schon Besitzer einer Dauerkarte, spätestens jetzt hätte ich mich auf die Abo-Liste gesetzt ;-)
Ein wenig Hintergrund zu den Fremdtexten:
1. Jacques Prévert: Barbara
Poetisches und Politisches auf einer CD oder im Konzertprogramm zu mischen, ist erfahrungemäß heikel, wenn die politischen Songs zu vordergründig daherkommen.
Es ist immer die Gefahr vorhanden, Atmosphäre zu zerstören.
"Barbara" dagegen ist ja von Hause aus schon so poetisch, leicht, assoziativ und atmosphärisch, dass ich es nicht als Fremdkörper zwischen meinen Texten/Songs gesehen habe.
Prévert ist es meisterhaft gelungen, diese kleine Geschichte um eine junge Frau in den Kontext von Krieg, Zerstörung, Leid und Ungewissheit zu flechten.
Er bricht sozusagen dieses abstrakte Bild vom Krieg herunter auf ein erfahrbares Einzelschicksal und zeigt, was ja auch heute von den Warlords jedweder Fraktion gerne unterschlagen wird: Den Preis für die Kriege zahlen immer die Menschen.
Mir ist kaum ein Text bekannt, in dem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen ("…Erinnre dich, Barbara - Sei mir nicht böse, wenn ich dich duze/ Ich sage zu allen, die ich gerne habe 'Du', auch wenn ich sie nur einmal gesehen habe / Ich sage zu allen, die sich gern haben 'Du', auch wenn ich sie gar nicht kenne..") und gleichzeitig ein entschiedener Antimilitarismus ("…welch ein beschissener Schwachsinn, der Krieg…") transportiert werden.
Leider ist es mir nicht gelungen, die Übersetzerin bzw. den Übersetzer ausfindig zu machen - ich habe die von mir benutzte Übersetzung vor Jahr und Tag in einem Berliner U-Bahnschacht gefunden.
@ Maren und Marianne
Bin zwar kein ausgewiesener Prévertologe, glaube aber nicht, dass es sich bei "Barbara" um eine nachweislich lebende Person handelt. Was allerdings nicht heißen muss, dass er sich nicht auf einen ihm bekannten Zusammenhang oder eine erlebte Szene stützt.
Zum Text:
http://home.arcor.de/bongoblue/BARBARA_WS.doc
2. Friedrich Rückert (1788-1866): Gestillte Sehnsucht
Rückert ist einer der ungewöhnlichsten und interessantesten Menschen, die mir aus dieser Zeit bekannt sind. Er widerstand schon früh dem herrschenden Zeitgeist, kleidete sich in altdeutsches Pechschwarz und ließ sein Haar -völlig revolutionär- schulterlang wachsen. Sein früher "Freestyle" führte fast zu seiner Ausweisung aus dem Königreich Württemberg.
Der sich den Schubladen von Klassik, Romantik und Biedermeier entziehende Dichter, Übersetzer und Forscher schuf zeitlebens Superlativen:
Schon als junger Bursche schreibt er auf den Tod seiner Freundin Agnes Müller 40 Sonette. Eine unerwiderte Liebe regt ihn zu den 70 Sonetten "Amaryllis, ein Sommer auf dem Lande" an.
Als er seine spätere Frau Luise kennenlernt, drängt es ihn zum "Liebesfrühling", einem mehr als 300 Gedichte umfassenden Zyklus!
Auf den Tod zweier seiner Kinder schreibt er später die "Kindertodtenlieder", ein Zyklus von 428 (!) Texten, von denen Gustav Mahler lediglich eine Handvoll vertont hat.
Sein Geld verdiente Rückert übrigens mit dem Übersetzen fernöstlicher und orientalischer Lyrik ("Weisheit des Brahmanen") sowie einem Lehrstuhl für Orientalistik in Erlangen und Berlin. Er gilt als einer der Pioniere der Orientalistik.
Rückert beherrschte 50 östliche Sprachen und Dialekte, und noch mit 64 Jahren erlernt er das Malaysische. Man stellt überrascht fest, dass die im späten 20. Jahrhundert aufgestellte These vom "lebenslangen Lernen" bereits einen frühen Vorläufer hatte.
Nun ist Quantität ja beileibe noch kein Kriterium für Qualität. Rückerts Drama war, dass er einfach nichts wegwerfen konnte.
Und so hat er nahezu alles "bedichtet", was ihm unter die Augen kam. Aber zwischen diesen Zigtausenden von Gedichten finden sich immer wieder wahre Perlen - "Gestillte Sehnsucht" ist eine davon.
Solch ein Text bedarf keiner Interpretation. "Das Sehnen, das Sehnen, es schläft nicht ein" kommt mit der wunderbaren Leichtigkeit des Windes daher. Für mein Empfinden ein ungemein moderner Text, der auch mit den anderen Texten auf der CD kommuniziert….
@ Piet
Wenn du Rückert annähernd kennenlernen willst (wovon ich weit entfernt bin), brauchst du Zeit in hohen bis toxischen Dosen ;-)
Zum Text:
http://home.arcor.de/bongoblue/Rueckert_Gestillte_Sehnsucht.doc

3. Clemens Jahn: "Die Stillen"
@ Clemens
Lass mich dir noch mal danken, dass ich dein Talent, komplexe Sachverhalte in eine warme, menschennahe Form zu gießen, so schamlos für meine Zwecke ausnutzen durfte ;-) "Die Stillen" ist solch ein lebensweiser Text, den ich auch noch nach Jahren mit Genuss lesen werde.
Zum Text:
http://home.arcor.de/bongoblue/DIE_STILLEN.doc
Ich finde, dass alle drei Fremdtexte vom selben "Geschmack" sind, und - Zufall oder nicht - die Autoren allesamt ein frischer nonkonformistischer Freigeist eint.

Zum Song für Franz Josef Degenhardt und den übrigen Titeln dann ein andermal ausführlicher.
Liebe Grüße! *Dirk*
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#10

Beitrag von amori »

Liebe Liedermacherforümler,
öffne dem Zufall eine Tür und es tun sich weitere auf !
Besagter Zufall spielte mir Dirk Schultes "Werkspuren 2/2005"
in die Hände und hatte während einer Net-Suche nach diesem,für
mich bis dato unbekannten Künstler,wieder seine Hände im Spiel.
Ich fand nicht nur Dirk Schulte-Fans,sondern auch das nette Lieder-
macher-Forum und eine wunderbare Rezension von Piet.Eigentlich ist
dem nichts mehr hinzuzufügen-dennoch möchte ich gern versuchen,euch
meine Eindrücke zu schildern :
Die "Späten Gäste",die vor meiner Tür standen,waren nicht geladen.
Es waren willkommene Überraschungsgäste.Ich kannte keinen von ihnen und mußte
mich mit ihren Eigenheiten, Charakteren und Stimmungen auseinandersetzen.
Dirk gibt uns gleich am Anfang mit seinem "Das sing ich dir " ein "Inhaltsverzeichnis"
seiner CD an die Hand und läßt uns in das "innere der Wolken " blicken-und
wolkenleicht spielt er mit Metaphern und läßt uns ein wenig ratlos,
aber im Inneren berührt,über "ungesagte Worte" nachdenken.
Mein Nordseeinsel-Herz schwingt natürlich besonders heftig in "Die blaue Brandung" mit.
Der Text und der wunderschöne Refrain erschließen sich erst nach mehrmaligem
Hören-obwohl die "neu entdeckte Spur " nur einen "Wimpernschlag " entfernt liegt.
Hier unterstreicht die Musik den Text besonders eindringlich.
"In Wind und Papier " wird es besonders deutlich-hier spricht jemand über Liebe,vom
Lieben und Geliebtwerden-ohne das Wort "Liebe" auch nur einmal zu erwähnen !
Ohne Zweifel liegt Dirks Stärke darin,prosaische Herzenszustände in lyrische Kabinett-
stücke zu verwandeln und immer eine heilende Hand aufzulegen.
Über die eingestreuten und wohl gewählten Texte hat Piet sich schon treffend
geäußert-da stimme ich ihm zu.Ich persönlich hätte allerdings gern die Gedichte
konzentriert,dh.zusammen in "einem Block",damit meine "Liederstimmung" nicht
unterbrochen wird.Aber das ist eine Sache der eigenen Vorlieben.
Mein ganz persönliches Highlight "Mach die Augen zu ", ein Lullabye zum Entspannen
nach "getaner Pflicht " rundet Dirks CD ab und macht das Abschiednehmen leichter.
Ein Käuzchen wünscht den Gästen noch einen guten Weg und die Schneeflocken-Menschlein"
gucken noch einmal vorwitzig durchs Fenster.-Danke Dirk-ich bin gespannt auf mehr !

Ich wünsche allen ein sonniges wochenende !
Liebe Grüße
Amori
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Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.
Bertolt Brecht

Gegen RECHTS zu sein ist nicht LINKS, sondern LOGISCH.

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Werkspuren 2/2005

#11

Beitrag von Maren »

Hallo und willkommen, amori
Du schreibst, daß Dir die Werkspuren durch Zufall in die Hände gefallen ist. Und mich würde interessieren, welcher Zufall es war.
Ich habe Dirk als Mitglied hier auf der Seite kennengelernt, mir seine Beispiele im Hörsaal angehört und war befremdlich angerührt. Da war einer, der sang, was ich fühlen kann. Aber ich bin weit davon entfernt es im Einzelnen (schreibt man das jetzt groß oder klein?) zu verstehen, geschweige denn, es erklären zu können. Es fühlt sich nah und richtig an. Wäre mal interssant zu erfahren, ob die Bilder bei mir so ankommen, wie er sie meint? Vielleicht könnten wir ja mal einen Chatabend mit dem Herrn Künstler zu dem Thema gestalten? Aber dann wäre ich in der Bredoullie. Ich müßte versuchen auszudrücken, was ich bei den Bildern empfinde.
Nun ja, inzwischen habe ich viel über Dirks "sonstigen Kram" erfahren und bin noch weit davon entfernt, alles gehört zu haben. Es ist unglaublich, auf wievielen Ebenen Dirk seine Kreativität auslebt. Mal sehen, ob es eine Möglichkeit gibt, verschiedene Sachen hier nach und nach vorzustellen.
Jetzt werde ich mich aber erst mal auf den Weg machen und mich mit einem anderen Künstler beschäftigen. Bodo Wartke in Köln. *freu*
Liebe Grüße und bis bald
Maren
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Werkspuren 2/2005

#12

Beitrag von amori »

für maren !
ich hörte die CD zum erstenmal bei einem guten freund ,der sie selbst geschenkt bekam.liebe maren,
versuche nicht, dirks lyrik zu verstehen-nimm sie atmosphärisch auf. wenn die bilder für
dich "nah und richtig " sind, dann hat dirk seine sache gut gemacht. du mußt auch nicht auszudrücken versuchen, was du fühlst. laß dich in die musik fallen und finde in den texten deine eigene wahrheit. ich denke, die metaphern die dirk verwendet, können zwangsläufig beim hörer nicht so ankommen,wie er sie selbst empfindet.
sie sind vermutlich in vielen jahren seiner künstlerischen arbeit entstanden und bilden die ganz private summe seiner
erfahrungen, gedanken, wünsche und niederlagen. ich bin mir sicher, daß sich dirk nicht in die "karten" blicken lassen wird. wenn er es denn wollte-könnte aus wunderschöner lyrik schnell prosa oder gar trivialliteratur werden ! wir, als hörer hingegen, haben die einzigartige möglichkeit der freien wahl. wir können seine gedanken annehmen oder für uns , je nach stimmung , immer wieder neu interpretieren !
vielen dank für deine antwort
ich schicke dir liebe grüße
amori
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#13

Beitrag von migoe »

Hallo Freunde,
findet sich jemand unter den Admins, der die Werkspuren 2/2005 ins Liedermacher-Archiv aufnimmt?
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

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#14

Beitrag von Skywise »

@migoe:
Ist schon in Vorbereitung ... :-)
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

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#15

Beitrag von Piet »

Hallo amori,
auch ich begrüße dich ganz herzlich beim Liedermacher-Forum.
Ich freue mich darüber, dass es den Zufall gibt ;-) . Der Zufall hat uns Dich und Deine Eindrücke geschenkt :-) .
Ich würde gerne meine Rezension in das Liedermacher-Archiv stellen. Auf Deine Eindrücke möchte ich dabei nicht verzichten. Deshalb habe ich, natürlich deutlich gekennzeichnet, die Passage deines Beitrages mit Deinen Eindrücken in meine Rezension integriert. Ich schicke Dir mal den überarbeiteten Text per PN zu.
Würde mich freuen, wenn Dir diese Fassung einer Rezension gefällt und der Text in das Liedermacher-Archiv eingestellt werden könnte.
Und hoffe natürlich auch, dass Dirk und Maren mit dieser Regelung einverstanden sind.
Liebe Grüße
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#16

Beitrag von Maren »

Lieber Piet,
das ist eine wirklich schöne und sehr gefühlvolle Rezension geworden. Vielen Dank auch an amori für ihren Teil. Tja, so kann es gehen: Kaum da, schon verewigt!
Wenn ich die CD nicht schon hätte, würde ich jetzt sicher meiner Neugierde erliegen! Aber zum Glück gibt es ja in diesem Jahr noch eine Werkspur. Und ich bin sicher, daß Dirk schon wieder auf Hochtouren tüftelt. Nicht zuletzt angestachelt und beglückt von dieser Resonanz!
Liebe Grüße
Maren
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#17

Beitrag von ISMA70 »

Nun bin ich schon seit fast einem Monat im Besitz der "Späte(n) Gäste" und komme erst heute dazu, mich hier zu Wort zu melden.
Ich hatte das besondere Vergnügen gleich zwei CD's zu bekommen, nämlich beide in diesem Jahr schon erschienenen WerkSpuren.
Erst einmal war ich überrascht über die professionelle, ansprechende Aufmachung. Das hätte ich so (bei dem niedrigen Preis) nicht erwartet.
Aber auch der Inhalt hat mich positiv überrascht.
Ich kann mich den Rezensionen, die hier schon veröffentlicht wurden, nur anschliessen und es fällt mir jetzt schwer, etwas neues hinzuzufügen.
Meine absoluten Lieblingslieder auf der CD sind "Die blaue Brandung" und "Wind und Papier", beides geht mir nicht mehr aus dem Ohr und ich habe mich schon öfter beim Singen der Refrains ertappt. Aber auch alle anderen Lieder gefallen mir gut.
Es wundert mich allerdings sehr, dass Dirk Schulte nicht einem größeren Kreis bekannt ist, was sehr schade ist. Er müsste wohl mehr Werbung machen.
Ich bin schon sehr gespannt auf die WerkSpuren 3/2005 und hoffe, dass es dieses Abo auch in den nächsten Jahren geben wird!
Viele Grüße
Marion
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#18

Beitrag von migoe »

Liebe Marion,
Marion schrieb:
Es wundert mich allerdings sehr, dass Dirk Schulte nicht einem größeren Kreis bekannt ist, was sehr schade ist. Er müsste wohl mehr Werbung machen.

hier auf dem Liedermacher-Forum gibt es viele Informationen, Hörproben, Netztipps zu jungen (und auch etwas nicht mehr sooo jungen) Künstlern die allesamt verdient haben bekannter zu werden. Leider ist dies auch deshalb für die Künstler so schwer, weil es keine Plattform gibt, wo sie sich und ihre Musik vorstellen und bekannt machen können.
Hoffentlich leistet das Liedermacher-Forum einen Beitrag dazu, daß sich das ändert - Illusionen sollte sich aber niemand machen, dafür ist diese Seite einfach (noch) zu unbekannt!
Allerdings ist es aus meiner Sicht gut möglich, dies zu ändern, wenn jeder Besucher, der hier regelmäßig vorbeikommt seinen Freunden und Bekannten davon erzählt, wie viele gute Liedermacher es gibt, die hier veröffentlichten Hörproben können individuell gesammelt und z.B.auf CD gepackt verschenkt werden - natürlich mit einem Hinweis auf die Quelle.
Weitere Liedermacher müssen unbedingt auf die Möglichkeiten hier aufmerksam gemacht werden, weitere Foren müssen eröffnet und belebt werden, weitere Hörproben und Informationen müssen zusammengetragen und geteilt werden, so wird es sich bestimmt bald ändern lassen, daß hervorragende Künstler wie Dirk Schulte auch einem größeren Publikum bekannt werden.
migoe
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

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