"Es ist doch ein friedlicher Ort" - Reinhard Mey erinnert an das "Friedensfest" am 08.August

Das Augsburger Hohe Friedensfest wird seit 1650 alljährlich am 8. August begangen. Ursprünglich feierten die Augsburger Protestanten damit das 1648 durch den Westfälischen Frieden eingeleitete Ende ihrer Unterdrückung während des Dreißigjährigen Krieges. Heute ist das Friedensfest ein auf das Augsburger Stadtgebiet beschränkter gesetzlicher Feiertag... (Quelle: Wikipedia)

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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"Es ist doch ein friedlicher Ort" - Reinhard Mey erinnert an das "Friedensfest" am 08.August

#1

Beitrag von migoe »

Reinhard Mey hat heute auf seiner Webseite in der Chronik unter dem Titel 8.August, Friedensfest sein Lied
Es ist doch ein friedlicher Ort
Der Text zu diesem Lied findet sich im Buch "Alle Lieder" auf Seite 310, das Reinhard Mey als PDF-Download auf seiner Seite kostenfrei anbietet (aktuell die 14.Auflage)
gepostet. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er damit auf das
Augsburger Friedensfest
Es gibt zu diesem Feiertag einen sehr umfangreichen Artikel in der deutschen Wikipedia
hinweisen möchte oder ob er noch aus einem anderen Grund darauf hinweist.
Screenshot-reinhard-mey.de-Es-ist-doch-ein-friedlicher-Ort.jpg
Einen Feiertag mit dem Namen "Friedenstag" gibt es meines Wissens nach nur in Augsburg. Das finde ich bemerkenswert und auch schade, denn Gründe für einen bundesweiten Feiertag mit der Bezeichnung "Friedensfest", gäbe es meiner Meinung nach auf jeden Fall reichlich.

Nicht nur als Anlass, um dankbar zu sein über den Frieden, in dem wir in Deutschland seit dem
08.Mai 1945
Dieser Tag wird in vielen Ländern heute als "Tag der Befreiung" gefeiert und markiert das offizielle Ende des 2.Weltkriegs nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, es gibt dazu einen umfangreichen Wikipedia Artikel
leben, sondern auch im Angedenken an diejenigen, die für diesen Frieden ihr Leben geben mussten. Mir persönlich ist das Ende des 30jährigen Krieges einerseits nach einer so langen Zeit (und so vielen Kriegen, die zwischenzeitlich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland geführt wurden) schon etwas lange her, um explizit ein Fest im Andenken an diesen speziellen Frieden zu feiern, andererseits waren die Auswirkungen dieses Glaubenskrieges so prägend und einschneidend, dass wir auch heute noch die Folgen teilweise spüren. Ich lebe in Rothenburg ob der Tauber und kann davon wirklich
viele Geschichten
z.B. im meinem "Umkreis"...um nur einige zu nennen, die heute noch im süddeutschen Raum vom Trauma dieses Kriegs zeugen
erzählen...

Reinhard Meys Lied beginnt mit den Worten:
Wenn ich die Schreckensbilder seh' von Coventry und Rotterdam,
Von Nagasaki und Berlin, von Dresden und Hiroshima,
Wenn ich in alten Wochenschau'n die Flugzeuge aufsteigen seh',
Die ihre abscheuliche Fracht abwerfen in ein fernes Ziel,
Dann wird mir der Motorenklang zu einem widerlichen Lärm,
Empfinde ich Trauer und Scham, dann ist mein Sinn zu Tod betrübt.
und hier liegt vielleicht ein weiterer (oder der hauptsächliche?) Grund für seinen heutigen Post in seiner Chronik. Die
Atombombenabwürfe
Es gibt zu diesen "Ereignissen" einen umfangreichen Artikel in der deutschen Wikipedia
auf die japanischen Städte Hiroshima (06.August 1945) und Nagasaki (09.August 1945) jähren sich heuer zum 75ten und ich fand es schon immer gut, dass Reinhard Mey die schrecklichen Bombardierungen von Coventry (Luftwaffe) und Rotterdam (Luftwaffe) gleichermaßen verurteilt wie die Luftangriffe auf Berlin und Dresden (Royal und US Air Force) sowie die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki (US Airforce).

Das sind aber nur Spekulationen von mir, weil Reinhard ja nicht schreibt, warum er dieses Lied heute unter diesem Titel gepostet hat!

Dieses Lied mochte ich schon immer und für mich ist es ein bißchen wie der "melancholische Bruder" von
Über den Wolken
Im Refrain singt Reinhard, dass die Freiheit über den Wolken grenzenlos sei und alle Ängste und Sorgen darunter verborgen wären, wenn man erstmal in den Lüften unterwegs ist. Den Text zum Lied hat er in seinem Buch "Alle Lieder" auf Seite 699 ;-) und er beschreibt den Himmel als einen Sehnsuchtsort, der helfen kann zu Ruhe und Frieden zu finden.
und deshalb habe ich mich heute sehr gefreut, als ich das entdeckt habe.

Ich habe mich jetzt über 2 Stunden mit dem Thema "Frieden" beschäftigt und wenn ich gerade den Verlauf in meinem Browser nochmal anschaue ist es erstaunlich, über wie viele Themen ich mich zusätzlich dadurch beschäftigt habe - auf jeden Fall hatte ich jetzt einen ausgefüllten Nachmittag :yeah: auf der schattigen Terrasse bei 30°Celsius :heiß: :wind:

Nebenbei wurde mir heute mal wieder bewusst, dass die Themen "Freiheit" und "Frieden" im Werk von Reinhard Mey einen sehr großen Stellenwert haben. Das Wort "Wolken habe ich 27x im Textbuch gefunden, "Freiheit" kommt 44x mal vor und "Frieden" sogar 65x...achja, der bekennende
Atheist
siehe Begriff Atheismus in der Wikipedia
Reinhard Mey verwendet den Begriff "Himmel" insgesamt 74x in seinen Texten

...aber was mag das schon bedeuten ;-)

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Zuletzt geändert von migoe am Sa 8. Aug 2020, 18:41, insgesamt 3-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 1182 Wörter


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Michael
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#2

Beitrag von Michael »

ich fand es schon immer gut, dass Reinhard Mey die schrecklichen Bombardierungen von Coventry (Luftwaffe) und Rotterdam (Luftwaffe) gleichermaßen verurteilt wie die Luftangriffe auf Berlin und Dresden (Royal und US Air Force) sowie die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki (US Airforce).
Hallo,
gerade deshalb tue ich mich mit dem Lied ein bisschen schwer. Textimmanent funktioniert es als Gegenstück zu „Über der Wolken“, historisch ist es töricht. Natürlich gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen den deutschen Kriegsverbrechen Coventry und Rotterdam und den Angriffen auf Berlin und Dresden, die das schlimmste Menschheitsverbrechen endlich stoppen sollten.

Sehr lohnend zu lesen sind (nicht nur in dieser Hinsicht) die Tagebücher von Viktor Klemperer, der als Jude die Nazi-Zeit in Dresden erlebt hat. Er schildert den Luftangriff und seine Folgen schonungslos und in seiner Detailliertheit schwer zu ertragen. Er ist erschüttert vom Untergang der Stadt, der ihm gleichwohl das Leben rettet: Für den folgenden Tag hatte er seine Aufforderung zum Transport bekommen, und er wusste, was das heißt. In den Wirren des Angriffs trennt ihm seine Frau den gelben Stern vom Mantel, so dass er unerkannt in einen Bunker kann - wo die braven unschuldigen Dresdner sitzen, die ihn - hätten sie ihn als Juden erkannt - ohne Zweifel sofort totgeschlagen hätten.

Das ist der Unterschied.

Michael
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#3

Beitrag von migoe »

Hallo Michael,
Michael hat geschrieben:
Sa 8. Aug 2020, 21:34
Textimmanent funktioniert es als Gegenstück zu „Über der Wolken“, historisch ist es töricht. Natürlich gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen den deutschen Kriegsverbrechen Coventry und Rotterdam und den Angriffen auf Berlin und Dresden, die das schlimmste Menschheitsverbrechen endlich stoppen sollten
ich sehe es genauso wie Du!

Meine Formulierung "gleichermaßen verurteilt" ist missverständlich und wird der Textzeile nicht gerecht, denn Reinhard zieht in dem Lied den "Vergleich" zwischen den Kriegsverbrechen von Nazideutschland und den Vergeltungsschlägen der Alliierten überhaupt nicht und stellt sie auch nicht auf eine Stufe, nur weil er sie in einer Strophe gemeinsam nennt.

Ich würde die Formulierung in meinem Beitrag ändern in "gleichermaßen thematisiert", werde das aber natürlich nicht mehr im Original Beitrag tun, denn dank Deiner Intervention konnte ich darüber noch einmal nachdenken.
Zuletzt geändert von migoe am Mi 12. Aug 2020, 13:16, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 147 Wörter
Grund: Zitat korrekt gesetzt


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Viktor
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#4

Beitrag von Viktor »

Hallo zusammen,

das Lied hörte ich zum ersten Mal auf dem 1987er Live-Album und durch die Anmoderation und weiteren Strophen habe ich es immer nur vom Überthema Fliegerei her betrachtet und nie länger über die (ja doch irgendwie gleichstellende) Auflistung der so unterschiedlichen Luftangriffe in der ersten Strophe nachgedacht. Insofern gebe ich Michael recht, dass man das eigentlich differenziert sehen muss, aber will auch das Lied verteidigen, da es meiner Meinung nach etwas anderes will, und eben nur ein (bei Reinhard sowieso immer) persönliches Lied ist.

Übrigens: Bis heute haut mich das Stück um, weil die Strophen ohne Reime daherkommen -- für Reinhard ja eine absolute Ausnahme --, was dem Titel eine außergewöhnliche Schwere vermittelt, finde ich.
Gibt es noch andere Lieder aus seiner Feder, die (streckenweise) auf Reime verzichten? Ich wüsste auf Anhieb keine.

Schöne Grüße
Viktor
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#5

Beitrag von Petra »

Hallo Viktor,

in dem Stück 'In Tyrannis' reimt sich rein gar nichts.
Dafür fehlt es wahrlich nicht an Schwere.

Liebe Grüße von Petra
Dieser Beitrag enthält 26 Wörter


Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
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#6

Beitrag von Westwind »

Viktor hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 12:38
Gibt es noch andere Lieder aus seiner Feder, die (streckenweise) auf Reime verzichten? Ich wüsste auf Anhieb keine.
Hallo Viktor

Bei "Du bist die Stille" reimt sich auch nichts, und das sogar ganz schwerelos.

Stimmt schon, die reimlosen Lieder sind die Ausnahme, aber ich frage mich gerade, ob das bewußt als Stilmittel eingesetzt wird, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, und ob das überhaupt geht, oder einfach nur dem Inhalt etwas mehr Gewicht gibt, weil nicht so sehr auf Satzbau und Wortwahl geachtet werden muß, sondern die Gedanken direkter in Worte zu fassen sind....

Gruß
Georg
Dieser Beitrag enthält 107 Wörter


"Ja, ich hab einen Traum von einer Welt und ich träume ihn nicht mehr still:
es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
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#7

Beitrag von migoe »

Hallo Georg,
Westwind hat geschrieben:
Mi 12. Aug 2020, 15:09
Stimmt schon, die reimlosen Lieder sind die Ausnahme, aber ich frage mich gerade, ob das bewußt als Stilmittel eingesetzt wird, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen
ich bin mir sehr sicher, dass Reinhard Mey das ganz bewusst gemacht und weil er es so selten anwendet, macht das die entsprechenden Lieder noch "besonderer" :applaus:
Dieser Beitrag enthält 64 Wörter


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