Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Robert Zimmermann verkörpert als Bob Dylan den typischen Vertreter des Singer/Songweiter in den 1960er und' 70er Jahren
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Herbstgewitter hat dieses Thema gestartet
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Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Herbstgewitter

#1

Liebe Leute,
es ist mal wieder soweit, Bob Dylan kommt im Juli zu uns, um sich und seinen unfassbaren Legendenstatus zu konservieren. Wir haben da gerade eine ganz nette Geschichte reinbekommen, ein zufälliges Treffen mit Dylan persönlich, wer mag...
http://www.ein-achtel-lorbeerblatt.de/Berichte/Bob-Dylan-auf-dem-Eigelstein

Ich habe Dylan ja nie live gesehen, frage mich aber jährlich erneut, ob es bei dem nicht egal sein sollte, solange er noch geradeaus laufen kann, einmal im Leben einfach nur hingehen. Weil: Klanglich erwarte ich mir ehrlich gesagt nicht viel davon, schon gar nicht in Breitwandatmosphären. Habe auch schon viele nicht so dolle Dinge gehört von Leuten, die es eben schon getan haben. Hat jemand von Euch Dylan schon gesehen? Würd mich echt mal interessieren, der muss doch mindestens so polarisieren wie...wie...Biermann!;-)
Beste Grüße,
ich.
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Skywise
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Jun 2012 12 17:53

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Skywise

#2


Herbstgewitter schrieb:
Hat jemand von Euch Dylan schon gesehen?
Anderthalb Mal.
Einmal offiziell und einmal inoffiziell, weil er hier bei mir vor der Haustür ein Open Air-Konzert gegeben hat. Ich hab' mir einen Teil des Konzerts angeschaut, weil die Zäune zur Ausgrenzung der nicht-zahlenden Gäste nur gut zwei Meter hoch waren. Eine Körpergröße von über zwei Metern und eine genaue Kenntnis der Örtlichkeiten zwecks Auffinden einer Erhöhung im Gelände haben manchmal ihre Vorteile.
Würd mich echt mal interessieren, der muss doch mindestens so polarisieren wie...wie...Biermann!;-)
*pffff* Kann ich so nicht bestätigen.
Das offizielle Konzert fand ich ziemlich bescheiden. Dylan fand keinen Draht zum Publikum, was vorrangig wohl auf Gegenseitigkeit beruhte. Er wollte aktuelles Material singen, das Publikum wollte "Blowin' In The Wind" hören. Nach 45 Minuten Dylan war das Konzert folgerichtig beendet. Das inoffizielle Konzert war besser, weil erstens mehr Leute da und zweitens Dylan zwischenzeitlich auch mal wieder in den Charts gelandet ist und somit deutlich gemacht hat, daß er durchaus noch neue Sachen schreibt. Wie viele Leute allerdings auf die Texte gehört haben und wie viele Leute nur gekommen sind wegen Mitklatschen und Dylan-mal-live-erleben-Wollen, weiß ich nicht.
Für weit polarisierender halte ich dagegen das Dylan-Publikum. Ich hab's bestimmt schon häufiger erzählt, aber gerne nochmal:
am 16. Oktober '92 fand sich im Madison Square Garden in New York eine muntere Schar Musiker und Zuschauer ein, die gemeinsam mit Bob Dylan den 30. Jahrestag seines Plattenvertrags feiern wollten (später erschien ein Teil des Konzerts als "30th Anniversary Concert Celebration") - Tom Petty, Stevie Wonder, Ritchie Havens, Johnny Cash, George Harrison, Chrissie Hynde, Neil Young, Johnny Winter, Kris Kristofferson, Lou Reed, Willie Nelson, Roger McGuinn ... dieses Kaliber. Wurde auch in Deutschland live übertragen; da war ich dann dabei ;-).
Bis zum Auftritt von Sinéad O'Connor war eigentlich alles so wie geplant bzw. gewünscht. Diese hatte jedoch eine Woche vorher bei Saturday Night Live eine A-Cappella-Version von Bob Marleys "War" interpretiert, dabei ein paar Worte so abgeändert, daß sich die Zeilen gegen Kindesmißbrauch wandten, dabei ein Bild des Papstes zerrissen und "Know your real enemies" verkündet. Als sie nun im Madison Square Garden vor das Publikum trat und eine Dylan-Ballade zum Besten geben wollte, wurde sie gnadenlos von der Bühne runtergebuht. Ich rechne es Kris Kristofferson hoch an, daß er ihr in dieser Situation den Rücken gestärkt hat. Und ich rechne es ihr hoch an, daß sie dazu überging, über die wütende Menge hinweg Bob Marleys "War" noch einmal zu singen und die Worte zu betonen, auf die es ihr ankam, ehe sie erhobenen Hauptes von der Bühne ging (und danach anscheinend zu weinen anfing, was ich damals nicht registriert habe, aber ich hab' später den dazugehörigen Clip auf einer Videoplattform gefunden, da ist es mir dann aufgefallen). Ich hab' das Publikum nicht verstanden und tue das auch bis heute nicht, immerhin stand Bob Dylan meiner Meinung nach immer für Protest, das Aufzeigen von Problemen und das Hinterfragen bestimmter Entwicklungen - nun kam jemand, der genau dasselbe tat, und dafür von genau der Menge abgewatscht wurde, die eigentlich für kritische Töne empfänglich sein sollte. Daß Bob Dylan für einige Jahre eine "christliche" Phase hatte - geschenkt. Daß die USA im allgemeinen ein ... nennen wir's mal "besonderes" Verhältnis zum christlichen Glauben, Kirche und Gott haben - meinetwegen, sei's drum. Ich fand die Aktion trotzdem fehl am Platz. O'Connor selbst hat sich zwar Jahre später von dem Zerreißen des Bilds distanziert - war ja auch starker Tobak -, aber das ändert nichts an meiner Meinung ;-) .
Seit dem Tag weiß ich nicht mehr so richtig, was ich von Dylans Publikum zu erwarten habe. Und ich kann Neil Young besser verstehen, der schon vorher mit einer abwinkenden Handbewegung gemeint hat, daß Lieder nichts ändern. Also - von dem hab' ich's vorher gehört, mein' ich ... gesagt haben das sicher vorher schon viele; Biermann übrigens auch, wenn auch meines Erachtens nicht so direkt ("Für einen faulen Fan" hieß das Lied ... ist auf der "Eins in die Fresse, mein Herzblatt" drauf) ;-)
Gruß
Skywise
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Nicky
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Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Nicky

#3

Hallo Herbstgewitter,
mein Tip. Tu´s dir nicht an. Ich war im letzten Jahr in Hamburg bei Bob Dylan. Nicht unbedingt, weil ich ein riesiger Fan bin, sondern, weil ich einige seiner Lieder mag und natürlich aus aus dem Grund, weil ich die "Legende" mal live sehen wollte. (Stand auf meiner to do liste bei den Dingen, die ich noch einmal erleben will, bevor ich sterbe ;-))
Ich war unglaublich enttäuscht. Noch nie zuvor habe ich einen Künster erlebt, der sich derart arrogant seinem Publikum gegenüber verhält. Er hat werde gesprochen, noch auch nur einmal freundlich geguckt. Die Lieder, die er gesungen hat, waren ausschließlich seine neueren Lieder. Und natürlich wollte auch ich Blowin in the Wind hören... ;-)
Nach einer knappen Stunde fing das Publikum um mich herum an wie wild zu klatschen, und ich fragte mich, warum die so´n Aufstand machen. Ist doch nur Pause........dachte ich........Aber die Leute klatschten wegen einer Zugabe. Nach nur einer Stunde bei einem Kartenpreis von knapp 80 Euro !!!!! Die Zugabe kam und sie war mies.......
Also nochmal mein Tip. Tu´s dir nicht an......
Alles Liebe
Nicole
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Benutzer 63 gelöscht
Jun 2012 12 21:15

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Benutzer 63 gelöscht

#4

Ja, ich hab gehört, die Dylan-Fans versuchen hier die Variante, daß bei diesem Event das Publikum sehr gemischt gewesen sei, d.h. die "richtigen Dylan-Fans" in der Minderheit gewesen seien. Naja, aber ich weiß trotzdem nicht, ob das Protestpotential bei den Fans so wahnsinnig groß ist. Auch beim Meister selbst kann man ja Zweifel haben.
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Herbstgewitter hat dieses Thema gestartet
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Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Herbstgewitter

#5

Besten Dank für die langen Schilderungen, ich mag es ja traditionell episch erzählt...;-)
Das entspricht aber leider so etwa den Sachen, die mir im Bösen durchs Hirn fegen, wenn ich vorm Ticket-Schalter stehe und überlege, ob Ja oder eben Nein. Eben auch durch die Preise und da es Musiker gibt, die für mich leider einfach ncht vor ein Massenpubllikum gehören (also rein akustisch und atmosphärisch betrachtet). Vermutllich ist Dylan somit einer der Künstler, die ich mir besser via DVD ins Wohnzimmer hole. Den "tollen, alten" Spirit kriege ich als in dem Fall zu spät Geborener ja eh nicht mehr mit, anstatt also ein (zu Unrecht) komplett verkorkstes Bild von Dylan zu erhalten, leg ich mir lieber ältere Auftritte gekünstelt auf meinen Flachwandfernseher...bin ich wohl immer noch näher dran mit als live...
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Gesch
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Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Gesch

#6

Moment, Herbstgewitter, nicht vorschnell das Thema abhaken -
auch hierzu möchte ich gegen den offenbar hier vorherrschenden Nöl-Mainstream kratzen.
Moin, übrigens.
Wer Dylan als neugieriger Tourist so beim Konzert aufsucht und erleben will, wie es denn so ist, um ein lebendes Denkmal herumzugehen, von dem er dann auch noch erwartet, dass es sich so gibt, wie Denkmäler normalerweise sind (unverändert, starr, von Tauben bekackt), dem kann man nicht helfen und der sollte sich sein Geld tatsächlich sparen.
Ich hab Dylan ein gutes Dutzend Mal gesehen und bin "alles" worden: von begeistert (mehrfach) bis restlos enttäuscht (da war er sturzbesoffen und Tom Petty hat die Show gerettet), er hat mal das Publikum keines Blickes gewürdigt und sich an der Bühnenseite quer zum Rand hinter seinem Keyboard versteckt (hinterher hab ich gehört, dass er Rückenprobleme hatte und keine Gitarre tragen konnte), mal war er (das war beim letzten Konzert, das ich vor einem halben Jahr erlebt habe) richtig gut drauf und hat gelegentlich was gesagt und auch ins Publikum gegrinst), und so würde ich mir - wenn's terminlich passt - immer wieder eine Karte kaufen, um ihn zu erleben (allerdings nicht zu jedem Preis und wichtige andere Termine würde ich dafür nicht verschieben).
Dass Dylan dieser Tage von Obama himself mit der höchsten amerikanischen Auszeichnung als der amerikanische Künstler gewürdigt wurde, der mit seinem Einfluss auf die amerikanische Kultur aus allen anderen herausragt, unterstreicht das Renommee dieses Mannes, dessen Verdienste um die Erweiterung der literarischen Ausdrucksmöglichkeiten von Inhalten in Liedertexten, wie ich nicht alleine meine, inzwischen den Literaturnobelpreis allemal rechtfertigen (oder man sollte einen neuen Preis für Lyriker stiften, die ja generell eher geringere Chancen auf den Lit-Nobelpreis haben.)
Wer in Dylan-Konzerte mit der Erwartung geht, der Mann werde sich als netter Kerl mit Bravo-Lächeln vor dem Publikum zum Affen machen und dabei auch noch als lebende Musikbox seine Hits runterspulen, als ob sie vom Playback kämen, muss auch enttäuscht werden. Dylan schreibt nicht nur ausdauernd neue Lieder - die gelegentlich sogar immer noch in die Charts kommen - sondern nimmt sich die Freiheit, sich selbst zu covern, wie er es gerade mag, d.h. immer wieder neu zu interpretieren, manchmal so, dass selbst eingefleischte Dylan-Fans nicht auf Anhieb erkennen, welches Lied er gerade angestimmt hat. Auch das ist, meine ich, Kreativität, weil er damit auch einer Menge anderer Künstler, die sich an seinen Liedern versuchen, vormacht, was man aus diesen Lieder machen kann.
Dylan muss nichts und niemandem mehr etwas beweisen. Fans, die ihm nachsteigen und nachschnüffeln, die sich mit Presseausweisen ausgestattet an seine Fersen heften und sogar die Mülltonnen auf der Suche nach einer Story durchwühlen, hat er genug erlebt, um dafür Verständnis erwarten zu können, dass er sie sich vom Leibe halten will...
Übrigens: Wenn es einen Künstler gibt, auf den die Texte von Reinhard Mey "Bevor ich mitden Wölfen heule" oder "Mein achtel Lorbeerblatt" passen, dann ist es Dylan. Nur hätte er es vermutlich anders geschrieben - ob besser, wäre dann wieder wohl eine Geschmacksfrage...
herzlich
Gerd
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Herbstgewitter hat dieses Thema gestartet
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Jun 2012 13 11:33

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Herbstgewitter

#7

Danke, Gerd.
Hm, also bei mir überwiegt da vermutlich etwas, was ich selbst eben nicht ertrage: Ich möchte ja gar kein "Blowin' In The Wind" hören, kann ich prima drauf verzichten. Was das angeht bin ich tatsächlich jemand, der sich eher freut, wenn es eben kein "best of"-Abgenudel gibt. Lieber ein paar nicht ganz so große Stücke von damals und liebend gerne auch viele neue Sachen - super. Problem - und da liegst du richtig, sind dann eher die Leute, die mit einem beim Konzert sind. Gutes Beispiel sind Metallica und Genesis. Ich bin nun wahrlich kein HeavyMetal-Freak, fand aber vor einigen Jahren, dass man sich die mal angesehen haben sollte. Die Jungs waren auch klasse, aber das Publikum: langhaarige Kuttenträger, wie es sein muss und zwischendrin lauter Eltern mit ihren Kleinkindern. Und zig Normalos, wo ich mich mal zu zähle. Das fühlte sich so dermaßen verquer an, dass ich da raus bin als hätte ich nen Hexenschuss. Zumal ich mitbekommen habe, dass die Gruppierungen es natürlich untereinander auch nicht so doll fanden, dass die anderen da sind. Bei genesis war das auf ne andere Art noch nen Zacken schärfer, die haben vor einigen Jahren ihr Konzert mal gehälftet: Erst kamen die großen Collins-Popnummern, die Hits, das Tralalaaa - dann ein dicker Experimental-Gabriel-Teil. Das war echt wie Ebbe und Flut, der große Teil kam, schunkelte zu "Invisible Touch" und Konsorten. Und zog sich dann zunehmend kopfschüttelnd und pfeifend zurück. Es blieb ein wesentlich kleineres, aber unsagbar "abgehendes" Publikum, das frenetisch die großen Kunstwerke feierte, die Genesis ja nun einmal auch im Historien-Schatüllchen haben.
Fazit: Es hat wohl tatsächlich so gar nix mit Dylan zu tun, sondern mit dem Publikum, dass viel zu divers sein dürfte.
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Benutzer 63 gelöscht
Jun 2012 13 19:10

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Benutzer 63 gelöscht

#8

Ist schon richtig, Gerd, er muß niemandem mehr etwas beweisen. Die Frage ist nur, ob man das sein Publikum so deutlich spüren lassen muß. Auch ohne sich aalglatt anzupassen, sind ordentliches Benehmen und Respekt vor dem Publikum allemal möglich. Ja ich weiß, auch ein Hannes Wader hat sich da früher einiges geleistet, aber auch das würde ich, obwohl eiserner Fan, nicht verteidigen wollen...
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Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Nicky

#9

Ich sehe das genauso wie du, Jürgen. Wenn ich zu einem Dylan Konzert gehe, erwarte ich bestimmt keinen aalglatten Künstler der sich bei seinem Publikum anbiedert oder gefallen will. Wohl aber, dass er ein wenig auf das Publikum eingeht. Eine einfache Begrüßung würde ja für den Anfang schon reichen…;-)
Ich finde es auch nicht ungewöhnlich, dass man als Konzertbesucher zumindest mal das eine oder andere Lied hören möchte, was man auch kennt. Bei Dylan beschränken sich meine Liedkenntnisse natürlich nicht nur auf Blowin in the Wind. Aber eine Stunde lang ausschließlich neue Lieder zu hören sind bei einem Konzert für die Stimmung nicht wirklich förderlich.
Was soll´s. Ich habe daraus gelernt, erspare mir für die Zukunft die Konzerte von Legenden und gehe nur noch zu Konzerten von Künstlern, die ich wirklich mag.
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Jun 2012 14 14:35

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Skywise

#10


Nicky schrieb:
Ich finde es auch nicht ungewöhnlich, dass man als Konzertbesucher zumindest mal das eine oder andere Lied hören möchte, was man auch kennt. Bei Dylan beschränken sich meine Liedkenntnisse natürlich nicht nur auf Blowin in the Wind. Aber eine Stunde lang ausschließlich neue Lieder zu hören sind bei einem Konzert für die Stimmung nicht wirklich förderlich.
Was soll´s. Ich habe daraus gelernt, erspare mir für die Zukunft die Konzerte von Legenden und gehe nur noch zu Konzerten von Künstlern, die ich wirklich mag.

Och ... ich war auch schon auf Konzerten bei Reinhard Mey, bei denen kein Lied älter als sieben oder acht Jahre war, und damit meine ich, daß die Stimmungsklassiker, bei denen das Publikum Laola-Wellen vollführt und mit erhobenem Bierkrug in der Hand mitschunkelt und -gröhlt, wie etwa "Über den Wolken", "Keine ruhige Minute", "Gute Nacht Freunde" etc., völlig außen vor blieben. Das hat dem Abend an sich nicht geschadet; natürlich gab's hinterher ein paar, die sich darüber beschwert haben, daß die alten Knaller nicht im Repertoire waren, aber die waren deutlich in der Unterzahl.
Gibt noch ein paar andere Beispiele, bei denen Konzerte unter Umständen stattfanden, die wohl auch nicht gerade als "förderlich" zu bezeichnen sind, darunter einige, bei denen kein einziges Lied dem Publikum geläufig gewesen sein dürfte - da waren trotzem schöne Abende drunter. Aber dann muß auch das Publikum dazu bereit sein, sich auf den Künstler und sein Repertoire einzulassen, das hat nichts mit dessen Legendenstatus zu tun, teilweise noch nicht mal was mit seinem Verhalten dem Publikum gegenüber. Ich war auch schon auf Konzerten, bei denen der Künstler anscheinend keinen Bock hatte und der sich dann aufgrund der guten Stimmung im Publikum eines Besseren besonnen hat, ich war auf solchen, bei denen der Künstler das Publikum völlig ignoriert hat oder auch auf solchen, bei denen der konzertierende Künstler vielleicht nur für 2 Minuten auf der Bühne sichtbar war, während ansonsten anderen Dingen größere Priorität eingeräumt wurde (Feuerwerk, Lasershow, Lichteffekte auf gigantischen Leinwänden ... Jean Michel Jarre halt - wer in London des Showeffekts wegen ganze Gebäude in Flammen setzt oder in Houston einen kompletten Stadtteil als Showbühne für sein Konzert braucht und komplette Wolkenkratzer verkleiden läßt, um sie als Projektionsfläche verwenden zu können, legt keinen gesteigerten Wert auf Publikumskontakt) - das kann alles wunderbar funktionieren, solange trotzdem ein Funke überspringt. Wenn das Publikum allerdings nicht willig ist, wird das schwer ... wenn der Künstler oder sein Repertoire nix taugt oder einen schlechten Tag hat, ebenfalls - klar.
Und hin und wieder findet man ja auch einige Stars (bitte nicht an irgendeine DSDS-Luftpumpe denken, sondern wirklich an einen Star im altherkömmlichen Sinne), die einen auch live davon überzeugen können, daß sie ihren Status zurecht tragen. ;-)
Gruß
Skywise
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Jim_Stark
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Jul 2012 01 15:54

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Jim_Stark

#11

Ich habe ihn vor wenigen Jahren in Hannover gesehen, und werde nächste Woche in Bonn dabei sein.
Wenn man sich bewusst ist, dass Bob Dylan Live nie Bob Dylan auf Platte ist, und Bob Dylan 2012 nicht Bob Dylan 1963 ist, genau wie Bob Dylan 1964 auch nicht Bob Dylan 1963 war, dann lohnt es.
Auch muss man wissen, das Bob Dylan sich (heutzutage) selten dem Publikum zuwendet und auch nur äußerst selten freundlich guckt.
Und wenn man Bob Dylan sehen will, weil einem ein paar seiner Lieder gefallen, ist das nicht falsch, aber man wird zu 99% negativ überrascht sein, weil selbst wenn er alle persönlichen Lieblingslieder spielen würde, würde man sie kaum erkenne, da sie fast komplett neu arrangiert sind und man die Texte aufgrund der Stimme und des "Gesangsstil" kaum zu erkennen vermag.
Also Fazit: Man sollte wissen, was auf einen zukommt und kann sich dann vorher entscheiden, ob man das Risiko enttäuscht zu werden eingehen will. Ich kann die Menschen, die nach einem Bob Dylan Konzert enttäuscht nach Hause gingen durchaus verstehen. Ich war es aber definitiv nicht und freu mich auf Mittwoch!
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Holgi
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Jul 2012 01 19:07

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Holgi

#12

Ich habe Dylan bisher zwei mal gesehen, aber das ist Jahre her. Interessant fand ich zunächst das Puplikum. Bei keinem anderen Künstler wurde vor dem Konzert so darüber spekuliert wie der Künstler an diesem Abend wohl drauf sein würde. Ich hatte den Eindruck als wolle jeder dem andern "Dylan" erklären.
Die Konzerte selber waren nicht enttäuschend für mich, da ich keine besondere Erwartung hatte.
Heutzutage besuche ich Konzerte nur noch sehr selten (aus Kostengründen). In den 80er Jahren (Heavy Metal) kostete eine Konzertkarte um die 20 DM und der Spritpreis war auch nicht mit heute vergleichbar. Da überlegte ich gar nicht lange, ob ich da nun hin fahren soll oder nicht. Ich tat es einfach. Auch wegen der Kontakte, da ich manche Leute immer wieder traf.
Bei einem Kartenpreis von 80 Euro würde ich mir schon überlegen ob ich nicht lieber jemanden sehen will, den ich bisher nocht nicht sah oder die Anfahrt (Spritgeld) nicht zu weit ist. Und ich weiss auch ganz sicher: Wäre das Konzert nach nur einer Stunde beendet, wäre ich sauer.
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Rex2005
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Jul 2012 03 21:14

Bob Dylan auf Tour in Deutschland/Österreich

Beitrag von Rex2005

#13

Artikel zum Dylan-Konzert in der Berliner Zeitung
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Verschoben von Chansonniers / Singer / Songwriter / Cantautori allgemein nach Dylan, Bob am Do 23. Sep 2021, 23:26 durch migoe

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