"Heut ruht der See" - Eisbrenner und Frauendorf

Der deutschsprachige Rockpoet und Liedermacher Tino Eisbrenner beweist sich als Sänger, Texter, Bandleader, Redakteur und Tv-Moderator. Mit einer ausdrucksstarken Stimme steht er in dem Ruf, jedes Publikum auf seine Seite zu ziehen.
Heinz Rudolf Kunze sagte schon 1994 über ihn: Künstler wie Eisbrenner sitzen mit ihrem Talent, ihrer künstlerischen Kreativität und Neugier, ihrer nonchalanten Massenwirksamkeit und ihrem eigenen Anspruch immer irgendwie zwischen den Stühlen. Und ist das nicht der beste Platz für ernst zu nehmende Künstler?... Eisbrenner passt in keine Schublade – er ist der Schrank.

Quelle Forenbeschreibung: Liedermacher-Forum | Foto ©byScreenshot der offiziellen Künstler Webseite vom 09.06.2018

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"Heut ruht der See" - Eisbrenner und Frauendorf

#1

Beitrag von Rex2005 »

Hallo
Prenzlau liegt gerade noch auf dem östlichen Rand meines Kulturkreises, also ging´s am Donnerstag auf ins hiesige Dominikanerkloster. Ich stand eine Stunde vor Konzertbeginn auf der Matte, weil ich ganz in Ruhe Karten kaufen wollte. Die Frau mit der Kasse fragte mich, ob ich reserviert hätte. Hatte ich natürlich nicht, weil ich dachte, donnerstags gehen doch eh nicht viele ins Konzert. Mich traf doch fast der Schlag, als meine Ohren ans Gehirn die Signale schickten: „dann kann ich Sie nicht reinlassen, das Konzert ist ausverkauft“. So viele Leute mitten in der Woche? - konnte gar sein! Immerhin müßten im Saal etwa 130 Besucher Platz haben. Half aber alles nichts, ich mußte zur Geheimwaffe greifen und mein Charmepaket auspacken, um die Frau zu bezirzen. :-D Letztendlich durfte sie mich durchlassen, weil noch ein Stuhl reingestellt werden konnte. Brandschutzauflagen blablabla .. Weil es aber keine Platzkarten gab, nutzte ich beim Einlaß die Möglichkeit, mir ein Plätzchen in der 3. Reihe zu gönnen. Frech kommt halt doch am weitesten nach vorn :roll:
Eigene Lieder und Chansons von Charles Aznavour, Jaques Brel, Leonhard Cohen und Tom Waits waren angesagt, was eigentlich nichts Besonderes ist, wenn man Eisbrenner-Konzerte kennt. Im Programm „Heut ruht der See“ wird Eisbrenner allerdings nur von einem Akkordeon begleitet. Er selbst gibt bei einigen Liedern den Rhythmus auf einer Trommel oder spielt Mundharmonika - wenn er nicht grad singt, logisch. Das Akkordeon hat immer mal wieder eine „tragende Rolle“ in Eisbrenners Liedern. So prägte dieses Instrument viele Songs des Projektes „Der wilde Garten“, meisterlich gespielt von Tobias Morgenstern und der Chilene Alejandro Soto Lacoste greift auch gerne zu diesem Instrument. War also die spannende Frage, wie der mir unbekannte Heiner Frauendorf spielt – dass er spielen kann, war keine Frage, denn Eisbrenner hat immer klasse Musiker an seiner Seite.
Das Konzert ging los mit dem Titelsong „Heut ruht der See“ vom „Wilden Garten“ von Morgenstern komponiert. Danach ging´s gleich nach Frankreich mit „Eben noch“ das von Tino ins Deutsche übertragene „hier encore“ von Aznavour. Jo, das war schon mal genau das, was ich mir vorgestellt hatte. „Jägers Lullaby“ (Cohens Hunters Lullaby) Brels „Ne me quitte pas“ auf französisch gesungen, kann man sich mit Akkordeonbegleitung noch vorstellen, wie auch „Fuß ohne Schuh“ oder die neuerenHausboot-Songs „Wär nicht schwer“ und „Wanderer“. Aber so ein Akkordeon kann noch wesentlich mehr als nur Chansons spielen! „Koffer drin“ vom „Wilden Garten“ (Gogow/Eisbrenner), David Bowies deutsche Version „Heroes“ dürfte doch schon recht ungewöhnlich sein, aber klasse gemacht.
Eisbrenner hat´s ja gerne, wenn das Publikum mitmacht. Mitsingen, mitschnipsen, klatschen ist erlaubt und so gab´s den Police-Song „Message in a bottle“ zum Warmsingen. Danach war er der Ansicht, dass das Publikum auch mal alleine singen könnte. Allerdings sollte es schon ein Lied sein, wo jeder den Text kennt. Er überließ die Regie dem Heiner Frauendorf. Der testete kurz die Textsicherheit von „Hänschen klein“ über „Kam ein kleiner Teddybär“ an, aber höchstwahrscheinlich altersbedingt, erinnerten sich die meisten Besucher nicht mehr … Als dem Akkordeon ein paar Töne von Gainsbourgs „Je t'aime moi non plus“ entschlüpften, hüpfte Eisbrenner dazwischen und behauptete prompt, das den Text eh keiner kennt, schon gab´s anständige Klänge zu hören: „Freude schöner Götterfunken“ und siehe da, den Text kannten alle. Eisbrenner wußte noch ein Lied und so war der „Macki Messer“ auch von allen gesungen mal wieder in einem Progamm zu erleben.
Zum Schluß des Konzertes ging Waits „Grapefruit Mond“ auf, mit Eisbrenners deutschem Text.
Ich hatte zwar das Gefühl, dass dem Mann am Akkordeon die Leichtigkeit des Spiels eines Morgensterns fehlt, aber wenn er nicht gerade „Morgenstern-belegte Songs“ spielte, war er wirklich top. Zwischen den Songs warf er außerdem immer mal wieder kleine aber feine Variationen ein, einfach ein paar Takte schöner Lieder oder Melodien, so z.B. wirklich nur für ein Ahhhh-Augenblick den Soundtrack von Drei Haselnüsse …
Alles in allem ein sorgfältig zusammengestelltes Programm mit Liedern, die Eisbrenners vielseitige musikalische Richtungen zeigen und dabei das Akkordeon bestens zur Wirkung bringen.
So … und morgen hole ich mein Akkordeon auch mal wieder aus der Ecke.
LG
Rex2005
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"Heut ruht der See" - Eisbrenner und Frauendorf

#2

Beitrag von Rex2005 »

Hallo
der See ruhte am Sonnabend in Hardenbeck (Uckermark ) und diesmal gab´s das Programm unverhofft in Dreier-Besetzung also Eisbrenner, Frauendorf und Drechsler :gitarre:, was mich natürlich ins Nachbardorf aufbrechen ließ. Das Konzert sollte schon um 14 Uhr losgehen, da ringsum Dorf-, Schützenfeste und andere nachmittägliche und abendliche Verlockungen lockten. Auf Grund einer straßenbautechnische Vollsperrung des direkten Weges und der demzufolge notwendigen Fahrt durch Wald und Feld fiel kurzerhand das Mittagessen aus, um noch gute Plätze zu erwischen, denn erfahrungsgemäß sind die hohen Kirchenbänke nicht wirklich für "auch was sehen wollende Konzertbesucher" gebaut worden :-(
Wie befürchtet, waren schon etliche Leute vor und in der Kirche, denn das Konzert wurde für das Projekt "Orgel in Not" organisiert. Die Hardenbecker Hollenbach-Orgel ist seit Jahren nicht mehr bespielbar, da mehrere Pfeifen für die Reparatur anderer Orgeln in der Region ausgebaut wurden. Deshalb gab´s im Vorraum Kuchen, Kaffee und mehr für den guten Zweck zu kaufen und für den Erhalt einer Orgel futtert man doch gerne ein Stück mehr :-)
Der Tino schickte direktemang unter der Kanzel seine Botschaften an die zwischen 3 bis 80 Jahre alten Zuhörer, die sichtlich gute Laune hatten und von Anfang an für tolle Stimmung sorgten. So wechselten sich die rockigeren Titel wie "Heroes" und "Koffer drin" mit Balladen wie "Heut ruht der Seen" (die beiden letzeren laufen u.a. gerade bei Radio Liederlicht) und "Alte Lieder" ab.
" ... alte Lieder finden Dich unverhofft immer und überall wieder. Reißen Dich raus oder holen Dich einfach zurück"- stimmt und deswegen gibt´s Lieder, die werden nie alt. Egal in welcher Besetzung oder Instrumentierung, mir werden sie nicht über :-) In drei Wochen geht´s daher zum Hoffest.
Wer einen Blick in die Kirche werfen will hier lang
LG
Rex2005
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