R. I. P. Chris Roberts

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Carsten K
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R. I. P. Chris Roberts

#1

Beitrag von Carsten K » Mo 3. Jul 2017, 23:29

Gestern verstarb der Schlagersänger-Kollege Chris Roberts im Alter von 73 Jahren an einer Krebserkrankung. http://www.spiegel.de/kultur/musik/chri ... 55795.html
Ich war zwar nie sein Fan, aber seine Lieder in der ZDF-Hitparade haben mich (ähnlich wie die Gunter Gabriels) durch meine Kindheit in den 70ern begleitet.
Und der erste Absatz aus seiner Wikipedia-Seite (den ich gerade erst gelesen habe) macht mich dann doch nachdenklich:
"Roberts war der Sohn einer Deutschen und eines Jugoslawen. Da es seiner Mutter in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war, einen Jugoslawen zu heiraten, erhielt Chris Roberts keine deutsche Staatsangehörigkeit. Seitdem war er 72 Jahre lang staatenlos und beantragte erst im April 2016 die deutsche Staatsbürgerschaft, welche er im April 2017 erhielt."
Hier noch ein Link zu einem (seinem letzten?) Interview, das er beim Liedertreffen 2017 gegeben hat, zwar nicht bei uns in Gernsheim, aber immerhin in Witten bei Schwerte (LT 2016) und nahezu zeitgleich, während ich vom Bahnhof zu Fuß ins Kloster Einsiedel gepilgert bin... Nun weiß ich: Alles hat seinen Sinn!

Möge Christian Klusáček im Himmel die Ruhe und den Frieden finden, die ihm im wahren (Schlager)Leben in diesem Land und auf Erden offenbar immer versagt geblieben sind. ;-(
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
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Marc
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#2

Beitrag von Marc » Di 4. Jul 2017, 10:09

Hallo zusammen,
wie wahr, man kann nicht immer 17 sein... leider... oder vielleicht auch nicht...

cARSCHti schrieb:
Hier noch ein Link zu einem (seinem letzten?) Interview, das er beim Liedertreffen 2017 gegeben hat, zwar nicht bei uns in Gernsheim, aber immerhin in Witten bei Schwerte (LT 2016) und nahezu zeitgleich, während ich vom Bahnhof zu Fuß ins Kloster Einsiedel gepilgert bin... Nun weiß ich: Alles hat seinen Sinn!

Bei dem Video kam mir mal wieder in den Sinn: Das Einzige, worum Liedermacher Schlagersänger beneiden können, sind die Background-Tänzerinnen. Ein Jammer, dass sich dieser Trend nicht unserer Szene durchgesetzt hat.
Lieben Gruß!
Marc
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und es ist mir längst klar,
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Carsten K
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#3

Beitrag von Carsten K » Di 4. Jul 2017, 19:32


Marc schrieb:
Das Einzige, worum Liedermacher Schlagersänger beneiden können, sind die Background-Tänzerinnen. Ein Jammer, dass sich dieser Trend nicht unserer Szene durchgesetzt hat.


Da hast Du wohl recht, Marc! ;-) Aber es fehlen bei den LTs auch seit Jahren ein Stück weit die Einpeitsch..., äh..., Animateure wie z. B. Axel Stiller, die potentielle Backround-Tänzerinnen mit ihren vorgetragenen Liedern verschollener LT-Veteranen ("Sing ein Lied für mich - Tanz!") zu einer WDR4-würdigen Bühnenshow motivieren könnten... ;-)
Ja, ich weiß, WDR4 ist Radio, was soll da eine Bühnenshow?... Aber Chris Roberts hat seinem Vatertags-Video bewiesen, dass man es als Schlagersänger im Radio auch locker ins YouTube-TV (sogar mit bewegten Bildern) schaffen kann! ;-)
Dieser Beitrag enthält 123 Wörter


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#4

Beitrag von fille » Di 4. Jul 2017, 21:23

Bei dem Video kam mir mal wieder in den Sinn: Das Einzige, worum Liedermacher Schlagersänger beneiden können, sind die Background-Tänzerinnen. Ein Jammer, dass sich dieser Trend nicht unserer Szene durchgesetzt hat.


Kommt nur nicht auf dumme Gedanken! Ich bin eher für Background-Tänzer!
Zurück zu Chris Roberts. Ich war auch nie Fan. Aber er hat natürlich zu meiner Jugend gehört. Als er sang "Du kannst nicht immer 17 sein.", wurde ich gerade 17! Wenn man sich das vorstellt.
Dass der geborene Münchner 72 Jahre staatenlos war, wußte ich nicht. Er hätte aber bestimmt die Staatsbürgerschaft bekommen können. Er hatte bestimmt seine Gründe, dass er so lange nicht gemacht hat.
"Irgendwann wirst du 70 sein. Dann bin ich noch bei dir..."
Liebe Grüße, Marianne
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Carsten K
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#5

Beitrag von Carsten K » Di 4. Jul 2017, 23:46


fille schrieb:
Dass der geborene Münchner 72 Jahre staatenlos war, wußte ich nicht. Er hätte aber bestimmt die Staatsbürgerschaft bekommen können. Er hatte bestimmt seine Gründe, dass er so lange nicht gemacht hat.


Sicher hätte er locker die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen können, jedenfalls in den letzten Jahrzehnten, aber er hatte eben offenbar seine Gründe, diese nicht zu beantragen. Und genau das macht mich nachdenklich und gleichzeitig neugierig, was für Biografien hinter dieser "heilen" Schlagerwelt der 70er stecken.
Nicht wenige aus dieser Generation haben ja als "68er" gegen ihre Nazi-Eltern und die Nachkriegs-BRD rebelliert, aber auf Chris Roberts trifft genau das eben nicht zu. Seine Eltern waren bestimmt keine Nazis, und er hat mit seinen Schlagern auch nicht gegen die BRD-Gesellschaft der 70er Jahre aufbegehrt, im Gegenteil. Die ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck war ja sozusagen eine der freiheitlich-demokratischen Säulen dieser damaligen Gesellschaft. Trotzdem wollte Chris Roberts all die Jahrzehnte offenbar nicht die Staatsbürgerschaft des Landes annehmen, in dem er schon immer lebte und in dem er in seinem Beruf als Schlagersänger zeitweise ja äußerst erfolgreich und populär war... Das gibt doch zu denken, oder?
Ich muss in diesem Zusammenhang auch an Marianne Rosenberg (Jahrgang 1955) denken, Tochter des Auschwitz-Überlebenden und langjährigen Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg Otto Rosenberg. In den 70ern war auch sie eines der Aushängeschilder dieser ZDF-Hitparade, aber erst drei Jahrzehnte später konnte sie öffentlich über ihre Herkunft und die damit verbundenen Traumata reden und schreiben... Immerhin.
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#6

Beitrag von olliwutzi » Do 6. Jul 2017, 17:15

"Was ist der Mensch ohne Pass?"

(Brecht?)
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#7

Beitrag von Reino » So 16. Jul 2017, 21:03


cARSCHti schrieb:
Sicher hätte er locker die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen können, jedenfalls in den letzten Jahrzehnten, aber er hatte eben offenbar seine Gründe, diese nicht zu beantragen.
Er hätte sie auch 1972 bekommen können, aber dann hätte er den Wehrdienst ableisten müssen.
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