Klimawandel, was können wir tun?

*DER SINN DER POLITIK IST FREIHEIT
Das Leben ist immer ein Leben mit anderen. Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein „staatsentwickelndes Tier“, wie Aristoteles formulierte. Er bedarf zu seiner Vervollkommnung der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Frage ist nicht, wie uns heute im Zeitalter des begrenzungslosen Individualismus (und Egoismus) eingehämmert wird: Wie soll ich leben? Sondern: Wie sollen wir leben? - und darüber kann in diesem Forum diskutiert werden!

*Quelle: Webseite Akademischer Verein Kyffhäuser e.V. | Foto © by Pixabay.com
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migoe
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Jul 2021 21 23:39

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#21

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Diese Katastrophe ist furchtbar, aber nicht neu.
Das sehe ich genauso. Im Prinzip, aber...

Was neu ist bzw. sich geändert hat und sich immer schneller verändert - aufgrund des menschlichen Einflusses (Stichwort CO2 Ausstoß) - ist aber die Häufigkeit, in der es zu solchen Katastrophen kommt. Dafür gibt es mittlerweile etliche Beispiele von sogenannten Jahrhunderthochwasser, die mittlerweile in jeder Dekade auftreten. Auf dem Wiki Bildungsserver des Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt am Main und Berlin finden sich dazu sehr detaillierte Informationen.

Unter dem Punkt 1.4 Trends findet sich dieser Hinweis:
wiki.bildungsserver.de hat geschrieben:Aufgrund der relativ kurzen untersuchten Zeiträume und angesichts der sich verändernden lokalen Bedingungen lassen sich Hochwassertrends nur mit großen Unsicherheiten ausmachen. So lässt sich nur mit Vorbehalt sagen, dass Hochwasserereignisse in Deutschland in den letzten Jahrzehnten häufiger und/oder stärker ausfallen als in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten.
Doch nicht nur in dieser Quelle, sondern auch von Fridays-for-Future und anderen wird letztlich das Fazit gezogen:
wiki.bildungsserver.de hat geschrieben:Für die verschiedenen Regionen in Deutschland konnte gezeigt werden, dass die Wetterlagen, die zu Hochwasserereignissen führen, in den letzten Jahrzehnten jeweils zugenommen haben (Abb. 5). Im Westen Deutschlands, d.h. für das Rhein- und Wesergebiet, haben sowohl die Häufigkeit wie die Dauer der West- und Nordwestlagen zugenommen. Auch bei weniger starken Niederschlägen würde allein die längere Dauer zu mehr Hochwasserereignissen führen, da die Böden dadurch stärker gesättigt werden und es zu höheren Abflusswerten kommt. Im Süden wie im Osten (Donau- bzw. Elbeeinzugsgebiet) haben im Sommer die Vb-Lagen zugenommen, die hier für die starken Sommerhochwasser verantwortlich sind. Hinzu kommt, das im Osten eine deutliche Abnahme östlicher Zirkulationsmuster und damit die Zunahme milderer Winter mit mehr Niederschlag als Regen denn als Schnee festgestellt werden kann.[18] Allgemein lässt sich eine deutliche Zunahme von Großwetterlagen feststellen, die für das Auftreten von Hochwasserereignissen grundlegend sind. Diese Wetterlagen dauern zugleich länger an, wodurch es zu Bodensättigung kommt und Überschwemmungen sich auch bei mäßigen Niederschlägen ereignen können.
Auf ihrer Webseite schreibt Fridays-for-Future unter der Rubrik Forderungen dazu:
fridaysforfuture.de hat geschrieben:Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Erde laut IPCC bereits um circa ein Grad Celsius erwärmt. Es bleibt daher wenig Zeit, den Klimawandel aufzuhalten und so zu verhindern, dass die Kipppunkte im Klimasystem überschritten werden. Tun wir das nicht, werden die verursachten Schäden weit höhere Kosten mit sich bringen als alle Investitionen in konkrete Maßnahmen zur Vermeidung der Klimakatastrophe.
Interessanterweise bezieht sich Fridays-for-Future hierbei auf die durchschnittliche Erwärmung der Erde und nicht auf die Erwärmung in Deutschland, welche laut dem deutschen Wetterdienst heute bereits bei +1,5°C liegt - detaillierte Angaben dazu finden sich auf der Webseite des DWD...
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Die Katastrophe ereignet sich immer wieder. Ich habe schon oft an Flüssen Hochwassermarken angeschaut und festgestellt, dass es auch in früheren Zeiten ziemliche Hochwasserkatastrophen gegeben hat.
Nur weil solche Katastrophen bereits in früheren Zeiten stattgefunden haben, in der des noch keinen massenhaften CO2/CH4 Ausstoß durch Industrie, Verkehr und Massentierhaltung sowie industrielle Landwirtschaft gab, bedeutet das aus meiner Sicht nicht, dass es keinen menschenverursachten Klimawandel gibt bzw. dass es keinen Grund zum Handeln gibt. Ich will Dir aber nicht unterstellen, dass Du es so siehst!
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Reflexartig vom Klimawandel zu reden, nützt nichts.
Seit Jahrzehnten wird weltweit von tausenden Wissenschaftler*innen darüber informiert, was weltweit beobachtet werden kann und dass sich das Klima deutlich schneller verändert, als es zu erwarten wäre. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die letztlich zum menschengemachten Klimawandel führen, sind sehr gut erforscht und die Annahmen und Prognosen der Klimamodelle über die zu erwartenden Veränderungen sind erschreckend nah an der Realität. Ich denke, es ist deshalb im Jahr 2021 nicht verwunderlich, dass der Gedanke "Klimawandel?" aufkommt, wenn genau die Ereignisse auftreten, vor denen wir seit langer Zeit gewarnt werden :weissnicht:
Siehe dazu "Markus Lanz" vom 20.07.21...
Bei der ZDF-Sendung "Markus Lanz" wurde eine Meldung aus dem Jahr 1995 gezeigt, bei der vor den Folgen des Klimawandels gewarnt wurde. Hier wurden damals ganz konkrete Folgen für die Wirtschaft und die zu erwartenden Schäden durch Stürme und Hochwasser für die Menschen benannt, wenn nicht entgegengesteuert würde. Kein "Es könnte passieren...", sondern "Es wird geschehen, wenn nicht vorher gehandelt wird"! Die Sendung ist in der ZDF Mediathek verfügbar, die Nachricht ist bei 58:11:00 zu finden.
Screenshot ZDF Mediathek Markus Lanz 20. Juli 21.jpg
fille hat geschrieben: Mi 21. Jul 2021, 20:08Es ist besser mit Tat zu helfen. Am besten mit einer Geldspende.
Damit hast Du Recht und deshalb habe ich gerade 60 Euro an die Aktion Deutschland hilft überwiesen. Die Menschen, die sich sofort nach diesem Unglück aufgemacht haben, um mit anzupacken und direkt zu helfen, haben meinen höchsten Respekt. 👍
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Lilienthal hat dieses Thema gestartet
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Jul 2021 26 20:20

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Lilienthal

#22

Hallo zusammen,

es ist richtig, das es auch in den vorherigen Jahrhunderten schon Flutkatastropfen gab, aber die Meterologen warnen schon länger, das es schlimmer werden und öfter kommen, weil sich Hochdruckwetterlagen oder Tiefdruckwetterlagen in einer Region regelrecht festbeißen und nicht mehr so wandern wie früher als der Jetstream noch stärker war.
Diese Veränderung wird ganz klar dem Klimawandel zugesprochen.
Das es trotz der technischen Hilfsmittel, die uns zu diesem Jahrhundert zur Verfügung stehen um Menschen in Gefahr zu helfen, soviele Tote gibt, sollte uns sehr nachdenklich stimmen und sofort zur Tat schreiten lassen.

Das die Jugend auf die Strasse geht und die Politik auffordert dies zu tun, finde ich richtig, denn sie haben außer diesen Aktionen nicht sehr viel Einfluß auf die Reduzierung des CO ² Ausstoß.
Wir Älteren haben aber in der Regel mehr Kapital um in Umwelttechnik zu investieren und sollten das auch tun.

Übrigens beim Wohnen ist im privaten Haushalt das größte Einsparpotenzial und da wiederum hauen die Heizungen am meißten raus!!!

LG Sven
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Skywise
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#23

Lilienthal hat geschrieben: Mo 26. Jul 2021, 20:20 Das die Jugend auf die Strasse geht und die Politik auffordert dies zu tun, finde ich richtig, denn sie haben außer diesen Aktionen nicht sehr viel Einfluß auf die Reduzierung des CO ² Ausstoß.
Jetzt bin ich ja beruflich betrachtet gebranntes Kind, was Politik und daraus resultierende Handlungen angeht. Insofern möchte ich anfügen:
a) es braucht die Politik nicht, um zu handeln; ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik. Ändert das Konsumverhalten, fordert vom Produzenten, bestenfalls einheitlich, und ihr werdet den Markt verändern - höchstwahrscheinlich sogar schneller als die Politik - und damit auch Produktionsweisen und folgerichtig die Einflüsse der Produktion auf die Umwelt. Bleibt hartnäckig.
b) von der Politik fordern ist ja schön, aber solange keine konkreten Ziele benannt werden, wird es schwierig, die Umsetzung zu messen. Und bezüglich des Klimas braucht man sich wohl keine Gedanken zu machen, daß die Proteste jemals aufhören werden, denn das Neutralisieren unseres Treibens der Vergangenheit wird einiges an Zeit brauchen, und wenn wir über einen bestimmten Punkt bereits drüber sind, dann kann's sogar sein, daß wir nur noch zur Verlangsamung der Entwicklung beitragen können, eine Rückkehr allerdings in dieser und den nächsten Generationen unmöglich ist.
Wir Älteren haben aber in der Regel mehr Kapital um in Umwelttechnik zu investieren und sollten das auch tun.
In Umwelttechnik zu investieren - kein Fehler. Konsumverhalten ändern, Informationen einfordern und ausnahmsweise nicht zurückschrecken, wenn etwas den einen oder anderen Euro mehr kostet, kann auch schon eine Menge bringen.

Gruß
Skywise
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Nicky
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Nicky

#24

Ihr Lieben,

gerade bin ich über etwas gestolpert, was Skywise geschrieben hat und möchte dazu meine Gedanken schreiben.

Skywise schrieb:
ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik. Ändert das Konsumverhalten, fordert vom Produzenten, bestenfalls einheitlich, und ihr werdet den Markt verändern -
Genau dieser Meinung war ich auch immer.
Vor über einem Jahr habe ich hier im Forum auch dafür geworben, das einfach jeder mal bei sich selber im kleinen anfangen soll sein Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch auf dem totalen Umwelttrip und habe so ziemlich alles ausprobiert. Allerdings zugegebenermaßen mit oftmals ernüchternden Ergebnis.
Mich würde es total interessieren, wie es euch mit evtl. Veränderungen geht.
Zum Beispiel habe ich folgende Dinge geändert und hatte damit folgende Probleme:

Zahnputztabletten aus der Papiertüte statt Zahnpastatuben = Zahnfleischbluten und stumpfe Zähne nach 3 Wochen dazu ziemlich teuer
Festes Shampoo aus der Pappverpackung statt Shampooplastikflasche = strähniges, fettiges Haar oder wahlweise stumpfes, trockenes Haar
Bienenwachstücher statt Alufolie = Trockenes Brot und teilweise schnelle Schimmelbildung. Dazu unverhätnismäßig hoher Aufwand in der Herstellung
Einkaufen um Unverpacktladen = Wenig Auswahl zu saftigen Preisen
Putzmittel zum Selber zusammen mischen = Extrem teuer und nicht wirklich effektiv.

Diese Liste könnte ich noch weiter fortführen. Natürlich bin ich bei vielen Dingen auch geblieben. Sei es meine vegetarische Ernährung, verzicht aufs Auto und aufs fliegen, Strom und Heizung sparen, Müll trennen usw. Aber ich bin durch viele Dinge doch sehr ernüchtert worden. Schade, das die Produzenten sich anscheinend nicht genügend Gedanken was ihre Entwicklungen betrifft machen, so das es den Umweltwilligen auch gelingt weiterhin im kleinen etwas zu verändern. Ich bin in vielen Dingen deshalb wieder "rückfällig" geworden.
Viele Grüße
Nicole
P.S. Insider an Helmut: An dem Inhalt des "Gutmenschen-Textes" hat sich nichts geändert. ;-)
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...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

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Skywise
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Jul 2021 29 01:49

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#25

Nicky hat geschrieben: Mi 28. Jul 2021, 13:58 Genau dieser Meinung war ich auch immer.
Vor über einem Jahr habe ich hier im Forum auch dafür geworben, das einfach jeder mal bei sich selber im kleinen anfangen soll sein Verhalten gegenüber der Umwelt zu verändern. Zu diesem Zeitpunkt war ich auch auf dem totalen Umwelttrip und habe so ziemlich alles ausprobiert. Allerdings zugegebenermaßen mit oftmals ernüchternden Ergebnis.

[…]

Schade, das die Produzenten sich anscheinend nicht genügend Gedanken was ihre Entwicklungen betrifft machen
Du würdest Dich wundern :-D

Ich glaube, das wird ein langer Beitrag, aber fangen wir einfach mal an und ich versuche, daß die Knäcke beim Lesen nicht zu langweilig wird.

Zunächst bin ich der festen Überzeugung, daß man den Umweltgedanken nicht sauber vom sozialen Gedanken trennen kann. Wenn nicht zumindest da, wo die Sonne über den eigenen Horizont kippt, in einer vorübergehenden Grauzone das Thema "Sozialverträglichkeit" oder – für die Fortgeschrittenen - "17 Nachhaltigkeitsziele"/"SDGs" mitgedacht wird, sind wir nicht komplett. Wir können nicht hier die großen Umweltengel flattern lassen, gleichzeitig aber dafür sorgen, daß an anderer Stelle Menschen nicht von ihrer Arbeit leben können, denn das führt nur dazu, daß genau dort entweder zu Tricks gegriffen wird, die das Letzte aus der Natur rauswringen, was selten gesund für selbige und ihre Bewohner ist, oder daß der kleine Mann seine Ressourcen an den großen Mann abtritt, der dann seinerseits versucht, möglichst kostengünstig (heißt: keinesfalls umweltverträglich, geschweige denn menschenfreundlich) irgendwas zu produzieren, das er auf einem anderen Markt, oft genug außerhalb des eigenen Dunstkreises, anbieten kann. Insofern halte ich auch das (natürlich nicht übermäßige) Konsumieren oder den Erwerb von sozialverträglichen Produkten für eine Umweltmaßnahme. Ob wir jetzt hier von Kaffee, Tee, Zucker, Textilien, Fußbällen oder sonstwas reden, soll erst mal wurscht sein. Ich komm' zumindest auf den Kaffee nochmal zurück.

Bei mir schlagen unter anderem einige Vertreter von Herstellern bestimmter Artikel auf, auch wenn diese kein direktes Geschäft mit uns machen. Das Aufschlagen machen die nicht aus Höflichkeit, sondern weil sie von mir im Gegenzug mehrere Dinge bekommen, von denen sie sich etwas versprechen: erstens bin ich der Herr über die Bestellzahlen – ich kann sagen, welcher Nutzer an welcher Stelle welches Produkt von der Firma XY bestellt hat, weil diese Informationen in unserem elektronischen Bestellsystem enthalten sind, das von mir mit aufgebaut wurde. Ich weiß also, welche Produkte in der Vergangenheit gingen und welche Ladenhüter waren. Ich weiß auch, wen ich auf eine Rückmeldung auf Fragen ("was fandst'n so toll an dem Dingens?") ansprechen kann. Ich weiß zweitens, wenn ich ein Muster von einem Hersteller in die Hand gedrückt bekomme, wem ich das zur Bewertung ins Patschehändchen drücken kann. Dann sage ich dem Hersteller, was wir von seinem Produkt halten und nehme gegebenenfalls dieses Produkt in unseren Bestellkatalog auf, auf daß es bestellt werden kann. Drittens kann ich aufgrund der regelmäßigen Rückmeldungen der Besteller auch ziemlich genau sagen, wo aktuell Probleme oder Wünsche bestehen, zu denen der Hersteller vielleicht eine Lösung anbieten kann. Viertens kann ich aufgrund der Auswertungen sagen, wie die Tendenzen aussehen, wo die Reise hingeht, wo Potential für weitere Entwicklungen zu sehen ist. Es gibt ca. 12.500 Kommunen in Deutschland. Diejenigen, die über so ein oder ein ähnliches Bestellsystem verfügen, dürften irgendwo im dreistelligen Bereich liegen. Erste Ziffer bitte nicht zu hoch ansetzen. Insofern sind wir mit der Transparenz in bestimmten Produktbereichen also ein absoluter Exot und daher wertvoll für Hersteller und Lieferanten. Ich erwähne das aus zwei wie ich finde sehr bemerkenswerten Gründen. Einmal wegen des Vertreters Herrn Z. von der Firma Leitz, dem der wunderschöne Satz aus dem Mund gefallen ist: "Der nachhaltigste Ordner, den Sie finden werden, sei es, ob Sie die Wirtschaftlichkeit betrachten, die Umweltbilanz oder die Sozialverträglichkeit, das ist der Ordner, den Sie nicht kaufen müssen, weil es der alte immer noch tut". Ich kannte aus meiner Ausbildung solche Sätze wie "Spare nicht an der falschen Stelle", aber ich glaube, der Herr Z. hat's besser formuliert. Der zweite Grund ist Herr P. von der Firma … na, sagen wir mal Tesa. Versteht man besser. Der hat mir vor einiger Zeit glückstrahlend die ecoLogo-Serie präsentiert mit den Worten "Tesa wird jetzt nachhaltiger". Diese Produkte zeichneten sich dadurch aus, daß sie natürlich umweltverträglicher waren; in optischer Hinsicht dadurch, daß sie anstelle der typischen Blau-Weiß-Rot-Farbgebung von Tesa grün-weiß-rot gestaltet waren. Bilder finden sich im Netz. Er hat mir einige Öko-Klebestifte an die Hand gegeben, ich habe sie verteilt, die Rückmeldungen waren so-la-la, aber es hat dazu gereicht, sie ins Bestellsystem aufzunehmen. Es vergingen ein paar Monate bis Jahre. Dann hieß es plötzlich, bei der ecoLogo-Reihe gäbe es Lieferprobleme. Und so nahm ich die Produkte raus, es blieben die blau-weiß-roten Standard-Sachen von Tesa im System. Herr P. kam zu seinem Besuch und fragte "und? Alles immer noch in Ordnung?"
Ich: "Ich habe mir Sorgen gemacht, weil die EcoLogo-Klebestifte nicht mehr zu kriegen sind. Okay, die Dinger waren umstritten, aber einige unserer engagierten Mitarbeiter hätten trotzdem gerne weiter damit gearbeitet."
Herr P.: "Aber die alten Produkte machen doch hoffentlich keine Probleme?"
Ich: "Nein, nein, alles reibungslos, keine Beschwerden, wie immer."
Herr P.: "Ich verrat' Ihnen was. Wir hatten mit der grün-weiß-roten Serie immer nur Probleme. Nicht von Produktionsseite oder so, aber jeder hat sich darüber beschwert. Kleben nicht richtig, nicht ausgereift, die Dinger stinken, und so weiter. Sie kennen das. Wir konnten das aber in unseren Labortests nicht nachvollziehen, dort war die Klebequalität und die Geruchsentwicklung in beiden Fällen absolut identisch. Also sind wir hingegangen und haben gesagt: es wird Zeit für ein klares Bekenntnis zur Umweltverträglichkeit. Wir haben die Produktion der alten Klebestifte eingestellt, die ecoLogo-Stifte erhielten daraufhin die Bestellnummern der alten Stifte sowie die blau-weiß-roten Tesa-Farben und stehen nun quasi verkleidet in den Regalen. Und ob Sie's glauben oder nicht – seitdem haben wir keine Beschwerden mehr."
Die Geschichte wurde mir im Anschluß von höherer Seite aus tatsächlich bestätigt.

Aber klar, das Konzept des "Verkleidens" kenne ich ja auch schon seit Jahren, hab's sogar schon selbst angewandt. Ich bin alt genug, um in einem Büro gearbeitet zu haben, in dem sich jeder über das Recycling-Papier aufgeregt hat. Weil - es staubt, die Druckqualität stimmt nicht, die Drecksblätter bleiben häufig stecken, machen Ziehharmonikas blablabla. Der Scheiß-Fairtrade-Kaffee (da isser wieder), der schmeckt nicht, der versaut den Magen, der ist zu teuer, blablabla. Sind das nur Vorurteile? Nein, natürlich nicht, die ersten Fairtrade-Kaffees, beispielsweise diese Nicaragua-Plörre, die war geschmackstechnisch wäh und ungefähr so gesund wie ein Lecken quer durch die ungeputzte Kloschüssel. Und die ersten Stöße Recycling-Papier haben tatsächlich das Innenleben des Kopierers gepudert, das Papier war schmutzig-grau, und wenn wir in den ersten Jahren Fächer gebraucht haben, waren die Ziehharmonikas eine wunderbare Bastelgrundlage. Aber der Markt (von dem gleich noch mehr) hat die Signale gesetzt "Wir haben ernsthaftes Interesse an Fairtrade-Kaffee und Recycling-Papieren", und so setzte eine Entwicklung ein. Es kamen weitere Kaffee-Plantagen hinzu, der Kaffee wurde variantenreicher und geschmacklich erheblich besser, teilweise sanken sogar die Preise, ohne daß deshalb die Idee verraten wurde. Und die Kopierer, Drucker und Faxgeräte veränderten sich, das Recycling-Papier wurde qualitativ besser und wurde variantenreicher. Und irgendwann habe ich einfach jemandem, der sich ständig über Recycling-Papier beschwert hat, kommentarlos eine Packung Recycling-Papier rübergeschickt, 80er Weiße, optisch und haptisch nicht vom "normalen" Papier zu unterscheiden – und er hat's nicht gemerkt und es kamen keinerlei Beschwerden. Und für die Vorgesetzten, die sich über die Qualität und über den hohen Preis von Fairtrade-Kaffee beschwert haben, habe ich eine Kaffee-Verkostung mit verdeckten Kaffee-Packungen organisiert, und siehe da – es waren ausschließlich Fairtrade-Kaffees (okay, mit Ausnahme des Kaffees in meiner Tasse, denn ich hatte klar gesagt, daß *ein* regulärer Kaffee vertreten sei) und jeder Kaffee, der zur Auswahl stand, hatte seine Fürsprecher. Check. Nebenbei – jeder hatte sich wie gesagt darüber beschwert, daß der Kaffee zu teuer sei. Trotzdem wurde der alte Kaffee aus dem System entfernt und durch Fairtrade-Kaffee ersetzt. Nach einem Jahr holte ich mir die Bestellzahlen und mußte feststellen, daß bedeutend weniger Kaffee beschafft worden war als in den Vorjahren. Nun, zwei realistische Möglichkeiten: entweder wurde tatsächlich weniger getrunken als vorher – oder die Leute kauften fremd, am Bestellsystem vorbei, so daß mir die Zahlen fehlten. Also schickte ich meine Spione aus und diese meldeten einheitlich: beides falsch. Nach einer Welle der Empörung bei den Mitarbeitern wurde eine Aufklärungsaktion gestartet (noch durch einige Mitstreiter und mich), und plötzlich waren diese Mitarbeiter ebenfalls der Meinung, daß man zumindest im Namen der Kommune sehr wohl fairen Kaffee konsumieren sollte. Und so kam es zu Änderungen beim Kaffee-Konsum: beispielsweise standen früher bei einer Sitzung permanent drei volle Kannen Kaffee parat, aus denen man sich bediente. Heute stehen zu Beginn der Sitzung drei volle Kannen bereit, die erste wird ausgeschenkt und verschwindet dann, und wenn die dritte zur Neige geht, wird Bescheid gegeben und es wird neuer Kaffee gekocht. Wurde also fremd gekauft? Nein. Wurde weniger Kaffee getrunken? Auch nicht. Es landete nur im Vergleich zu früher am Ende einer Besprechung bedeutend weniger Kaffee im Ausguß.

Nachhaltigkeit hat viel mit Wertschätzung zu tun. Um Wertschätzung zu generieren, braucht es allerdings Informationen. Manchmal bekommt man die durch die richtigen Fragen.
Oma meinte vor Jahr und Tag, ich würde in einem "Plattenbau" leben, weil bei mir überall Tonträger rumstehen und –liegen. Natürlich – für die Dinger mußten Rohstoffe gewonnen, transportiert und verarbeitet werden, und wenn ich hier eine CD rotieren lasse, dann braucht's Strom, und irgendwann wird das Dingens vermutlich mal auf dem Müll landen und Entsorgungskosten produzieren. Nur – jetzt mal abgesehen von der rechtlichen Situation, die das Füttern einer Radiostation wie dem "Liederlicht" unmöglich machen würde – ist das wirklich so ein größerer ökologischer Fußabdruck als beim Streamen, bei dem neben der meist komplexen Hardware zum Abrufen erforderlich ist, daß Millionen von Liedern Tag und Nacht verfügbar auf irgendwelchen Servern rumliegen? Ich werde nervös, wenn ich darüber nachdenke, daß allein die Kryptowährungen, also Währungen praktisch ohne einen materiellen Gegenwert, Währungen, deren Wert ausschließlich auf Angebot und Nachfrage basiert, mittlerweile einen größeren Stromverbrauch haben als die Niederlande, als Chile oder Pakistan (an einigen Stellen wird auch Österreich in Sachen Stromverbrauch von Kryptowährungen übertrumpft). Ich bin bei weitem nicht hardcore genug, um irgendwelche Hobbys in der weiten Internetwelt zu verdammen, oder jedenfalls nicht alle, aber manchmal sollte man wirklich mal laut die Frage nach dem Preis/Leistungs-Verhältnis stellen.

Informationen, Weiterentwicklung. Hier sind wir bei der Verantwortung der Lieferanten und der Hersteller. Um eine Wertschätzung zu generieren, braucht es Informationen. Diese Informationen müssen direkt vom Erzeuger kommen, denn wer wenn nicht der Hersteller kann etwas zu dem Thema sagen, an welcher Stelle der Produktionskette welche Maßnahmen durch wen ausgeführt wurden? Vor einigen Wochen wurde … na ja, eine extrem abgespeckte Kompromiß-Variante des "Lieferkettengesetzes" verabschiedet, das exakt diese Aufgabe den Herstellern und Lieferanten mitgibt. Damit soll mehr Transparenz in die Produktionsprozesse kommen. Bin ich sehr dafür. Ich verstehe aber auch sehr gut, warum das nicht in der Ultra-Version durchgezogen wurde, wie es ursprünglich von diversen Lobbyisten gefordert wurde. Händler X will mir eine Holzeisenbahn aus dem Hause Y verkaufen. Er kann nachweisen, daß das zugrundeliegende Gehölz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt (heißt salopp gesagt: für jeden Baum, der für dieses Produkt sterben mußte, wird ein neuer Baum gepflanzt). Er kann nachweisen, daß der Baum aus Skandinavien stammt, und die Eisenbahn in einem deutschen Werk gefertigt wurde. Nachhaltigkeit ausreichend nachgewiesen, Lieferkettengesetz erfüllt. Ganz einfach. Händler X will mir eine Puppe aus dem Hause Y verkaufen. Jetzt müßte er … nun ja, das Material für die Puppe selbst … eventuelle weitere Kunststoffelemente für Augen oder Gelenke, … und die Farbstoffe … und die Haare … und die Kleidung – Textilien am Ende? … und die Verpackung … und die Transportwege und die Produktionsbedingungen … und die eventuellen Zuliefererer … au, das wird … schwer. Man darf jedenfalls gespannt sein.

Informationen und Weiterentwicklung. Es ist nicht so, daß sich jeder Lieferant oder Hersteller aus der Verantwortung stehlen will. Ganz im Gegenteil. Zu praktisch jeder Zeit in den vergangenen 25 Jahren gab es einige pfiffige Ideen oder sogar wissenschaftliche Erkenntnisse oder technische Errungenschaften, um das Thema Umweltverträglichkeit voranzutreiben. Oft genug fehlt es halt an den Signalen des Marktes, an einer ausgeprägten Buschtrommel, die die Botschaft in die Breite trägt oder an überzeugenden, aber nicht überzogenen Produkten. Aber reden wir kurz über Der Markt™. Das Bizarre an der aktuellen Situation habe ich eigentlich bereits gesagt: die Öffentliche Hand ist vom verfügbaren Kapital betrachtet einer der einflußreichsten Auftraggeber in Deutschland. Sie könnte also den Markt und seine Entwicklungen ohne Probleme in bestimmten Bereichen vor sich hertreiben. Tut sie aber nicht, weil dort eben keine Transparenz bei der Beschaffung vorliegt. Zerstört einem bei näherem Hindenken so manches Weltbild, kann ich sagen. Als ich noch ein kleiner Steppke war und sonntags am damals neuen Rathaus mit meinen Altvorderen vorbei kam, habe ich gelernt: da in diesem Kabuff, da sitzen nur Sesselfurzer und Erbsenzähler. Die können nix, aber Erbsen zählen, das können die sicherlich sehr, sehr gut. Das Andere vielleicht auch … Heute arbeite ich selbst in diesem Kabuff und habe recht früh gelernt: die wissen noch nicht mal, daß sie überhaupt Erbsen brauchen. Also. Wer fordert heutzutage etwas vom Markt, wer prägt ihn? Diejenigen, die das können. Die, die Kohle haben und schwer vom Markt abhängig sind. Und das sind Industrie und Handel. Wenn sich in der Industrie einer von den Großkopferten in denselbigen setzt, in Zukunft bei der Produktion eines Artikels nur noch nachhaltige Rohstoffe zu nutzen, das zum Standard erklärt, und mit dieser Entscheidung für Hersteller und Lieferanten ein größeres Geschäft verbunden ist, dann werden die, wenn sie schon nicht direkt springen, so doch zumindest darauf hinarbeiten, daß die benötigten Rohstoffe und Zuliefermaterialien die Bedingungen erfüllen, sofern nicht völlig unmöglich. Das klingt zwar mit der Nase des letzten Jahrtausends beschnuppert erst mal utopisch, hat aber den Hintergrund, daß wir uns auf einem Markt der 2010er und 2020er Jahre befinden, und das heißt: einem globalisierten und digitalen Markt. Die Märkte sind über weite Strecken extrem zerbrechlich aufgestellt. Weil man im Normalfall entweder das findet, was man sucht, oder wenigstens einen, der einem das zaubert, was man haben möchte. Das führt dazu, daß man sich als Hersteller und Händler sehr gern die Vorschläge von – idealerweise mächtigeren - Marktteilnehmern anhört und versucht, sich längerfristig aufzustellen. Der Markt geiert schon seit Jahren nach Ideen, nach Alleinstellungsmerkmalen; das Geschäft mit Standard-Ware ist seit Jahren kaputt, da von internationalen Händlern durchdrungen, und das hat dazu geführt, daß Themen wie Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren einen enormen Boom hingelegt haben, Umwelt- altersbedingt mehr als Sozialverträglichkeit. Da, wo die Industrie einen Anfang gemacht hat, haben Privatleute ebenfalls die Latte nach oben gelegt. Sei es, daß der Handel, der den Ruf der Industrie vernommen hat, sich überlegt hat, daß bestimmte Entwicklungen auch für Privatleute interessant sein könnten, oder weil die Privatleute sich von der Industrie zu Anfragen beim Handel haben inspirieren lassen. Das hat – Stand heute – dazu geführt, daß bestimmte Produktbereiche bemerkenswert gut ausgestattet sind mit umweltverträglichen Artikeln oder dazugehörigen Standards, teils sogar gesetzlich verbrieft, beispielsweise Büromaterial – jeder braucht Büromaterial – oder Papier oder Mobiliar oder …, während andere Bereiche nahezu unbeleckt sind. Spielmaterialien sind beispielsweise so ein Thema. Die Industrie braucht keine Spielmaterialien im großen Stil, der Privatkunde eigentlich auch nicht. Wer hat einen so großen Bedarf an Spielmaterialien, daß er den Markt beeinflussen könnte? Die Kindertagesstätten bzw. deren Träger, und da sind wir bei Kommunen und Kirchen. Beide haben bislang nicht die Infrastruktur oder die Transparenz, um das zu tun, aber das Potential haben sie. Die Idee der Nachhaltigkeit ist bei den einschlägigen Herstellern und Lieferanten durchaus schon angekommen, aber der notwendige Druck ist noch nicht vorhanden. Ich habe aber den Eindruck, daß zumindest die Rückmeldungen aus dem Bereich der Privatkundschaft bereits einige Experimente ausgelöst haben. Und das bedeutet: auch wenn die Ware erst mal nicht viel zu taugen scheint: kauft, Privatkunden, testet und vor allem: gebt Rückmeldung! Nicht in irgendeinem Online-Shop, sondern tatsächlich an den Hersteller selbst. Kritisiert, was ihr zu kritisieren habt, und zwar bitte auf konstruktive Art und Weise, immer mit dem Unterton "ich würde ja gerne weiterhin Ihr Produkt kaufen, aber was mich davon abhält, ist Folgendes …". Und wenn etwas nicht funktionieren sollte wie gewohnt – stellt Rückfragen, um zu lernen. Die großen Marktteilnehmer wie Kommunen und Kirchen werden euch über kurz oder lang an die Seite springen, wenn es die Industrie nicht bereits tut, umgekehrt schadet es auch nicht,, wenn die Problemchen der Unternehmer bei der Umsetzung der Kundenwünsche sich zu den Kommunen durchtrommeln. Es bleibt den Kommunen und Kirchen kaum etwas Anderes übrig, als nachhaltiger zu werden, denn die Wahrscheinlichkeit wächst von Tag zu Tag, daß mal ein cleverer Reporter morgens aufsteht und fragt "Frau Bürgermeisterin, Herr Landrat – wie umweltfreundlich kauft eigentlich Ihre Kommune ein? Und Herr Bischof, wie schaut das bei Ihnen aus mit Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit?" Es gibt natürlich Bereiche, da muß sich die Öffentliche Hand an den Profis orientieren. Ich mag ja die Reinigungsprodukte von Frosch, aber für den Profi-Bereich ist das nix; manche von den Sachen sind so umweltfreundlich, die schonen sogar den Fleck. Die arme Sau, die mit dem Zeugs eine Kita-Küche nach dem Mittagessen saubermachen muß, ist nur zu bedauern, denn die wird vor allem mit Muskelkraft arbeiten und nicht mit Reinigungschemie. Frosch stammt von Werner & Mertz, und die haben auch professionellere und eigentlich vergleichsweise (heißt: im Vergleich zu vielen Mitbewerbern) umweltverträgliche Reinigungschemie im Sortiment. TANA und so.

Im letzten Jahrzehnt haben sich einige Kommunen aufgemacht, um sich in Sachen Fairtrade weiter einzubringen. "Fairtrade-Town" ist so ein Titel, der gerade inflationär vergeben wird, teilweise werden auch Regionen oder sogar Schulen und Kindertagesstätten mit einem äquivalenten Titel ausgezeichnet. Auch wenn ich nicht sonderlich glücklich mit einigen Aspekten dieses Titels bin, so muß ich doch sagen, daß zumindest die Zusammenarbeit lokaler bis regionaler Akteure, von Handel über Kirchen bis Schulen und Kommunen, durchaus positiv zu werten ist. Die Lenkungskreise der Fairtrade-Towns sind erfahrungsgemäß gut informierte und engagierte Ansprechpartner, auch natürlich für Bürger, um zu erfahren, wie sie selbst sich mehr zu den Themen weiterbilden können und welches Potential die eigene Kommune in Sachen Umweltverträglichkeit/Sozialverträglichkeit bietet. Aus den Ecken hört man sehr inspirierende Geschichten, muß ich sagen, und einige Zusammenarbeiten von Akteuren, die sonst niemals zusammengekommen wären, halte ich für sehr vielversprechend. Wer also in einer Fairtrade- Kommune lebt (oder dicht an einer dran), braucht sich nicht nur zu fragen, was man selbst in Sachen Umweltverträglichkeit tun kann, sondern was vielleicht darüber hinaus an exakt seinem Standort möglich ist. Die eigentlich zuständigen Ämter (Umweltämter/Grünämter) habe ich als bedeutend träger in Erinnerung …

Ich schau' auf die Uhr, ich schicke an der Stelle erst mal ab.

Gruß
Skywise,
nach Diktat entschlummert
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Jul 2021 30 15:09

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#26

Lieber Skywise,
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Ich glaube, das wird ein langer Beitrag
ein wahrlich epischer Beitrag mit vielen - für mich - absolut zutreffenden Bemerkungen und sehr guten Beispielen dafür, wie es mit der Nachhaltigkeit klappen könnte, und warum es oft trotzdem nicht so richtig klappt.
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Nachhaltigkeit hat viel mit Wertschätzung zu tun.
100% 👍
Skywise hat geschrieben: Do 29. Jul 2021, 01:49 Nur – jetzt mal abgesehen von der rechtlichen Situation, die das Füttern einer Radiostation wie dem "Liederlicht" unmöglich machen würde – ist das wirklich so ein größerer ökologischer Fußabdruck als beim Streamen, bei dem neben der meist komplexen Hardware zum Abrufen erforderlich ist, daß Millionen von Liedern Tag und Nacht verfügbar auf irgendwelchen Servern rumliegen?
Ich denke, hier gibt es keine eindeutige Antwort darauf, ob nun die Produktion von Tonträgern oder das Streamen von Musik eindeutig nachhaltiger ist, den es kommt - wie immer - darauf an
  • ...wie viele der produzierten Tonträger wieder dem Recycling zugeführt werden...
  • ...wie lange ein Tonträger genutzt wird...(bei Audio CDs kann sicher festgestellt werden, dass 40 Jahre möglich sind!)
  • ...ob schon bei der Produktion eines Tonträgers Nachhaltigkeitsgrundsätze eingehalten werden...(gute Tipps dazu gibt die Webseite Nachhaltiger Warenkorb)
  • ...ob die Server, auf denen die Verarbeitung und Speicherung der Streaming Daten stattfindet mit "grünem Strom" betrieben werden...
  • ...wie man selber "nachhaltig" definiert, z.B. kann ich bei einem Umzug alle körperlich vorhandenen Audio CDs ja in die neue Wohnung mitnehmen, wenn ich aber das Kundenkonto bei meinem Streaminganbieter kündige (oder dieser seine Firmenpolitik ändert!), kann ich die Musik nicht einfach so "mitnehmen" - kann ich leider ein Lied von singen, wenn ich an meine Erfahrungen mit Google Play Music denke 🤦
Eigentlich hat Deutschland bzw. die Bundesregierung eine - auf dem "Papier" - absolut schlüssige und sympathische Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit, welche sie auf der Webseite www.bundesregierung.de auch in schönen Worten zusammenfasst, unter anderem steht da:
Die Bundesregierung (2016) auf www.bundesregierung.de hat geschrieben:17 globale Ziele einer nachhaltigen Entwicklung
Mit 17 globalen Zielen deckt die Agenda 2030 eine Vielzahl von Themen ab. Handlungsfelder sind beispielsweise der verstärkte Einsatz für Frieden und Rechtsstaatlichkeit, die Bekämpfung von Korruption, aber auch Bildung für alle oder der Schutz unseres Klimas und unserer Ressourcen. Und kein Mensch soll mehr unter Hunger leiden müssen.

Industrieländer haben Vorreiterrolle
Im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft hat die Bundeskanzlerin die besondere Verantwortung der führenden Industrie- und Schwellenländer zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele betont. Die G20-Staaten sollten Vorreiter dabei sein, wenn es darum geht, die Agenda 2030 mit Leben zu erfüllen.
Screenshot_Bundesregierung_Ziele Nachhaltigkeit.jpg
Doch leider nutzt es nicht viel, in schönen Worten zu formulieren und dann aber nicht zu liefern -> worin ich das eigentliche Problem sehe! Meiner Meinung nach wurde in den letzten 5 Jahren seit Verabschiedung dieser Grundsätze 2016 viel zu wenig substanziell unternommen, um die heeren Ziele auch wirklich zu erreichen. Wichtige "Signale" z.B. von Seiten des Verkehrsministeriums (Andreas Scheuer) oder des Landwirtschaftsministeriums (Julia Klöckner) sind unterblieben bzw. wurden nach meiner Überzeugung absichtlich wichtige Weichenstellungen verhindert. Im September werden dazu hoffentlich durch die Wähler*innen deutlichere Signale gesetzt!

Ohje, ich finde auch keine Ende :blabla:

Doch, ich mach gleich Schluss, aber mir sind noch zwei YouTube Kanäle eingefallen, die mich zu diesem Thema zum Nachdenken (und Handeln) gebracht haben...
YouTube Kanal Mailab

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YouTube Playlist des Kanals von "Die Frage"
In dieser Playlist sind 6 Videos zur Frage Was kann ich gegen den Klimawandel tun? zusammengefasst...
Jetzt reicht's aber wirklich erstmal von mir 😁
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Dieser Beitrag enthält 1337 Wörter


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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Lilienthal

#27

Was Nicky geschrieben hat, habe ich auch schon erlebt, manchmal gibt es keinen guten Ersatz. Habe mal mit einer Motorsense gearbeitet, wo biologisch abbaubarer Schleuderfaden drauf war (damit mäht man Kanten und Ecken aus), der Faden geht nicht gut, nutzt sich zu schnell ab, Nylon geht besser, ist aber halt Microplastik für die Natur.

Andererseits haben wir sehr gute Erfahrungen mit den Akkugartengeräten gemacht: Rasenmäher, Motorsense, Heckenschere und Motorsäge. Man kann eine Menge schaffen mit diesen neuen Geräten und es macht nur die hälfte Krach und an dem Ort, wo sie benutzt werden enstehen keine Schadstoffe. Ich habe über 10 Festmeter Brennholz nur mit der Akkusäge gesägt. Wenn die Stämme dick waren und trocken, braucht man etwas mehr Gedult, als mit der Zweitacktsäge, aber ich nehme mir das bisschen Zeit gerne, weil es viel leiser geht und mir nicht die Nase vollstinkt. Die kritisch zu sehenden Akkus, halten aber neuerdigs sehr lange und ich glaube bis die hin sind, klappt das mit dem aufbereiten der selben auch einigermaßen nachhaltig.

Ein anderes Beispiel, Caport bauen:

Im Baumarkt ist das Holz teuer wie nie und Lärche bekommst du dort nicht.
Ich habe mir dann drei Dörfer weiter Lärchenkanthölzer beim Sägewerk bestellt und daraus Zaun und Caport gebaut. Die Bäume waren alle Borkenkäferopfer und kamen aus der Region. Lärche ist auch ohne Anstrich viel witterungsbeständiger als z.B. Fichte und das Ganze war billiger und besser als Holz aus dem Baumarkt!!!

Aber klar, wenn man in Hanburg wohnt und kein Sägewerk in der Nähe hat, nützt einem das wenig, weite Wege mit dem Auto machen den Nachhaltigkeitsbemühungen wieder den Gar aus.

Also Niky, billiger und besser und nachhaltiger geht manchmal auch!!!

LG Sven
Dieser Beitrag enthält 305 Wörter



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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von fille

#28

Hallo zusammen,

zum Thema Holz - z. B. Bauholz: Mein Sohn hat ein Haus um- und angebaut. Es sollte natürlich umweltfreundlich sein.
Also wurde größtenteils Holz verwendet. Er meinte, dass wäre doch viel nachhaltiger und energiesparender als Ziegel,
die mit viel Energie gebrannt werden müssten . Auf meine Frage, wo das Holz denn herkomme (vielleicht aus Finnland?),
meinte er "Äh, da muss ich mal nachfragen..." Er hat nachgefragt und es hat geheißen, dass Holz komme aus Österreich.
Ist von uns ja weit entfernt.

Ich habe einen neuen Kollegen. Der kommt ursprünglich aus Rumänien. Dort wurde in letzter Zeit viel getan, z. B.
die Städte renoviert. Er hat mir Bilder von wunderschönen Städten gezeigt. Aaaaber leider, die Wälder würde alle für
österreichische Baufirmen abgeholzt. Tja, unser Haus wurde aus Ziegeln aus dem Landkreis gebaut. Die Ziegelei ist 15 km
entfernt. Also hat man wenig Energie für den Transport gebraucht. Wo das Holz für den Dachstuhl und die Nut- und Feder-
bretter hergekommen ist, weiß ich aber auch nicht.

Irgend einen Tod muss man immer sterben.

Liebe Grüße, Marianne
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#29

Der Klimabericht 2021 hat fast schon automatisch dafür gesorgt, daß alle Blicke sich auf die Politik gerichtet haben. Und viele Organisationen und Medien waren sich nicht zu schade, ganz eindeutige Vorwürfe in diese Richtung zu äußern. Wie ich aber bereits angedeutet habe
a) es braucht die Politik nicht, um zu handeln; ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik.
, halte ich die Politik nur bedingt für den ausschlaggebenden Faktor. Zumindest in vielerlei Bereichen.

Die Politik hat schon seit Jahr und Tag in ihrem Gesetzestext zum Thema Beschaffung die Forderung stehen, daß bei der Auftragsvergabe gefälligst auf die „Wirtschaftlichkeit“ geachtet werden solle. Heißt: mit dem Geld des Steuerzahlers soll vernünftig umgegangen werden. Gut, jetzt mal sämtliche Polemik beiseite, die einem das Schwarzbuch der Steuerzahler Jahr für Jahr in die Kommentare nötigt - was heißt „vernünftig“, also „wirtschaftlich“? Bei vielen in der Verwaltung tätigen Leuten hieß und heißt „wirtschaftlich“ in erster Linie „billig“. Ich habe einen kaufmännischen Hintergrund, und wer in den Handels- oder Produktionssektor wenigstens mal reinschnuppern durfte, wird „wirtschaftlich“ eher als „günstig“ definieren. Den Unterschied kann man vor allem Frauen recht leicht verständlich machen, wie ich gemerkt habe, denn die verstehen im Normalfall sehr wohl, daß ein Satz wie „das sieht billig an dir aus“ etwas Anderes aussagt als „das sieht günstig an dir aus“. „Billig“ heißt niedrigpreisig, heißt meistens aber auch minderwertig, in welchem Zusammenhang auch immer. „Günstig“ bezeichnet dagegen das Verhältnis zwischen Preis und Leistung/Qualität. Wer das „wirtschaftlich“ des Gesetzestextes als „billig“ versteht, hat normalerweise leichtes Spiel bei der Entscheidung, wem er seinen Auftrag rüberschiebt, weil er Hirn und Zeit nicht über Gebühr beanspruchen muß, denn ob nach Angebotseinholung der Preis von Lieferant A höher oder niedriger ist als der von Lieferant B, kriegt man auch als Grundschulkind handelsüblicher Leistungsstärke unfallfrei geprüft. Wenn man allerdings bewerten möchte, ob etwas „günstig“ ist, hat man *zwei* Faktoren, Preis und Leistung, die geprüft werden müssen, und das bedeutet: die Prüfung ist umfangreicher, frißt also Zeit und Personalressourcen, und es braucht darüber hinaus auch noch Ahnung von der Leistung, heißt: Know-How. Je nachdem, wie komplex ein Produkt ist, kann das mit Prüfung und Wertung schon manchmal obskure Dimensionen annehmen. Jedenfalls: die Politik sagt schon praktisch immer: „liebe Ausschreibenden, ihr dürft das so komplex und detailliert machen, wie ihr es für richtig haltet, solange der Markt mitspielt“, das bedeutet auch „nachhaltig“, und in den vergangenen Jahren hat man sich von dieser Stelle und auch vonseiten der einschlägigen Gerichte zunehmend motiviert gefühlt, genau diesen Umstand immer und immer und immer wieder zu betonen. Wird trotzdem von vielen Kommunen in den allermeisten Fällen nicht so genutzt. Weil halt Mehraufwand in Sachen Zeit und Personalressourcen, außerdem hat man wenig Erfahrung mit solchen Sachen. Und oft genug ist die Knäcke auch anspruchsvoller bezüglich Produktbeschreibung und Markterkundung; wenn in der Kommune kein wirkliches Fachwissen vorliegt – wozu Ansprüche stellen, die man letzten Endes nicht überprüfen kann? Das meine ich noch nicht mal böse. Man muß halt bedenken, daß es nicht nur die großen Kommunen in Deutschland gibt, die es sich erlauben können, mehrere größere Ämter und einen entsprechenden Wasserkopf vorzuhalten, sondern unzählige Klötzchen und Kleckerchen an Kommunen und Landkreisen, bei denen der Bürgermeister morgens auf dem Trecker seine Felder bewirtschaftet und an bestimmten Tagen nachmittags noch ein bißchen in seiner Amtsstube mehr oder weniger im Alleingang Verwaltungsgedöns bearbeitet. Auch nicht mal halb so böse gemeint, wie es sich liest; solche Fälle gibt’s tatsächlich.

Die Politik soll nun also aktiv werden. Nun gut, das finde ich auch. Aber im Hinblick zumindest auf die nachhaltige Beschaffung durch die Öffentliche Hand befürchte ich, daß das Einzige, was man bis 2030 reißen kann, die Latte der Erwartungen ist. Denn wie oben angedeutet erlaubt ja der Gesetzgeber bereits ein entsprechend nachhaltiges Vorgehen, insofern kann man danach handeln, wenn man die Arbeit nicht scheut und gegebenenfalls ein paar Leute an seiner Seite hat, die einem Rückendeckung geben oder selbst bereit sind, einige Schritte in diese Richtung zu tun. Die meisten Verwaltungen berufen sich allerdings trotzdem auf die Politik, in diesem Fall: auf ihre jeweilige kommunale Politik, und verstecken sich auch teilweise dahinter. Weil halt eben zusätzliche Arbeit, zusätzliche Verantwortung, zusätzlicher Zeitaufwand, wenig Fachkompetenz etc. Wenn die Politik tatsächlich sagen sollte „ihr müßt jetzt“, kommt erfahrungsgemäß direkt ein Gespräch mit der personalverantwortlichen Stelle, damit jemand eingestellt wird, der genau diese unschöne Aufgabe erledigen kann. Nun ja.

Wenn wir immer noch beim Thema Nachhaltige Beschaffung bleiben, dann gibt es verschiedene Rufe, daß die Politik doch gefälligst allen Vertretern der Öffentlichen Hand ans Brett vorm Kopf schreiben solle, daß nachhaltige Artikel nicht nur beschafft werden KÖNNEN, sondern auch beschafft werden SOLLEN. Nun, die Forderung ist schön. Scheitert aber daran, daß „Nachhaltigkeit“ noch nicht alle Bereiche des täglichen Bedarfs umfaßt, und eine Kommune hat beispielsweise ein ziemlich buntes Repertoire an Produkten, das beschafft werden muß. In meiner Liste vom letzten Jahr tauchen auch Tischspringbrunnen und Spiele für die PlayStation auf. Tischspringbrunnen für eine Kunstausstellung in einem Museum, PlayStation-Spiele für Jugendzentren. Nicht, daß jemand meint, der Bürgermeister … Es gibt jedenfalls meines Wissens keine nachhaltigen Tischspringbrunnen oder PlayStation-Spiele. Und was ist „nachhaltig“ überhaupt? Ich kann von den Mitarbeitern nicht erwarten, daß sie die Zeit aufbringen, um z. B. einen Kugelschreiber bis hin zur Spiralfeder auf seine Nachhaltigkeit hin zu analysieren, denn die Beschaffer, das sind normalerweise die Leute mit anderen Jobs; die leiten eine Kita, die sitzen im Schulsekretariat, die sollten eigentlich gerade ein Straßenschild geradebiegen oder den Feuerwehr-Dienstplan korrekturlesen. Also – was tun? Vielleicht an Umweltsiegeln orientieren? „Bei Büromaterial nur Krempel mit dem Blauen Engel“ befördert mit einem Schlag z. B. sämtliche Scheren aus dem Sortiment, weil der Blaue Engel für Scheren nicht vergeben wird. „Wenigstens die Umweltfaktoren berücksichtigen!“, ruft man. Nun, das tun wir. Oder vielmehr – ich habe gelernt, daß man den Bestellern Hinweise geben muß, was „nachhaltig“ überhaupt ist, und zwar nicht in *meinem* Sinne, sondern im Sinne der Kommune – also machen das einige Leute und meine Wenigkeit: die im Sinne der Kommune nachhaltigen Artikel erhalten ein entsprechendes Logo in unserem Bestellsystem, um den Bestellern einen Hinweis drauf zu geben, an welcher Stelle sie zur Umweltsau werden und wo sie unseren Segen haben. Aber so eine Bewertung braucht eine irrsinnige Menge an Zeit und einiges an Kontakten in Richtung der Hersteller und Lieferanten. Ich meine - im Bestellsystem hat man aktuell Zugriff auf über 1,2 Mio. Artikel, und es fehlen noch einige richtig große Klöpper an Dienstleistungen und Material. Bewertet und mit Logo versehen sind vielleicht 3.500 Artikel. Da gibt’s also noch viel ungenutztes Potential und eine noch größere To-Do-Liste.. „Setzt Standards!“ heißt es. Nun, da gab’s die Zeit, als ich mal Standards setzen sollte für Bleistifte, weil diese Kategorie in unserem Bestellsystem langsam ausartete. Was kann man standardisieren an Bleistiften? Härtegrad beispielsweise. HB. Schöne mittlere Härte. „Können wir nicht machen“, sagten die Sekretärinnen, „wir stenografieren teilweise noch, und da braucht man weiche Bleistifte, weil einige Buchstaben ein festeres Aufdrücken erfordern; harte bis mittelharte Bleistifte brechen da gerne mal“. „Können wir nicht machen“, sagten die Leute vom Bauamt, „wenn wir noch am Reißbrett sitzen und Striche ziehen, dann wird die Wand, die wir da einzeichnen, zwei Meter dick. Wir brauchen harte Bleistifte, die dünne Striche ermöglichen.“ Was kann man an Bleistiften also noch standardisieren? Die Lackierung, hm? Wir nehmen die ohne Lackierung. „Können wir nicht machen“, sagte ein Mitarbeiter, „ich habe eine Holzallergie. Wenn ich so einen Stift anlange, dann blühe ich auf wie ein Streuselkuchen, dann hat mich meine Frau auch nicht mehr lieb und so … ganz schlechte Idee.“ Dann nehmen wir die mit Lackierung. „Können wir nicht machen“, sprach einer, „ich habe so schwitzige Hände und wenn ich mit einem Stift mit Lackierung arbeite, dann rutscht der mir ständig durch die Finger, das gibt Schwielen und dann macht meine Frau dasselbe wie die vom Kollegen mit der Holzallergie …“. Gut, was kann man an Bleistiften noch standardisieren? Die Farbe. Faber-Castell ist eine gute Firma, hat eine breite Auswahl an Stiften, also nehmen wir das Faber-Castell-Grün als Standard-Farbe für unseren neuen Standard-Bleistift. „Können wir nicht machen“, sprach das Grünamt, „wenn mir so ein grüner Bleistift ins Gemüse fällt, dann ist der weg, ich brauche leuchtende Farben, und gerne auch eine große Auswahl, damit ich mir etwas Passendes aussuchen kann, das aus den gelben Rosen oder aus den violetten Tulpen hervorsticht.“ Wir haben bis heute keinen Standard-Bleistift. Aber ein deutlich reduziertes Sortiment, das einiges an kleinteiliger Überzeugungsarbeit und einige Sonderkonditionsverhandlungen gebraucht hat. Man muß nur wissen, wie man so was anfängt. Das Setzen von Standards ist in einer größeren Kommune ein großes Kunstwerk, zumal – wer von den Mitarbeitern sieht sich selbst schon gerne als „Standard“? „Beschafft nichts mehr, das die Umwelt schädigt!“ heißt es. Ich habe vor ein paar Wochen Anschlagschienen geordert. Wer glaubt, daß er die nicht kennt: das sind die Dinger an einem regulären Locher, mit denen man die Seitengröße einstellen kann, damit die Löcher an den richtigen Stellen landen. Die Schienen gehen meistens kaputt, weil einem der Locher ungünstig runterfällt. Nun, die Dinger sind heutzutage gerne aus Plastik (früher aus Metall, aber die wären beim Fallen auch nicht kaputtgegangen, sondern hätten sich höchstens verzogen), also umweltschädlich. Bestelle ich die deshalb nicht, werden die Locher entsorgt und neu beschafft, was noch viel umweltschädlicher wäre … nicht, daß ich in solchen Punkten keine Erfahrung hätte. Im Augenblick versuchen wir, die Nachhaltigkeit soweit wie möglich nach unseren Vorstellungen voranzutreiben, aber es ist sehr viel kleinteilige Arbeit, die einiges an Überzeugungsarbeit und Augenmaß erfordert. Die freiwillig durch Überzeugungstäter geschieht und der kein konkreter Beschluß vonseiten der kommunalen Politik zugrunde liegt, abermals bemerkt.

Ich erwarte von anderen Kommunen nicht, daß sie sich dieselbe Arbeit aufbürden, die wir erledigen. Ich vermute aber, wenn die Politik sich tatsächlich herablassen würde, etwas zu schreiben wie „Es müssen ab sofort nachhaltige Artikel beschafft werden“, dann wird von den allermeisten Kommunen die Rückfrage kommen „was versteht ihr unter ‚nachhaltig‘?“ und die Politik wird, vielleicht nach einigen Zwischenschritten, zu dem Schluß kommen, daß sie sich um eine Art öffentliche Datenbank, in der die nachhaltigen Produkte detailliert aufgelistet sind und auf die alle Beschaffer bundesweit zugreifen können, nicht drücken kann. Den damit verbundenen Zoff mit Herstellern, Importeuren und Lieferanten will ich bitte nur auf der richtigen Seite miterleben. Und ob diese Datenbank dann wirklich von den Kommunen so genutzt werden würde, wie sie sie nutzen sollten, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

Ach ja, außerdem gibt es, was die Nachhaltige Beschaffung angeht, bei den Kommunen noch was ganz, ganz Ekelhaftes, das ebenfalls eine Rolle spielt: das Budget. Damit meine ich noch nicht mal unbedingt die Höhe des Budgets, sondern der Umgang damit. Wer in einer Kommune arbeitet, denkt wirtschaftlich in Haushaltsplänen. Ein Haushaltsplan läuft in den meisten Fällen über ein Jahr. Bei Doppelhaushalten … äh, ja. Jedenfalls – auch, wenn bestimmte Leute in der Verwaltung seine Existenz bestreiten, sehe ich Jahr für Jahr das beliebte „Dezemberfieber“ durch die Kommune ziehen. Um am 31. Dezember das Geld im Töpfchen losgeworden zu sein und nicht in einem der folgenden Jahre eine Streichung des nicht verausgabten Budgets befürchten zu müssen, wird normalerweise ab September etwa bis Ende November von den einschlägigen Einrichtungen und Ämtern a) mehr und b) teurer bestellt als in anderen Monaten. Falls sich jetzt jemand in seiner Eigenheit als Steuerzahler darüber aufregen sollte: wenn man weiß (und idealerweise nachweisen kann), daß so was existiert, kann man das auch nutzen. Will sagen: ich habe bei der Einführung von nachhaltigen (d. i. meistens: teureren) Produkten in unserem Bestellsystem eine Menge Diskussionen mit Budgetverantwortlichen führen müssen, die schon deutlich mehr Geld beantragen wollten. Nur – wenn ich weiß, daß augenscheinlich am Ende des Jahres Bestellungen allein aus dem Grund ausgelöst werden, um Geld loszuwerden, dann weiß ich auch, daß wenigstens in der Theorie auch Geld zur Verfügung steht, um es in den Monaten davor in kleineren Rationen auf höherwertige Produkte aufzuteilen. Und tatsächlich blieben Protestmärsche vor meinem Schreibtisch aus, daß es dieser, meiner Scheißidee wegen am Ende des Jahres an Geld mangele. Umgekehrt aber bedeutet das Budgetdenken, daß Anschaffungen mehr oder weniger ausschließlich für das aktuelle Haushaltsjahr getätigt werden. Wenn ich ein teures, aber nachhaltiges Gebäude hochziehen möchte, dann interessiert in der Budgetplanung nicht wirklich, daß die Unterhaltskosten ab dem 4. Jahr niedriger sein werden als bei jedem Standard-Gebäude, weil – das beträfe ja dann einen Haushalt abseits der aktuellen Planungen. Hier vor Ort wurde sogar eine Tankstelle hochgezogen, weil man da regelmäßig einige Cents am Sprit sparen kann, wenn man ihn großflächiger einkauft. Nun, das ist zwar korrekt, aber der nicht ganz so abenteuerlustige Mensch macht sich ja meistens nicht nur Gedanken über die Einnahmequelle, sondern auch über die Kosten, und hier reden wir nicht nur vom Einrichten der Tankstelle, sondern auch von Unterhaltskosten, gegebenenfalls Reparaturkosten und schlußendlich deren Abbau in irgendeiner Zukunft, und da gehört neben dem Entfernen der Armaturen auch noch das Ausbuddeln des Bodentanks dazu, das Beseitigen von verunreinigtem Boden, das Auffüllen eines Lochs sowie die dazugehörigen Arbeiten und Materialien … man wird jedenfalls einige Liter Sprit vertanken müssen, um auch nur ansatzweise in der Bilanz auf Null zu kommen, nicht umsonst gelten Tankstellenbesitzer in der Praxis als arme Schweine, aber dieser Umstand spielte beim Bau der Tankstelle keine Rolle, weil er halt das aktuelle Budget nicht betraf. Hier müßte noch einiges getan werden. Aber solange man wenigstens das Dezemberfieber nicht als solches wahrnimmt oder wahrnehmen möchte, …

Nach dem Klimabericht sehe ich also neugierige Blicke in Richtung Politik, und ich glaube zumindest bezüglich der Beschaffung von nachhaltigen Materialien, Dienst- und Bauleistungen, daß die Politik auf Bundesebene nicht so konsequent handeln kann, wie man es von ihr erwartet. Vielleicht auf Landes- und kommunaler Ebene, aber offen gestanden habe ich in den letzten paar Tagen auch viel zu viele Kommentare gelesen, die ebenfalls auf die Bundespolitik abzielen, um noch daran glauben zu können, daß sich auf dieser Ebene etwas tun wird. Nicht zuletzt, weil man als Landkreis oder Kommune sich den Vorgaben des Bundes nur schlecht entgegensetzen kann, und man ungerne bestimmte Entscheidungen trifft, die einem dann vom Bund einige Wochen oder Monate später wieder über den Haufen geworfen werden. Und da die Politik nicht so entschieden handeln und Vorgaben machen wird, die die Kommunen und Landkreise zum Handeln mit nachhaltigen Produkten zwingen werden, werden die meisten Kommunen und Landkreise, die sich bislang noch nicht auf den Weg gemacht haben, diesen Weg auch weiterhin scheuen. Natürlich gibt es auch außerhalb des Handels eine Menge Möglichkeiten, nachhaltiger zu agieren, und vielleicht wird etwas in diese Richtung passieren, aber ich verstehe den Handel – nicht zuletzt aufgrund der Marktmacht der Öffentlichen Hand – als eine der naheliegendsten Stellschrauben und darüber hinaus noch als eine, bei der man recht konsequent agieren könnte und sogar vergleichsweise schnell Ergebnisse vorweisen könnte. Aber das umzusetzen, wird bedeutend länger dauern als neun Jahre. Kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Aber ich wollte das nur mal gesagt haben, damit die Enttäuschung anno 2030 nicht allzu groß ausfällt.

Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 2684 Wörter


"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#30

Lieber Skywise,

Deine sehr ausführliche Beobachtung teile ich zum größten Teil und schließe mich Deiner Behauptung an
Skywise hat geschrieben: Di 27. Jul 2021, 09:09 a) es braucht die Politik nicht, um zu handeln; ich schätze die Macht des Konsumenten bei weitem höher ein als die Macht der Politik. Ändert das Konsumverhalten, fordert vom Produzenten, bestenfalls einheitlich, und ihr werdet den Markt verändern - höchstwahrscheinlich sogar schneller als die Politik - und damit auch Produktionsweisen und folgerichtig die Einflüsse der Produktion auf die Umwelt. Bleibt hartnäckig.
Aber:
Dennoch braucht es auch die richtigen Weichenstellungen aus der Politik.

Und deshalb:
braucht es eine hohe Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl und EIN deutliches Signal der Wähler*innen!

Ich befürchte aber, dass es nach der Bundestagswahl sehr schwierig wird, eine Konstellation für eine stabile Regierung zu finden, die die richtigen Entscheidungen trifft UND konsequent umgesetzt.
Skywise hat geschrieben: Do 12. Aug 2021, 18:11 Wenn wir immer noch beim Thema Nachhaltige Beschaffung bleiben, dann gibt es verschiedene Rufe, daß die Politik doch gefälligst allen Vertretern der Öffentlichen Hand ans Brett vorm Kopf schreiben solle, daß nachhaltige Artikel nicht nur beschafft werden KÖNNEN, sondern auch beschafft werden SOLLEN. Nun, die Forderung ist schön. Scheitert aber daran, daß „Nachhaltigkeit“ noch nicht alle Bereiche des täglichen Bedarfs umfaßt, und eine Kommune hat beispielsweise ein ziemlich buntes Repertoire an Produkten, das beschafft werden muß
Das ist in der Tat eines der Probleme, das unbedingt und unverzüglich geregelt/geklärt werden muss, denn solange das "Prinzip Nachhaltigkeit" noch nicht in den Köpfen angekommen ist, wird sich überhaupt nichts ändern!
Dieser Beitrag enthält 277 Wörter


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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#31

Klingt ein bisschen pathetisch und irgendwie ist es auch Werbung für das Projekt, aber er hat meine Sympathie

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Infotext zum Video
Veröffentlicht am 17.08.2021 auf dem YouTube Kanal von Breaking Lab

Nicht nur unser Weltklima ändert sich, sondern auch das Klima in unserer Gesellschaft. In einer Zeit, in der es unfassbar wichtig ist, dass wir miteinander arbeiten, tun wir genau das Gegenteil und kämpfen gegeneinander. Das Ergebnis davon ist oft: Nichts. Denn kaum ein Mensch fängt an sich zu verbessern, wenn er angeschrien und beleidigt wird. Deshalb will ich und wollen wir mit YouTopia ein Zeichen setzen, dass es sinnvoll ist, zusammen zu stehen und gemeinsam Schritte zu gehen.

YouTopia ist vom 01.09 17:30 bis 05.09 hier auf meinem YouTube Kanal und den Kanälen der vielen Beteiligten live zu sehen.

Mit dabei sind @rewinside​ @JANAklar​ @Alicia Joe​ @SurvivalMattin​ @Knossi​ @Marius Angeschrien​ @Marvin​ @twenty4tim​ @Kayla Shyx​ @DYMA​ @Theo Carow​ @Tomary​ @Lisa Küppers​ @Doktor Whatson​ @Robert Marc Lehmann - Mission Erde​ @InsecthausTV​ @Chany Dakota​ @Jana Riva​ @Gnu​ @HoneyPuu​ @Kunshikitty​ @Regina Hixt​ @tomatolix​ @Silvi Carlsson​ @Nona Kanal​ @Tina Neumann​ @Leon Content​ Günther Jauch, Thore Schölermann, Tim Bendzko, Quer Beat, Lugatti &ine und viele mehr.

Redaktion: Ole Siebrecht, Seyla Güclü, Jacob Beautemps
Kamera: Carsten Vilo
Schnitt: Hendrik Messner, Patrick Müthing
Dieser Beitrag enthält 338 Wörter


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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#32

Im Urlaub bin ich eifriger Podcast Vertilger und bin schon vor ein paar Tagen auf eine Sendung gestoßen, die hierzu eine passende Ergänzung ist, wie ich finde:
Lilienthal hat geschrieben: Mo 26. Jul 2021, 20:20 die Meterologen warnen schon länger, das es schlimmer werden und öfter kommen, weil sich Hochdruckwetterlagen oder Tiefdruckwetterlagen in einer Region regelrecht festbeißen und nicht mehr so wandern wie früher als der Jetstream noch stärker war.
Ein Podcast von B2 - radioWissen mit dem Titel Klimaforschung - Eine lange Geschichte!
radioWissen hat geschrieben:Treibhauseffekt, Klimawandel und die Folgen von viel Kohlendioxid in der Atmosphäre sind nicht erst seit heute, sondern schon lange bekannt: Dass die Menschheit durch ihren CO2-Ausstoß das Klima der Erde verändern kann, wurde bereits im 19. Jahrhundert entdeckt. 1956 warnten Forscher vor einem gefährlichen "geophysikalischen Experiment", das aber bis heute weiterläuft ...

Das Manuskript zur Folge gibt es HIER.

Das Max-Planck-Institut für Meteorologie hat 2012 ein Klimamodell mit globalen Durchschnittstemperaturen ab dem Jahr 1530 veröffentlicht. Der Musiker Jörn-Peter Boll hat, wie in unserer Sendung erwähnt, diesen Temperaturverlauf hörbar gemacht. In den rund 200 Jahren, seit Joseph Fourier den Treibhauseffekt entdeckte, hört man die Erwärmung schon deutlich. Die Vertonung gibt es HIER. (Quelle: Youtube)

Lesenswert sind außerdem die frühen Warnungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft von 1971 und 1985.
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Sep 2021 05 01:05

Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von migoe

#33

Jan Hegenberg aus Wiesbaden verschlug es nach seinem BWL-Studium in die IT-Branche, für die er heute noch als Selbständiger tätig ist. Vor einigen Jahren gründete der dreifache Vater den Blog Der Graslutscher .

Hier möchte ich auf seine Artikelreihe How to Energiewende in 10 Jahren hinweisen. Er geht darin auf Fragen und Mythen zum Thema Energiewende ein, gibt Einblick in die technische Entwicklung und zeigt die politischen Möglichkeiten auf, die ergriffen werden können, um in Deutschland (und anderen Ländern) eine echte Transformation der Energiewirtschaft vorzunehmen.

Ist vielleicht für einige interessant. Wir können uns ja nicht ewig das Märchen erhalten lassen, das es überhaupt nicht möglich wäre ohne fossile Energieträger auszukommen. Besonders die große Nebelkerze "Primärenergie kann nicht durch wenn heute Energien gedeckt werden" wird im zweiten Teil gut herausgearbeitet.

Die Artikel sind in einer leichten und verständlichen Sprache geschrieben, der Autor verwendet zwar Fachbegriffe, erklärt sie aber und versucht insgesamt mit der lockeren Schreibweise auch diejenigen Leser abzuholen, die es normalerweise nicht gewohnt sind SO lange Texte am Stück zu lesen, denn die einzelnen Artikel sind ausführlich, detailliert und dadurch sehr umfangreich. Die verwendeten Grafiken und Diagramme sind nicht immer sofort leicht verständlich, werden aber gut erklärt.

Sehr interessant sind auch die Diskussionen im Kommentarbereich unter den jeweiligen Artikeln. Allerdings kann teilweise der Eindruck entstehen, als würden sich Experten unter dem Artikeln kritisch äußern, bei genauen hinsehen/lesen habe ich oft den Faden Geschmack von "Trollschmock" in den Augen...
Teil 1:
Teil 2:
Teil 3:
Teil 4:
Teil 5:
Teil 6: *** Teil 6 wird nachgereicht bis 10.09.2021 ***
Man kann es natürlich auch alles anders sehen, aber weiter wie bisher ist einfach nicht mehr drin!
Dieser Beitrag enthält 302 Wörter


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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#34

Weil ich das hier gerade auf den virtuellen Tisch bekomme, leite ich das einfach mal weiter ...
https://www.nabu.de/landingpages/27173.html

Gruß
Skywise
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Klimawandel, was können wir tun?

Beitrag von Skywise

#35

War gestern in einer kostenlosen Nachmittagseranstaltung im hiesigen Kleinkunsttempel.
Vor ein paar Monaten hat's die Premiere gesetzt von einem Programm namens "Wer im Treibhaus sitzt". Der Schauspieler und Kabarettist MIchael Müller hat zusammen mit seiner Springmaus-Kollegin Susanne Pätzold ein Infotainment-Programm auf die Schiene gebracht zum Thema Bioökonomie. Übersetzen wir das mal als "Wirtschafslehre auf biologischer Basis".
Mit dem Programm hat er sich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung beworben und dieses hat das Programm als so förderwürdig betrachtet, daß aktuell die beiden im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2020/2021 kostenlose Gastspiele mit diesem Programm geben, wobei die Veranstaltungen oft in den einschlägigen Veranstaltungsstätten an spielfreien Tagen oder irgendwann zur Nachmittagszeit "eingeschoben" werden, da die Programmplanung in den allermeisten Fällen bereits abgeschlossen war, als das Programm das Licht der Welt erblickte.

Das Programm selbst ist recht ausgewogen, besteht zu einem Drittel aus Filmmaterial; in den Schnipseln werden aktuelle Entwicklungen gezeigt, Hintergründe erklärt, Zahlen vermittelt. Ein Drittel des Programms besteht aus Liedern und Sketchen, die einen satirischen Blick auf die Entwicklungen oder die Zielgruppen richten. Das dritte Drittel besteht aus Publikum-Mitmach-Aktionen, sei es in Form eines Quiz' oder einer Verköstigung. Man hat auf jeden Fall für ca. anderthalb Stunden gute Unterhaltung.

Natürlich sind die in Filmen und auf der Bühne gezeigten Beispiele nicht für jeden Menschen interessant, aber trotzdem ist es mit Sicherheit interessant, Denkansätze kennenzulernen oder überhaupt erst einmal mitzubekommen, was sich denn so alles am Markt tut. Eine Informationsquelle, aus der sich zumindest der Informationsteil des Programms speist, ist die Seite https://biooekonomie.de - ich gebe sie einfach mal weiter. Auch hier: nicht alle genannten Themen sind für jeden interessant, aber ich glaube, das schadet nicht. Und ein paar Anregungen kann man sich dort bestimmt auch abholen.

Und wer vielleicht die Chance bekommt, das Programm live zu sehen - ist bestimmt kein Fehler.

Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 326 Wörter


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