Ich schäme mich... und werde mich ändern, denn "Die Würde des Schweine ist unantastbar"

Reinhard Mey hast sich schon lange mit dem Thema "Tierwohl" auseinandergesetzt und sich dazu auch schon mit seinen Liedern geäußert

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Ich schäme mich... und werde mich ändern, denn "Die Würde des Schweine ist unantastbar"

#1

Beitrag von migoe »

Ich bin kein Vegetarier und habe mich bisher mit dem Thema
Tierwohl
Die Lebensqualität und das Wohlergehen von Nutztieren zu verbessern, das beschreibt der Begriff Tierwohl. ... Allgemein geht man von drei wesentlichen Punkten aus, die für das Tierwohl entscheidend sind: die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere sowie die Möglichkeit, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachzugehen. Quelle: www.landwirtschaft.de
nur oberflächlich beschäftigt. Im Hinblick auf die aktuelle Situation der Corona Situation im Landkreis Gütersloh aufgrund des unmenschlichen und ausbeuterischen Verhaltens in der Fleischindustrie zeigt sich aus meiner Sicht, wie falsch und heuchlerisch wir als Gesellschaft mit der "Würde des Lebens" umgehen. Das menschliche Leben ist hier genauso gemeint wie das tierische Leben.

Das Lied über die Würde des Schweins wurde 1992 auf dem Album "Alles geht!" veröffentlicht und ist nicht nur wörtlich zu nehmen sondern auch eine
Parabel
Die Parabel ist eine mit dem Gleichnis verwandte Form von Literatur, eine lehrhafte und kurze Erzählung. Sie wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, welche durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden. Das im Vordergrund stehende Geschehen hat eine übertragene Bedeutung. Quelle: Wikipedia
, die uns einen Spiegel vorhält und eindrücklich zeigt, was es bedeutet, wenn Lebewesen unwürdig behandelt werden.



Ein weiteres seiner Lieder geht unter die Haut und zeigt noch ein anderes schlimmes Problem bei der Massentierhaltung:



"Erbarme dich" wurde im Jahr 2000 veröffentlicht auf dem Album "Leuchtfeuer". Dieses Lied fand ich schon immer so bedrückend und grausam, dass ich es fast nicht aushalten kann es bis zum Ende durchzuhören. Ein Beispiel:
Sie leiden stumm, fast zwanzig Stunden geht die Reise schon
Die erste Rast in Zebrzydowice, der Zollstation
Ein stumpfer Tierarzt stempelt die Papiere
Würdigt die Pferde keines Blickes, nach drei Stunden nur
Treibt man sie wieder auf den Wagen, beginnt die Tortur
Von neuem für die längst erschöpften Tiere
Mit Schlägen und mit Tritten die Laderampe hinauf
Und strauchelt eines, stürzt eines und bricht eines den Lauf
Dann stoßen sie es mit Elektrostäben
Wieder und wieder auf, auch wenn's wieder und wieder fällt
Nur für ein Tier, das überlebt, gibt es am Ende Geld
Und nur ein Tier, das steht kann überleben

Erbarme dich
Die Interpretation von Thomas D. auf dem Hommage-Album klingt weniger düster, aber dass der bekennende Vegetarier Thomas D. damals gerade dieses Lied als Verneigung vor dem Meysters gewählt hat war sicher kein Zufall.

Warum schreibe ich diesem Beitrag hier?

Es lässt mir keine Ruhe mehr, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. Diese beiden Lieder von Reinhard Mey gehen mir seit Tagen nicht mehr aus dem Ohr und ich wollte sie Euch präsentieren und euch damit zum Nachdenken anregen.

Für mich sind diese Lieder Klagelieder, aber sie klagen nicht diejenigen an, die Fleisch essen, sondern sie konfrontieren uns damit, wie wir als Gesellschaft mit Lebewesen umgehen und jede/r sollte sich die Frage stellen, die sich auch Reinhard gestellt hat am Ende von "Die Würde des Schweins ist unantastbar"
Sie hat den Himmel nie gesehn,
Dürft' nie auf einer Weide stehn,
Hat nie auf trocknem, frischem Stroh gesessen.
Sie hat sich nie im Schlamm gesuhlt,
Freudig gepaart und eingekuhlt —
Wie könnte ich dies Häufchen Elend essen?
Die Speisekarte in der Hand
Seh' ich über den Tellerrand
Und kann die Bilder wohl nie vergessen.
Ich möchte nicht, du armes Schwein,
An deinem Leid mitschuldig sein,
Weil ich in diesem Restaurant zu Gast war.
Das, was bei Tönnies und anderen Schlachtbetrieben mit den Arbeitskräften gemacht wird, ist die andere Seite der Medaille und mir geht das Schicksal der menschlichen Lebewesen genauso unter die Haut wie das Schicksal der Tiere, welches Reinhard Mey so eindrücklich beschreibt.

Dafür, dass ich erst heute diese Erkenntnis für mich ziehe, schäme ich mich und deshalb werde ich mich ab sofort nicht mehr daran beteiligen und dieses System nicht mehr unterstützen, indem ich mein Verhalten was den Fleischkonsum angeht verändere.

Dies ist keine moralische Entscheidung sondern eine persönliche Gewissensentscheidung.

Puh, ich bin im Moment ziemlich betroffen, dass mich dieses Thema so umtreibt... geht es Euch auch so?
Ich habe dieses Thema eröffnet, weil es mich persönlich umtreibt. Es geht mir nicht darum hier eine moralische oder ethische Verurteilung vorzunehmen. Wenn jemand gerne Fleisch isst und mit diesen Liedern nichts anfangen kann, ist das ok. Ich unterstellte niemandem, der gerne Fleisch isst, dass er/die deshalb die lebensverachtenden Mechanismen der Fleischindustrie gutheißt. Es soll auch jede/r selber entscheiden können, ob und wie viel Fleisch er/sie konsumiert. Das schließt ja nicht aus, dass man keine Empathie und Mitleid für die betroffenen Lebewesen fühlen kann, oder?
Zuletzt geändert von migoe am Di 23. Jun 2020, 09:05, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 934 Wörter
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#2

Beitrag von fille »

Ich bin kein Vegetarier und habe auch nicht vor einer zu werden. Aber ich kaufe in
der Regel beim Metzger meines Vertrauens. Wir haben im Ort zwei Metzger, die selber schlachten.
Der eine bekommt bereits getötete Tiere aus Niederbayern, von dort ansässigen Bauern.
Der andere nimmt Tiere aus der Umgebung. Vor Home-Officezeiten habe ich bei einem Bauernhofmetzger
gekauft, der seine eigenen Tiere hat.

Bei diesen 3 Metzgern gibt es auch Eier aus der Region. Außerdem Obst, Brot usw.

Ich finde es wichtig, regional zu kaufen und Obst und Gemüse nur in der Saison. Also
keine Erdbeeren oder Tomaten im Winter.

In Bayern sagt man auch "Nix gwiss woas ma ned". Aus diesem Grund dürfte man natürlich
in keinem Restaurant Fleisch essen. Außer es steht auf der Karte, wo das Fleisch herkommt.
Das wird ja manchmal praktiziert.

Liebe Grüße, von Marianne...

… die jetzt Kirschen pflücken geht. Regional und natürlich saisonal

Es ist ja wieder mal "Le temps des cerises"
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#3

Beitrag von migoe »

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben:
Di 23. Jun 2020, 15:43
ich kaufe in der Regel beim Metzger meines Vertrauens. Wir haben im Ort zwei Metzger, die selber schlachten. Der eine bekommt bereits getötete Tiere aus Niederbayern, von dort ansässigen Bauern. Der andere nimmt Tiere aus der Umgebung. Vor Home-Officezeiten habe ich bei einem Bauernhofmetzger gekauft, der seine eigenen Tiere hat.

Bei diesen 3 Metzgern gibt es auch Eier aus der Region. Außerdem Obst, Brot usw.

Ich finde es wichtig, regional zu kaufen und Obst und Gemüse nur in der Saison. Also keine Erdbeeren oder Tomaten im Winter.
So handhaben wir als Familie das auch. Wer es sich leisten will, findet sicher auch in seinem Umfeld solche Möglichkeiten regional und fair zu kaufen. Sicher nicht alles und nicht zu jedem Preis, aber es gibt viele Optionen. Die Frage ist nur, ob wir es als Gesellschaft überhaupt noch schaffen, zurück in diese "Denke" zu kommen :weissnicht:

Ich habe eine lange Zeit meines Lebens im Lebensmittel Einzelhandel gearbeitet und eine Erkenntnis für mich ist die, dass wir in unserer Gesellschaft das Wohl des Kunden über alles andere gestellt haben - Stichwort "Kunde ist König" und dabei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aus der Balance geraten ist. Die Bereitschaft der Kunden (ich meine nicht die individuellen Menschen, sondern den "König Kunde" als Rolle) einen fairen Preis für die Dinge zu akzeptieren ist über Jahrzehnte zurückgegangen und heute weiß eigentlich niemand genau, was einen "fairen Preis" eigentlich ausmacht.

Es ist aus meiner Sicht nicht überraschend, dass es heute in Deutschland (offline) nur noch
4 marktrelevante und damit marktbeherrschende Handelsunternehmen
Zahlen von 2018 laut statista.com: Edeka = 26%, REWE = 16%, SchwarzGruppe = 15%, Aldi-Gruppe = 12%
gibt. Diese Firmen sind deshalb so "erfolgreich", weil sie dem
Kunden
Damit meine ich "König Kunde"
vermitteln, dass nur seine Zufriedenheit zählt und deshalb alle seine Wünsche auch erfüllt werden.

Im Online-Bereich würde ich sogar sagen, dass es nur einen echten "BIG-Player" gibt, nämlich Amazon, der bereits einen so großen Vorsprung vor allen anderen Online-Marktplätzen hat, dass es im Moment so aussieht, als wäre er uneinholbar. Aus meiner Sicht ist dieser Anbieter vor allem deshalb so erfolgreich, weil er die "Kundenzufriedenheit" als höchstes Ziel ausgegeben hat und alle Prozesse und Abläufe des Geschäfts darauf hin ausgerichtet und optimiert werden.

Natürlich kann jeder für sich sagen, dass es ja gut ist, wenn man als Kunde nicht abhängig ist von der Willkür und dem guten Willen der Unternehmen. Aus Sicht des Kunden - der ja niemandem etwas "Böses" will, aber halt gerne alle Vorteile für sich in Anspruch nimmt - ist es ja von Vorteil, wenn seine Position sehr stark ist. Die Nachteil dieses Wirtschaftssystems/Denkens entsteht ja nicht bewusst und ein einzelner Kunde kann diesen Mechanismus auch nicht (direkt) stoppen, aber durch unsere Lebensweise haben wir alle einen großen Anteil an dieser Entwicklung und ich hoffe, es gelingt unserer Gesellschaft, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren.

Doch das würde bedeuten, dass sehr viele Bequemlichkeiten an die wir uns gewöhnt haben und die für den Einzelnen immer "billiger" geworden sind, weil den "echten" Preis halt "die Anderen" bezahlen, Stück für Stück wieder zurückgenommen oder mit dem "fairen" Preis bezahlt werden müssten! Mal sehen, ob das klappt...
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#4

Beitrag von Helmut »

Lieber Michael

Einen Urlaub lang hab ich eine Antwort vor mir hergeschoben, vielleicht aus Angst, weil ich den Shitstorm nicht vertrage. Aber nun ist mir auch der egal. Also, ich beginne mit einem Witz, den ich vor Kurzem gehört habe:

Woran erkennt man einen Veganer?
Er erzählt es jedem.


Genau dieses Sendungsbewusstsein ist es, das mich nervt und das mich dazu bewegt, das betreffende Lied und ähnliche von meiner Festplatte zu löschen.

Gut, ich bin umami-süchtig und bekennender Allesfresser. Es gibt aber auch andere Aspekte:

Die Zahl der Menschen geht auf die 8 Milliarden zu, trotzdem sinkt immer mehr die Zahl derer, die verhungern. Ich bin überzeugt, dass alle Menschen nur durch industrielle Nahrungsmittelproduktion ausreichend und artgerecht ernährt werden können.

Zugegeben, der Begriff „artgerecht“ ist provokant, darum erkläre ich, warum ich ihn verwende:

Der Mensch ist, auch wenn dies militant-missionierende Vegetarier abstreiten, biologisch Allesfresser, Gebiss, Magen und Darm sind auf Fleischverzehr ausgelegt. Das Gehirn des Homo sapiens konnte sich im Lauf der Evolution nur durch Fleischkonsum zur heutigen Größe entwickeln. Es ist eine positive Rückkopplung: Jäger brauchen für ihren Jagderfolg ein größeres Gehirn und das bildet sich durch Fleischkonsum. Insgesamt braucht man weniger Zeit, um sich Fleisch zu beschaffen und besonders, um die gleiche Kalorienmenge wie bei Pflanzen zu verzehren. Folglich haben Fleischfresser mehr Zeit um Kulturleistungen wie Werkzeug oder Kunst zu entwickeln.

In dieser Hinsicht sind Vegetarier als Evolutionsbremsen anzusehen. Zugegeben, vor hunderttausend Jahren wären sie für die Erde vielleicht von Vorteil gewesen, nun ist es aber zu spät, weil Evolution nicht umkehrbar ist, genauso, wie sich der Mensch nicht wieder einen Schwanz wachsen lassen kann, um auf Bäumen zu leben.

Nur der fortgeschrittenen Wissenschaft ist es zu verdanken, dass sich der Mensch vegetarisch ernähren kann. Durch die Wissenschaft wurde erkannt, welche Vitamine und Spurenelemente ein Mensch braucht, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen, und mit welchen Produkten sie verhindert werden können. In der Regel sind es Pflanzen aus exotischen Ländern, die sich aber Mancher ohne Verzicht auf anderen Luxus nicht leisten kann. Aus dem Grund werden häufig billigere Produkte aus der Pharmaindustrie gekauft, artgerechte Ernährung ist das nicht. So gesehen ist Vegetarismus eine selbst gewählte Krankheit, gegen deren Symptome mit Medikamenten vorgebeugt wird.

Wenn ich durch artgerechte Ernährung Mangelerscheinungen vorbeugen will, kann ich den Fleischkonsum reduzieren und beim Einkauf auf artgerechte Tierhaltung achten. Aber das können sich nicht Alle leisten und alle Menschen würde man auf diese Weise nicht satt bekommen.

Manchmal denke ich wir, wie schön es so eine Kuh hat, die morgens freiwillig auf die Weide und abends in den Stall trottet. In freier Wildbahn müsste sie mit ihrer Herde zweimal in der Woche in Panik so lange vor einem Wolfsrudel flüchten, bis das schwächste Tier der Herde gerissen ist.

Genug provoziert?

Herzlich
Helmut
:teufel:
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#5

Beitrag von migoe »

Hallo Helmut,
Helmut hat geschrieben:
Mo 13. Jul 2020, 08:45
Genug provoziert?
Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob wir beide über die gleichen Dinge schreiben :grübel:

Für mich geht es darum anderen Lebewesen unnötiges Leid und unwürdiges Leben zu ersparen durch Änderung meines eigenen Verhaltens. Ich möchte das nicht mehr unterstützen und diese Situation weiter fördern, weil ich der Meinung bin, dass es für jeden möglich sein sollte, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Es geht auch um eine Gewissensentscheidung - ganz persönlich ohne Fingerzeig auf andere!

Kann es sein, das Du das eher wie eine Art "Spiel" siehst und darum, möglichst viele Menschen für ihre Einstellung vor dem Kopf zu stoßen? Mich empört das nicht, aber zugegeben wundere ich mich etwas über die Argumentation.
Ich denke auch, niemand muss seinen eigenen Fleischkonsum vor anderen rechtfertigen mit Geschwafel wie
Helmut hat geschrieben:
Mo 13. Jul 2020, 08:45
Der Mensch ist, auch wenn dies militant-missionierende Vegetarier abstreiten, biologisch Allesfresser, Gebiss, Magen und Darm sind auf Fleischverzehr ausgelegt.
Es ist doch ok wenn man vor sich selber rechtfertigen kann, dass ein Tier dafür stehen musste, um selber zu überleben. Die Art und Weise, wie diesem Lebewesen dafür "Respekt" entgegengebracht wird, macht für mich aber schon einen Unterschied aus. Also ich meine schon etwas anderes wie ein "Tierschutzlabel", nur zur Klarstellung.
Helmut hat geschrieben:
Mo 13. Jul 2020, 08:45
Zugegeben, vor hunderttausend Jahren wären sie für die Erde vielleicht von Vorteil gewesen, nun ist es aber zu spät, weil Evolution nicht umkehrbar ist, genauso, wie sich der Mensch nicht wieder einen Schwanz wachsen lassen kann, um auf Bäumen zu leben.
Ich bin mit sicher, dass genau diejenigen Lebewesen, die trotz dem Bewusstsein, die eigene Situation durch Verhaltensveränderungen verbessern zu können, dazu aber aus den hier genannten Gründen nicht bereit sind, sich auf die geänderten Bedingungen einzustellen, irgendwann "verschwinden" werden. Leider werden vorher aber wegen dieser Einstellung viele Arten ebenfalls verschwinden, die vielleicht ansonsten überlebt hätten.

Ich will aber nicht "zuviel" Ernst in dieses Thema einbringen mit meinem "Gewissensgefasel"... :pfeifen:
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Ich schäme mich... und werde mich ändern, denn "Die Würde des Schweine ist unantastbar"

#6

Beitrag von Rex2005 »

Hallo Migoe

ein Thema worüber man trefflich und unendlich streiten kann.
migoe hat geschrieben:
Mi 24. Jun 2020, 12:20
Ich habe eine lange Zeit meines Lebens im Lebensmittel Einzelhandel gearbeitet und eine Erkenntnis für mich ist die, dass wir in unserer Gesellschaft das Wohl des Kunden über alles andere gestellt haben - Stichwort "Kunde ist König" und dabei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aus der Balance geraten ist. Die Bereitschaft der Kunden (ich meine nicht die individuellen Menschen, sondern den "König Kunde" als Rolle) einen fairen Preis für die Dinge zu akzeptieren ist über Jahrzehnte zurückgegangen und heute weiß eigentlich niemand genau, was einen "fairen Preis" eigentlich ausmacht.
Was den "Kunden als König" betrifft, würde ich mitgehen. Aber jetzt kommt ein ABER :-D Der Einzelhandel ist ja das Ende der Produktionskette bevor der Verbraucher zugreift. Bevor die Ware beim Einzelhandel landet, treffen ja eine Menge wirtschaftlicher Interessen aufeinander, die sich auf Produkt und Preis auswirken. Der Erzeuger erzeugt und muss sein Produkt auf dem Markt platzieren können, dazu muss er Abnehmer finden. Der Abnehmer diktiert die Bedingungen ( jedenfalls solange es die Ware im Überfluss gibt) Wenn der Abnehmer also sagt: meine Kunden wollen keine krummen Gurken, hat der Bauer also die Natur geradezubiegen oder er bleibt auf der Strecke. Den Kunden wird zudem laufend per Hochglanzprospekte die schöne gerade Gurke präsentiert... Der Bauer ist also gezwungen gerade Gurken zu produzieren, da kommt ihm natürlich die Wirtschaft entgegen und präsentiert ihm die neueste und beste Technik vom umweltfreundlichen Traktor bis zur Erntemaschine die die bösen krummen Gurken gleich mal aussortiert. Natürlich bietet der sich stets um seine landwirtschaftlichen Erzeuger bemühte Staat, passende Fördergelder an, nicht weil es dem Bauern gut gehen soll, sondern weil es der Maschinenindustrie besser gehen soll ... Der Quatsch reicht ja inzwischen soweit, dass der Bauer die krummen Gurken auf dem Feld per GPS entlarven könnte. Jeder in der Kette will also nur das Beste für seine Kunden. Seltsamerweise finden aber alle krummen Gurken, die dem Verbraucher von Hobby-Gärtnern und Bauern in den Hofläden angeboten werden reißenden Absatz...

Ich glaube nicht, das der Kunde nicht bereit ist einen fairen Preis für die Ware zu zahlen. Er hat einfach selten bis gar nicht die Möglichkeit dazu - und kann den Wert der Arbeit ja gar nicht mehr einschätzen. Die Einkaufsketten senken doch ohne Not die Preise oder anders gesagt, sie tragen ihren Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Kunden aus - da gibt´s ja den Schlachtruf: Geiz ist geil. Der Kunde an sich hat doch überhaupt keine Möglichkeit auf das Angebot der Einkaufsketten einzugehen, auf die Preisgestaltung schon gar nicht. Wenn man sich die Wochenmärkte anguckt - die meisten sind immer rappelvoll - da sind die Preise immer höher, das Angebot auch immer besser. Ansonsten wäre dort die Nachfrage nicht vorhanden. Nur, dass es nicht genug Anbieter auf den Wochenmärkten gibt, die Städter nicht alle raus aufs Land können um drekt beim Bauern einzukaufen... Die Handelsketten aber keine kleinen Erzeuger listen und schon gar keinen kleinen Bauern von um der Ecke - was einfach auch wirtschafltiche und organisatorische Gründe hat. So muss einfach jeder, der in dem Kreislauf steckt , gucken wie er selbst mit dem Allerwertesten an die Wand kommt. Ein Ausbrechen kaum möglich.

In der Fleischbranche ist es nicht anders. Das dabei das Tierwohl auf der Strecke bleibt, ist kein Wunder. Ich glaube nicht, dass es viel bringt, wenn der Einzelne aus "Mitleid" mit den Tieren auf Fleisch verzichtet. Das löst das Problem nicht, weil egal in welcher Menge produziert wird bzw auf den Markt geworfen wird - am Ende sollen und müssen alle Beteiligten davon leben können und das Produkt bezahlbar bleiben. Im Moment wird eigentlich dem Verbraucher die "Schuld" aufs Auge gedrückt, weil er ja angeblich billiges Fleisch will, koste es was es wolle. Also fühlt sich der Verbraucher schuldig und isst weniger - um satt zu werden gibt es pflanzliche Nahrungsmittel. so weit so gut. Aber angenommen, die Verbraucher lassen vom Fleisch die Finger und stürzen sich auf pflanzliche Lebensmittel - wo und wie werden sie produziert? ... da wo zur Zeit schon riesige Ländereien zu Billigpreisen aufgekauft werden um billige Arbeitskräfte etc vorzufinden - nämlich in Afrika. Da haben wir dann vielleicht keine riesigen Schweinestelle aber prima genmanipulierte Lebensmittel auf Kosten von noch billigeren Arbeitskräften als die Bauern in Europa.

Die Produktion von Lebensmitteln bzw. die Preisgestaltung sollte sich einzig und allein an der Versorgung der Bevölkerung mit "gesunder" Ware orientieren. Das würde die Auswüchse in die eine oder andere Richtung verhindern und - da bin ich mir auch sicher - wenn gesunde Lebensmittel produziert werden ohne krankheitserzeugende Zutaten hier und da - könnte eine Menge Kosten im Gesundheitswesen gespart werden. Das werden wir aber sicher nicht mehr erleben.

LG
Rex2005
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#7

Beitrag von Helmut »

Lieber Michael

Leute, die wie RM in dem Lied grausame Tierhaltung anklagen, essen in der Regel kein Fleisch. Vielleicht sind mir in letzter Zeit zu viele Vegetarier über den Weg gelaufen, die ihren Entschluss mit den Argumenten begründeten, die ich hier zu widerlegen suchte.

Außerdem finde ich es etwas arrogant, wenn Leute, die sich Fleisch aus artgerechter Haltung leisten können, Anderen, die es sich nicht leisten können, ein schlechtes Gewissen machen.

Besonders wütend machte mich eine Mutter, die dem Kindergarten vorwarf, ihr Kind zeige Mangelerscheinungen, weil er vom Kindergarten (5 von ca. 35 Mahlzeiten in der Woche!) einseitig ernährt werde. Dabei stellte sich heraus, dass er kein Fleisch esse.

Und so kam es, dass ich knapp am Thema vorbei argumentiert habe.

Liebe Grüße
Helmut
:teufel:
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